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Jüdische Presse · 1928-02-17 · 7 (17.2.1928) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
7 (17.2.1928)
Date
1928-02-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE Ns. 7 | Tschechoslowakei I Ämtseinführum! des OberrabMners von Presow. Staatssekretär Dr. Julias Hirsch über ״Wirtschaftsprobleme im deutschen Judentum“. Referat awf der Berliner Hauptversammfimg des Centraf- Vereines. Unter allgemeiner Spannung der Abgeordneten ergriff derb ekannte deutsche Wirtschaftler Staatssekretär z. D. Prof. Dr. Julius Hirsch das Wort zum Thema: ״Würtschafts- Probleme des deutschen Judentums“. Er stellte fest, daß sich innerhalb des Judentums mit Bezug auf seine Wirtschaftliche Zukunft ein Pessimismus bemerkbar macht, der besonders in der Jugend Wurzel schlägt und krankhafte Gewächse hervorbringt. Wohl gibt der sich allenthalben bemerkbar machende wirtschaftliche Boykott, die Praxis der Nichtanstellung von Juden und anderes mehr zu Besorgnissen Anlaß, cs ist aber andererseits als sicher anztinehmen, daß Deutschland bei seinem Aufbau keine Energien entbehren könne und die jüdischen Kräfte nutzen wird. Das kleine Palästina kann die wirtschaftliche Judenfrage nicht lösen. Die vorwärtsschrcitende neue Wirtschaft, die neue Menscliheitsentwicklung, werden auch die jüdischen Energien entfesseln. Die Jugend möge aus der gewollten Abschließung, aus der selbsterrichtcten geistigen Ghettomau er heraustreten. Man möge dem von den Antisemiten übernommenen Schlagwort, daß der Handel, die Waren- Vermittlung, parasitär und nicht produktiv seien, entgegentreten. In Amerika sagt man, daß derjengie sich behauptet, der den besseren ״Service“ leistet: die organisatorische Funktion. Die Leistung des Juden im Handel liegt nicht im jüdischen, sie liegt im deutschen Interesse. Der Redner teilte Statistisches mit: Die Juden in Deutschland bilden kaum noch ein Prozent der allgemeinen Bevölkerung, weil der Geburtenrückgang unter ihnen höher ■ist als unter den Nicht'juden (12 Prozent gegen 8 Prozent). Fast der dritte . Teil aller deutschen Juden, 173.000, wohnt in Berlin. Die deutschen Großstädte zusammengenommen beherbergen zwei Drittel des deutschen Judentums, ein Drittel lebt in Kleinstädten und auf dem flachen Lande. Sie sind meist im Handel sowie im Bankwesen beschäftigt; eine Zunahme in der Industrie ist zu verzeichnen. Im öffentlichen Dienste, wo vor dem Kriege 25.000 Juden beschäftigt waren, hat jetzt eine Vermehrung stattgefunden, dagegen sind in der . Armecverwaitung, wo vor dem Kriege mehr als 2000 Juden beschäftigt waren, jetzt nur noch 12 tätig. Die Zahl der jüdischen •Rentner hat sich von 25.000 auf 16.000 vermindert. Der größere Teil der jüdischen Erwerbstätigen .ist gegenwärtig in abhängiger Stellung. Prof. Hirsch zog die folgenden Schlußfolgerungen: Wir deutschen Juden sind’ auf Gedeih und Verderb mit der deutschen Wirtschaft verbunden, in der die Entwicklungstendcuz konform derjenigen in den großen Weststaaten und in Amerika geht. Die Lage des deutschen Juden ist schwer, aber hoffnungsvoll. Die deutsche Produktion weist steigende Tendenz auf. bei der Umstellung in die neuen W.irtschaftsmethoden eröffnet sich ein neues Feld der besonderen jüdischen Begabung. Der Jude bcsitzt in 11 oh cm Maße die Fähigkeit zu geistiger konzentrierter Arbeit, ihm fällt die Rolle der organisatorischen, aber auch der technischen Leistung zu. Soll inan sich bemühen, nachzuweisen, daß der jüdische Einfluß u׳nbedeutend sei? Weit eher gilt es. nachzuweisen, daß der jüdische Einfluß wohltuend und der deutschen Wirtschaft unentbehrlich sei. Der Redner eutw-iokelte das folgende Programm der Selbsthilfe: 1. Abwehr der ungleichen Behandlung mti juristisch-politischen Mitteln. 2. Keine künstliche Angleichung zwecks Verschwindens, sondern Geltung durch bewußt höhere Leistung. 3. Keine Veresuche, neue Betriebsformen zu hemmen, auch wenn sie, wie die Ausdelumng der Konsumgenossenschaften, dem jüdischen Ge- *chäftsleben entgegenstehen, 4. Klarstellung der aussichtsrcichcii Entwicklungslinien der Wirtschaft, Ablenken von überfüllten und Hin lenken zu aussichtsreichen Berufen. Auf die Wertung der Person, auf Auswahl nach Eignung und Leistung soll das öffentliche Verlangen bewußt geleitet werden. Der Redner schloß: ״Wir müssen dieses Land lieben! Täuschen wir uns nicht über die Problematik unserer Lage, aber verzweifeln wir auch nicht! Das amerikanische Beispiel zeigt den Wendepunkt in der Wirtschaftsgeschichte der Menschheit an. Auch die deutsche Wirtschaft braucht die aktiven Elemente; also: Vorausschauen, Vorausbauen kn Interesse Deutschlands. Dienst an der Allgemeinheit ist die jüdische Mission. Ich habe es für meine seelische Pflcht gehalten, dies zu bckennen.“ (Begeisterter, langanhaltender Beifall.) Sefer-Thora-Einwefhung im Bethausverein Befh- Jaakob. Sonntag den 22. Tebeth wurde das, aus Vereins*•* mittein gekaufte Sefer-Thora in dem Bethaus Beth-Jaakob feierlich eingeführt. Nach dem Maariw-Gebet begab sich der Gesamtvorstand mit dem Obmann, Herrn Leser, an der Spitze und, begleitet von den zahlreich erschienenen Gästen in die Wohnung des Herrn Obmannstellvertreter Schreck, um von dort die Thorarolle abzuholen. Die Ueberfiihrun!gl der neuen Thorarolle vollzog sich in der traditionellen, feierlichen Weise. In der Synagoge angelangt rezitierte R. Mosche Leb Frankel die üblichen Psalmen und Gebete. Das Fest wurde mit einer Seudath-Mizwoh geschlossen. Das orthodoxe Judentum des 9. Bezirkes hatte bei diesem Anlaß Gelegenheit ein 1״י שבת אחים Sinne bester jüdischer Tradition zu veranstalten. Schon die gediegenem Diwrc Thora des Herrn Hauser, der mit eindringlichen) Worten die Bedeutung des Tages schilderte, haben einen tiefen Eindruck gemacht. Nach ihm sprach R. M. L. Frankel und Herr Eljahu Grimberg wies in gediegener Rede auf die Vorzüge des Ostjuden hin, verschwieg aber nicht, daß oftmals auch die Besten unter den Ostjuden schwere Unterlassungssiinden auf dem Gebiete der Erziehung ihrer Kinder begehen. Das Benschen erstand Herr Schreck, der mit Herrn Wolf Landau sich um das Gelingen des Festes in hervorragender Weise bemühte. H a t i s c h b i. Keine Heuschreckenplage für Palästina. — Der rettende Wind. (J. T. A.) Bekanntlich wurden in Palästina umfassende Abwehrmaßnahmen gegen die von der ׳sudanesisch-ägyptischen Grenze her drohende Heuschrecken- Invasion getroffen. Die Heusehrcckcnsch wärme, die auf ihrem bisherigen Zuge großen Schaden anrichteten, gelangten bereits bis in die Nähe von Petra in Transjordanien und bedrohten unmittelbar Palästina. Die Regierung sandte eine Expertenkommission au Ort und Stelle, die über die zu treffenden Abwehrmaßnahmen Entscheidung treffen sollte. Wie heute mitgeteilt wird, wurden die Heuschreckenschwärme durch starken Wind gegen Südosten in die arabische Wüste getrieben, so daß für Palästina die HeusekreckenÄCiahr für, diesmal niebt mehr besteht, Unter großen Feierlichkeiten fand Sonntag, den 21. Schwat die Installation des vor einigen Monaten zum Oberrabbiner der orthodoxen Gemeinde!in Presov gewählten bisherigen Rabbiners von Suczava (Bukovina), Rabbi Mosche Chajim Lau, statt. Jahre vergingen, seitdem Oberrabbiner Fischer זצ״ל das Zeitliche gesegnet hat und dieser hochangesehenen Gemeinde ist es erst jetzt beschieden, einen Nachfolger an seine verwaiste Stelle zu setzen, an dessen Wirken die höchsten Erwartungen geknüpft werden dürfen. Von kleinen Anfangen hat sich die Presover Gemeinde im Laufe weniger Jahrzehnte zu einer an Zahl und Bedeutung sehr hervorragenden entwickelt. Rabbinische Autoritäten von großem geistigen und moralischen Gewicht, wie Rabbi Mosche Arjeh R ot h, Rabbi B. •N. Fischer צ " ל I und zwischen ihnen ■beiden ל לו ב ח ל ״ ח Rabbi Jeschajohu Fürst, der gegenwärtige Oberrabbiner der Wiener ״Schiffschul“־ Gemeinde, ■haben in zielbewußter Arbeit den Grund gelegt zu dem imposanten Gebäude, das heute die Presover orthodoxe Gemeinde 1darstellt. Und wenn heute diese Gemeinde einen neuen geistigen Führer sich erkoren hat, so bedeutet das ein Ereignis, das von der gesamten Orthodoxie unseres Landes beachtet und mitgefeiert zu werden verdient. Am äußersten östlichsten Rande der Slowakei hat die orthodoxe Gemeinde Presov einen wichtigen Wachtposten, einen Schutzwall für den Geist und die Traditionen zu bilden, von deren Reinerhaltung der Bestand der thoratreuen Gemeinden im ganzen Lande abhängt. Wie die traditionsr eiche, altersgraue Gemeinde Preßburg an der westlichen Grenze, so hat die junge, au'fblühcnde Gemeinde Presov im Osten in tiefer Erkenntnis der Notwendigkeiten der Gegenwart •die Wacht zu halten au dem Brunnen באר חפרוה שרים» den die großen Männer der uns vorangegangenen Generationen gegraben haben, damit die kommenden •Geschlechter aus ihm Kraft und Mut schöpfen, festzuhalten an den Prinzipien der Organisation und der inneren Konstitution, ohne die historisches Judentum und gesetzestreue jüdisehe Gemeinden schlechterdings nicht denkbar sind. Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Lau tritt sein hohes und verantwortungsvolles Amt unter Auspizien au, die das gesamte orthodoxe Judentum in der Slowakei zu der Hoffnung berechtigen, daß diese wichtige Mission seiner Gemeinde ihn unablässig beseelen und die Treue zu den erhabenen Grundsätzen seiner Vorgänger ihn in seinem Wlirken לכבוד התורה והיראה leiten würden. Jung an Jahren, aber ausgerüstet mit reichem Thorawissen und hochwertigen persönlichen Fähigkeiten, wird ihm eine Gemeinde zur geistigen Leitung und religiösen Weg- Weisung anvertraut, die des väterlichen treuen Führer s, des felsenfesten überragenden, zielsichern, wegekundigen, an die Tborawahrheit glaubenden und auf sie, auf sie allein vertrauenden Führers und unbeirrbaren Wegweisers sehr, sehr bedarf. Die bisherige Lebensrichtung des Herrn Oberrabbiners Lau, sein g-ttvertrauendes Steben zur Selbstvervolikommnung, seine uneigennützige, hingebungsvolle Dienstbereitschaft für die Aufgaben des in A g u d a s J i s r o e ■1 organisierten orthodoxen Klal Jisroel, sein verständnisvolles Mitwirken an 'der Stärkung der orthodoxen Jugenderziehung und nicht zuletzt sein entschlossener guter Wille, im Verein mit der Gesamtlieit der orthodoxen Rabbiner unseres Landes seine ganze Tatkraft dem Dienste der תלה״ לן zu weihen, bedeuten zusammengefaßt ein Progra m m, •das Gewähr genug dafür bietet, daß die!Presover orthodoxe Gemeinde auch in Zukunft unter Führung ■ihres neuen Oberrabblners in steigenden! Maße gedeihen und eine Zierde unserer Ortho׳doxie bleiben wird. * Uebcs: die Amtseinführung erhalten wir folgenden •Bericht: Die Presover Gemeinde traf alle Vorbereitungen, •um den Amtsantritt ihres neuen Oberrabbiners in Formen vollziehen zu lassen, wie sie eines solchen Ereignisses würdig sind. Der Tag soll all denen •unvergeßlich bleiben, die an der Veranstaltung teilgenommen haben. Der Gemeinde- Präses Herr ■Dr. N e u w i r t h fand!in diesem Streben die vollste Unterstützung der Beihörden, die auch ihrerseits bemüht waren, den Oberrabbitier der Presover orthodoxen Judenschaft nach Gebühr zu ehren. In erwartungsvoller Festesstimmung sah somit die gesamte Gemeinde der Ankunft ׳des Oberrabbiners entgegen. Eine dreißiggliedr'ige Deputation reiste dem Oberrabbiner bis zur Grenzstation Orlov entgegen, wo ihm ein herzlicher Empfang •bereitet wurde. An allen Stationen, die ■der Zug passierte, schlossen sich neue Festgäste an. In P r e § 0 v waren inzwischen aus allen Gemeinden der näheren und weiteren Umgebung Deputationen und Hunderte von Festteilnehmern angelangt. Aus den Reihen der Ko sic er orthodoxen Gemeinde allein waren mehr als hundert Mitglieder nach Presov gereist, •um teilzuhabeir an der ״Ehrung der Thora“, die sich beim Empfang des Oberrabbiners abspielen sollte. Von der Bahnstation Orlov sandte Herr Oberrabbiner Lau ein Huldigungstelegramm an ■den Herrn Präsidenten M a s a r y k. An der Bahnstation Presov harrte eine unübersehbare vielhundertköpfige Volksmenge seiner AnkuiifL Der Zug, dem der Herr Oberrabbiner mit seiner angesehenen Begleitung entstieg, wurde mit brausenden Jechi-Rufen •begrüßt. Hier richtete Herr S t a d t k 0 mmissär Kaparalnik an den Oberrabbiner im Namen der Stadt Presov und ihrer Bcvölekruiig eine warme Ansprache in der Staatssprache auf die ־ der Herr Oberrabbiner in polnischer Sprache herzlich erwiderte. Ein langer Zug von Autos und Wagen geleitete den Oberrabbiner zum schon geschmückten Tempel. Vor dem Eingänge begrüßte ihn mit freudig erregten Worten Herr Tempelvorstehcr Willner. Drinnen im Tempel stimmte der Chasan das ברוך הבא und das מ ה ט ו ב ו an. Nach dem Mincha- ׳gebet wandte sich zunächst der •bisherige Leiter des Rabbinates Herr Rabbinatsassessor David Neu wir th mit einer kurzen, aber sinnreichen Begrüßungsrede an den Oberrabbiner und an die Gäste. Darauf hielt Herr Oberrabbitier Lau seine fesselnde und sehr eindrucksvolle Antrittsrede. Das ganze Publikum war im Banne der meisterhaft aufgebauten und inhaltlich gedankenreichen Programmdroschoh. Er gelobte •darin, der Gemeinde ein fürsorgender Führer zu sein und sein Rabbinat streng im Sinne der Orthodoxie על פי התורה והיראה zum Wohle der Gemeinde ׳und zur Ehre des ganzen Judentums zu leiten. Die klare und unzweideutige Festlegung seines zukünftigen Wirkens auf die Prinzipien der Landesorthodoxic gewann ■ihm alle Herzen und die gesamte Gemeinde beeilte sich nach •Schluß der Rede, ihm Segenswünsche zum Ausdruck zu bringen. Zahlreiche Deputationen stellten sich darauf dem Oberrabbiner vor, der für jeden freundliehe Worte ■übrig hatte. Am Abend fand dann im Saale des Hotels zum ״Schwarzen Adler“ mit 400 Gedecken statt. An der Tete saßen die Festgäste, •unter ihnen nannentlieh Seimabgeordneter Oberrabbiner Meier S c 11 a p i r o aus Piotrkow, Verwandter und Rabbiner Simcha T e 0mim-Frenkel aus Podgorze, Schwiegervater des Oberrabbiners, und d;ie Vertreter der Behörden. Tischreden und דברי תורה der erlesensten Art wurden eine Menge vernommen und über der ganzen Festgesellschaft wehte ein Geist freudiger Begeisterung. Im besonderen war Herr Oberrabbiner S c h a p i r 0, der auch hierzulande als Agudafiihrer und Seimabgeordneter berühmte Oberrabbiner von Piotrkow (״Sanoker Raw“) Gegenstand allgemeiner lebhafter Ovationen. Wieder und wieder mußte dieser glänzende Redner das Wort ergreifen und immer verstand er es, die gesamte Zuhörerschaft zu enthusiasmieren. Außer ■ihm hielten viele andere Redner Ansprachen und brachten der Presover Gemeinde und ihrem neuen Oberrabbiner ihre Glückwünsche dar. So gestaltete sich die Aufnahme Sr. Ehrw. des Herrn Oberrabbiners L a u zu einem Feste für die Gemeinde Presov und für die Thora. P. .. /. sich an Ihrem Geld, <31e versündigen wenn sie Pe!ze einkaufen, ohne sich von unseren billigen Preisen zu überzeugen l Süsss^e Auswahl in aSBen Peizgatf ungen H^rkaiafi en gros, en defaiiS BfflepapafuB*en werden schnei! und fhilSigsft durch geführt £ B1*ata9B0iwa, Kristinengasse Nr. i Kolben-Palais Samstag gesperrt! Aus dem Gemeindeleben in der Slowakei. Jüdisches Vereiiisleben in Galanta. Zu den wenigen Gemeinden der Slowakei und überhaupt auf dem Gebiete des ehemaligen Ungarn, in denen das jüdische ״Kehillo-Leben“ nach Form und Inhalt bis zu unseren Tagen in seiner unverfälschten Eigenart erhalten geblieben ist, zählt Galanta. Die Galantaer Judenschaft wußte und weiß ihr Gepräge zu bewahren und all die veigterblichen Einflüsse, die seit Jahren auch manche .Provinzgemeinden ihres altjüdisehen schlicht-frommen Charakters zu entkleiden suchen» scheinen vor ihr haltgemacht zu haben. Streit und Hader stören die Entfaltung der jüdischen Kräfte seit vielen Jahren nicht mehr. Die beiden Gemeinden leben in Frieden und Eintracht nebeneinander und ihre Führer sind aufrichtig bemüht, in ihren Grenzen den Thorageist der Mitglieder zu heben und zu stärken. Bemerkt man Risse und Lücke» im jüdischen Leben, so sind diese nur Folgen der Langsamkeit, mit der man die Mängel wahrnimmt, und der Schwerfälligkeit, mit der man in solchen Gemeinden an die Errichtung neuer Schützmauern herantritt. Das schöne, reiche innere Leben der Gemeinden und der gute orthodoxe Geist, der die Führer beherrscht, geben den Gelmeindemitgliedern oft eine unerschütterliche Selbst- Sicherheit, so daß sie den Wandel der Zeiten erst bemerken, wenn es zu spät ist, Abhilfe zu schaffen. In Galanta aber erfreuen sich die jüdischen Institutionen dauernder Blüte und sorgsamster Pflege, wie überall, wo man sich ihres Wertes bewußt ist. Die Bet- und Lehr haus e r sind gut besucht. Die Väter bestreben sich, ihre Söhne dem Judentum zu erhalten und sie mit den Waffen des Thorawissens und der Thoramoral zum Kampfe gegen alle Anfechtungen des Unjudentums auszurüsten. Die F r a u e 11 stehen ihren Männern in ihrer Anhänglichkeit’ an die jüdischen Ideale nicht nach. Ziclbewußte, xec 114-

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