Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 47 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 302 JÜDISCHE PRESSE Nr. 47 SEIDENHAUS WIEN!., TUCHLAUBEN 8 verschiedenen orthodoxen Bethäuser litten in diesen schweren Zeiten doppelt Not. Ihre Wünsche und Bedürfnisse fanden in unseren Vertretern stets unaufgefordert und unbewacht die gewissenhaftesten und unermüdlichsten Anwälte. Diese aus idealer Ueberzeugungstreue und selbstloser Hingabe geleistete Arbeit ebenso wie die Persönlichkeit!und das Wesen der von der Trennungsorthodoxie entsendeten Männer haben bei den Gegnern unserer Weltanschauung auch die höchste Achtung sich errungen; und bei den gerecht und billig Denkenden der anderen Parteien begann die Erkenntnis Eingang zu finden, daß unser Verlangen nach reibungslosem Frieden, unsere Forderung nach Freiheit im religiösen Denken und Leben wohl berechtigt sei! Vor mehr als fünf Jahren faßten unsere Mandatare un9ere Mindestforderungen in einem Antrag zusammen. Man verlangte die Ausgestaltung der Gerechtsame unseres Rabbinates, der Stellung der Rabbiner der orthodoxen Bethausvereine, den Schutz unserer Kinder gegen den religionzerstörenden Religionsunterricht, die freie Enffaltungs- und Ausgestaltungsmöglichkeit für unsere Kaschruthemrichtungön• Man wußte keine wirklich sachlichen Einwendungen dagegen vorzubringen. Die entgegenstehenden Hindernisse waren formaler Natur und so ruhte die Sache. Sie darf darf aber nicht länger ruhen. Heute weiß jeder, daß es in religiösen Dingen keine Gemeinschaft geben kann und geben wird zwischen Reform- und überliefe־ rungstreuem Judentum. Dieser Gegensatz ist unüberbrückbar. Gleichwohl ist er kein Hindernis, gemeinsam Briidern, wenn sie bedrängt sind, zu helfen, wenn die in Not sind, sic aufzurichten. Die alte Einheitsgemeinde ist ein hohles Schlagwort, das niemals Wirklichkeit war. Das aber ist sicher, daß die Erfüllung der orthodoxen Forderungen, die vollständige Selbständigkeit in der Regelung der religiösen Angelegenheiten den Weg zum wirklichen Frieden, zu einer wahren Einheit freimachen kann. Das anzustreben, ist die Sache unserer Vertreter. Wer nie dabei unterstützt, dient der Wahrheit, fördert die Einheit, die Erstarkung des gesamten Judentums. Das sei allen Mitgliedern des Knitusvorstandes gesagt. Ibri. Konstituierende Sitzung des Vorstandes der Adas Jisroel. ln der konstituierenden Sitzung des Vorstandes der Adas Jisroel am 3. Dezember d. j. wurden gewählt: zum Obmann Herr Siegmund Bon di, zum ersten Obmannstell־ Vertreter Herr Dr. Isidor Reiniger, zum zweiten Obinannstellvertreter Herr Wolf Pappenheim, zum Schriftfiihrer Herr Moritz Leithner, zum Kassenverwalter Herr Leopold Richter. In die Vereinsleitung wurden außer diesen Herren noch die Herren Sternfeld und Wosner berufen. Die Konstituierung der Sektionen ergab für: 1. Sektion (Allgemeine und Verwaltungsangelegenheiten): Obmann: Nathan Schiff; 2. Sektion (Finanzangelegen־ lieiten): Obmann: Michael Ste*rnfeld; 3. Sektion (Schulangelegenheiten): Obmann: Salomon Schreiber; 5. Sektion (Kaschruthangelegenheiten): Obmann: Joachim Spendet für den!rgarten und lessnde Hathora dar Adas Jisroel, Wien, II., Nestroygasse 11 Wirkungskreis streng einhaltend, nicht überschritten habe. Ich ha'be die Ehre, in dieser Angelegenheit zu berichten, daß ich Herrn K..., der mir die Absicht, bei der hohen k. k. Statthalterei eine Bittschrift wegen dieser Trauung einzubringen, mitgeteilt hat, hievon abzubrhigen ־ bemüht war lind etwa vor drei oder vier Wochen schon dem hochverehrten Herrn Vertreter (Vorstand) I. Braudeis, als ich in anderer Angelegenheit mich vorstellte, dies mitteHtc. (Gez.) Salomon Spitzer.“1 *) Am 17. Jänner erhob die Gernelnde Einspruch bei der Statthalterei.3) Das orthodoxe Mitglied der Gemeinde ersuchte den Vorstand in einem Schreiben vom 26. Jänner, entweder dem Rabbiner Hör- Witz oder dem Rabbiner Spitzer die Befugnis für die Trauung der Tochter einzuräumen.3) Da Rabbiner Spitzer die Vornahme der Trauung abgelehnt hat,4 5 *) gestattete der Vorstand, die Trauung durch Rabbiner Horwitz entweder in der Wohnung des Bittstellers oder itn dem Bethaus in der Ankergasse vorzunehmen.0) R. Salomon Spitzer litt grausam unter den Sklavenketten, die. er als Rabibinatssubstitut der Wiener Kultusgemeinde tragen mußte, es fiel ihm daher nicht schwer, das Anbot, die Führung des Rabbinats nach dem Ableben des R. Lazar Horwitz zu übernehmen,0) abzu-lehnen. Vielmehr legte er im Jänner 1872 sein Amt bei der Kultusgemeinde ■ nieder. Die Demission! wurde vom Vorstand, der in seinen Relormbestrebungeh ungehemmt bleiben wollte, angenommen.7) A. H. Teller. *) Nr. 48 ex 1862. a) Nt. 64 ex 1862. *) Nr, 70 ex 1862. *) Auch Nr. 78 ex 1862. 5) Ebenda und Nr. 81 ex 1862. e) ׳Gastfreund, a. a. O. Prot. 1872, 28. Jänner, Punkt 29. Filiale: Graz, Bismarckplatz Nr. 5 ie große Mode Velour-Chiffon imprlme, Velour-Chiffon fagonne in kolossaler Auswahl zu fabelhaft billigen Preisen. — Ferner: Crepe Faide, Crepe Flesch, Crepe Satin, Crepe Georgette in den neuesten Modefarben. 13.50, 13.80, 9.80, 1t.-, 19.-, Crepe de Chine, alle Farben •. . Crepe Georgette, alle Farben . . Crepe Satin, alle Farben. Crepe Lavable, alle Farben . . . Poile de Soie, alle Farben .... Japan-Pongis, alle Farben .... la Schnütisamt . . .. Seidenfutter-Brokate . - .... la Kleidersamt, alte Modefarben . Feinster Velour-Chiffon, in allen Farben. 100 cm . ..S Velour-Chiifon imprime, herrliche Dessins . ..... S Wosner. Die Konstituierung der 4. Sektion (Bethausangelegenheiten) wurde vertagt. Herr Bon di übernimmt das Amt und erklärt, daß der Vorstand im Sinne des alten Programmes der T rennungsorthodoxie seine Aufgaben erfüllen müsse. Die dringlichste Aufgabe ist die Bestellung eines Dajan und die Ausgestaltung des religiösen Bildungswesens, besonders für jüdische Frauen und Mädchen. Herr Dr. Reiniger verweist auf seine bisherige Tätigkeit und bezeichnet den engsten Zusammenschluß aller wahrhaft glaubenstreuen Körperschaften, insbesondere der orthodoxen Bethausvereine als unbedingte Lebensnot- Wendigkeit für die Wiener Orthodoxie. Herr Le itn er erklärt, daß er im Kultusvorstand als Vertreter der Adas Jisroel im Sinne des׳ alten Programmes derselben tätig sein werde. Er werde die Interessen der gesamten Orthodoxie sowie der einzelnen orthodoxen Bethausvereine nach besten Kräften zu wahren sich bestreben. Zum Schlüsse der Sitzung werden drei neuangemeldete Mitglieder aufgenommen. Nach den Wahlen in den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde. Union 18, Zionisten 11. Werktätige 5. Mtsrachi und Unpolitische je 1 Mandat erhalten. Der heftig geführte Wahlkampf hat am 2. Dezember zu einem Ergebnis geführt, das durchaus als unklar bezeichnet werden• muß. Die ״Union“ .hat aus ihren früheren 19 Mandaten bloß 18 errungen und mit •dem Verlust dieses einen Mandats hat sie die früher innegehabte Majorität der Kultusgemeinde eingebüßt. Das verlorengegangene Mandat haben die Zionisten gewonnen, die jetzt mit dem einzigen m i s r a c hi s ti s c h e n Vertreter. Herrn Viktor Bauminger, insgesamt 12 Stimmen besitzen. Die Liste der Werktätigen!hat 5 Mandate bekommen, somit haben die Sozialisten ihren Besitzstand in der Kultusgemeinde behalten. Unpolitische Wahlvereinigung hat 1 Mandat erhalten. Man rechnet allgemein damit, daß Herr Doktor Landau, der Mandatar der ״unpolitischen Wahlvereinigitng“, deren Liste mit jener der ״Union“ gekoppelt war, sich der Union anschiießen und somit die Bildung einer regierungsfähigen Majorität ermöglichen wird. Die Wahlbeteiligung am 2. Dezember war sehr lebhaft. Während im Jahre 1924 von 35.126 Wahlberechtigten 14.865 zur Urne gingen, haben diesmal von 37.557 Wählern fast 20.000 abgestimmt. Gewählt wurden von der Liste der Union Prof. Dr. Alois Pick, Dr. Jakob Ornstcin. Wilheim K e m p 1 e r, Siegmund K a u d e rs, Dr. Josef T i c h o, Regierungsrat Dr. H. Oppenheim, Wolf Pappenheim, Kommerzialrat Moritz Reif. Richard B e t t e 1heim. Ignaz Glück, Isidor' P0 11 ak, Michael Sternf e 1 d, Bernhard A11 m a n n, David D 0 h a •n, Kommerzialrat Bernhard Buchwald, Emil Engel, Dr. Jakob Deutsch, Moritz L e i t n e r; von der ״Zionistischen Liste“ Dr. Desidor Friedmann, Dr. J. L ö w e n h e r z. Dr. Leo Goldhammer, Dr. Jakob Ehrlich, Moses Rath, Kommerzialrat Max Mark •us, Dr. Isidor K 1 a b e r. Dr. J. H. Körner, Dr. Sanel Beer, Josef H. Waltuch, Dr. Bernhard Geiger; von der ..Wahlvereinigung werktätiger Juden“ Gustav Moritz. Dr. Rudolf Glanz, Adolf Reich, Wilhelm Hirschfeld. Mendel Singer; von der religiösen Liste ״Misrachi“ Viktor Bauminger; von der ״Unpolitischen Wahlvereinigung“ Dr. Leo Landa 11. Wichtig für Kaufleute. die •nach Geschäftsschluß Chumisch mit Raschi lernen wollen. Im Beth-Hamidrasch der Rembrandtschul. Wien, 1)1., Rembrandtstraße 34, findet täglich mit Ausnahme von Samstag und Sonntag von 7 bis 8 Uhr abends ein Chumischraschi-Schiur statt. Um 8 Uhr Maariv. c&o£ks ■a.lßaupbc&ute.fur%mJ>en ». Ulahgasse. /ff NACHRICHTEN Chanukalichter von Bernhardine Brunner Wie leuchten die Lichtlein so hell und klar Wie kleine, helle Seelen? Sie wollen von jüdischer Tapferkeit, Von jüdischer Treue erzählen. Sie wollen erzählen von allem Leid, Das unsere Väter gelitten, Und von der Liebe, dem Heldenmut, Mit der sie für Gott gestritten, Und von den Wundern erzählen sie, Die einst uns widerfahren. Dt um leuchten sie so hell und klar Noch nach vieltausend Jahren. Auf vielfachen Wunsch, der aus dem Kreis unserer aus den Ostländer stammenden Wiener Leser geäußert wurde, werden wir fortab זמ1 הרלהת הנר עמוצ״ש uach den מנהג ותיקי nach welchem unsere ostländischen Brüder sich richten, veröffentlichen. Die Zeitbestimmung wird uns allwöchentlich vom ״Hithachduth Jereim“ zur Verfügung gestellt. 1 "התאחדות יראים" ווינה ״Hüachduf leptim“ | Vereinigung Thoragesetzedreuer Juden ln Wien II., Heinestraße 30 T. 15. ב״ה פ׳ וישב זמן הדלקת הנר עש״ק שעה 3 עם 50 מיניט זמן שקיעת החמה עש״ק שעה 4 ע□ 03 מינוט זמן הדלקת הנר מוצש״ק שעה 5 ע□ 02 מיניט Mas Jistool (Stilstiiiii) len. II., Me Sillsasse 8 Kanzlei ll., Große Schiff gasse 1 Wie alljährlich hat auch in diesem Jahre der Vorstand der Adas Jisroel bestimmt, daß der Ertrag der Alioth und der der צדקה zugedachten Spenden am ש״ק פ׳ וישב הבע״לzur Betellung bedürftiger Brüder verwendet wird. Wien, 21. Kislew 56S9 (4. Dezember). , Am kommenden Sonntag הבע״ל wird anläßlich der Jahrzeit nach הה״ג מי״ה זלמן שסיטצער• זצ״ל um 726 uiir abends im Beth-Ha!r»idrasch der Adas Jisroel von ארמו״ר נ״ו eine דרשה abgehalten werden. Dar Vorstand der Adas Jisroel. Her Petrikauer Raw In Wien. Oberrabbiner Meier S c h a p i r a. der berühmte Schöpfer der Lubliner Jeschibo ist heute in Wien eingetroffen und gedenkt bis Sonntag abend hier zu verweilen, Moses Hersch Landau 80 Jahre. Herr Moses Hersch Landau beging am 6. Dezember seinen 8 0. Geburtstag. Der greise Jubilar,, der einer bekannten altadeligen Rabbinerfamilie entstammt, kam. jung verwaist, an den ״Hof“ des ihm verwandten, in der chassidischen Welt unter den Namen Reb Aron Karliner bekannten und berühmten Rabbi, der ihn zu sich nahm und persönlich seine Erziehung leitete. Auch hier in Wien, wo Herr Landau seit mehreren Dezennien lebt, erfreut er sich vermöge seiner Charaktervorzüge und geradezu sprichwörtlichen Klugheit, der Sympathien weiter Kreise. Sein jugendlicher, frischer Geist sprudelt, wenn er aus dem reichen Schatz seiner Erinnerungen große jüdische Persönlichkeiten ■des vorigen Jahrhunderts schildert. Zu Ehren des Jubiläums des 80. Geburtstages M. H. Landaus hat ein Kreis von Freunden und Verehrern ■des Jubilars, der selbst in seiner zartesten Kindheit verwaist ward, eine Stiftung im jüdischen •Waisenhanse in Baden bei Wien ins Leben gerufen, an deren Spitze ein besonderes Komitee steht. Der Jubilar und dessen Familie, die selbst der erwähnten Stiftung größere Zuwendungen gewidmet, haben, den Wunsch ausgedrückt. Glückwünsche etc. aus Anlaß des Jubiläums in Form von Zuwendungen an. diese Stiftung vorzunehmen. Das Stiftungskomitee besteht aus den Herren: Isak Tumim, Präsident des Waisenhauses, Hofrat S. Kwaszewski, Kommerzialrat Julius Gourary, Magasanik und Aba Rappaport. (Auch wir beglückwünschen Herrn LcUidait.^, zu seinem Geburtstcissfeste ער מאה ועשרים שנה Die Red.) Die unter Aufsicht der Adas Isroel (Schiffschul) stehende Firma M. Fried mann, II., Große Schiffgasse 6, Spezialhaus für MastgefUigel, ist auf der jetzt stattgefundenen Frankfurter Lebensmittelmesse prämiiert wordem Sefer-Thora-Elnweihung. Herr und Frau Samuel Diamant. II., Große Schiffgasse 10. haben ein Sefer-Thora gestiftet. Die feierliche Einführung der neuen Sefer-Thora findet Sonntag den 26. Kislew (9. Dezember) im Festsaale der Jugendgruppe, II., Floßgasse 1, statt. Freunde und Bekannte der Familie werden hiezu höfllchst eingeladen. E Alle jüdischen und hebräischen Volkslieder und kantoralen Gesänge der hervorragendsten Kantoren auf nebengeräuschlosen Schallplatten finden Sie in reichhaltigster Auswahl im Musikhaus ״Excelsior“. Inhaber Richard Herzog, Wien, I.. Adlergasse 5. und II., Kleine Pfarrgasse 28 (Tel. R-23-4-90). Sprechapparate aller Systeme und modernste Tanzschlager und Opernarien in jeder Preislage auf Lager, ebenso alle modernen Gesangs- und Tanzschlager. 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