Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 8 (24.2.1928)
- Date
- 1928-02-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdische *mm Nr. 8 Sette 56 9 Herrn Sokolows neueste Offen• hartittgeft. Ans Anlall t|er Gründling ejnes Palästinakomitees in W'leu beehrte Herr S o k q j o \y Wien lütt einem neuerlichen Besuche. Während In der konstituierenden Sitzung des Palästinakomitees ehfen werte christliche Palästinarreurjde Ihren Respekt vor der jüdljsohen Tradition hekündeten, leistete »ich der Präsident der Zionistischen Exekutive, Herr Nachuin Sokoiaw, folgende Frivolitäten in eitler öffentlichen Versammlung: Im Talmud wird über die l'rage diskutier-*•, welchen Namen der Messias trägt, Herr Spkolow löste in seiner Weise diese Frage. ״Ich sage euch, unser Messias heißt: ״Keren Haicssqd," Ergriffen von diesem neuen Messianismus kam er auf das hebräische Konzert zu sorechen, das unter Beteiligung auch nlclttlüdlscfier Sänger und Sänge- 1 innen Sonntag im Beisein vqn Herrn Sokolow stattfand. Herr Sokolow konnte nicht umhin« zu erklären, daß er empfunden habe, wie d|e SchcliIna fiber diesem hebräischen Konzert ruhe. Herr Sokolow —• lind die Schchina. Oer Witz ist überwältigend. Es ist nicht überraschend, daß I ferr Sokoiow, der In dem besagten Konzert die Sehchina empfand, ih der sogenannten ״Universität‘* auf dem Skopusberg in Jerusalem den dritten Be th-Hamid rasch apostrophierte. Soweit unser Berichterstatter. Er unterließ es. uns darüber m berichten« Wieviel Misrachiste״ dem Vortrag Sokolows beigewöhnt haben und wieviel von ihnen 7.11 den begeisterten Hedathrütern?Hhlten. — m. Aussprache über den Zionismus in der Hauptver- Sammlung des Zentralvereines. Der dritte Verhandlungstag wft der prinzipiellen Aussprache gewidmet. Dr. Ludwig Holländer hielt ein großangelegtes Referat ßbqr das Thema ,,Abwehrverein oder Geslimuhgsverein?”. Das Korpferat hielt Dr. Eduard Strauß-Frankfurt a. M, unter dem Titel ״Der Zentralverein der Gegenwart, der Zentralverein der Zukunft״. Es folgte eine lebhafte Aussprache über das Verhältnis zur zionlstisehen Bewegung upd *uip praktischen Palästinaaufbau sowie über die F׳ra!ge des Vcrbflttnisses zum deutschen Pra-Palästlpar-Komltee. Man warf mir« führte Dr. Holländer in seinem großen Referate aas, Inkonsequenz in der Palästlnafrase Vor. Ich Tafte .... Georgette . . Crepe Satin . ״ de Chine Lamfi .... Gold׳ u. alle Farben S » 13.80 ״ ״, 7t n » 19■,*־־־־ מ ו* p 13.00, 11.00, 9.80, 16.—, 9.80, 5.80, 8.90 7.80 13.— m 3.80 |n grqOter Auswahl. 9• 1 au» ■ Berufen Sie sich auf diese Annonce, bekommen Sie 5 Prozent. wiederhole darum: Ich :halte die national-jüdische Palästinaarbeit für falsch und schädigend, allein praktische Arbeit in Palästina ist zu fördern, insofern sie zur Linderung der Judennot beiträgt. Wir sind ja für jüdische Siedlungsarbeit; Ansjedlungsarbeit kann man aber auch in Palästina leisten. Das Entscheidende ist: die Ablehnung des national-jüdischen Gedankens. Aber auch hier soll der Meinungskampf in vornehmer Form und in brüderlichem Geiste geführt werden. Das Außen׳problem ist viel schwerer, in der Palästinafrage soll jeder das tun. was er m|t seinem Gewissen vereinbaren kann. In den Hauptfragen kein Kompromiß, in den anderen Fragen sei weiter Spielraum gelassen. Die innere prinzipielle Geschlossenheit müsse aufrechterhalten bleiben. Am Schlüsse führte D!־. Holländer Ungefähr aus: Wir beschäftigen uns zuviel mit iunerjüdischen Streitigkeiten, die eine gewisse suggest|ve Kraft ausüben. Aber die außerjüdischen Probleme sind schwerer. In der Pailästinafrage kann man auch von unserem Standpunkt verschiedener Meinung sein! Jeder tue, was er mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Das ist kein« Kardinalfrage. In den Hauptfragen gibt es kein Kompromiß. In den anderen Fragen aber soll weitester Spielraum bleibep. ',,In dubiis libertas.“ Es wird hierauf zu den Abstimmungen über die Thesen der Referate geschritten. Die Thesen Dr. Holländers werden unter großem Beifall einstimmig angenommen. Die Resolution Mecklenburg-Chemnitz (Landesverband Freisfcaat Sachsen) w(rd mit 97 gegen 62 Stimmen angenommen. Sie lautet im wesentlichen: ״Die von den Zionisten in der Oeffentliohkeit betriebene Propaganda hat es dahin gebracht, daß die früher vpn den Judengegnern betonte Trennung von ״Deutsehen“ und ״Juden״ in der öffentlichen Meinung mehr und mehr ah Boden gewinnt! immer mehr verbreitet sich die Vor- Stellung, als gehörten die deutschen Juden niGht zum deutschen, sondern vielmehr z׳u einem über die ganze Erde verstreuten, in Palästina beheimateten jüdischen Volk. Dieser Zustand bringt die Errungenschaften eines mehr als hundertjährigen Emanzipationskampfes in ernsteste Gefahr. Der Zentral verein maß daher wirksamer als bisher der zionistischen Anschauung entgegentreten, nach welcher das Judentum die Volks- und Kulturgerpeinschaft aller Juden und Palästina ihr nationales und kulturelles Zentrum sein soll. Gegenüber den Wirkungen der zionistischen Propaganda sieht der Zentralvereiu seipe"Aufgabe darin, seiner Auffassung von Deutschtum lind Judentum ln der Oeffentliclikeit Geltung zu verschaffen." Der Antrag Bernstein-Chemnitz, daß die Zugehörigkeit zum Zentralverein unvereinbar sei mit der Zuge- •h-örigkpit?um Pro-Palästina-Komitee, wird mit allen gegen einige Stimmen abgelehnt, Generalversammlung des orth, Israel. Bethausvereines ״Emnnas Aves“. Einweihung des neuadaotieften Beth-Hamidrasch. Sonntag den 12. Februar fand vormittags um halb 10 Uhr die Generalversammlung des orth. ■israel. Betbausveremes ״Emunas Av׳es'\ XIV., Stqrchengasse 21, unter zahlreicher־ Beteiligung statt. Den Vorsitz führte Vennspbmann Emanue| W ei ß. Nach Eröffnung der Ger neralversämmlung hielt er dem im Vorjahre verstorbenen Obmann. Herrn Heinrich Weiß, einen tiefempfundenen RechnuqgsfibscftluBl Hbar <J!e Einnahmen und Ansgaben der Kultusgfiinninae lind snmfltetier |n 4er Verwaltung derselben stehender Fonds und Anstalten pro 1927. Der Vorstand dßf Israelitischen Kultusgemeinde Wien hat den Rechnungsabschluß über die Einnahmen und Ausgaben der KuttusgemeindQ und sämtlicher In der Verwaltung derselben stehenden Fonds und Anstalten über das Jahr 1927 fertjggestellt• Gemäß § 92 des Kuttusgemejnde-Statutes wird diesei• Rechnungsabsohluß H Tage, vom Tage der Kundmaebung gerechnet, vor Prüfung und Erledigung durch den Kultusvorstand zur Einsicht der (Gemeindemttgiieder In der Amtsdirektion de! Küftusgemeiadc« I«? Seitenstettengasse 4, 3. Stock, aufgelegt. Die Gemeindemttgiieder sind berechtigt, innerhalb dieser Frist über den Rechnungsabschluß Erinnerungen heim Vorstande der Kultusgemeinde schriftlich zu überreichen, welche bei dar Prüfung des Rechnungsabschlusses in Erwägung gezogen werden. Wien, 16. Februar 192g. Voranschlag dar Einnahmen und Ausgaben der Kultus• gemeinde und sämtlicher in der Verwaltung derselben stehender Fonds und Anstalten pro 1928. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien hat gemäß § 91 des Kultusgemeinde-Statutes die Voranschläge der Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde, sowie sämtlicher unter der Verwaltung der Kuitusgemeinüe stehenden Fonds und Anstalten für das Verwaltungsjahr 1928 in allen Einnahmen und Ausgabe- Posten geprüft und festgestellt. Gemäß § 91 des Statutes liegt dieser Voranschlag durch 14 Tage, vom Tage der Kundmachung gerechnet, zur Einsicht der Gemeindemitglieder ln der Amtsdirektion der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seltenstettengasse 4, 3. Stock, auf. Die Gemeindemttgiieder sind berechtigt, innerhalb dieser Frist Erinnerungen bezüglich des Voranschlages bei dem Kultusvorstande schriftlich zu überreichen, welcher dieselben in Erwägung zu riehen hat. Wien, 16. Februar 1938. Lieferungsvergebung, Seitens der Israeli tischen KuJtusgemrinde Wien gelangen im Laufe der nächsten Zeit die nachfolgenden bauliehen Arbeiten zur Vergehung: II., Rauscherstraße 16, Errichtung einer hölzernen Baracke mit Nebenräumlichkeiten. Baumeister-, Zimmermejster-, Katialjsierungs-, Tischler-, Schlosser-, Anstreicher-, Glaser-, Schwarz- Uecker-. Spengler- und Installationsarbeiten. Jene Firmen, welche zur Offertstellung herangezogen werden wollen, werden eingeladen, dies bis längstens Mittwoch, den 29. Februar 1938 dem Technischen Amte der israelitischen Kultusgemeinde ln Wien. I«, Selten, stettengasse 3, 4. Stock, hei welchem auch während der gewöhnlichen Amtsstunden (Samstage ausgenommen) alle mbatm Auskünfte SfiöJ«190, Sftti riUJicii bekannt.. zugeben. — Die freie Auswahl unter den sich meldenden Firmen zwecks Heranziehung zur Offertstellung für die einzelnen Arbeiten behält sich der Vorstand der israelttlsehen Kultusgemeinde ausdrücklich seinem alleinigen Ermessen vor. v•..;; _\.• ■ Vom Ban der Zercmonienhallc auf dem Neuen Friedhof©. Ueber mehrfache Anfragen sieht sich das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde veranlaßt, mitzuteilen, daß die Arbeiten beim Bau der neuen Z e r e m 0 n i e n h a 11 e stetig fortschreiten. Der Jahreszeit und den Witterungsverhältnissen entsprechend, gelangt derzeit die innere Ausstattung zur Ausführung. Im Gegensätze zu Gerüchten, welche vm uniformierter und unverantwortlicher Seite in Umlauf gesetzt werden, wird festgestellt, daß bisher die präliminierten Kosten für die־ Neubauten am Neuen Friedhofe eingehalten wurden und daß mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten ist, daß auch bis zur Fertigstellung derselben eine Ueberschreitung des Präliminares nicht stattfinden wird, daß somit alle anderslautenden Darstellungen jeder Grundlage entbehren. Statistische Daten aus dem Jahre 1927. Die Zahl der israelitischen Schüler ׳u n d Schülerinnen an den öffentlichen Volkslind BiiTger- (Haupt-)Schulen jm Schuljahre 1926-27 betrug 11.148 und beläuft siel! im Schuljahre 1927-28 auf 11.188. Die Mittelschulen in Wien waren im Schuljahre 1926-27 von 6267 israelitischen Schülern und Schülerinnen besucht; im Schuljahre 1927-28 beträgt die Schülerzahl 5986, An den Jugend gottesdiens t e n haben im 1. Halbjahre des Schuljahres 192719,643 28־ Schüler und Schülerinnen teilgenommen. Die stärkste Frequenz weist der Leopoldstädter Tempel mit 3960 Schillern, die geringste der Vereinstempel im XIII. Bezirk mit 573 Schülern auf, wobei zu bemerken ist, daß in diesem Bethause der Jugendgottesdienst erst Ende November begonnen hat. Die stärkste Beteiligung bei einem Jugendgottesdienste bezitterte sich mit 400 Schülern, während die geringste Betelligung mit 40 Schülern ermittelt wurde. Das Matrlkenamt der israelitischen Kultusgemeinde verzeichnete im Jahre 1927 1479 Geburten, 2739 S t e r b e f ä 11 e, 1063 Austritte aus der israelttl־ sehen Religionsgesellschaft und 283 Eintritte ins Judentum. Unter den Eintritten ins Judentum sind 118 Rücktritte. Von den 2739 Sterbefälle 11 entfällt die größte Zahl — 550 — auf die Altersgruppe 70. bis 80. Lebensjahr, eine Person hatte das 100. Lebensjahr überschritten. In den israelitischen Bethäusern haben Im Jahre 1927 insgesamt 1159 Trauungen stattgefunden. Die Höchstzahl weist der Gemejndetempel der Inneren Stadt mit 413. die geringste Zahl der Gemeindetempel im XXI. Bezirk mit 3 Trauungen auf, Von den Traumigen sind 615 in £emeindetempeln (darunter 1J3 Gratlstraunngen) und 534 in Vercinssynagogeu vargenommen worden. An 95 arme Bräute gelaugten jm Jahre 1927 S 15.180 als Ausstattungsbetträge zur Auszahlung, Von den im Jahre 1927 aus dem Judentum ausge tretenen!063 Personen waren 598 männlichen und 465 weiblichen Geschlechtes und insgesamt 673 Personen ledigen Standes. Die Höchstzahl der Austritte — 324 — entfällt auf die Altersgruppe vom 24. bis zum 30. Lebensjahr« Sieben von den Ausgetretenen hatten das 70. Lebens-־ jahr überschritten. Wie bei den Austritten, so weist auch bei den Eintritten die Altersgruppe vom 24. bis 30. Lebensjahre den größten Anteil — 89 ־— auf. Spitalsbericht. In» Spital e der israelitischen Kultusgemeinde hat der Stand an Patienten am 1. Jäpner 1927 159 hetragen. Im Laufe des Jahres 1927 wurden 2623 Patienten apfgenommen, 2331 entlassen, 276 sind gestorben, so daß am 3j. Dezember 1927 das Spital 17 5 Patienten zählte. Dde Gesamtzahl der Verpflegstage hat 1Q5.662 betragen, wovon 64.568 auf Patienten und 41,094 auf das Personale entfallen. Von den Patientenverpflegstagen entfielen 15.047 auf vollkommen gebührenfrei Verpflegte. Die Kosten für einen Kranken haben insgesamt pro Tag S 13.45 betragen. In der Versorgungsanstalt der israelitischen Kultusgemeinde befanden sich am 1. Jänner 1927 329 Insassen, Im Laufe des Jahres 1927 sind 112 neu aufgenommen und 13 entlassen worden, 94 Patienten starben. Am 31, Dezember 1927 verblieben 33 4 Insassen, davon 113 Männer und 221 Frauen. Die Zahl der Verpflegstage belief sich insgesamt auf 145.183, wovon 26.433 auf das Personale und 118.750 auf Pfleglinge entfallen. Von diesen wieder beziehen sich 43.800 Verpflegstage auf vollkommen gebührenfrei Verpflegte. Die Zahl der im Jahre 1927 von der Kultusgemeinde durchgeführten Beerdigungen hat 2632 betragen. Hievon sind 697 vollkommen gebührenfrei, 300 gegen ganz geringe Gebühren und 815 gegen Bezahlung der Gebühren dar IV. Klasse zur Durchführung gelangt, wobei zu bemerken ist, daß die Gebühren der IV. Klasse niedriger gehalten sind, als es den Eigenkosten der israelitischen Kultusgemeinde entspricht. Vom Friedhofamte sind 59 Ueberführungen von Leichen und 16 Exhumierungen durchgeführt worden. Von den Beerdigungen entfielen 782 auf den Zentralfriedhof, 1792 auf den Neuen Friedhof, 21 auf den Floridsdorfer Friedhof und 37 auf die interkonfessionellen Friedhöfe. Auf den israelitischen Friedhöfen sind im Jahre 1927 1163 Grabsteine neu zur Aufstellung gelangt. , < Steuervorschreibungen pro 1927. Die Gesamtzahl der Zensiten betrug 54.886 und die Gesarntvorschreibung S 2,239.152. Auf 44.886 Zensiten, welche mit Kultussteuern unter S 50 bemessen wurden, entfällt eine Vorschreibung von S 597.635, sohin eine Kopfquote von zirka S 13, während den übrigen zirka 10.000 Zensiten Quoten über S 50, mit Insgesamt S 1,731.517, also durchschnittlich pro Kopf rirka S 173 vorgeschriebe» wurden. Von den vorgeschriebenen S 2,329.152 sind innerhalb des Jahres 1927 Insgesamt S 1,331.913 eiugegangen.