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Jüdische Presse · 1928-02-10 · 6 (10.2.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
6 (10.2.1928)
Date
1928-02-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE Nr. 6 Seite 40 Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons JULIUS HABER Kohlen« und KohsgroOhsndlung Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Wien, II., TaborstraDe 9 Fernsprecher Nr. 41-0-22 Sicherlich, wir Orthodoxe könnten nicht so liberal sein. Wir sind eben deshalb orthodox, weil wir der Anschauung sind, daß das Judentum b estimmte unwandelbare religiöse Vor- Schriften hat, die immer und überall res p e k t i e r t werden müssen. Beim Festhalten aii diesem orthodoxen Standpunkt wollen wir aber nicht ungerecht sein gegen jene, bei denen es schon einen großen Fortschritt, wir möchten sagen — fast ein sacrificium intellecti bedeutet, wenn sie auch die Orthodoxen für vollwertige und gleichberechtigte Juden anerkennen sollen. Und dieser Fortschritt scheint nun, zumindest nach den Aeußernngen der Verantwortlichen Führer aller Gruppen, erreicht worden zu sein. Die Orthodoxie, ihre religiöse Anschauung, wird als gleichberechtigter Faktor anerkannt. Diese Anerkennung,, quittierte der Führer der Orthodoxie, Herr Wolf Pappenheim, mit der Bemerkung, daß er sich einige Augenblicke lang wie in 'der Schiffschul gefühlt habe. Einige Augenblicke. Diese Augenblicke für einen dauernd gesicherten Zustand auszugestalten, wäre vielleicht ebenso die Pflicht der Orthodoxie, wie der übrigen in der Kultusgemeinde vertretenen Parteien. II. , Nicht nur die grundsätzliche Anerkennung der Orthodoxie soll' hier hervorgehoben werden, sondern auch das Bestreben auf dem Gebiete d e s K 111- 111 s etwas mehr als früher zu leisten. Besonders die kleinen Bethausvereine, diese wertvollen Keimzellen des jüdisch-religiösen Lebens in Wien sollen ausgiebiger als bisher gefördert werden. Eine Reserve von S 80.000 wurde zu diesem Zwecke im Budget des Jahres 1928 sichergestellt. Eine Resolution dahingehend, daß den Bethausvereinen nahegelegt werde, die unsagbar triste materielle Situation ihrer Angestellten zu verbessern, wurde einstimmig angenommen. Die ״Jtidische Presse“ wies bereits in den Artikeln, in welchen sie sich jüngst mit dem Budget der Kultusgemeinde beschäftigt hat, auf das •bittere Unrecht hin, das den zumeist kinderreichen Funktionären der kleinen Bethausvereine widerfährt. Es sind unter ihnen hochqualifizierte Rabbiner, die oft ein Monatsgehalt vod S 50 (fünfzig) beziehen, wobei sie nicht nur jeden Sabbat, sondern alltäglich morgens und abends in Lehrvorträgen .׳ihren Zuhörern religiöse Kenntnisse beibringen. Das Los der übrigen Angesteliten ist selbstverständlich noch ärger. Hoffentlich wird es jetzt besser werden. III. Gut war die verflossene Budgetdebatte der Kultusgemeinde, aber auch aus dem Grunde, weil der andere Grundpfeiler des jüdischen Lebens, die jüdische Schule, erheblich gekräftigt wurde. Man hat oft während der Budgetdebatte den Eindruck gehabt, daß selbe eine große Schul- und E rzjie hu n gsdieb a 11 e sei. Es soll mit Befriedigung hervorgehoben werden, daß eine wesentliche Annäherung der Parteien auf dem Gebiete der künftigen Schulpolitik der Wiener Kultusgemeinde erzielt werden konnte. Herr Dr. Friedmann, der Sprecher der zionistischen Fraktion, verlangte nicht mehr die jüdische Zwangsschule, sondern die fakultative jüdische Schule für jene Eltern, die ihre Kinder aus religiösen oder aus anderen Motiven heraus nicht in die allgemeine Simultanschule schicken wollen. Er verlangte ferner die Einberufung einer Enquete zur Prüfung dieser Angelegenheit. In der Spezialdebatte vertrat Moses Rath sehr warm die Interessen der Bibel schulen. Aus der Erwiderung des Schulreferenten der Wiener Kultusgemeinde, Herrn Dr. Josef T i c h 0, der eine große prinzipielle Bedeutung zukommt, ist zu entnehmen, daß mm auch die Majorität der Kultusgemeinde zu einer aktiveren Schulpolitik als bisher geneigt sei. Eine kräftige Förderung der Bibelschulen war ja schon bisher eine wesentliche Forderung der Majorität, da sie darin die Erfüllung einer, der Kultusgemeinde statutarisch auferlegten Pflicht zur Erteilung des jüdischen Religionsunterrichtes in Wien erblickt. Aber über diese elementare Pflichterfüllung hinaus, will die Kultusgemeinde alles tun. was eine Besserung auf dem Gebiete der Jugendbildung bewirken kann. Aus diesem Grunde steht die Majorität nicht ablehnend gegen eine fakultative jüdische Vollschule, soweit sie auf religiösen Grundlagen aufgebaut ist. Diese Erklärung des Schulreferenten, die von allen Parteien mit lebhaftem Beifall entgegengenommen wurde, bedeutet einen nicht zu verkennenden Fortschritt. Nicht nur die bereits bestehenden jüdischen Vollschulen — die vom Talmud - Thora- Schulverein erhaltene.. V 0 lk s- und FIau.ptsch u 1 e fand die wohlverdiente Anerkennung aller Parteien —/׳können auf Grund dieser autoritativen Aeußerung einer besseren, materiell gesicherten Zukunft entgegensehen, sondern man darf hoffen, daß noch andere ähnliche Schulen ins Leben gerufen werden. Einstweilen wurde vom Finanzreferenten für die Subventionierung der erhöhten Schulaufgaben über das Präliminare von S 150.000 für das Jahr 1928 noch 35.000 Schilling .vorgeschlagen. Finanzreferent Reg.-Rat Dr. Oppenheim hat in diesem Zusammenhange eine Aufstellung über die jahraus, jahrein steigende Subventionierung der verschiedenen Schulbestrebungen gegeben. Im Jahre 1923 waren FRANZÖSISCHE LINIEN VON HAMBURG, HAVRE, BORDEAUX, GENUA, MARSEILLE NACH SÜD-AMERIKA BRASILIEN, URUGUAY, ARGENTINIEN KUBA, MEXIKO VORZÜGLICHE EINRICHTUNGEN DER 3. KLASSE RITUELLE KÜCHE WIEN, IV., WIEDNER GÜRTEL 24 (GEGENÜBER SÜDBAHNHOF) es bloß S 3000, im Jahre 1924 schon S 45.000, im Jahre 1925 S 63,000, im Jahre 1926 S 100.000, im Jahre 1927 S 136.000 nnd im Jahre 1928 nach der neuerliehen wesentlichen Erhöhung S 185.000. was eine über sechzigfache Steigerung bedeutet. Wenn nun auch wir eine erfreulich steigende Tendenz der Zuwendungen der Wiener Kultusgemeinde für Schulzwecke konstatieren, so wollen wir, wenn auch nicht im Gegensatz, so doch zur Ergänzung der Ausführungen des verehrten Finanzreferenten darauf hinweisen, daß die Wiener Kultusgemeinde im letzten Friedensjahre, im Jahr 1913, bei einem Gesamtbudget von 3,597.713 Goldkronen für U n t eKr r i c I! tsangelegenheiten, 419.000 Goldkronen präliminiert hat, also ungefähr 12 Prozent der Gesamtausgaben, in 15 Jahren später, im. Jahre 1928, wo in der jüdischen Welt überall ein wachsendes Verständnis für die unerläßliche Notwendigkeit der jüdischen Schule glücklicherweise Platz gegriffen hat, präliminiert die Wiener Kultusgemeinde bei einer Gesamtausgabe von rund sechs Millionen Schilling, bloß 430.000 Schilling für Unterrichtszwecke, also nach der Goldrelation fast ein Drittel weniger als in Friedenszeiten, und im Verhältnis zum heutigen Budget bloß 7 Prozent desselben, also fast die Hälfte der Friedensleistung nach der Proportion des Gesamtbudgets. IV. Am Schlüsse der Budgetberatung •blieb nur noch eine wesentliche prinzipielle Differenz zwischen den Parteien und das war die Differenz in der Wahlrechtsfrage. Die Sprecher der zionistischen und sozialistischen Gruppe traten mit aller Vehemenz teils für die Er Weiterung-־■des bestehenden Wahlrechtes, teils Amtliche Verlautbarungen der Israel. Kultusgemeinde Wien Kultusgebühren für die Erzeugung und den Verschleiß von Mazzoth. Gemäß den Bestimmungen des behördlich genehmigten Taxlind Gebiihrcntarifes der Israel. Kultusgcineinde Wien ist diese berechtigt, für •die Beaufsichtigung der Erzeugung sowie des Verschleißes von Mazzoth eine Kultusgebühr im Betrage bis zu S 10.50 für 100 kg zur Einhebung zu bringen. Gemäß § 22 des Gesetzes vom 21. März 1S90, R. G. Bl. Nr. 57, ist zur Einhebung der statutenmäßig auferlegten Leistungen die politische Exekution gewährt. In den letzten Jahren hat es sich mehrfach ereignet, daß Mazzoth-Erzeuger oder Mazzoth-Impor teure an den Kultusvorstand um Nachsicht der Gebühr nachträglich mit der Angabe herangetretcu sind, sie hätten bei den Verkaufsabschliissen dieselbe nicht in Berücksichtigung gezogen. Per Kultusvorstand sieht sich daher veranlaßt, schon derzeit auf die Verpflichtung zur Entrichtung der Gebühr aufmerksam *u machen und aufzufordern, etwaige Ansuchen um Ermäßigung der Gebühr unter Angabe des in Betracht kommenden Quantums von Mazzoth bis spätestens 25. Februar d. J. einzubriugen. Angesichts der Finanzläge der Gemeinde und des Umstandes, daß die Erträgnisse dieser Kultusgebiihr für Armenzwecke verwendet werden, wird eine nachträgliche Ermäßigung oder Nachlaß der Gebiihreu nicht zu gewärtigen sein. Um die Grundlagen für die Gebührenvorschreibung zu schaffen, sind die Organe der Israel. Kultusgemeinde angewiesen, die Erhebungen über die Erzeugungs- und Verkauisstätteu von Mazzoth mit aller Umsicht zu pflegen. Jugendgottesdienst für Volks-, Bürger-, Haupt- und Mittelschüler (-Schülerinnen) im II. Halbjahr des Schuljahres 1927/28. Per Jugendgottesdienst im zweiten Halbjahr des Schuljahres 1927-28 wird am 18. und 25. Februar, am 3,, 10., 1724 ״. und 31. März, am 1421 ״. und 28. April, am . 512 ״. und 19. Mai und an! 29 ״. und 16. Juni d. .1. jedesmal um 3 Uhr nachmittags in folgenden S3׳t1agogen abgehalten: 1״ Seitenstetteugasse 4; II״ Tempelgasse 3: V״ Siebenbruunengasse la: VI., Schmalzhofgasse 3; VIII., Neudeggergasse 12; IX״ Müllnergasse 21; X״ Humboldtgassc 27; XIH״ Penzingerstraße 132; XV״ Turnergasse 22; XVI״ Hubcrgassc 8; XV1II., Schopeiihauerstraße 39; XIX., Dollingergasse 3; XX״ Kluckygasse II, und XXI״ Holznieistergasse 12. Vertretungen während der Vakanz der Oberrahbiuerstelie. Um bis zur Wiedenbesetzuug der durch das Ableben des Herrn Oberrabbiners Pr. H. P. Chajcs vakant gewordenen Stelle des ׳ Oberrabbiners die klaglose Purchführung der dem Rabbinatskollegium (Beth Pin) obliegenden Agenden sowie die Verseilung der rabbiaischen Funktionen im Stadttempel zu gewährleisten, hat der Kultus- Vorstand provisorische Maßnahmen verfügt, durch welche dem seinerzeit zu beschließenden Pefinitivum i!1 keiner Weise vorgegriffen wird. Per Gemeinderabbincr Pr. Pavid F e 11 c 111 w a 11 g wurde damit betraut, bei den Agenden des Rabbinatskollegiums (Beth Pift) mitzuwirken, den zeitweiligen Vorsitz in diesem Kollegium zu übernehmen und im Sinne der Bestimmungen des § 37 des Kultusgemeinde- Statutes das R ab bi na t in jenen Belangen zu vertreten, in welchen die Vertretung des Rabbinats durch den Oberrabbiner zu geschehen hat. Bezüglich der Abhaltung der Predigten im Stadtieinpel wurde verfügt, daß sie von Freitag, den 27. Jänner 1. J. augefangen abwechselnd, und zwar in alphabetischer Reihenfolge, von den Herren. Gemeinderabbinern Prof. ׳ M. J. Bach, Br. Pavid Feuchtwang, Pr. Max G r u uwald, Pr. Israel Taglicht und Pr. Moses Rosenm a n 11 abgebalten werden. Pie Predigten finden an jedem zweiten Freitag-Abend statt. Von der Bibliothek der Israel. Kultusgemeinde Wien. Pie Bibliothek wurde im Monat November 1927 von 1121 Lesern besucht, die 2473 Werke, beziehungsweise .3446 Bände benützten. Entlehnt wurden an 202 Personen 333 Werke in 486 Bänden, zurückgestellt wurden 247 Werke, beziehungsweise 408 Bände. Im Berichtsmonat hat die Bibliothek 128 Werke neu erworben. Im Monat Pe- , zember 1927 wurde die Bibliothek von .1034 Lesern besucht, die 2484 Werke, beziehungsweise 3306 Bände benützten. Entlehnt wurden an 194 Personen 300 Werke in 416 Bänden, zurückgestellt 209 Werke, beziehungsweise 338 Bände. In diesem Monat hat die Bibliothek 99 Werke neu erworben. Matrikenbericht für Jänner 1928. Beim Matrikenamte der israelitischen Kultusgemeinde gelangten im Monat Jänner zur Eintragung: 125 Geburten, 234 Sterbefälle, 66 Austritte aus der israelitischen Religionsgesellschaft und 23 Eintritte ins Judentum, beziehungsweise Rückkehr zur israelitischen Religionsgesellschaft. Veränderungen im Kultusvorstande. ־ A11׳ Stelle des infolge Mandatsniederlegun.g aus dem Kultusvorstande ausgeschiedenen Herrn Siegmund B 0 n d i (Aguda) wurde Herr Michael Stern leid, an Stelle der Herren Oberbaurat Robert Stricker und Pr. Leopold Plaschkes (Zionistische Partei), welche gleichfalls ihr Mandat zurückgclegt haben, die Herren Moses Rath und Pr. Sanel Beer und an Stelle des dahingesohiedenen Herrn Sigmund E p •1 e r (Zionistische Partei) Herr Pr. J. H. Körner gemäß den ]Bestimmungen der Wahlordnung in den Kultusvorstand einberufen. Personalien. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien hat dem Verwalter im Spitale der israelitischen Kultusgemeinde, Hugo Weiß, den Titel ,,Oberverwalter“ und der Frau Dr. Chaje Salomon eine Sekundararztenslstelle in der Versorgungsanstalt der israelitischen Kultus!- gemeinde verliehen.

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