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Jüdische Presse · 1928-09-28 · 38 (28.9.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
38 (28.9.1928)
Date
1928-09-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 246 JÜDISCHE PRESSE Nr. 38 Lebensuerslcherunös-Gesellschaft PHÖNIX Gegründet 1882 Versicherungsbestand Ende Juni 1928:1600 Millionen Schilling Garantiemittel Ende 1927:. 192 Millionen Schilling Prämien״ und Zinseneinnahmen im Jahre 1927: 71 Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet der Gesellschaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten. IMiisons-Mflemi Bereüsfe’/ung eines Aussteuerkapltats für den Zeitpunkt der Eheschließung oder des Eintrittes in das Berufsleben. (Prämien• frelhelt und Sicherstellung eines Studienbeitrages im Falle vorzeitigen Ablebens des Vaters oder sonstigen Versorgers). stellen, daß ■die jüdische Gesellschaft!für die Idee Grün- ׳baurns durchaus nicht ■voreingenommen war, sondern ■im Gegenteil von ׳ihr sich 1lossagte ■und ihre'Stimmen entweder ■auf die Listen 33!(allgemeine), 17 (Gafeien), 4 (Bund) oder auf Liste ,)Eins“ (Regierungsliste) abgab. Die Eroberung von einigen!Mandaten durch ■die Grünbaumsche Gruppe erklärt sich durch die Abtretung von!zwei Mandaten ׳von ■der Staatsliste (für Griinbaum und Rasner) seitens der Ukrainer, zwei Mandaten für Rosenblatt >und Brodt seitens der!Deutschen, seitens der letzteren und Weißrussen — einem Mandat in ßialystok für Farbstein und einem Mandat in Wilna für Wygodzki. Das einzelne, rein jüdische Mandat ׳ist ■das ■des!Herrn Hartglas in Warschau, dem ■die Liste 33 das Mandat iKirschbrauns gegenüberstellte. ׳Daß!ihm, wie bekannt, einige hundert Stimmen fehlten, ändert natürlich die!Sachlage nicht. Wäre Herr Grünbaum selbständig zur Wahl gegangen, wie es mit ■der Liste 33 der Fall war, und hätte er von der Hilfe der nationalen!Minderheiten keinen Gebrauch ge-!macht, ■das Resultat wäre dann identisch mit dem •der ■Liste 33, ׳und dies dank der Wahlordination, die im voraus ■so zugeschnitten wurde, Juden zu ׳eliminieren. — Wie wäre es möglich, Herr Präses, eine gerechte jüdische■ Vertreterschaft!im Sejm wieder!herzustellen? — Diese Frage habe ich ziemlich ausführlich vor zwei Jahren in den Spalten des orthodoxen Organs ״Der Jud“ lauseinandergesetzt. Der einzige gerechte Ausweg!in dieser Frage wäre ■die Bildung einer speziellen nationalen Kurie für die Juden. Mein ■Projekt läßt sich in drei Punkten ausdrücken: 1.!Die Juden im ganzen polnischen Reich bilden einen■ Wählkreis; 2. dieser Kreis bekommt eine der allgemeinen Za׳h'l der Juden im Reich entsprechende ■Mandatenzahl, 3. das proportioneile Prinzip wird innerhalb der jüdischen Kurie beibehalten. — Haben Sie,!Herr Präsident, gewisse'Maßnahmen ergriffen, um dieses Projekt zu popularisieren und zu reali- ■siereh? ׳־; ■ —!Ganz gewiß. Im Jahre 1926 habe ich eine (Reihe Verhandhingen sowohl mit den verschiedenen Klubleaders als ■auch mit manchen Mitgliedern des damaligen Ministerkabinetts geführt. ׳Den Eindruck, den ׳ich in diesen Besprechungen gewonnen hatte, kann ich als einen ■positiven ,in bezug auf mein ■Projekt bezeichnen. ■Ich habe dieses Projekt vor Abschluß der ■parlamentarischen Kadenz ■dem Jüdischen Klub, dessen!Vizepräsident ich war, unterbreitet, , um eine gemeinsame Aktion zu unternehmen und ׳dem Sejm einen entsprechenden Antrag zu unterbreiten. ׳ Allein zu ■meiner Verwunderung traf ich auf den Widerstand derer, ■die sich als nationale Juden ausgeben, und nämlich ■des Herrn Grünbaum et Cons. lieh kann es mir daip'i-t erklären,, daß sie fürchteten: 1. ■vor einem Fiasko innerhaib der jüdischen Kurie, wo das ■Blockieren von verschiedenen Gruppierungen keinen Sinn hätte ■und jede Gruppe oder ׳Partei selbständig zur Wahl schreiten würde, ’ Ich bin aber bereit, bei der nächsten Gelegenheit meinen Plan zu erneuern. — Wie ist die sachliche Beziehung der jüdischen Deputierten im Unparteiischen Block zum Jüdischen Klub? — Man muß so unverschämt sein, wie es zweifellos ■der Störenfried, ׳Herr Griinbaum, ist, um den traurigen Mut zu besitzen, so eine Ansprache zu halten, wie er es in der Budgetdebatte tat, wo er das gute Recht der im Unparteiischen Block vertretenen jüdischen Deputierten, im Namen der Juden zu reden, in Frage stellte. Es wäre mehr als lächerlich, wenn Herr Grünbaum, der sein Mandat als ukrainisches ■Geschenk bekam, ernstlich es erwägen wollte, wer ■das Recht hat, 1m ■Namen ■der Juden zu reden. Jedenfalls steht es i!hm als Konfessionslosen ■nicht izu, die Verteidigung der Interessen des jüdischen Volkes, das ׳mit dem ׳Glauben seiner Vorfahren unzerreißbar verbunden ist, zu übernehmen. — Welche ׳jüdische Postulate vertreten!Sie, :Herr!Ab• geordneter,;m!Unparteiischen!Block? — Die Judenfrage ist leider bis heute in Polen nicht gelöst. Bis heilte existieren in Polen gesetzlich verpflichtende Beschränkungen den Juden gegenüber. Das Steuer- System vernichtet, dank seiner Struktur, im buchstäbliehen ■Sinne des Wortes den jüdischen Handel, die 'Industrie und das Handwerk, ln erster Reihe wird das verursacht durch die ungleichmäßige Belastung ■des Dorfes und der Stadt durch die Zwangssonntagsruhe ■der Juden, die den Samstag als Ruhetag weihen, wodurch sie gezwungen werden, mindestens 170 Tage im Jahre müßig herurrDzugehen, wie auch ■durch Kreditmangel usw. Das ,jüdische ׳Schulwesen sowie die konfessionellen ׳Fragen finden im •Reichsbudget keine Beriicksichtigung. Das soziale Schutzwesen steht absolut nicht auf der gewünschten Höhe in bezug auf die Juden. Die Engagementfrage der jüdischen Arbeiter sowie der geistig ■anbeitenden!jüdischen ׳Intelligenz findet absolut kein Verständnis. U׳m dieses!Problem, ׳das ״Judenfrage“ genannt wird, zu lösen״ habe ich mit den maßgebenden Kreisen sowohl aus den Reihen •der Regierung als den des Klubs des Unpartei- ׳ischen Blocks eine Reihe Konferenzen abgehalten.!Ich muß mit Loyalität!feststellen, daß ich auf Wohlwollen für die •geforderten Postulate gestoßen bin. Ich hege die ׳Hoffnung, daß unsere Mitarbeit in dem auf parlamentari- ■schem Boden stärksten •und in der polnischen Gesellschaft populärsten Klub, in einem Klub, der die Herstellung der Ordnung auf allen Gebieten des ■sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen ׳Lebens im Reich sowie die Sanierung der politisch-gesellschaftlichen Beziehungen zu ■den nationalen Minderheiten anstrebt, die jüdische Frage ernst in Betracht nehmen wird, die ׳ehest gelöst werden sollte im Geiste der demokratischen Prinzipien, der in dieser Richtung verpflichtenden Konstitution und ■der Losung, unter der wir alle, die zum Unparteiischen Klub gehören, zu den ■Wahlen gingen: ׳der Gleichheit, Freiheit!und Brüderschaft. — Wie ist, Herr Präses, :Ihre Beziehung zu den ,durch den Jüdischen. Klub i׳m Sejm eingebrachten Anträgen? — Vor ■der Eröffnung ■des Sejms ist es in unserer jüdisehen Gruppe festgestellt worden, daß, wir ■für jede Vorläge, die in!Gestalt von dringenden Anträgen, Amendements, Resolutionen usw. eingebraaht werden, von welcher Seite ׳sie auch kommen mögen — vom jüdischen oder anderen -Klubs —, ohne weiteres zu stimmen. Als Juden können wir natürlich keinen anderen Standpunkt!haben. — Wie beurteilen Sie die im Jüdischen Klub herrsehenden Verhältnisse? — Ich observiere; genau das, :was im Jüdischen Klub vorgeht und ich muß aufrichtig gestehen — mit Herzweh, Als Jude verschafft ׳mir -das gewiß ׳keine Ehre. Ist es doch bekannt, daß ein!hervorragendes!Mitglied dieses Klubs (ein Zionist) sich gänzlich von ■der Klubarbeit zurückgezogen hat. Die ׳Gruppe des Deputierten Reich kann gleichfalls mit Herrn Grünbaum nicht!Zusammenarbeiten.!Die Aussichten für ■die Zukunft!sind folgende: Mit ■Herrn ■Grünbaum ist eine Zusammenarbeit von Personen, die •praktisch arbeite* wollen, ׳unmöglich.!In der vorigen Sejmkadenz wäre auch das- ■selbe geschehen, hätte Herr!Grünbaum das Präsesamt be- ׳kleidet.!Ich bekenne mich zur ״Sünde“, daß ich der ״Verbrecher“ war, ׳der Herrn Grümbaum zu ■diesem ׳Amt nicht Spendet für den der Adas Jisroel, Wien, II., Nestroygasse 11 2. vor . der (Erstarkung der organisierten Orthodoxie, Geschäfte■ führen ■als die Führung der ׳Gemeindebücher, Ausfertigung von!Geleitsdheiinen ׳etc. haben. Jede Gemeinde war verpflichtet, für das Schulhaus zu sorgen. Die Judengemeinden waren ׳auch dazu verhalten, die Gehälter der ׳Lehrer durch Reparation •auf 1iih׳re Mitglieder aufziibringen. Siohuizw.ang herrschte ׳auch in ■den konfessionellen Schulen. 1D a s ׳Le h rpro g r a ■m m w a r d ׳a s s e;l b ■e w׳i ׳e in den ■chir.istil liehen IN oi׳r m׳a!׳l s c!h1u׳le׳n. AiMlj ä Ihr!io •h w.'u rde n ß׳e׳ri ch te i׳n Form von ״Tabellen“ an die ׳L1a!nd׳es׳ad ml ni s t r •a t i 0׳n ׳ei ng e sein de t. Der Besuch dieser jüdisch-deutschen Schulen ließ ■anfangs ■viel zu wünschen übrig. So kam es!z. B. vor, daß von den in Czeirnowitz ׳eingeschriebenen 70 Schülern 1im Jahre 1792 kaum 8 ׳die Schule besuchten. Viel mag das unmor a-!1 i s c h ׳e u u d 1 r r e 11 g i ö s •e Leben m a n eher Lehrer dazu beige tragen haben, ■daß die Elfern ihre Kinder mich! in •die Schule ׳schickten. Viele Gemeinden suchten durch Petitionen beim Kaiser zu erwirken, daß ,ihre Kinder in die christlichen Schulen aufgenommen werden. In den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts wurden auch die jü׳disch-kanfess:ioneUen Schulen geschlossen. Den Eltern wurde es freigestellt, ihre!Kinder ׳i׳n ■die Christlichen Schulen zu schicken. Die Aufnähme jedoch war von folgenden Bedingungen a'bhängig: Jeder Schüler ׳(Jude) mußte auf einer ■abgesonderten Bank in der Schule sitzen, gut gekleidet sein und Schulgeld zählen. Die reicheren Familien ■konnten von der Landes- Administration ׳״approbierte“!Lehrer ״als ■Rrivatlehrer für die ׳Erziehung ihrer Kinder vom Auslande ׳bestellen“. Wahl gab es bis zum Jahre 1842 fast;in ׳jeder Gemeinde jüdische Privatschulen, doch standen sie auf einem niedrigen iftulturniveau. Die ersten Schritte zur Gründung einer israelitischen deutschen Volksschule für Knaben ׳und ׳Mädchen wurden ׳erst im Jahre 1842 unternommen. Die erste ■Mittelschule wurde in der Bukowina im Jahre 1808 ׳eröffnet. Die Zahl der jüdischen ■Schüler erreichte bis zürn Jahre 1S48 kaum 10. ׳Die Anstalt war im IJause ׳eines Juden ,untergebracht, weil es' ״am vorteilhaftesten!gelegen ׳und es ■eines der ׳schönsten Häuser war“. E.rst mit der Selbständigkeits&rklänmg ■ ■dieses möld. Landstriches zum Herzogtum Bukowina nahm das Schulwesen seinen ״!gewöhnlichen Lauf“ und erreichte seine Blüte mit der Gründung einer!Universität fri Czernowitz, wo yiele!bedeutende ׳Gelehrte, wie Prof., Kellner. ׳Rektor Pommeranz u. a. winkten. Aus der Leidensgeschichte des LÜbawitscher Rebbe. Es ist gerade ein Jahr her, daß der Lubawitscher Rebbe, Rabbi Josef Jizchok Schneiersohn, aus dem russisehen Gefängnis befreit worden ist, und die Chassidim der חב״ך־ begingen den Tag in ganz Rußland und Polen als einen Festtag. Rabbi Schneiersohn ist bekanntlich ein direkter Nachkomme des Rabbi Senior Salman, des | ♦בעל התני• Als der Krieg auch in das stille Städtchen Lubawitsch hereinbrach, mußte der Vater des jetzigen Rabbi, Rabbi Isacfrar Dow, w?ie alle anderen aus Haus und Hof flüchten. Er ließ sich in Rostow nieder, wo sich bald ein großer Kreis um ihn gruppierte. Dort ist Rabbi Isachar Dow am Purim 1921 gestorben. Der Sohn, Rabbi Josef Jizchok, wurde zum Nachfolger ausgerufen. Er war kein Fremder in der jüdischen Welt, denn er hatte schon in jungen Jahren dem Vater zur Seite gestanden und sich insbesondere der Jeschiwaus, Gründungen seines Vaters׳ in weitester Umgebung, angenommen. Der junge Rabbi siedelte von Rostow nach Leningrad (Petersburg) über. Die Bolschewisten, d. h. die jüdischen Kommunisten, sahen in ihm, schon bevor sie zur Herrschaft kamen, ihren grimmigen Feind. Schon im Jahre 1905 wurde von kommunistischer Seite ein Attentat, zum Glück ohne Erfolg, gegen ihn ausgeübt. Das hinderte ihn nicht, sich jetzt von Petersburg aus mit aller Kraft der roten Flut, die den letzten jüdischen Funken in Sowjetrußland zu verlöschen suchte, entgegenzusetzen. Er gründete und unterhielt Chedärim, Talmud-Thorä-Schulen; ein Heer von Melämdim^ die ifn Geheimen ihr heiligeg Werk verrichteten, wurde von ihm erhalten. Er schickte Lehrer in Städte ünd Städtchen und verpflichtete sie, dprfvpn Haus zu Haus zu gehen‘, mif׳ den Kindern zu beten üpd zu lernen• ln Kiew'allein‘waren und sind es 25 Melämdim, ■die von Haüs m Haus aüfP Kinder und yäter einwirken. Pie nötigen Gelder brachten zuließ, was mir letzterer nach zweijährigen schweren, aber erfolglosen Kämpfen seinerseits um dieses Amt vorwarf. Er glaubte aus diesem Grunde, daß nach Ueberwindung dieser Schwierigkeit im gegenwärtigen Jüdischen Klub nunmehr alles glatt vor sich gehen wird. Aber scheint’s auch jetzt bei einer zionistischen Mehrheit, sie wollen ihn nicht als Präses, wie ihn die Orthodoxen nicht wollten, und dies ■dank seiner Abenteuerpolitik, Was nach der ׳Meinung der Juden (nicht bloß der polnischen) für die Interessen des polnisehen Judentums überaus schädlich ist. Ritualmordhetze in Jugoslawien. Energische Maßnahmen der Regierung.!In dem kleinen jugoslawischen Städtchen Petrovoszelo hat die fromme jüdische Bevölkerung Wochen entsetzlicher Aufregungen hinter sich. ׳Es •hat wenig gefehlt, ■daß dort ein Blutbad angerichtet worden wäre, welches die!junge jugoslawische Republik, die so ganz und gar frei von jedem offiziellen Antisemitismus ist, mit einem Schandfleck besudelt hätte. Mitte August fand in Senta, in der!Metropole des ,Banats, die Einweihung einer neugebauten;Synagoge statt, und im ׳Zusammenhang mit ■der Errichtung dieses G-tteshauses haben antisemitische!Hetzer in den umliegenden Dörfern, zu denen auch Petrovoszeio gehört, das Gerücht verbreitet, daß die Juden zum!Bau ihrer Synagogen christliches Blut verwenden. ,Es fügte sich nun, ׳daß, als am 27. August ein christliches Lehrmädchen im Geschäfte des angesehenen jüdischen •Kaufmannes M. ׳Pollak verschwand, die erregten!Dorfbewohner das Verschwinden des Mädchens mit einem Ritualmord in Zusammenhang brachten. Als das Mädchen ׳nirgends aufzufinden war, rotteten sich die Dorfbewohner zusammen, um mit den Juden abzurechnen.;Es wäre sicherlich zu blutigen Ausschreitungen gekommen, wenn die energischen Maßnahmen der Ortsbehörden die erregte Bevölkerung nicht 'in die!Schranken gewiesen hätten. Glücklicherweise konnte ׳das abenteuerlich veranlagte!Mädchen ausgeforscht werden, welches selbst energisch in Abrede stellte, ׳je etwas mit Juden vorgehabt zu haben. Aber selbst diese Aussage des Mädchens konnte keine vollkommene Ruhe schaffen, da unverantwortliche Hetzer ׳inzwischen alle umliegenden Dörfer m!it ihren lügenhaften Ausstreuungen aufgehetzt hatten. ■Die ׳Regierung sah sich hierauf veranlaßt, über den ganzen Bezirk den Belagerungszustand zu verkünden, eine Maßnahme, die besonders vor den hohen jüdischen Feiertagen sehr am Platze war.• Die energische Stellungnahme der Regierung hat ׳ihre Wirkung nicht verfehlt, es 'herrschte 'bald darauf vollkommene Ruhe. Ein Zwischenfall am Versöhnungstag in Jerusalem. Gewalttätiges Vorgehen der Polizei gegen betende Juden. Die Wiener ״Neue Freie Presse“ bringt in ihrer Morgenausgabe vom 27. September folgendes Telegramm: Am jüdischen Versöhnungstag spielte sich an der Klagemauer ein unerhörter Vorfall ab. Als Hunderte von Gläubigen in ihre Gebete vertieft waren, erschien plötzlieh die britisch-arabische Polizei und verlangte die Entf ernung der Schranken, die nach j üdischen Vorschriften Männer und Frau en beim Gottesdienste trennen. Als die •Betenden sich weigerten, dem Verlangen nachzukommen, gebraucht die Polizei Gewalt und schlug auf di« Menge ein. Die Betenden begaben sich in eine naheliegende Synagoge und wählten eine Abordnung, die sich zum! Gouverneur begab, um dort Beschvverd e zu führen. Da der Gouverneur keine befriedigende Auskunft gab, wandte man sich an den Höchstkommandierenden, der erklärte, nichts von der Sache gewußt zu haben. Bei allen Juden im Lan^e herrscht größte Erregung!und der jüdische Nätionalrat wurde zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenberufen. Wie sich herausstellte, war der Eingriff der Polizei auf Wu,11sch des Präsidenten des höchsten mohammedanischen Rates geschehen, des Führers der arabischen! Extremisten Anim Hussein, der früher einmal Gou;- verneur von Jerusalem war. die Chassidim überall auf, aber auch in den Städten selbst wurden Hiffskomitees gegründet, die natürlich im Ge- 1heimen, mit größter Vorsicht, arbeiten mußten. Die Jüdische Sektion ruhte aber inzwischen auch nicht. Sie hatte ihre Spione und Angeber und war über jeden Schritt des Rabbi bestens informiert. Als gar eine Rabbiner־♦ könf erenz in einem entlegenen Dorfe der Ukraine zu•* stände gekommen war, riß der rote Geduldfaden der Jüdischen Abteilung im Kreml vollends. Der Rabbi selbst war bei der Versammlung nicht zugegen, um nicht die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Aber es konnte keinem entgehen, daß sein Geist das Ganze beherrschte und alle Direktiven ׳für die Entscheidungen und Beschlüsse von ihm ausgingen. Die Jüdische Sektion leitete die Sache weiter an die Tscheka (die zentrale kommunistische Macht), und so kam es eines Tages, daß eine große; Polizeiabteilung in das Haus des Rabbi drang, alles bis* auf den Grund unter dem Fußboden durchsuchte und den Rabbi selbst ins Gefängnis abführte. Der Rabbi flehte sie an, ihm wenigstens zu erlauben, Gebetmantel und Tefillin mitzunehmen. Gerade das Wurde verboten. Aber die Chassidim rühten nicht. Ein! Kampf tobte wochenlang weniger um den Rabbi, als um Tallis und Tefillin. Und Moskau mußte riacKgeben!. Die Gebetutensilien wanderten zum Rabbi ins Gefängnis1, zürn großen Aerger der Jüdischen Sektion, die daraus gerade ein Symbol ihrer Macht gemacht hatte! Drei Wochen schmachtete der Rabbi im Gefängnis. Er kam dann wieder in Freiheit. Es war am 10. EluJ 5687. Obwohl auf Schritt und Tritt bewacht und seines Lebens nicht sicher, beharrte er darauf, in Rußland befl seinen Brüdern und bei der Arbeit für das bedrohte heir Iige Gut zu bleiben. Aber seine Freunde und die Aerzte ließen nicht locker. Der Rabbi, der erst 43 Jahre alt ist, hat so große Opfer an Kraft und Gesundheit gebracht, daß er nun, krank und schwach, ’ der Ruhe bedarf. So begab er sich, fast gezwungen, nach Rigas. Das! ging nicht so glatt vonstätten; denn zuerst'־ wollte Ihn aie Sowjetregierung nicht über die Grenzt lassen, dann! gab sie, wie der Rabbi selbst seinen Paß hatte, keine Ausreiseerlaubnis für seine Familie. Er ißt nun'gmekneh» mit Familie in Riga und dient ' naich wie vor; aß: *reden Wächter von hier aus seinen Brüdern Und der Thora'■ 1ml nahen Rußland.; s '׳:

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