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Jüdische Presse · 1928-09-28 · 38 (28.9.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
38 (28.9.1928)
Date
1928-09-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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September 1828 .תשרי תרפיט T> וינה־םרמ&ס3ורג <T3 14. Jahrg• סכות Zu Sukkotb. Das moderne Lehen und namentlich die engen Raum- Verhältnisse der 'Großstadtsiedlungen haben das Bild der Sukkotb etwas verzerrt. Im knapp zugemessenen Zeitraum die Mahlzeiten in einer, noch dazu in den meisten Fällen fremden Sukkoth — mehr ist oft nicht!geblieben. Und doch sollte, könnte die Sukkoth uns mehr sein, ein trautes Heim, um uns eines modernen Ausdruckes zu bedienen, eine Betonung des Familienlebens in den anspruchslosesten Formen der Wohnkultur. Was sich die Mensehen unserer Tage in den bescheidenen Wochenendhäuschen schufen, das sollte, umwoben vom Zauber des g-ttlichen Willens, den jüdischen Kindern tausendfach die Sukkoth ■geben,, die Erfüllung aller Glücksmomente eines Augenblicks, unbesorgt durch •des Alltags Sorgen und durch die Aufgaben von morgen. Alle Festgebete ■dieser Tage sind auf diesen Ton .abgestimmt. Während aber die Erholungsstätte der modernen Welt auch ein gewisses Vergessen des Gestern bedingt, ist dies bei der Sukkoth nicht der Fall, im Gegenteil, es ist ja bekannt,, daß , der •unmittelbare Ausgang des Tages .. d!er Sühne eine Brücke schlagen soll zum Fest der Hütte und daß wiederum ■das Fest der Hütte, so wie es auch die Festgebete künden, gerade den innigsten Anschluß .an die vorherigehende Erneuerung und Verjüngung der Seele suchen. Gewiss ist hingegen mit den modernen, primitiven Wochenendhäuschen ־die Linie einer gewissen Bedürfnislosigkeit gemeinsam, eine Einstellung, die uns bei -der Sukkoth das durch die Wiedergewinnung am Jom Kipur doppelt wertvoll gewordene Leben mit einem besonderen •Reiz ausstattet Um so mehr ist es bedauerlich, wenn durch widrige Raumverhältnisse unsere Sukkoth dieses Reizes verlustig gehen. Gerade unsere Generation, die sich mehr und ■mehr in die Lebensformen des heiligen Landes hineinträumt, sollte nicht vergessen, daß ■dort das Sukkothleben ganz und gar in den natürlichen Zuständen ■des Lebens gegeben sind. Es war «ja auch dort die Erholungszeit nach glücklich vollendeter Arbeit des Jahres. Wenn nun natürlich auch bei uns die äußeren klimatischen Verhältnisse die Zeit der Auffrischung der Körperkräfte auf ein anderes Datum zu verlegen zwingen, so sollten sich doch ■unsere Zeitgenossen ,einmal klar darüber werden, was es bedeuten würde, wenn einmal eine Woche ganz der Auffrischung der Seelenkräfte gewidmet würde. Dazu allerdings wäre es unbedingt erforderlich, daß die Sukkoth, wie in früheren Zeiten und wie heute noch in kleineren Orten, eine Heimstätte des Familienlebens bilden שומזו TEMrVO $ כשי (תחת השגחת הרב ד ישעי סורסט שיפשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroel) Ueberal! erhältlichl _ könnte. Eine Verteilung der für die sogenannte Urlaubszeit zur Verfügung stehenden Mittel nach der Richtung, daß auf der einen Seite die Weekendausgaben ,etwas eingeschränkt, auf der anderen Seite etwas mehr für die Seelenferien im umfriedeten Heim der Sukkoth ׳gewidmet würde, könnte für die religiöse Befriedigung des Herzens unendlich viel leisten. P. K. בסכת* בסכת׳ בסכות. Von Rabbiner Jakob Haberfeld, Wien. ,Dreimal finden wir den Ausdruck ■Suikkaus in der Thauro bei ein und derselben Festesanordnung (IW. B, M. 23., 42 und 43). Drei Klassen unterscheiden wir gewöhnlich wie bei allen Menschen auch bei den Kindern Jisroel, ׳und ■zwar R e i c.'h e, Arm e und M i 11 e i- Ständler. Der eine ist reich an irdisch-materiellen, der andere an ideell-geistigen, der dritte an seelischen :Gütern. Ebenso gibt es Menschen, die in dieser oder jener Be- Ziehung arm sind, und schließlich gibt es noch die dritte Klasse, den!Mittelstand, der weder reich noch arm ist und gewöhnlich das Maß des Durchschnittes erreicht hat. Jeder dieser drei Mensc'henklassen und speziell den zwei erstgenannten Klassen will die Sukko, ,als דירת עראי als ״provisorische Wohnung“, je nach den individuellen Verhältnissen und Umständen etwas Besonderes bedeuten und besagen. Uhr Ruf lautet: עראי• Vorübergehend, flüchtig, vergänglich, •ohne Bestand und Dauer! Dem einen ruft die Hütte dies mahnend und warnend, dem anderen tröstend und beruhigend zu. Betrachten wir einmal, wie es vom religiösen, dann aber auch vom praktischen!Gesichtspunkt mit diesen verschiedenen Menschenklassen bestellt ׳ist. Die ׳Reichen, weil ihnen augenblicklich das!Glüc'k ihold ist, schwelgen in maßloser Freude, gehen in ihrem iGlücksrausch vollkommen au!f, denken nur an sich selbst, vergessen an die nächste Umwelt, vergessen IT) an G-tt, werden hochmutig und stolz und haben ganz vergessen, daß es auch anders ׳kommen kann. Nun die Armen, die wiederum verzagen, verzweifeln;an ihrer Armut, sie ׳haben keine Kraft, ■ihr zeitweiliges ׳Mißgeschick geduldig zu ertragen und vertieren den Lebensmut. Es fehlt ihnen, den Armen, die Hoffnung, das Vertrauen auf!G-tt, den Lenker der Geschicke, der ihr ׳Leid mildern, ihre Not lindern wird. Würden aber ׳Reiche und Arme sich vor Augen ׳halten, daß alles auf Erden unbeständig und nur vorübergehend ist, dann würde der sich glücklich Fühlende seiner Situation bewußt, seines gegenwärtigen Zustandes eingedenk sein, seinen ׳Gefühlen und Empfindungen Schranken ziehen und seiner!Lebensweise Mäßigung auferlegen. •Ebenso würde der Arme sein gegenwärtiges leidvolles Dasein als vorübergehend betrachten und geduldig ausharren, bis er bessere Tage sehen wird. ׳Zu solcher Erkenntnis und Einsicht will ׳die Su'kko, ■die Hütte, die!Menschen bringen. Sie will besagen, daß weder die Pracht der Paläste noch die Oede der Hütten fest und von ewiger Dauer sind, denn alles ist ׳ja flüchtig und vergänglich auf dieser irdischen Welt. Das ganze Leben des Menschen überhaupt ist ׳ja nur ein רירת עראי ein flüchtiges Wander- •und Hüttenleben, um so mehr eine ׳Periode, ein Teil desselben. צא מרירת קבע שלך ruft dito Sukko ׳dem Menschen zu, ziehe aus deinem festen Wohnsitze צא, verlasse deinen festen Standpunkt in deinen inneren!Gemächern, in deinen Herzkammern, glaube nicht, daß du dauernd auf demselben verbleiben wirst. Denn auf welcher Stufe der!Glücks'leiter du dich auch befindest, ob reichlich oder spärlich dir die!Güter der Erde zugemessen sind, weder das eine noch das andere ist ewiglich, sondern עראי ■u nie st, zufällig, und so lasse dich, mein Freund, von Le'benszufällen weder entzücken noch niederschlagen. Dem einen ruft die ■Sukko als ״flüchtige Wanderhiitte“ dies mahnend, dem anderen beschwichtigend zu. Aber nicht nur für den Reichen und Armen, auch für die dritte Klasse, den בינוני den Mittelständler, hat dli׳e Sukko ei׳n Wort. Sie mahnt und ■spornt ihn an, stets f o r t z u s c h r e i t c n und weiter zu streb e n; ׳denn wo kein ׳Fortschritt ist, herrscht Rückschritt; Stillstand ist gleichviel Rückfall — alles auf Erden ist ja עראי, wandelnd. Um aber die ״goldene ׳Mittelstraße‘* zu erreichen und zu erhalten, bedarf es ,bekanntlich nach Maimonides des Vorwärts's t r e b e n s. Dies predigt die Wanderhütte nicht zuletzt dem בינוני» Und so wird, dile Sukko wohl allen Schichten gerecht. Jeder Menschenklasse besagt und bedeutet sie!je nach ihrer spezifischen׳ Art und ihren ILeben'sbedingungen etwas Besonderes. Zusammenigefaßt, erteilt ains die Sukko ihre Lehre: in •dem Grundsätze בסבות תשבו. תשבו כעין תדורו Gerade so wie wir unsere דירה in den Palästen als etwas Festes und Beständiges anse'hen, so sollen ״wir auch das Wohnen in der ״Wanderhütte“, ■das durch, seine symbolische Bedeutung auf den Wandel' aller Dinge hinweist, als etwas D e f i n i t i v e s, ,.B1 e i b e n ■d e s ׳betrachten, ■denn ״nichts ist. beständiger als' der Wec'hse 1“. Und der Wechsel •untersteht dem Geschicke und dieses, wiederum dem!Lenker der!Geschicke. Dies aber möge!man wissen und erkennen in. a 1 len Zeiten und in. allen!Geschlechtern, . . ילסען ירעו. דורותיכם כי בסכות הושבתי את בני ישראל ובולי. Damit eure Nachkommen es wissen, daß i c h es war, der Jisroels Söhne in den ׳Hütten wohnen ließ ... Die Gestaltung des Profanunterrichtes an den jüdischen Schulen.*) Von Direktor Dr. Joseph Carlebach (Hamburg).; Im 19. Kapitel des Jesajas steht das herrliche Wort;:1. ״Dereinst wird Israel, der Dritte im Bund mit Egypten und1 Aschur, ein Segen sein inmitten der Erde; deren jedes der Weltenherr gesegnet, indem er sprach: ,Gesegnet sei mein, Volk Egypten, das Werk meiner Hände Aschur, und: mein Erbgut Israel‘.“ In der Zukunftsschau der messianischen Zeit stellt sich das jüdische Volk brüderlich neben diejenigen, die1 in des Propheten Gegenwart die erbittertsten Feinde, die steten Bedroher Israels waren. Egypten fühlt sich nicht minder als Gottes Volk, als der Jakob-Stamm. Aschuii ist ebenso sehr das Werk der göttlichen Hand, wie alle Frommen, die Anteil haben, an der kommenden Welt, und wie Israel, das Stamm- und Erbgut Gottes, das Ihm seit alters eignet. i Heute klafft noch ein tiefer Gegensatz zwischen uns und den Völkern. Gibt es aber keine Brücke zu jener herrliehen Zukunftshoffnung? Sind nicht schon jetzt Anzeichen vorhanden, die über alle Differenzen hinweg die ideale1 Gemeinschaft der Völker fühlbar machen? Uns scheint, daß wir hier glücklicherweise nicht entschieden mit Nein zu antworten gezwungen sind. Wenn wir die Kultur der Völker auf ihren höchsten Gehalt prüfen, historisch die größten und edelsten Persönlichkeiten, die jede Nation her-! vorgebracht hat, als die Zukünftsweiser entdecken, die1 den Endverlauf der geistigen Entwicklung ahnen und lehrenj dann zeigen sich uns überall beglückende Zusammen־ hänge und Annäherungen, dann sehen wir, wie überall! stille, wertvolle Kräfte am Werk sind, den Völkern höhere* Bahnen zu erschließen, zum Aufstieg auf den Berg Gottes'J *) Referat, gehalten auf der Erziehungskonferenz] des Keren Hathora (Hamburg), 26. Dezember 1925. Was bietet die führende Weltfirma Othmar Schiff, Wien, I., Kärntnerring 6 in Damenperücken? 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