Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 39 (12.10.1928)
- Date
- 1928-10-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2629891-2630244-2630282--3108-2634847- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
NovIöovS vtfplatne povolenö riadit post a telegrafov ▼ Bratislava Öls» 41572-III-20. Zeitungen vom Verleger versandet. Journal expfidie par Tediteur. v.ka. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion a. Administration t Wien, 1L,Leopoldsgasee 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. R 45-4-94. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. 8rscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: FSr Artikel Sonntag, Ifir Nachrichten Montag. Abonnementspreisei Ganzjährigj Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland S Dollar. i Zahlnngea für Oesterreich! Postsparbassenamt Wien, Konto Nr. 13.45S; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei! Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53,386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram, Ko, N. 46.317; für die Schweiz! Postscheckkonto Zürich VIII. 4117; für Dentschland! Postscheckkonto Berlin Nr» 122.619; Nr. 39 Wien-Bratislava, 12. Oktober 1928 ,ב*ד, דנזד«ר?סס3ומ כ״דו תשרי תו8יט 14« Jahrg. Auf zur Neues Leben Frankfurt a. M. (J. U.) Unter dem Vorsitze von Herrn Jakob Rosenheim (Frankfurt) fanden am 3. Oktober eingehende Beratungen des Geschäftsführenden Aus- Schusses der Agudas Jisroel statt. Neben den Frankfurter Mitgliedern nahmen noch die Herren C11, E i ß (Zürich). Konsul Sally G u gg e n h e i m (Altschvvyl) und Stadtrat T r 0 kk e 11 h e i m (Warschau), sowie drei Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der agudistischen Jugendverbände unter Führung von Herrn Dr. Willy Hof mann (Frankfurt) teil. Die Beschlüsse der Berliner Elultagung der agudistischen Jugendverbände waren Gegenstand der Besprechungen und wurde mit ihrer Durchführung eine aus Vertretern des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Jisroel und der agudistischen Jugeudverbände unter Vorsitz von Herrn Leo Wreschner (Frankfurt) betraut. Die Herbstfeiertage sind vorüber. Feiertage, die einen jeden gläubigen Juden innerlich tiefst aufwühlen und ihn zur Erstellung einer moralischen Bilamz zwingen. Auch die Führer der Agudas Jisroel haben sicherlich in den Tagen der Buße und Besserung ihr ״Al Cliet“ gesprochen. ״Al Oh et“ über die Sünden einer in beschämender Untätigkeit verbrachten langen Periode, denn der Sommerschlaf war nur die Fortsetzung eines Winters, der ebenfalls durch vollkommene Untätigkeit charakterisiert war. Und in diesem Sommer hätte, wenn d i e b e i der ersten K ׳e n e s s i 0 feierlich beschlossene Verfassung ernst genommen worden wäre, die zweite Kenessio stat'tfin'den sollen. Aber noch viel mehr als die Abhaltung dieser Kenessio wurde versäumt.!Die mit so großem Schwung in Angriff genommene Erez Jisroel-Arbeit der Aguda erlahmte allzu rasch und die Anstrengungen der ׳Pa* lästinazentrale reichten im letzten Jahre kaum aus, um das religiöse Schulwerk in Erez Jisroel kümmerlieh über Wasser zu halten. Keren H a t h 0 r a, diese große Hoffnung der ersten Kenessio nach Wiederbelebung und Festigung der großen Jeschiboth und Thoralehranstalten verflüchtigte sich allmählich und nur der dank den Anstrengungen des Petrikauer Raws, Oberrabbiner S c h a p i r a, unter Dach und Fach gebrachte prachtvolle Bau der L u b 1 i n e r J e s c ׳h i w a h, nebst dem Aufblühen der Beth Jaakob Mädchenschulorganisation in Polen, ist das einzige Denkmal einer Begeisterung, die den Anbruch einer besseren, auf breite Volksschichten sich ausdehnenden religiösen Blüteperiode verhieß. Die Lichtpunkte dieser Periode, so der erfolgreiche Kampf um das Gemeindegesetz in Erez Israel, sowie der für die Agüda günstige Ausgang der G emeindewählen in Polen dürfen nicht über die schlimme Finanzwirtschaft und über die Lockerung des organisatorischen Gefüges der Aguda hinwegtäuschen. Die Frankfurter Rabbinerwahl, eine an und für! in der Aguda. sich sicherlich sehr bedeutungsvolle, aber keineswegs als Weltproblem aufzufassende Angelegenheit, war imstande, eines der wichtigsten Zentralorgane der Aguda, den Geschäftsausschuß in Frankfurt a. M fast zwei Jahre hindurch arbeitsunfähig zu machen. Die allgemeine wirtschaftliche Depression mußte jeden Versuch einer Sanierung der Finanzen schon im vorhinein als aussichtslos gestalten. Und Agudas Jisroel wurde auf eine erschreckend tiefe Stufe hinuntergewirtschaftet. Nu« scheint der Tiefpunkt der Depression überwunden zu sein. Dr. Isaak B r e u e r, diese glänzende Begabung, ist aus allen zentralen Körperschaften der Agudas Jisroel ausgeschieden und seine Demission, einer der schmerzvollsten Verluste der Aguda auf dem schmalen Terrain ihrer theoretischen Verfechter, verlangt eine um so konzentriertere Arbeit aller übrigen Mitglieder des Geschäftsausschusses. Diese Konzentration ist nun im besten Zuge. Eine erhöhte und, wie wir hoffen, auch ersprießlichere Arbeit der Z־entra׳10׳rgaue wird sicherlich eins große Anziehungskraft auf alle, die heute der Aguda noch fernstehen, ausüben und auch so mancher alter Arbeitsgenosse wird den Weg zurück in die Reihen der Vorkämpfer der Aguda finden. Es ist zu wünschen, daß Dr. Isaak Breuer einer der ersten unter diesen sei. Auch das stärkere Hervortreten der Aguda- ■Jugend bedeutet eine große Verheißung. Diese Agudajugend geht unbeirrt durch die Kämpfe ׳und!Einbußen der jüngsten Vergangenheit an die Arbeit, die sowohl eine finanzielle wie organisatorische Sanierung der Aguda zum Ziele hat. Hoffentlich wird diese Jugend ungestört arbeiten können. Jeder verantwortungs- ׳bewußte Mann in der Agudas Jisroel muß es wissen, daß die Winterarbeit, die nunmehr einsetzt, nicht nur über das!Schicksal ׳der für den Frühling geplanten zweiten Kenessio, ׳sondern auch ׳über das Schicksal der Aguda überhaupt entscheidet. Ein dicker Trennungsstric'h muß die tief beschämende Untätigkeit der verflossenen Jahre von dem Augenblick trennen, da die bewährten Führer der Agudas Jisroel, unterstützt von der unvergleichlichen Begeisterung der Agiidaiju'gend, die überall!auf dem ganzen Erdenrund die Fahne der Agudas Jisroel ׳hochhalten will, zu neuer Arbeit ׳sich ־aufraffen. Möge ■diese Arbeit, vom Segen G־ttes - begleitet, Agudas Jisroel zur neuen Blüte verhelfen. P. שומץ IVO כשר (תחת השגחת הרב ח ישעי פורסט שיפשרהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroel) Ueberall erhältlichl Rabbi Seligmann Beer Bamberger זצ״ל Am zweiten Tag des Sukkothfestes ist ein halbes Jahrhundert vergangen, seit Rabbi S. B. Bamberger. der ״alte Würzburger Raw“, im 71. Lebensjahre dem deutschen Judentum entrissen wurde. Der .,Würzburger Raw“. ,✓׳ sowohl als Gaon wie als Chassld hervorragend, hat Uber die Grenzen Deutschlands hinaus im ganzeu gesetzestreuen Judentum große Achtung genossen. Zu Ehren seines Andenkens wollen wir in unseren Spalten ein Kapitel aus einer größeren Arbeit von Doktor Moses Auerbach, Berlin, über den alten Würzburger Raw zum Abdruck bringen. Die Studie Dr. Auerbachs ist in dem Frankfurter ״Israelit“ erschienen. D. Red. Als durch das Gesetz vom 28. Juli 1876 die Möglichkeit zürn Austritt aus einer preußischen Synagogengemeinde gegeben wurde und innerhalb der Frankfurter Israelitischen Religionsgesellschaft ein Streit ausgebrochen war, ob man nunmehr religionsgesetzlioh verpflichtet sei, aus der dortigen ■irreligiösen israelitischen Gemeinde auszutreten, baten verschiedene Mitglieder der Religionsgesellschaft ■den Würzburger Raw als einer der größten ־ halachischen Autoritäten Deutschlands um seine Entscheidüng. ,Im Jahre 1872 hatte er nach Einführung von Reformen in Wien gemeinsam mit fast 400 Rab'binen Deutsch« lands, lOesterrelch-Ungarns •und Rußlands;sein Gutachten dahin abgegeben, daß die Auslassung der!Gebete um Wiedereinführung des in der Thora gebotenen Opferd'ienstes einen Abfall vom Judentum bedeutet, daß man in einer Gemeinde, die diese Gebete abschafft, nicht verbleiben darf, und daß jede Steuerleistung an solche Gemeinde verboten ist. ■In einem Gutachten vom 1. Februar 1877 hat R. Seligmann Bär Bamberger im Einklang mit Rabbiner S. R. Hirsch erklärt, daß trotz einiger Kon- Zessionen des irreligiösen Vorstandes der Franfurter Gemeinde ein weiteres Verbleiben in der ,Gemeinde gegen die Redigonsblestimmungenl versltoße. In demselben Gutachten sagte er, ״daß ein irreligiöser Vorstand, vom orthodoxen Judentume nicht als Vorstand anerkannt werden ׳d׳arf unlcl folglich kein!gläubiger Israelit!demselben als Mitglied ibeitreten darf“. Der Vorstand!der Frankfurter Gemeinde sah ein, ■daß er durch kleine Konzessionen die Mitglieder der Religionsgesellschaft nicht vom Austritt zurückhalten ׳könne, und!ging jetzt weiter. Er erklärte sich bereit, den nicht ausgetretenen orthodoxen ׳Mitgliedern aus Gemeindemitteln ihre religiösen Institutionen einzurichten, während, sie zu den ׳Reform-Kultus- ■und. -Schuleinrichtungen nichts zu zahlen ■hätten. Die religiösen ׳Institutionen der Orthodoxen sollten ganz der orthodoxen Leitung und Aufsicht unterstellt und gegen jede Einwirkung des Vorstandes ׳geschützt werden. Jetzt hielt eine Anzahl von Mitgliedern der Religionsgesellschaft den Austritt nicht mehr für notwendig. Einige Frankfurter ׳Herren reisten nach Würzburg, um Rabbiner Bamberger zu veranlassen, in persönlicher Aussprache die ׳nicht zum Austritt gewillten Orthodoxen umzustimmen. R. Seligmann B||; weigerte sich zuerst und ׳machte darauf aufmerksam, daß es durchaus möglich wäre, daß er durch die ■Argumente eines Mannes wie ,R. Mose Mainz, des geistigen Führers der nicht zum Austritt Gewillten, zur Ueberzeugung gebracht werden könne, ׳der Austritt sei nicht notwendig. Auf weiteres Bitten der Frankfurter Herren entschloß;sich Rabbiner Bamberger später doch, nach Frankfurt zu reisen. Hier kam er ׳nun wirklich zu der Ansicht, daß jetzt kein religionsgesetzlicher!Zwang zum Austritt vorliege. Die Entscheidung wurde in der Frankfurter ■Börsen- und ׳Handelszeitung veröffentlicht. Man kann verstehen, wie schmerzlich die Stellungnahme des hochangesehenen Würzburger (Rabbiners auf Rabbiner Hirsch wirkte. Mußte er doch fürchten, daß die so segensreiche Entwicklung der iReligionsgesellschaft aufs 'empfindlichste gestört würde. So erklärt sich der scharfe Ton ,seines bekannten offenen Briefes. Gerade wegen der großen Verehrung, die mit Recht Zeitgenossen und . Nachfahren den beiden großen ׳Rabblnen zollten und zollen, schmerzt uns manch erregtes Wort .in ■ihrem historisch so bedeutsamen ׳Briefwechsel. Diese ׳Zeilen, die der Würdigung 1R. Seligmann Bars gewidmet sind, ׳sollen nicht Stelhing nehmen in dem Streit, dessen Folgen heute nach mehr als 50 J׳ah׳ren noch verhängnisvoll nachwirken. Aber zum MW Was bietet die führende Weltfirma Ofhmar Schiff,Wien, I■, Kärntnerring 6 B9r?5to"Ü~?eMJ-41-3?62) ln Damenperüoben? X. Modernste und individuelle Ausführung* II, Tadellosen* mustergültigen SÜ25* III« Nur erste Qualität in Material u. Arbeit zu massigen Preisen Die Firma Othmar Schiff legt allergrößten Wert darauf, jede Kunde unter allen Umständen zufriedenzustellen. Setzen Sie sich daher, bevor Sie eine Perücke kaufen ln Ihrem ureigensten Interesse mit der Firma Othmar Schiff in Verbindung!