Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 45 (23.11.1928)
- Date
- 1928-11-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 288 JÜDISCHE PRESSE Nr. 45 Tscheclioslo ־w*r akei Um die jüdische ״Wahlgemeinschaft“ zu den Landtagswahien.1 Zu unseren in der vorigen Nummer authentisch veröffentlichten Mitteilungen über das YVahlabkommen zwischen den beiden politisch tätigen jüdischen Parteien in der Slowakei ist nicht viel hinzuzufügen. Die Bedenken, die •sich vom orthodoxen Standpunkt gegen diesen abermaligen Versuch zur Schaffung einer politisehen ,.Einheitsfront“ von Juden mit scharf auseinander klaffenden politischen Grundanschauungen erheben müssen wohl oder übel bis zur Wiedererlangung politisch-organisatorischer Handlungsfreiheit zurückgcstellt werden. Wir registrieren d i c Ta ts a c 11 e n, ohne zu ihnen Stellung zu nehmen. Das Wahlabkommen ist in tagclangcn Verhandlungen zwischen der ״Jüdischen Partei“ einerseits und der ,.jüdischen Wirtschaftspartei“ anderseits zustandegekommen und clic vertragschließenden Pavteilciter sind der Meinung, im Interesse der gesamten jüdischen Bevölkerung richtig gehandelt zu haben, wenn sic sich diesmal unter ausdriicklichcr Aufrcchterhnltung ihrer eigenen Programme und ihrer gesonderten Parteiorganisationen zur Errcichung eines günstigen Wahlrcsiiltatcs zu einem w a h 11 c c h n i s c lv c n Block, dessen Bedingungen in einem bindenden Vertrag niedergelegt sind, temporär zusammeugesddossen haben. Der Vertrag ist perfekt und eine andere jüdische Liste ist in der Slowakei 11 ich t cingercicht worden. Daraus folgt dann auch natürlich, daß die bevorstehende J^and tags wähl in ihrer i n n e 1־ j ii d i s c h c n Bedeutung belanglos wurde; der Stimmzettel, der von den jüdischen Wählern in clie Urne gelegt werden wird, wird weder für die Richtigkeit des eindeutigen Programmes der ״Jüdischen Wirtschaftspartei“ noch für eine der mannigfaltigen Programme de!• ״Jüdischen Partei“ der Zionisten in Ansprach denommen werden können. Eine offene Frage bleibt es auch, ob die bisherige ״Jüdische Partei“ den Wahltag überhaupt überleben wird können. Die Zweifel nach dieser Richtung gewannen in den Ereignissen der letzten Tage reiche Nahrung, obgleich man auf die Folgerichtigkeit im politischen Denken jener Kreise, clie ohne programmatische Zionisten zu sein, sich zu dieser Partei zählen, nicht stark bauen darf. Das belebende und dominierende Element in dieser Partei waren immer die Zionisten und die Schlagworte und Parolen, mit denen sic mn Anhänger . unter den Juden warb, waren von Anfang an dem zionistischen politischen Wörterbuche entnommen und dienten ausschließlich der zionistischen landespolitischen Propaganda, d. 11. einem Zionismus, dem ״Zion“ identisch ist mit einem Mandate im Parlamente eines der ״Galuthlünder“. Die Zionisten aber erhielten jetzt schon Befehl von ihrer obersten politischen Parteileitung, das Abkommen nicht zu respektieren, den Vertrag,, den ihr Präsidium auf Parteibeschluß der Preßburger Exekutive abgeschlossen und unterschriftlich perfektioniert hat, zu brechen und ihre Stimmen nie 11t auf' clic Liste der ״Wahlgemein- Schaft“, die einzige ״jüdische“ Liste im Lande, abzugeben. Ins Organisatorische übertragen bedeutet diese Parole die Weisung an clic Zionisten, ihrer bisherigen ״Jüdischen Partei“ den Rücken zu kehren und sie damit zu einem Messer ohne Stiel zu machen, dem die Klinge fehlt. Praktisch für das Wahlresultat bedeutet dieser Befehl wohl nicht.sehr viel. ,Denn.clie.Zahl der organisierten Zionisten in der Slowakei, clie dem Befehle der Prager und Mährisch-Ostrauer zionistischen ״Reichszentrale‘' Folge zu leisten verpflichtet wären, ist äußerst gering, wenn auch clic zionistischen Advokaten, die an der Spitze der ״Jüdischen Partei“ jahrausjahrein den Kampf gegen die organisierte religiöse Judenheit der Slowakei leiteten, so taten, als ob alle 'die Stimmen, clie bei den diversen Waiden infolge ihrer unerhörten ־ Wühlarbeit auf ihre ״Jüdische Partei“ abgegeben wurden, einem positiven Bekenntnis zu ihrem zionistischen oder nationalistischen Programme gleichkäme. Vermutlich wird ein hoher Prozentsatz auch dieser wenigen ״Schekelzahlcr“ in der Slowakei trotzdem auf die Liste der ״Wuhlgcmeinschaft“ stimmen und die Auseinandersetzung über das Schicksal und die programmatische Konzentration ihrer ״Jüdischen Partei“ auf einen späteren Zeitpunkt verlegen. Von symptomatischer Bedeutung nach innen ist die Stellungnahme der zionistischen Leitung׳ nur des- NEU ERUFFNETI שטרענג ארטה. כשר שטרעג ארטה• בשר Selchwaren - Restaurant EISEN & CO. VIl.y Neubaugasse 15, Tel. B-30-9-61 . Die alte führende Harke. Zu jeder Tagessel« frisch gebratene Gansl. halb, weil sie jetzt auch dem naivsten zionistischen Schwärmer zeigt, was von der ״Einheit des Jude utu ms“ zu halten ist, die den Zionisten bei früheren Wahlen so sehr am Herzen lag. In dem Augenblicke, da es sich herausstellt, daß trotz einer ״Einheitspartei“ bei den Wahlen für die nationalistische Verhetzung des Judentums nicht viel herausspringt, trägt die zionistisehe Leitung nicht die geringsten Bedenken, dieser ״Einheitsliste“ den Kampf anzusagen und alle die Zionisten, die diesen K a m p f 11 i ch t m i tmachen wollen, aus der zionistischen O rg a 11 i s a t i o n a u s z 11 s e 111 i e ß e n. Der diesbezügliche Beschluß oder — die ״Feststellung“ — der Parteileitung ist in der offiziellen ״Selbst w e 11 r“ vom 16. November veröffentlicht und lautet kennzeichnenderweise folgendermaßen: ״Jedwede Beteiligung eines Zionisten an diesem Wahlunternchmen wäre diffamierend. Die politische Reichskommission der zionistischen Organisation stellt fest, daß jeder Zionist, der diese Vereinigung Reis z-W e b e r m i t seiner Stimme unterst ii t z t, sic h selbst aus der zionistischen Gemeinschaft ausschließ t.“ Es soll hier keineswegs die Festlegung der zionistischen Organisation und ihrer Mitglieder auf eine konsequente Politik und auf ein klar gezeichnetes politisches Prinzip bemängelt werden. Uns ist jedenfalls ein programmatisch bewußter Zionist, obwohl wir sein Programm entschieden bekämpfen, viel sympathischer und ethisch von höherem Wert als jene inanclatluischerischen programmatischen Verwandlungskünstc, clic von der ״Jüdischen Partei“ bisher aufgeführt warden und die Judenheit unserer Republik mit ihren leeren gedankenlosen Phrasen verhetzt und jede geeinte oder auch gesonderte zielbewufite Tätigkeit v e rgiftet haben. Hier soll hur festgestellt werden, daß die Herren sich in Zukunft' hüten werden müssen, von der Phrase der ״Einigkeit“ auf Kosten der religiosen P r i n z i p i e 111 r e u e politischen Gebrauch zu machen. Damit ist’s nun zu Ende. Festgestellt muß weiters werden, daß die Zionisten ihren längst im Schilde geführten Plan der Lossagung von einer ״jüdischen“ Liste nunmehr ebenfalls verwirklicht haben. Sie haben für clie Landtagswahl in B ö 11 m e n überhaupt keine Liste eiligereicht und für M ii 11 r e n und Schlesien mit der polnischen M i n d e r 11 eit ein Wahlbündnis geschlossen, das clen Juden zumutet, wegen eines zionistischen Mandates, das vielleicht erreicht werden könnte, auf alle bisiierigen Lehren der Zionisten von dev nationalen ״Neutralitüt“ der Juden mit einminale zu — pfeifen. Würden beispielsweise clie Orthodoxen in der Slowakei eine solche Wahlparole ausgegeben haben, was wurden sich da die Prager ״S e 1 b s t w e 111“, das nicht minder zionistische ״P rage r T a g b 1 a 11“, oder die Preßburger ״J ii d i s c 11 e V o 1 lc s z c i 111 n g׳“ im Brustton der Ueberzeugung■ entrüstet 'haben über die ״Verschachcrung der jüdischen Stimmen“, an die ״Feinde cles jüdischen Volkes“ etc.! Damit ist’s freilich noch lange nicht zu Ende. Wer clen Geist dev Politik kennt, den diese Journalistik gegen das historische Judentum und seine politischen Traditionen zu Felde führt, wird sich darüber keiner Täuschung hingeben dürfen, daß dieser Kampf erst dann beendet sein k a n n, wenn die Orthodoxie unbeirrt von Konstellationen des Augenblicks gelernt haben wird, auch in ihrer politischen Betätigung ihre Wege z i e I b e w u ß t und iiberzeug'ungstreu geradeaus z u gehen. ' J. J. B. Die Juden in der Landtagswahl von Karpathorussland. Fiir die Landtagswahl in Podkarpatska Ruß sind drei jüdische Listen eingereicht worden. Unter diesen treten zwei mit jüdischen Namen und eine mit neutralem Namen in den Wahlkampf. Die ״J ü d i s c 11 e Parte i“ ist hier ausgesprochen zionistisch. Als Prograinm scheint bei ihr das frühere, scharf nationalistisehe Programm der Partei im Vordergrund zu stehen, wenn auch darauf jetzt, um den Entgang von Stimmen zu verhüten, nur in den Prager Zeitungen Nachdruck gelegt wird. Die Kandidaten dieser Partei mit Adolf Rottmann in Uzhorod an der Spitze, sind ausschließlieh auf Prager Geheiß organisierte Zionisten. Die frühere ״Jüdische Wirtschaftspartei“ hat ihren Namen aus unersiditlichen Gründen in ״Jüdische Rep u b 1 i k a 11 i s c 11 e P ä r t e i“ umgeändert. Mit ihrem früheren Listenführer Dr.*' Alexander K r o q: in Belegsas an der Spitze zeigt ihre Liste Namen auf-, die im öffentlichen Leben etwas gelten. Sie lehnt sich enge an die Agrarpartei an und dürfte den größten Teil der jüdischen Wähler in Podkarpatska Russ für sieh haben. Die dritte Partei, die ״II and eis- und Gewerbe- Partei“, ist offiziell interkonfessionell, darf aber ebenfalls als jüdische Partei betrachtet werden, da sie sich de facto fast ausschließlich aus Juden zusammensetzt. Ihr Listenführer ist Emanuel Gatt m a n n in Sevl jus. Der Wahlkampf unter den jüdischen Parteien dürfte hier sehr heiß werden, wenngleich dem Wahlgange diesmal lange nicht die Bedeutung zukommt, wie bei den Parlamentswahlen, als A'0111 Ausgang der AValil in Podkarpatska Russ auch das Schicksal der jüdischen Wahllisten in der ganzen Republik abhing. Zum Ausgang des Margulies-Prozesses.!Die zionistischen Zeitungen im In- und Auslände, an ihrer Spitze natürlich wieder das Haupt'organ der Zionisten in der Slowakei, die Preßburger ״J ü d. Volkszcitung“, nahmen jüngst wieder einmal den Mund sehr voll. In detti ersten Abschnitt des Prozesses, den die Herren Oberrabbiner Weber und Hirschler, sowie Dr. Willi. Well wart gegen die zionistischen Artikel- Schreiber angestrengt haben, fand am 18. Oktober vor dem Obersten Gericht in Brünn eine Verhandlung der Nichtigkeitsbeschwerde statt. Die zionistischen Zeitungen besaßen die Dreistigkeit, zu behaupten, die Anklage sei unter der Wucht des Wahrheitsbeweises!zusammengebrochen und zurückgezogen worden. Die ״Jüd. Volkszcitung“ forderte sogar die ״Jüdische Presse“ heraus, jetzt noch einmal zu behaupten, die Beschuldigungen gegen die Ankläger seien Verleumdungen. Wir versagen uns, darauf in der Schreibweise dieser zionistischen!Presse zu antworten. W:ir geben vielmehr hier das uns nunmehr im Original vorliegende!G erichtsprotokoll in getreuer Uebersctzung wieder. Den!Kommentar werden sich die Leser selber machen und sie werden sich auch wieder auf •Grund dieser offiziellen Protokolle eine Meinung bilden können über die Heldenhaftigkeit der Dr. Margu lies ׳und Konsorten. Geklagter: Jur.-Dr. •Emil Margulies. Strafsache: Uebertretung gegen die Sicherheit der Ehre nach den §§ 491, 493 des Strafgesetzes und des § 1 des Ges. vom 30.. Mai 1924. Z. 124. Smg. d. G. u. V. Protokoll über die Verhandlung vom 18. Oktober 1928 beim Ober- ,sten Gericht. Gegenstand: Nichtigkeitsklage ׳der Privatkläger!Koloman Weber, Simon Hirschler und Dr. W. Welwart gegen das Urteil des Landesstrafgerichtes in Prag, vom 14. März 192S. Z. TI. VI.!10-26-93. Anwesende: Das Oberste!Gericht: Der Vorsitzende: Senatspräsident!Bukacek, die Richter: Gerichtsräte Dr. Prochazka. Dr. Ofenkus, Dis- 1kovic, Dr. Cerny. Schriftführer: Obersekretär D1*. Tichy. Fiir die Privatkläger: Dr. W. Welwart. Advokat ■in Topolcany, zugleich auch in seinem eigenen Namen. Der •Angeklagte Dr. Emil Margulies mit seinem Vertreter Dr Angelo Goldstein, Advokat in Prag (Vollmacht •unter ׳den Akten Z. 1. 185).• *Die Verhandlung beginnt um 9 Uhr ׳vormittags •durch Ausrufung der Angelegenheit durch den *Schriftführer und!Konstatierung, daß •die Vorladungen richtig eingehändigt wurden. Der Vorsitzende fragt vor Beginn der Verhandlung die Parteien, ob ein Vergleich unter ■ihnen möglich wäre. Dieser Antrag wurde nicht angenommen. •Auf weitere Frage des Vorsitzenden, ob sich der Angeklagte schuldig fühlt, erklärt er. er fühle sich nicht schuldig, sondern er habe niemals behauptet und in seinen veröffentlichten Artikeln sei die B e 11 a u p t u n g 1111׳ e:m a 1 s enthalten gewesen, daß di e Pr 1 v a t kl aß e r!für egoistische Zwecke, ■d. •1. für sich (für ihre Tasche) •irgendwelche 'G eld e r e r h a It e n •h ä-t t e n. Herr Dr. Welwart nimmt hierauf für sich und als Vertreter der iPrivatkläger.'Herren!Koloman Weber und Simon Hirschler die Nichtigkeitsklage zufolge dieser Erklärung zuruck. Hiernach erklärt der Vorsitzende, daß *infolge der obigen Erklärung des Dr W. Welwart die weitere Verhandlung entfalle. ׳Bendigt um 9 Uhr 25 Min. vormittags. Schriftführer Or. Tichy m. p. Präsident!Bukacek m. p. Das Jubiläumsfest der tschechoslowakischen Republik in der orthodoxjüdischen Konfession. Wir veröffentlichen im nachfolgenden die bei uns bis Redaktionsschluß dieser Nummer eingelangten Beichte über Veranstaltungen, Feiern. Sit ZMUJ1®e Ji Versammlungen. Stiftungen und Fonds jn orthodoxen Gemeinden, Körperschaften und Vereinen der Reihenfolge, wie sie eingelaufen sind. ) Jerusalem. Aus Anlaß des zehnjährigen Bestandes der Tschechosloxvakischen Republik fand auf dem tschechoslowakisehen Konsulat in Jerusalem ein Empfang statt. Auch Oberrabbiner Rabbi Cha j i tu S on n enfe 1 d war eingeladen und er erschien dort in Begleitung der Mitglieder des Rabbinates. Konsul Dr. F r 1 c unterhielt sich mit dem Oberrabbiner in der freundlichsten Weise über *) Die Veröffentlichung der Berichte geschieht nach der Reihe ihres Einlangens in unserer.׳ Redaktion. Siehe , auch Festnummer (41a), Nr, 42, 43 und 44׳ l