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Jüdische Presse · 1928-06-29 · 25 (29.6.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
25 (29.6.1928)
Date
1928-06-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Novinovg vyplatn6 povolene riadlt post a telegralov v Bratlslave eis, 4157220־111־. Zeitungen vom Verleger versendet. Journal expgdie par 1‘editeur. f.kk JÜDISCHE PRESS ORGAM FÜR ßfi PIS ORTHODOXER JUDENTUMS. Redaktion u. Administration) Wien,!!.,Leopolds־ gaise 86, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-494־. Tschechoslowakei! Bratislava, Postfach 140. Srichelnt jeden Freitag. — Redaktionsschluss: /flr Artikel Sonntag, iür Nachrichten Montag. Abonnementsprelsc Ganzjährig; Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschecti. K 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das fibripe Ausland % Dollar. Zahlungen fflr Oesterreich! Postsparkassenamt Wien, Konti Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr, 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag! Konto Nr. 53,386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217j für die Schweiz: Postscheckkonto Zürich VIII. 4117) für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr. 122.619 Nr. 25 Wien-Bratislava 29. Juni 1928 ב*ה וינח־פו?ססבירנ ׳״א תטו; תרפיה 14. Jahrg■ BAD NAUHEIM Hotel Adler — Leopold Adler Llndenstraße 3 Telephon 2031 Einzig jüdisches Hotel am Platze, das in allernächster Nähe der Bäder und Salinen, sowie Kuranlagen liegt. Ruhige Lage. — Mäßige Preise. — Vorzügliche Küche. Unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Provinzial-Rabbiner Dr. Hirschfeld, Gießen. Die Fiinf-Tage-Woche. Die F ü n f - T a g e ־ \V o c h e ist auf dem Marsch Nachdem sie in Amerika, in der Urheimat des rationierten Betriebes, sich ausgezeichnet bewährt hat, beginnt man nun in den westeuropäischen Industriekreisen sich ernstlieh mit ihr zu beschäftigen. Aber auch in Mitteleuropa rückt die Fünf-Tage-Woche allmählich in den Mittelpunkt der Diskussion. Mit dem beginnenden politisehen Frieden unter den Staaten fängt der wirtschaftliche Konkurrenzkampf mit voller Schärfe an. Die Konkurrenz;- fähigkeit der Betriebe zu vergrößern ist das heißeste Bestreben aller Unternehmer. Es müssen überall die modernsten Maschinen mit Berücksichtigung der neuesten und vernünftigsten Arbeitsmethoden eingeteilt werden, was mit einem Wort die rationierte Wirtschaft bedeutet. Diese neue Wirtschaft ■nützt die Maschine auf Kosten der menscliliehen Arbeitskraft aus, die Arbeiter jedoch wehren sich gegen einen Abbau und gegen die Vergrößerung der Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit ist selbstverständlich auch für die Unternehmer ein schweres Problem, da die Arbeitslosen doch auch ernährt werden müssen und ihre Ernährung nur durch die Inanspruchnahme der besitzenden Klassen erfolgen kann. Anderseits haben auch die Arbeiter an einer konkurrenzfähigen Industrie großes luteresse, denn ohne Konkurrenzfähigkeit könnten auch sie nicht existieren. Aus dieser Problemstellung sehen wir, daß Unternehmer wie Arbeiter sowohl an der Durchführung der Rationalisierung, wie an der Vermeidung einer infolge derselben eintretenden Arbeitslosigkeit fast "das gleiche Interesse haben. Bei dieser Sachlage ist anzunehmen, daß die Durchorganisierung der Betriebe nicht auf Kosten der Arbeiter allein wird durchgeführt werden können, vielmehr werden ihre Vorschläge bei der Rationalisierung bcriicksichtigt werden müssen. Der ernsteste Vorschlag der Arbeiter ist, um eine ansteigende Arbeitslosigkeit'" zu vermeiden, die Einführung der fü 11f tägigen A r b e i t swoche. Die fünftägige Arbeitswoche ist aber nicht nur ein w irtschaftliches, sondern auch ein eminent religiöses Problem, Ein religiöses Problem von ganz besonderer Tragweite für jene Juden, in deren Gedankenwelt der Sabbat h tief eingeprägt ist. Ganz unaussprechlich ist die Wirkung, die durch die Einführung der Fünf-Tage-Woche für das Judentum erzielt werden kann. Die modernen Historiker, die gewohnt sind, die geschichtlichen Ereignisse auch nach ihren Wirtschaftliehen Quellen zu prüfen, datieren den religiösen Niedergang des jüdischen Volkes der Gegenwart von der Periode des modernen wirtschaftlichen Liberalismus an. Von dem Zeitpunkt an, da Handel und Industrie im IS. Jahrhundert־ in größeren städtischen Zentren zu einer; ungewohnten Blüte gelangten, begannen die jüdischen Unternehmer allmählich die väterliche Sitte, besonders aber die Heilighaltung des Sabbaths, zu vernachlässigen. Die jüdischen Arbeitnehmer mußten nolens volens, mehr der Not als dem eigenen Trieb gehorchend, den Sabbath, diesen wahren Freund des kleinen Mannes, preisgeben, jene jüdischen Arbeitnehmer, die trotz aller wirtschaftlichen Notwendigkeit noch immer den Sabba.th als Tag Gottes begehen, müssen die Heilighaltung des Sabbaths ״ mit Preisgabe ökonomischer Vorteile erkaufen. Die Einführung der Fünf-Tage-Woche würde mit einem Schlag allen jüdischen Menschen den Sabbath wieder geben. Der Sabbath würde dann wieder mit seinem alten Glanz das jüdische Haus erhellen und das jüdische Kind würde wiederum den Sabbathtag mit seinen Eltern in Weihe verbringen dürfen, denn es ist selbstverständlich, daß die nächste Konsequenz der Fünf-Tage-Woche im Betrieb die Fünf-Tage-Woche in der Schule sein würde. Bei Berücksichtigung dieser ungeheuren Tragweite der Fünf-Tage-Woche für das judenüim müßten sich alle Schichten des jüdischen Volkes, ihre Rabbiner, ihre Lehrer, ihre Publizistik, die jüdischen Unternehmer und die jüdtsehen Arbeiter in den Dienst dieser großen Sache stellen. Das moderne Judentum kann nur im Sabbath und durch den Sabbath sich regenerieren. Daher wollen wir die Idee der Fiinf-Tage-Woche aufs wärmste begrüßen und sie in die jüdischen Massen tragen. Die Auseinandersetzung, zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, der rücksichtslose Klassenkampf muß in jüdischen Kreisen überstrahlt werden von der Sabbathidee, die den jüdischen Menschen über alle Klassengegensätze in einer höheren Einheit, in einem friedsamen Sabbath vereint. P. Verbreitet die ״Jüdische Presse״ in Eurem Bekanntenkreise שומן כשר (תחת השגחת הרב ד ישעי פורסט שיסשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroel) Ueberall erhältlichl , Jossele Rosen bl att in Wien. Grandioser Empfang des Künstlers in Wien. Jossele Rosenblatt ist •das;Ereignis Wiens. Eine;m er!«würdige Stadt. Vor wenigen Jahren war sic von einer •starken politischen!Atmosphäre erfüllt. Nur •die großen Politiker hatten eine ,magnetische Anziehungskraft auf die jüdische Masse ausgeübt. ,Heute ist es — viele sagen G-tt sei Dank — anders geworden.!Kulturelle und!künstlerische ■Ereignisse bewegen unsere Stadt heuTe tiefer denn je. Oder ist cs vielleicht dem Schubertija-hr, der Zeit, die im Zeichen der Sangesfreude stellt, zu!z lisch reiben, daß Gesang und Musik heute an erster Stelle rangieren? Sei dem wie ihm wolle, Tatsache ist, daß .in den letzten Tagen Jossele Rosenblatt im 1Mittelpunkt de,s ׳jüdischen!Interesses stand. Nim ist er da. Er karr! Dienstag ■vau!Leipzig, und seine 'Berufskollegen, die Kantoren Wiens, waren die ersten, die ihn am Bahnhof herzlich willkommen hießen. Aber auch viele andere ׳Freunde des jüdischen Gesanges ■waren gekommen, ■um ׳den Künstler mit einem warmen Händedruck zu■ bcgrüßen. D$n jüdischen .Künstler. Nicht nur d!ie wunderbaren Sihumittel, nicht allein die hohen künstle!ischen ■Qualitäten Jossele ׳,Rosenblatts sprechen zum .jüdischen!Publikum. Der jüdische Charakter seiner ׳Kunst, die jüdische!Einstellung des Künstlers sind es, •die so starken Widerhall in 'Herzen und Seelen erwecke 11. Nur mit!Mühe konnte unser ,Mitarbeiter Jossele Rosenblatt ■auf einige!Augenblicke ■fiir ein •Interview gewinneu. Er körn ml aus ,Leipzig, wo er in einem ו Konzert ׳und vor dem Vor'beter.pult •die Herzen gefangen hat. ׳Besonders jene Ustj u.de 11, die es nicht über sich gewinnen können, Konzertsük• zu besuchen, haben Jossele Rosenblatt, dem es •seiner •religiösen Veranlagung nach eigentlich widerstrebt, in iKonzerthäusern zu singen, •dafür gewonnen, Sabbat als Schliach Zibur vorzubeten. Das war ein stattliches •Zibur. Uelber 6000!Menschen haben sich im größten Saal Leipzigs, im zoologischen!Garten, e!»gefunden, um Jossele Rosenblatt nicht als ׳Konzertsänger, sondern ׳da, wo er am stärksten ist, vor dem Vorbeteripult, zu hören. Ob er auch in Wien außer im Konzert ׳vor ■dem Vorbeterpult zu hören sein wird?!Er kann keine ׳bestimmte Antwort geben. ,Er blickt hilfesuchend auf seinen Impresario, den gewandten 'Herrn Ranpa- Port, der rasch ,mit der verneinenden ■Antwort bei ■der Hand ist. Aber doch, vielleicht.!Einstweilen fährt Herr Rosenblatt ,von Wien aus geradewegs nach ׳Warschau, aber Schahbos iNac-hainu wird er wahrscheinlich wieder in Wien sein. •Es!st nicht ausgeschlossen, d'aß er dann hier in Wien — die iRäimilichkeiten sind noch nicht festgesetzt — vorbeteu wird. Jossele iRasen'blatt als!Schliach Ziibur auch itt unserer ׳Stadt! Alte Wiener erinnern sich, •daß er;als kleiner /Knabe vor etwa 40 Jahren ■im ׳Bcth-Hamidrasch der Schiffschul seinen Vater beim Vorbeteu begleitet hat. Und schon als zarter Junge ■hat er!mit seiner wundersamen Stimme alle Herzen gefangen genommen.!Also •vielleicht Schabbos Nachmo — vertröstet uns Jossele Rosenbilatt. Das Konzert. Einstweilen haben!die Wiener Juden ihn Mittwoch Abend ■im ■großen iKonzerthaussaal, der stark überfüllt war, als Konzertsänger gehört. Seine französischen, italienischen, englischen und spanischen ׳Lieicüer wurden be,w״׳״dert. Hingerissen war man, als er jiddische Volkslieder sang, ■ln diesen Volksliedern ist Jossele Rose”Lfatt groß. Alte Volkslieder, ■durch seinen Vortrag neu geschaffen, :die immer tiefer in Herz und •Gemüt der andächtig lauschenden Menge cinidiringen. ׳Der große iKonzerthaussaal!bot ein ungewohntes ׳Bild. Das!Publikum, ׳zum überwiegenden Teile :bärtige Jaden in Kopfbedeckung, alles andachtsvoll lauschend, die ■hochgespanntesten Erwartungen in den Gesichtern ausgedriiekt. Sie wurden übertroffen. Ein!Meister ׳des ׳Gesanges ist Jossele Rosenblatt, ׳dessen reine, hohe ■Kunst auf alle Künste verzichtet. Innig-warm, von!Herzen kommend, zu Herzen gehend! •ist seine strahlende, leuchtende 'Stimme, gleich herrlieh, wenn sie brausend anschwillt oder!leise, •zart verhallend tönt. :E1' sang sieh in die Herzen hinein. Selten war der Kontakt zwischen ׳Sänger lind!Publikum so innig, ׳so •11.11־ mittelbar spürbar, wie hier. Die zweitausend!Menschen, die gekommen waren, tun den ■Meister zu hören, empfanden ihn als schlichten, gütigen, einfachen ■Menschen, geadelt von seiner Kunst, getragen von!seine!m Ruhme. Er wurde gefeiert wie!ein!König. Brausender Jubel umfing ihn, rauschende Ovationen wurden ihm dargebraoht.!Die Zuhörer, welchen Jossele Rosenblatt zwei köstliche, seitene :Feierstunden geschenkt hatte, ■dankten beseligt, mit ganzen Seele. Am Piano begleitete und unterstützte!Herrn Rosenblatt!Herr!A. Bilstein (!New York) mit seiner Schmiegsamkeit ■und künstlerischen ׳Vollenduuv Die Münchner Kultusgemeinde und die jüdische Schule. Die O h e 1 J aakob-Synag oge, die Gemeinschaft der Gesetzestreuen in München, hat vor Jahren eine) Volksschule gegründet, die sehr gute Fortschritte macht und jetzt dringend eine Erweiterung benötigt». Um die nötigen materiellen Mittel herbeizuschaffen, wandte sich die Schule an die Münchner Kultusgemeinde 11m die Gewährung einer regulären Subvention von 3500'Mark! jährlich und eines einmaligen Baukostenbeitrages von 25.000 Mark. Dieses Ansuchen wurde vom Vorstande der Kultusgemeinde a b g e 1 e 11 n t. Zn diesem ablehnenden Bö- Schluß des Vorstandes der Münchner Kultusgemeinde, die eine E i n h e i t s g e m e i n d e ist, nimmt ein mit —r. zeichnender Herr in dem Münchner ״Jüdischen Echo“ folgend Stellung: Es war ja bei der Einstellung der hiesigen liberaler? Fraktion nicht anzunehmen, daß dieses letztere Postulat ohne große Debatte einstimmige Annahme fände, aber noch viel weniger konnte man voraussetzen, daß׳ es von den Liberalen einstimmig abgelehnt würde. Sie haben damit den Beweis geliefert, daß der Gedanke der Einheitsgemeinde selbst hier, wo sie der Form nach schon so lange besteht, sich bis heute noch nicht durchsetzen konnte. Diese Tatsache ist höchst betrüblich und sie eröffnet einen Ausblick auf die Entwicklung des! Einheitsgedankens an sich, der zu den schwersten Bedenken Anlaß gibt. Was ist denn der Sinn der Einheitsgemeinde? Ein Zusammenschluß von religiös verschieden gerichteten Juden zu einer Gemeinde, der aber jeder Es ist nicht egal wo Damen Perücken kaufen O TH MAR SCHIFF'S Perücken weisen folgende Vorzüge auf: Guten Sitz, prima Material, modern und dennoch individuell gehalten. Reichhaltigstes Lager von fertigen Perücken vorrätig. SBsam DiePreisesind: Bubikopf-Perücke, mitnaturgetreuerAbteilunga.d. Seite od.Mitte S 120.— ״ ״ ohne Abteilung.S 90.— Halb-Perücke, mit naturgetreuer Abteilung.S 100.— Scheitel, mit 12 cm naturgetreuer Abteilung.S 80.— ״ mit 8 cm naturgetreuer Abteilung.S 70.— ״ mit 6 cm naturgetreuer Abteilung ..S 60.— Othmar Schiff, Wien, I., Kärntnerring 6 Kt.'» Telephon 61-3.62 Petütken- Kunstwerkstäfte

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