Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 25 (29.6.1928)
- Date
- 1928-06-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 170 JÜDISCHE PRESSE Nr. 25 pniniiniinniHinM 1 Lloyd Sabaudo? Genua j ן Expreflverkehr nach Nord- und ן | Südamerika. j | Nach Südamerika auch Elldampfer §| | nur für 111. Klasse. 1 | Ellverkehr nach Australien. g | Repr.: Wien 1.. Kolowrntrins & I iilllll!llllllllll!llllllllllllllll!llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!|||lllllllllllllll!llllllllllllllllllllllllll!llllllll|p einzelnen Richtung das Recht und die Möglichkeit gibt, nach ihreneigenen Ueberzeugung zu leben und zu wirken. Es ist selbstredend ein Unding, wenn in einer solchen Gemeinde die Majorität sich in der Pose des großmütig Gewährenden gegenüber den Minderheitsforderungen ge,- fällt, noch viel schlimmer ist es aber, wenn sie an sich berechtigte Forderungen dieser Minderheiten aus Gründen der Weltanschauung ablehnt. Wie wäre ein gedeihliches Zusammenarbeiten denkbar, wenn die Mim1 derheitsparteien sich gegenüber den Forderungen zur Erfüllung liberaler Bedürfnisse auf den gleichen Standpunkt stellen wollten? Und dann noch die Frage: Steht dpnn die Bekenntnisschule in solch’ schroffem Gegensatz zur jüdisch-liberalen Lebensanschauung, daß eine Sabotage aus diesem Grund gerechtfertigt werden könnte? Existieren nicht auch in anderen Einheitsgcgemeinden derartige Schulen und sogar darunter solche mit ausgesprochen liberaler Richtung? Also ganz all־- gemein scheint man auch \m liberalen Lager diese Auffassungen nicht zu teilen. Es muß also wohl ein'( Spezialprogramm des Münchner Liberalismus sein, und hiermit treffen wir des Pudels Kern. Ja, die liberalen Wähler der Münchner Kultusgemeinde haben einmal! ihre Stimme gegen die Gründung einer Bekenntnisschule( in die Wagschale geworfen, a ber Sie haben sich durch die beredte Sprache der Tatsachen überzeugen lassen* daß ihr Votum ein falsches gewesen. Nicht so ihre Abgeordneten. An ihnen sind all die Tatsachen, die das: Bedürfnis nach einer Bekenntnisschule auch hier evU• dent bewiesen haben, spurlos vorübergegangen und auch die Feststellung, daß 42 Prozent von den die israelitische Volksschule besuchenden Kindern aus libeV ralen Kreisen stammen, wird daran kaum viel ändern. Im übrigen wäre der Besuch auch in diesen Kreisen noch viel größer, wenn nicht die weiten Entfernungen dies oft unmöglich machen würden. Genau ein Sechstel der Schulkinder gehört den Eltern nach zu Ohel Jaakob und da bringt man es . fertig, den wenigen Mitgliedern dieses Vereins die gesamten finanziellen Lasten zu über•- lassen für eine Schule, die allen Kreisen rückhaltslos■ zur Verfügung gestellt wurde und von der alle Kreise der Gemeinde weitgehend Gebrauch machen. Als direkte Folge hiervon zeigt sich die Notwendigkeit der' Bereitstellung neuer Schulräume, und die Gemeinde stellt sich kraft Majoritätsbeschluß auf den Standpunkt: Für diese Schule haben wir kein Geld. Die Schule bestellt, und wenn sie nicht bestände* müßte sie geschaffen werden; das beweist das rapide Anwachsen der Besucher von 32 auf 110 in vier Jahren- Die Schule leistet Hervorragendes; das beweist das be,- wundernde Lob der Eltern und das Ansehen, das sie bei der aufsichtsführenden Behörde genießt. Mit der Grün/- düng der Schule hat sich Ohel Jaakob ein unauslösch- Helles Verdienst erworben, und man kann nur hoffen und wünschen, daß die Kultusgemeinde München im Interesse ihres eigenen Ansehens den Beschluß vom 6. Juni in Bälde einer Revision unterziehen wird, um so ämmimiiiiimiiiimimiimimmiimiiimmimmimiimiij: E W!r haben 5 I in BERLIN, Karlstraße Nr. 31 | — eine slreng koscher E | VORNEHME PRIVATKLINIK | S eröffnet. — Abteilung für innerlich Kranke, Frauenleiden E 5 und Chirurgie, Diätküche — Röntgen — Operationssäle — S 55 Entbindungsabteilung. Alles nach den modernsten hyg e- S nischen Grundsätzen eingerichtet. — I., II. und III Klasse. E 5 Dr. med. Falk Schlesinger Dr. ined. Carl Rosenberger 5 ■B■ mm Hlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllr zu beweisen, daß sie nicht durch haltlose Prinzipien oder gar durch eine unbegründete Mißstimmung sich davon abhalten läßt, an einer der vornehmsten Aufgaben einer jüdischen Gemeinde mitzuarbeiten. VOM TAGE Das Programm des amerikanischen Agro-Joint. J. T.!A.!Der Präsident ׳der American Jewish Joint Agricultural Corporation (Agro-Joint), Herr James N. R 0senberg machte ׳Mitteilungen über das Arbeifcsprogramm seiner ׳Gesellschaft, ׳die als ständige Organisation zur!Fortführung der .Finanzierung des jüdischen Aufbauwerkes in Rußland ׳begründet worden ist.!Das!ArbeitsProgramm für diie nächsten zehn Jahre •sieht eine ■Ausgabe von insgesamt• 20 Millionen Dollar vor. Bis!zutn 30. Oktober d. J.!müssen jüdische Persönlichkeiten •Amerikas 10 Millionen!Dollar voll gezeichnet-haben. Die russische Regierung hat sich ihrerseits verpflichtet, im Verlauf der nächsten zehn Jahre 10 Millionen ׳DoMar izuzuschicßen. Umfang und Bedeutung des Unterneh-!mens reicht aber weit über die Summe von 20 Millionen Dollar hinaus, da ׳die Regierung der Sowjetunion sich bereit erklärt hat, Siedltmgsland im Werte von 20 Millionen Dollar unentgeltlich zur Verfügung zu׳ stellen. Die American Society;for Jewish ■Farm Settlements wird das vom Joint Distribution Committee eingeleitete un׳d während der letzten fünf Jahre durch ׳den russischen Agro-Joint fortg.HPvte Werk übernehmen und weiteiführen. Das gegenwärtige ׳Programm des Agro-Joint in Rußfand ׳wird am 31. Oktober d. J. beendet ׳sein. Seine .Quellen sind!bereits erschöpft. Mit einem G׳esamtkostenaufwan.d ׳von weniger al׳s 6 Millionen ■Dollar, ■die die amerikanischen Juden Ibeigesteticrt haben, und unter Mitwirkung anderer jüdischer Organisationen!zur!Förderung •der ■jüdischen!Organisation wurden etwa 125.000!jüdische Seelen aus den ׳Städten auf dem Laude augesiedelt. Sie bearbeiten ein .Gesamtareal von mehr als einer Million Acker.!Noch heute sind 40.000 jüdische Familien in den ,Listen der Siedlung,sanwärter ׳eingetragen und warten ungeduldig auf die Gelegenheit, •die Städte, ■in denen sie keine :Beschäftigung finden,;zu •verlassen und ׳sich der ■Bodenbearbeitung zu widmen. Diesem!Notschrei will der neue Arbeitsplan abhelfen. Hiezu hat Herr Julius .Rosenv.'ald aus Chikago 5 Millionen .Dollar gezeichnet unter der Bedingung, daß andere!jüdische Persönlichkeiten Amerikas den gleichen Betrag zur Verfügung stellen. Ohne daß irgend ein ״Drive“ stattgefiMiclen hätte, sind bis heute!Beträge von insgesamt 7,100.000 Dollar sichergcstellt worden, worunter ein von Herrn!Felix M. Wartung gezeichneter Betrag von einer Million!Dollar!zu erwähnen ist. )Die übrigen Zeichner ■sind Colonel Herbert ■H. )Lehman, Louis M:arsha:ll, •Paul Baerwald, ׳Arthur Lehman, Felix ■Fuld,!Louis •Bamberger u. a. in. Es fehlt noch eine Summe ■van 2,900.000 Dollar, 1d!ie in ׳den nächsten!Monaten aufzubringen ■ist, um Dr. Rosen in die Lage zu versetzen, die Verhandlungen mit ׳der Regierung in Moskau erfolgreich zu!m Abschluß zu bringen. Von ׳der Ge- ■samt summe •in ■Höhe von 10 Millionen Dollar werden jährlich eine!Million Dollar für das Siedlungswerk ansgegeben ■wer־ den; die gleiche Summe, Dollar für!Dollar, leistet die russische Regierung, außerdem!das notwendige Siedlnngsland. Auf diese Weise werden wir ■in ׳die!Lage!versetzt, ei״״ sich i.n der ׳jüdischen Geschichte vielleicht ■nie wiederholende Gelegenheit für jüdischen ,Aufbau .zu •ergreifen. ׳Die russische Regierung wird für ■jüdische Kolonisation geeignetes Land in der Ukraine ׳und ■in!der Krimi, ׳und zwar in der ■Nähe der bereits bestehenden 'Kolonien,!zur Ansiedlung von weiteren 25.000 .jüdischen Familien zur Ver- •fügting ׳stellen und auch ׳diesen neuen 'Kolonisten alle jene Vorteile und Privilegien gewähren, die in ׳den diesibezügliehen ׳Gesetzen vorgesehen sind.. Infolge ׳dieser Privilegien stellen sich idiie Kosten der Landansiedlung in •Rußland ׳so erstaunlich ׳billig. Die!Regierung gibt unentgeltlich jeder fiinfiköpfigeii Familie eine Bodenparzelle im Umfang von 45 bis 75 Acker und stellt außerdem kostenfrei Waklgebiete zur Verfügung, wo ׳das für •dcu!Häuserbau erforderliche Holz geschlagen wird. Der Siedler genießt in!den ersten fünf Jahren seiner Seßhaftigkeit Steuerfreiheit. Die Transportgeibiihren für :Menschen׳, Vieh und Inventar sind stark herabgesetzt. Agro-Joint genießt das 'Privilegium idier zollfreien Einführung von Werkzeugen, Maschinen und anderer .Bedarfsartikel für!die Siedler. .Die vom amerikanischen Agro-Joint gewährten Beträge werden wie bisher verwendet werden: 80׳!bis 85 Prozent ■als!Darlehen für ׳die Siedler, 10 ibis 15 Prozent ■für landwirtschaftliche Instruktionen, medizinische und veteri- Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angofangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons X JULIUS HABER Kohlen- und Koksgroßhandlung Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Wien, II., TaborstraBe 9 Fernsprecher Nr. 41-0-22 näre Hilfe,!Schulen und! öffentliche!Bauten, 5 Prozent für administrative Erfordernisse. Der englisch-jüdische Board of Deputies und die Zionisten. J. T. A. Der ncugewähltc iDcputiertemRat ׳der engfischen Juden (Jewish •Board of Deputies) hielt ■soeben seine erste Sitzung ab. Herr O. E. dlAvigdor Goldsmid wurde zum Präsidenten wiedergewählt.!Eine lebhafte Debatte entspann sich überjdie )Frage, ob ■der!Einladung der englischen zionistischen Föderation,!zwei Delegierte .zu ׳der - am 8. Juli ■d. J. .stattfindenden Jahreskouferenz der!Föderation zu nominieren, ׳stattzugeben sei. .D’Avigdor Golidismid teilte mit, daß •das Exekutivkomitee des Board die Entsendung solcher;Delegierten, die;ja gemäß der Verfassung des!Board nicht ׳die •Befugnis haben würden, an den Verhanihlungen •der!Föderation aktiv teilzunehmcn, nicht empfehlen könne. So ׳sehr er für ׳die Ziele und Bestreibungen der ,Zionisten Sytnpat.hie hege, ■könne er dennoch den Nutzen einer solchen Vertretung nicht erkennen. Von mehreren Deputierten!wurde entgegen den Ausführungen des!Präsidenten darauf hingewiesen, liaß eine Vertretung des ■Board in d׳er Konferenz!der zionistischen!Föderation dein Board keinerlei finanzielle oder andere Verpflichtungen auferlege, und da!der!Board nun doch ■beschlossen hat, an den Arbeiten ׳der Jewish Agency teilizunehmen, gezieme cs ■sich, bei der Konferenz der ,Zionisten׳ vertreten zu sein, um ■sich mit!der Position der Jewish (Agency, über ■die berichtet Werden wird, vertraut zu ,machen. Schließlich wurde der Antrag,!zwei Delegierte •zu •der Konferenz der zionistischen Föderation •zu entsenden,!mit großer •Mehrheit angenommen. ,Die Ehrenbeamten, unter ihnen!Lord Rothschild, d’.Avig.dor!Goldsmid, Joseph Prag und Lady Sipielman, stimmten gegen diesen!Antrag.!D’Avigdor Goldsand und!Lord Rothschild, ׳di.e als Delegierte nominiert wunden, lehnten die Ueberuabme dieses ■Mandates ah, wodann!beschlossen wurde, es den ■Ehrenbeamten zu über- ׳lassen, zwei Delegierte zu der zionistischen Konferenz zu ernennen.!Herr!Lucien Wolf unterbreitete den Bericht des Joint Foreign Committee. Auf eine an die rumänische Regierung gerichtete Anfrage teilte ■der Außenminister!Duca mit, daß die Anfang Mai aufgetauohten Gerüchte über eine ■bevor־ •stehende Attacke gegen ׳die Juden auf Erfindun־״׳ beruhen. .*Mehr •als je“,schrieb,!der!Minister, ״•sind! unsere Beziehungen zu •der!jüdischen ■Be’vöilkerung ■befriedigend. Soeben erst halben wir ■die!Studentenverbindungen, ׳die ׳sich antiijiidischer Propaganda ■in der Vergangenheit schuldig gemacht ■halben, aufgelöst.“ ■Es ׳kam!dann das ׳dem türkischen!Parlament unter-!breitete ׳Gesetz zur Sprache, wonach e׳s Wohlfahrtsinstitu- *botHs ■u.töauph<Au&fiirjKnalm, ■und Wadc/un, mdOffwl&dktihraM //. Ulatzgasse. 16 Die Preßburger Rabbinerdynastie. 2. R. Abraham Samuel Benjamin Schreiber. (Der כתב סופר). (Schluß.) Am Neumondstage, den 1. Adar 5575 (1815) erblickte ,in Preßburg der erstgeborene Sohn des Rabbi Moscheh Sofer (חתם סופר) das Licht der Welt und erhielt den Namen Samuel Benjamin. Der Knabe war schon durch seinen bereits auf ׳der Höhe seines begnadeten Lebens und ,seines Ruhmes stehenden Vater mit den Anfangsgründen des jüdischen Wissens vertraut gemacht worden, als er im Atler von sechs Jahren lebensgefährlich erkrankte. Man gab ihm noch den dritten Namen Abraham und er erholte sich, zeitlebens aber blieb er äußerst schwächlich. Trotz dieser unglücklichen Disposition entwickelte sich jedoch der כתב סופר, wie wir ihn der Kürze halber gleich jetzt nennen wollen, zu einem Jüngling, der durch unablässiges Studium frühzeitig zur geistigen Reife gelangt war!und schon im Alter von vierzehn Jahren ■seine Gedanken (חמשי תורה) insgeheim niederschrieb. Im Alter von siebzehn Jahren korrespondierte er bereits mit Gelehrten über religionsgesetzliche Fragen und ein Jahr später heiratete •er Chawa Lea, die Tochter des gelehrten Jizchak Weiß. Er blieb, von seinem Schwiegervater aller Sorgen enthoben, in •Preßburg, widmete •er sich ganz dem Lehren und Lernen und erhob sich täglich schon um Mitternacht, um bis zum Morgengebet studieren zu können. Da׳s Verhältnis des Chatham Sofer zu ■seinem Sohne zeigt die Größe beider; der Vater signierte die Gutachten seines Sohnes als ״Vater des Samuel“ (אנוח דשמואל) und pflegte beispielsweise zu sagen; ״Mein Sohn R. Samuel Wolf lernt besser ־als ׳ich, nur weiß er nicht so viel wie ich — ׳ich bin aber auch älter!“ Trotz ■der allgemeinen Anerkennung, die dem כתב סלפר schon in frühester Jugend zuteil wurde, wollte er •in seiner Bescheidenheit einen Rabbinatssitz lange nicht einnehmen, und wenn er ab und zu predigte, sandte er den Text vorher ׳seinem Vater zur Begutachtung. Als ׳dann R. Moscheh Sofer lebensgefährlich erkrankte, •sicherten die Vorsteher der Gemeinde ■dem כתב סופר die Nachfolge zu und so segnete sein Vater in ihm mit großer Rührung einige Tage vor seinem Tode seinen Nachfolger. Wenn der כתב סופר auch noch in äußerst jugendlichem ■Alter »stand, als die Bürde des Preßbur׳ger Oberrabbinats auf seine Schultern gelegt wurde, und er bis ,dahin nie aus der Enge seiner Studierstube herausgetreten war, widmete er siöh mit voller ׳Hingebung den Gemeindeangelegenheiten und seiner Lehrtätigkeit an der Jeschiwah, während er die Nächte seinem persönlichen Studium weihte. Nur wenn er sich zum Kurgebraucli in irgend einem Badeorte befand, widmete er sich ganz der Abfassung seiner Gutachten und bei solchen Gelegenheiten, auf Reisen, die ihn in verschiedene Städte führten, wurde er oft •im Triumph empfangen. Er pflegte dann zu sagen, er komme sich wie ein Kleiderstock vor, da nicht ihm die vielen ׳Ehrenbezeigungen ׳zukommen, deren Gegenstand er ■gewesen, sondern der Thora, als ■deren Träger allein er ,sich fühlte. Die Bescheidenheit ■und Uneigennützigkeit des בתב סופר kannten keine Grenzen, und auch sonst war er in jeder Hinsicht ganz das Ebenbild seines Vaters, so daß auch der Gegner ,seine Charaktergröße!anerkennen mußte. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß der בתב סופר gleich seinem Vater als Nassi •des Heiligen Landes fungierte und viel Geld für den ׳von Ihm gegründeten Kolel שומרי החומות aufbrachte. Er pflegte zu sagen, ■daß הלכות רבנות den fünften Teil des ש״ע bilden, und!so leitete er auch Schule und Gemeinde mit so großer Ausschließlichkeit, daß ihm nicht einmal •genug Zeit blieb, sich seinen Kindern zu widmen. Als in den Sechziigerjahren die Kongreßbewegung die Juden in Ungarn in zwei feindliche Lager spaltete, gründete er mit anderen Führern der Gesetzestreuen die Vereinigung שומרי הדת Er sammelte eifrig Gelder für die Zwecke dieser Vereinigung lind wurde in der orthodoxen Rabbinerversammlung, die dem Kongreß voranging, trotz!seines Widerstrebens zum Vorsitzenden gewählt. Er weilte auch während der Verhandlangen des Kongresses in Budapest, um, ohne sicli an diesen selbst zu beteiligen, ■den Standpunkt der Gesetzestreiten an Ort und Stelle mit größerem Nachdruck vertreten und auf die Schwankenden einwirken zu können. Ganz richtig erklärte er ja •auch, daß er die Reformfreunde im Judentum ׳bei weitem nicht so fürchte wie jene, die den שבת am שבת belassen, um ׳ihn desto gründlicher zu entweihen. Bei aller Vielseitigkeit der Inanspruchnahme des כתב סופר durch die Tagesfragen und seinen vielen Interventionen zugunsten der Orthodoxie vernachlässigte er auch in diesen Zeiten des Kampfes, der be! seinem ,in vorgeschrittenen Jahren noch empfindheileren Leiden noch ■viel mehr ins Gewicht fiel, seine Jeschiwah nicht ׳im ,geringsten und zehntausende Schüler trugen die Frucht seiner Mühle befruchtend nach a.Hen Windrichtungen. Und so ernst nahm er