Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 16 (27.4.1928)
- Date
- 1928-04-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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׳י . Novlnovö vyplatnS povolenö riadit post a telegralov;4, v Bratislave Cis. 41572-III-20. Zeitungen vom Verleger versendet. Journal expddie par l'edltetfr. f.kk JUDBGHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion n. Administration! Wien, II.,Leopoldsgatie 26, 1. Stiege, 1. Stock. - Tel. 45-4-94. Tschechoslowakei t Bratislava, Postfach 140. Incheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: V&r Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise 1 Ganzjährig! Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschecb. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen für Oesterreich! PostsparkdssenamtWien, Konto Nr. 13.45S; Ifir Polen; Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr» 190.409; für Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53,380; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram, Ko.N. 48.317; für die Schweiz! Postscheckkonto Zürich VIII. 4117! für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr, 122.619 Np. 16 [ Wien-Bratislava, 27. April 1928 .ביה וינה־םח1ססגורג ז׳ אייר תרפיה I4njahrg. Der Magen des jüdischen Wien Eine aufsehenerregende Kaschruth-Affaire Energische Maßnahmen der Schiffschul. — Der Firma Eisen u. Hönigsbeer wird die rituelle Aulsicht entzogen. .Wir erhalten vom A d a ß!1 s r 0 e 1 ׳(Schiffschul), Wien׳ ,׳II., Große Schiffgasse 8, folgende Verlautbarung Infolge vorgefallener Unzukömmlichkeiten in bezug auf Kaschruth in der Selchwarenfabrik Eisen und Hönigsbeer, Wien, wurde derselben die rituelle Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Adas Jisroel entzogen. * Eine traurige Sensation hat das ansonsten friedsame Leben der Wiener thoratreuen Judenheit ,unteribrochen. Dienstag voriger Woche war durch Organe der Schiffschul einwandfrei!festgestellt ׳worden, daß in dem Betrieb einer der größten Wiener koscheren Fabriken, nämlich der bisher unter Aufsicht der Adas Jisroel! gestandenen Firma Eisen u. Hönigsbeer, Fleisch in größeren Mengen vorhanden war, das nicht aus den Beständen der von der SchiI f sc h ul iib e r wac h teit F1e tsc hre gien stammte. Ueber d׳le Herkunft ׳und Verwendung dieser Fleischmengen konnten oder wollten weder die Angestellten noch die ׳Inhalber selbst eine einwandfreie, befriedigende Auf- Klärung geben. Die!Anstellung spezieller und ständiger H!a:s ch g a ch a 0 r g׳a׳n e wurde in dem B e t r i e ■b der' Firma mit Rücksicht auf die rituelle Ve r t r a u e n s w ii rd igke i t ihrer lnh a b e r n i c ׳h t für notwendig erachtet. Das Bekanntwerden dieser Tatsaohen, die mangels einer offiziellen Mitteilung seitens der Adas Jisroel — eine etwas umständliche Verlautbarung erfolgte erst Freitag, spät nachmittags — noch, vielfach in ganz unverantwörtlicher Wleise übertriebe n ׳wurden, :hatte eine beispiellose Erregung in allen Schichten der Wiener thoratreuen Judenheit, besonders ■aber in den unmittelbar ׳betroffenen Schiffschulkreisen hervorgemfen. Die Wellen dieser Erregung gingen zuweilen so ׳hoch, daß es nur der Diszipliniertheit der Wie- 11er jüdischen Bevölkerung zu verdanken war, daß an den Firmainha'bern und .an dem Verkaufslokal selbst nicht Lynchjustiz geübt wurde. Bringen doch viele Tau- .sende Juden in Wlien schwere Opfer, um einen einwandfreien, rituellen Haushalt führen zu können ׳und unterziehen sich oft vielen Mühen und Entbehrungen, u׳m nur unter der Aufsicht der ׳Schiffschul hergestellte Ware ׳zu gebrauchen. שרמז כשי (תחת'השגחת הרב ח ישעי פורסט שיפשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroel) U eberall erhältlichl Verfehlungen auf dem Gebiet des Kaschruth sind daher nicht nur als einfacher, aus gewinnsüchtigen Motiven entspringender B e t r u g zu qualifizieren, sondern bilden auch eine schwere Versündigung an den religiösen Gefühlen von Tausenden, die in Wien ausschließlich die. rituellen Einrichtungen der Adas Jisroel in Anspruch nehmen.!Im gegenwärtigen Falle ist der moralische Schaden besonders groß, da sowohl in der österreichischen Provinz wie auch im Ausland e, wo die Erzeugnisse obgenannter Firma mit :Rücksicht auf die Scbiffschulhaschgacha begehrt werden, ein Gefühl der Erbitterung und des M i ß.tr art e ns .auf kommen muß, wenn man sich in den heiligsten ׳Gefühlen betrogen sieht. Wenn es daher .ansonsten vielleicht zu hart wäre, wegen einer wenn , auch längere!Zeit andauernden Verfehlung — soll doch, nach bisher allerdings nicht erwiesenen Gerüchten, die Benützung von ׳nicht unter der ■Aufsicht der Schiffschul stehenden!!Fleisches auf längere!Zeit zuriiekgehen — Menschen auf immer zu ächten und ׳ ihre Existenz zu ruinieren, so muß in diesem Falle mit 'besonderer Strenge vorgegangen werden, da es hier vor allem darum ׳zu tun ist, •durch eine exemplarische Bestrafung schon des ersten Versuches, den Kaschruthwildlingen die ׳Lust zu ihrem unverantwortlichen Treiben, das unter Umständen das Vertrauen in deie iHaschgacha der Schiffschul erschüttern könnte, ׳ein für alle!Male zu nehmen. Die Verlautbarung des Vorstandes der Adas Jisroel, in der er zur allgemeinen (Kenntnis bringt, daß ׳die ״Selchwarenerzeugung und der Selchwarenverkauf der Firma Eisen u. Hönigsbeer, II., Hiadgasse S, nicht mehr der rituellen Aufsicht des ehrw. Rabbinats der Adas Jisroel untersteht“, scheint uns eine geeignete ׳Maßnahme zu sein, ׳um der Welt zu!zeigen, daß, wenn auch ׳wie bei jeder menschlichen Einrichtung auch hier Fehler Vorkommen können, so doch die S c h i ■f f •s c ■h ml i n W״i׳׳e n ׳entschlossen ist, ohne ׳Rücksicht auf ׳Ansehen und Person ihre in schwerer Arbeit von langen Jahren m ׳ii h-, sa in •erworbene e i 11 z i ga r t׳i g e S t e 1111 n g ׳i n b ez u g a u f K a-s c h r• u t h mit starker Hand zu vert e i d i g e n. Dieser betrübende Vorfall hat aber auch deutlich gezeigt, wessen Gewinnsu c 111, N e i d .und r ii c k s i c h t sloser Konlkmrrenzkam p f fähig sind, Rivalen und Gerüchtemacher waren eifrig bestrebt, aus der schmutzigen Aufbauschung der Affäre womöglich viel .Nutzen zu ziehen. Solchen Tendenzen gegenüber kann sich nur ein Haschgachaapparat bewähren, der unter Führung von tatkräftigen, religiös zuverlässigen, aber auch genügend geschulten Männern besteht, die genügend Umsicht besitzen, um selbst die kompliziertesten technischen Vorrichtungen und Herstellungsarten in einer Großstadt überwachen zu können. ׳Hoffentlich wird diese überaus beklagenswerte Verfehlung auch etwas Gutes zeitigen.!Man hat erfreulicherweise konstatieren können, daß die gesamte thoratreue Judenheit in Wien an einem klaglosen Funktionieren der Haschgacha der Adas Jisroel!interessiert ist. Aus der ׳ungeheuren, in Wien fast beispiellosen Erregung, die dieser Vorfall hervorgierufen ׳hat, Heß sich erkennen, daß nebst dem Rabbinat aind Vorstand der Adas Jisroel noch ein wertvoller Faktor zum Schutz einer einwandfreien rituellen Lebensweise vorhanden ist, und das sind die o r t h 0 d 0 x 0 ti Juden selbst. Die spontane, nicht mißzuverstohende Aeußerung dieser einfachen jüdischen Menschen bildete einen erfreuiichen Stützpunkt für das Rabbinat und den Vorstand der Adas Jisroel in den ׳Maßnahmen, in denen der Wille zutage tritt, das wertvolle Gut der Orthodoxie in Wien, das Vertrauen in die Haschgacha der Adas Jisroel zu schützen.!Der bedauerliche Vorfall im Betriebe der Firma Eisen und Hönigsbeer wurde von manchem offenen Feind und geheim e n ■Ö e g 11 e r der Schiffschul benutzt, um gegen dieselbe mit allerlei Winkelzügen eine Vertrauenskrise heraufzubeschwörem Diesem unlauteren Wettbewerb wurde, dank der!festen ׳Haltung der Schiffschul, ein rasches Ende bereitet. Der!Beschluß, die rituelle Aufsicht der kompromittierten!Firma zu entziehen, wurde als eine erJösend'e Tat begrüßt. ]Hoffentlich wird die Adas Jisroel, gestärkt vom Vertrauen der Wiener thoratreuen Judenheit,!Maßnahmen •treffen, ■daß solche Uuzitkömmlichkeiten uns in Hinkunft erspart bleiben. Zentralratstagung der Aguda in Polen Dr. Pinchas Kohn in Warschau. :Soutag, den 2. •Ijar begann die Z e n t r a I r a t s- Tagung der Agudas Jisroel 111 Warschau, die.mit einer Tagung der Jugendorganisationen eingeleitet wurde. Der diesmaligen Zentralratstagang kommt nach den entscheidenden Vorgängen der letzten Zeit in Polen eine große Bedeutung zu. Auch mit Rücksicht auf die bevorstehende KenessioJGe!daulo erwartete man überall mit großem ׳Interesse die Beschlüsse des Vorstandes der größten Landes- Organisation ׳der ,Aguda. Die Bedeutung des Tages wird noch durch die Anwesenheit des Vorsitzenden des Geschäftsführenden ■Ausschusses ׳in Wien. Rabbiner Dr. Rinchas Kohn, unterstrichen. Gleich nach seiner Ankunft erfür die Dame Modenpalais j Julius Krupnik \ Wien, VII., Kaisersirafje 111-113-115 : Telephone 32-4-62, 34-4-29 j Anerkannt größtes Spezialhaus Oesterreichs! 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