Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 20 (24.5.1928)
- Date
- 1928-05-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 136 JÜDISCHE PRESSE Nr. 20 Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons JULIUS HABER Kohlen« und Koksgroßhandlung 4 Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Wien, II., TaborstraBe 9 g|§ Fernsprecher Nr. 41-0-22 tigungen, die von zionistischer Seite gegen dieses Koloni,- sationsprojekt erhoben werden, schreitet das Werk in Rußlancl rüstig vorwärts. Immer neue Gebiete werden für jüdische Siedlungen erschlossen und Hand in Hand mit dieser Konsolidierung wächst auch die Sympathie der jiidischen Welt für diesen großzügigen Versuch, die vereiendeten, in Ghettis verkümmerten jüdischen Massen einem produktiven Beruf zuzuführen. Sympathie allein, würde aber keine hinreichende Motivierung für den Ent- Schluß jener amerikanischen jüdischen Führer sein, die jetzt 10 Millionen Dollar für das russische Kolonisationswerk aufbringen wollen. Vondiesen 10 Millionen; will Julius Rosenwald die Hälfte geben, wenn die zweite Hälfte von anderen amerikanischen Juden aufgebracht wird. Felix M. Warbtirg, der Präsident deis,1 Joint, hat bereits eine Million Dollar den Zwecken der russischen Kolonisation gewidmet. Aus purer Sympathie allein würden die amerikanischen Philanthropen nicht solche gewaltige Summen dem russischen Aufbauwerk zuwenden, vielmehr muß diese große Gebefreudigkeit in nüchternen. Erwägungen gesucht werden. Die reichen ainerikanischen Juden sind konservativ, und dank diesem Konservativismus wollen sie den russischen Juden an Ort und Stelle helfen, denn sie wissen nur allzii gut, daß zumeist mit dem Verlassen der väterlichen Scholle auch die väterliche Sitte in Verlust gerät. So ist es zu verstehen, daß diese Amerikaner sich für eine Ansiedlung an Ort und Stelle einsetzen, die ja auch die seelisch׳ reibungsloseste Art einer konstruktiven Hilfeleistung ist. Bei dieser Sachlage ist es geradezu unbegreiflich!, warum es jenen jüdischen Gruppen, die ebenfalls ko 11•׳ servativ eingestellt sind, und vor allem der A g 11 d a, die in der Pflege und Erhaltung der religiösen Güter des jüdischen Volkes ihre Hauptaufgabe erblickt, bisher nicht1 gelungen ist, eine positive Stellung zu der arnerikanischen landwirtschaftlichen Siedlung zu gewinnen. Der große Führer der russischen Juden, der L u b a w i c z e r R e b b e, hat in einer Aeußerung ati Pressevertreter,' die seinerzeit auch in der ״Jüdischen Presse“ erschien, auf‘ den Umstand hingewiesen, daß die geschlossene An־ Siedlung von Juden auch vom religiösen Stand•׳ punkte aus von ungeheurer Wichtigkeit ist. Die geschlossene Siedlung gibt die Möglichkeit, daß die dort angesiedelten Juden nicht nur eine politische, sondern auch eine religiöse und seelische Autonomie genießen. A g u d a s J i s r o e 1 hat es bis zum heutigen Tage nicht verstände 11, weder die vera n twörtlichen russischen Staats mä n n er noch die großen a m e r i k a n isc heil P h i 1 a n 111 rope n noch aber die jüdische• öffentliche M einun״ auf das ungeheure religiöse Problem a u f m erks a m zu machen, von dessen g ü 11s t i g e r Lösung unseres Erachtens die ers p r i e ß 1 i c 11 e Entwicklung des russischen K'olonisationswerkes überhaupt a b h ä ת g t. Jüdische Kolonien und autonome Rayone ohne die Merkmale jüdisch religiösen Lebens entbehren des Kittes, der allein jüdische Schöpfungen Zusammenhalt und eine gedeihliche Zukunft gewährleistet. IWELDLER & FÜRST Feinste;Herrengavderobe nach Mass, :: Lager fe.nster orig. engl. Stoffe :: Anfertigung binnen 24 Stunden. Wien« l., Rotgniurmstr. 27 (Me2z.) Telephon 61-117־ Die vollkommene Einflußlosigkeit der Aguda in Amerika zeigt sich aber jetzt auch auf einem anderen Gebiete verhängnisvoll. Die erbitterten Kämpfe innerhalb der zionistischen Organisation, die wahrscheinlich zu einer Spaltung der Organisation führen werden und die einstweilen den gegenwärtigen Aufenthalt Weizmanns für ganz ergebnislos gestaltet haben, sprechen eine deutliche Sprache. I n Amcrik a w ii rde sich jetzt für A g u d a s J i s r o e I eine wunderbare Gelegenheit b i et e n, um dort e n d I i c h e 1 n tu a 1 F u ß z u f a s s e 11. Diese günstige Gelegenheit ist aber nicht so sehr durch den Zwiespalt und die Zerwürfnis innerhalb der Zionisten in Amerika gegeben, sondern vielmehr in den p s y c h isehen Voraussetzungen, die zum Zerfall der zionistischen Organisation geführt haben. Die Amerikaner sind des unerträglichen und aufdring־ liehen Bluffs müde! Auch ist der überwiegende Großteil der Amerikaner, die eine nüchterne Kalkül a.־ t i o n ii her alle nationalistischen Phrasen setzen mit der ganzen Methode der zionistischen Arbeit in Palästina n i c 111 zufrieden. Eine sachliche Wirtschaftlichkeit, die Ausschaltung ' aller politischen und nationalistischen Phrasen, vor allem aber die Vermeidung all 1er k u 11 u r k ä m p f e r i s c h e n Tendenzen und r cligionsfcindlichen Bestrebungen beim Auf- | bau Erez Israel entspricht nicht nur der amerikanischen Anschauung über die Art und Methode der Arbeit in Erez Israel, sondern auch jener der Agudas, Jisroel. Es würde daher nur selbstverständlich sein, daß Agudas Jisroel, auf Grund dieser Uebereiüstimmung über den Charakter der Erez-Jisroel-Arbeit, in n ä 11־ c r e n K o 11־ takt mit den großen amerikanischen Geldg c b e r n träte. Leider verharrt auch diesbezüglich Agudas Jiroel in einer Passivität, die befürchten läßt, daß die wirtschaftlichen Positionen des heiligen Landes gleichzeitig die Stützpunkte jener geistigen Strötnungen und Bestrebungen sein werden, die nach unserer tiefsten Ueberzeugung Erez Israel nicht zum heiligen Lande, sondern zu einem von europäisch׳- amerikanischem Geiste durchsetzten vorderasiatischen. Staatswesen gestalten werden. Eine derartige geistige Entwicklung in P a 1 äs t i n a — und nun kommen wir zum dritten Stiitzipunkt des jüdischen Weltbaues — würde den Engländern durchaus nicht unerwünscht sein. Wohl haben sie vom Völkerbund das Mandat erhalten, um zu ermöglichen, daß in Palästina, wie in allen ihrer Verwaltung iiberantworteten Mandatsländern, die Bevölkerung zur Selbstverwaltung her&nrejfe. Doch ist dies in Palästina eine schwere und, sagen wir es gerade heraus, den Interessen Englands abträgliche Aufgabe. Palästina mit Selbstverwaltung bedeutet eine M i t r e g i e,r u n g der Araber, eine Mitregie־ rung der Araber bedeutet die Einschaltung Palästinas in das arabische Staatensystem Vorderasiens, ein System, das bei der fortschreitenden Nationalisierung und Revolutionierung der arabischen Bevölkerung geeignet ist, die englische Vorherrschaft in Asien streitig zu machen. Den InteiR essen des jüdischen Volkes im allgemeinen würde es1 durchaus entsprechen, eine rein asiatische Orientierung zu suchen und in Palästina mit Ausschaltung des europäisch!■׳ amerikanischen Flitters eine Rückkehr zur alten, autochthoneu jüdischen Kultur anzustreben, eine Tendenz, die in der Linie a g u d i s t i s c h e r Ge- ^lllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllilllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllinilillK.eä | Lloyd Sabaudo, Genua | ן Expreßverkehr nach Nord- und | ן Südamerika. | ן Hach Südamerika auch Elfdampfer § ן nur flir III. Klasse« 1 | Eflverkehr nach Australien. § ( Repr.: Wien 1״ Koloinrifiring 4. ( ןןן]ןןןןןןןןן]ןןןןןןןןןןןןןןןןןןן1ן11ןןןן11ןןןןןןן1ןןןןןן1ןןןןןןוןןןןוןןןןןןןןןןןןןווןןן!ןןןוןןוןןווןןןןןןוווןן!וןןן||]1ו1]ןןןןןן!ון!וו11ו11111111ור^ Schichtsauffassung und religiöser Bestreb u 11 g liegt. England hingegen, das über die Entwicklung in Aegypten und Indien bestürzt ist, hat allen Grdncl1 aus Palästina nicht ein Land der Selbstverwaltung, sondern ein englisches Dominion zu machen. Ein Propagatar dieser Idee ist der gewesene englische Minister Oberst) Wedgwood, ein aufrichtiger Freund der Juden, der in seinem jüngst in Wien abgehaltenen, von aufrichtigem Wohlwollen für das jüdische Volk getragenen Vorträge betonte, daß es nicht nur im Interesse von England, so;!- dern auch zum Nutzen des jüdischen Volkes wäre, wenn Palästina ein englisches Dominion werden winde. Der brave Oberst Wedgwood war überdies bestrebt, seine These auch noch durch die Behauptung zu unterstützen, daß die Wesens z ii g e des englisch e 11 u 11 d des jüdischen Volkes im Grunde die gleichen wären. Viele werden diese schmeichelhafte Behauptung des judenfreundlichen Engländers sicherlich für bare Münze nehmen. Wir aber besitzen Judenstolz genug, diese Höflichkeit, bei allem Respekt vor dem meer- und wcltbeherr* sehenden England ganz entschieden abztiiehnen. Wir erlauben uns ferner mit aller Entschiedenheit zu behaupten;, daß eine so innige staats- und machtpolitische Ver k n ii p f u 11 g mit Engla n d den jüdischen Interessen nicht entspricht. England als Mnndatarmacht ist überaus vorteilhaft. Palästina als englisches Dominion wäre ein unermeßlieber Schaden sowohl für Erez Israel wie für das jüdische Volk. Da aber die Zionisten nach der Art ihrer ganzen Einstellung sich nur allzulcicht in das Schlepptau eng^ lisclier Machtpolitik ziehen lassen, erwächst hier wieder eine Aufgabe von großer Perspektive für Agudas Jisroel als Trägerin des historischen Judentums, für die Siegelbewahrern! jener jüdischen Zukunft, die. mir in organischem Wachstum auf dem alten Fundament erstehen kann. Wo ist aber diese Agudas Jisroel? Wo ist ihre politische Leitung? Wo ist ihre Kenessio? Die politische Lage in Polen. Die Zionisten in Polen und mit ihnen ihre Oe.- sinnungsgenossen in der ganzen Welt werden nicht müde, die Sejmwahlen in Polen als ihren großen Sieg in allen׳ Tonarten zu besingen. Nur manchmal dringt eine kritischa Stimme durch. So lesen wir zum Beispiel in der jüngsten Nummer der. zionistischen Berliner ״Jüdischen Rundschau“ eine Korrespondenz in Warschau, die erkennen läßt, daß der Ausgang der Parlamentswahlen alles eher, denn ein Sieg gewertet werden soll. Der angeführte Korrespondent äußert sich unter anderem wie folgt: ... Leider sind bisium diese Hoffnungen noch nicht in, Erfüllung gegangen. Ein einheitlicher jüdischer Pariamentsklub existiert ־noch nicht, die reinzionistische Tätigtkeit hat vom Märzsieg (Darunter sind die Sejmwahlen zu verstehen. D. R.) noch nichts genossen. Die Meinung^- Verschiedenheiten zwischen der Griinbaum- und Reich- Gruppe machen einen Zusammenschluß der zionistischen Sejmvertreter unmöglich. Es herrscht gegenseitiges Mißf trauen, Angst vor Majorisierung (beide Gruppen sind fast gleich stark) und dies verursacht die Hauptschwierig- Jttdische Dankbarkeit. Von Dr. Josef Löwy. 'Lief im menschlichen ׳Herzen wurzelt das Gefühl der Dankbarkeit und jedem Juden ist dieses sonderbare Gefühl im hollen Maße■ eisen. Es gilbt keine Gelegenheit, die ein Jude außer acht lassen könnte, um seinen Dank abznstatten. Nur auf ■diese Weise ist es erklärlich, wenn Lob uiiid Dank an den Schöpfer aller Dinge einen so breiten Raum im!Leben des religiösen Juden einnehmen. Heberströmend äußert sich dieser Dank an ■den hohen Festtagen durch die feierliche Rezitation der Lobpsahueii und an dem frohen Feste, an welchem die Lehre dem Volke Israel übergeben wurde, 1kann dieses einzige Ereignis nicht anders gefeiert werden, als daß ein Festgedicht, der innigste Ausdruck des Dankes für ■den Empfang der Thora vor der Verlesung des Festabsehtiittes zum Vortrag gebracht wird- So wie am Feste der Offenbarung das אקדמות keimzeichnend ist für das inmierwührende Daiikbarkeitsgeftilil des Juden, so gibt es keinen Anlaß im jüdischen Leben, an dein der Jude es unterlassen könnte, seiner Dankbarkeit freien Lauf zu lassen.!Schon im Talmud lehrt ■Rabbi Meir, daß cs ■jedermanns ■Pflicht ist. täglich mindestens 100 Segenssprüche zu sprechen. Damit soll das Bewußtsein rege erhalten werden, daß Gott immer und überall nahe ist. Der Dank au Gott für Speise und Trank, das Tischgebet, ist eine jüdische Einrichtung und wer sich diesem Dank an den Erhalter und Ernährer des Weltalls entzieht, der macht sich nach Auffassung unserer Weisen gleichsam des Verbrechens des Raubes schuldig, denn man muß täglich Gott für seine Wohltaten ■danken. Schon zur Zeit des Tempels in Jerttsalein wurde täglich ein besonderer Dankespsalm von ■den Leviten vorgetragen und seither ist der betreffende-Tagespsalm ein ■Bestandteil des täglichen Morgengebetes, geworden. .Bezeichnend für die Denkungsart unserer Lehrer ist der Ausspruch: ״Wenn einst alle Opfer aufhöreii werden, so 1wird das Dankopfer niemals verschwinden und wenn alle Lobgebete aufhören, so wird das Loblied der Dankbarkeit dennoch gesagt werden müssen. Dieser Satz dürfte zum Verständnis des Umstandes beitragen, •daß der gläubige Jude in jeder Lebenslage und bei jeder Gelegenlioit, die sich ihm i 111 Laufe des ■Lebens ■bietet, einen Segenssprueh zur Befriedigung seines DankbarkeitsgefiiMes bereit hat. Freudig bewegt beim Eintritt der hohen Feiertage und der Festtage stattet der Jude seinen Dank mit den Worten ab, ״daß er uns am Leben erhalten hat und uns ■diese Zeit hat erreichen lassen“.שהחינו Derselbe Segensspruch erfüllt die Dankespflicht beim Anziehen eines 1neuen Gcwundes, beim Betreten eines neuen Hauses und beim Gemisse einer neuen Frucht, die wir zum erstenmal in der betreffenden Jahreszeit essen. Immer wieder ist es das Bewußtsein der tiefen Dankeschuld, daß es uns ■vergönnt ist, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen und so gibt es fiir jedes besondere Ereignis im menschlichen Leben einen entsprechenden Segenssprnch als!Ausdruck jüdischer Dankbarkeit. Für die Bescluieidutvg, bei der Hochzeit, ja sogar bei einer Todesnachricht spricht der Jude seinen Segenssprnch lind lobt den gerechten Richter, dessen 1111erforselilichem Willen er sich in Demut fügt. Vier ganz außerordentliche Anlässe gibt es nach einer Aufzählung im Talmud, bei denen ■die Dankestorinel in der OoffenMichkcit vor der ganzen Gemeinde zu sprechen ist. Wer über den Ozean gefahren ist, wer die Wüste ■durchquert hat, wer eine gefährliche Krankheit überstanden hat und wer dem Gefängnis entronnen ist, hat die Pflicht, seinen Dank besonders feierlich zu bekunden. Es hieße sich viel zu weit in Einzelheiten verlieren, wenn man die mannigfachen Segenssprüche aufzähleu wollte, welche beim täglichen Gebete ■den Dank des ׳Beters wiedergebeu, daß es ihm zu jeder Tageszeit beschieden ist, •die Allmacht Gottes bewundern und anerkennen zu •dürfen. Nur ein dankbares Gemüt kann Bitten an den Leuker aller Dinge Vorbringen, welche nicht nur das persönliche Wohl, sondern das der Allgemeinheit bezwecken. Erstaunlich und bewundernswert ist die Mannigfaltigkeit ■der '■Segenssprüche, welche!bei ■den verschiedensten Anlässen und für besondere Dinge in Anwendung zu kommen haben. Da sind es die Gaben der ׳Natur, welche den Dank des Juden durch ■die entsprechenden Segensformeln herausfordern. Beim Besuche historischer Stätten, beim Anblick berühmter Männer, bei der Betrachtung ■der keimenden Bäume im Frühling sagt der Jude einen Segenssprueh. Angesichts des Meeres, bei .Naturerscheinungen wie ׳Donner, Blitz, ׳Meteorfall und Erdbeben werden Benediktioneu gesprochen und ■der ׳Regenbogen erweckt ■die dankbare Erinnerung. an den uralten Bund des ׳Schöpfers mit der Menschheit, daß der natürliche Verlauf der Dinge gewährleistet ist. Seltener bekannt sind die!Segensspriidie, welche den Dank an Gott wiedergeben, wenn man von der Schönheit eines Mannes oder einer Frau besonders berührt ist. Von Rabbi Garnliel wird erzählt, daß er beim ׳Anblick einer schönen Frau Gott für •die Freude des Sehens dankte. Andererseits gibt cs einen Segensspruch für den Anblick einer häßlichen!Person und die Formel dafür ist durchaus nicht der Ausdruck der Schadensfreude, sondern die Anerkennung von Gottes Willen: ״Der du änderst die Gestalteil deiner Geschöpfe.“ Es gibt ferner Segcnssprüehe für den ■zunehmenden Mond und beim Empfange guter Nachrichten. ׳Beinahe für alles, was auf die Sinne des Menschen wirkt, für Speise, Trank, Blumen, Gewürze und Düfte sind Segenssprüche vorhanden, lind bei ■dieser ■Mannigfaltigkeit ist es nicht schwer, dein Ausspruche Rabbi ׳Meirs gemäß wenigstens hundertmal im Tag Gott zu!loben.!Dieser lebendige Ausfluß des Dankgefühls ist nichts anderes als ein beredtes Zeichen des jüdischen Optiniis- 11ms. Der Jude hat ein reichhaltiges, ausdrucksvolles Seelenleben, er betrachtet und gestaltet die mannigfaltigsten Ereignisse und Dinge, die ihm entgegentreten, mit dankbarein Gemüt und cs darf uns nicht wundernelniicn, daß er für alles die Formel des Dankes auf seinen Lippen hat, er trägt den Dank auch im Herzen,!denn dort, wo ■die Dankbarkeit wohnt, ist auch die Liebe.