Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1928-10-19 · 40 (19.10.1928) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
40 (19.10.1928)
Date
1928-10-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2629891-2630244-2630283--3117-2635069
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 40 JÜDISCHE PRESSE Seite 259 die von jenen Abfällen aufsteigen, auch noch weiterhin in unseren ׳Reihen ,ihre verheerende ׳Wirkung •ausüben. Wlahrlich, nicht gehässige Intoleranz und nicht ׳etwa religiöser Fanatsfimis is't's, der uns diese .harten Worte ׳auf die Lippen ׳zwingt. ,Nein, .hier geht es um unsere ׳Existenz, uin unseren!Fortbestand; 'hier handelt cs sich ausschließlieh um einen A׳kt gerechter 'Notwehr, um Selbstschutz vor einer uns 1un!d unseren' .Rindern drohenden Ansteckung«- gefa.br. .Hier ist jedes ■Paktieren, jedes Verhandeln ein Ding ׳der Unmöglichkeit, .hier ׳muß jedes Ausgleichsverfahren scheitern, hier ikanii und darf nichts von Versöhnung gesprochen werden. ׳Denn Versöhnung hieße, in diesem Falle nichts mehr und nichts weniger als Verhöhnung des g-ttlichen ,Namens. Wir!lassen' uns nicht das reine, :klare, einfache Licht unserer Religion von einem durch das Prisma einer anderen Religion dreifach gebrochenen Lichte verdunkeln. Unsere ׳Zukunft!liegt nicht auf dem Wasser, unsere Zukunft ׳liegt — ׳wenn der Ausdruck ■gestattet ■ist — .in ׳unserer Vergangenheit, wurzelt in dem festen, unerschiittciiichcn Beden des gesetzestreuen Judentums! in dem Worte □ככל הגוי, in der Assimilation erblicken Jenen verblendeten Toren!in unserer eigenen Mitte aber, die eine Rettung unseres Judentums ausschließlich ■wollen, rufen wir heute und ׳immer zu; 'Niemals! Wir sind und bleiben das, was unsere Vorfahren gewesen, J u d e n und nichts als J u d e n! VOM TAGE Dr. Felix Goldmaims Kampf für den schulfreien Sabbat, Gerichtsurteil gegen den Leipziger Gemeinderabbiner. (J. T. A.) Noch ׳in!aüler Erinnerung ist ■der vor etwa acht Jahren ׳von dem damaligen sozialistischen Kultusminister!Sachsens, Dr. iFäeißner, Iherausgegebene Erlaß, wonach jüdische Schulkinder nicht einmal an den!höchsten jüdischen!Feiertagen, ׳Rausch Hasohonoh und Jom Kippur, von der Schule fernibleilben ■dürfen und auch an diesen Tagen ׳vom Schreiben nicht ׳zu dispensieren sind. Die Reichsregierung war ׳damals eingeschritten und hatte die Aufhebung dieses Erlasses ׳durchgesetzt. ׳Es folgte die sächsische Mmisterialverordnung vom 9. März 1923, wonach ■die jüdischen Kinder zwar am Rausch Haschonoh und Jom!Kippur vom ,Unterricht!befreit, dagegen' an ■den sonstigen Feiertagen und an den Saibbattagen lediglich vom Schreiben, Zeichnen und von Handarbeiten zu ■diispensieren sind. Zu ׳bemerken ist, daß ׳die ״Adventlstcn“ (Angehörige einer christlichen Seifte, die ׳den Sonnabend statt des Sonntags ׳feiert) i׳m ׳Freistaat Sachsen auf Grund einer besonderen ■.iMinisterialverordnung!ihre Kinder an ׳den Sonabenden nicht zur Schule schicken. Der Leipziger Gemeinderabibiner, Herr Dr. Felix Goldmann, der Vorkämpfer für ׳das!Recht ׳auf den schulfreien Salbbat in Sachsen, ,ist nun zur Selbsthilfe geschritten ■und hat seinen Sohn vom ׳Besuch ׳der öffentlichen Grundschule an den Saibbattagen fern gelhalten. Er erhielt daraufhin ei׳n Strafmandat des Leipziger Stadtrates auf Zahlung von 25 Mark ■wegen!Ueibertretung des § 5 des sächsischen!Schulgesetzes. Dr. Goldmann beantragte richterliche Entscheidung. Der . Termin fand am 8! ■Oktober vor dem Leipziger Amtsgericht statt. ׳Dr. •Goldmann verteidigte, das Recht der jüdischen Eltern, mit ihren Kindern gemeinsam den Sabbat ,zu ׳begehen und dem G־ttesdienst!beizuwohnen. Er wies nach, ■daß das ׳sächsisehe!Ministerium ein Gutachten des; Berliner •Rabbiners Dr. <Esra Mumk vollkommen sinnwidrig!ausgelegt ׳hat. Sein Verteidiger, Dr. Joslke,!wies nach', daß ■der Standpunkt des sächsischen Unterriohtsministeniuihs gegen Artikel!135 der Reichsverfassung, der ■die freie Religionsübung ■garantiert, verstoße.;In Preußen sei der s'chulfireie Sabbat ■der jüdischen Kinder schon seit 1859 eingeführt. Der ■Einzelrichter, Amtsgerichtsrat Weis, belegte Dr. Goldmann ,wegen; Uebertretung ׳des Schulgesetzes ■mit 25 ׳Mark Geldstrafe (׳im Nichtenbringungsf all e mit einem Tag!Haft) und erklärte ■zur!Begründung, •d׳aß durch Artilkel 135 der!Reichsverfassung ׳die Pflicht des Schulbesuches auf Grund des sächsischen ׳Staatsgesetzes nicht berührt werde. Dr. Goldmann ist entschlossen, gegen •das Urteil Revision einzulegen •und die Sache •vor ׳das ,Oberlandesgerlcht in Dresden ׳zu bringen. Die Angelegenheit, ■die ■die jüdische Oeffentlichkeit aufgerütte'lt hat, wird auch vor den Landtag ge!bracht werden. Das kinderreichste Land. Der!Korrespondent der C. V.-Zeitung schreibt aus Jerusalem: Viele Leute wird es überraschen, zu hören, daß nach den letzten Statistiken das heilige Land wohl an der Spitze der kinderreichen Länder ׳der Welt steht. Im Jahre 1925 ׳wurden in ihm ׳auf je 10.000 ׳Einwohner 493 Rinder geboren, ׳während selbst in dem kinderreichen Aegypten, das einen viel geringeren Prozentsatz europäischer ׳Bevölkerung hat, in demselben Jahr auf die gleiche Binwohnerzahl 428 Neugeburten ,kamen und 'in dem ebenfalls kinderreichen Rußland nur 409. Diese Geburtenziffer ist fast dreimal so groß wie die Schwedens, in dem nur 175 ,Kinder auf 10.000 Einwohner geboren wurden, und mehr als zweieinhalb mal ׳so groß wie die seines Mandatars England mit 183 •Geburten auf ,10.000 Einwohner. Sie ist mehr als ׳doppelt so hoch wie die Geburtenziffer der Vereinigten Staaten von 226׳ neugeborenen ׳Kindern auf 10.QÖ0 Einwohner. ׳Auch wenn man die als kinderreich ׳bekannten Länder Italien und Japan mit ,ihren 275 ׳bzw. 338 ׳Neugebürten auf je 10.000!Einwohner zum Vergleich heranzieht, bleibt das ׳heilige Land noch immer •weit an der Spitze. Diese hohe Ziffer ist nicht etwa ein Zufallsergebnis, sondern •sie war .im vorangegangenen Jahre noch höher, nämlich 513 Geburten ׳auf je 10.000 Einwohner, und iin darauffolgenden Jahr 1926 überstieg sie auch diesen Rckord und kletterte auf 534 ,auf je 10.000 Einwohner. Erst im Jahre 1927 ging sie ein wenig zurück, auf 504 je 10.000 Einwohner. In der Hauptsache sind die ׳Mohammedaner für diesen Rekord verantwortlich, die ׳Im letzten Jahr 561 Ncngehurten!auf die 10.000 ׳Einwohner hatten, wohinter die Christen mit 389 und ■die Juden mit 351 ■je 10.000 weit zurüakibleiben. Dieser Vorsprung der Jünger des Propheten liegt nicht etwa daran, ׳daß es ׳ihnen erlaubt ist, mehrere Frauen izu ׳halten. Denn praktisch ihat nur ein ganz verschwindend kleiner •Prozentsatz ׳von Ihnen ׳z׳vve!i oder mehrere Ehegattinen, weil der ״Fe 11ach“, der!Pächter oder Kleinbauer, sich aus finanziellen ׳Gründen nicht mehr ,als eine halten kann und •der reiche Effendi 'in den Städten schon den Wunsch ׳hat, als Europäer zu gelten. Eher erklärt sich dieser große •Kindersegen daraus, ,daß der Araber nach wie vor seinen ganzen Ehrgeiz darein setzt, möglichst viele Söhne zu ,haben. Aber der größte Teil ׳dieser vielen Geburten wird durch die außerordentlich große Sterblichkeit ausgeglichen. J.m Jahre 1927 machte ■die Zahl •der Todesfälle unter den Mohammedanern mehr als zwei Drittel der ׳Geburten aus. •Bei den Christen dagegen nur wenig mehr ,als die Hälfte und bei den Juden ׳nur ׳ein wenig über ein Drittel. Daher!kommt es, daß die iBevölkerungsvcrmehrung ׳der Juden, obwohl •sie von ׳den Bievölkerungsgruppen des heiligen Landes am wenigsten!Kinder -bekammen, prozentual nahezu ebenso groß Ist wie die ■der Mohammedaner und größer als die der Christen. Ueibrigens ist der jährliche ׳Nettozuwachs ׳d!er jüdisehen!Bevölkerung!Palästinas wohl größer ,als in ׳irgendeinem europäischen ■Lande. In der jüdischen Gemeinde Jaffa-Tel-Awaw werden beispielsweise ■jährlich ebensoviel Kinder geboren ׳wie!in ׳der jüdischen Gemeinde von Wien, die fünfmal־ •so viel ,Mitglieder ׳hat. Die Ursache ׳dieser großen Geburtenziffer Ist der starke Anteil der orthodoxen und orientalischen Juden; an .-•der jüdischen Bevölkerung des Landes, die Ursache 4er geringen ,Sterblichkeit, die mit geringen Mitteln ausgebaute, •unter Leitung des Berliner• Kinderarztes Dr.• Grünfelder ganz ausgezeichnet organisierte Säugllngsfiürsorige der Sanitätsorganisation ׳״Hadas&ah“. Amerikanische Kultur in Palästina.!•Dem amerikanischen Forscher Dr. ,F utterer gelang es als ersten, ׳den Gipfel •des aus ׳der!Bibel bekannten ,Berges •Ne'bo im Automobil zu erreichen.; Freudestrahlend berichten die Jerusalemer ■jüdischen Zeitungen über •die sportliche!Leistung, •die ■der amenkanische Forscher Dr. Futterer vollbracht hat. Wenn man mittels Automobils die Spitze ■des Berges Nebo erreichen kann, so wird den Touristen ein neuer Reiz geboten, nach ■ Palästina zu 'kommen. Uns orthodoxen Juden, denen ׳die Bibel ■nicht nur eine Lektüre oder e׳in kulturhistorisches Dokument einer schönen Vergangenheit, :sondern lebendige Gegenwart und Lebens'born bedeutet, ,ist der Berg Ne'bo als ׳jene Stätte bekannt, auf welcher unser großer Lehrer Moses vor seinem Tode seine Blicke über das!Heilige Land streifen ließ. Er sah das 'Land seiner Sehnsucht vom wwitfaacMCcai Sfeder Strenggläubige kann ohne Bedenken zur Zubereitung der Speisen Kunerol verwenden. Die Kunerol־>Erzeugung steh t bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Natur־ fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirks־ rabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. 100% REINES KOKOSNUSSFETT OB■■■■ l.'WII IIMMBMIIII'fWH Berge Nebo aus und dann starb er. Seither will der Berg Ne'bo, ■dünkt uns, symbolisch andeuten, •daß ■der ■Jude ׳das Heilige Land mit denselben Augen, mit derselben Ge sinnung betrachten möge, wie •inst ׳unser Lehrer Moses. Viele Touristen werden nun auf ׳bequemste Welse die Spitze dieses Berges nehmen und es sich einfallen lassen: an dieser Stelle, wo ,ich jetzt stehe, da :stand einst Moses vo1׳* seinem Tode und betrachtete die einzigartige ■Schönheit, dieses Landes. Aber seien wir nicht so pessimistisch. Vielleicht wird dieser flüchtige Gedanke in den!Köpfen vieler jüdischer Touristen aus Amerika aultauchen. Vielleicht ,wird der flüchtige Gedanke ׳in ihren'Köpfen weiter wirken und sie lehren, allmählich ■bestrebt zu sein, mit den Augen Moses’ das!HeiligejLand zu 'betrachten. Wenn man aus der religiösen 'Wüstenei Amerikas in das ׳Heilige Land Erez :Israel Vordringen will, so kann man eben nur auf: den Wegen, die Moses uns gewiesen, hingelangen. Der große Führer starb an der Grenze zwischen der Wüste und.^Erez ׳Israel, um den späteren ׳Nachkommen seines Volkes zu künden, daß es einen anderen Weg in das Heilige Land nicht gibt, zumindest für Juden nicht. Lord. Melcketts Jom-Iiipur'D’raftcha. Die amerikanisch-jüdischen Zeitungen melden, ״daß ■die jüdischen!Passagiere des Ozeandampfers ״,Amerika“, unter denen sich Lord Melehet ׳(Allred ,Mond) 'befand, •das Vergnügen hatten, •den edlen Lord als Prediger zu vernehmen. Der Jom-'Kipiar-Tag wurde auf •dem Schiff in echt jüdischer Art begangen. Nach ׳dem G־t׳tesdienst hielt Lord Melehet eine Ansprache, .111 der .er die kulturellen und ׳industrieilen!Möglichkeiten Palästinas ' darlegte. Bei der Thoravorlesung spendete e׳r den Betrag von 100 Dollar für die ׳Faiascha Abessiniens.“. Soweit •die amerikanischen Zeitungen. Es freut uns außerordentlich, ■die Persönlichkeit Lord ■Melchets. die!jetzt, seitdem der Lord •ein aktiver Zionistenfiihrer geworden, •in allen Tönen ׳besungen ,und mit allen!Mitteln einer großzügigen Propaganda popularisiert wird, von ■demüGlanz der Jom-iKi pur ־(Kerzen bestrahlt zu sehen.!Bis jetzt glänzte er leider mehr •durch die Strahlen, die •die ׳Kirchenlichter auf ihn •geworfen ,haben, als er seine Tochter dem christlichen englischen Edelmann ln einer amerikanischen Kirche antrauen ließ. Es bleibt abzuwarten, ob der matte Schein der Jom-lKipur-iKerzen oder der strahlende ׳Glanz ׳der ׳Kirchenlichter .•den stärkeren Reflex' auf •die Persönlichkeit eines prominenten •Zionistenfiihrers werfen. Henry Ford feiert Jom Kippur. In einigen Berliner Zeitungen •erschien vor den!hohen ,Feiertagen folgendes große Inserat: ״Am Verisähhungsifest ■ist ‘ das Ford-Betriebswerk Berlin, Lehrterstraße 12-13, geschlossen.“־ ־ ' So vollkommen ist!die Wandlung des großen amerikanischen Industriellen, des reichsten ׳Mannes der.. Welt, •der in den vergangenen Jahren mit ungeheurem Aufwand מגזע ם ט ע.■ Von Dr. Josef L ö w y. Von der Ringstraße des Todes, ein Name, der in treffender Weise die •große Hauptstraße des nunmehr schon unbenutzten Teiles des ׳Zenträlfriedhofes ’bezeichnet, führen Se'itenalleen zu ׳den ׳Gräbern, welche in stiller ibdschaulicher 'Ruhe ׳dem Getriebe und der ■Unrast der zahlreichen pietätvollen!Besucher der . letzten Ruhestätte der hier Schlummernden entzogen sind. Die glänzenden!Sonnenstrahlen brechen sich an dem ׳glitzernden Gestein ׳der prächtigen Grabdenkmäler ■und plötzlich leuchtet ■dem ahnungslos Vorübergehenden in hellem Gold von tief- .schwarzem Marmorgrund eine Aufschrift מ ע D מגזע entgegen, um zu verkünden, daß hier einer der Abkömmiinge einer großen talmudischen ■Autorität seine ■letzte Ruhestätte gefunden ■und noch nach einem Zeitraum von mehr!als ׳drei Jahrhunderten seit ׳dem Tode des berühmten/ Ahnherrn darauf Wert gelegt hat, seine Abstammung von dem großen Gesetzeslehrer über -den Tod hinaus zu bekünden. Was bedeutet die seltsame Abkürzung סמע und weiche Persönlichkeit steckt hinter dieser rätselhaften Bezeichnung? Man kann ■ruhig die Behauptung ,wagen, daß Josua Falk ,ben!Alexander hakohen zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Polen die 'bedeutendste tälmudische Autorität' seiner Zeit war. Zn Lublin, einem der Brennpunkte jüdischen Geisteslebens, stand seine Wiege, und in Lemberg, der Stätte emsiger Tälmudforschung, lebte, wirkte und starb or am •29. März 1614. ׳Sein Name — und ■das ist ein besolideres Zeichen seiner Popularität ■unter den talmudischen Geistesheroen —• tritt uns selten ׳in seiner gewöhnlichen Form entgegen, er erscheint vielmehr in allen möglichen Abkürzungen wie ר״5״ך Rabbi Falk Koben und מ״ר״ה״ס״ך Marem raw Falk Ko'hen. Endlich wird er ■nach den Anfangsbuchstaben seines bedeutendsten!Werkes ״ ספר מאירת D ״ עי ניDas Buch der Erleuchtung der Augen“ מ ע D genannt und dieser Name ist ■dem Autor als dauernder verblieben. Er war ein ,Schüler seines Verwandten Moses Isserles und des Salomon Luria, genannt der ׳Maharschal'l, der größten talmudischen ׳Koryphäen ihrer Zeit. Wie bereits erwähnt, war Lemberg •die Stätte seines Wirkens und viele Jahre stand er an der Spitze ׳der ׳weltberühmten Jeschi'bah, des L;ehjhause;s, von wo •die gründliche und eifrige Tälmudforschung ihren Ausgang nahm. Viele berühmte Rabbiner ■und ■gelehrte •Gesetzeskenner waren seine Schüler, unter ihnen •der weit über die Grenzen Polens bekannte Rabbiner von (Krakau Jakob Josua ben Zewi, der Verfasser •des berühmten!Werkes מגני שלמה. Der ס מ ע war nicht nur eine große Autorität als Talmudkenner und -forscher, sondern auch als Ausleger ■und Erklarer der ׳kodifizierten Religionsgesetze, und c!r •hat sich als einer der letzten großen /Dezisoren einen unsterblichen Namen in •der rab'binischen /Literatur gemacht.!Mit •der ganzen Macht seiner Persönlichkeit erließ er Vorschriften, um im Einklang mit •den bereits in!Geltung stehenden Gesetzen das religiöse Leben zu regeln, und seine Vorschläge wurden auch während der Tagung •der Vier'ländersynode zu Kremenetz 1607 ,zum Beschluß erhoben. Ebenso steht es 1fest, daß Falk anläßlich seines Aufenthaltes in Wien 1611 verschiedene Vorschriften betreffend Ehescheidungen erließ, welche den Gegenstand langer Erörterungen •und eines Schriftwechsels zwischen den rab'binischen Autoritäten, 1 namentlich •des hochgelehrten Meir von Lublin und Mordechai Jaffe bildeten. Verschiedene Werke, in der rab'binisehen Literatur hochgeschätzt und als Rüstzeug für ra'bbinisches "Wissen als ׳unerläßlich betrachtet, sind von Falk verfaßt; da ist sein am meisten bekanntes Werk ספר מאירת עינים ein (Kommentar zum Schulchati Aruch und Choscben Mischpat, der sämtliche Entscheidungen aller früheren Autoritäten mit Quellenangaben enthält. Außerdem verfaßte er einen Kommentar zu den ד׳ טורים ,eine Schrift gegen Wucherzinsen רך נטרום על דיני רביעית nebst besonderen Vorschriften zur Einhaltung außer acht ge-־ lassener Gesetze. Eine Homiliensammlung und noch viele kodifikatorische Arbeiten haben den großen ׳Gesetzeskenner zum Autor, 1׳ Es kann uns nicht wundernehmen, daß eine geheiligte Familientradition Wert auf •die •Abstammung von dieser Leuchte in ׳Israel legt. Die in!Wien lebenden ■Nachkommen des unsterblichen ,Gesetzeslehrers sind im vorigen Jahr־' 1 hundert aus dem holländischen Städtchen ׳Dorn,ho׳lm nach Wien gekommen und betreiben seit ,Generationen •den (Beruf von ׳K'unstantiquaren. Sache einer genaueren Familienforschung wäre es, ׳das Dunkel aufzuhellen, in ׳weiches die Genealogie der Abkömmlinge des מ ע D gehüllt ist; wie dem auch ׳immer ist, das Adelsprädikat מגזע סמע wird noch lange Zeit seinen ׳Glanz bewahren. 001 Bücher [000 Beiträge zur Methodologie der halachisehen Pentateuch Exegese.*) Der als so vielseitig tiefge'lehrt •bekannte Verfasser läßt diese Schrift als׳ erste einer Folge von Veröffentlichungen erscheinen, die ■der Erörterung und damit der rationalen ׳Begründung der Methoden der traditionellen ״,pharisäischen“ — ■denn ׳das bedeutet ׳das Epitheton ״ihälachisch“ im Titel — Schriftauslegung!gewidmet sein werden. ׳Etwas von seiner grundsätzlichen Auffassung auf diesem Gebiet ׳hat uns ׳der Verfasser an konkreten Beispie-; len ׳in früheren Ja'hren schon in einigen in den ״Jahrbüchern der Jüdisch-literarischen Gesellschaft“ erschienenen Aufsätzen vor Augen geführt. Aber erst die vorliegende Arbeit bringt uns ■den Beginn ■der systematisehen Darstellung und!Begründung ■dieser Grundsätze, die, wie wir aus den erwähnten Veröffentlichungen schon wissen und auch aus dieser neuesten Arbeit!herauslesen können, darin gipfeln, ■daß ׳der •Drasch nicht etwa besten- *) •Berlin, 1928׳, im Selbstverlag des Verfassers Rabbiner Dr. ׳Ed, •Biberfeld, Berlin, Heidereutergass• 4.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.