Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 16 (27.4.1928)
- Date
- 1928-04-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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JÜDISCHE PRESSE Nr. 16 Seite HO Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg .angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons JULIUS HAB Eil Kohlen- und Koksgroßhandlung Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372376־ Wien, II., TaborstraBe 9 § Fernsprecher Nr. 41-0-22 | Liebe Frau l Wollen Sie eine schöne, moderne und dauerhafte Perücke zu aen denkbar billigsten Preisen haben, so kommen Sie und überzeugen Sie sich, Franz Balla Wien, 4. Bezirk, Gußhausstraße 26 Telephon 54-8-79. Lloyd Sabaudo, Genua Expreßverkehr nach Nord- und Südamerika. Nach Südamerika auch Elidampfer ־׳ nur für 111. Klasse. Eilverkehr nach Australien. 4. schien Rabbiner Dr; Pinchas Kohn, der Sonntag nachmittags in Warschau eintraf und von einer größeren Deputation der dortigen Aguda empfangen wurde, bei, der Jugendkonferenz, wo er die bedeutsame Mitteilung machte, daß das Zentralbureau der Aguda ernstlich bemüht sei, noch vor der Renessio eine Weitjiigendtagung der Aguda einzuberufen. Die eigentliche Zentraltagung begann Mantag. Das politische Ha u,p t r e f e r a t hielt Herr I. M. L c w i n, der überaus ernst und eindrucksvoll über die gegenwärtige Situation der Aguda in Polen sprach. Wenn auch die jüngsten Wahlen, führte Redner aus, eine große Niederlage für die Aguda bedeuten, da man fast die ganze parlamentarische Vertretung cingeibiißt habe, so müsse trotzdem betont werden, daß die von der Aguda cingeschlagene Politik trotz aller Mißerfolge als die einzig richtige bezeichnet werden muß. Die Tatsache, daß jüdische Vertreter in der Regierungspartei sitzen, läßt hoffen, daß in dem Verhältnis der polnischen Gesellschaft den Juden gegeniiber eine Besserung' ,eintreten wird. Aber ,nebst den politischen harren noch gewaltige Aufgaben der Lösung. Der!bisherige Präsident des Zentralkomitees, Oberrabbiner Sciiapira, ist durch clic große Arbeit für die •Lubliner Jcschiwah derart in!Anspruch genommen, daß er für anderweitige aigudistische Aufgaben kaum Zeit erübrigen konnte.!Bei der WU׳hl der neuen Leitung muß darauf geschaut werden, daß sie die Arbeit von vielen Jahren einhole. Hierauf ergriff!Rabbiner Or. P. K 0 h n das Wort. Er versicherte die polnische Landesorganisation des regen Interesses der Zentralleitung, die überzeugt sei, daß die Größe und Schlag- } kraft der polnischen Aguda gleichbedeutend ■mit der Größe und Schlagkraft der Aguda überhaupt ist. Vor der Wieder- .au;fnähme der Arbeit sei cs nötig, sich vor Augen zu halten, daß es uns hauptsächlich an ׳Selbstachtung und an ׳R׳ e s p e k t vor der 0 r t h 0 d0״ x :i c!fehlt. In dem Augen- •blick, wie wir diese Minderwertigkeitsgefühle loswerden,!kann die •Aguda hier wie überall auf eine bessere׳ Zukunft hoffen. Hierauf wurde die Generaldebatte abgeführt, an ' derep Schluß ■die einzelnen Kommissionen gewählt wurden. HEIL-UND SOLBAD! (SALZKAMMERGUT) Inhalationen Pneumatische Kammern I Vornehmes gemütliches Haus mitstreng orthodoxem Betrieb. Jede Diiiiküche nach Anordnung. Vorzüglichste Wiener | Küche. Gottesdienst ׳m Haüise Eiöffnung zu.Sch’wuos. Voranmeldung eibiten bei Besi'zerin IE. Wiener, Wien, Bi;, Obere DonausSr. 69/201 SCHNEIDER Feinste Herrengarderobe nach Mass. ־ :: Lager fe nster orig. engl. Stofte :: Anfertigung binnen 24 Stunden Wien, 9., Rotemturmsfr. 27 (Mezz.) Telephon. 6117־4־ *®oChs ■u.Tßauphc&uAfurJtjicdeJi, //. Malzgasse tö Die jüdischen Organisationen werden sich an dem Kolonisationsplan im Fernen Osten nicht beteiligen; sondern in den bisherigen Kolonisationszentren weiter arbeiten. (J. T. A.) Im Rahmen dev am Sonntag, den 4. März zu B e r 1 i n . stattgefundenen Generalversammlung des Hilfsvereines der deutschen Juden hielt Herr Di־. Bernhard Kahn, ,,!der einstige Generalsekretär!des Hilfsvereines und ׳jetzige!,Direktor des Joint-Werkes' •in Europa, einen Vortrag über ״Die Lage der jüdischen Massen .in der Nachkriegszeit“.!Er urnriß!Geschichte und Arbeitsprogramm des .Hilfsvereines, der vor dem Kriege ׳in seiner jüdischen Hilfstätigkeit fast unerreicht dastand und jetzt, nach einer vorübergegangenen!Depression, zur gewohnten Aktivität zurückkehrt. Diese Wiederaufnahme einer •großen Tradition •macht es notwendig, einen Ueberblick über die Position der!jüdischen Massen von heute zu geben: Vor dem!Kriege ׳lebten?1/2!Millionen Juden, davon 61/־ Millionen in Rußland, .in!wirtschaftlich abnormen'Verhältnissen .und waren ein Objekt sozialer iHilfstätigkelt. Aber trotz Unterdrüokupg und unnatürlicher Zusammenpferchung in Ansiedlungsrayons ,arbeiteten sich die ,jüdisehen •Massen in den ersten!Dezennien!dieses Jahrhunderts, aus ihrer Verelendung allmählich empor. Die Auswanderungs'bewegung schuf Erleichterung. Was an Not und »Elend blieb, konnte •mit einheimischer und ausländischer Hilfe gelindert werden. Es :kam!der Krieg, dessen erste Opfer die an •der russischen West grenze und!die in Galizien und Rumänien wohnenden Juden geworden sind. Aber erst das Ende des Weltkrieges brachte •den ,Beginn der großen Ver- Med. Doctoir Markus Moses, Sohn des Preßburger Oberrabbiners R. Moscho Charif, praktischer Arzt in Deutschland. 1766 bis 1786. Eine Lebensskizze Von Bernhard Mandl, Budapest. (Forsetzung.*) Als die Zeit seiner Promotion herannahte, war .ihm als Jude — ungeachtet seiner hervorragenden Kenntnisse — die Erlangung des Doktordiploms doch nicht so leicht wie Andersgläubigen, weil seine Religion mit der abzulegenden Eidesformel! kollidierte und an dieser jungen Universität überhaupt noch kein ׳Präzedenzfall für die Promotion eines Juden vorgekommen war; allein sein Protektor, Prof. Tychsen! räumte (ihm auch dieses Hindernis aus dem Weg, indem er behufs Erlangung einer ׳Promotionslizenz für seinen Schützling sich selbst mit •einem fürsprechenden ׳Gesuch an •den regierenden Herzog und Stifter der Universität wendete und ihn bat, bei der Promotion des Markus Moses den in ähnlichen Fällen an der ׳Göttinger Universität ge-!bräuchlichen modus procedendi anwenden zu dürfen. Daraufhin erließ der!Herzog folgendes Handschreiben an den Bützower Universitätssenat: ״Friedrich, von Gottes Gnaden, Herzog zu Mecklen- ‘bürg usw. Unseren gnädigsten Gruß zuvor! Ehren werbhe und hochgelehrte liebe Getreue! Auf Euere unterthänigste Imploration verstatten Wir Euch kraft dieses in Gnaden den Candidaten *) Siehe Nr. 13-14 der J. P. Marcus Moses in Doctorem Medicinae zu promoviren und comittieren demnach auch dem Decano facultatis medicinae, ״ Hofrath und Professor Detharding, hiemit!in gnädigstem Befehl, daß Ihr als Pro-Cancellarius ׳bemeldeten Marcus Moses nach vorgängiger Inaugural-Disputation auf ■darauf nach seiner Religion geleistetem Eide, wie es auf anderen Universitäten gebräuchlich, mit einem Anschlag des Diplomatis an’s schwarze Brett, in Doctorem medicinae ,creiren sollet. An dem geschieht Unser gnädigster Wille und Meinung -und Wir verbleiben Euch mit Gnaden gewogen. Datum auf Unserer Vestung Schwerin, den 17. Dezember 1765; Ad mandatum Serenissimi proprium. ׳Herzogi. Mecklenburg zur Regierung verordnet geheimen Rathe C. F. G. ■v. Bassewitz. Den ׳Ehrenvesten und hochgelahrten Unserem lieben getreuen Dekans Seniori und übrigen Professoribus und Doctoribus der medicinischen Fakultät zu Bützow.“ Fünf Wochen später, am 23. Jänner 1766, wurde diesem Erläß zufolge der vor drei Jahren ׳in krankem und erbärmlichen Zustande nach Bützow gekommene Preßburger Ob^rrabbinerssohn in der dortigen Universitätsaula Öffentlich ׳und feierlich zum Dök'tor promiviert, nachdem er seinen Doktoreneid vorher privatim ׳in der Wohnung des Promotörs mit Hm- Weglassung des mit seiner Religion nicht verein- ׳barenden Textteiles abgelegt hatte. Seine damals öffentlich vorgetragene, Dissertation trägt den Titel: Disputatio philologico-Medica inauguralis de ctira niclitung. der städtischen jüdischen Bevölkerung. Nicht nur in Rußland, auch in den an den Wes-tgrenzen Rußlands entstandenen• neuen Staaten wurden die Juden aus ihren wirtschaftlichen Positionen hitiaiisgeVorfen. Es handelt sich hier nicht •um eine vorübergehende Krisis, sbndern um eine historische Tragödie, um drohenden Untergang. Wenn nicht alle Anstrengungen gemacht werden, die •begonnene wirtschaftliche Umschichtung dürchzuführeti, so ist die Existenz von!etwa acht Millionen Juden iri Gefahr. Die Massen müssen, aus tMiproduktiveii Berufen hcrausgezögen und ■in produktive hineingebracht werden. Der Redner .umr.iß das bisher ,auf diesem Gebiete getane Werk und schilderte, was joint, Ica, Ört, Ose, Hias-Emigdirekt und andere Organisationen auf den Gebieten der •jüdischen Kolonisation, der fachlichen Ausbildüng der Jugend, der Vervollkommnung der älteren!Handwerker, der Ueberführung .jüdischer Arbeiter in die Schwer- Industrie Usw. getan haben. Die russische Regierung habe eingeselien, daß den durch die neue Wirtschaftsordnung zugrunde ,gerichteten jüdischen •Massen •dadurch geholfen werden müsse, daß sie neuen Berufen zugeführt werden. Sic stellte Sicdlungsland zur Verfügung und schuf allerlei Erleichterungen für die neuen Siedler. Heute ,leben, die alten Kolonien eingerechnet, etwa 48.000 ׳jüdische Familien mit insgesamt 150.000 Seelen a׳uf dem Lande.!Die Zahl der jüdischen Dörfer, gegenwärtig etwa 300, vermehrt sich von Tag zu Tag. Herr Dr. Kahn schilderte das Leben in •den jüdischen Kolonien und kam auch auf den neuen Plan der russischen Rcgicrungr im Amur-Gebiet eine Großkolonisation für Juden einzuleiten,!zu sprechen. Ich will, sagte er, zu diesem Projekt nicht Stellung •nehmen, aber betonen, ,daß ׳die jüdi־ sehen Organisationen in ihrer Aufbauarbeit in den bisher bearbeiteten Gebieten fortfahren werden, ohne sich durch das neue Projekt stören zu lassen. Der Redner berichtete, daß ,in den Ländern des Ostens 850 Kooperativen bestehen, die eine Viertelmillion Familien mit Kredit stützen. Es bestehen zirka 2000 private Kleiderstoffe, doppeltbreit . 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In deutscher Ue'bersetzung: י Philoiogische-medicmische Inaugural-Dissertation über •die 1bei den alten •Hebräern einst gebräuch-: liehe Pflege der Neugeborenen unter Anwendung der Worte •Ezekie'ls Kap. 16, Vers. 4, welche ׳behufs gesetzlicher Erlangung des Doktorgrades laut Verfügüng der gnädigen medizinischen Fakultät unter dem Vorsitze des Dekans Dr. Georg Christoph Detharding,;Hofrath!Sr. Hoheit des Herzogs von Mecklenburg in ׳der Bützowischen Friedrich-Universität am 23. Januar 1766 vorgetragen wurde. , Diese wissenschaftliche Abhandlung, welche Markus Moses vor der Promotion gegen seinen gegen ׳ihn .designierten Opponenten, •der kein anderer als Tychsen selbst war, erfolgreich verteidigte, erliegt in der Rostoker Universitätsbibliothek und wird dort unter einem mit dem wohl •etwas schwülstigen, aber im klassisch-rabbinischen Stil geschriebenen Pä'negyrikus aulbewahrt, welchen Prof. Tychsen aus diesem Anlasse zu Ehren seines promovierenden jüdischen Freundes abgefaßt hatte, j Der Seltenheit und Kuriosität halber ׳lassen wir denselben hier im Original und in Uebersetzung folgen: ״Doctissimo hujüs dissertationis auctori Doctorando Mordecheo, R. Mosis Lebubh Archisynagogi guondam Posoniensis filio S. p, d. Olono Gerhardus Tychsen.