Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 13-14 (2.4.1928)
- Date
- 1928-04-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13/14 Seite 93 JÜDISCHE PRESSE reden, in denen die Rabbiner auf •die kardinale Bedeutung des Sabbats für das Judentum bin weisen.!Die ,;Jüdische. Presse“ führt seit Jahr und Tag einen Kampf —׳ wir müssen wehmütig bekennen, einen bisher ergebnislosen ׳Kampf — um die jüdische ()Öffentlichkeit Wiens auf die Wichtigkeit dieses Problems aufmerksam zu machen. Die Ergebnislosigkeit des bisherigen Kampfes kann uns der Verpflichtung nicht entheben, nochmals und nochmals darauf hinzu weisen, daß weder mit der Klage v e rzweifelter Eltern, noch ■mit geistreichen K a n z e 1 p r c d i g t e 11 dieses ii b c r a 11 s ko in p I i- •zierte, mit dem a 11 g e in eine n ■W i r t s c 11 a f t s- .1 eben 0 n g verknüpfte!Problem gelöst werd e n k a n n. Männer der Tat, die selber im praktischen Leben stehen, müßten! an die Schaffung einer modernen, auf der Höhe der Zeit stehenden Sabbathilfe gehen. Als!Rabbi Josef Baumgar teil, dieser zielbewußtc, energische (Führer, vor zwei Jahren• anläßlich eines Tiferes Bachurim-Bankettcs das ungelöste ׳Sabbatproblem zum Thema seiner Festrede machte, da schien cs, als ob endlieh die verantwortlichen Führer •der Wiener Orthodoxie mit Energie au ׳die Lösung dieser lebenswichtigen Frage schreiten würden. Aber auch diese überaus bedeutsame Kundgebung Rabbi Josef Baumgartens blieb nur eine Kundgebung, der keine praktische Tat folgte. Also gehen noch immer viele, leider allzu viele Söhne und Töchter s a!b b a t h a 11 e n d c r Eltern!i n Wien de rn Judentum verlöre n, ׳denn ohne Sabbat gibt es für uns kein Judentum. Es wäre töricht, für dieses'Vorgehen die!jungen Menschen, die!um das tägliehe Brot so schwer kämpfen müssen, allein verantwortlieh zu machen. Ein gut gerütteltes Maß der Schuld trifft auch alle jene Führer des thoratreuen Judentums in Wien, die es unterlassen, alles zu versuchen, was geeignet wäre, wenn auch nur einer kleinen Anzahl jüdischer Menschen den Sabbat zu erhalten. Wir bringen an der Spitze unserer heutigen Ausführungen eine Nachricht, die uns mitteilt, daß in Berlin alle Anstrengungen ■gemacht werden, um ■im Interesse einer gedeihlichen Sabbathilfe alle parteipolitischen Gegenisäfcze, ׳die sonst das thoratreue Judentum zerkltiften, zu überbrücken. •111 Wien halten wir noch nicht so weit. Hier würde es •genügen, wenn das thoratreue Judentum ׳die einzige Schwierigkeit — ihre sträfliche Unbekümmert- Iieit ׳und Nachlässigkeit überwinden könnte. J. Oberrabbiner Koppel Reich, Budapest, 90 Jahre alt. L. P. Der hervorragende Repräsentant des orthodoxen Judentums ui!Ungarn, Oberrabbiner Koppel!R c i c 11, konnte Erew!Rausch Ghaudesch Adar seinen 90. Geburtstag!feiern• Der!greise Oberrabbiner gehört z׳u den ׳markan-* 1 testen Führern des ungarischen religiösen Judentums ■und besitzt eine ■unbestrittene Autorität. ■Oberrabbiner Koppel Reich, •einer altangesehencn Rabbinenfamilie ׳entstammend, ist ein Schüler ■des ״Kesaw S-ofer“ in Preßlburg ׳und zeichriete •sich schon in .seiner ׳Lehrzeit als Talmud ist aus. ׳Er wirkte!zuerst als!Rabbiner von Sobotlsch und Verbo, wo er eine Jeschiwa le'itete, die weithin den Ruf als einer vorziigliohen Thoraleihrnnstalt erlangte. Sein Ruf drang auch weit über die Landcsgrenzcii ׳hinaus und seine Jeschiwa war bald ein vielbesuchtes religiöses Zentrum. Seit Jahrzehnten wirkt Oberrabbiner Koppel Reich an der .orthodoxen jüdischen ׳Gemeinde von!Budapest mit'anerkanntem Erfolg. Das religiöse ׳jüdische!Leben Budapests, Ungarn;überhaupt, hat durch d׳ie reiche Wirksamkeit des Jubilars stärkste Anrcgiiiiig!erfahren und besonders ihm!ist die Erhaltung eines starken Judentums in Ungarn zu verdanken. ׳Nicht nur in jüdischen Kreisen erfreut sich •Oberrabbiner Reich höchster Wertschätzung, ׳sondern auch ganz allgemein. So ernannte ihn schon׳ Kaiser Franz Joseph 1. zum königlichen Rat und als es sich im Jahre 1926 darum handelte, Vertreter des Judentums für das ungarische Oberhaus zu erwählen, konnte ׳es nicht zweifelhaft sein, daß Oberrabbiner Koppel Reich würdig sei, oinen solchen Sitz einzunehmen. Der Ad$l seiner Gesinnung, seine tiefe Religiosität, sein abgeklärtes Wesen machten!ihn zum würdigen Vertreter der ungarischen Juden im Magnatenhausc, in dem er auch an Jahren an erster Stelle •stellt. Der Jubilar stellt der Agiida nahe und ist ׳Mitglied •des Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel-Weltorganisation. •Der Nestor der ungarischen Rahbiner ׳ließ alle seine Söhne, zehn an ׳der Zahl, als orthodoxe Rabbiner ausbilden und ׳selbst seine Schwiegersöhne widmen sich diesem Berufe. Das ganze ungarische Judentum und ׳mit ihm weiteste orthodoxe jüdische Kreise entbieten dom geliebten und gcschätzten religiösen ׳Führer ihre Glückwünsche עמ1ע״ש 01 NACHRICHTEN- |0 Pessach In der ״Einheit‘. Wie alljährlich, •wird auch heuer in der ״Einheit“, •Verein zur Errichtung und Erhaltung von VoiksspeilcIhaHen׳; und ׳M‘ittelstandskiichen, Wiien, <IL, (Mailzgasse 12, .während ganz Pessach sowohl mittags ׳als auch •abends •gutes ׳und billiges Essen verabreicht. Auch wird in allen Abteilungen an!beiden Sederabenden an ׳allen Tischen in gewohnter Weise Seder gegeben. Die XIV. ordentliche Generalversammlung der ״Einheit־“, Verein zur Errichtung und ׳Erhaltung von Volksspcischallen lind Mittelstandskiichen, Wien, II.. Malzgasse Nr. 12, findet am Montag den 16. April 1928, halb• 8 Uhr abends, im I. Stock des Vereines (Mittelstandssp'eisesaao Die Jeschiwa der israelitischen Reügionsgesellschaft Frankfurt am Alain* im zurückliegenden Wintersemester wurde die Jeschiwa der israelitischen Religionsgesellschaft Frankfurt am Main von 70 Hörern besucht, die vorwiegend westeuropäischen Kreisen entstammen. Die Jeschiwa hat demnach in diesem Semester gezeigt, daß sie es in zunehmendem Maße versteht, dem im Westen erwachten' Geist der Selbstbesinnung, der sich in dem erfreulichen■ Streben unserer Jugend nach Wissen und Ertüchtigung für ihren jüdischen Lebensberuf kund tut, Rechnung zu tragen. In. fünf Gruppen wurden die Schüler je nach Vor-: kenntnissen und Begabung, vor allem in das Quellen-, Studium des Talmud eingeführt, beziehungsweise in diesem Studium weiter ertüchtigt. Die Hörer bestanden aus von der Volks- und Realschule Entlassenen, die, ehe sie sich dem geschäftlichen■ Beruf zuwenden, ihr jüdisches Wissen vertiefen wollen, Abiturienten von Vollanstalten״ die, ehe sie das Universitätsstudium ergreifen, das intensive Studium unserer heiligen Wissenschaft als selbstverständliehe Pflicht erkennen, seminaristischen Lehrern, die 1u dem Jeschiwabesuch eine von der' Notwendigkeit eingegebene dringende Vorbereitung für ihren künftigen Beruf erblicken, künftigen Schochtim, die in Verbindung mit der, an der Jeschiwa sich ihnen bietenden theoretischen Ertüchtigung hier gleichzeitig! .ihre praktische!! Schulung finden. Neben diesen ordentlichen Hörern״war die Jeschiwa bemüht:,! auch außerordentlichen Hörern (Studenten der Universität) die Segnungen der Jeschiwa zuteil werden lassen. Neben den talmudischen Vorlesungen und den Uebungen in Codices umfaßte der Lehrplan Vorlesungen über Tenach, ,;Exegese, hebräische Grammatik und jüdische Geschichte, ln begrenztem Maße wurde durch Unterricht in profanen Lehrgegenständen der Fortbildung und vor allem dem künftigen geschäftlichen Beruf Rechnung getragen. Das Semester schließt offiziell am 22. März (1. Nissan) mit dem großen, ״Verhör“ (jedoch werden die Vorlesungen zum große!} Teil bis eine Woche vor Pessach fortgesetzt). Das Sonimersemester beginnt am 18. April (20. Nissan) mit der Prüfung der Neueintretenden. Anmeldungen für das kommende Semester sind (vor allem mit Hinblick auf die zu gewährenden Stipendien) möglichst bald an Herrn Dr. Joseph Breuer (Frankfurt am Main, Rückertstraße 50), zu richten. *־Tür die Osterspeisen kann jeder Strenggläubige ohne Bedenken Kunerol verwenden. Die KunerohErzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Naturfettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL, 100% REINES KOKOSNUSSFETT Annahme des Numerus clausus für Schächttiere durch den preußischen Landtag. Der preußische Landtag hat heute den Beschluß des landwirtschaftlichen Ausschußes vom 16. März bezüglich des Schlichtens unter Streichung des letzten Punktes betreffend das elektrische Verfahren angenommen.׳• Der Beschluß lautet: Das Staatsministeriiini wird ersucht, geeignete Maßnahmen zu treffen, daß 1. das Schlachten von Tieren durch das rituelle Schächten nicht über den Bedarf der jüdischen Bevölkerung an geschachteten! Fleisch hinaus erfolgt und das Verbot des wilden Schlichtens streng durchgeführt wird; 2. das, Schachteil ordnungsgemäß uisgeführt, ferner bei der Vorbereitung, des Schlichtens, insbesondere bei der Niederlegung des Tieres, Vorkehrungen getroffen werden, die geeignet sind, die Schlachttiere vor unnötigen Aengstigungen und Schmerzen zu schützen; 3. beim Schlachten überhaupt die vorhandcnen technischen Verbesserungen in humanitärer Hinsicht angewandt lind alle Roheiten verhindert werden. Das Schächten bleibt somit für den jüdischen Bedarf gestatte)t. Antireligiöse Propaganda aus Anlaß des Pessachfestes. (J. T. A.) •Den Mitglieder.11 des jimgkommuiiistischen Verbandes in Weißrußland, die Juden sind, ist cs verboten worden, an der traditionellen Fieier des Pessac'lffestes teilznnehiiieii. Sie sind angewiesen worden, •in den Sedernächten in ihren Klubs zu!weilen, ׳utn sich so der Teilnahme an der Sedertafei zu entziehen. Härten des neuen Kultusgesetzes in Rumänien. (J. T. •A.) Die jüdischen Deputierten und ׳Senatoren Doktor. Fiklernjanii, Dr. Strauche!־, Dr. Nicm:irowe׳r. Dr. Weiße'!- berger, Horia: Carp ׳und. Eli Bercovici hatten eine mehrständige Unterredung mit ׳dem Kultusminister Lapedätai, in ׳deren Verlauf sie auf eine Reihe von!Här ten, die der ■•Gesetzentwurf über ■den Kultus ׳in Rumänien speziell .für die jüdische Religionsiibimg enthält, hinwiesen 11114 entsprechende ׳Abänideriiing verlangten.!Der Kultusminister •gab die Berechtiigiunig der!Forderungen •der jüdischen; Vertreter . zu •und versprach, ihnen Rechrumig zu tragen. Die jüdischen Parlamentarier ,gewannen dem bestimmten Eindruck, daß der Minister willens sei, wichtige ׳Zugeständnisse dem jiiö'isehen Kultus;zu!machen. Oraer>A׳ktion. (J. U.) Die Leitung der Jugeiidorganisation der Agudas Jisrocl veranstaltet in •der diesmaligen Sefirohzeit eine Aktion, ■um die Mittel zur Durchführung der Beschlüsse des Bundestages aufzubringen. Sie veraiisgabt zu diesem Zweake sieben ״Omer-Taschen“. Jeder Empfänger dieser Taschen (auf ׳jeder Tasche befindet sich für •die betreffende Woche eine Omer-Tabeile) legt täglich an diesem zeitgenössischen Bericht unaufgeklärt. Sicher ist nur, ׳daß •die Familie Schlesinger den Türkenkriegen zu verdanken hat, wenn ihr Ahn Mordechai (Marx) ein Märtyrer (קדוש) genannt werden kann und sein Grab niemand kennt. Moses &K97 <י’ו . ׳lm Rahmen einer vom!Münchener Verlag •Georg Müller edierten, ״Religio“׳ betitelten Serie über religiöse Gestalten und Strömungen übergibt!Uriel Birnbaum seinen ״!Moses“ •der Oefrentlichkeit. Der Verfasser stellt gleich am Anfang seiner Schrift die Behauptung auf, daß die großen Menschen es sind(, die der Menschheit ihren Wert geben. Religiöse Bewegungen aber zwingen geradezu zur Voraussetzung großer Einzelpersönlichkeiten. Birnbaum stellt sich so in; be־; wußten Gegensatz zu den oft angewandten Theorien der, Wissenschaft, die ״die Volksmasse als Trägerin der Ent־■ wieklung preist“. Für seine Auffassung führt Birnbaum nur Gefühlsmomente anstatt tatsächlicher Beweise an: weil das Leben eines Volkes im wesentlichen ״m den Niederungen über sich selbst ganz unwissenden Scheinbewußtseins, ausgefüllt mit wichtigtuerischen Zwecklosigkeiten verläuft. Dem großen Menschen aber bleibt Ziel und Zweck seiner selbst, seines Volkes, der Welt, immerdar voll bewußt.“ Wir brauchen Birnbaum gar keinen fremden Gegenbeweis für die Anfechtbarkeit seiner Anschauung anzuführen; er selbst sagt uns später, daß es! einem Führer, der mit großen Energien. und Geistesgaber* ausgestattet ist, möglich sein kann, maßgebenden und schöpferischen Einfluß auf das Volk auszuüben, daß letzten Endes aber der Volkswille und die Energien, die im Volke ruhen, es sind(, die das Volk seine eigenen Wege gehei} lassen. Als treffendes Beispiel hiefür führt Birnbaum das jüdische Volk an, das, sich zusammensetzend aus wilden׳ Bauern, sich allmählich zur Stufe einer Geistigkeit emporringt, die weit über derjenigen irgend eines anderen Volkes seiner Zeit Hegt. Wenn Birnbaum selbst als grundsätzliches Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Gesetze Israels und anderen Gesetzen behauptet, daß Israels Lehrd sich von der. anderer Völker durch ״die sittliche Begrün-, düng“ unterscheidet, so hat er wohl damit bewiesen, daß für den Werdegang des jüdischen Volkes nicht seine! Führer ausschlaggebend waren, sondern der Leitfaden seiner Erziehung, die Thora. Auch der genialste und eigenwilligste׳ Führer dieses Volkes hat immer nur nach dem Diktat eines Höheren handeln können. Es ist schwer, über Birnbaums Studie ein kritisches Urteil zu fällen. Mit den Augen des in der Tradition ver-! ankerten Juden gesehen, bietet die Schrift eine ganze Reihe anfechtbaren. Stellen. Grundsätzlich versucht der Verfasser zwar ein Bild von der Person Mosis ztr. entwerfen unter Zugrundelegung der uns gegebenen historischen Tatsachen. Es gelingt ihm sogar, an zahlreichen Stellen für verschiedene Handlungen Mosis die gleichen Erklärungen zu geben, wie, sie uns in Gemoroh und Midrasch überliefert sind. Trotzv dem scheint es uns, daß Birnbaum diese Kommentare im Urtext nicht gelesen hat. Daher ist es auch erklärlich,• daß er oft Deutungen gibt, die geradezu im Widerspruch mit der traditionellen Auffassung stehen. Nur so können wir es begreifen, wenn Birnbaum bei der Begegnung. G-ttes mit Moses in der Herberge davon spricht, daß die Ursache, warum G־tt Moses töten wollte, •unklar bleibt. Nur so können wir es erklären, wieso Birnbaum die! אשר! כושית nicht mit Zippora. identifiziert, sondern Moses ein anderes Vergehen, dessentwegen ihn Aron und Mirjam kränken, unterstellt. אש ה כוש ית heißt nicht eine Frau aus Kusch, was tatsächlich Aethiopien und nicht Midjan wäre, sondern eine Schwarze, das heißt fremde; geistig nicht kongeniale Frau. Als Beweis hiefür darf wohl auf die Zitate Psalmen vn שגיון לדוד אשר שר לד על דברי כוש בן ימיני verwiesen werden. Dort bezeichnet das Wort (vergl. Hirsch zur Stelle) Kusch die ״ganze Tiefe des Gegensatzes, welchen Sauls Hand«( lungsweise zu dem an den Tag legte, was von dinem; בן ימיני vom Sohn eines jüdischen Stammes zu erwarten gewesen wäre. Ein weiterer Beleg ist Arnos IX הלא כבני כושיים את□ לי Dort bezeichnet כושיים die allerletzter! und tiefstehenden Menschengeschlechter unter den Völkern. Ein kritisches Wort ferner über die Auffassung Birnbaums über Prophetie und Wunder. Für Birnbaum gibt es auf Grund seiner Forschung keine Auseinandersetzung über den G־ttesbegriff und die Prophetie. Sie sind für ihn D o g m a. Für uns sind diese Kriterien O 1 aub enssa che, weil sie da beginnen, wo unser Denken aufhört. Nur aus diesem Grunde haben wir uns nicht über den Materialisten und G-ttcszweiflern auseinanderzusetzen. Der Forscher Birnbäum muß sich Angriffe der Wissenschaft gegen sein Forschungssystem gefallen lassen. Ob seine Mittel zur Abwehr ausreichen, scheint uns fraglich. Einen der Vorstöße der Bibelkritik, daß der Wechsel des G-ttesnamens in der Thora auf verschiedene Redaktoren schließen läßt, als! Lächerlichkeit der Methode zu kennzeichnen, dürfte kaum angebracht sein. Man kann diese Methode entweder ablehnen oder aber muß sie wissenschaftlich entkräften!. Birnbaum geht in der Charakteristik Mosis folgerichtig den ־ Weg. den unsereeThora bei Erzählung des Werdeganges! und der Schicksale unserer Väter genommen hat. Sie׳ hat uns in unseren Stammvätern alles andere denn überirdische Wesen hingestellt. Sie hat sie uns als Menschen mit all ihren Fehlern und Schwächen aufgezeigt, damit sie uns in der Beurteilung in Lohn und Strafe für ihre; Taten als eherne Beispiele: gelten mögen. So schildert! uns der Verfasser Moses als, einen rohen und ungebärdigen Hirtenknaben, voll urwüchsiger Naturinstinkte, mild und jähzornig, gutmütig und hprt, Kontraste, die bei ungebildeten und unerzogenen Menschen sich je nach der Stimmung in disharmonischer Weise zeigen. Die ersten Begriffe eines höfischen und gesitteten Lebens empfängt der Knabe am ägyptischen Königshofe. Aber sein Naturtrieb bricht durch, er entflieht. Er fühlt sich viel wöhleri im Hause des Bauernpriesters Jitro, bei dem er sich nicht die Fesseln höfischer Sitten anzulegen braucht. Einschneidend für seinen künftigen Lebens'gang ist erst die B e-i gegnung mit G-tt im Dornbusch. Hier werden zum erstenmal neue, bisher brachgelegene Kräfte in Moses geweckt; es ist die beginnende Ahnung eines höheren , Wesens in der Natur. Mit diesem erwachenden Glauben! vereint sich das Gewissen, das ja nichts anderes ist wie Religion selbst. In meisterhafter Form schildert uns Birnbaum die innere Bewegung, die Moses zur Befreiung seines Volkes! ,treibt. Es ist nicht allein das Diktat G־ttes, sondern auch' das Verantwortungsgefühl für Menschen, in denen’ gleiches Blut rollt wie in seinen Adern. Packend wird Birnbaums Sprache, wenn er von dem Höhepunkt der Wirksamkeit Mosis spricht, als er am Berge Sinai im Aufträge Gottes; seinem Volke von dem Geiste mitteilen darf, von dem er ein Ahnen im brennenden Dornbusch empfangen hat. Hier wird einem Volke mit den majestetischen- Worten des ersten der Zehnworte: ״Ich bin' der Ewige, "dein G-tt der dich aus Aegypten geführt hat, dem Lande der Knechtschaft“ die sittliche Begründung seiner Volkswerdung zum