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Jüdische Presse · 1928-09-28 · 38 (28.9.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
38 (28.9.1928)
Date
1928-09-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 244 JÜDISCHE PRESSE Nr. 38 Mit anderen Worten: Die idealen Kulturen der .Völker, ihre geistig-moralischen Errungenschaften und ihre Verdienste um die Erschließung der Erde als Wohnstätte der Menschheit, sie können wir als Anzeichen der Messias1־ zeit nehmen, wo alle Völker sich als Werk der Gottes־ hand betrachten. j Unter diesem Gesichtspunkte wird der Profanunter-: rieht, den wir an unseren Schulen geben, seine religiöse Motivierung und seine geistige Tendenz zu bestimmen haben: Wir haben vor allem den idealen Teil der Kultur־ Ieistungen aufzuweisen, um daran unseren Kindern die Gewißheit einzupflanzen, daß überall Wegebereiter am1 Werk sind, um die Menschen ihrer letzten Bestimmung1 entgegenzuführen. Und da gibt es keine Sprache und keine Literatur, aus der nicht die Goldadern höchster Weisheit und ewiger Gültigkeit hervorleuchten. Die neueste Zeit hat in Persönlichkeiten, wie Gustav Landauer, Emil Ludwig, Friedrich Gundolf und andere mehr überraschend gezeigt,! wie gerade Juden den unsterblichen Gehalt eines Shakespeare und eines Goethe herauszufühlen und ans Licht zu stellen fähig sind. So soll allgemein der Profanunterricht den jüdischen Schüler, wenn der Ausdruck erlaubt ist, mit der messianischen Kultur der Völker vertraut machen; soll zeigen, wo sie dem Geheimnis der Welt näherkämen und den Pulsschlag der Ewigkeit in ihren Adern verspürt haben. In diesem Sinne mag jeder jüdische Schüler sich auch als Kind der deutschen Kultur fühlen, nicht unter Bejahung aller Einzelheiten der Gegenwartskultur, sondern* in dem Gefühl, daß die letzte Ausgestaltung der deutschen Kultur ebenfalls dahin zielen wird, was der Prophet für Mizrajim und Aschur vorausgeschaut hat. ' Ist in solcher Richtung der Profanunterricht kein Gegensatz und keine Bedrohung des jüdischen Charakters1 der Schule, so kann er unter einem anderen Aspekt sogar . ein Helfer der jüdischen Bildung unserer Kinder werden. Ich will mit einem Beispiel, einer am eigenen Leibe gemachten Erfahrung beginnen, um die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Ich besuchte einmal als junger Mensch Rothenburg o. d. Tauber und kam begeistert über die/ dort erhaltene Pracht mittelalterlicher Städtekultur zurück,1 Ein Freund fragte mich: ״Haben Sie auch die Synagoge in Rotenburg gesehen?“ ״Waren Sie auch auf dem Grab des Rabbi Meir von Rothenburg?“ Beschämt bekannte ich; daß die einseitige Beleuchtung, die diese Stadt in der Geographiestunde, in den Reisehandbüchern und in der Kunstgeschichte erfährt, mich ganz hatte vergessen lassen, daß sie auch eine große jüdische Vergangenheit präsentiert und wichtige Denkmäler großer Zeiten unseres Volkes; aüfweist. Was folgt aus dieser Enge unserer ־ Bildung? In der jüdischen Schule wird bei der Besprechung Rothen,-׳ burgs seine kunstgeschichtliche Bedeutung selbstredend geJ bührend zu würdigen sein, aber gleichzeitig muß das1 jüdische Kind die Stadt unter dem jüdischen Gesichts־ punkt in sein Gedächtnis prägen und der Name ihm alle die Verbindungen ׳auslösen, die der Kenner unserer Ge־ schichte daran knüpft. '־ Dann ist mit einmal mitten im! Profanunterricht ein Stück jüdischer (ßiSldungsarbeit ge׳־' leistet worden. Und wenn die Religionsstunden nicht allzu viel Zeit übrig ließen, um die mächtige Persönlichkeit des! Maharam, des Lehrers Ascheris, und seinen Märtyrertod im Kerker zu würdigen, so hat die Geographiestunde' der jüdischen einen Teil ihrer Aufgabe abgenommen, ohne daß dadurch das allgemein vorgeschriebene Lehrziel des Geographieunterrichtes Schaden litte. Im Gegenteil, durch dieses Mehr an Stoff, das wir dem jüdischen Kinde bieten,1 hat plötzlich die Stadt Rothenburg das freisteigende InterJ esse des Schülers erweckt, der Ort bedeutet seinem! Herzen auch Etwas, und es verschmilzt dasganze Bild der Stadt als Milieu jüdischer Vergangenheit mit den Er־ innerungen, die naturgemäß seinem Herzen die liebsten sind. ] Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack =־ SO kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons JULIUS HABER Kohlen- und Koksgroühandlung Nordbahnrutschen Wien, II., TaborstraQe 9 || | 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Fernsprecher Nr. 41-0-22 Dieser Gedanke aber ist allgemein verwendbar. Es gibt kein Gebiet des Profanunterrichtes, das nicht in; diesem Sinn für die religiöse Bildung des Kindes nutzbar gemacht werden könnte. Zu stark hat die Bibel, haben jüdische Gedankeninhalte, hat das Problem des jüdischen Volkes auf alle Kulturnationen gewirkt, als daß nicht in allen Literaturen das Echo dieser Einwirkung hörbar wäre: Zu stark hat unser Golus-Geschick, haben die jüdischen Wanderungen die Völkerschicksale mit, denen unseres Volkes vereinigt, als daß nicht fast jeder Ort der Welt, jede historische Periode mehr oder weniger mit dem Erleben der Judenheit in Konnex steht. Es ist nur nötig, einmal die gesamte Wirklichkeit, die Schulwissenschaften insgesamt von der Warte des Universaljudentums zu betrachten, um all die Fäden aufzufinden, die sie mitten in das Interesse des jüdischen Schülers hineinstellen.! Vor allem hat der Lehrer der Geographie und der Geschichte darin wertvolle Dienste zu leisten. Wenn er das Weltpanorama vor seinen Schülern entrollt, dann sind die Pyramiden Egyptens mit jüdischem Blute gebaut, dann haben auf den Weinbergen um 1Soissonsi Rasch! und die Tossafisten Rebenkultur getrieben; dann! ist die Kathedrale von Toledo die frühere größte Synagoge der Judenheit, wo Jehuda Halewi seine Lieder sang; dann ist die Krim das Reich der Chasaren und heute eine Stätte1 jüdischer Kolonisation; dann ist Rom das älteste jüdische Ghetto und Fez das Lehrhaus von Jizchok Alfasi; dann ist Alexander der Große der vom Propheten Chaggai! vorausgesagte Weiterschütterer, dann entscheidet sich in der Schlacht bei Actium nicht nur Roms, sondern auch Israels Geschick; dann ist Napoleon der Befreier der Juden, wie die türkischen Herrscher die gastfreundlichen Wirte der spanischen Exulanten, dann wird im Humanismus; nicht nur um Griechisch und Latein, sondern im Streite zwischen Erasmus und Reuchlin auch um das Hebräische gekämpft. Die Welt wird jüdische Heimat, die Welt־ geschichte der Hintergrund der Geschichte unseres Volkes. Und diese Verbindung gereicht beiden Teilen zum Vorteil: Die jüdische Geschichte gewinnt an Anschaulichkeit, die allgemeine an Interesse. Die Erde wird geheiligter Bodens wo überall für die Geistesgeschichte des Judentums neue Gärten wuchsen. j Die Literaturgeschichte und die Kunde fremder Spr achen haben zu ihrem eigenen und zu 1$o£ks 41.7ßaupkcfiulefarJMa£av 1und ffläddeii mdOßenläMaisrecAt //. fflatzgasse tö 1$o£ks 41.7ßaupkcfiulefarJMa£& mr* der jüdischen Bildung Vorteil unter denselben Gesichtspunkt zu rücken. Es ist doch schon eine vielbedeutende Tat־! Sache, daß fast alle Kultursprachen der Welt Instrumente und Organe der jüdischen Geisteswelt geworden sind. Muß doch ein vollkommener Kenner der jüdischen Lite־ ratur. wie das Hebräische und Chaldäische, so das Ara־ bische, Griechische, Lateinische, Französische, Englische;' und vor allem auch das Deutsche beherrschen. Ein großer Teil der jüdischen Wissenschaften ist in fremder Sprache niedergelegt. Proben dieser wissenschaftlichen Spracherzeugnisse werden dem, jüdischen Schüler mit einem Schlage fremde Sprache auch als Ausdrucksmittel der Religion, als Zeugnis jüdischen Geistes wert und lieb machen!: Gleichzeitig kann der Lehrer die Durchsetzung der fremden! Literaturen mit dem Widerhall jüdischer Gedanken aufzeigen; Herders ״Ueber die hebräische Poesie“, Byronsi ״Hebräische Melodien“, Lessings ״Nathan der Weise“,׳ Shakespeares ״Kaufmann von Venedig“, Grillparzers ״Jüdin von Toledo“, Ludwigs ״Makkabäer'*, die biblischen Dramen Racines und Hebbels werden mit unwiderstehlicher Kraft die geistige Verbundenheit der Völker mit Israel dem Zogling zu Gemüte führen; ebenso wie Süßkind von Trim" born, Heine und Börne, bis hinauf zu der Legion moderner jüdischer Schriftsteller die Verwurzelung Israels und seine Leistungen in den Bezirken der Völkerliteratur zur Anschauung bringen. So wird auch für die Sprachen dem Schüler das Wort gelten: ״Die Stätten, die Israels Fuß betrat, sind eingeweiht und bleiben geweiht für alle Zeiten.“ Wie ist es nun mit den Realien? ' Diese sind ja von Haus aus international, losgelöst von aller Be־ Sonderheit der Forscher. Und doch ist es ein Ruhmesblatt für uns, daß auf all diesen Gebieten jüdische Forscher Pionierarbeit und Vermittlertätigkeit geübt haben. Mat* denke nur an die Geschichte der Mathematik und Astro־ nomie, die zeitweilig großenteils in jüdischer Hand lagen; daß die erste ebene Trigonometrie in hebräischer Sprache verfaßt war; daß(!wie Einstein jetzt die Korrektur an Newtonsi Mechanik angebracht, so jüdische Astronomen1 die Wegebahner des Kopernikus in der Kritik des ptolo־ mäischen Systems waren; daß Kepler an seine Freunde1 schrieb, er müsse apud rabbinos die astronomischen Werke einsehen, als er in der Vorbereitung seiner grundlegenden Gesetze stand. Es dürfte auch das Interesse der Schüler wesentlich befeuern, wenn sie sehen, daß elementar-mathe-1' matische Aufgaben in talmudischen Diskussionen eine Rolle spielen und mancher mathematische Begriff bekommt ein ganz neues Ansehen, wenn der verschwisterte Terminus aus: der hebräischen Sprache ihm an die Seite gestellt wird. Endlich können die Aufgaben der Mathematik- und Rechenstunde von der Grundschule an ihre Anwendung im praktischen jüdischen Leben finden. Mancherlei aus der Botanik und Zoologie wird, weil es wichtig für das jüdische Religionsgesetz und' zum Verständnis großer Abschnitte der Mischna und des Talmud ist, unter solcher Beleuchtung leichter Eingang in das Herz des Schülers finden. Denn immer nur auf dem' Boden des Interesses, vor allem des idealen Interesses, wird der Wissenschaft ein bildender Wert erwachssen, damit die Schule nicht unter dem niedrigen Gesichtspunkt des Be־ rechtigungswesens materialisiert und herabgewürdigt werde: Als letzte, aber vornehmste Aufgabe in der Naturkunde erwächst dem Lehrer die heilige Pflicht, die ganze Natur unter dem Gesichtspunkt der Gottesschöpfung darzutun, dem Schüler Naturfreude ׳und Naturempfinden als einer dankbaren Verehrung Gottes im Geiste der Psalmen einzupflanzen.- und endlich all den vagen Hypothesen ent־ gegenzutreten, in denen die moderne Naturwissenschaft,' ihre Kompetenz überschreitend und den Boden der zwin־ genden Logik verlassend, Grundauffassungen des Judentums und aller religiösen Weltanschauung zu erschüttern versucht hat. 1 Rabbi Joel Ungar s. A. Von Rabbiner P'ft. Fischer in Sarospatak (Ungarn). (Fortsetzung.) Der Knabe wächst heran, ist Bar-Mizwa geworden. Die nötigen Vorkenntnisse, um eine Jeschiwah besuchen zu können, hatte er sich schon angeeignet und so drängte es ihn, zu den Füßen der großen Meister zu sitzen, um ihren begeisterten Worten zu lauschen. Und R. Mosche Sofer s. A., der große Lehrer in Israel, war es, dessen Name ihn anzog. Er kannte keine größere Sehnsucht, als die Schule dieses heiligen Mannes zu besuchen und an- 1hören zu können, wie er seinen Schülern den Talmud in scharfsinnigstem Gedankengange und begeisterter Hingäbe erklärte. Die Eltern, so sehr sie sich auch vor der. Trennung fürchteten, wollten dennoch seiner geistigen Entfaltung keine Hindernisse in den Weg legen. Daher willigten sie ein, daß׳ ■er nach Preßburg auf die jüdische, Alma mater der damaligen Zeit gehe, um dort ein Jeschibah-Bachur — ein Jünger der G־tteslehre — zu werden Mit tränenden Augen nahm der Knabe Abschied von seinen Eltern. Sollte er sie doch jahrelang nicht Wiedersehen, denn der schwierige und langdauernde Wagenverkehr der damaligen Zeit gestattete kein öfteres Besuchen. So war es damals keine Seltenheit, daß der in die weite Ferne, ziehende wissensdurstige Jünger erst als gereifter Mann, seine Heimat wiedersah. Auch die Mutter sah ihn nur mit Bangen scheiden, sollte doch ihr liebstes Kind sich jahrelang unter wildfremden Leuten aufhalten und der beschützenden Nähe der treuen Mutter entbehren müssen. Nur die jedes Mutterherz umgaukelnde Hoffnung machte sie dieses Opfers fähig, daß ihr Sohn einst als gefeierter Gelehrter in seine Heimat zurückkehren werde. Ja, auch jene Heldenfrauen des Ghettos ragen uns riesengleich entgegen. Sie konnten alles, alles auf dem Altäre ihrer Mutterliebe darbringen und wieder alles, alles, selbst diese unermeßliche Liebe aer jüdischen Mutter zu ihren Kindern, auf dem jAltare Gottes hinopfern. Nach einer beschwerlichen Reise, die dazu noch fast zwei Wochen währte, traf endlich unser kleines Bochurch(en in Preßburg ein. Und gleich• nach seiner Ankunft zeigte es s:ich, daß er einst ein großer Gelehrter sein würde, denn er offenbarte sich als! ein großer — ״Schlemihl“! Das Schlemihltum ist doch bekanntlich die erste, nicht ganz zu verachtende Stufe zum Höhenpunkte der Gelehrsamkeit hin. So kommt es, daß alle Gelehrte Schlemihle sind; weshalb aber nicht alle Schlemihle Gelehrte werden, das ist wieder eine andere Frage. Jedenfalls steckt in den Gelehrten mehr Schlemihltum als in den Schlemihlen Gelehrsamkeit. — Aber zu׳ unserem kleinen Joel zurück. Kaum war er am Vormittag in Preßburg angelangb sprang er schnell vom Wagen und eilte, all seine Sachen! — die nach der mythischen Imagination der Menge gerade die heilige Zahl ״Sieben“ •'betrugen — dem Kutscher überlassend, in die von dem Absteigeorte etwas abseits gelegene Judengasse, um seinen längst gehegten Wunsch!, einem' Vortrage des R. Moschoh Sofer beizuwohnen, mögliehst bald in Erfüllung zu bringen. Man kann sich den■» ken, wie das Schauspiel einer isiolch riesigen Zuhörerschaff — über vierhundert Jünger zählte damals die Preßburger Jeschibah und unter ihnen, solche, die so manchen der heutigen Geonim sowohl an Gelehrsamkeit wie an wahrer Frömmigkeit übertrafen ־— wie das Bild, das( dem Dorfknaben etwas ganz Ungewohntes war, seine Aufmerksamkeit fesselte und wie das Scharfsinnige ״Vorlernen“ des berühmten Rabbi ihm staunende Bewunderung einflößte. Der Vortrag dauerte lange, drei Stunden lang pflegte der ח״ם damals, in der Blütezeit der Jeschibah, vorzulernen. Und nach dem Entfernen des Meisters, da begann erst recht die .Diskussion, denn jetzt erst fühlten sie sich ganz in ihrem Elemente, um ihre Meinungen,, die sie bei Anwesenheit ihres Lehrers nur halblaut zu äußern wagten, nunmehr mit ganzer Energie und Freiheit zu verteidigen und, wenn ׳!m,öglich, zu allgemeiner Anerkennung zu verhelfen. Der heftige Meinungskampf, der auch jetzt gleich nach dem Entfernen des Rabbi entbrannte, zog sich bis in den späten Nachmittag hinein, so daß unser kleiner Joel, der alldem mit größter Aufmerksamkeit gefolgt war, erst gegen Abend sich seiner Sachen, die, wie gesagt, nach der Ausdrucksweise meiner jüdischen Kompatrioten in Ungarn, eben ״sieben“ waren, erinnerte. Aber da war alles Suchen zu spät, Kutscher und Wagen waren verschwunden. Daß der Kutscher sich eines olch herrliche Gelegenheit nicht entgehen ließ ,um seine irdischen Güter mit den sieben Sachen unseres Junget! zu vermehren, das wird jedem, der die Gemütsverfassung und die Richtung der Prinzipien dieser modernen ״Wagenlenker“ etwas genauer kennt, selbstverständlich sein. Dies! war ein wahrer Blitz aus heiterem Himmel für unseren kleinen Joel, denn auch sein Bargeld hatte er um der Sicherheit wegen in den Koffer hineingegeben — und da war schwer zu raten. — Die Mildherzigkeit seiner reichen Glaubensgenossen um Unterstützung anzugehen, dazu war er nicht angetan, auch nicht dazu erzogen. Bis er wieder von zu Hause das Nötige erhalten konnte, dauerte immerhin, längere Zeit. So war er in der ärgsten Klemme. Aber wo die Not am größten — ist die Hilfe Gottes am nächsten. , Zur selbigen Zeit nämlich hatte R. Moscheh Sofer, der doch, wie Ihnen gewiß bekannt, ein Sohn Ihrer Vaterstadt*) war, mehrere Anverwandte von hier zu Besujch und die mochten es sehr gerne erfahren, wer doch der! Tüchtigste unter den Talmudjüngern sei. Die kahlen Mauern des einfachen Schulsaales beherbergten aber in dieser Zejijti; die, wie gesagt, die Blütezeit der Preßburger Jeschibah war, eine solche Menge der hervorragenden Talente, daß es selbst dem scharfen Auge des Meisters unmöglich war, eine richtige Wahl zu treffen. So kamen die fremden Gäste dahin überein, auf die beste Beantwortung dreier sehr schwerer und verwickelter talmudwissenschaftlicher Fragen, die der Rabbi aufstellen sollte, einen Preis auiszusetzen. Dadurch sollte es sich zugleich entscheiden, wen der beste Bochur sei. Wie gesagt, so getan. Er wuirde ein Preis von einem Dukaten ausgesetzt — für die Jünger der Gottesgelehrsamkeit der damaligen Zeit, die, wie ihre Kollegen von heute, mit irdischen Gütern nicht zu sehr gesegnet waren, ein wahres Kalifornien. Auch der Tag ward festgestellt, bis zu dem die schriftlichen Antworten entgegengenommen werden sollten. Endlich erschien der heißersehnte Tag, der den Tüchtigsten mit dem SiegesM kränze schmücken sollte. Der Lehrsaal, in dem das Resultat zu verkündigen war, war gedrängt voll. Außer den Jüngern, die vollzählig erschienen und die die Sache zunächst anging, waren auph noch alle Talmudgelehrten der *) Frankfurt am Main.

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