Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 23 (15.6.1928)
- Date
- 1928-06-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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JttOTSCHE PRESSE Mf. 23 ’ Seite 1S8 Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack SO kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons <2$' JULIUS HABER Kohlen« und KoksgroBhancfluttg Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Wien, II., Taborstraße 9 farntpraohtr Nr. 41-0-J2 IMHniiwIiB^ Zusammenschluß der Interessenten, Beeinflussung der Wahlen in die Arbeiter- und Handelskammer, Gründung von Sabbathhilfskassen und ein entsprechender Arbeitsnach weis. Also mit anderen Worten, wenn die unmittelbar betroffeneu Unternehmer und Arbeitnehmer sich nicht aufraffen können, sich zum Schutz und zum Nutzen der eigenen Interessen zu organisieren, so werden die bestgemeinten Reden umsonst verhallen. In Wien bestellt das Problem SabbatI1, in seiner ganzen nach einer vernünftigen Lösung schreienden Größe. Hunderte junger Leute gehen entweder fiir das sabbathlialtcnde Judentum Jahr für Jahr verloren, oder sie leben unbefriedigt ׳mit einem Gefühl der sozialen Entrechtung. Ungeachtet dieses Umstandes konnte man bisher in .Wien, trotz mancher Versuche,, die da und dort unternommen wurden, eine lebensfähige Organisation zum Schutz der Interessen •der Sabbathlialtenden •nicht schaffen•. Nicht minder groß ist die soziale Entrechtung der thoratreuen Juden auf dem Gebiete des Kraiikcnversiclierungsweseiis. Oie soziale Gesetzgebung in Oesterreich wird überall für mustergültig gehalten, und tatsächlich gebührt ihr -infolge ihrer die weitesten Schichten der Arbeitnehmer umfassenden Tätigkeit und auch dank ihrer materiellen Leistungen, hohe Anerkennung. Es -ist geradezu erstaunlich, was die Sozialversicherung auf dem Gebiete der Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten bisher erreicht hat. Die therapeutischen Institutionen wie die Erholungsheime der Krankenkassen kommen auch vielen Tausenden jüdischen Arbeitnehmern, die in ihrer Gesundheit angegriffen sind, zugute. In dem Augenblick aber, wo es einem jüdischen heilnngsuchenden Angestellten olnfallen würde, auf die den Juden vorgeschriebene rituelle Lebensweise Bedacht zu nehmen, könnte für ihn der Aulenthalt In einer der viele» so wunderbaren Heilstätten der Wiener Krankenkassen nicht mehr in Betracht kommen. Tatsache ist cs, daß cs in Wien einige Tausend Arb c i t n e h m c r g •i b t, die i n ■i h rem P r i v.a 11 e b e n s t r e n g a u;f ein e r i tu e 11 c Leben s weise achten, mul die lieber auf die. Wohltat •der sozialen Leistung der Krankenkassen .verzichten,, um ihrer ,religiösen Lebensweise treu bleiben zu ׳können. Sind diese Menschen aber durch e r •n sie K r •a n k heit gezwungen, eine nicht rituell geführte Heilstätte amztisudien, so kostet es ihnen eine große Ueberwmdung, sich mit der fremdartigen Verköstigung abzu finden. Es wäre aber ein Irrtum, anzunehrnen, daß solche rituell!geführte Heilstätten iwrwniBBaBro'iiMmwMWBBMram■«^ mi iimmii! iiimim wm Die Preßburger Rabbinerdynastie.J) 1. Der ״חתם סופר״ An einem Freitag, den 7. Tisclifi 523 (1763), wurde in Frankfurt a. M. dem Rabbi Samuel Sofer aus Krakau, einem Enkel des ebenfalls in Frankfurt a. M. wirkenden Verfassers desD״tJTinTldDRahl)i Josef Sa* nuiel, von seiner Frau Rösel, die ihrerseits eine Enkeim des R. Samuel 11a Kohen-Schotten (מחר״שש״ך) war und deren Stammbaum über R. Simon, den Verfasser des ילקוט שמעוני bis auf וש״י und damit auch auf R. Jolianan 11a Sandlor zurückgeführt wird, ein Sohn geboren, der den Namen Moscheh erhielt. Der Knabe bekam damit den Namen seines Oheims R. Mosche Frankfurt, der Rabbinatsassessor •in Amsterdam war und im Jahre 481724) 1־) eine heilte zu den Seltenheiten zählende große Ausgabe der ganzen heiligen .Schrift (תנ״ך) mit wertvollen Kommentaren herausgab; aber bald sollte sieb zeigen, daß im Namen schon eine gewisse Vorbedeutung liegt und der Mann mein־ als ein anderes Menschenkind den Namen rechtfertigen werde, den das Kind einst ohne sein Zutun empfing. Vorn vierten bis zum sechsten- Lebensjahre erteilte der Vater selbst seinem Sohne Unterricht, da der Lehrer, dem er ihn ursprünglich anvertraut hatte, zu wenig Verständnis für die ungewöhnlichen Geistesgaben des Knaben gezeigt und seine scharfsinnigen Fragen mit Ungeduld unterdrückt hatte. Nachdem Moscheh in das Lehrhaus des R. Salman Cliassid eingetreten war, beherrschte er im Alter von sieben Jahren bereits einen großen Teil des Talmud und erregte allgemeine Bewunderung durch die Fülle seines Wissens. Ein hervorragender Gelehrter aus Palästina, der sich vorübergehend in Frankfurt a. M. aufhielt, 0 Unter ■Benützung des Werkes חוט המשולש von Oberrabiner Salomo» Schreiber, Beregszasz (Paks 5647 — 1Ö87). mir von jenen in Anspruch genommen werden würden, die unbedingt, unter allen Umständen auf eine rituelle Lebensweise reflektieren: cs gibt eine große Anzahl von jfklisehen Angestellten, die auf diesem Gebiete nicht mehr genug rigoros sind, sie leben eben rituell, weil sic es gewohnt sind, wenn es aber »loht möglich Ist, so wird mit der althergebrachten Lebensweise einfach gebrochen. Auch diese große Schar von jüdischen Angestellten würde es mit Freuden begrüßen, wenn ihnen der Aufenthalt in rituell geführten Heilstätten ermöglicht werden würde. Aus solchen Erwägungen heraus hat sich der Herausgeber der ״Jüdischen Presse“ an eine große Wiener Krankenkasse, an die ״Versicherungskasse für Industrieangcstellte“, mit der Anregung gewendet, die Errichtung enes rituell geführten Erholungsheimes in Erwägung zu ziehen. Die Leitung dieser Vcrsiclierungskasse hat hierauf folgende Antwort gegeben: Wir danken -Ihnen für die gegebene Anregung, sind jedoch im Hinblicke auf den allzugeringen Bedarf, der sich für ein rituelles Heim ergibt, nicht in der Lage, Ihren Vorschlag in nähere Erwägung zu ziehen. Der Prozentsatz jener Mitglieder, die der israelitischen Rellgiou angeboren, ist bei der Kasse .ziemlich niedrig, jedenfalls ganz unvergleichlich niedriger, wie z. B, bei der kaufmännischen Kasse, welche irotz des Umstandes, daß bei ihr die Mehrheit der Mitglieder mosaischer Konfossion ist, noch kein Heim mit ritueller Kost besitzt. Das mag Beweis genug sein, daß ein Bedürfnis nach einem solchen Heime, selbst bei den Mitgliedern mosaischer Konfession nicht empfunden wird. Hochachtungsvoll Versicheriingskassc fiir Iudustrieangestdltc. Weser Brief sagt uns viel, er läßt aber noch mehr ahnen. W!ic immer es auch sei, Aufgabe der jüdischen Angestellten und der jüdischen Arbeitgeber wäre es, bei der Anmeldung an eine Krankenkasse den W11 n s c h z 11 m A u s druck z u b ringen, daß im B c d a r f s i a 11 e ein rituell geführte s H e •i m bevorzugt wir d. Jene Kreise der jüdischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die in der rituellen Lebensweise eine der größten und wirksamsten s 0 z i a 111 y g׳i e n i s c li.c 11 I nsHtutioncii der jüdischen Religion erblicken, müßten sich zusaimnenschl'ießen, um eventuell die verschiedenen in Wien bestehenden Krankenkassen zur Errichtung eines!gemeinsamen, rituell geführten Erholungsheimes zu bewegen, wenn schon die Zahl der auf eine rituelle Lebensweise reflektierenden Versicherten bei einer Krankenkasse nicht lrinreicht, um die Führung eines rituellen Erholungsheim es zu rechtfertigen. Wir glauben, daß in einer Periode der wirtschaftlichen Deklassierung eines großen Teiles unserer jüdischen Brüder und Schwestern, es ein Problem ersten Ranges ist, jenen beizustehen, die ihre körperliche Gesundheit . nicht־ mit Preisgabe ihrer jüdischen Tradition erkaufen wollen. Der sozialen Entrechtung des orthodoxe n ,1 11׳ d c 11, k a 1111 n u r durcli c 1 11׳ c gut e, a g 11 e, den tatsächlichen Verhältnissen Re c 11n u n g tragende Organisation der luter- . e, s s c n t c n w i r k s a in g c s t e ■u e .1־ t w erde 11. ■P. wollte den achtjährigen Wiinderknaben mit sich ins heilige Land nehmen, doch, wollte sich seine Mutter nicht von ihm trennen •und so kam Moscheh Sofer in die hohe Schule des Meisters R. Nathan 11a Kolien Adler, der dem Chassidismus huldigte und nach sephar.clischern Ritus betete. Dieser große Gelehrte , hielt so große Stücke von seinem jüngsten Schüler, •daß er . ihn ganz in sein Haus aiifnalun. Aber bald trieb es den Wissensdurstigen, andere Quellen aufzusuchen,'und so ging er unter die Schüler des Frankfurter Oberrabiners R. Pinchas Horowitz, des bekannten Verfassers des ח פ לא ה um bald darauf seine Vaterstadt überhaupt zu verlassen und unter der Leitung des R. Tebele Scheuer in Mainz seine Studien fortzusetzen. Nachdem Moscheh wieder in seine Heimat zuriiekgekehrt war, beendete er im Alter von 16 Jahren das Studium des ganzen Talmud. Sein Lehrer, R. Nathan Adler, wurde bald nachher als Oberrabiner nach Boskowitz berufen und es war für das innige Verhältnis dieses im Rufe der Heiligkeit stehenden Mannes zu seinem großen Schüler bezeichnend und auch bestimmend für dessen weitere Zukunft, daß ihm Moscheh Sofer nach Boskowitz folgte. In dem neuen Wohnort war Moscheh bald als der ״Bachur aus Frankfurt“ berühmt und beliebter als sein Lehrer, wurde der treueste Diener seines Lehrers und dort wurde er von •ihm auch in die Geheimnisse der Kabbala eingeweiht. Als dann infolge verschiedener Anfeindungen, die er in Boskowitz erfahren hatte, R. Nathan Adler im Jahre 5546 (1786) nach Frankfurt zuriiekkehrte, begleitete ihn sein Schüler bis Furth. Dort riet ihm sein Lehrer, sich nach Proßnitz zu begeben, und in dieser alten Gemeinde begann Moscheh Sofer eine umfangreiche Lehrtätigkeit zu entfalten. In Proßnitz ging R. Moscheh Sofer sein erstes Ehebündnis ein und wohnte infolge der Heiratsbe- Schränkungen, denen die Juden in Mähren unterworfeil waren, zunächst in Semuitz (Ungarn, jetzt Slowakei). Inzwischen war R. Wolf Boskowitz nach | Lloyd Sabaudo, Genua | | Nach Südamerika auch Bll dampf er ן I nur für III. Klasse. g I Ellvevkehr nach Australien. | S Repr.: Wien L Kolowrafflng l | il!l!llllll!illlllllllllll!l!lllll!llllllllllll(|||||||||||IM Pulsierendes Agudaleben in Polen. Die Auswirkung der polnischen Sejm wählen auf das inner!!iidische Leben zeigt sich erst jetzt ׳in ihrer voller Klarheit, -der ״Sieg‘‘ der Zionisten hat die Kluft und dei! Zwiespalt in deren Reihen noch größer gemacht. Jizchok Grün ׳bäum kennt nach seinem Sieg gar keine Rücksicht mehr, nicht nur in seiner Parlamentspolitik, sondern auch, was allgemeine zionistische Fragen abelaugt. Dies hat die jüngste Konferenz der ״Al Ba׳mischmar“-Grt!ppe bewiesen Ganz anders bei der Aguda, wo ״die Niederlage“ bei den Wahlen förmlich eine Quelle der Regeneration geworden ist. Jene orthodoxen Gruppen, die bisher nicht nur a׳blehnend, sondern sogar feindlich der Aguda gegenüberstanden und somit den Mißerfolg der Wahlen rnitverschuldet halben, sehen ihren Fehler ein und trachten, ein besseres Verhältnis z-ur Aguda ainzubalmen; als Zeichen dieser Erkenntnis kann die vorige Wocyhe stattgefundene Beratung des R a!b b i n i s c h c n Rates der Aguda s Jisroel betrachtet werden, die unter dem Vorsitz des Gerer Robbe in Warschau tagte. Man konnte bei dieser Versamminng nicht mir die a׳lteu Anhänger and Vorkämpfer der Aguda sehen, sondern auch Vertreter des Beizer und 13 ob 0 wer Rabbis und so manchen, den man ׳überall eher als bei einer agudistischeii Beratung atizutreffen hoffte. Gegenstand der Beratung war die Durchführung der auf der Piisuidskisclie-n Verordnung beruhenden G e m e i 11׳ d c % e s e t z e i n G a 1 i z i e 11 und in den R a 11 d g c b i e t c n. In K 011 g r c ß p 01 e n selbst haben die Gemeinde wählen bereits vor vier Jahren auf demokratischer Grundlage nach!monatelang dauernden heftigen Wahlkämpfen stattgefunden. In 379 Gemeinden wurden 2323 Repräsentanten gewählt, von denen 1774, also die überwiegende Mehrheit, der Orthodoxie angebörten. Diese Tatsache ist deshalb hervorzulieberi׳, weil in Galizien, besonders ■bei den Cliassidim Rabbis, eine gewisse Befurchtinig gegen demokratische Wahlen vorhanden •ist. Nun hat sich die vorwöchige Konferenz dahin geeinigt, daß die an-gcstrebten Korrekturen des Filsudskisclien Gemeindegesetzes einheitlich, im Namen der ganzen Orthodoxie Polens, durch den rabblnischen Rat der Agudas Jisroel vertreten werden sollen. Es wurde ferner beschlossen, daß :bei den Wahlen in den Gemeinden, die jetzt bevorstehen, mir eine einzige orthodoxe Liste ausgestellt werden darf, um ■die •Gefahren;einer Zersplitterung zu vermeiden. Noch andere wichtige Probleme, die mit der .Gestaltung der Gemeinde im Zusammenhang' stellen, kamen zur Erörterung. Es ist nicht :uninteressant, hervorzuheben, daß die Anregung zu dieser Konferenz von dem C z 0 1־ tk 0 •w e r Großrabbiner her rührt. Als die Lcmberger Rabbinerkoiifereivx, die im vergangenen Winter stattfaiid, vorbereitet wurde, hat ■der Großrabbiner von Gzortkow die Anregung gegeben, daß die Angelegenheiten der jüdischen Kehilla ■in einer gemeinsamen Konferenz der orthodoxen Führer des ganzen Reiches besprochen werden sollen. Nunhat diese Konferenz stattgefunden. Wir . wollen hoffen, daß die Beschlüsse dieser •Konferenz es -bewirken werden, daß die ■polnische Orthodoxie aus den nächsten Getneitidewahlen .mächtiger her Vorgehen wird, als es diesmal der Fall war.- '■ . .. Ofen berufen worden und R. Moscheh־. Sofer: besetzte seine Familienstelle in Proßnitz. Nun konnte er, von seinem Schwager aller Nahrungssorgen4 ־: enthoben, Tage und Nächte dem Studium widmen, aber bald ,verlor der Schwager sein Vermögen und R. Moscheh Sofer müßte, wenn auch widerstrebend, nach einer bezahlten Stelle Umschau halten. Da soeben die Gemeinde Dresnitz (Straßnitz in Mähren) einen Rabbiner suchte, wurde R. Moscheh auf Empfehlung des Lanäesrabbiners R. Mordechai Benet gewählt und trat bald darauf, mit Jubel empfangen, seine Stellung an. Ip diesem neuen Orte seines Wirkens begann er, da schon Anfragen an;ihn gerichtet wurden, mit der Ausarbeitung der Gutachten, die das Hauptwerk seines .Lebens, die תשובות חתם סופר bilden sollten; dort entstanden aber auch seine weniger ,bekannten religi- Ösen Lieder. Im Jahre 5558 (1798) wurde R. Moscheh Sofer zum Rabbiner von Mattersdorf gewählt und damit begann in seinem Leben ein neuer entscheidender Abschnitt, ganz ebenso bedeutete diese Wahl aber auch für Mattersdorf, ja noch mehr für das Judentum in ganz Ungarn •den Beginn einer neuen Epoche. Gleichzeitig wurde R. Moscheh aber auch von der Gemeinde Proßnitz zum Oberrabbiner gewählt. Es ist kaum auszudenken, welche Entwicklung die inneren Zustände der Juden in Mähren genommen hätten, wenn die kraft- und eifervolle Persönlichkeit eines R. Moscheh die geistige Führung einer so bedeutenden Gemeinde, wie Proßnitz damals war, in die Hände genommen hätte. Vielleicht aber wäre auch die herrliche Kraft dieses Mannes dort ׳in uferlosen Kämpfen verpufft, .während sie in Ungarn ihren eigentlichen Zwecken dienstbar gemacht werden sollte. Und so war es wohl ani besten so gefügt, daß R. Moscheh weder nach Proßnitz, noch nach einer ein Jahr später in Triesch erfolgten Wahl •dorthin ging, ln Mattersdorf wußte man die Anhänglichkeit des Mannes, dessen Größe man aus eigener Anschauung kannte, wohl zu schätzen. Dennoch war Mattersdorf