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Jüdische Presse · 1928-02-17 · 7 (17.2.1928) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
7 (17.2.1928)
Date
1928-02-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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‘Mt Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von «_ 1 Sack 60 *=־ kg angefengen franko Haus, ebenso in I Fahren und Waggons JULIUS HABER Kohlen« in1d KokagroOhancdung Nordbahnrutsehsn 3. Kohlenhof Nr. 372376־ Wien, II., TaborstraBe 9 Fanupnchar Rr. 4122־0־ ווווווווווווו11ווווווווו |llillilliiHiilllliNMIIjiill!llllllllilllll!lll||||||||||||||||||||||||||||j|||||||i|||f|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||!|||||||^ ן Liebe Frau! ן H Wollen Sie eine schöne, moderne und 1 1 dauerhafte Perücke zu den denkbar billig1 ־ I Sten Preisen haben, so kommen Sie und | I überzeugen Sie sich. ff | FRANZ BALLA | i Wien, 4. Bezirk, Gußhausstraße Nr. 26 1 I Tel. 54-8י .79־ I Budgets seitens Reg.-Rat Dr. Oppenheim nahm die ganze -Sonntagsitzun« in Anspruch. Zweite Siztung. . Die zweite Sitzung, wdclic Montag abends stattfand, war für die Generaldebatte bestimmt. Ais erster sprach• Dr. 'Fried mann namens!der zionistischen Fraktion. Er erklärt, daß die. Zionisten r ii r das ז r e i e A U s I e Ib e 11 aller religiös e n A n s c!1 a u 1111 g e 11 der Wiener Juderischart wären und daß sie das Bestreben haben, alle religiösen A e in t e r mit s 0 1 c 11 e 11 Funktionären zu besetzen, die alle״ Schiciht'en der Wiener jüdischen Bcvölker u n g, selbst den streu g g laubigst e 11, c 111spr echen. Wenn man mit dein Zustande •der Religiosität in Wien nicht zufrieden sei, so ist daran die mangelhafte .jüdisohe Erziehung der Juden schuld. Dr. Friedmann fordert im; Namen seiner Fraktion wenn auch nicht die obiig-atorisohe, so doch die fakultative jüdische Schule für jene Eltern, die ihre Kinder nur an jüdischen Schulen erziehen lassen wollen. Die jüdische Schule darf kein Gegenstand der Politik, sondern ausschließlich des jüdischen Lebens- Willens sein. In seiner weiteren Rede .bespricht Dr. Friedmann die Probleme der sozialen Fürsorge, wobei er ein überaus interessantes Bild über die Bevölkerungsstatistik der Judetischaift ׳in den letzten zehn Jahren gibt. Die Zahl der Austritte und die ■der Todesfälle übersteigen wesentlieh die Zahl des Geburlenzuiwachses, so daß, falls diese TeHdenz for.tdauert, Wien in absehbarer Zeit nicht ,!nein* den Anspruch au׳f eine Großgemcinde erheben kann. Diese Ziffern des Austrittes sprechen aber außerdem eine eindringliche Sprache, so daß man durch bessere jüdische Erzieihüng den Ausfall ersetzen müsse. Nachdem Dr. Friedmarin nocli für die Inanspruchnahme des Paragraphen 68 des Friedensvertrages und für die Erweiterung des Wahlrechtes eintritt, schließt er seine großangelegte Rede, die sich durch einen sachlichen und konzilianten 'Ton auszeichncte. Nach ihm spricht im Namen der Gruppe für soziale Anbeit Dr. Bader. Auch seine Rede, in welcher er für die programmatischen Forderungen seiner Gruppe in sachlichen Ausführungen eintritt, macht einen guten Eindrück'. Nach Dr. K 1 a b 0 r, ׳der über Erzielumgsfragen spricht,' kam Herr Viktor Bamuii 11׳ger zu Worte. Er begann mit einer feierlichen Erklärung, daß er nur deshalb nicht •h eb r äi s eh spreche, weil dies in der Wiener Kmltusstube verboten wäre, nur 110011 in Sawjctrußland besteht .dieses Verbot. In’seinen weiteren Ausführungen beschäitigte sich Herr Bauminger in sehr eindrucksvoller Weise mit den Problemen der jüdischen Erziehung und des jüdischen Geisteslebens in Wien. Am Schlüsse seiner Rede irat er für die Unterstützung des Keren Hajessod ein. Nach den Ausführungen der Herren Dr. Glanz und Koni.-Rat ßuchwald kam in später Nachtstunde Herr Wolf Pappen 1h c i m zu Worte. Die Rede von Herrn Wolf* Pappeniieim: Hochgeehrtes Kollegium! Nachdem ich wiederholt in die Debatte gezogen wurde, muß ich mich etwas ausführlicher auslassen, werde mich aber doch bemühen, mich angesichts der vorgerückten Stunde möglichst kurz zu fassen. Iah befinde mich in gehobener Stimmung, weil ich aus den Keldeu sämtlicher geehrten Vorredner einen so warme n To 11 für Religiositä t gehört halbe, daß ich midi beinahe in einer Versammlung der S c 11 1׳ tf •f s e h 11 •1 glauben konnte. Kollege Herr Dr. Friedman•» hat für unser Sc 11111־ werk besonders liebenswürdige Worte gefunden, Kollege Dr, Bader und Dr. Glanz haben f ü r d i •e Religiosität der Institutionen der Gemeinde plädiert, Herr Dr. Glanz hat auch noch für die W׳ü1־digu 11g'u 11 d Kräftigung der orthodoxen B e 111 ä u s e r eine Lanze gebrochen und ab des fehlenden Talmudstudiums in der Kultusg&mcinde scharfe Worte gefunden. Alle aber haben in bewegten, zum Herzen gehenden Worten den furchtbaren Niedergang der Kiiltusgenieinde infolge der zahlreichen Todesfälle und de,r Austritte beklagt. Meine Herren! Das Grundübel liegt darin, daß unsere Jugend der Großstadt leider vom religiösen Judentum nichts weiß. Mannheimer, den ich persönlich zu kennen das Vergnügen hatte und als einen der edelsten Menschen verehrte, hat nach einer Aeußerung des großen Kenners der jüdischen Literatur Gustav Karpeles irn Vereine mit dem Prediger Dr. Salamon die protestantische Homiletik auf die jüdische Kanzel gebracht. Nun, meine Herren! Wenn auch die jüdische Ethik vor 4000 Jahren unendlich vollkommener war als die der heute fortgeschrittensten Nationen, so kann man wohl mit der Ethik der ■•anderen Völker ein sehr feiner Mensch sein, a/ber ein guter Jude wird man dadurch nicht. Seit einem Jahre, seit ich mich mehr vertieft habe in die von Herrn Dr. ׳Friedmann angeführten Ziffern, habe ich manche schlaflose Nacht verbracht, wie man diesen! Verfemte enfcge&enttete« könnte, Gestatten Sie mir, meine JÜDISCHE PRESSE Der Adar-Monat 5688 ist von der Leitung der Agitdas Jisroel dazu bestimmt wordeiij eine Aktion zur Förderung des vorzunehmen. Unser Sclluhverk mit seinen 10 Schulen und etwa 1200 Kindern darf der gegenwärtigen Wirtschaftskrise in Palästina nicht zum. Opfer fallen, denn wie könnte Erez jisroel wieder das klassische Land der jüüisehen Lebensheiiigung werden, wenn ihm die Schulen fehlen, um die Heranwachsende Jugend Erez Jisroels mit jenem wannet! Cbaiuzimgeisie zu erfüllen, der da spricht: ״Als Chahizini wollen wir eiisherschreiten vor G-U.“ Es gedenke daher jeder Agudisl in diesein Adar — dem traditionellen Werbomonat zur Heiligung des jüdischen Gesetzes - der e%lgen Gemeinschaft, die uns mit Erez Jisroel verbindet, und der heiligen׳ Pflichten dieser Gemeinschaft! Wie einst im Adar aus den halben Schekel- Spenden der Reichen und der Armen der Opferdienst im Heiligtum erstand, so lasset auch ihr den Adar nicht׳ vorübergehen, ohne der Speudenpflicht des halben Schekels für das heilige Land zu genügen. P מ I ii s t i n a - Z c 11 t r a 1 c ri 0 r A!11 ׳ tl a s .1 i s r 0 e I: Dr. Safoiiiou Hlinnaim, Frankfurt a. M. Doz. Rabb. Dr. Moses Auerbach, Berlin. R.-A. Dr. Isaak Breuer, Frankfurt a. M. Mcnko Max Hirsch, Haiberstadt. Julius Holländer, Frankfurt a. M. Herbert Kruskal, Frankfurt a. M. Isaak Nußbauni, Haiborstadt. Bcrthold Stiauß, Fumküurt a. M. Dr. S. Oppenheimer, Frankfurt u. M. Julius Blumenthal, Frankfurt a. M. Dr. Emil Hirsch, Berlin. Dr. Willy Hofmann, Frankfurt a. M. Rabb. Jonathan Horowit?, Jerusalem. Simon Mugdau, Frankfurt a. M. R.-A. Dr. Max Oppenheimer, Frankfurt a. M. Samuel Wertheinier, Frankfurt a. M. Leo Wreschner, Frankfurt a. M. G e s c h ä i t s f ii 11 r e!1 d e r Ausschuß d 0 r A g(1 das Jisroel i. A.: Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, Wien. Jakob Rosenheim, Frankfurt a. M. 1. M. Lewin, Warschau. Spenden erbeten auf das Postscheckkonto der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, Wien. Kontonmiimer D. 33,-iilti. _ Nr. 7 FRANZÖSISCHE LINIEN VON HAMBURG, HAVRE, BORDEAUX, GENUA, MARSEILLE NACH SÜD-AMERIKA ₪₪₪₪i₪ll!llll₪₪₪₪₪lll!l!l!₪₪₪l₪lll!l₪||l!lll!l₪ BRASILIEN, URUGUAY, ARGENTINIEN KUBA, MEXIKO 11111111111₪11(111₪ti1m COLUMBIEN?וווווווווו!וווווווווווווווווווווו1ו!וווווווווווווו!ווווווווווווווווווווווווווווווווו1ו!1ו!ו VORZÜGLICHE EINRICHTUNGEN DER 3. KLASSE RITUELLE KÜCHE WIEN, IV., WIEDNER GÜRTEL 24 (GEGENÜBER SÜDBAHNHOF) Herren, daß ich zwei Minuten als Vorsteher der Schiffschul spreahe, denn sonst bin ich hier weder Vertreter der Schiffschul noch der Aguda, sondern icli fühle •mich als Vertreter der ganzen religiösen Judenschaift Wiens und deren Interessen. Ich kenne die Schiffschul seit 64 Jahren aus eigener Anschauung und habe konstatiert, daß seit deren 80jährigem Bestände aus ihrem Verbände kein Austritt erfolgte. Ebenso habe ich konstatiert, daß in unserem Kreise Familien mit sieben, acht und neun Kindern keine Seltenheit sind, nahezu alle Familien aber zahlreiche Kinder haben. Nun ist es ja kein Zweifel, daß der Hauptgrund für den kolossalen Ueiberschuß der Todesfälle über die Gehurten ausschließlich darin liegt, daß leider auch in de» Kreisen der Juden sch alt das verderbliche System der Ein- und Zweikindcrsohaft Eingang gefunden hat. Es ist also die Befürchtung nicht abzuweuden, daß — ich veranschlage die Zahl der religiösen Juden in Wien auf 50.000 Seelen, ein Viertel der Gemeinde —, wenn von den Nichtreligiösen 150.000 Seelen durah Austritt und Ueiberschuß der Todesfälle sich ein Minus von 2300 Seelen pro Jahr ergibt Sie in 40 Jahren gezwungen sein werden, Ihre schönen Tempel in orthodoxe Schulen umzuwandeln. (Leibhafter Beifall auf allen Seilen.) Schuld an diesem Zustande der derzeitigen Generation trägt der seit 70 Jahren ganz ttn•zulängliehe, oft auch a n t i r •e I i g i ö s e Religionsunterricht. Hatten wir doch bis vor'wenigen Jahren 34 Religionslehrer, die am Freitag ihren Schülern lehrten: .yDu sollst am Sabbat keinerlei Arbeit verrichten.“ Am Sabbat aber vor ihren selben Schülern als Kommunallelhrer schrieben ׳und alles Verbotene taten. — Nur dem Umstande, daß ׳die Luegerei keine jüdischen Lehrer mehr anste'llte und es unseren Protesten gelang, in der neueren Aera die ebenso schmachvolle als lächerlichen Anstellung a!m Sabbat^schreiibc-nden Religionslehrer zu verhindern, hat dieses Zustand abgeschaft. Dies gutzu machen, dürfte ein hartes Stück Arbeit kosten. Das erklärt auch •der Umstand, daß unter den Austritten eine unverhältnismäßig •große Zahl, in Wien •geborener Juden vorikommen. Es gibt dafür ein Mittei, meine Herren! Vor allem veranlassen Sic ihre Rabbiner und Prediger, daß sie bei allen Gelegenheiten, sowohl auf der Kanzel, wie bei Hochzeiten, Trauerreden und im Privatgespräch immer 11nd immer wieder darauf hinweisen, daß das von Egoisinus, Luxusbedürfnis Indolenz, diktierte Zweikinder- System, abgesehen von der Sünde, ein Verbrechen an! Judentum ist. Wenn Sie dann noch für einen entsprechenden Religionsunterreicht sorgen, so wird vielleicht die nächste Generation Sinn für die Religon haben und der Gemeinde zur Stärkung •und zum Aufschwünge verhelfen. Meine sehr geehrten Herren! Es existieren in Wien eine Anzahl von Talmud-Thoras, an denen zirka 2000 Kinder Unterricht genießen. Das sind nahezu alle Wiener Kinder, die überhaupt etwas von Thoras Mosche verstehen. Unterstützen Sie diese reichlicher und errichten Sie eine Anzahl gleichoricntierter Religionsschulen. Ich erlaube mir ihnen nahezulegen, bei der Gründung dieser Talmud- Thoras uns zu Rate zu ziehen, denn, meine Herren, wenn Sie nicht Religionslehrer finden, die mit Liebe und Wärme an dem hebräischen Schrifttum hängen und ihren Schülern warmes Gefühl für die jüdische Religion umflössen, ist aller Unterricht wertlos. Der große Hebraist und Spinaraist S. Bernfeld, ׳Berlin, schrieb einst .tu der •hebräischen Zeitung ״Hazphira“: Wenn wir wollen daß unsere Kinder den Geist des Judentums und der hebraisehen Sprache kennen lernen, so müssen wir mit Chumesch und Raschi beginnen. Apikorssim, Leugner werden wir ja schon später aus ihnen machen. Wenn aber, wie es im Jaffaer Gymnasium geschieht, mit 11 jährigen Jun- •gens protestantische Bibelkritik getrieben ־wird , so ist dies ein Verbrechen am Judentum und an den Schülern. Meine Herren! Die hebräische Sprache, wenn sie nicht zui Kenntnis der Thora führt, ist für mich keinen Heller wert. Ich hatte in Jeruscholajim Gelegenheit, an einem lisehe mit 50 Kolonisten zu speisen, dort war eine sehr lebhafte Konversation in glänzendem Hebräisch,, an der ich nicht teilnahm. Schließlich fragte ich doch, einen meiner Nachbarn: ״Ihre Kinder sprechen ja sicher auch sehr gut hebräisch?“ ״Gewiß! Fließend und fehlerlos“, war die Antwort. ״Können sie auch die Lehre Mosis? fragte ich. ״Nun ja, den geschichtlichen Teil,“ war die Antwort. Eine solche hebräische Sprache oder ein solcher Religionsunterricht ist für die Auffrischung der Gemeinde und für das Judentum־ nicht nur wertlos, sondern schädlich, ßcsuchen Sie einmal unsere Religionsschulen, die der Adas Jisroel. Dort werden sie 5jährige Kinder in unserem Kindergarten finden, die spielend, ohne jede Anstrengung hebräisch Lesen gelernt haben. Auch wissen sie, welche Segenssprüche man über eine oder die andere Speise zu sagen habe. Wenn diese Kinder nach einigen Jahren unsere Schulen verlassen, so behalten sie gewiß genug Kenntnis vom Judentum, um nie im Leben dem Judentum feindselig gegenüber zu stehen. Meine Herren! ich kann in aller Ruhe darüber sprechen, Ich kann an Sie die An-

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