Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 35 (7.9.1928)
- Date
- 1928-09-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 35 Seite 223 J JÜDISCHE PRESSE Radin, der ״Chofez Chajira“, in einem offenen Brief in der orthodoxen östlichen Presse. Läßt sich auch gegen den Zwang nichts ausrichten, schreibt der greise Rabbi, so dürfte es doch nicht sein, daß ein Vater seine Kinder mit eigenen Händen dem Molech preisgibt. Es gibt keine Rücksicht, die eine solche Tat rechtfertigen könnte. Eine Schule, in der das Kind zur Gottesleugnung erzogen wird, ist wie eine Schule der Taute anzusehen. Welcher jüdische Vater würde aber sein Kind der Taufe weihen? Gut jüdische Eltern werden Opfer bringen, werden Geldstrafen und sogar Gefängnis auf sich neh nen, um ihre Kinder vor dem geistigen Untergange zu bewahren. Als unschuldig können sie nur dann angesehen werden, wenn ihnen die Kinder mit Gewalt entrissen und der Schule zugeführt werden. Wo aber jüdische Eltern ehrlich um die Seele ihres Kindes ringen, wird ihnen Gott beistehen und zum Siege verhelfen, wie er immer Israels Hand führte im Kampfe für seinen Gott und seine Thora. Der ״Chofez Chajim“ spricht von einem benachbarten Lande und meint offensichtlich Sowjetrußland, wo neuerdings mittels des Schulzwanges Kinder im zartesten Alter der Mutterbrust der Thora entzogen und dem Götzen des religiösen und politischen Radikalismus zugeführt werden. Mit Hinblick auf diese Gefahr sind die starken Worte schon erklärlich, aber sie sollten auch im gesamten Osten gehört werden und überall da zu denken geben, wo jiddischistische und Tarbutschulen im Konkurrenzkampf mit Cheder und Jeschiwa um das Kind werben. Sie sollten zu denken geben all denen auch im Westen, die berufen und imstande wären, durch Gründung und Ausgestaltung eigener, guter jüdischer Schulen die Gefahr, die von der unjüdischen oder antijüdischen Schule unserer Zukunft droht, abzuwenden. Sagte es doch der Weltweise von Radin einmal selbst: ״Wir werden mit allem Geschrei und Getue, auch nicht, wenn wir mit den Fäusten um uns schlagen, die Finsternis verjagen; ein kleines Lichtlein, zur rechten Zeit angezündet, verdrängt und verscheucht sie geräuschlos und endgültig.“ Selbstbewusstsein der Orthodoxie. Da klafft scheinbar ein greller Widerspruch. Auf der einen Seite wissen wir, daß die jüdische Lebensauffassung als die Krone aller Tugenden Anivus, Beschei־ denheit und Demut verlangt, daß unsere heilige Lehre diese Tugend als die größte an Mosche Rabbemi kennzeichnet. Auf der anderen Seite verlangen unsere Weisen s. A. von jedem zur Führung berufenen Menschen, daß er seines Amtes waltet unter Wahrung einer klar zu erkennenden Distanz im Verhältnis z;u den Geführten. Wir erfahren ferner, daß die allzu große Zurückhaltung eines Mannes (Secharia) mitschuldig war an der Zerstörung eines Tempels. Es ist klar, daß die Lösung dieses Widerspruches liegen muß in der Unterscheidung zwischen persönlichen und sachlichen Momenten. Man kann bescheiden sein für. sich, muß aber, wenn man eine Sache vertritt, auch verstehen, seine Forderungen energisch zu vertreten; es ist ebenso klar, daß nach der menschÜchen Natur es furchtbar schwer ist, diese sachlichen und persönlichen Momente, auseinanderzuhalten. Die Grenzlinie ist schmal und steil. Und wiederum ist es ein Zauberwort aus dem Sprachschatz unserer Kultur, welches den sichcrsten Wegweiser und die genaueste Direktive gibt. Das Wort heißt:: ״Lischmau.“ Freilich bedarf es für den Führenden einer sehr strengen Selbstkontrolle, um zu ermessen, ob bei irgend einer Handlung, bei irgend einer Unterlassung der Bereich des Lischmau verlassen wird. Man erkennt ohne weiteres, daß die Innehaltung dieser ganzen Linie starke Persönlichkeiten voraussetzt, sowohl bei den Führenden wie bei den Geführten. Wir bedurften dieser Abschweifung auf das Gebiet des individuellen Lebens, um den Programmpunkt der Aguda zu verstehen, der die Weckung des Selbstbewußtseins eines Mannes, den ich mit Stolz meinen Urgroßvater nenne, Ihnen am besten darstellen kann. Es veranlaßt mich überhaupt kindliche Pietät, daß ich vor allem die Biographie jenes Mannes liefere, zu dessen heiliger Gestalt ich schon von frühester Kindheit an mit der größten Ehrfurcht aufblicke und der mir immer das Ideal eines g-ttgefälligen Lehrers in Israel bildete. K R. Joel war so um das letzte Dezennium des vorigen Jahrhunderts in Rechnitz, einem kleinen Städtchen Ober- Ungarns, geboren. Er entstammte einem sehr frommen und g-ttesfürchtigen Mann, dessen Frömmigkeit und. Aufopferungsmut für jedes G-ttesgebot, für jede Mlzwah seihst die Sage, diese hiniedige Belohnung jeder Tugend, verewigte. Es war vor einem Sukothfeste, so wird in der dortigen Gegend erzählt, die zu dem Feste notwendigen Ethrogim sind infolge eines ungünstigen Jahres sehr selten geworden, so daß man einen Ethrog selbst für die höchsten Preise nicht bekommen konnte, und so kam es, daß von dem Hüttenfest nur ׳noch zwei Tage trennten, und unser lieber Mann hatte noch keinen Ethrog. Da nahm er nun fünfhundert Gufden zu sich, begah sich mit dem festen Vorsatz auf die Reise, wenn es sein muß, selbst diese Summe zu opfern, nur um sich einen Ethrog, diese unvermeidliche Vorbedingung einer Mizw-ah, zu verschaffen. Kaum hatte er einen Weg von einer halben Stunde zurückgelegt, da gewahrte er einen alten, ehrfurchtgebietenden Mann auf der Landstraße vor sich, der, und das war ja doch jetzt die Hauptsache, einen prachtvollen Ethrqig in den Händen hielt. Schnell sprang er von seinem Wagen herab und beschwor ihn, ihm doch den Ethrog zu überlassen — mag er nachher welchen Preis immer fordern. Der Kauf war bald fertig. Der Alte verlangte eben 'fünfhundert Gulden, und war unser Mann freudigst bereit, ihm das Verlangte zu geben, nur wollte er vor allem den Ethrog in Sicherheit bringen. Nachdem dieses geschehen, wandte er sich um, um doch den Kaufpreis zu erlegen: aber wie erstaunt war er, der Alte war verschwunden. Es war gewiß Elia, der Prophet. Aber nicht nur die Sage, sondern auch seine Zeitgenossen haben seine Tugenden anerkannt, und die Judenschaft mehrerer Komitate hatte ■ihn als einen reichen, zugleich aber auch sehr frommen und opferfreudigen Mann, der noch dazu talmudkundig war, zum Oberriohter und Obereinnehmer der von der Königin Maria Theresia verordneten Judensteuer gewählt. Und noch jetzt erinnere ich mich aus meiner Kindheit, wie eine ihn mit mehreren Jahren überlebende Schwester R. Joel Ungars von dem verschwundenen Glanz ihres Vaterhauses mit fepchten Augen zu erzählen pflegte, wie ihr Großvater auf seinen Inspekfionsleisen in jeder jüdischen Gemeinde, wohin er kam, von den der Orthodoxie im Auge hat. Man kann dabei nicht vorübergehen an einem ergreifenden Bild aus der ersten Königszeit unseres Volkes. An und für sich war König Saul ein bescheidener Mann von keuscher Zurückhaltung, dessen ganze Natur sich dagegen sträubte, Anerkennung und Würde zu verlangen. Zu dem sprach der Prophet Samuel: ״Bist Du auch noch so klein in Deinen Augen, so bist Du doch das Haupt der Stämme Israels, so hat Dich doch der Ewige salben lassen zum König v^n Israel.“ Die Erkenntnis ,daß das Schicksal eines ganzen Volkas durch, sein Verhältnis zur Thora bestimmt wird, das ist Wurzel und Berechtigung des Selbstbewußtseins der Orthodoxie. Es ist nun einmal so verbrieft in den Worten der heiligen Lehre, es ist nun einmal so bewiesen durch den Gang der jüdischen Geschichte, daß die Erhaltung des Volkes Israel maßgebendst beeinflußt wird durch die Treue zur Thora. Es sind ja nicht wir, die wir uns diese Aufgabe gestellt haben, sie ist uns in dia Wiege gelegt worden. Der ganze Verlauf aller Geschehnisse zeigt die Kurve des Gelingens oder Nichtgelingens, je nach dem Selbstbewußtsein der Thoratreue. Es ist also das Selbstbewußtsein der Orthodoxie nichts anderes, nichts mehr und nichts weniger, als die Erkenntnis dieser Aufgabe und der Verantwortlichkeiten, die in ihr beschlossen liegen. Als die Aguda auf den Plan der jüdischen Geschichte trat, war die Erkenntnis stark verschüttet durch den furchtbaren Ansturm der Reform. In die Defensive gedrängt, war man schon glücklich und befriedigt, wenn es gelang, das individuelle Leben eines engeren Kreises für die Thora zu retten. Man war zu schwach geworden oder man glaubte zu schwach zu sein, um maßgebend die Gesamtheit zu beeinflussen. Da ist die erste Forderung der Aguda, daß zunächst wenigstens die Klarheit des Zieles nicht aus dem Auge verloren wird und daß es keine Konstellation geben kann, welche die Orthodoxie davon dispensiert, den Weg zur Wiedergewinnung der alten Position zu suchen, und wenn sie ihn gefunden hat, auch mutvoll zu beschreiten, denn warum soll es nicht einmal gesagt werden, es begann den Thoratreuen schon bedenklich an Mut zu diesem dornenvollen Weg zu fehlen; in dieser Richtung hatte man sehr oft den Glauben an sich selbst verloren und hatte ganz vergessen, daß es nicht nur an dem Glauben an sich selbst, sondern an einem Glauben an die Wahrheit der Sache fehlt und ferner an dem Glauben, daß jede wirklich jüdische Seele, jeder wirklich jüdische Mensch, in dessen Adern das Blut Abrahams rollt, in irgend einem Augenblick seines Lebens für die Thora zurückgewonnen werden kann. Das orthodoxe Selbstbewußtsein besteht darin, daß man nach diesen Augenblicken schürft und sie auszunützen den Mut hat. Man erkennt leicht, daß es ein fast absoluter Altruismus ist, der so von der Aguda verlangt wird und daß ein solcher Mut und ein solcher Glauben sich sehr wohl vereinbaren läßt mit persönlicher Bescheidenheit. P. K. Dr. med. Ernst Adler, Dr. phil. Regine'Adler geb. Kapeller empfehlen sich als Vermählte Wien im September 1928 II., Heinestraße Nr. 34 v verbürgt reines Fett aus Kokos* nütsen. Die Kokosnüsse werden bei der Georg Schicht A. G., Aussig gepreßt und die Erzeugung steht bis zur Verpackung des fertigen Fettes unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Simche Fränkel, Rabbiner zu Skawina In Podgorze b. Krakau. Ceres kann daher von Jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereiiung der Speisen verwendet werden. I®! NACHRICHTEN |01 Zur Beachtung! Auf vielfachen Wunsch, der aus dem Kreis unserer aus den Ostländer stammenden Wiener Leser geäußert wurde, werden wir fortab הרלהת הנר עומצ״ש IDT nach den מנהג יתיקיי nach welchem unsere ostländischen Brüder sich richten, veröffentlichen. Die Zeitbestimmung wtfrd uns allwöchentlich vom ״Hithachduth Jereim“ zur Verfügung gestellt. _ "התאחדות יראים" ווינה ״Hitachduft Jereim“ Vereinigung Thoragesetzestreuer Juden in Wien 1L. Heinestraße 30 T. 15. י«1« {א¬ מה פ׳ נצבים וילך pi הרלקת הנר עש״ק שעה 6 עם 15 מינוט זמן שקיעת החמה עש״ה שעה 6 ע□ 28 מינוט זמן הדלקת הנר מוצש״ק שעה 7 ע□ 27 מיניט Der Dank des Bundespräsidenten an die Wiener Kultusgemeinde. Wien, am 31. August 1928. , Der Kabinettsdirektor des Herrn Bundespräsidenten richtete an den Präsidenten der Kultusgemeände folgendes Schreiben: Sehr geehrter Her Präsident! Der Vorstand der!israelitischen Kultusgemeinde hat dem Herrn Bundespräsidenten anläßlich seines 70. Geburtistages eine künstlerisch ausgeführte und ,besonders vornehm ausgestattete Glück wunsobadr esse gewidmet, über die sich der Herr Bundespräsident besonders gefreut hat. Ihr Vorstand hat überaus herzliche Worte gefunden, um dem österreichischen Staatsoberhaupt neuerlich die Treue der Wiener Judenschaft zur österreichischen: Republik und ihre loyale Gesinnung zum Ausdruck zu bringen. Der Herr Bundespräsident bat mich beauftragt, Ihnen, für diesen Beweis Ihrer Anhänglichkeit an das Vaterland und Ihres Interesses für seine Person seinen aufrichtigsten und verbindlichsten Dank zu übermitteln. Rabbinern und Vorständen mit ThoraroJien empfangen worden ist und wie er nachher, von den ihm entgegengebrachten Thorarollen!umringt, unter dem Trauungsbakiachin in die Synagoge geleitet ward, mm dort die größeren Streitigkeiten zu schlichten. Der Vater unseres Rabbi Joel, Reb Eliezer, hatte schon nicht d׳as hohe Amt seines Vaters, war aber noch ein angesehener und reicher Mann. Und hatte unser kleiner Joel eine den damaligen Zeitverhältnissen •entsprechende sorgfältige Erziehung genießen können. Und da er schon damals, in frühester Kindheit, einen erstaunliehen Fleiß und Scharfsinn zeigte, so wurde er alsbald von der Bibel in den Talmud eingeführt, und nach kurzer Zeit schon bekundete der frühreife Knabe ein solch tiefes Verständnis für die schwersten Partien ■im Talmud, wie man es heute selbst bei Erwachsenen selten findet. Aber man glaube keineswegs, daß der Knabe bloß deshalb so früh in die majestätischen Hallen des Talmud eingeführt worden ist, damit er nachher seinen Lebensunterhalt dadurch finde. Dies nicht, denn damals galt er noch für heilig, jener Anspruch der Väter: ״Mache nicht das Studium der heiligen Lehre zu einem Spaten, mit dem man nach irdischen Schätzen gräbt.“ Ueberhaupt war der Begriff: Himmlische Schätze um irdischer wegen sich anzueignen, der poesievollen Lebensanschauung der Juden lener Zeit ganz fremd. Ja, poesie vo ll nenne ich die Lebensanschauung der Juden in den vergangenen Iahrhunderten. Denn mag von der dichterischen Verklärung des Christliehen Mittelalters noch so viel gesungen und geträumt werden, echte Lebenspoesie, das heißt, was nicht nur so genannt wird,״•sondern es auch in der Wirklichkeit ist, solche wahre Idealisierung des Lebens werden wir nur in den von außen düsteren, aber von innen hellen Hütten des gedrückten J-udenvolkes, aber keineswegs in den noch so glanzstrahlenden stolzen Burgen der edlen Ritterschaft finden. Denn was ist wahre Poesie des Lebens? Die Betrachtung und Auffassung des menschlichen Lebens von einem höheren Standpunkt aus und die folgerichtige Durchdringung des ganzen menschlichen Daseins mit den Konsequenzen dieser höheren Auffassung. Lebenspoesie heißt: die Befreiung des ganzen Menschenlebens von allen gemeinen Sälaken und seine Unterordnung ׳unter ein höheres Gesetz. Und wahrhaftig, solche Verklärung des ganzen irdischen Daseins werden wir an den üppigen, sohwelgerisehen Höfen des Mittelalters vergebens suchen. Oder vermag denn das noch so schmelzende Liebeslied des Minne- Sängers die sinnliche Liebe •ihrer Sinnlichkeit zu entbleiden und sie mit dem g-öttlichen Nimbus der Heiligkeit z׳u umgeben? Nein, und zehnmal nein! Trotz alles schillernden Worlgepränges der Troubadours bleibt sie doch sinnlich, doch .unheiüg, bis nicht ein G-tteswort selbst sie befiehlt und sie so sanktioniert. Oder werden etwa Raub und Mord ■ minder Verbrechen sein, weil edle Ritter es waren, die sie vollbrachten, und wie es für ritterliche Tugend galt, zu rauben und zu ■morden?! Ja, suchen wir echte Lebenspoesie, wahre Verkfärung des Lebens, so müssen wir in die armseligen Hütten des geknechteten Jakobstammes einkehren, und dort, in den dunkeln Ghettos, werden wir wohl keine ritterlichen Schwärmer, keine ritterlichen Raufbolde antreffen, weil ihnen, den armen Juden, das eigene Leben zu ernst und das des Nächsten zu heilig war, um damit zu tändeln. Aber desto erfreuter werden wir ׳die herrlichste Entfaltung der Lebenspoesie, eile Heiligung des ganzen menschlichen Lebens in allen seinen Beziehungen wahrnehmen. Alles, was der Jude des Ghettos tat, hatte seinen Ursprung aus einer höheren Quelle; alles, alles floß ■ihm aus dem ewigen Born der Thora. Tag und Nacht arbeitete er, nur von dem Erworbenen seine Familie zu ernähren, seine Kinder zu echten, gesetzestreue'n Jehudim zu, erziehen, aber keinesfalls, wie man es leider heutzutage so oft sieht, um Reichtümer zu sammeln, damit man nachher Mittel habe, die irdischen, vergänglichen Freuden zu genießen. Nein, diese hohe (?) Auffassung vom Wert des hiniedigen Lebens hatte man darnals, hatte der Jude der damaligen Zeit nicht! Nicht daß er Aszet gewesen wäre — nichts entfernter wie das. Denn eben das Judentum, •das echte, gesetzestreue Judentum perhorresziert dies am meisten; auch er, der Jude, genoß das Leben und vielleicht weit mehr und angenehmer, als so mancher unserer modernen Geldjäger, die vor lauter Haschen und Jagen nach irdischen Glücksgiitern nicht einmal Zeit finden, sie, die erworbenen Schätze, recht zu ge-!ließen und die sich die heilige Ruhe eines Sabbats, der den Juden des Ghettos eine Quelle unendlichen Segens war und den frommen Juden noch heute ist, gewähren können. Auch er, der Gihettojude, aß und trank, aber nur deshalb und nur in dem Maße, um Kraft und Fähigkeit zu haben zu einem gerechten, liebevollen, mit einem Wort g-ttgemäßen Leben, und das war doch gewiß etwas anders und'Erhabeneres, als das moderne Ringen und Streben! Und diese idealistische Durchdringung des Lebens war es auch, die die Kinder schon in frühestem Alter in die Religionsschriftcn Israels einw-eihen ließ, nicht, um sie zu Theologen, zu Rab- ■binern, sondern u׳m sie zu Juden z׳u machen, zu Juden, nicht bloß mit der Tat, sondern auch mit Herz und Seele, Geist und Gemüt. Sie, die Ghettojuden, hatten׳ den Aussprach unserer Chachomim: חהלמיר גדול שמכיא לירי מעשה ״Bedeutsam ist das Studium der G-tteslehre, denn dadurch wird man befähigt, die heiligen Gebote zu erfüllen“, — sie hatten diesen Ausspruch begriffen und auch verwirklicht. (Fortsetzung folgt.)