Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 49 (21.12.1928)
- Date
- 1928-12-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 JÜDISCHE PRESSE Seite 313 wissen will, so war er doch in der jetzigen Lage sozusagen ein Gefangener der Situation, die ,Anhänger der unverfälschten Orthodoxie und ihre .Führer, obschon sie mit offenen Augen das schnell schreitende Unglück;herannahen sahen, so waren sic doch bar aller (Mittel, um es aufzuhalten* denn bei. Berücksichtigung der eingangs geschilderten hierländisehen )Zustände und der daraus sich ergebenden politischen Möglichkeiten war ihnen doch der einzige Weg zur Unterstützung der Regierung kategorisch vorgezeichnet.!Man muß diese Tatsache, wie betrübend sie auch ist, so!hinnehmen, wie sie eben ist. man darf sich keiner Selbsttäuschung und auch keinem ׳Fatalismus hingeben, wir müssen vielmehr den Dingen, die da kommen sollen, mit hellem Auge, mit klarem Verstände, mit kalter Ueberlegung, mit unerschütterlichem Willen und mit kühnem Mute entgegensehen. Es ist gewiß, daß der Zionismus, der in dem schwer zu begeisternden Siebenbürgen nur aus Angst vor den Schrecken der in düstere Wolken gehüllten ׳Nachkriegszeit und durch die aus diesen ׳Nöten׳ sicher rettende .Aussicht auf das von heute auf morgen aus der Erde zu stampfende Palästina, das so;jüdisch sein werde, wie England englisch ist, vor zehn Jahren über Nacht so mächtig Fuß fassen konnte, aber in den letzten fünf Jahren, durch den Zusammenbruch der zionistischen himmelstürmenden ׳Landaufbau- ■ tätigkeit, infolge des Wehgeschreis der vielen hunderte als Bettler aus Palästina zurückgekeihrten Schiffbrüchigen immer mehr an Terraiu und Bedeutung als Volksbewegung verloren hat und namentlich in den letzten drei Jahren bloß vegetierte und nur ein von keinem denkenden Menschen ernst genommenes ,Scheindasein führte; es ist gewiß, sage ich. daß dieser scheintote Zionismus durch den nie geahnten Wahlerfolg nun neues ׳Lebenselixier erhalten wird und die bereits im Erlöschen begriffene Flamme aus allen ■Lungen wieder augefaoht werden wird. Die Orthodoxie muß sich daher auf neue Kämpfe gefaßt machen und sich rechtzeitig für diesen! ׳Kampf!rüsten. Den ersten Vorbeugungssohritt ׳hat die ■Orthodoxie bereits unternommen. Sie schickte nämlieh eine aus den!Rabbinern von Bistritz, Turda, Vasarhely und Scihäßberg und zwei Laienmitgliedern bestehende.A׳bofdnung an den Ministerpräsidenten und an die •Minister des Innern, des Kultus und des Unterrichtes, um sie zu ihrer Ernennung zu begrüßen!. Bei dieser Gelegenheit nahm die Deputation •die Gelegenheit wahr, um die vier bezeieihneten, für •die Ausgestaltung der Entwicklung der jüdischen An- ־ . gelegenheit am entscheidensten ins Gewicht fallenden Minister über den Standpunkt der!Orthodoxie in Kenntnis zu setzen.;Kanzleipräsident!Herr Rabbiner lUllmann, Bistritz, ׳legte schon im voraus energischen Protest dagegen ein, ■daß die voraussichtlich ins Parlament gelangenden Zionistenfüihrer Transsylvaniens als die berechtigten und!legalen Vertreter des orthodoxen Judentums Siebenbürgens 1betrachtet werden sollen. Die Regierung möge es z׳u׳r Kenntnis nehmen, daß der weitgrößte Teil der Juden Transsylvaniens, der durch die orthodoxe Organisation erfaßt wird, keinen anderen Vertreter im Parlament habe als die Regierung selbst. Da diese!jedoch 'kein aus eigenem Wissen stammendes richtiges Urteil über orthodox-jüdische Fragen!hat, •so ׳ist es der unausweichlich׳© und billigerweise nicht außeracht zu lassende Wunsch der Orthodoxie, daß ׳in •allen aufs Tapet kommenden Fragen di© Regierung!und •die Fachminister samt ihren Organen die Meinung der orthodoxen Zentrale •einhalen, ׳und ■zwar nicht nur in religiösen Fragen paT excellence, sondern ■auch in scheinbaren Verwaltungsangelegenheiten, denn auch diese sind für den orthodoxen Juden religiöser Natur und •können nur von ihm selbst begutachtet werden. Nebst. verschiedenen Wünschen, die das Reglement des neuen• Kultusgesetzes betreffen, und dem eindringlichen Verlangen der Aufhebung ■des Schreibzwanges der jüdischen Staatsschulschüler an Scihabbosim und Jomim tauvim •empfahl die Abordnung dringlichst der Erwägung ■des neuen Kabinettes noch ■einen sehr wichtigen Punkt. Ich habe schon vor einigen Monaten in der Besprechung des neuen rumänischen ׳Kultusgesetzes betont, daß die ■Bestimmung, wonach nur die bereits bestehenden orhodoxen Gemeinden! Siebenbürgens und der anderen vom alten /Ungarn abgerissenen Gebiete in ihrer Selbständigkeit verbleiben dürfen, jedoch keine!Neubildung solcher Gemeinden Anerkennung finden würde, einen :ausgesprochenen Gewissenszwang bedeutet. Ich hob dort hervor, daß unsere Orthodoxie gegen diesen Passus ankämpfte, daß ■sie aber im ungleichen newer könnte beinahe schon auf eine Geistesverwandt- Schaft mit dem Bankier, der seine phantastischen Pläne mit einem Flug in den Tod abschloß, schließen lassen. Wilhelm II. wollte wegen ״ein paar hundert Juden“ nicht abdanken. (J. T. A.) Dem ״!Berliner Tageblatt“ ׳werden von Herrn Heinrich Petermeyer Aufzeichnungen des 1H0f- Predigers Dr. Vogel ■über ׳die!letzte Unterredung, die Wi'lhtelm II.!am 3. November 19118, wenige Tage vor seiner Hotliliandtfahrt mit •dem Hofprediger, der sein besonderer Vertrauensmann war, ■gehabt hat. übergeben. Wilhelm II. sagte u. a.: Also vorgestern war Drews bei mir, mim mir von der Regierung, von )dieser sogenannten Regierung, michits Getingenes als!meine Abdankung nahezulegen. Na, ich hat»’ ihn erst herauskommen!lassen, und dann ihaib’ ich mir den!Mann gekauft, ihn angesehen -— so! — und gesagt: Was? Sie als preußischer Beamter u!nd Untertan, Sie wagen es, Sie unterstehen sich, vor mich hinizutreten mit solch einem Angebot?! Sie hätten, fuhr Wilhelm!11. fort, bloß sehen sollen, wie der Mann zusam/menfuhr. Den ■Schreck hätten Sie sehen sollen! Wilhelm 11. teilte dem Hofpte'diiger Dr. Vogel mit, was er i׳m Verlauf der weiteren Unterredung de!m Minister Dr׳e!ws gesagt ■hat:!Ich denke gar nicht daran, den Thron zu verlassen wegen ein paar hundert Juden, den zweitausend Arbeitern! Das sagen ■Sie Ihren Herren in Berlin! Jetzt sitzen sie zusammen in Berlin, fuhr Wilhelm II. in seinem!Gespräch mit Dr. Vogel fort, und beraten, beraten und kriegen nur dicke Köpfe; keiner weiß, was er eigentlich will. Natürlich sind auch gute Köpfe darunter. Da ist •z. ß. der David, ein ganz gescheiter Mann — kein ‘Jude! Nein, nein, denkt gar nicht daran!! Pastorensohn, beii einem Superintendenten erzöge 1i, aber voll von Menschetwerbriiiderung, kosmopolitischen Ideen — aber ein guter!Kapp i!st er . . . Liusingen ist in Berlin mit treuen Truppen, ■und ebenso sind die anderen Großstädte besetzt. Wir schicken auch noch mehr hin. Und das ׳sag’ ich Ihnen: Wenn mir das Geringste!passiert, dann schreib’ ich ihnen . die Antwort mit Maschinengewehren׳ aufs Pflaster, und wenn ich mir mein eigenes ׳Schloß!zerschieße — aber Ordnung muß bleiben . . . Die ganze Sache geht überhaupt Kampf© gegen die von der vorigen Regierung favorisierten, in Bukarest residierenden •Uniunea unterlag. Nichtsdesto- ,weniger war in den letzten Wochen in der Ausländer uninformierten! jüdischen Presse ein inspirierter Artikel zu lesen, der den Führern unserer Orthodoxie heftige .Vorwürfe ob ihrer ׳Untätigkeit und Gleichgültigkeit macht, mit der sie den Orthodoxen der anderen Provinzen, namentlich denen des Altreiches, gegenübersteittt, wodurch diese isoiiert •und zur Erfolglosigkeit verdammt dastehen. Es ist zu bedauern, daß Menschen, die selbst nicht über Zustände und Probleme orientiert Sind, die orthodoxe Leserwelt darüber orientieren wollen. Wer den ganzen Werdegang unserer Organisation bis ■zur Sanktionierung unseres Landesstatutes seitens der rumänischen Regierung kennt, der weiß, daß unsere offizielle ■Orthodoxie sich oft mit der ganzen!Kraft ihrer lUeberzeugung dafür eingesetzt hat, daß die Bildung orthodoxer Organisationen für ganz Rumänien gestattet werde. Auch die genannte Abordnung ließ ©s an Versuchen nicht fehlen, das neue Kabinett zur Abänderung jenes rechtraubenden ׳Punktes des Kultusgesetzes zu be- ■wegen ׳und die Bildung neuer orthodoxer Kultusgemeinden im ganzen Reiche zu gestatten. Es ist auch begründete!Hoffnung vorhanden, daß dieses ehrliche Streben und die fortgesetzten Bemühungen ■der kompetenten Kreise von Erfolg gekrönt enden wird. Ein maßgebender Faktor des Kabinetts gab ■sogar schon ׳die Zusage, den! beanständeten Punkt des Kultusgesetzes, wenn *nicht anders, so doch in novel- 1 arischem Wege der Religions- und Gewissensfreiheit entsprechend abzuändern.;Hier taucht nur dann die Frage auf, ob die nachher in allen Provinzen entstehenden orthodoxen Gemeinden in eine gemeinsame ׳Organisation zusammenzufassen wären. Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich da in Kürze den einzig richtigen Standpunkt unserer Orthodoxie bekanntgebe, der dahin lautet, daß die siebenbürgische Orthodoxie nichts gegen eine einheitliche organisatorische Zusammenfassung sämtlicher in allen Gauen Großrumäniens sich befindenden oder in Zukunft •erst entstehenden orthodoxen Gemeinden einzuwenden hat, insofern ■jene Körperschaften diese Vereinigung ■auf Basis des vom Ministerium bereits sanktionierten Organisationsstatuts der transsylvanischen Orthodoxie!anstreben und erreichen wollen werden. Diese Forderung ist unsererseits eine conditio sine qua non. Hierüber, lassen wir uns in keine Diskussion ein. denn dieses Organisationsstatut ist ׳eben •in seinen Hauptzüg-en identisch mit jenem!Grundstatut der ungarischen ׳•׳Orthodoxie, das das Ergebnis der angestrengten und gewissenhaften Geistesarbeit unserer großen Geonim und Caddiiktm ist, die ׳in vielen schlaflosen Nächten unter Tränen und ■heißen Gebeten )jenes Palladium,;!jenen mächtigen Schutzwail der Orthodoxie und ihrer heiligen Interessen, geschaffen, der seine Brauchbarkeit und Widerstandsfähigkeit im Laufe des verstrichenen halben Jahrhunderts nicht eingebüßt, sondem vielmehr erhärtet und überzeugend dargetan!hat. ■Dieses Schutzwalles, dieses von unseren frommen: und weisen ׳Vätern überkommenen teuren Erbes werden wir unter keinen )Umständen,, niemandem zuliebe entsagen. Allerdings steht dieses Furidamentalstatut im entschiedenen Gegensatz zu!jenem vor einigen־ Wochen von der bessarabifschert Juderüheit ausgeärbeiteteri"’׳und bereits angenommenen Statut, demzufolge das passive Franenwahlrecht Heimatsrecht in den!jüdischen Kultusstuben bekam und׳ das auch die ■jüdischen Theater u,nd Kinos zu den Institutionen der Gemeinde zählt, die ans Gemeindemitteln unterstützt werden müssen, insofern©' sie an Sabbat- und Feiertagen •׳keine Aufführungen veranstalten. Es gibt unstreitig unter der ungefähr ■eine Viertelmilliion zählenden Judenschaft Bessarabiens viele, die mit jenem ■Grundstatut nicht einverstanden sind und di© vielleicht nur auf •die Gelegenheit und Möglichkeit warten, um aus ■einer den jüdischen Traditionen und einem unverfälschten!jüdischen Empfinden hohnsprechenden Einheitlichkeit auszutreten und einer währen, rückgratstanken, prinzipientreuen Orthodoxie sich anz 11 sch ließen. Diesen und. allen ihren Gesinnungsgenossen in sämtlichen Provinzen Rumäniens ■wollen wir behilflich sein, daß sie ihr Ziel •erreichen; diesen wollen wir mit Rat ■und Tat beistehen, damit sie!je •schneller die Kinderkrankiheiten einer ■jeden jungen Organisation• überwinden. Diesen Filialen wollen wir ehrlich©, betreuende Mutter sein, wir wollen, können und werden uns aber niemals von den in Organisation, Tradition, Charakterstärke und Erfahrung weit )hinter uns zurückgebliebenen Gemeinschaften bemut- GRAMOPHONFREUNDE^ <J V IST W DER SCHLAGER W von 1929. 0zeimädQdhaüs WENJV.WIEDNER HAUPTSTR. 79 TEL. U (,fl-2-52 VUJCH TEILZAHLUNG! Wir liefern 10 neue Platten mit S IO.— Anzahlung und S 2.— Wochenrate ohne Preiserhöhung tern lassen. Dies muß jeder ernst denkende, unvoreiligenommen urteilende Mensch ■als ׳einzig richtigen Standpunkt einer auf eine bereits 60jä’hr.ige Vergangenheit zurückblickenden Orthodoxie anerkennen. Sie steht auf ihrem!historischen Boden und hält ihr ׳Organisationsstatut in ihre® Rechten, die sie bereit ist, um jeden zu schlingen, der sich die Grundwahrheiten' dieses Statuts zu eigen machen will, sie wird aber um gar keiner Phrasen und Rücksichten willen dieses von den Begründern der Orthodoxie geschaf- •fene Statut preisgeben, denn es ist ihr unveräußerliches Vermächtnis und hat das Gefühl: in hoc signo vinces. © Nachrichten I0 Zur Beachtung I Auf vielfachen Wunsch, der aus dem Kreis unserer aus den Ostländer stammenden Wiener Leser geäußert wurde, werden wir fortab זמן הילפת הנר עמוצ״ש nach den .מנהג ותיקי nach welchem unsere ostländischen Brüder sich richten, veröffentlichen. Die Zeitbestimmung wird uns allwöchentlich vom ״Hithachduth Jereim“ zur Verfiigung gestellt. "התאחדות יראים" ווינה ״Hitachdut Jereim“ Vereinigung Thoragesetzestreuer Juden in Wien II., Heinestraße 30. T. 15. . ב״ה ס׳ ויגש זמן הדלקת הנר עש״ק •שעה 3 עם 50 מעוט זמן שקיעת החמת עשעז שעה 4 עם 03 מעוט זמן הדלקת הנר מוצש״ק שעה 5 עם 02 מעוט Klara Hofbauer ע״ה In innigem Gedenken. ׳In der Blüte;ihrer Jahre ist sie •dahingegangen. Ein Leben, reich an Sonne und aiich reich, an Schatten, leiddurohwirkt. und doch so lebensvoll .’und lebensfroh, hat seinen •jähen ׳Abschluß ■gefunden. Und ׳wie einen grellen! Mißton in der harmonischen Musik der Sphären empfinden' wir es: Ein Stern, ■ein strahlender, ist untergegangen. Klara ׳Hofbauer war ein! Mensch wie selten •einer, aufrecht und voll Lebensmut, und selbst jahrelanges ■Leiden, konnte sie ■nicht niederdrücken. Die physische Ruhe, .׳die! iihr auf gezwungen, sie wußte sie zu nützen; sie lernte und bildete;ihren Geist bis in die letzten Zeiten. Die ■stillen, besohaulichen Stunden haben sie vergeistigt und verinnerlicht.. N׳i׳e kam ein Wort der üblen ׳Nachrede über ihre •Lippen׳,, nur Gutes wußte sie und •Schönes von ihren Mitmenschen■ zu׳ sagen —, ,wie sie denn auch nur ׳Gutes, Edles und Liebes zu ■geben vermochte. Wer jemals in den Bannkreis dieser gütigen Frau getreten!, der konnte sich dem 'Zauber ihrer׳ ' Persönlichkeit nicht entziehen, so viel Freundlichkeit strömte .von ihr aus. Sie war ein g-ttbegnadetes Wesen!; In ihrer Jugend schon war sie der Sonnenschein in׳ ihrem Elteriihau.se, •die •Lust und Freude ihrer Gespielen.. Als heranwachsendes Mädchen der Liebreiz •und die Anmut, in •eigener Person. Und dann, in ihrer glücklichen Ehe, da war sie der gute Genius •ihres 'Hauses. Wohl niemals hat. ein Mensch dies traute!Heim betreten, daß er sich nicht ׳bloß von dilesem Beriin aus. Das Volk denkt gar nicht daran. Revolution zu machen. Da!s ״iBertl'iiner. Tageblatt“ fügt hinzu: ״Jedes •Wort des Kommentars würde die Wirkung dieses historischen Dokumentes aibsc!h!wäc׳hen.“ >©© Bücher ©©0 Arbeit׳. Besonders ist hervorzuheben, daß es ihm gedungen׳ ist, die ■im hebräischen Manuskript vorkommenden Abbreviaturen, die man sonst nirgends findet, auch nicht 'in der Responsenliteratur, richtig aufzulösen — ich nahm Einblick in das in der Ku8׳tusgemeind1e׳©־ibliothek befind-• lache Manuskript — und so den •Zusammenhang herzustellen. Es ist nur schade, daß!der (Herausgeber das hebräische Original nicht ׳mit veröffentlicht ׳hat. ׳Raibb. Dr. A. ,H. Teller. Saul Chajes: T ages er eiignisse im Jahr e 1836/37. ׳Randnotizen eines Rabbiners zum Kalender 5597. Sonderabdruck aius iB’nai BVitih Mitteilungen . für Oesterreich, Heft 7/8, Wien 1928. In der Wiener Kultusgemeinde-Bibliothek!befindet sich diese!hebräische Handschrift, die nun vom Archivar Saul C h a ׳j e s, mit )Anmerkungen!versehen, in deutscher Uebersetzung iherausgegeben wurde. Die ׳Randnotizen erwecken einiges Interesse, weil s!ie aus der Hand des p.hi׳lo.so׳ph׳isch gebildeten Rabbiners ׳R. Chaijim Josef Pol- 1 a ׳k aus Trelbitsch, der durch seinen Kommentar מקיר חיים zum בעל העקדה (Preßburg 1849) berühmt wurde, stammen. Außerdem enthalten slie viel Material zur )Kulturgeschichte der Juden. So berichtet uns der Notizenschreiber im Monat Kislew, daß es in Wien viele Abtrünnige gebe und der Prediger sich darum nicht kümmere. Ferner, daß R. Lazar Horwitz zwölf Dukaten erhalten habe, um für das Seelenheil der Cecille Freifrau von Eskeles Mischnajoth zu ״lernen“. Im Monat Tebeth ׳heißt es dort, habe der Qhassam Sop'her einem Bachur aus Loscibitz!die Autorisat)ion verweigert, well er auch die Kenntnisse des אבן העזר und השן משפט verlangte. Von dem Erdbeben in ■Syrien berichtet ׳Pollak im Adar I, daß es die ■Gemeinden Tiberias und Safed zerstörte. Im Monate Ijjar, heißt es in den Notizen, w.urde der mährische Landesrabbiner denunziert, er wäre ein ׳Gegner jedes gebildeten Rabbiners.. Hierauf richtete das mährisch-schlesische Landesgubernium eine Anfrage an den Pester Rabbiner R. Läb Schwab. Als ׳der Ghassan Sapher von der Sache ealfuhr, ersuchte er den Pester!Rabbiner, über den Landesrabbiner günstig aus- Zusagen. {■Dieser Passus ist auch in ,Gesammelten Schriiften“ von Leopold Löw, I., Szegedin 1906, S. 203 bis 206 mitgeteilt.) Mit!dieser Herausgabe liefert Ohajeseine gediegene Ernst Kreidoif: ״Bei den Gnomen und Elfen.“ Zwölf farbige Bilder mit Gedichten von E. Kreidoif. Quart. Halbleinen Fr. 7.50, M. 6. Rotapfel-Verlag, Zürich und Leipzig. Ernst Kreidolfs Schaffenskraft und Schaffenslust ist unerschöpflich. Seine vielen tausend kleinen Freunde wer- (den auch dieses Jahr zufrieden sein. Wieder ist ein neues! Buch von ihm erschienen, und zwar ein richtiges Kreidoif- Bu)ch. Richtig ist so ein Buch nur, wenn es darin w»mmelt von kleinem Getier, wispert von Elfen und Kobolden, wenn Blumen nicken und Käfer reden, kurz, wenn die ganze kleine Welt in Wiese und Wald lebendig wird. Und so ist’s hier geschehen. Schon auf dem Titel reitet ein Zwerg auf dickem Käferroß den Strand entlang, mit einem Riesenglückwunschblumenstrauß, Maßliebmütterchen wiegt sein Kleinchen und der sonst so stachelige Kaktus breitet sich mild mjt wunderschönen Blüten über sie. Keck saust der spitzhutige Kobold in die Wolken, hoch über die Berge, um sich die Sterne von Nahem anzitsehen. Die kleinen gelben Kugelblümchen aber fahren über! das stürmische Meer auf einem schwankenden Blätterkahn. Dazwischen musiziert ein possierliches Orchester )und Falter wiegen sich im Takte der feinen Melodie; Am Ende aber schließt das Buch der gute alte Zwerg) mit weißem Bart, der mit dem Leuchtkäferlaternlein selig eingenickt ist und seines Wächteramtes gänzlich vergaß.׳ Daß Kreidoif seine Verse zu den Bildern mit yiel gutem Humor geschrieben, ist ja selbstverständlich. Auch! daß die Bilder wunderschön geraten sind. Alle die zart^ri Töne, die hauchfeinen Uebergänge von einer Farbe; ,zu®! anderen, sind im Druck aufs schönste gelungen. So mögen ]sich denn wieder ungezählte Kinderköpfe über das‘Buch! beugen, mit heißen Wangen, und manch ein Elterriaüge wird dem Kinde über die Schulter gucken, weil ja auch die ״Großen“ an Kreidolfs Bildern immer wieder ihre helle Freude haben. ■׳■■"•':v׳‘