Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 43 (9.11.1928)
- Date
- 1928-11-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 272 JÜDISCHE PRESSE Nr. A3 Sorgfältigste Lieferung In plombierten SScken von 1 Senk 60 kg angefangen franko Haus, ebenso In Fuhren und Waggons K JULIUS HABER Kohlen« und Koksgroßhandlung Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372376־ Wien, ll., TaborstraBe 9 Fernsprecher Nr. 4122־0־ J1IJI111IIIW1II1M Freund der verarmten ׳jüdischen!Massen das ■Recht habe, den Agiidaifü'hrern!Polens folgende Frage vorzulegcn: /Wie wollt ihr die religiösen!Arbeiter innerhalb eurer Vereinigung festhalten, wenn i׳hr keine Mittel gegen die Arbeitgeber ergreift, die es am liebsten vermeiden, religiöse Arbeiter in ihren ׳Betrieben einzustellen, und die religiösen Arbeiter, die sie aufnehmen, keinesfalls entsprechend behandeln? Aus allen Reden, die auf der Poale Agudas Jisroel- Konferenz gehalten wurden, tönte ein bitteres Wehgeschrei; ein Protest gegen die ׳Art und Weise, wie religiöse Arbeiter von religiösen;Kapitalisten behandelt werden, die sich für Jereiin und Charedim halten und als Führer der ,Aguda auf treten. Diese Tatsache ist von niemand geleugnet worden. Sogar diejenigen!Elemente, die die stärksten Verfechter des unbedingten Anschlusses ■der Poalim an die Aguda sind, mußten differenzieren ׳zwischen ״Agudismus“ und jAsudisten“. Die Idee des ■Agudismus!fordert durchaus strengste soziale ,Gerechtigkeit und brüderliche!Beziehung zum Arbeiter. )Die Agudisten aber haben sich die!Ideologie des reinen Agudismus nicht ganz zu eigen gemacht, weil sie in der!Praxis nicht das üben, was sie in der Theorie für heilig und wichtig erachten. Der agudistische Arbeitgeber behandelt den Arbeitnehmer nicht schlecht, ■weil er Agudist ist, sondern ■trotzdem er Agudist ist. ׳Der Agudismus hat den Agudisten noch nicht so durchdrungen, daß er sein innerstes Wesen gewendet ,hätte.!Es geht hier aber nicht um abstrakte Begriffe, es handelt sich hier um lebendige Menschen und deren!konkrete Bedürfnisse. Baß •der 1A g ud.ismus als solcher gar. keine Schuld trägt an den schlechten Beziehungen seitens eines Kreises •von Agildisten zu den Arbeitern, ist für •die Arbeiter als solche, als ausgehungerte.:und gepeinigte Menschen, ein sehr 'kleiner T rost. Aus rein r e 1 i g i ö s' e n Motiven klammern sie sich fest a n d i e A g u d a. Was w'ird aber später sein? Was wird geschehen, ׳wenn die materiellen Qualen die rein religiösen Motive übertönen werden? Ich glaube, daß 'innerhalb •der Aguda genug Person-, lichkeiten sind, die befähigt und gewillt sind, sich mit •dem Gedanken der Zukunft der breiten jüdischen Massen zu befassen. Darum scheint cs mir sehr verwunderlich, •daß diese Agudaführer der Arbeiterfrage nicht!mehr Zeit und Aufmerksamkeit ztiwenden und nicht begreifen, daß die erste Vorbedingung dafür, daß.die •jüdischen Arbeiter nicht .■ den ,Weg •der Thora verlassen, 'ist,., daß . sie das!Nötigste, zum Leben haben. Es muß .der ganze Einfluß der Rebibeinr auf die chassidischen Ma'ssen aufge'boten werden, um die jüdischen Arbeitgeber da'zu zu bringen, •daß sie in erster Reihe r e 1 i g 1 ö s e A r b e i t e r in ,ihren Betrieben e 1 n s t e 11 e 11. Das primärste Gebot ist, daß ׳keinem jüdischen Arbeiter materielle •No t d a d u r c h erwachse 11 darf, daß er sich a 11 d i. e G e s e t z e d c r 8' a b 1b a t r u h e h ä 11. © NACHRICHTEN Zur Beachtung t Auf vielfachen Wunsch, der aus dem Kreis unserer aus den Ostländer stammenden Wiener Leser geäußert wurde, werden wir fortab הרלמת הנר עומצ״ש IDI nach den מנהג לתיקי nach welchem unsere ostländischen Brüder sich richten, veröffentlichen. Die Zeitbestimmung wird uns allwöchentlich vom ״Hithachduth Jereim“ zur Verfügung gestellt. "התאחדות יראים" ווינה «,Hitachdul Jereim“ Vereinigung Thoragesetzestreaer Juden in Wien II., Heinesttaße 30 T. 15. ב״ה פ׳ חח זמן הדלקת הנר עש״ק שעה 4 עם 12 מינוט זמן שקיעת החמה עש״ק שעה 4 עם 25 מינוט זמן הרלקת הנר מוצש״ק שעה 5 עם 24 מיניט Ignaz Back ז״ל Dienstag, den 23. Marcheschwan wurde Herr Ignaz Back, •der im 74. Lebensjahre verblich, in Wien zu Grabe getragen. Ignaz •Back ע״ה entstammte einer guten, echt jüdischen Familie aus Preßburg. Von seinem Vater, der viele Jahre hindurch dem Vorstande der Schiffschul und deren Beth-FIamidrasch als Obmann angehörte, wurde er zu einem guten Juden erzogen und war durch sechzig Jahre hindurch ein ständiger Besucher der Schiffschul. An der Schiffschul und all ihren ׳Institutionen hing er mit rührender Liebe. Durch Jahrzehnte war er Kassier und Verwalter ■des Tempels und der größte Teil des reichen Inventars, wie Thorarollen, ,Porauches. Mic'hse, allerlei' Tempelstickereien und Silbergeräte und dergleichen waren Geschenke ,von Ignaz Back. Seine große!Liebe zu Erez Jisroel bekundete er vor Jahrzehnten durch Erbauung von zehn Häusern, in «denen Talrrlide Hachomim umsonst Wohnung erhielten. Vor ■fünfzehn Jahren unternahm er mit seinem Vater, ■dazumal ein hoher Achtziger, eine Reise nach Jerusalem, und;beide •konnten nicht genug von den Talmide •Hachamim erzählen, die in ihren Häusern Tag und Nacht lernten und G-tt dienten. Jm Trauerihause, wo ebenso wie im ■Sohiffschulhofe und auf dem Friedhöfe sich viele «Freunde elngefundeti hatten, würdigte Herr Rabbiner Fürs t. tief ergriffen, die Persönlichkeit des •Verblichenen und besonders dessen Verdienste um «die ׳Schiff schul und ihre Institutionen. Daselbst fanden sich außer «dem Vorstände.•der Scliiffschül und Vertreter zahlreicher Vereine der ,Vizepräsident ■der Kultusgemeinde,. Präsident der Union Dr. Jakob Ornstein mit!Herrn Amtsdirektor Regierungsrat Dr. «Adler und Amtschef Wilhelm Fr e ist ad t ein. Im Vorhöfe «der Schiffschul, wohin •der Sarg gebracht wurde, «hielt vor vielen hunderten ־ ■Menschen 'Herr Rabbiner Baumgarten einen tiefempfundenen Nachruf im Namen ■des iBeth ׳Hamidrasch. Herr ' Wolf ׳Pappenheim dankte im ■Namen ■des. Vorstandes d:er •Sohiffschul ־,dem Verblichenen‘in warmen Worten für seine opferfreudige Liebe zur Schiffschul ,und deren ׳,Institutionen und gelobte ihm ewiges, ■dankbares Angedenken. Für die Adas Jisroel bedeutet das Hinscheiden dieses treuesten' Anhängers einen schweren Verlust. •> Mißliebige Erscheinungen in der Oedenburger orthodoxen Gemeinde. 'Man schreibt uns aus Oedenburg: Die Rabbi Joel Ungar s. A. Von Rabbiner Ph. Fischer in Sarospatak (Ungarn). (Schluß.*)!Der Mensch besitzt — so meint nun unser R. Joel — «die ״freie Wahl", ■die sogenannte בחירה חפשית ■in ■deren Folge er das Gute oder das■ Böse frei nach eigenem Willen**) ausüben kann. Wurde nun die Thora mit «glühenden ,Farben, mit hinreißender- Beredsamket die uns zufolge unserer hienieden erworbenen Verdienste erwartende zukünftige Seligkeit ansmalen, so würde sie •damit, ,indem sic mit ihren erhabenen, hinreißenden Schilderungen der im jenseitigen Leben uns erwartenden «Belohnungen den größten Eindruck auf unsere Gemütsverfassung machte •und diese jenseitige «Hcilszukunft uns gleichsam handgreiflich vordemonstrieren möchte, — so würde sie also hiermit gleichsam unsere Sinne bestechen «und die volle Freiheit unserer Wahl beeinträchtigen. Den ,irdischen Be- 1lohnungen gegenüber, die die Thora uns in reicher Fülle verspricht, «kann der menschliche Wjille seine freie Wahlfähig*keit noch •behaupten, nicht aber gegenüber einer derartig reichlichen ,und lockenden Schilderung ewigkeitlicher Seligkeitswonnen, da könnte der Mensch gleichsam nicht Widerstand leisten. Auch wäre es dann fast unmöglich, die g-ttiiehen Gebote aus ׳lauteren «Motiven, aus reiner Liebe zu G-tt ,und zu dem Guten auszuüben. •In bezug auf die von der Thora verheißenen irdischen Belohnungen ist es denjenigen, die G-tt mit vollkommenem Herzen dienen, ein «leichtes, den Gedanken an die vergänglichen und eitlen Freuden dieser Erdenwelt von sich zu weisen, •aber wenn die Thora uns' auch die jenseitigen Belohnungen ebenso plastisch vor die Augen zauberte, wie die «irdischen, ach! wo gebe es dann einen «Menschen, der «sich von «jenen Ewigkeitswonnen abwenden «könnte, und nicht vielmehr und im Hinblicke auf dieselben all «die g-ttlichen Gebote zu erfüllen sich bestrebte. Es wäre fast eine Unmöglichkeit, G-tt ohne Absicht auf Belohnung zu dienen. Der Thora Ziel ist aber eben, daß vv-ir das heilige G-ttesgesetz aus den lautersten Motiven, aus Liebe zu iG-tt und ■dem Guten ausüben, nicht aber zufolge von höherem oder gemeinerem Egoismus. Und mit diesem erhabenen philosophischen «Gedanken deutet auch R. Joel Ungar «die Psaimworte □יצפון לישרי ״ חושיהEr verbirg!, verhüllt ■das (Heil den Geraden׳,“ d'. h.-das wahre, ewige Heil ■des ■jenseitigen Lebens wird in der Thora kaum erwähnt, geschweige denn mit glühenden, Farben dargestellt, dies geschieht den ״Geraden“, d. h. G־tt aus lauteren Motiven Dienenden zuliebe,״ מנן להולכי חוםdamit wird er zum Schilde für diejenigen, die vollkommenen Wandels sind,“ d. h. indem die Zukunftsseligkeit nicht in den «Sehkreis des Menschen gerückt, sondern dem •heiligen Ahnen des Herzens anvertraut «ist, hierdurch ist es möglieh, einen ״vollkommenen“ Lebenswandel, dem nicht egoistische Motive, sondern heilige «Liebe zu G-tt zur Basis dienen, zu führen. «Nun meine Herren! Wenn manchem von Ihnen dieser Gedankengang an des großen Königshergcr Philosophen, an Kants berühmten ■kategorischen Imperativus erinnern, so erinnere ich Sie daran,‘• daß ■Unser R. Joel Ungar seinen kategorischen Imperativ aus einer viel älteren Quelle schöpfte: aus ■den Sprüchen «der Väter, woselbst es heißt: אל תהיו כעברים ובד Seid .nicht wie ׳Diener, «die ihrem Herrn •bloß des Lohnes wegen;dienen, sondern seid wie Diener, die ihrem Herrn nicht des Lohnes wegen dienen.“ Da haben wir. gleichsam die berühmte Kantsche .Autonomie des Willens“ schon fast׳ zwei Jahrtausende vor Kant,*) nur noch erhabener, weil in G-tt :begründet, wie es weiter heißt: ״ ויהי' מורא שמים עליכםUnd die ■Furcht vor dem Himmel sei über Euch!“ Nach dem Judentum ist ■die Sanktion und Richtigkeit des kategorischen;Imperativ im ,G-ttesbewußtsein verankert. . Und wenn ein großer Schriftsteller meines ungarischen Vaterlandes, «der berühmte Verfasser ,des Karthäuscr in seinem Schmerzgefühl über die «Unzulänglichkeit der sittlichen Kraft im Menschen in erwähntem Werke ergreifend fragt, wo es einen Menschen gäbe, der am Grabe stehend, im Triumphe' über sein eigenes Selbst freudigst allen jenseitigen Belohnungen seiner hienieden erworbenen Verdienste entsagen möchte, indem er schon in dem Ausiiben des Guten •seinen beseligenden Lohn fand —, so hätte ich dem edlen Baron Josef v. Eötvös mit ,jüdischem Stolz zurufen können, daß er Männer mit solch erhabenen Gedanken wohl unter R. Joel Ungar und seinen Genossen, diesen echten T a 1 m 11 d i 11 d e n hätte finden können. Denselben leuchtete erwähnter Väterausspruch als Lebeusdevise vor. Daß aber R. Joel Ungar, dessenungeachtet auf die ausgleichende Gerechtigkeit und väterliche Güte «und Liebe G-ttes bauend, auf eine jenseitige Glückseligkeit nicht minder hoffte, brauche ich ■Ihnen gewiß nicht zu sagen. Gar rührend spricht sich diese seine Hoffnung in dem eine Woche vor ■seinem Tode, ■in Vorahnung seines baldigen ׳Hinscheidens abgefaßten Testamente aus. Dasselbe ist seiner nach seinem Tode von seinen Erben herausgegebenen «Responsensammlung, die den Titel ש1״ת ר״י״ב״א — nach den Anfangsbuchstaben seines und seines Vaters Namen — führt, vorgedruckt und ist auch in anderen Be- Ziehungen sehr interessant. Es verrät eine seltene Vollkommenheit im hebräischen Stile und wirft ein strahlendes Licht auf ■den Wohltätigkeitssinn ,׳des ■Abfassers, der auch angesichts des Todes an die armen Brüder «in Erez *) Siehe Nr. 37,38, 40, 41 und 42 der ״Jüdischen Presse“. **) In bezug auf die Schran'ken «der Willensfreiheit siehe «meine Briefe an einen evangelischen Theologen, Zweiter Brief. *) Ueber das Verhältnis des Kantischen Sittengesefczes zum Judentum siehe den trefflichen!Vortrag ״Die ■Ethik des Juden von Kants Moralprinzip aus betrachtet“, von Dr. Ludwig Pick. כשר SEIFE Marke! ALEFBETH mit הכשף orth. Rabbinatsassessors, KoSice, erzeugt ״POLIO« FRIEDMANH & CO. Seifen- und Kerzenfabrik, K0$IC£ seit üW 55 Jahre in steter Entwicklung begriffene orthodoxe Gemeinde von Oedenburg ist in letzter Zeit zum Schauplatze sehr bedauernswerter Erscheinungen geworden. Bereits im jähre 1920 war der heute schon 55 Jahre amtierende Öberrabbiner!Menachem G r;ii n ,w a 1 d damit einverstanden, ■daß ihm ein Dajan zur Seite gegeben werde, weil er eben mit!Rücksicht auf sein vorgeschrittenes Alter nicht mehr ■mit der bisherigen Rührigkeit die Agenden erledigen kaum Er stellte nur die Bedingung, daß die Person des zu wählenden Dajan ihm genehm sein muß, daß seine bisherige Tätigkeit zur Annahme einer friedlichen Zusammenarbeit berechtigen soll und •daß vorher gewisse Prestige- und Existenzinteressen erfüllt werden.!Seinerzeit kam es ■jedoch zu keiner Wahl. Es wurde!ruhig in der Gemeinde und einer «der Kandidaten, der gewesene Preßburger Zögling ■L. Müller, ein Kind der Stadt, wurde zum Vorlerner der Schaß-Chewra gewählt, den der Oberrabbiner auch fallweise mit seiner Stellvertretung vertraute. Dessenungeachtet ist jetzt die Dajanfrage wieder ins Rollen gebracht worden. Oberrabbiner Griinwald erklärte sein prinzipielles Einverständnis, stellte jedoch wieder sowohl persönlich, wie auch brieflich seine Bedingungen. ,Obwohl diese noch nicht erfüllt waren, wurde für den letzten Sonntag eine Generaversammlung einberufen, bei welchem Anlässe die Wahl eines zweiten Rabbiners vorgenommen werden sollte. Dieses Vorhaben veranlaßte ■Herrn Obervabbiner Griinwald!letzten Samstag eine Ansprache an die Gemeinde zu halten, indem er gegen die Abhaltung der Generalversammlung!protestierte und!jedes einzelne Ge-, ׳mein׳de!mitgiied, welches :sich zu derselben einfinden sollte, unter strengsten Issur ■stellte. Der ,beim S e f e r veröffentlichte Issur hatte seine Wirkung und die Vollversammlung wurde unverzüglich abgesagt. J. G. — Von anderer Seite teilt man uns mit, ,daß einige ■der!Bedingungen des Herrn Oberrabbiner Griinwald von «der Majorität ■der Gemeinde als unannehmbar betrachtet werden. Der Streit soll im Wege eines von der Budapester orthodoxen Landeskanzlei eingesetzten ,Beth-Din ausgetragen werden.' Für alle Fälle ist es ■sehr ׳betrüblich, daß der Lebensabend eines 55 Jahre amtierenden Rabbiners durch Streitigkeiten verdüstert wird. j Das Darnibad. Das Darmbad war r schon im Jahre 1911 von den Wiener Aerzten Dozent Brosch und Dr. von Aufschnaiter erfunden worden. Aber erst im Jahre 1924 wurde die Erprobung desselben von einer Anzahl von in- und ausländischen Kliniken duvchgefiihrt und hat zu überraschend guten Resultaten geführt, Wien ist ׳die erste ■Stadt des Kontinentes, welche eine eigene «Darmbad-Kuranstalt besitzt, die von dem einzigen noch■ lebenden Erfinder Dozent Brosch persönlich geleitet wird. Wie mit allen neuen Erfindungen, so ging es auch mit dem Darm'bad. Nach fast löjähriger Nichtbeachtung und Verkennung ist der Siegeszug des ,Darmbades nicht mehr aufzuhalten. Kurort um Kurort, Stadt um «Stadt geht• jetzt an ■die Errichtung von .Darmbadeanstalten. Ist es doch, nicht ,nur;für Kranke, sondern noch mehr für׳ Gesunde von':unschazbärÖm;Wert, den Körper regelmäßig •von •den Verwesungssfofifen im Darm zu befreien, ,denn dieses von «dem Karlsbader Badearzt (Dr. A. Lorand für Gesunde ersonnene und ,jEnteroeure“, das ist Darmpflege, genannte vorbeugende Reinigungsverfahren durch regelmäßig in acht- ,׳bis vierzehntägigen ,‘Intervallen genommene Darmbäder wirkt ,nachweislich lebensverlängernd. Jisroel «denkt, denen er auch zu Lebzeiten viel geleistet, so «daß «sie ihn «darob zum N a s s i für Ungarn ernannten.*) ״Mit der Hilfe ,desjenigen, der dem Müden Kraft ■gibt und dem ■Kraftlosen Stärke verleibt,“ mit «diesen Wiorten beginnt er sein Testament. ״Heute am Riisttage zu ׳Sabbat- Wajigasch des Jahres 5646, da ich ■mich von meinem Leiden etwas erleichtert fühle, ersuche ich Euch — da doch :niemand im vorhinein den Zeitpunkt kennt, wo seiner gedacht wird, ■d« ■n Zeitpunkt seiner Freude und Wonne, da man ihm die Seele nim.mt, um dieselbe in «den Paradiesgarten einzupflatizen לזמן שיגיע עת bl ליטול ממנו נשמתו — daß!Ihr das ,bei ■mir liegende Silbergeld •sofort nach meinem iHinscheiden verteilen sollet. ■Um!des Heiles meiner Seele wegen verlange ich soldhes. Das Geld aber, welches «in meinem seidenen Rock eingenäht ist «und welches 150 Gulden ausmacht, habet Ihr nach Erez Jisrael •1für Mitglieder unserer Landsmannschabt zu senden.“ Rührende Worte! Heilige Worte! Der Tod hat keinen Schrecken «für ihn. ■Der für andere Menschenkinder so schreckliche Tod ist für ,ihn bloß Uebergangsbriicke zu einem besseren Jenseits. ״ ע ח דודיםZeit der Wonne“ ist für ihn die für andere so bitterschwere Sterbestunde ein Paradiesesgarten ist ihm das Jenseits, wohin seine Seele eingepflanzt wird, damit sie dort ewig blühe. Und eine Woche nach «dem Zeitpunkt, da er sich so hoffnungsvoll, so sehnsüchtig über seinen nahenden Tod ausgesprochen, nämlich am dl. Tevesz des Jahres 5646. am ■Morgen •des S a b •b a t h - W a j e c ■h •i — vergange ne 11 ■Sabbat «sind es eben 13 Jahre geworden — ist ihm, nachdem er noch am Morgengebete teilgenommen und den Kiddusch gesprochen hatte, seine ״Wonnestunde“, seine ״Esz daudim“ gekommen, seine Freudenzeit, da seine Seele in den -Paradiesesgarten der . Ewigkeit eingepflanzt worden «ist... Meine Herren! Ich bin zu ,Ende, floh habe mich bestrebt, Ihnen das Lebensbild eines Mannes zu zeichnen, dessen ganzes Sinnen und Fühlen, Wirken ,und Streben vom hehren Idealismus des jüdischen^ G־!ttesgesetzes getragen wurde. Darin, namentlich im Talmud, wurzelte R. Joel Ungar mit allen Fasern seines Wesens. So ist eben der Lebenslauf eines R. Joel Ungar «und seiner Genossen, sogenannter ״Stocktalmudisten“. ■indem — wie wir zu sehen Gelegenheit hätten — dieser Lebenslauf den Abglanz des hehrsten!Idealismus widerstrahlen läßt, ■und die erhabenste Humanität «und Sittlichkeit verkörpert, die ׳glänzendste Apologetik für den Talmud. Und meine Herren, wollen wir zum Verstummen ,bringen all die gegen den Talmud geschleuderten Angriffe, so bestreben wir «uns ernstlich, unser eigenes Leben zum Abbilde seiner erhabenen Lehren zu ■gestalten. Dann wird verstummen müssen Jede böswillige Anklage, ■denn das Werk wird den Meister loben! *) Das herrlich ausgestattete Ernennungsdiplom aus Pergament sah ich noch als Knabe.