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Jüdische Presse · 1928-09-14 · 36 (14.9.1928) · page 10

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
36 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 236 JÜDISCHE PRESSE Nr. 36 schweigen, und'uns etwas mehr Zurückhaltung auferlegen würden dort, wo wir sinnlosen Tumult schlagen. Wo steht denn geschrieben, daß es immer wir Orthodoxen sein müssen, die — wer weiß, für welche Gegendienste? — den Zionisten unter die־;Arme greifen, wenn sie 'Gefahr laufen, in sich zusammenzubrechen? Oder heißt es etwa nicht den Zionismus fördern und die jüdischen Interessen den Zionisten in die Hand spielen, wenn in einem Augenblicke, da Aussicht vorhanden ist, daß die durch nichts begründete Vorherrschaft der wildesen Zionisten in den podkarpathorussischen Anstalten des amerikanischen ״Joint“ für immer aufhöre und die Verwaltung der .Hilfsgelder in die ehrlichen Hände solcher Männer übergehe, die mit den bedürftigen Massen eines Herzens und eines Sinnes sind, im Lei'bblatt der Mutvkacser 'Gemeinde und des Mun'kacser ׳Rabbinates unerwartet plötzlich auf die bisherige zionistische 'Leitung Lobhymnen gesungen und für die Beibehaltung dieser fast ausschließlich zionistischen Verwaltung eine Lanze gebrochcn wird? Wäre Zurückhaltung nicht mehr am Platze an Stelle dessen, daß der!Präses der Munkacser Gemeinde, Bela ׳Kr 0 0, sich dazu hergibt, in der ״Lidov<5 Noviny“ die zionistischen Jointleute von 'Muukacs gegen die nun auch von ihren eigenen Parteigenossen öffentlich erhobene Beschuldigung des Mißbrauches der Unterst iitzungtätigkeit zu zionistischen politischen Zwecken in Schutz zu nehmen? Kann denn der!Mun'kacser Gemeindepräses das 'Ergebnis der einge'lciteten Untersuchung nicht a'bwarten, daß er sich so furchtbar beeilt, in der ״Lid.!Nov.“ von Juden nach zionistischer Art als von ״Stanunesgenossen“ zu sprechen und die ׳feierliche Erklärung abzugeben, ״daß wir in den Institutionen auch mit Zionisten niitgearbeitct haben, daß aber unsere Arbeit' mit zionistischer Politik nichts Gemeinsames gehabt hat“? Wo« her urplötzlich dieses feine Unterscheidungsvermögen und statt der bisherigen scharfen Bannflüche in der Theorie mit einem!Male diese noble Weitherzigkeit in der 1P r a x• i s? War übrigens Herr 1K r o 0 ermächtigt, ״als Vorsteher der Kultusge.meinde“ eine solche voreilige Ehrenerklärung vom Stapel zu lassen?!Immerhin hat der häßliche Hader unter den uubcfriedigt gebliebenen zionistischen Großrednern den einen nicht zu unterschätzenden Vorteil, daß er unserer!breiten jüdischen!Oeffentlichkeit auf Grund der freien ׳Aussage guter, a'lter, bewährter Zionisten den!Beweis des מימו ל D 1 D e r b r a c h t hat und n u n *a i ■1 e Welt u nw i •d e r 1 e g 1 i c h weiß, daß unsere Z i o n i s t e nf ü 11 r e r in Bezug auf K ä ti f 1 i c h!k e i t,!W• a 111- Schacher, S t i m m e n 11 a n d e 1, politische P r i 11zipienlosigkeit genau das sind, womit sie erst .vor g a n z kurzem unter K 0 in m a 11 d 0 des D r. Singer von Pra g u n d D r. Margulies v o n. L e i tm e r i t z die orthodoxen Führer a 11 z u s c 11 \v ä rzen sich e r d r e i s t e t e u. (Die Enthüllungen des früheren zionistischen!Bürgermcisters von .Munkacs iDr. Spiegel über die zionistische Joint-Wirtscliaft und das Interview des ITA-Korrcspondeuten Karl Bau m mit dem Laudespräsidenteii Dr. R 0 z s yp a 1 über das zionistische Angebot der :jüdischen 1Stimmen gegen einen festen Geldbetrag haben selbst in den zionistisch befangensten Kreisen einen solch tiefen Eindruck gemacht, daß der zionistischen Zentrale der Schrecken in •die Glieder fuhr und sie in der Hast den bereits amtlich publizierten Beschluß zur Ausschließung Dr. ׳Spiegels und des!Redakteurs Sauber׳ aus der Partei zurückzog.;Dieser .־Rückzug kam jedoch — wie es ausschaut — etwas zu spät. ׳Denn Dr. S p i e g e 1 und mit. ihm •der jetzige Präses der hiesigen zionistischen Exekutive 'Moijse Gutf* mann beharren!in einer späteren Erklärung bei ihren schweren Anklagen gegen ihr früheren Genossen in der zionistischen Leitung. .;׳Ob nach alldem •der •Zionismus bei uns seine unrühmliche Rolle .bereits ausgcspielt hat, kann •derjenige, der nicht zu den zionistischen Kreisen gehört, nicht feststellen. Ausgeschlossen; ist es nicht, daß die interessierten zionistischen Advokaten' nicht .doch noch den Versuch machen werden, sich zu behaupten und auf unsere Kosten p p l i t i s c h e L 0 r b e e r e n ei n z u heimse 11. Man wäre nötigenfalls bereit, die 'bisherigen ,/Führer“, •die sich jetzt so scharf befehden, gleichermaßen fallen zu •lassen, 11m einen ״tertius gaudans“ emporzuheben. Darauf deutet namentlich die amüsaiite Art hin, au'f welche sich das offizielle zionistische Blatt ״Zido. N 6p l a p“ des an* ihn offenbar ergangenen Auftrages zur ׳״K’&inwaschung“ der beschuldigten zionistischen ׳Führer entledigt. *,׳Z. N.“ schreibt nämlich zur ״Verteidigung“ der Zionisten folgendes: ״Or. Sternbachs Leitung wollen wir nicht in Schutz nehmen. Diese haben wir mehr als einmal bemängelt und festgestelrl, daß sein Regime un fruchtbar war. Wir wollen die Tätigkeit des Izsor Deutsch nicht verteidigen, weil sie, wenn nicht mit anderem, so doch sicher mit der Gründung der Nekuda (Das ist eine Buchdruckerei, die der ״Joint“ auf zionistischen Wunsch errichtet hat, damit für die zionistische Agitation stets eine wohlfeile Druckerei zur Verfügung steht und sie nicht auf die Druckerei des ״Zsido Ndplap“ allein angewiesen ist! Red.) viele jüdische!Existenzen geschädigt hat.!In der!Forcierung der fraglichen Jubiläumsa 11 s g a b e aber und in ihrem Angebote an die Regierung (Oie Zionisten verlangten nämlich von der Regierung einen hohen Betrag und boten ihr dagegen — zum Scheine — eine Anzahl von ׳Exemplaren eines von ihnen geplanten Jubilätims'büchleins an! Red.) waren sie mindestens so guten Glaubens und so anständiger Absicht wie diej e 11 i g e 11, die auf n 0 0 h. r a d i k a 1 e r e tn W ege ׳Geld beschaffen wollten für hebräische Schulen. (Wieder die hebräischen Schulen? Red.)“ So ״verteidigt“ das zionistische Amtsblatt bei uns seine oberste Leitung!! So sehen die Menschen in ihrer eigenen!Beleuchtung aus, die bei uns die orthodoxen!Massen mit allen terroristischen Mitteln jahrelang in die!Irre geleitet haben! Ist cs da immer noch nicht an ■der ׳Zeit, uns a uf u 11 s selber zu besinne 11? Im neuen Jahre möchte Uhren Lesern auf ■diese Frage eine Antwort geben!Ihr Mitarbeiter. Wahrheit! Vorbemerkung. Unter den Prager zionistischen Advokaten herrscht seit einiger Zeit große Erbitterung. Die Erlangung eines Paralmentsmandates zur Vertretung einer frei nach den Antisemiten aller Länder nachgedichteten jüdischen politischen ״Minderheitsnationalität“ ist aussichtslos geworden. Jetzt stehen die Armen mit ihrem landespolitischen Minderheitszionismus da und wissen nicht, was damit anfangen. In ihrer Wut fallen sie nun auf ihre eigenen Gesinnungsgenossen her und sagen ihnen frisch von der Leber weg die — Wahrheit. Die bisnun nur von der bösen agudistischen ״Jüdischen Presse“ ausgesprochene ungeschminkte Wahrheit. Die jüngste Nummer des offiziellen Organes der tschechoslowakischen Zionisten, der Prager ״S e 1 b s t w e h r“, widmet unter dem Titel ״Die Wahrheit über K ar pa t’h o r u ß- 1 a n tl“ den karpathorussischen Zionisten einen äußerst liebenswürdigen Aufsatz, dessen bittere Wahrheiten — obgleich sie vom zionistischen Gesichtspunkte geschaut sind — auch unsere Leser interessieren dürften.; Die Redaktion!. ״Vor einigen Monaten ist an dieser Stelle ein Aufsatz über Karpathorußland erschienen, worin gewisse krisenhafte Erscheinungen im hiesigen Zionismus geschildert und gewertet waren. .Seit jener Warnung, die äugend scheinlich von der Ostrauer zionistischen Leitung als auch! von den verantwortlichen Faktoren Kafpathorußlands u!nbeachtet geblieben ist, haben sich Ereignisse abgespielt, diie auf eine fortschreitehde Auflösung des zionistischen Geftihls und Verantwortung schließen lassen. Die Oeffentlichkeit hat bloß von zwei traurigen Tatsachen Kenntnis', nämlich von; der Art, wie sich die neue karpathorujssische Exekutive durchgesetzt hat und von der Situation desl hebräischen Schulwesens. In Wirklichkeit ist aber die Lage; noch viel ernster. Der ..Zionismus kann große Niederlagen, und Rückschläge erleiden, ahne in seinem .Wesen getroffen zu sein. Das, was in Karpathorußland diesen Namen trägt, ist aber längst kein Zionismus mehr, und diejenigen, die es verschuldet haben,, daß eine heilige Beiwegung einen derartigen schmutzigen Ballast mitschleppt, haben eine große Schuld auf sich geladen. Es ist beinahe müßig, heute allen Ursachen nach* zuspüren und die Schuldigen treffen zu wollen. Ein Landl mit einer jüdischen Massensiedlung hat jahrelang im Kampfe um ein jüdisches Parlamentsmandat hergehalten, me Säfte der ganzen neujüdischen Gesinnung auf ge zehrt. Die zarte Pflanze der kaum entstandenen Organisation ist verdorrt, von dem schmutzigen Staub des! karpathorussischen Alltages ekelhaft bedeckt. Sie konnte bisher keine Frucht nach Erez Israel schicken, denn es zehrt an ihr der halbverwelkte• Zweig der hebräischen Schulen. Die liebevollste Sorgfalt hätte eben ausreichen können, um das Erdreich umzugraben und schädliches Gewächs zu entfernen, die desorientierten Wurzeln der richtigen Quelle zuzufiihren. Aber der berufene Gärtner ist ausgeblieben. Unkraut h a t s i c 11 überall breit gemacht und weil der betreffende Platz dem Zionismus gebührt, erklingt es von dort: Wir sind der Zionismus, wir können damit Geschäfte machen. Und so hat seit langem bereits ein abscheulicher Kampf begonnen, der den Namen des Zionismus in den Kot zerrt. Verkappte Akquisiteurs antisemitischer Parteien, Pseudojournalisten,' die Verwandtschaft von Beamten, die wegen ihrer unredliehen Gebarung entlassen werden mußten, herrschsüchtige Führer von krankhafter Sucht nach Ehrenstellen befallen: so schaut es i 11 d e r z 1 o ii i st i sc hen'Arena von Karpathorußland aus. In Zeitschriften letzten Rauges, in denen jahrelang die politischen und kulturellen Ansprüche der jüdischen Minorität verspottet wurden, wo bei allen bisherigen Wahlen jüdische Wähler terrorisiert! worden sind, der Palästinagedanke verspottet u!1d die zionistische Arbeit denunziert wurde: dort tragen zionistisehe Führer ihre Streitigkeiten aus; dort gibt der neue Obmann der Exekutive Aeßerungen von sich, daß die bisherige zionistische Politik falsch war, die neue Leitung von Karpothorußland wolle aktivistisch sein. Man beachte gut diese Wendung! Aktivistisch in dem Jargon dieser Leute bedeutet nicht das Gegenteil von oppositionell, sondern׳ von gegen staatlich. Der Vermittler dieser Aeußerung, Redakteur eines jiddischen Blattes, ist der Wortfiihrer des Revisionismus ebenso wie seine Patrone. Er hat wahrscheinlich die Aeußerung des Herrn Jabotinsky zur Kenntnis genommen, der anläßlich seiner Anwesenheit in Mukacevo auf die wahren Ziele einer Anhänger aufmerk־ sam gemacht, diese Perle seines geistigen Reichtums einsetzte: Ich schaffe lieber mit unheiligen Leuten Heiliges als mit heiligen Unheiliges. Nun, Herr Jabotinsky hat in Karpathorußland mit u n h e i I i g e n Leuten Unheiliges geschaffen. Seine Anhänger gebärden sich wie die falsche Mutter vor dem Richterstuhl König Salomos. Kein Sinn •für Keren Kajemeth, kein Herz für Keren Hajessod, kein Interesse für den Schekel. Nur widerwärtige Ränke werden gesponnen. Dies ist das Bild des heutigen Zionismus in Karpathorußland. Es gibt keine Autorität mehr, alles Hohe ist im Sumpf der Herzlosigkeit verschwunden, in welchem bisher kleine Inseln sich behauptet haben. Wie lange noch?“ Judenmissionäre in Bratislava. Wir berichteten schon einmal vor einigen ׳Monaten, ׳daß die christliche Judenmission nunmehr ihre Tätigkeit •auch nach der Slowakei verlegt ׳hat. Ein Meschumod, namens J 0 h a 11 n e s (?) G r •u z ■b e r •g, tauchte vor einiger Zeit in iPreßburg auf und macht seither allerlei Versuche, sich jüdischen Kreisen zu nähern, um charakterschwache Männer ■un׳d Frauen dem Glauben ihrer Väter abwendig zu machen. Wir glauben zwar nicht, daß er •hier besonders gute ■Geschäfte macht; er hat seiner auftraggöbeiiden Gesellschaft sicherlich nicht soviel ״gerettete Seelen“ ge- •liefert, wieviele zehntausende Kronen seine Preßbttrger .Propaganda schon kostet. In jüngster Zeit eröffnete er in seiner Wohnung (Schöndorfgasse) •eine Art Klii'blokal mit Lesesaal und bietet unentgeltlich ,;Erholung“ für alle, die darauf ׳hineinfallen •und i׳hm •in!die Schlinge gehen. Die ausnehmend gut, und sie versprach ihm ' eine Belohnung, jedoch nur unter einer Bedingung: - ״Höre, Jude,“ sagte sie: ״Deine Rede ist gut. Du bekommst eine Prämie mitsamt meinem Bildnis und Unterschrift. Du mußt mir aber heilig versprechen, daß du keinem Menschen in der Welt eher ein. Wort von dieser Unterredung erzählst, als bis du mein Bild mit Unterschrift erhalten hast.“ ׳ ״Wie Majestät befehlen,“ verabschiedete sich der Jude, der im Innern die hohe Frau für vollkommen verrückt hielt. : Wie Kaiserin Jekaterina nach' Hause kam, rief sie! ihre Minister zusammen und gab ihnen die Antwort des Juden als Rätsel auf. Aber keiner von den Ministern konnte es lösen. Was sollte das sein mit der Schuld für Geburt, der Angst vor dem Verfluchtsein nach dem Tode und den hundertachtundzwanzig Kostgängern?! Da einer der Minister von der Begegnung der Kaiserin mit dem Juden erfahren hatte, machte er sich zu ihm hin und fragte ihiv nach des Rätsels Lösung. Der Jude weigerte sich nati'm•; lieh, nach Abmachung mit der Kaiserin, die Lösung zu verraten. Da nahm der Minister einen neuen Hundertrubeli schein und überreichte ihn dem Juden• Dieser öffnete seinen Mund, und er erzählte ihm die ganze Geschichte von Anfang bis zu Ende. I Triumphierend eilte der Minister nach Hause und überbrachte der Kaiserin die von ihr gewünschte Lösung'. Jekaterina war klug genug, um die Quelle für das Wissen des sonst wenig findigen Kopfes zu ahnen und ließ den׳ Juden kommen. ״Habe ich dir nicht strengstens verboten» irgend jemand unsere Unterhaltung mitzuteilen?“ herrschte sie ihn an. ״Gew,iß,“ antwortete der Jude. ״Aber. nur alsolange ich nicht das Bildnis der Kaiserin mit ihrer Unterschrift erhalte.“ ״Und wer hat dir mein Bild mit Unterschrift gebracht? Es ist mir nicht bekannt, dir solches gfeschickf zu haben.“ ‘ ׳ Da holte der Jude den neuen Hundertrubelschein aus der Tasche. Darauf war das schöne Bildnis der Kaiserin und' darunter ihre Unterschrift. ״Dem Manne, der mir dieses überbrachte, durfte ich nach Befehl Ihrer Majestät die Geschichte erzählen.“ Damit war der Zorn der . Kaiserin vollends besänftigt und sie entließ den Juden mit reichen Geschenken in Gnade. Rabinische Geschichten. ״kowoud.“ /Nikolsburg war in Aufruhr. Alles war gerüstet. und aufs höchste gespannt. Der neue Rabbiner, der iRabbi Reb I Schmelke, sollte seinen Einzug halten. Ein!Mann von Weltruf, ■der ein Schüler vorn Wilnaer Geoii war und zugleich das Vertrauen des Meseritscher besaß. Wieviele ,Städte und Gemeinden hatten sich um die Ehre!beworben, Rabbi Schmelke an ihrer Spitze zu sehen. 'Nun willigte er ein, nach!Nikolsburg zu kommen, und die Gemeinde wußte •das Glück zu schätzen. Und wie kam!Nikolsburg zu dieser Ehre? Es war nicht gerade leicht. Man 'hatte die Reichsten und Vornehmsten zu ihm geschickt, die unverrichteter Sache wieder kamen, 1Man sandte die größten Gelehrten, sie richteten nichts aus. Man schickte die angesehensten Chassidiin, sie brachten herrliche Thoraworte, auch Worte ׳der Weisheit mit, aiber die erwünschte Zusage, nach ׳Nikolsbürg zu kommen, nicht. Da ergab sich etwas ׳Besonderes.!Man ,hatte Geld nötig, viel Geld ■für eine große Sache. ׳Eine ganze jüdische Gemeinde war in schwere Gefahr geraten, •durch!Intrigen, Verleumdungen und falsche Beschuldigungen. Man benötigte große Summen, um Unschuldige aus dem ,Gefängnis zu befreien und Lebensgefahren von weiteren jüdischen Menschen a'bzu־ wenden. Die Sammlungen flössen langsam, Da faßte Rabbi Schmelke einen raschen ׳Entschluß: Von den Städten, die sich 11m ihn bewerben, erhält •die Stadt den Vorzug, •die die größte Summe ׳für• •den wichtigen Zweck aufbringt. Da ließ es sich Nikolsburg nicht nehmen, die größten Opfer zu bringen, um sich so ■den IRabbi Reb Schmelke'als geistigen Führer zu sichern. ׳Nun war der Tag da, da der gefeierte Rabbi seinen Einzug in die Stadt halten sollte. Ausgeschickte Reiter kamen zurück mit der Botschaft, der Rab'bi sei schon im Dorfe, einige ■Meilen von der Stadt entfernt und ׳halte dort letzte Rast. Nun begaben sich die Ehrendelegationen und Empfangskomitees und viel ׳,'Volk in Wagen, zu-Roß und auch zu Fuß nach dem ׳Dorfe, um den Rabbi zu begrüßen. Im ׳Hause des einzigen üorfijüdenwar alles aufs :herrlichste geschmückt. und gerichtet, un4;tjeder beeilte sich,, dem Rab'bi seine. Freude zu zeigen;;Das Haus •war. überfüllt und die anderen, die ,keinen (Platz mehr fanden, drängten sich, in großer Menge vor .Türe und Fenstern. :Schön, schickte man sich in gesteigerter Begeisterung an, die Pferde auszuspamien und den Wagen i'11 die Stadt zu ziehen und zü tragen. Der Rabbi bat aber, man möchte' ihn für eine Weile noch ganz allein lassen, zog sich in •das schönste Zimmer zurück •und *schloß hinter sich die Tiire ab. Man ׳ sprach •davon, daß er in dieser Einsamkeit Zwiesprache mit den Engeln halte -oder sonst heilige Geheimnisse pflege. Neugierige ׳drängten sich ans Fenster, kletterten zur!Malier hinauf, um unbemerkt ins!Zimmer spähen zu können. Was sie da gewahrten, setzte sie in ungeheures Staunen. Sie sahen, wie der Rabbi unbeholfen dastand, seufzend und ächzend, ׳demütig und gebückt," als stände er vor einem großen :Herrscher. Es war aber außer ihm keinerim Raume zu sehen. ,Und da hörten sie, wie er ein!Gespräch mit sieh selbst!führte: ,;Willkommen Rabbi! Scholem Alechem Nikolsburger Rabbiner! Seid mir freundlich gegrüßt, Rabbi Schmelke, Führer •der •Diaspora.“ Verständnislos ,hörten die Neugierigen, wie er weiter sprach: ״So entschuldigt, großer Rabbi, und setzt ■Euch. Einen wundenbaren kostbaren Stuhl hat man Euch hingestellt, so beehrt uns, großer Rabbi, Und nehmet :Platz!“ Nach einigen Minuten kam der Rabbi aus •dem ׳Hause un!d! man brachte ihn mit großem Pomp :im Triuniphzuge in die Stadt.. Die Straßen widerhallten von Jubel und Freude. ׳Einer von den Neugierigen; die zum Fenster des ’ Dorfhauses hineingeschaut hatten, konnte nicht mehr an sich halten, trat .abends nach den Empfangsfeierlichkeiten ins Gemach des neuen Rabbiners und bat ihn unter vielen ' Entschuldigungen, ihm doch den Sinn des sonderbaren Selbstgespräches, das er, wie er zugab, belauscht hatte, zu verraten.!Der ׳Rabbi lächelte und sagte: ״Als ich diese •ungeheuren Ehrungen, die mir die j Stadt entgegenbrachte, über mich ׳erg-ehen lassen mußte» da! zitterte ich um meinen Anteil an •der zukünftigen Welt, fürchtete, diese könnten mich hochmütig, und überheblich; stimmen. Da erinnerte ich .mich •der, Worte der (Mischua: ' ,/Die Ehre deines Freundes sei־ dir so lieb wie deine eigene.“ Und ich erfand wie durch eine.Eipgebung einen neuen Kommentar zu dieser ׳Mischnastelle. Söll heißen:. ״WöJin׳ dir andere Ehre erweisen, so. stehe diese Ehrung bei dir׳ nicht höher״ als wenn du dir diese;selber, erwiesen hättest.“ : So schloß ich mich ein und fing an, mir. selbst die schönsten; Komplimente zu machen. Dabei trat mir die ganze. Lacher-;

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