Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 26 (6.7.1928)
- Date
- 1928-07-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 176 JÜDISCHE PRESSE Nr. 26 ןןןןןןןןןןןןןןןןןןן11ון(1וןו«ווווווווו1וו1«1שו»וו1וו1«1ווו11ו1וו«וו«1111111נש11ש11>: Sorgfältigste Lieferung in plombierten Sacken von 1 Sack — SO kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons 5$ JULIUS HABER Kohlen- und KoksgroBhandlung Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Wien, II., TaborstraBe 9 ן Fernsprecher Nr. 41-0-22 in Rußland!gehen allesamt eines langsamen Todes!zugründe. Sie haben jode Hoffnung verloren. ■Haben sie noch vor einigen Jahren ■ihre Toten!mit der wehmütigen Klage bestattet, daß dieselben in anderen Zeiten noch viele, viele Jahre hätten leben können, so beneiden sie heute jene, die ein gnädiges Schicksal aus diesem Jammertal, Sowjetrußland genannt, in ein besseres Jenseits abberufen hat. Wer ist .an dieser hoffnungslosen Lage edler, guter, unschuldiger!jüdischer Menschen schuld? Die russische!Regierung vielleicht? Auf diese!Frage ist nicht leicht zu ant- Worten. Diese Regierung •hilft mit, die!jüdischen Kolonien ■in Rußland! ■zu begründen. Jüdische 'Geldmagnaten in Amerika wollen in den nächsten!zehn Jahren!20 Millionen Dollar .in das .Kolonisationswerk investieren. Ist das nicht großartig?!Ist das nicht ׳die: Rettung, die Regeneration der russischen Juden? ■Es!ist schwer, auch auf diese Frage zu antworten. Freudig muß man ■die großzügige Konzeption und die ׳erfolgreiche Verwirklichung des 1Kolan!i׳sationsprojektes anerkennen, wenn auch ■schwere religiöse Bedenken gegen dasselbe gehegt werden müssen. Mag auch das ganze Kolonisationswerk ■als ein finanzpolitisches Manöver der .Sowjetregierung angesehen werden, es stellt den einzig positiven Versuch dar, einem Teil der russischen Juden eine neue Existenizmöglichkeit zu schaffen. Einem Teil, einem' winzig kleinen Teil. Zehntausend bis ■zwanzigtansend ‘Familien gleich ׳hunderttausend Menschen gewinnen so im Laufe von Jahren •eine aussichtsreiche Existenz. Hunderttausend Seelen, ■eine erfreulich hohe Zahl, wenn schon die Rettung einer jüdischen Seele eine ganze "Welt bedeutet. Wiie ■winzig ist aber die Zahl;von hunderttausend Menschen, wenn ׳man!bedenkt, daß zwei M i 11 i 0 n e n. n ■e u n.h ׳u nd e r 11 a u s e n d unter den heutigen Verhältnissen in Rußland ׳!zugrunde ©eben müssen. Zugrunde gehen müssen, warum?! Das 1Wli rt s׳ c half t׳s s y ׳s t e m des ־bol ׳s'c hewistischen Staates Ist es,!mit ■dem diese nahezu drei Millionen Juden sich nicht abfinden!können, ׳nicht ׳aus!Bosheit, nicht ■aus Widerwillen, sondern!einfach .aus Unfähigkeit, sich der neuen Struktur der .Gesellschaft, den neuen Methoden des Handels, der ■neuen Gewerbeordnung anzupassen. Waren ein G.roßtei׳l der russischen Juden ■schon früher Luftmenschen, waren lihrie; Existenzen Luftexistenzen, so hat die Neuorditiung in Rußland ihnen ■auch die!Luft entzogen. D e r Würgengel der russischen Juden heißt: Di e s 0 w׳j e t r u s si׳s c h e Gewerbe- und Hand e 1 s.po'l i t i׳k. Sie ist nicht gegen die Juden allein gerichtet, sie trifft aber hauptsächlich nur die Juden. So wurden nicht nur die!jüdischen ■Bankiers unld! iGroßindustriellen, sondern allmählich auch die ׳kleinen Händler u׳nd Handwerker u׳m ihre Existenz gebracht, entwurzelt und dem Verderben preisgegeben; dies sind die Resultate zehnjähriger sowjetistischer Wirtschaftspolitik bei dien Juden. Gegen diese!Politik in Rußland offen zu kämpfen, ׳hieße Hochverrat, ein Verbrechen, das kein Jude auf sich lädt;־gegen diese Politik im Auslände zu kämpfen, hieße ein feindseliger Akt gegen Rußland, der den russisehen Juden den größten Schaden brächte. W!as denn tun? Jomtow-Lippmann Heller (Tausfaus-Joratow). Rabbi Jomtow-Lippmann Heller!ist ■im Jahre 5339 (1579) ■in Wlal le rs tein in Bayern geboren. ׳Bei seiner ׳Geburt lebte ׳sein Vater nicht mehr, die Mutter scheint er in jungen Jahren verloren zu halben.!Der ■Großvater von väterlicher Seite, Rabbi! Mosche Wall erst ein, der den Titel ׳״Oberrabbiner von!Deutschland“ führte, •nimmt sich des Enkels an,!bringt ihm die ersten!Kenntnisse bei und schickt ihn, als ■er seine hohen!Gaben ■erkannte, auf die Jesebiwah des Rabbi! Jakob G ä in z b u r g nach F r 1 e d ■b ■e r g in ׳Hessen. Von dort kommt ׳er in fangen Jahren! zum hohen Rabbi Löw nach Prag, vervollkommnet sich iln der Nähe dieses Größten der damaligen Größen!und auch im Lehrhause des ■Rabbi Efraim L ■e;n -t s c hi t z. Schon mit 18 Jahren ist Jomtow-Lippmann ■Dajan von. Prag und wirkt ■als solcher •:im Rabbinat des hohen Rabbi Löw mit. 28 Jahre lebt ■und lehrt er so in Prag, und ■es waren, wie er in seiner Biographie sagt, die glücklichsten Jahre ■seines!Lebens, um so mehr* ■als ■er ׳auch mit irdischen Gütern gesegnet war. Um di׳ese Zeit erscheint auch ein Teil seiner Werke, ■auch sein Hauptwerk ״T a u s־ w aus J׳au m t a!u w“, das die Welt ■auf den jungen Gelehrten ■aufmerksam macht. Er wirkt dann nacheinander kurze Zeit •als Oberrabbiner *in Nikol sbu rg und in Wien und wird ׳ton Jahre 5387 mit großem ■Jubel ■als Oberrabbiner von Prag in der Stadt seiner ersten Jugend, in der Stadt des von 1i!hm gefeierten Meisters, des hohen •Rabbi Löw, empfangen. Es gelingt ihm in den ersten ruhigen Prager Jahren, noch* ׳zwei Bücher zu den ״Vier Turim“ ׳herauszugeben, und nun schreitet das Unheil schnell heran. Am Montag den 5. Tarnus 5389, um die Mittagszeit war es, als man dem ׳Raibbii mitteilte, der kaiserliche Richter habe nach ihm gefragt. Er, ׳der Richter, wolle zu ihm kommen. ׳Nichts Gutes ahnend, nahin der Rabbi von der Synagoge die Vorsteher - mit ■nach!Hause. Naoh einer In dumpfer, hoffnungsloser Verzweiflung leben so drei Mil- Honen russische Juden und warten auf den ■erlösenden Tod. Während der Judenmorde im Mittelalter schrie man zu ■G-tt ■auf, man fastete und 1betete; gegen den neuzeitliehen׳ Antisemitismus versucht man mit den ■modernen Mitteln der Organisation, der Aufklärung, der Abwehr anzukämpfen; gegen den Massentod, der infolge ökonomischer Prinzipien und bolschewistischer Grundsätze über abertausende Juden in Rußland verhängt wurde, ist noch kein Kraut gewachsen ... P. Reorganisation. Ein!junger Führer der ׳Aguda-Jugend!stellt uns diesen!kritischen Aufsatz zur Verfügung, dem wir gerne!Raum ■geben. 1D. R. Jahre hindurch ist es schon ein offenes Geheimnis, daß Augudas Jisroel als Weltorganisation der־ Reorganisation bedarf. An vielen Tagungen und Sitzungen ist dieses Thema schon sehr eingehend behandelt worden, ohne daß bis heute ein positives Resultat zustandegekommen ist. Sicherlich lag es nicht an dem guten Willen der Förderer des Reorganisationsgedaqkens, daß bis dato hierin keine Fortschritte zu erzielen waren. Es standen und stehen heute noch fast unüberwindbar scheinende Hindernisse im Wege, so daß die Arbeit nur langsam vor sich geht. Die in der Arbeitsgemeinschaft der Agudas Jisroel- Jugendorganisationen zusammengeschlossenen Jugenäverbände machten sich erstmals im. Dezember 1926 in einer Sitzung in Köln mit dem Reorganisationsproblem vertraut, Es bedurfte einer fortgestzten intensiven Arbeit seitens der Arbeitsgemeinschaft, um vom Geschäftsführenden Ausschuß die Zustimmung!zur Ernennung einer Organisation- und Finanzkommission zu erhalten. Wie in den letzten Wochen zu lesen war, ist diese Kommission aus drei Herren, des G. A. und sechs Herren der A. J. zusammengesetzt. Es ist ein Novum in der A. J., daß die Jugend in dieseiJ Stärke in!einer vom G. A. ernannten, Kommission Sitz nimmt und bedarf dies der ganz besonderen Aufmerksamkeit in der A. J.-Welt. Was will die Organisations- und Finanzkommission? Kurz geantwortet: Alles das nachholen, was der G. A. seit der ersten K. G. und seit der letzten Z. R.-Tagung in Berlin versäumt hat. Diese Aufgabe zerfällt in drei Hauptbestandteile: 1. Reorganisation der A. J. alt Weltverband. 2. Reorganisation der Finanzen. 3. Vorbereitung der K. G. und der Weltjugendtagung. Unter Reorganisation der A. J. als Weltverband ist zuerst die Liquidation der G. A.^Bureaux von Frankfurt, Wien und Warschau zu verstehen. Ebenso verhält es sich mit den P. Z.- und K. H.-Zentralen. Abgesehen vom finan־» ziellen Vorteil ,ist es eine unbedingte Notwendigkeit, daß wir eine einzige Verwaltungsstelle erhalten, von der aus sämtliche Direktiven erteilt werden und die imstande sein wird, ein ■einheitliches Vorgehen aller L. O. zu garantieren. Wo der!Sitz dieser heuen Verwaltungszentrale sein wird, darüber besteht noch keine Einigung. Vorschläge für London, Wien und Berlin liegen vor. Wie die Zentrale ausgebaut werden w!ird, hängt von , der Lösung der Finanzfrage ab. Einzelne Vorschläge liegen auch hiefür schon vor, wib z. B., daß der Präsident des' Wiener G. A. [am Orte der Weltzentrale ständigen Sitz nimmt und die oberste Aufsicht über die Geschäftsführung innehat. Ferner sollen ein oder mehrere Vertreter der verschiedenen Augada-Zentren (Ost* und Westeuropa, Amerika, Erez Jisroel)!in die Zentrale eintreten, damit dieselben die für die einzelnen Gebiete notwendigen Schritte bei׳ irgend einer Aktion unternehmen können. Daß die P. Z.־*, K. H. Z.-, J. O.-, Presse usw. besondere Berücksichtigung finden wird, äst selbstverständlich. Ebenso selbstverständlieh ist ,es, daß die Landeszentralen wie bisher weitertbestehen bleiben. Eines ist aber sicher: Die Reorganisation der Agudas Jisroel und ihr organisatorisches Weiterbestehen ist nur gewährleistet, wenn man vom bisherigen System der Ehrenbeamten zum besoldeten Beamten übergeht. Und deshalb bedarf es dringend der Finanzreorganjsation. Vor allem müssen Mk.' 100.000 zur Verwirklichung der vorher genannten und ■der nachfolgenden Pläne geschaffen werden. Auch bei Aufbringung dieser Summe will die neue Kornmission vom bisherigen Weg des G. A. abgehen, indem wir sagen, daß die Finanzen einer Weltorganisaton nicht von einzelnen, sondern nur von der gesamten Mitgliedschaft getragen werden können. Daß diese Auffassung die riehtige ist, beweist die heutige trostlose finanzielle Lage un- Stunde fuhr der ■Beamte vor, begrüßte sehr freundlich und leutselig Rabbiner und Vorsteher 1u׳nd lud den ׳Rabbi ein, ihm in ein besonderes Zimmer zu ׳folgen!,!d׳a er etwas mit ihm unter vier Augen zu ■besprechen hätte. Im Studierzimmer des Rabbi brachte nun ■der Richter unter vielen Entscnuldigungen und Beteuerungen seines Bedauerns hervor, daß er den Auftrag vom Kaiser ]Ferdinand habe, ihn zu arretieren und ■nach Wien zu überbringen. Er lud dann den '׳Rabbi ein, mit!ihm ׳;in seinem Wagen aufs ■Amt zu fahren. Rabbi Jomtow-Lippmann bat aber,!zu Fuß •gehen zu dürfen. Der hohe Beamte ging mit •ihm zu seiner Linken und die Vorsteher folgten ihnen. ■Hier wurde das ■Dekret nochmals verlesen, wonach •der, Rabbi sofort nach Wien zu kommen habe, widrigenfalls er in Ketten dahin gebracht werde. Der Richter zeigte sich dem Rabbi äußerst gewogen, erklärte sich aber ,außerstande, an der Sache etwas m ändern. . Zwei Vorsteher, Rabbi David Lu.rja und Heni Meiseis, begaben sich sofort zum Oberst-Burggrafen, der als!Statthalter das letzte Wort in allen Verwaltungsdingen zu sprechen hatte. Es war bereits späte ׳Nachtstunde, der Oberst-Burggraf schlief, ■und das ■Haus war von ׳allen Seiten •gesperrt. Aber die Vorsteher ׳ließen nicht locker, klopften׳ solange, bis ■der Kammerdiener öffnete und ließen׳ den hohen Herrn wecken. Zuerst ■erbost über diese Störung, ließ er sich doch von׳!der Dringlichkeit dieses Falles überzeugen!und die Vorsteher vortreten; es leuch-!tete ihm ein, daß es ■auch ihm, dem!Herrn der Stadt, keineswegs zur Ehre gereichen würde, wenn ein so hochgeachteter. Bürger, ■der Führer der Judenheit, wie ■ein Verbreeher gefesselt nach ■Wien gesohaben würde. ■So gelang es, nachdem sich die ׳Vorsteher mit Gut und Leben ■für den ■Rabbi verbürgt hatten, auszuwirken. •daß Rabbi Jomtow- Liippmann sich freiwillig ■binnen sechs Tagen dem Kaiser in Wien stellen durfte. Am 10. Tarnus langte der ׳Rabbi in Begleitung eines ■Vorstehers, des R. Henk in Wlien ■an. Vom Kanzler, bei dem sie sich gleich melden mußten, wurde er sehr hart arrgefahren, und hier erfuhr ׳er auch ■sein schweres Verbrechen. Er hätte Sn seinen beiden Werken ״Maadene iMelech“ lind g11n111111111₪11111111111111111111111₪₪ | Lloyd Sabaudo, Genua 1 | Expreßverkehr nach Nord- und j | Südamerika. | i Nach Südamerika auch Efldampfer | | nur für III. Klasse. | 1 Ellverkehr nach Australien. 1 | Rßpr.: Wien I., Kokratring 4. | serer Organisation• Es wird deshalb die Pflicht eines jeden Agudisten sein, sobald der betreffende Aufruf erscheint, seine Steuer der Organisations- und Finanzkommission zuzuführen. Es muß endlich die Wahrheit gesagt werden: Versagen die Mitglieder in dieser Stunde, ist J. A. gewesen! Und sicher ist, daß der Vorwurf über Versagen der bisherigen Leitung nicht auf die neue Organisations- und Finanzkommission übertragen, werden kann, denn wir sind der Ueberzeugung, daß wir die Kräfte besitzen, wenn uns die Unterstützung nicht fehlt, A. J. zur Weltorganisation־ auszubauen und das alte Programm, das Kattowitzer, zur neuen Geltung zu bringen. Details des Finanzierungsprogrammes können hier nicht besprochen werden. Es steht jedoch fest, daß in Zukunft die Zugehörigkeit zur A. J. von der Bezahlung der Jahres- sowie der K. G.-Steuer abhängig gemacht wird. Als letzten Punkt nannte ich Vorbereitung der K. G.- und der Weltjugendtagung. Es ist logisch, daß diese Vor1bereitungsärbeiten erst :in die Hand genommen werden( können, wenn der erste und speziell wenn der ־ zweite! Punkt erledigt ist.״ Die Festsetzung des Termines für die K. G. hängt ebenfalls hievon ab. Es ist ebenso die Auf-/ gäbe der Kommission, ein mollendetes Programm für die K. G. auszuarbeiten, damit die K. G. 2 eine Tagung der positiven Arbeit wird. Dringend notwendig, um zu praktischer Arbeit an der K. G.!zu kommen, ist die Einberufung einer außer'-v ordentlichen Z. R.-Tagung, damit an derselben die Lage innerhalb der Verwaltungsstellen geklärt und Zustimmung zu dem Reorganisationsplan gegeben wird. Da die Organisations- und Finanzkommission in den nächsten Wochen wieder Zusammentritt, und wir mit den Mitgliedern zusammen an dem Aufbau arbeiten wollen, wäre es uns sehr erwünscht, wenn uns Anregungen zur kommen würden. M. D. Lewenstein, Zürich. VON TAGE Entfremdete Söhne. Josef Unger.!Die Wiener Universität,!die deutsche Jurisprudenz wie die gesamte gebildete ׳deutsche iKulturwelt feierten: diese Woche;den hundertsten Geburtstag des Schöpfers des modernen deutschen ,bürgerlichen Privatrechtes, Josef Ungers, des Judenjünglings, der, nachdem er die Taufe genommen hateine Leuchte der Wiener Universität und der deutschen Kultur ■geworden ist. Josef Unger, der ein schlechter fahnenflüchtiger Jude war, 1konnte sich . noch immer ■zu den Besten der ׳mitteleuropäischen Kultur emporschwingen. ׳Diesen ■Umstand erwähnen wir nicht ■etwa, um unseren .,jüdischen Stolz hervorzukehren, sondern um auf die ■Erbärmlichkeit ■des heutigen ■akademischen •Antisemi.- tismus hinzuweisen.!Dieser Antisemitismus will wahrhaben, daß der jüdische Geist minderwertig, zumindest der deut-' sehen Kultur ■abträglich wäre. Josef!Unger ist eine helle Widerlegung dieser absurden Theorie. Felix Salten. Felix Salten lebt noch (er soll 120 Jahre leiben), er ist noch ׳nicht in ׳das deutsche Pantheon eingezogen. Er ist ein namhafter deutscher Schriftsteller und ׳hat durch sein Palästinahuch ein offenes!Bekenntnis zur jüdischen Volkszugehörigkeit :abgelegt. Er scheint ■aber trotzdem ein entfremdeter Sahn des jüdischen Volkes zu seih, denn ■u׳nlängst ■hat ■er ׳in einem ׳beachtenswerten ׳Feuilleton i!n der Wiener ״Neuen Freien Presse“ die Jagd gegenüber!dem Schächten verteidigt. Er schreibt dort!folgendes: ״Oft werde ich gefragt: ״Sie haben ״׳!Bambi“ geschrieben; wie ׳können!Sie ein Reh schießen?“ ■Lieber!Gott, was soll man darauf antworten? Der!Hinweis, daß ■die Tiere, die täglich zu Tausenden und Abertausenden geschlachtet werden, die Tiere, die man zum.Tode führt, 1״Lechen ohamudoth“ gegen■!Kaisertum ■und Christentum geschrieben, ■zudem ■dem ersteren!Buch ■einen verdächtigen Titel ׳gegeben. ׳Rabbi Jomtow-Lippmann verteidigte sie“ •mit einer Erklärung über ■das Wesen ■des Talmuds u!n׳d der nüchtalmudischen׳ Literatur, die in ׳dem schriftlichen Sinaigesetz wurzelte.- Alles, was ׳darin von Fremdgläubigen gesagt!ist,!beziehe sich ■auf die alten Heiden.!Der ■Rabbi erhielt den •Befehl, sein ׳Quartier nicht zu ■verlassen,!bis die Gerichtskommis&ion ■zusammeng etr.eten sei!. Sieben Tage später, am Fasttage!des 17. Tamils, wurde der Rabbi;ins Gefängnis gesetzt, and ׳kein Jude durfte sich ihm ■nähern. Tags darauf aber wurde er schon, wohl auf ■auf ׳Bemühungen von jüdischer Seite,!in ein -besseres Haftlokal überführt, wo er den׳ Verkehr ׳mit ■F.reunden pflegen durfte. Am Donnerstag den ■20. Tarnus trat endlich ׳die Kornmission, ■bestehend ׳aus •hochgelehrten!Männern, Richtern und!hohen Beamten, zusammen, und der Rabbi wurde ■ge-, holt, daß ■er ihnen Rede und Antwort stehe. Warum er in der Vorrede!zu seinem Werk den Talmud so ■rühmend hervorgehoben ■hätte, nachdem doch der Papst diesen!in den Bann ׳getan, wurde er gefragt. Der ■Rabbi •antwortete: ״Ich habe den Talmud gerühmt in hebräjscher Sprache, in einem Buch, ■das ׳nur für die Söhne meines Volkes ׳bestimmt ist, ■und es ■war :mir nicht ■bewußt, gegen den Willen von ■Papst und Kaiser damit verstoßen zu haben.“ Noch mehrere Fragen wurden ,ihm voirgelegt, worauf er, nach!Beantwortung derselben; wieder in die ׳Haft gebracht wurde. Sechs Tage später, ■am 26. Tarnus, ׳wurde ׳das Urteil gefällt •and dem Rabbi!zugestelit.׳Es lautete auf T ödesstrafe, durch kaiserliche ׳Gnade in eine Geldstrafe׳ von 12.000 Talern verwandelt, die sofort ■bar erlegt . werden mußten׳. Die ׳beanständeten Bücher wurden eingezögen. Rabbi Jomtow-Uippmann verfaßte eine Bittschrift, in der er für die Gnade dankte und ■um weitere bat. Eine solche Riesensumme aufzubringen,!bedeute für ihn soviel, als ׳ wollte man ihm zumuten, zum Himmel hinaufzusteigen. Di׳e Antwort lautete: Wenn er nicht zahle, würde er!in Wien ■und ׳Prag mehrmals öffentlich gepeitscht, damit die Schande 2272769970869829691338484088