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Jüdische Presse · 1928-03-23 · 12 (23.3.1928) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
12 (23.3.1928)
Date
1928-03-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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n Seite 86 JÜDISCHE PRESSE Nr. 12 -נ י —ITffl» ״■ ן־Iiä : SEIDENHAUS S. WILLHEIM sich als einen!Mann aulzuspielen,!der dort!bei Tausenden in größter Achtung steht!und infolge seiner!persönlichen Verbindungen!besser als jeder ■andere in der Lage sei, den dortigen Juden beizustehen, wenn dies nötig werden sollte, Das leuchtete ein. Nicht zuletzt war ■für seine Wühl der Umstand entscheidend, daß er sich in der Preßburger Parteikonferenz mit der größten!Deutlichkeit als •ausgespröchener Gegner jeder wie!immer gearteten Zusammenarbeit mit den ״Nationalisten“ gerierte. Man stimmte, wenn auch bei vielen nicht ohne ein gewisses Widerstreben, seiner (Kandidatur!zu. Das hätte, wir wollen dies!zugeben, nicht!geschehen sollen, bevor!man sich mit a'bsoluter Bestimmtheit!vor allen Dingen!davon überzeugt hat, daß er nicht schon damals ein stiller Verbündeter und Werkzeug der!zionistischen Gegenpartei!war. Vertrauens- Seligkeit in politischen ׳Dingen ist niemals am Platze. Marek Ungar wurde!m i t G e 1 d <m i 1101 n a u s d c r Parteikasse d!er, ״Jüdischen W'i r ts c!h׳a f t s- ,partei“!(gegen!Quittung) aus reichend ausgestattet. Er reiste nach Uzhorod!mit den lEmpfehlilngsbriefen und dem Gelde der Partei in der Tasche, um die Wahlpropaganda selbständig und ,persönlich zu leiten. Aus gewissen Erscheinungen schöpfte man aber bald! Verdacht gegen ihn. Die Parteiführer reisten nach Uzhorod und gewannen die Ueberzeugung, daß er das Vertrauen der ״Jüdischen Wärtsohaftspartei“ dazu benutzt hatte, die!jüdischen Wähler der Gegenpartei!in die Hand zat spielen. ■Die Uebergabsprozedur war sogar schoh in einem sehr vorgerückten Stadium. Das wurde noch rechtzeitig vereitelt. Die Zionisten waren damit um eine Hoffnung ärmer und um einen wohlgesinnten ״Kandidaten“ reicher geworden. Denn Marek Ungar blieb nach alldem nichts übrig als der Uebertritt zu seinen!Freunden, von denen nach dieser Probe von Gesinnungsadel in Presov ׳(!weshalb gerade dort, wird man vielleicht auch «och einmal erfahren) •׳auf ihre Kandidatenliste genommen wurde. Nach seinem Uebertritt erfuhr man auch, daß er i!n Uzhorod vom Vizegouverneur Rozipal (unter welchem Titel und zu welchem Zweck ist auch!heute noch nicht aus verläßlicher!Quelle bekannt) größere Geldbeträge übernommen •hat. Nicht ausgeschlossen ist,!daß diese 'Geldübernabme >von vornherein unter irgend, einem unschuldigen Vorwand aber auf geheime Weisung als Wahltrick der Zionisten geschah.!Denn nach ׳seinem Eintritt in die Reihe der!Zionisten übermittelte er — wir wissen darüber uur das, was die Zionisten erzählen — den größten Teil!des ׳Betrages nicht etwa an die Kassa der ״Jüdischen ׳Wiirtschaft&partei“, für deren Zwecke er das Geld doch erhalten haben will, sondern er gab es dem Vizegouverneur zurück, der darüber auch ■eine!Quittung ausstellte, was sicherlich nicht geschehen wäre, ׳wenn diese Geldüberweisung unlauteren Zwecken dienen sollte. Diese Quittung wurde von!Marek Ungar auch sofort nicht etwa der Leitung der ״Wirtschaftspartei“ (der er doch Verrechnung-schuldete), sondern — den Zionisten vorgelegt! Man behalte!diese Zusammenhänge im Gedächtnis. Die Beträge, die!ihm aus der Kassa der ״Wirtschaft«- Partei“ übergeben wurden, hat er nicht so gewissenhaft zurückenstattet ... Man wird all das verstehen, wenn man sich vor Augen hält, was darauf geschah. Nach der Wahlniederlage der Zionisten und dem Debacle!ihrer ganzen ״nationalen“ Politik ist dieser Marek Ungar den ■Zionisten ein gar sehr wichtiger Mann geworden. Die Unmöglichkeit der natiohalistäschen Politik zugebeu, hieße Mut haben. Es schien zweckdienlicher, gegen die Orthodoxie zu wühlen. Eine Pressemeute wurde auf die Rabbiner und die slowakische Orthodoxie losgelassen, wie sie die W1ählkä׳mp׳fe ,zivilisierter Staaten noch nicht erlebt haben. Hunderte und hunderte bezahlte und ״freiwillige“!Hetzer befanden sich wochenlang in den Eisenbaihnzügen der Slowakei. Sie hatten keine andere Aufgabe, als zu erzählen, die Zionisten! seien unschuldige Opfer der orthodoxen Führer. •Diese Führer haben das Judentum ״verkauft“. Millionen wurden als ^Kaufpreis“ genannt. Es gab auch Leute, die behaupteten, dieser und jener habe 'die Auszahlung des Geldes selber ״gesehen“, usw. Als der Boden1 gut vorbereitet war, trat der noble ״Nationalrat“ •der Zionisten in Prag auf den Plan. Er faßte eine Resolution und Dr. Singer hielt Reden׳ im Prager Stadtrat, aus denen man heraushören!mußt e, daß sie behaupten, Oberrabbiner!Weber und ׳Hirschler hätten die jüdischen Wähler an die ״Feinde des Judentums“(!!!) — gegen Geld u. andere persönliche Vorteile—v erschachert und v e r k a 11׳ f t. Als Krönung dieser 'Lügenhetze trat .schließlich der bekannte jüdische ״(Minderheitsnationalist“ I)r.. Emil M a r g u 1 i e s aus Leitmeritz mit einem ful׳minanten׳ Zeitungsartikel auf, wiederholte alle diese Verleumdüngen und ׳forderte gegen si c h di e B e 1 e id ig u ng s'kl a g e, damit er seine Behauptungen beweisen könne. Man verstand, dieser mutige!Held wolle den Beweis dafür erbringen, die Oberrabbiner Weber und Hirschler hätten von irgend!jemand für ihre Stellungnähme gegen die Zionisten׳ in dem Wahlkampf!Gelder angenommen oder zumindest -verlangt. Der Gefallen wurde ihm getan, Er und mit ihm Dr. Singer wurdenl verklagt. Jetzt mußte sich doch endlich irgend!jemand meiden׳, der für die zionistischen Verleumdungen offen׳ und mannesmutig vor Gericht eintritt. I. Tuchlauben Nr. 8 bringt kur Frühjahrasaison die allerneuesten Seidenstöffä iü gfößter Aulwahl zu fa&elhäft billigen Preteefl zürn Verkauf Grßpe de Chine imprime, neueste Dessins .... .S 15.—, 12.—, 9.— CrSpe Georgette imprime, neueste Dessins...S 18. - , 15.— , 12.— Seidenfoulard, französ. Muster . . S 9.80, 7.50, 0.— Mongol, alle Modefarben.S 16.— Mantelseide, schwarz und farbig . S 19.—, 12.—, 9.— Seidenbrokate für Futter . . . . 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M. hoffte man nun, Dr. Margulies den Beweis für seine Behauptungen׳ wirklich antreten -zu sehen. Reden! und Phrasen über!jüdischen׳ ׳Stolz, jüdische Nationalität, •jüdische Minderheitspolitik und dergleichen hat er ׳in der Zwischenzeit genug von sich gegeben. Jetzt handelt es sich!um g ׳e r i c 1h t s 11 01 o r i s c h e und g e r i c!h t s- ׳gültige, klare Beweise, klare und ׳d e 111 1׳ i c h e d •a für, daß di e!0!b e r r a 1b b i n e1 r Wl e 1b e r und Hirschler ״auf (Befehl der Feinde des jüdischen Volkes“ handelten und geigen Bezahlung die jüdischen Wähler ״an die Feinde des jüdischen Volkes verkauft und verschachert“ hätten. Und? Der mutige, große, heldenhafte Dr. Margulies, der so großrednerisch ׳die Beleidigungsklage gegen sich iherausgefondert hatte, gab zunächst ■vor derVerhahdlungdie Erklärung ab (die zionistischen Zeitungen vergessen, darüber zu berichten׳!), daß er von den Klägern nicht behaupten könne, daß sie persönlich und für eigene Tasche Geld bekommen haben. Vor Tisch sprach er anders! Damals wollte er glauben machen, es sei ein Menschenkind auf Erden, das selbst gesehen hatte oder sonstwie bestimmt weiß, daß die Kläger einer ״käuflichen“ Gruppe angeboren, die ״das jüdische Volk an seine Feinde verkaufen und verschachern“. Jetzt soll all das ganz ״unpersönlich“ und nicht wörtlich, sondern im übertragenen ״Politischen“ gemeint gewesen sein!!So sehen! die!großen Zionisten ״vor Gericht“ au׳s! ,In den Gerichtsverhandlungen!!ließen! die mutigen (Herren von allen ihren zahlreichen Leuten, die im Wahlkampf und in der!Hetzkampagne nach der Wahl ihnen (Hilfsdien'ste leisteten1, bloß einen einzigen, nämlich ihren ehrenwerten ׳Marek Ungar, als •Zeugen ״aufmarsohieren“, natiirlieh — uur gegen sic h s e 1 b e r. Gegen die Oberrabbiner Weber und •Hirschler oder gegen׳ andere Führer und Mitglieder ihrer ״käuflichen Gruppe“ wußte er!beim ׳besten! Willen seiner Auftraggeber nicht ein Wort aas zusagen. Wir wollen uns!mit diesem נברא רזעילא nicht weiter befassen. Des weiteren wurden verschiedene Zeugenprotokolle verlesen, aus denen nach dem Bericht der zionistischen ״Selihstwehr“ hervorgegangen׳ sein soll, daß es ״allen Juden in ׳der Slowakei und Ka rp a thö r u ß- I and"•(nicht!mehr und nicht weniger!) bekannt war, ״daß die Wartschaftspärtei nur mit Hilfe von Regierungsgeldern und mit Unterstützung der agrarischen Partei kandidiere“ 7. , sich an Ihrem Geld!, versündigen wenn Sie Pelze ein־ kaufen, ohne sich von unseren billigen Preisen zu überzeugen l Riesige Auswahl in allen Pelaegatfuiagen Verkaufs en gras, en detail! Reparaturen werden schnell und billigst durchgeführt! Parisienne Pelzwarenhaus EKratislawa, Kristinengasse Nr. I Kolben-Palais Samstag gesperrt! usw. Die Namen dieser schriftlichen Zeugen, die den Mut haben, im Namen ״aller Juden!“ Unsinn zu sagen, werden — verschwiegen. Das gehört so zum Bericht der ״S e 1 b s t w e h r“, ׳wenn darin auch kein Wort zum Beweis der Wahrheit enthalten ist. (Zum Schluß hält der Verteidiger des Angeklagten einen zionistischen!Agitationsvortrag über die ״guten Absichten“ ■und die ״idealen׳ Taten“ seines Mandanten, wie er und seine ״Partei der Aufklärung und des Lichtes“ niemals im!Leben etwa« anderes wollten und vorhatten, als die finsteren Massen in dem finsteren Karpathorußland erziehen und ihnen kulturellen S e g e n1 ־b r i n g e 11 usw. Die Rabbiner hinderten sie in diesem Bestreben, so sei es nur eine Tat im glu t en GI a ub in und aus edelster ׳Absicht, wenn man von ihnen Dinge behauptet, die zwar formell und im Ausdruck beleidigend u׳nd auch nicht objektiv erwiesen sind, aber im Eifer des Volksbcgliickers subjektiv für wahr gehalten wurden und, gestützt auf die Mitteilungen Marek Unagrs, als wahr betrachtet werden konnten. .1Nicht die objektive Wahrheit, sondern die ״subjektive!Wahrheit“ versprach er zu beweisen ׳und den ׳Beweis für diese •seine, nämlich des Dr. Margulies, ״subjektive ׳Wahrheit“ glaubt er erbracht zu ׳haben. Der ׳Gerichtshof hat nach langer Beratung dem Angeklagten' diesen ״guten1 ׳Glauben“ und die ״gute Absicht“ nicht absprechen zu müssen' geglaubt, ihm die ״subjektive Wahrheit“ zuerkannt und den Beklagten׳ infolgedessen! freigesprochen. Der Vertreter der Kläger meldete den Rekurs gegen das Urteil an. Die jüdische Oeffentlichkeit hat nun abermals ein Bild vom der objektiven Wahrhaftigkeit unserer Zionistenführer und ihrer Mannhaftigkeit — vor Gericht, wo sie nicht die ״subjektive“, sondern die ״objektive“, d. h. jüdische Wahrheit ihrer verleumderischen Behauptungen beweisen sollten. Nachrichten. Zur Beachtung! Auf vielfachen Wunsch, der aus dem Kreis unserer aus den Ostländer stammenden Wiener Leser geäußert Würde, werden wir fortab ומי הדלקת הנר עו״מצש nach den ]מנהג ותיקי nach welchem unsere ostländischen Brüder sich richten, veröffentlichen. Die Zeitbestimmung wird uns allwöchentlich vom ״Hithachduth Jereim“ zur Verfügung gestellt. "התאחדות יראים" ווינה ״Hitachdufh Jereim“ Vereinigung Thorajjesetzestreuer Juden in Wien II., Heinestrasse 80, T. 15. ב״ה. פרשה ויקרא זמי הדלקת הנר עש״ק שעה 6 עם - מינוט. זמן שי׳יעת החמה עש״ק שעה 6 עם 13 מינוט. זמן הדלקת הנר מוצש״ק שעה י עם 12 מינוט Oeffentliche Danksagung. Das ׳Präsidium des Wohltätigkeits- und Krankenpflegeverein׳es ׳״Bikur Cholim“, Wien, XX., Treustraße 7, spricht hiemit Herrn Nathan B rode tzki, Inhaber der Schmidlschcn Ma'zzothfabrik, für seine großzügige Spende, mittels welcher er uns in die Lage versetzt hat, all unsere Pfleglinge auf Pessach mit Mazzoth zu versorgen, seinen herzlichsten Dank aus. Gläser — Glück — Presser. Große Trauerkundgebung nach dem Rabbi von Ostrovce. Sonntag vormittags fand •in der Synagoge des Bethausvereines Talmud-Thora, JL, Malzgasse 16, eine irnpo•- saute Trauerkundgebung nach dem Ostrovcer Gaon statt. Der iHesped Jiielt Oberrabbiner M. Gh. Lau, Presov, Herr Oberrabbiner Lau verstand es, in einer. eineinhalbstiin!dlge 11 großangelegten Rede ein packendes Bild vom Leiben und der Persönlichkeit d׳es Ostrovcer Rebben, der sowohl als Gaon wie als Ohassidimfiihrer berühmt war, zu geben. Wilhelm Groß זצל. Ein Telegramm aus Jaffa bringt die traurige Botschaft, daß dort R. Wolf (Wilhelm) Groß ׳Dienstag, •den 20. d. plötzlich verschieden ist. Wilhelm Groß war der Sahn •des rühmlichst bekannten R. Bezalel Groß in Toikaj und Schwiegersohn •des «eh Rabb. Salman Spitzer s. A. »Vielleicht wie kein zweiter unter den orthodoxen Juden׳, hat 'Wilhelm Groß, einer der wirklichen ersten Pioniere, der noch vor 36 Jahren •nach Palästina übersiedelte und dort das erste Exporthaus begründete, für Erez Israel viel und aufopfernd gearbeitet* Dieser selten edle •und fromme Mann hat in Palästina, ׳man kann sagen, eine ganze Generation religiöser Kaiifleute, die er als arme Kinder aus den Waisenhäusern!holte, erzogen.^ Wilhelm Groß war ein ׳Idealist, ein Wohltäter ׳und ein seelensguter Mensch. Der unendlich große Kreis von Freunden und Bekannten, die Wilhelm Groß in der ganzen Wlelt sich erwarb, wird diesem Edlen in Israel ein teures Andenken bewahren. Wilhelm ׳Groß hat rein gar nichts für sich und alles für andere •geopfert, er Wollte nichts von Olam!hase wissen und •darum ist ihm Olam ׳habu gesichert. Abermals Lehrerstreik in Palästina. (J. T. A.)!Die Lehrerschaft der von der Zionistischen Exekutive erhaltenen hebräischen Schulen an Palästina ist abermals in den Streik getreten, weil die Exekutive ihre Forderungen nach Erhöhung der Löhne, Ungültigkeitserklärung der infolge

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