Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 24 (22.6.1928)
- Date
- 1928-06-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 24 JÜDISCHE PRESSE Seite 165 OM TAGE Die Mandatskommission hat die Palästina-Beratungen beendet. (J. T. A.) Am 16. Juni hat die Mandatskommission des Völkerbundes die Behandlung des Berichtes der Palästina-Regierung über die Administration in Palästina und in Transjordanien beendet. — Die Leitung der Aguda Jisroei in Palästina hat die •gegenwärtig in Genf tagende Mandatskommission auf telegraphischem VVege ersucht, die Piriifung der von der Aguda übermittelten Petition bis zum!Eintreffen weiteren Materials zu verschieben. Dieses Material schildert die Nöte der extremen jüdischen Orthodoxie im Zusammenhang mit der anr 1. Jänner d. J. in Kraft getretenen jüdischen Gemeindeordnun g. Die Petition der Aguda wurde bereits am 4. Jänner unmittelbar nach dem Inkrafttreten der Gemeindeordnung der Regierung zur Weitergabe an die Mandatskommission übermittelt, als noch keine praktischen Erfahrungen mitge teilt werden konnten. Die Rcgierung hat diese 'Petition zugleich mit ihren Bemerkungen zu derselben am 9. März d. J. der Kommission zugeleitct. Frage- und Antwortspiel im englischen Unterhaus. (J. T. A.) In der Sitzung des Unterhauses fragte Commander Kenworthy den Kolonialminister, ob ■ihm bekannt sei, daß vor .kurzem mehrere Personen der Mitgliedschaft einer illegalen Organisation beschuldigt und zu 1Landesverweisung verurteilt worden seien; ob ׳ihm ■ferner bekannt sei, daß die Verhafteten, weil sie als gemeine Verbrecher behandelt worden sind, in den :Hungerstreik traten, in dem sie noch heute verharren und daß •drei •von ■ihnen mit Rutenstreichen :bestraft worden sind. Sind Geißelung und Ausweisung politischer Verbrecher Formen der Bestrafung, ■die vom Gericht ,Palästinas vprhängt werden? ■Minister Amery erwiderte: ״Ich habe keine derartigen Informationen erhalten und werde Nachforschungen ans teil eil.“ ׳Kenworthy: ׳״Ist Geißelung als Strafform iin Krtminalgesetzbucli Palästinas ׳vorgesehen?“ Amery: ״Auch wenn dies d!er Fall sein sollte, weiß ׳ich •nicht, 0!b die Strafe auch ׳betreffs politischer Verbrechen gilt."!Kenworthy: ״Wird der!Herr Minister sofort eine Aktion gegen die Geißelung einleiten?“ Amery: ״!Ich werde nachforschen.“ Väter und Söhne in Amerika. Jakob BlllikopI über das Problem der Amerikanisierung der Juden. Das Jewisli Institute of;Religion hielt aus •Anlaß der Verleihung ׳des iRabbinertitels an ׳vier Absolventen des Instituts •einen Festgottesdiehst a׳b,!bei dem Richter Julian W. Mack als ׳der Präsident ׳des 'Kuratoriums den Vorsitz ■führte ׳und ■der bekannte Sozialipolitiker Jakob Bi lli köpf die Festrede hielt.!Wie wird der Jude •der nächsten ■Generatlon aussehen, fragte er; wird er •den Stempel •der 111 ׳dieser Generation!sich ׳bemerkbar machenden Dekadenz, die eine Folge de׳s in ׳der 'Nachkriegszeit emporgekommenen Jazz-iGeistes ist, •tragen? Die Idee ■der ״Amerikanisierung“!beschäftigt!jetzt die ernstdeukenden Juden. Man :fragt sich: 'Ist der!Kulturgrad des in Amerika .geborenen Juden wirklieh!höher als der seiner aus •dem Osten eingewanderten •Eltern? Der Vater hatte noch den an dem Talmud geschulten scharfsinnigen Geist, der Sohn verfügt schon über die billige Schlagfertigkeit der Operette. Der Vater hat hunderte Sprüche aus Bibel und! Talmud Im Gedächtnis, der Sohn aber kennt die Gesetze des BaUschlagens auf das genaueste. Der Vater kann Hebräisch, der Sohn den Slang (die ordinäre Sprache der Straße). Der Vater war von den tiefen Idealen des jüdischen Lebens, von dem Pathos der jüdischen Geschichte bewegt worden, der Sohn lebt in den Tag hinein. Die Amerikanisierungsmethoden haben sich nur negativ ausgewirikt, sie haben ׳den Bruch ׳m׳it •den. Tradi- ■t'ionen allzu radikal vollzogen. Es wurde auf moderne Kleidung, neue Manieren, •neue Ausdrucksweise usw. mehr Gewicht gelegt al׳s ׳auf •die Bildung eines ׳jieuen Charakters und neuer Ideale. Auch das Band ■der!Familie wurde gelöst. Ohne Zweifel!haben die sogenannten Amerikaiiisleningsbestrebungen das jüdische ׳Heim geschwächt. Eine bedeutsame Tagung der agudistischen Jugend. Frankfurt a. M. (J. ׳U.) Die Gesamtleitung der Agudas Jisroei׳ Jugendorganisation Deutschlands trat am 10. Juni ■zu einer ׳Vollsitzung zusammen, in!der die seit idem!Bundes- ■tage geschaffene Lage sowohl im!Hinblick auf!die Situation innerhalb •der Jugendorganisation, wie auch die allgemeine Lage ׳der A. J. eingehend besprochen wurden.!Die ■Schaffung eines Generalsekretnriats in ׳Gemein- Schaft mit der fArtbe׳itsgem׳emscha!ft der A. J. J. 0. wurde beschlossen und!der Frankfurter 0. V. beauftragt, mit einer bekannten agudistischen Persönlichkeit die seit längeren Wochen geführten diesbezüglichen Verhandlungen!zum Ab- Schluß zu bringen. Dem Geschäftsführenden Ausschuß der Agudas Jisroei wurde als Willenskundgebung!der Leitung der 1A. J. J. 0׳. die folgende ׳Resolution übermittelt: Die Jugendorganisation bat mit wachsender Besorgnis den Stillstand in der Entwicklung der A. J. sowohl in Deutschland als auch im ■allgemeinen ׳wahrget101mn.cn. Sie ist der M׳einu!1g, daß eine :Besserung der ,Lage nur mit einer durchgreifenden Reorganisation der gesamten Leitung zu erzielen ist. Vor allein ist eine Zusammenfassung der verschiedenen Aguda-Zentralen unbedingt erforderlich und unaufschiebbar. Sie erwartet, daß der G. ,A. bei der geforderten Rc- Organisation auch die Jugend zu verantwortlicher Mitanbeit heranzieht. Am!Nachmittage fand eitle Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses der ׳A. J. in Gemeinschaft ■mit dem Organisationsvorstand der 1A. J. J. 0׳. und in Anwesenheit von Mitgliedern der Schweizer und österreichischen Jugend- Organisationen .unter. Vorsitz von Herrn Jakob ׳Rosenheiin- Frankfurt statt.!Herr Dr. Willy Hofniatin überbrachte die obenangeführte, einstimmig angenommene Willenskundgebung der A. J. J. 0״ an die sich eine vielstiindige .Diskussion über die Lage der Agudas Jisroei knüpfte, in der von der Mehrheit der Anwesenden die ‘bisherige!Politik der A. J. scharf kritisiert und allenthalben dem Wunsche ׳Ausdruck gegeben wurde,!daß es Aufgabe!der Leitung sei, den Weg zum ׳Katto'witzcr Programm wieder zuriickizufinden.!Schließlich ■wurde ,eine gemischte Kommission, bestehend aus!Mitgliedern des ■G. ■A-, der deutschen. Jugend- Organisation und der Arbeitsgemeinschaft der agudiistisclhcn Jugendorganisationen,!gebildet, mit der Aufgabe,!die Vorläßt sich nicht in wenigen Tagen beseitigen, auch sind die Wirklingen von Entfetlungsmitteln auf den menschlichen Körper seht verschieden. Mancher hat alle möglichen Entfettungskuren durchgeführt, ohne nennenswerten Erfolg zu erzielen. Versuchen Sie genau nach Kurtabelle die pflanzlichen, gutwirkendenFUCABQHNEN, diein jeder Apotheke in Original-Schachteln, ä 4 Dekagramm, erhältlich sind. Der Erfolg ist frappant. u berei.tung der ■K. G. und!der fiir!dieses Jahr geplanten Landesversammlungen zu treffen. Zu Mitgliedern der Komimission wurden gewählt die!Herren Jakob Rciseiiiheim, Dr. Salomen Ehrmaim,!Heinrich Ei'seniann als Vertreter des G. A.. die Herren Dr. Willy iHofmann, Fritz Stern und Gerson Schner'b ׳als Vertreter der A. J. J. 0. und die Herren Harry Goeidmann-L׳ondom, Meier Lewensteiii-Zürich und Sieg.mund Stern-Wien als Vertreter der Arbeitsgerneiu- Schaft der A. J. J. 0. ׳Am!Abend fand eine neue Besprechung des Organisaüiomsvorst'andes statt, in!der Edgar Cori den Bericht über die Finanzlage erstattete.׳ Die ׳Frage!des Ausbaues!der Stellenvermittlung wurde eingehend erörtert.!Mit Damkes׳Worten des Vorsitzenden an die von auswärts berbeigeeilitem0 ׳. V. Mitglieder und ausländischen Gäste wurde um .11 Öhr abends die Tagung geschlossen. I Ostseebßd Kolbe« I Resiouront Metropol I ■ Hotel Max Moses, Seestr. 34־ I Berlin, Rosenthaler Str. 14! Tel. 292 Erstes rit Haus am Plalze Vor־u. Naclisaison ermäßigte Preise Tel. Norden8'03. Mlltag-u Abendtisch. Ausrichtung v. Festlichkeiten =־ Erstklassige Küche '*■׳»* Beide Betriebe unterstehend rKaschr.-Kommissionder «■׳w - -.! jildhchen Gemeinde Berlin. ADOLF VEIT Spendet für den marien iu der Ad Nachrichten. m Zur Beachtung! Auf vielfachen Wunsch, der aus dem Kreis unserer aus den Ostländer stammenden Wiener Leser geäußert wurde, werden wir fortab זמן הרלהת הנר עומצ״ש nach den מנהג וחיקי nach welchem unsere ostländischen Brüder sich richten, veröffentlichen. Die Zeitbestimmung wird uns allwöchentlich vom ״Hithachduth Jereim“ zur Verfiigung gestellt. £ ■ist ."התאחדות יראים" ווינה ״Hiiashdu^ Jeream‘5 Vereinigung Thoragesctzcj-trcucr Juden in Wien '11., HeinestraOe 30. T. 15. as Jisroei, Wien, II., Nestroygasse 11 ב״ה פ׳ קיח זמן הדלקח הנר עש״ק שעה 7 ע□ 17־ מיגיט זמן שקיעת החמה עש״ק שעה 3 עם - מעוט זמן הדלקת הנר מוצש״ק שעה 3 עם 59 מיניט וו«־!!! ח »Hirinia« 11 »fi i!mw rmn m! n »!■!iwri m i!ip■!■! *11!■mm ו ■> nnniiinw iirrnnffWTinnniTi■—wt * Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der Israeilitisehen Kultusgemeinde Wien. Die Neuwahl des Vorstandes. 111■ den letzten Wochen bat sich das Präsidium ■mit ■der Festsetzung dos Terminos für die 1111 laufenden Jahre vorzimelimendcu W •a 111' e 11 i u d e 11 K uüusvorst a 11 ■d un׳d .in •die B e z.i r k׳s k oanmr.i s s i 011 e 11 ■und mit!den siclnhieKins ergebenden administrativen Verfügungen befaßt. Als 'lag •der Wahl wurde, unter!Zustimmung sämtlicher ■Mitglieder des Vertreterkolfegiunis, der 2. Dezember 1928 bestimmt. Von einem früheren Termine wurde abgesehen, um zu vermeiden, •daß ■im Wablstatuto vorgesehene Fristen :in die »Zeit •der hohen Feiertage fallen und ׳um dem Steueratme die Möglichkeit zu bieten, •die Fertigstellung •der Wahlarbeiten rechtzeitig ■mit den eigenen zur Verfügung ׳stellenden Arbeitskräften zu besorgen. ■Nach dieser ׳Einteilung ergibt sich die Möglichkeit, in •den fetzten Tagen des ■Monats Dezember, beziehungsweise in den ersten Tagen des Monats Jänner 1929 •die iKonstituierimg ■des neu-gewählten iKultnsvorstaiides vornehmen zu könen. Sonunerkurse. ,Uebcr ■Verfügung des •Präsidiums, im;Einvernehmen mit •dem •Obmamie •der ׳״Unterricht'skomniission‘‘, werden während ■der Ferialmonate in ■den Schullokalitäten, XX., Uthinargasse 46, Kurse fiir Volks-, Bürger- 1(Hau׳pt־) und M1׳ttelscl1üler('in11en) ans ׳folgenden Gegenständen abge- ■lullten: 1. Nachhilfe aus ■Hebräischieseii; 2. Uebersetzen von Gebetstücken; 3. Einübung ,liturgischer Gesänge; 4. Vorbereitung für ■die :Barmizwah; 5. 'Hebräische Lektüre ■fiir Vor-!geschrittene׳. (Der ■Unterricht ist un e n tg e׳l tibi c׳h. ffm Rahmen des Unterrichtes werden :Lehrausgänge ׳mit ■den Schülern und ׳Schüferinnen ׳veranstaltet werden. — ln den ersten Tagen •des Monats Juli d. J. finden ■die Eiiischreibungen statt ■und es •ist zu gewärtigen, daß von der!getroffenen Einrichtung, die auch schon in ■der Vorkriegszeit bestanden bat, ausgiebiger Gebrauch gemacht werden wird. Eine triste Statistik. Den ■Wochenberichten des M a t ■r ■i k e!1 a m t e s für die ,Zeit vom 6. Mai bis 10. Juni 1928 ist z׳u entnehmen, daß in der bcrichtsperiode im!Wirkungsbereiche, der Israelitischen!Kultusgemeinde Wien 59 Trauungen vorgenominell wurden, r57c1Geburtsanzei!ge11 erstattet, 251 Sterbe- ׳fälle;immatrikuliert wurden, daß ferner von den Magistrat!- •sehen Bezirksämtern 93 Anstrittsanzeigen aus der israelitischeu Religioiisgescllschat't eiiigelangt sind und ׳vor dem Rabbinate der 'Kultusgemeinde 31 Personen ihren Eintritt, beziehungsweise ■ihre :Rückkehr in die israelitische Religionsgeselischaft erklärten. im Einlaufe ,,befindet sich ferner ein Rapport ■des S t׳e u c r ain t e s der Israelitischen iKtiltusigemeinde, •aus welchem zu entnehmen ist, daß ■in ׳der ■Zeit vom 29. April 1928 bis zum 26. Mai 1928 76 Austritte ■a׳us der israelitischen •Religioiisgeselfschaft vom Magistrate der ׳Kultusgemeinde ibekamitgegebeii worden s׳i!1d und •daß sich unter diesen 76 ■Personen 19 iKultussteuerträger befinden, die ■mit Kultussteuern ■zwischen S 2 und S 20 bemessen waren, von •den Ausgetretenen haben 12 Personen ׳Kultussteueni unter S 10 entrichtet. (2 ä S 2, 2 ä S 3, 2 ä ■S 4, 3 ä S 5, 2 ä S 6, 1 S 7. 1 S 10, 2 ä S 15, 2 ä S 20 und 2äS 30.) rufung anzunehmen, als eitie Abordnung der Preßburger Gemeinde ihn ,bat und!beschwor, sie nicht zu verlassen. Erst ■die von •einem der Abgeordneten ausgesprochene Befürchtung, daß eine Folge dieses ,Weggehens des Oberhauptes ein Rückgang des jüdischen Geistes ■und des jüdischen Wissens in Ungarn sein werde, vermochte ihn zum Bleiben zu bestimmen. Das Lehrltaus des R. Moscheh Sofer in Preßbürg wurde zu jeder Zeit von hunderten Lernbeflisse־ nen aus allen Ländern, unter denen sich auch-Männer, die selbst schon über großes Wissen verfügten, besucht. Es wäre eine ׳lohnende Arbeit fiir einen, jüdisehen Historiker, alle Gelehrten, mit denen der Chatharn Sofer in Briefwechsel stand, und seine vielen Schüler, die dann als Rabbiner oder auch in anderen Berufen wirkten, zusammen׳zusneben und ihren Lebensweg zu beschreiben. Bei einem Manne von soleher Bedeutung ist es aber auch gar nicht verwunderlich, daß sich selbst in unserer ״aufgeklärten“ Zeit oin ganzer Kranz von Legenden um die Person des Chatham Sofer bildete; viele ׳dieser Geschichten wissen von seinem Umgänge mit dem ׳guten Geiste des jüdischen Volkes, dem Propheten Elia, zu erzählen und überhaupt sind die vielen Anekdoten, die über R. Moscheh in Umlauf sind, rührende Beispiele für ,die Liebe ■des Volkes zu diesem Heros des!Geistes und zeigen gleichzeitig in kleinen Zügen sein großes Leben. Im Jahre 5592 (1832) starb Sari, die zweite Frau des Chatham Sofer und Stammutter der Preßburger Rabbinerdynastie und einige Jahre später heiratete R. Moscheh zum drittenmal, und zwar die Witwe des R. Zewi Hirsch Heller, des Verfassers ׳des bekannten Werkes טיב גיטין, der zuletzt Rabbiner in Ält-Ofeu gewesen war. Ganz besonders muß uns auch heute noch die Stellungnahme des großen Lehrers und Führers zu Fragen interessieren, die noch immer nicht aus dem Mittelpunkte unseres Gesichtskreises entschwunden sind, und das ist die Frage der ״gemäßigten Reform“, wie sie in Wien zu Hause ist, und die der Emanzipation. R. Moscheh Sofer war bei aller Festigkeit seines Charakters und seiner Anschauungen durchaus nicht so weltfremd, um um jeden Preis in kurzsichtiger Intransigenz zu verharren. Er;hätte sich, wie er selbst ausdrücklich einmal sagte, gerne bemüht, für manche kleine Neuerung einen religionsgesetzlichen Erleichterungsgrund zu finden, wenn er nicht hinter all diesen Versuchen die eine große Entjudungstendenz gewittert hätte. Und auch die Emanzipation begrüßte er nicht so unbedingt und begeistert wie fast alle seine Zeitgenossen, da er mit prophetiscliem Ewigkeitsblick sah, daß sie dem jüdischen Volke nicht ׳die ihm einzig " erwünschte Befreiung bringe, und fragte: ״Wenn es nun der Wille des Königs aller Könige sein sollte, daß wir noch lange in fremden Ländern ■bleiben und nicht ,bald in unser Land zurückkehren sollen, wenn dem so ,ist, wozu sollen wir 11ns dann freuen? Hat uns denn nicht bloß für unser Land den wahren Segen verheißen? . . Dort wollen wir wieder am Tische unseres Vaters sitzen, denn nicht für immer wird Gott uns verstoßen . . .!“ Wie R. Mosclie'h gelebt und gewirkt, wie er seinen Schülern und seiner Gemeinde ein treuer Hirte und Vater gewesen, wie er in Liebe und Hingebung jedes Gebot und jeden Brauch ehrte und in welcher Weise er vom Beginn des Jahres bis zum Ende im Dienste des Höchsten' das Leben eines Heiligen führte, das alles hat!sein Enkel in dem oben zitierten Bliche mit kundiger Feder geschildert. Und wie sein ganzes Leben, so war auch sein Testament gehalten. Auch dieses Schriftstück spiegelt die Demut und herzliche ,Gottergebenheit dieses Mannes wider; es hat nicht viel über Vermögensteihing zu sagen, um so mehr aber ist es das Vermächtnis eines liebenden und in die Zukunft blickenden Vaters an seine Kinder und seine Gemeinde. Und wie er gelebt hatte, so starb Rabbi Moscheh auch, in Heiligkeit und Reinheit, Donnerstag, den 25. Tischri 5600 (d. i. 3. Oktober 1839), nachdem er noch mit Minjan gebetet und die Tefillin mit der Begründuug, daß er sie am nächsten Tage nicht mehr brauchen werde, seinem Diener geschenkt hatte. Der Chatham Sofer, wie Rabbi Moscheh Sofer nach seinem Hauptwerk gewöhnlich genannt wird, hat seine Zeitgenossen und die Nachwelt auf das nachhaUigste beeinflußt und, abgesehen von seinen übrigen Schriften, ist die große Sammlung seiner Gutachten 1377) חתם סופר Nummern umfassend), in der wahrhaft das Werk mit dem Meister verschmolzen vor!uns stellt, eine lureiitbehrliche Stütze für das Leben der modernen gesetzestreuen Judenheit; sie reiht sich würdig an die großen Kodizes der rabbiniselten Literatur aller Zeiten und ihren Autor unter die Größten des Volkes Israel. (Fortsetzung folgt.)