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Jüdische Presse · 1929-01-25 · 4 (25.1.1929) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
4 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 4 JÜDISCHE PRESSE Seite $ Jacob Rosenheim über Gegenwartsziele der Agudas Jisroel. Eine imposante Agudah-Kundgebung in Berlin. dem Weltkriege einen Seite köndurch den Krieg Im Rahmen der Agudas Jisroel-Orts- und Jugendgruppe Berlin sprach am Montag, den 21. Jänner abenus der bekannte Führer der Weltorganisation Agudas Jisroel, Herr Jakob Rosenheim (Frankfurt a. M.) im vollbesetzten Saale des ״Tiergartenhof“ über das Thema: ״Die gegenwärtige Lage der gesetzestreuen Judenheit‘׳. Die Versammlung leitete Herr Dr. Jakob Levy. Herr Jakob Rosenheim zeigte eingangs seiner Be- Pachtungen zwei Entwicklungslinien auf. welche die Verhältnisse der Gesamtjudenheit nach entscheidend beeinflußt haben. Auf der nen wir zwar als Folgeerscheinung der zerstörten Kulturwerte eine Zurückdämmung der materialistischen Weltanschauung und ein stetig wachsendes Verständnis׳ für das religiöse Element wahrnehmen. Dieser gegenimer läuft jedoch parallel eine andere Entwicklangslinie, hervorgerufen durch die ebenfalls mit dem Kriege in besoliderem Maße entfesselten nationalen Interessen, die einen Teil der Judenheit erfaßt haben, welcher nun aus dem jüdischen Volk ein nationales Gebilde nach dem Vorbild und Wesen der Weltvölker machen will ohne B eriicksichtigung der einzigartigen Aufgabe, die ihm als Volk der Thora am Sinai geworden. Diese nationale Assimilation hat die individuelle Assimilation des sterbenden jüdischen Lberalisrnus abgelöst und weite Kreise unseres Volkes in vollständiger V e rkennung des ureigensten Wesens der jüdischen Nation erfaßt. Hierin liegt die ungeheure Tragik des jüdischen Volkes. In dieser Situation will nun die Agudas Jisroel die Glieder der gesetzestreuen Judenheit vereinen, um einerseits durch Zusammenschluß der Kräfte die Judenheit auf ihre geschichtliche und g-ttgewollte Be- Sonderheit zu gemahnen und andererseits die Mittel und Wege zu suchen, die geeignet sind, die r eligiösen und ethischen Ziele des Sinaivolkes zu verwirklichen. Redner skizzierte alsdann kurz die vier Hauptgruppen, die heute das. Rückgrat der gesetzestreaen Judenheit bilden, der litauische, der polnischchassi di.sche, der westeuropäische und der ungarische Typus. Auf Grund dieser Gruppierung charakterisierte er die Differenzierungen zwischen jeder einzelnen Gruppe nach sechs Gesichtspunkten: 1. Die historisch-geographisch gegebenen Unterschiede. 2. die kulturellen (Bildungsfragen). 3. die halachisch-ethischen, 4. die speziellen, sehr persönlich orientierten Unterschiede zwischen den chassidischen Gruppen Polens. 5. der nattirliehe Gegensatz zwischen Jugend und Alter und 6. die sozialen Gegensätze zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. .Es ist nun , י die große Aufgabe der im EIuL staftlindpuden zweiten ׳ Kenessio Gedaulo und der ihr , im Tjar voraüsgehenden Tagung des Großen Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel, diese verschiedenen Gruppen wiederum zusammenzuf(ihren zu gemeinsamer Beratung unter verständnisvoller Berücksichtigung der besonderen Lage jeder einzelnen, um die bisherigen ideelen und praktischen Aufgaben zu fördern und neue in Angriff zu nehmen Es braucht in diesem Zusammenhang nur hingewiesen zu werden auf die große kulturelle Leistung, die mit dem Beth-Jaakaw- Schulwesen vollbracht wird, welches heute schon 15.000 Besucher zählt und in ständigem Wachstum begriffen ist, ebenso die Erhaltung und Förderung der Thora״Lehrstatten in der Diaspora und des Schulwerkes der Agudas Jisroel in Erez Israel. Eine besonders wichtige Aufgabe wird ihr in der wirtschaftlichen und sozialen Fürsorge für Schomre Schabbos erwachsen. Eine wichtige Rolle wird auf der Tagung des Rabbinischen Rates und der ]{.pnP<;<sjo Cedaulo die Frage der Beteiligung an der Jewish Agency spielen, eine Frage, die die zentralen Instanzen der Agudas Jisroel seit Jahren beschäftigt. Voraussetzung für eine solche Beteiligung ist, daß der Keren Haiessod die Förderung kultureller Institutionen, unter denen sich ja auch leider eine Reihe nicht religiöser Anstalten befindet, aus seinem Aufgabenkreis ausscheidet, diese Aufgaben vielmehr hiefür zu schaffenden Organisationen überläßt und sich lediglich auf die wirtschaftliche und kolonisatorische Betätigung im Heiligen Lande beschränkt. Dann wäre die Möglichkeit für eine enge Z׳usammenarbeit auf w i r t s ch a i 11 i ch e tn Gebiete offen. Sowohl die Agudas Jisroel als auch die Zionistische Organisation ■haben aus ihren bisherigen Erfahrungen gelernt; daß eine selbständige großzügige kolonisatorische Arbeit im Heiligen Lande fast unmöglich ist und nur durch Zusammenschluß aller jüdischen Kräfte eine erfolgversprechende wirtschaftliche Aufbauarbeit durchfülirbar sei. Auf die Einstellung der verschiedenen gesetzestreuen Gruppen, vor allem in Deutschland, zu dem Wesen der Agudas Jisroel eingehend, wobei er auch den Charakter des so heiß umstrittenen § 4 der Verfassung (Wählbarkeit in die zentralen Organe) erläuterte, machte Redner die bedeutsamc Bemerkung, daß sich die verschiedenen Anse h a u u n g c n über das Wese u. die 0 r g a n isatorisebe Form und den Aufgaben kreis der Agudas Jisroel am g >e •c i •g n c t s t e n und ״ t .. . »י/ DCfi SCHLAGER von :hOmmäaeanaus TlSS<Zi AUCH TEILZAHLUNG! . .WIEN.IV.MEDmHAUPTSTR?9 TEL. U »8-2- 52 Wir liefern 10 neue Platten mit S 10.— Anzahlung und S 2— Wochenrate ohne Preiserhöhung wirkungsvollsten durch die Bildung von entsprechenden Fraktionen auf der Ken essio Gedaulo vertreten lassen. Die Aufgabe der Kenessio Gedaulo ist eine dreifache: 1. Die historische jüdische Nation und die Eindeutigke.it ihres Wesens nach außenhin den Weltvölkern gegenüber zu dokumentieren; 2. die verfassungsmäßigen und organisatorischen Grundlagen der Agudas Jisroel einer eingehenden Prüfung zu unterziehen; 3. die organisatorischen und praktischen Aufgaben für die nächsten Jahre zu bestimmen; endlich, die geeigneten Führer zu wählen. Redner richtete am Schlüsse seiner gedankenreichen, mit stürmischem Applaus auf.genommenen Rede den drinsenden Appell an die Versammlung, daß Jugend und Atter’in einträchtiger Zusammenarbeit die kommenden Monate dazu benützen mögen, die ideellen und materiellen Voraussetzungen für die würdige Gcstaltung der Kenessio Gedaulo zu schaffen. In seinem Schlußwort feierte der Leiter der Vor- Sammlung den großen Führer und sprach das Gelöbnis aus. daß die Berliner Agudas Jisroel-Orts- und Jugendgruppe all ihre Kräfte einsetzen wird, um sich an der Vorbereitung für die Kenessio GedanJo entsprechend zu beteiligen. Eine Abordnung der Agudah Forderung nach ofiizfelelr Anerkennung der extremen orthodoxen Gemeinden. Jerusalem. (J. T. A.) Eine Abordnung der palästinensischen Agudas Jisroel, geführt vom 80jährigen Rabbi Sonnenfeld, erschien am 18. d. M. im Regierungshaiise und wurde vom Oberkommissär Sir John Robert Chancellor empfangen. Die Abordriuug sprach die dringende Forderung aus, die aschkenasische Gemeinde in Jerusalem wie überhaupt die orthodoxen Gemeinden, die sich der Knesseth Israel nicht unterordnen wollen, als selbständige Gemeinden anzuerkennen. Der Oberkommissär erv/iderte der Abordnung, er habe früher geglaubt, daß eine geschlossene jüdische Gemeinschaft in Palästina im Rahmen der Knesseth Israel zu erhalten möglich sein wird; jetzt sehe er aber ein, daß die I n s 111 u t i 0 n einer Einheitsgemeinde fast eine Unmög- Iichkeit sei. Er werde demgeraaß sein B e s t e s t u n, um beide Parteien, die Knesseth Israel• wie-die Orthodoxie, zufried e n z u s t e 11 e n. Die Mitglieder der Aguda-Abordnung betonten im Verlauf der Unterredung, daß die Agudah bereit Telephon: R-42-3-41 . Taborstrasse 8 Heute und täglich Heute und täglich derväter ter Ein Lebenslauf aus den Winkeln des Ghetto zu den Revuebühnen New Yorks ✓ Ein beispielloser Welierfolg! In der Hauptrolle AL JOLSON — der für die Rolle des Niggersängers 600.000 Dollar bezog! D8i Firn d» ReKordbesucne! London 12 Wodien Berlin 14'wochen R P, n י ח ח י w«»d»enta*• : 7,6, V,8 מין d 9 ’ ' י Satmtag, onn* und Feteitag lhS, 6, 1/s8 und 9 Uhr Ein Frankfurt a.M. 8 Wochen Hamburg 6 Wodien Film der Mondial Unter anderem singt der berühmteste u״d W*«!« AJ.i. bei ebteste Kantor der Welt Oberkantor ■wOSCOaMcMU[ Das gesamte musikalische Arrangement Kapellmeister Herrmann sei, mit dem Waad Leumi (Jüdischer NätionaJrät) als der Repräsentanz der Knesseth Israel jederzeit zusamenzuarbeiten und daß eine solche Zusammenarbeit bereits in der Angelegenheit der jüdischen Vertretungen in den Stadträten und in der Frage der Klagemauer in Erscheinung getreten ist. }׳■ ' 0er Kampf um den amerikanischen’־ ׳'.• Dollar. Der amerikanische Dollar wird rar. 15 Jahre lang brachte die amerikanische Judenheit geradezu phantastische Summen von Dollarmillionen auf dem Altar der Wohltätigkeit tiir die osteuropäischen und palästinensischen Juden dar. Sie ist nun müde geworden; auch machen die amerikanischen Juden in letzterer Zeit Wirtschaftskrisen• durch, die es ihnen nicht mehr ermöglichen, in dem früheren Ausmaße Gelder z11׳ Wohlfahrtszwecken aufzuwenden. Je weniger die amerikanische Judenheit auf dem Gebiete der Philanthropie leisten kann, umso größer und erbitterter ist der Kampf der Empfänger um die restlichen Dollar, die noch von Amerika zu haben sind. Die zwei größten Rivalen sind unstreitig Rußland und Palästina. Hie Sowjetkolonisation. dort zionistische Palästinaarbeit. Leider ist es der Orthodoxie nicht vergönnt, aus dem amerikanischen" Goldstrom zu schlürfen. Neidlos kann sie daher den großen und erbitterten Kampf verfolgen, der zurzeit zwischen der zionistischen Exekutive und den Trägern der jüdischen Kolonisation in Rußland ausgcfochten wird. In der letzten Zeit hatte Weizmann, der Präsident der Zionistischen Organisation, Oberwasser gewonnen. Es gelang ihm, mit der nich!zionistischen Marshall-Gruppe das vielumstrittene Agency-Abkommen zu treffen, das eine Erhöhung der amerikanischen Zuwendungen an Palästina erhoffen läßt. Die Lorbeeren Weizmanns lassen nun •die Arbeiter für das russische Kolonisationswerk nicht ruhen. Anläßlich der Veröffentlichung des neuen Abkommens zwischen der Sowjetreglerung und Agro-Jolnt. nach welchem ans Amerika in den nächsten acht Jahren jährlich eine Million Dollar, also insgesamt acht Millionen Dollar nach Rußland rollen sollen, hat der Präsident der ״Komzet“ Herr Mereschin eine Rede gehalten, in der er offenkundig der M i ß s 11 m in« n g Ausdruck ga׳b, die in Rußland gegenüber dem Joint Distribution Committee herscht. weil die Herren dieser Gruppe auch den Zionisten ihre Kassen geöffnet haben. Herr Mereschin versucht die amerikanischen Kleinbürger und Arbeiter gegen die amerikanischen jüdischen Großkapi- ' talisten a!״fzuhetzen und die Vorzüge der russischen Kolouisation gegenüber der zionistischen kt Palästina ins reclite Licht zu setzen. Während noch vor einigen Jahren die zionistischen Eiferer gegen die russische Kolonisation Sturm liefert und Herr Jizchek Grinbaum das ominöse Wort prägte, daß Palästina eine eifersüchtige Braut sei, die keine andere neben sich dulde, scheinen fetzt die russischen Konizet- Leute die Offensive angetreten zu haben und Biro Bidscliau ist auf einmal ״das jüdische Land“ geworden, dem alle jüdischen Herzen zufliegen. Herr Mereschin fühlt sich heute entschieden stärker als die Zionistische Exekutive. Während selbe sich gegenüber den Amerikanern, bei Zunickschiebung der nationalistischen und kulturellen Momente, auf einen• rein ökonomischen Boden zu stellen bestrebt ist, macht Herr Mereschin aus seiner Ideologie kein Hehl, denn er schließt seine Philippika gegen die amerikanisch-jüdischen Großkapitalisten, die mit den Zionisten das Agency-Abkammen trafen, mit dem merkwürdigen Satze*. ״Mit dem Aulbau von Biro Bidschan ais jüdisches Land bauen wir mit an unserem großen sozialistischen Vaterland“. Leider steht die Orthodoxie diesem Kampf um den aiiterikanischen Dollar mit ungewollter Neutralität gegenüber. Der Tanz um das goldene Kalb ist uns auch heute verwehrt. Der Dienst Gottes und die Verbeugung vor dem goldenen Kalbe bleibt scheinbar für alle Zeiten unvereinbar. Das sozialistische Vaterland der jüdisch-kommunistischen Kolonisten in Rußland und das zionistische Ideal der Palästina-

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