Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 23 (15.6.1928)
- Date
- 1928-06-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1(0*18093 vfyhfaiS poroktt'S rfaält post a telegrafo?, « Bratislave öis. 41572-111*20, »יי Äelfttrigen vom Verlor versendet, Journal exp&iie par 1‘editeur, V.kk JÜDISCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion n. Administration!Wien, II.,Leopolds* lasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-4-94. Tschechoslowakei! Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Pftr Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementsprelsei Ganzjährig 1 Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschecb. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40y das übrige Ansland 2 Dollar» Zahlungen für Oeatenelch! Postsparkassenamtwien, Konto Nr. ]3.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn! Postsn&rkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Präs(, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 48.217; für die Schweiz: Postscheckkonto Zürich VIII. 41171 für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr. 122.619 Nr. 23 wien-BraiisBava 15. Juni 1928 ,ב״ה וינדןייסחגםסגורג כ״ז סידן תרמ״ח 14״ Jahrg. Die Lage der Orthodoxie und die Aguda. Von jeher ga׳b es in Israels Reihen Einzelnersönliclikeiten, welche das Religionsgesetz im ganzen oder in einzelnen Teilen für sich ablehnten. Der Motive waren es mancherlei; sie wurden nicht diskutiert. Solange den Organen der jüdischen Gemein- Schaft, sei e׳s in den Gemeinden oder in übergemeindliehen Verbänden, entsprechende Kompetenzen za standen, verstand man es, solche Einzelerscheinungen für die Allgemeinheit ungefährlich zu machen, denn darauf kam es in erster Reihe an. Die Mittel, welche den betreffenden Kompetenzen zur Verfügung standen, galten zwar einerseits den Abtrünnigen selbst, hatten aber doch als vornehmstes Ziel das im Auge, die Gesamtheit vor den Folgen dieser Abtrünnigkeit zu schützen. Aber es war sehr ׳selten der Fall, historisch beglaubigt eigentlich nie, daß eine solche Persönlichkeit, die innerlich mit der Religon zerfallen war, nun Schule zu machen suchte oder gar für •sich in Ansiprucli nahm, die Geschicke der Gesamtheit bestimmend zu beeinflussen. Eine Wendung tritt erst eigentlieh ein mit dem Beginn der Emanzipätionsbestrebungen.• Damals glaubten viele, “daß das strikte Festhalten an der Religion ein Hindernis aus' dein Wege zur Emanzipation bedeute. Da eine Emanzipation nur der Gesamthet gegeben werden konnte, genügte es natürlich den Abtrünnigen nicht, ihre eigenen Wege zu gehen, sondern sie waren bestrebt, ihren Weg zu dem der Gesamtheit zu machen, um sich dann als salonfähig den Völkern der Umwelt zu präsentieren. Leider glaubte!! auch damals viele Orthodoxen, daß die Vertretung nach außen mit den Mitteln der eigenen Kultur nicht allein bestritten werden könnte und so glitt die Führung allmählich in die Hände der ״Aufgeklärten“. (Es mag hier in Klammer bemerkt werden, daß in dem oben Angeführten auch die Erklärung dafür liegt, warum die Führung der sögenannten Aufgeklärten sich sofort in ein despotisches Regiment verwandelte, welches der Orthodoxie einen Kampf auf Leben und Tod ansagte. Man muß leider zugestehen, daß die Schwäche der Orthodoxie gegen diese Bestrebungen die erste Hälfte des .19. Jahrhundert^ fast ganz erfüllte.) Als man anfing, zu erwachen, stand man vor der vollendeten Tatsache, daß .die Führung der Gemeinde in die Hände der Neologie gekommen war und sich Bestrebungen geltend machten, durch organisatorische Zusammen- , Schlüsse diesen Zustand der Gemeinde zu einem Zustand der Allgemeinheit auszugestalten. Wenn wir ganz klar sehen wollen, so müssen wir eigentlich sagen, daß diese Periode noch nicht abgeschlossen ist. Jedenfalls machten sich aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bereits Gegenströmun» gen geltend und es ist ganz klar, daß es unser Ziel war und sein muß, die Führung der jüdischen Dinge für den Gedanken der Orthodoxie zuriiekzugewinnen. Was in anderen Gl aubensb er eichen, s e 1 ׳b '$׳!verständlich ist, daß über die S c 11 i c ׳k ׳s a I e d e r Religion nur d e r m i t z ustimmen •hat, dem die Religion etwas ist, i s t d e m J u d e n t u m noch n i c h t d a s Selbstverständlich e. Hiebei sei bemerkt, daß wir uns im Rahmen dieser Darstellung nicht zu befassen haben mit denen, die im vorhinein ehrlich zugestehen, daß ihnen die Gemeinde und die Gemeinschaft •keine solche mehr ist, die der Religion dient und von -der Religion bestimmt wird. Die Anhänger der Volksgemeinde sind in diesem Sinne die Vollender der Reform. Wir haben uns vielmehr an die Orthodoxie zu wenden. Diese hat zwei Erscheinungen gezeitigt: Wir nennen •die eine, aber ohne jeden Beigeschmack, die Ge mein de-Orthodoxie, die andere die A־us-tritts-0 rtho doxie. Die er •stere betrachtet es als ihr Ziel, sich in die Führung der jiidisehen Dinge friedlich-schiedlich mit den Andersgesinnten zu teilen. Sie steht nicht auf dem Standpunkt, daß damit eine Anerkennung der Gleichberechtigung für die Traditionsabgewandtcn innerhalb der Religionsgemeinschaft ausgesprochen ist, sie betrachtet es als die höchste Vollendung ihres Wollens, wenn die religiösen Belange für die Gleichgesinnten ganz ihren Kompetenzen anheimgegeben sind. Es Hegt uns ferne, -hier •mit dieser Anschauung zu rechten und vir wollen gerne zugestehen, daß viele von ihren Anhängern von der Hoffnung g-eträgen .sind, durch bewußtes Fortschreiten auf der von ihnen betretenen Bahn allmählich.- die anderen zu überzeugen. Aber sei dem wie ihm wolle, unter den gegebenen Umständen hat diese Anschauung auf die Erlangung der abs0luten Führung für den T r a d i t i 0 n s g e d a n k e n Verzicht g e -I e i s t •e t. Zu äußerlich gleichem Resultat, aber freilich un.ter ganz anderen Voraussetzungen, gelangt die sogenannte Austrittsorthodoxie. Es ist ihr Prinzip, in dem Augenblick, in dem Andersgesinnte versuchen, Religions•- oder Traditionswidrigkeiten institutionell zum Programm des Gemeindelebens oder;des Gemeinsohaftslebens zu erheben, sich mit ihnenauch in der Führung der Dinge nicht mehr zu teilen. ,Sie lehnt das solange ab, als ihr durch Tat oder Bestimmung zugem-utet wird, die Gleichberechtigung der Traditionstreue zuzugesteheii. Nun war es das unausgesproohene Programm der Aguda, ,. durch Zusammenfassung aller Kräfte der Ortho- doxie in der ganzen Welt den Versuch zu machen, diese Führung für die Thora zurückzugewinnen. •,׳ Es׳ sollte dabei der Nachweis erbracht \verden, daß selbst auf den! Geleise des demo'kra t i sehen Grundgedankens diese Forderung n i c -111 Unsittlich . wird, da nachweisbar die Majorität der jetzt lebenden Juden ׳traditionstreu ist. (Und da können wir.es uns nicht versagen, im tiefen Schmerze darauf hinzuweisen, daß es innerhalb der Orthodoxie noch Kreise gibt, die diese Forderung nicht verstehen oder ׳gar כשי תחת השגחת הרב ח ישעי פורסט שיפשוהל)) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Henri ׳ Oberrabbiner Jesaia'Fürst (Adas Jisroel) :, U e b e r a 11 erhältlich! % aus dem oder jenem Grund bekämpfen. Wir wagen es, auszusprechen, daß, wenn auf den ersten Ruf die Gesamtheitsorthocloxie sich eingestellt hätte, das Ziel seiner Erfüllung bedeutend nähergerückt wäre. Wenn es nicht erreicht ist oder G-tt behüte in unserer Generation nicht erreicht wird, dann lastet ein großer Teil der Schuld auf den engsten Gesinnungsgenossen, die der Aguda die Gefolgschaft versagten.) Und vielleicht wäre keine Zeit so geeignet, dem Willen der orthodoxen Majorität der jüdischen Gesamtheit zum Durchbruch zu verhelfen. Die UeberSpannung des׳ Individualismus hat in, ernsten Menschen denn doch die Ueberzeugung reifen lassen, -daß es Gebiete der Gesamtheit geben muß, in denen der Individualismus nicht das erste Wort führt. Es gibt heute fast kein Gebilde mehr, in welchem die Führung für die Neologie allein reklamiert wird. Wohl aber gibt es eine Anzahl Gemeinden, die bei eigener persönlicher ״Freiheit“ sehr gerne das Gemeinschaftsgebäude mit der Krone der Thor-a schmücken, mit dem Schilde der Thora geschützt sehen würden. Vor dieses Prob-le-rn ist die Orthodoxie gestellt. Ihr bei dieser Lösung zu helfen, ist die vornehmste Aufgabe der Agu-das Jisroel. P. K. Fortsetzung folgt.) Warum die Wiener Krankenkassen kein rituelles Erholungsheim errichten? Die soziale Entrechtung der Juden, speziell aber der orthodoxen Juden macht ■in Wien, erstaunliche Fortschritte. An •dieser Entrechtung hatte Wirtschaft* U c h e r Antisemitismus ebensoviel Anteil wie U nverstand, •u nd Unfähigkeit auf j üdli s ch e r Seite. Es ist zur Stunde nicht -unsere Absicht, dieses soziale Problem in seiner ganzen Allgemeinheit aufzurollen, •uns beschäftigt augenblicklich ־־׳ die soziale Entrechtung des orthodoxen Juden. •In diesem Zusammenhänge ist vor allem vom Sabb a t h •zu reden. Es ist fest-zustellen, daß selbst •in jenen jüdischen Kreisen, in -denen der Glanz des Sabbatli fast verlöscht war, eine Umkehr zu beobachten ist. Mit Genugt-uung׳ sollen hier die schönen Worte, die der Berliner -Rabbiner Dr. Leo Beck anläßlich der dieser Tage a,bgehaltencn Tagung des allgemeinen deutschen Rabbinerverband es, dessen Thema ״Forderungen des Judentums für die Gestaltung des Lebens“ war, gesr-pochen hat, ver- . zeichnet werden. ״Wo immer Rabbiner zusammen sind, da wird auch vom Sabbath gesprochen. W!ir wissen, daß es kein Judentum geben k a n ■11 oh n e d i e Renaissance des jüdischen Menschen i ni S a bh a th, W 0 c h e u m Woch e. Unser messianischcs Ideal ist ein Sabbathideal, das Ideal der Ruhe der Seele. Von den Gefahren, die in unseren Tagen * dem Sabbalh drohen, und von den Möglichkeiten ihrer Beseitigung wird darum nicht ohne gewichtige Gründe zu reden sein. W e 11 11 S a b b a t h auf Erden wii r e. so wäre die m c s s i a n .׳i s c 11 e Zeit g e k o m- 111 e 11, so wären die sozialen Fr a g e n g e 1 ö s t.“ Ja, wo immer Rabbiner zusammen sind . , , Es ist sicher hoch zu werten, wenn Rabbiner sprechen, erst recht, wenn sie über -den Sabbatli sprechen, allein wir haben ln der ״Jüdischen Presse“ schon öfters darauf hinge wiesen, daß das überaus verwickelte Wirtschaftsproblem Sabbath genannt, mit wohlgemeinten Predigten und Reden nicht ,mehr zu lösen ist. Dieses Problem kann nur mH Zuhilfenahme der modernen wirtschaftlichen Kampf- und Hilfsmittel gelöst werden. Diese sind zunächst eine־ genaue Statistik, Es ist nicht egal wo Damen Perücken hänfen O TH 94 AR SCHIFF*8 Perücken weisen folgende Vorzüge auf: Guten Sitz, prima Material, modern und dennoch individuell gehalten. 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