Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 13-14 (2.4.1928)
- Date
- 1928-04-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 90 JÜDISCHE PRESSE »׳**•*»*« <«,■■.«. .- ׳;•-«- Nr. 13/14 Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Seck 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in .•MtrsUM■ ~ ״. HABfR MMe p• »1M1r»*>,’*>l’W!*SP» MH 183 Liebe Frau l Wolleft Sie eine schöne, moderne und dauerhafte Perücke zu den denkbar billigsten Preisen haben, so kommen Sie qnd überzeugen Sie sich. (f מ;!׳ fiür ־?>! Wien, 4. iezirk, Su(Htau^stra|)e 26 ייTelephon 54־״' .8-79־ ans nicht blindlings Ihr Vertrauen, sondern' überzeugen Sie sich durch einen unverbindlichen Besuch' von der reellen und ungewöhnlichen Kleiderstoffe, doppeübrelt . S 1,90 KostUmsSqjFfe, 140 breit S 9.90 Rips-Faponß, alle Farben . . S £90 Kleider-Rips, doppeltbreit. . S 4.90 Wipcord für Fierrenanzüge . S 14.90 Kasha für Kleider . . . S 2.90 Schotten und Pepita, dpplbrt.. 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Also auch damit hätte die g-ttllche Verheißung ihre Erfüllung gefunden! ׳Vielleicht ist folgender Gedankengang geeignet, diesen dujiklen ^usspruch unsejej4 ^ef|Jri וון 'erh^|||i. ״ "Wenn׳ unsere Ahnen in" Mizräfin zum ersten Male urts '!»pd 9s: ׳tfKw :11« r >1^ {wau: rez jisroeis bei ihnen erweckte, fßi . , 1> Dt , , . •V.CC4x,M endlich sächlich darum zii tun, den .physischen und psychischen Druck loszuwerden. ׳]Es war ihnen ja Nizraim nur ,darum ein!Gegenstand der Klage und des Abscheues geworden, weil sie dort die ursprünglichen reichen Triften iGoschens und die ' Unabhängigkeit ihrer landwirtschaftlichen Beschäftigung in!Goschen mit der Ziegelbrennerfron in Aegypten zu vertauschen gezwungen wajrep. $/aren sie noch reich und frei in .Gpschen gewesen, so hätten sie in diesen 210 Jahren ihres Aufenthaltes wohl keinerlei Sehnsucht nach' Aenderung ihrer ■Läge verspürt. Es lag daher die unendlich große Gefahr vor, daß die Juden selber ihren Auszug aus Mizraim mißverstehen würden und nichts davon ahnen'würden, daß, wenn der Allmächtige sie!bloß aus der Knechtschaft erretten wollte, sie ja ruhig in Aegypten bleiben konnten. Der Geist der 'Unreinheit und ■der ägyptischen Unkultur aber war ja dasjenige, was in Wahrheit die ■Veranlassung zu ihrem Wegzug aus!Mizraim bildete. War ja nach der Ansicht unserer Weisen bereits das jüdische Volk in 49 Stufen der Unreinheit derartig verstinken, daß nur schleunigstes Vertriebenwerden ,von Mizraim sie noch davor bewahren konnte, rettungslos der ägyptischen Atmosphäre der Turnmo zum!Opfer zu fallen. Wären die Juden so, wie sie aus Aegyipten gekommen waren, nach Erez Jisroei gekommen, dann wäre Erez Jisroei lediglich eine Heimstätte für das ׳jüdische Volk geworden, in der sie selbst nichtsals ein ,Land erblickt hätten, dessen Besitz ihnen die nämliche Entvyicklungsmöglichkeit wie Aegyten den Aegypteni verlieh. Dann hätten sie auch in Goschen bleiben können. Daß aber der Wieg von Aegypten über den Sinai führt, daß Erez Jisroei ihnen nicht in erster Linie materielle, sondern ideelle Leibeusmöglichkeiten gewähren sollte, das mußte schon mit aller Deutlichkeit in dem Moment, da sie ‘Mizraim verließen, angedeutet werden. , Unsere Weisen berichten, daß die Aegypter, als sie von Juden um silberne und goldene Geräte angegangen wurden, sagten, sie hätten!kein Silber und Gold. ׳Die Juden aber zeigten ihnen die Verstecke, die während der drei Tage der Finsternis yon.den Juden gesehen wurden, in welche die Aegypter :Ihre!Kostbarkeiten verborgen hatten. Da waren die Aegypter derartig erstaunt und überwältigt von der!Ehrlichkeit der Juden, welche sie daran gehindert hatte, während dieser drei Tage der Finsternis die Kostbarkeiten an sich zu ■nehmen, daß sie dann gern und freiwillig der Bitte willfahrten. Es hatten also vor dem Auszug aus ׳Aegypten die Juden materielle Wlerte, ija, sie hatten sich sogar Sympathien bei den Aegyptern errungen und trotz d,es G bl des und trotz der Sympathien verlangte Mose heim!Namen G־ttes den Auszug aus Aegypten. In diesem Augenblicke erkannten die Juden, daß nicht der Mangel an Geld und nicht der Mangel an Sympathien anderswo die Veranlassung zum Einzug ins jüdische!Land darstellen. Den Juden der damaligen ׳Generation wäre es sonst gar nicht zum Bewußtsein gekommen, welcher Unterschied in einem Fortgehen von Mizraim aus materiellen oder ideellen Motiven HegtT Aber unser ׳Vater hätte mit Wort net;m. »«JiH, viuuu ..—.. verwirklicht hätte: tiAV MU,־Si <1au . ... 1§״e werden f 0 jr t g e Jj e n m 11 y e r m 01 e n. Vielleicht"dürite ■dieses'der Sinn jenes ׳Abschnittes in , T,ין>- ,י"־־'׳ י v: ׳Tie;• «cs ,1 m.-j ״jene Anse; . ff?*1״» mmm: Mvnlm 1er **־ läff?‘ W ™'f .?eifh? v?mecM• # *s? m$i!pzu ₪mmk *!? ,״׳»msts? s» 1?!?sie l?Pd ״jf,akauw.‘1 '.ברוך שוטר הבטוזחי לישראל HaJiJjj Meirfluj) ßj.0feW,1isr.9?trÄ!y.er Raזצ״ל ״ Noch ist die* dreißigtägige Trauer über das Hinscheiden des großen Gaon und GhassMim-Rabbi Meir Jeohiel Ostrowcer nicht zu Ende, da hat das polnische thoratreue Judentum und mit ihm die jüdische Gesamtheit einen zweiten herben Verlust zu beklagen. Rabbi Meir Don iRlotzki, der Ostrower Raw, ist noch in yerh.ältnismäß'ig jungem Alter von 61 Jahren infolge einer ׳Lungenentzündüng Montag, den 5. Nissan, abends in ein'Besseres Jenseits abberufen worden. ׳Ra!bbi Meir!Don iPlobzki gehörte zu den Koryphäen des polnischen Rabbinerstandes Sowohl als Gaon wie als Verfasser von vielen berühmten ׳haiachischen Werken genoß er die höchste Achtung in allen (Kreisen, wohin sein!Ruf drang. Der Verblichene >yar ein Schüler des Sochaczower Rebben s. z. 1., bei dem er bi׳s zu seiner Verheiratung verblieb. Auch war er Schüler des!Kalischer Raw, des Verfassers des berühmten Werkes ״Nefesch Chaj‘, und des Rabbi Scihijele, des ׳Kuttnaer ׳Raw. Mit 15 Jahren heiratete der begabte iBachur :in Dwo.rt, wo er!in ^seinem 25. Jahre zum Rabbiner gewählt wurde. ׳In Dwort wirkte er 28 Jahre hindurch, dann kam er nach Ostrow, wo er bis zu seiner Uebersiedlung nach Warschau, die vor •zwei Jahren erfolgte, verblieb.!Rabbi Meir Don Plotzki ragte nebst seinem großen Wissen auch als ein Mann mit klarem Verständnis für die Notwendigkeit der Zeit hervor. Er war einer der Initiatoren des polnischen R a b :b i n e r v e r b a n d e s, zu dessen Präsidium er gehörte. Auch nahm er!hervorragenden Anteil an der Gründüng ׳und Leitung der großen Jschiwah, Messiwta gen-annt,;in Warschau. Im Interesse dieser Anstalt war Rabbi Don Plotzki zweimal nach Amerika gefahren, um die materiellen Mittel für die Erhaltung dieser 500 Schüler zählenden ׳Lehranstalt aufzubringen. In Amerika wurde der Gaon nach Gebühr gewürdigt, und es wurde ihm durch Bereitstellung der materiellen Mittel ermöglicht, daß er in der letzten Zeit seines Lebens sich ganz den Lernvorträgen an der Messiwta widmen konnte. Leider sind die großen Hoffnungen, die man an sein Wirken an der!Messiwta geknüpft!hat, durch seinen frühen Tod jäh geknickt worden. Auch die A'gudas Jisroei verliert an ihm einen ׳ihrer yerstän!d׳nisyp׳llsten)!Führer und!Förderer.!Ralbibi :Meir iDon Plotzki war Mitglied des rabbinischen Rates!der Agudas Jisroei und nahm an!der Entwicklung ■der polnischen Organisation wie auch an ׳den ׳Geschehnissen der Gesamt- ׳a-guida lebhaften Anteil. ׳Als Teilnehmer der ersten ׳Kenessio der Aiguda in Wien hat er Gelegenheit gehabt, mit den Führern des thoratreuen Judentums aus der ganzen Welt!in nähere Berührung zu kommen, ׳die alle unter dem!Eindruck seiner das ganze talmudische Gebiet umfassenden profunden jüdischen ׳Bildung ׳und seines durchdringenden Verstandes standen. Seine!Bestattung fand ,Dienstag, •den 6. Nissan in Warschau statt. Er wurde neben dem Grabe seines Vaters in Warschau bestattet. ,זכר צדיק לבהכד r+T »ך \«;יר-ל? דדי, י■ י rn t״r; -■,״ ״. \ u 1 r Med. Doctor Markus Moses, Sohn des Pf^ßl^ger pbejrpbbiners R. Moscho Charlf, praktischer Arz| in Deutschland. 1766 bis 1786. Eine Lebensskizze von Derntyard Mandl, Budapest. (Fortsetztmg.) Sorgenlos konnte nun Markus Moses seinen Universitätsstüdhsn obliegen, denn die!Butzower Juden sorgten — wie es in der Biographie des Aron Siegelgraveur rührend zu lesen ׳ist — in herzlich wärmer Weise für sein Auskommen. Sein größter [Wohltäter, R. Aron, gab!ihm Quartier, ׳Beheizung •und Beleuchtung, die anderen versorgten ihn mit Kost und wöchentlichem Taschengeld 1)׳ Taler und 16 Schilling); ׳die Frauen hingegen sorgten für seine Kleidung. Noch waren die ,vier Wochen für die erbetenen Gratiskpllegien nicht abgölaufen und Markus Moses hatte das Wohlwollen seiner!Professoren für sich schön so;sehr •gewonnen, daß Prof. Detharding, der Dekan der medizinischen Fakultät, ׳um Aron schickte und ihm auch dm Namen seines Kollegen Prof. Scharschmied sägte, es wäre Schade, wenri die Juden .Markus, ׳der ״ein sehr geschickter Student ist“, nicht zweiter in. Bützow behalten wollten, ״denn er würde hier in einem Jahre so viel profitieren, wie manche Studenten nicht in vier Jahren“.*) So"!konnte ׳Markus an der Universität ruhig weiter studieren und sich die Neigung und Achtüng ׳aller seiner Professoren ׳erwerben. Prof. Doktor Detharding nahm ihn zu seinen Patienten mit, wenn er an ihnen einen besonders lehrreichen Fall demön- *) S. Aren Isaks Selbstblographie a. a, O. strieren konnte, und kaum war'Märküs eiheinhälb Jahre an der Universität, als er, schön den Ruf eines geschickten Arztes genießend, von den christlichen Bürgern der!Stadt um ärztlichen R׳at angegangen wurde, und ׳da er mit seinen Küren auch Glück hatte, sogar von den Bauern der Umgebung aufgesucht wurde. Doch nicht nur Detharding, sondern auch ein anderer Professor der dortigen Universität: Olauf Gerhard Tychsen**) war es, der ׳den!Preßburger jüdischen Studenten!einer ׳auffallenden und — wie wir später sehen werden — etwas verdächtigen Protektion teilhaftig werden ließ. Mit ostentativer Freundschaft zog er ihn an sich, :lenkte seine geistigen, seelischen und materiellen Verhältnisse. Tychpn war als Professor unstreitig ein guter’Lehrer, als 'Qrieptalisf und iHebfäist •ein •berühmter Gelehrter, als!gläubiger Evangele aber zumindest ein kurioser Protestant. Er hatte es sich in den Kopf gesetzt, die Juden zu seiner Religion zu bekehren und diese fixe Idee blieb bis zu seinem Ende sein süßester Wahn. Darin bestärkte ׳ihn auch seine pbstruse und auch öffentlich dokumentierte Ueberzeugung, daß der Jude ׳durch Annahme der christlichen Taufe gar nicht aufhöre, Jude zu sein, denn aus dem Judentum aüstreten heißt, nach ihm, soviel wie Atheist oder Heide werden, und die altjüdische Religion zerfällt nach seiner Lehre nur in die folgenden dre! Religioneij: christliche,!karätische und rabbinische.*) Da hier von Tychseris rabbinischer Gelehrsam־ keit die Rede sein muß, ist es gewiß nicht überflüssig, *) Vergl. Geiger, Zeitschrift für ׳die Geschichte der Juden1, XII. B., S. 206, **) In der deutschen Ausgabe der ursprünglich ln hebräischer .Kurrentschrift abgefaßten!Selbstbiögräphie Aron Isaks figuriert Tychsen! unter dem verstümmelten Namen׳: *,Tetting“, uns zuerst‘ mit ׳der Provenienz von seiner räfibbinisehen Wissenschaft und mit seinen Anfangsbeziehungen zu Juden etwas näher zu befassen. In dem holsteinischen Tondern geboren, machte Tychsen seine Miitelschulstudien am Gymnasium in der damals noch •zu ׳Dänemark gehörenden Stadt Altona, welches gerade um jene Zeit der Schauplatz eines stark pulsierenden jüdischen Lebens und reger r4׳bibinischer Gelehrsamkeit war, die von dem dört residierenden berühmten ■ Oberrabbiner . Jonathan!Eibenschützer ausging. Tychsen ׳bewegte sich mit großer Vorliebe zwischen den Altona’er Juden, eign׳ete sich ihren Jargon vollständig an und begann gleichzeitig sich mit der hebräischen Sprache zu ׳befassen. Später drängte ihn ein innerer Trieb auch dem talmudischen und rabbinischen Wissen zu, welchen Trieb er angeblich in: der Jeschiba des Räbbi Jonathan ׳Eibenschützer, dessen Vorträge er anhörte, zu befriedigen suchte.*) Nach Absolvierung seiner Altonaer Gymnasialstudien ging er nach Halle und befaßte sich an der dortigen Universität vornehmlich mit Qriehtalia und rabbinischen Studien. In letzterer Wissenschaft brachte er es zu solcher Fertigkeit, ׳daß der gelehrte Rabbiner Lipschütz (Kirchheim) ihm als Anerkennung den Chawertitel gab. Mit dem Rüstzeug jüdischer Gelehrsamkeit nun vefs^hen/begann Tychsen seinen Bekehrüngsfejdzüg unter den Juden. In seinem Missionseifer durchzog er Deutschland, wobei er abermals naqji Altona kähf. Dort hielt er in einer Synagoge ׳eine Ansprache, ׳aus der die Juden gleich seine Bekehrungsabsichten merkten, worauf es ׳dort zu Skandalszenen gekommen sein soll.**) Als bald darauf, im Jahre 1760, Friedrich ׳Herzog von Mecklenburg in Bützow eine Universität grün- *) Ver׳gl. Donath a. a. O. 144. **) Vergl. Donath a. a. O. 144.