Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 5 (3.2.1928)
- Date
- 1928-02-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3& JÜDISCHE PRESSE Nf. 5 Gründung einer Jeschiwah auf dem Lande. Hamfonrg. (J. U.) Die insbesondere von jungagudistischer Seite seit längerem erhobene Forderung: Schaffung einer orthodoxen Musterstedlung auf dem Lande, die sich um eine zu errichtende Land-Jesohiwah gruppieren soll, scheint sich in nicht zn ferner Zeit zu verwirklichen. Wie wir hören, hat sich das Landesdirektorium des Keren Ha’- tbauroh in seiner letzten Sitzung mit dem Projekte eingehend befaßt und für die geplante Jeschiwoh eine monatliehe Subvention in Aussicht gestellt. Eine Tagung der bayrischen Agudah-.Tugend in Schweinfurt. N ii r n!b e r g. (J. U.) Am Sonntag, den א. Jänner 1928 fand, wie bereits in den vorhergegangenen Jahren 1926 und 1927 die 3. unterfränkisohe Bezirkstagung des ״Verbandes gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine Bayerns in der Agudas-Jisroel-Jugendorganisation“ in Schweinfurt statt. Um 2 Uhr nachmittags eröffnete Herr Dr. Münz-Nürnberg die vor allem aus unterfränkischen Lehrerkreisen zahlreich besuchte Versammlung und dankte allen Erschienenen für das durch ihre Anwesenheit neuerding« bewiesene Interesse an den Bestrebungen der gesetzestreuen Jugend Bayerns. Er führte aus. daß vor allem durch die stärkere Mitarbeit der Lehrer eine praktische Arbeit, die der Verwirklichung der auf den Tagungen herrschenden Begeisterung dienen müsse, in die Wege geleitet und ständig durchgeführt werden müsse., die dann auch unsere Mitglieder ständig neu an uns feßle.'Herr Bezirksrabbiner Dr. Stcin-Solnveinfurt bezeiclmete in seinen Begrüßungsworten den Vcrsammhungstag als einen Tag der Freude fiir alle, die Gelegenheit hätten, an ihm teilzunehmen, und dankte der Leitung der agudistischen Jugend fiir. nie erlahmende Schaffensfreude. Diesem Danke schloß sich in seiner Begrüßungsrede der Vorsitzende der israelitisehen Kultusgemeinde Schweinfurt. Herr Justizrat Dr. Hommel, an, der der Jugend in ihrem idealistischen Streben zur Verwirklichung der ewig-neuen und alten Wege der Tauroh besten Erfolg wünschte. Nachdem der Vorsitzende beiden Rednern gedankt hatte, sprach Herr ׳ Dr. Stein-Schweimfurt über ״Selbstbezeugungen der Bibel“. 'In tiefgründigen Ausführungen wies der Redner an Hand von Zitaten aus dem Tnacii nach, daß die Behauptungen der Bibelkritiker, die Tauroh stamme aus einer nachbiblischen Zeit, den In den Sohriften von Nwijlm und Ksuwiim niedergelcgten Bezugnahmen auf die Tauroh widerspreche und somit die Wahrheit der Offenbarung be- Statist sei. Als zweiter Redner sprach Herr Rabbiner Dr. Klein-Nürnberg. ״Tat urfd Gesinnung“ lautete das Referat des Nürnberger Raws. In überaus nackender Weise verstand es Redner, darzulegeii. daß nach jüdischer Auffassung vor allem die Tat zu werten sei. die dann durch ständige gewissenhafte Erfüllung au oh die rechte Gesinmmg im einzelnen Menschen erwecke. Der überaus starke Beifall, der beiden Rednern gezollt wurde, bewies das große Interesse, das!ihre Ausführungen bei allen Zuhörern gefunden hatten. Herr Max Gutmann schloß mit einer Anspräche, in der er Vorschläge für den Ausbau für die jüdische Arbeit auf dein Lande machte, ׳in vorgerückter Stunde die Tagung. Rabbinischer Landesrat der Agudas Jlsroel. Hamburg a. d. Elbe. (J. U.) Bei der am 29. Jänner stattgefundenen Ersatzwahl für den rabbinisehen Landesrat der Agudas Jisroel fiir Deutschland wurden die Herren Rabbiner Dr. Esra Munk, Bertiin, und Oberrabbiner Spitzer, Hamburg, gewählt. Isaak Nußbauin fährt nach Erez Jisroel. Der bekannte landwirtschaftliche Sachverständige Herr Isaak Nußbäum (Halberstadt), Mitglied der Palästinazentrale der Agudas Jisroel, begab sich am 2. Februar nach Erez Jisroel, um dort für die weitere Besiedlung der der Aiguda gehörenden Ländereien den Besiedlungsplan festzulegen. jubiläuin der Schulen der Israelitischen Religionsgeseilschaft Frankfurt a. M. Frankfurt a. M. (J. U.) Die Realschule und das Lyzeum der Synagogengemeimäe Israelitische Rcligionsgesellschaft beabsichtigen ihr 75jähriges Bestehen am 15. April d. J. festlich zu begehen. Am Vormittag des Festtages findet eine großangelegte akadcmische Feier statt. Am Abend wird eine gesellige Veranstaltung Elternschaft und Freunde der Schule vereinen. Am Vorabend des Festtages soll den ehemaligen Klassenkameraden aus den ältesten Zeiten bis in die jüngste Gegenwart Gelegenheit zu einer zwanglosen gemütlichen Zusammenkunft .gegeben werden. Von besonderem Interesse wird eine im Schulgebäude untergebrachte Ausstellung sein. Die Ausstellung wird sich in drei Teile gliedern: Lehrmittel für den hebräischen und jüdischen Unterricht, Samson Rafael Hirsch, historische Schulausstelhmg (Schuldokumente, allgemeine Lehrmittel, Erinnerungen. Lehrer- und Klassenbilder, Statistisches). Schließlich erscheint noch eine Festschrift, die neben einem schulgesohichtlichen und pädagogischen Teil eine Reihe von wissenschaftlichen Ab- 11 and hingen enthält. Vom orthodoxen Rabbinerverband. Frankfurt am Main. (J. U.) Der orthodoxe Rabbiner verband hielt am 22. Jänner in Frankfurt am Main unter Vorsitz von R!a׳bbin er Dr. Bondl-Mainz eine Vorstandssitzung ab. Es wurde 11. a. beschlossen, die Generalversammlung des Verbandes zwischen Pesach und Schewuoth in Frankfurt am Main abzuhalten. Jahre 1919 hat die rührige Adaß-Ji$roeI-Gemeinde eine eigene Schule begründet und innerhalb sieben Jahren Grundschule, Volksschule, Realgymnasium und Lyzeum errichtet. Zum April soll das Oberlyzeum als Abschluß des gesamten Schulwerkes den Mädchen eröffnet werden. Es ist damit zu rechnen, daß dieses in ganz Deutschland einzig dastehende Schulsystem, welches fiir die ungebrochene Kraft der deutschen Orthodoxie ein sichtbares Zeugnis ablegt, überall ungeteilte Anerkennung finden und für die Ausbildung der gesetzestreuen Jugend in der Reichshauptstadt von grundlegender Bedeutung werden wird. Generalversammlung der ״Adaß Jeschurun“, Köln. Köln am Rhein. (J. U.) Auf der Anfangs Jänner stattgefundenen Generalversammlung der ״Adaß Jeschurun“ stand die Abänderung des Statuts auf der Tagesordnung. Es ist dies eine Frage, die die Verwaltung der ״Adaß Jeschurun“ schon seit Jahren beschäftigt. Nach dem seit etwa einem Vierteljahrhundert bestehenden Statut haben die gleichzeitig der Großgemeinde angehörenden Mitglieder der Adaß — im Gegensätze beispielsweise zu Frankfurt — keinerlei Mitbestimmungsrecht, weder aktives noch passives Wahlrecht. Der von der Verwaltung unter Hinzu- Ziehung einer Kommission ausgearbeitete Abänderungsentwurf bezweckt, den Nichtausgetretenen innerhalb der Adaß gewisse Rechte einzuräumen unter ausdrücklichster Wahrung der Selbständigkeit der Adaß als Austrittsgemeinde und weitestgehender Sicherung der Selbständigkeit ihrer Institutionen. Es handelt sich um die Einräumung einer statutarisch bestimmten Anzahl von Sitzen au die Nichtausgetretencn in Vorstand und Repräsentanz. Es ist aber — gerade als Sicherheitsmaßnahme gegenüber nicht zu verkennenden Strömungen gegen den Bestand der Adaß — ausdrücklich vorgesehen, daß der Vorsitzende des Vorstandes und der Repräsentanz keiner anderen Kölner Synagogengemeinde angeboren dürfen, niemand Mitglied des Vorstandes oder der Repräsentanz sein kann, der gleichzeitig ein Amt in einer anderen Kölner Synagogengemeinde innehat; die Selbständigkeit der Institution der Adaß unantastbar ist: eine Auflösung oder Verschmelzung mit einer anderen Synagogengemeinde solange nicht erfolgen kann, als ein Minjan den selbständigen Weiterbestand der Adaß fordert. Die Generalversammlung genehmigte den Entwurf, der nunmehr der Regierung zur Anerkennung unterbreitet wird. Jugendkonferenz In Amsterdam. Amsterdam (J. U.) Am 22. Jänner wurde hier nach Inkrafttreten des neuen Statuts der erste ordentliche Dclegiertentag der holländisehen Agudas-Jisroel-Zentrale abgehalten. An der Tagung nahmen außer den Delegierten der holländischen Jugendgruppen viele Mitglieder, besonders aus Amsterdam, Seheveningen, Rotterdam und Utrecht, teil. Nach Eröffnung durch den Vorsitzenden Isaak Vredenburg-Amsterdam wurden die Geschäfts- und Finanzberichte verlesen und eingehend besprochen, das Budget von 700 Gulden festgesetzt, eine Anzahl von eingegangenen Vorschlägen und Anregungen diskutiert und dem provisorischen Vorstand, der zwei Jahre hindurch die Geschäfte geführt hat, Entlastung erteilt. In der Abendsitzung wurde Herr Dr. David Hausdorff-Rotterdam zum Vorsitzenden bestimmt. Ferner ergaben die Wahlen die Wiederwahl der Herren J. Kropveld-Rotterdam und Zadoks-Haag, und die Neuwahl der Herren Golthof-Utreoht und Cohen-Aimsterdam. Dann erstattete Herr di׳pl. Ing. J. Kropveld einen Bericht der Frankfurter Tagung und Herr Isaak Vredenburg einen solchen über die Berliner Zentralratssitzung. In später Abendstunde wirr de die so interessante Tagung geschlossen. Tagung der Leitung der schweizerischen Agudahjugend. St. Gallen. (J. U.) Sonntag, den 15. Jänner fand hier eine Sitzung der Leitung der Agudas-Jisroel-Jugend- Organisation der Schweiz unter dem Vorsitze von E. Sternbuch-St. Gallen statt. Lewenstein-Zürich referierte über die Tagungen in Frankfurt und Berlin. Es wurde beschlossen, eine Landestagung der schweizerischen Agudahjugend auf den 26. Februar einzuberufen. Die Vorbereitung der Kenessio Gedaulo wurde sofort in Angriff genommen. Schächtverbotbeschluß der Budgetkommission des Warschauer Stadtsenats. In einer Sitzung des Warschauer Stadtrates brachte der Nationaldemokrat Dr. Zawadski die folgende Resolution ein: ״Der Magistrat wird aufgefordert, in den städtischen Schlachthäusern nur solche Schlachtungen zu gestatten, wie sie in der ganzen zivilisierten Welt üblich sind, und die Schächtung nach ritueller jüdischer Vorschrift durch Schächter zu verbieten.“ Das jüdisehe. Stadtratsmitglied Meisl ergriff sofort das Wort und forderte, daß über diesen Antrag zur Tagesordnung übergegangen werde, da diese Frage gar nicht in die Kornpedenz der Budgetkommission fällt. Der Präsident der Budgetkommission, der frühere Finanzmiuister Dr. Michalski, brachte den Antrag Zawadski« dennoch zur Ab- Stimmung; der Antrag wurde mit fast allen christlichen Stimmen — die Linken und die Pilsudski-Anhänger inbegriffen — gegen die Stimmen der Juden und einiger weniger Christen angenommen. Die jüdischen Stadtratsrnitglieder verließen hierauf unter Protest die Sitzung. In weiten jüdischen Kreisen hat der Beschluß der in solchen Fragen gänz und gar unzuständigen städtischen Budgetkommission große Empörung hervorgerufen. Man sieht hierin einen Versuch, auf Umwegen ein Schächtverbot einznführen. Die jüdischen Zeitungen glauben, daß die den Rechten angehörigen Kommissionsmltglieder aus Judenhaß, die Linken aber aus Religionshaß für den monströsen Antrag Zawadski gestimmt haben. Jüdischer Humor. ״Wissen Sie, Herr Davldsahn, Sie sind gar nicht so dumm, wie Sic aussehen.“ Davidsohn: ״Von Ihnen kann man das nicht be- •haupten.“ $ Die Ruhe. ״Wann hältst du deine Mittagsruh?“ wird der Rabbi einer kleinen ungarischen Gemeinde von einem Freunde gefragt. ״Nach dem Essen,“ erwidert jener, ״legt sie sich auf eine Stunde schlafen . . .“ Wer sie?“ ״Wer? . Mein Weib.“ ״Ich frag‘ doch, wann du deine Ruh‘ halst . . .“ ״Na . . . wenn sie schläft, hab‘ .ich'meine Ruh‘.“ Wofür zank ich mich das ganze Jahr? Für den Scholem! * Rosenbliith: ״Spaß, war das e Beerdigung von mei‘n Tante. Sie können sich denken, was das fiir e Gefolge war, wenn der letzte/Fiaker die Nummer 709 hatte.“ fiflBRBBBaflflnflBiflBBBBflBRflBBaBBRfflBRHRBRBRBRBBRRBBflBBflBBBRflRRIRBflBBflBRBRRnBBBRflnBaB& ■ g I Ts chechoslowakei g b ט SflBBHBBBBBBBBBBBBBBBBflBBBBBBBBBBIBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBHBBBBBflBBBBBBBBBli? Zwei Mahnrufe. Zwei Mahnrufe liegen vor uns. Zwei Weckrufe an die Rabbiner, Gemeindevorsteher und an alle Juden unseres Landes, denen ein, Interesse für die Dinge des Judentums noch zugetraut wird. Beide Aufrufe sprechen eine gar zu deutliche Sprache und erzählen uns von dem Verfall des Judentums in unscren Landen. Zwei beschämende Dokumente der Zeit — für die Zeit. Zwei machtvolle Aufschreie der gequälten, zermürbten jüdischen Seele, Alarmrufe zur Selbstbesinnung und Ermaiinung in einer Zeit, da Schlaffheit und Schwäche die Willenskraft lähmt und das Gemüt bedrückt. .Sie kommen beide aus unserem Lande und sie wenden sich beide an uns. Aus zwei geographisch und mehr noch geistig von einander entfernten Punkten der Tschechoslowakei dringt der gleiche Ruf an uns. Wir hören dieselbe Klage, wir empfinden dieselbe Qual, so verschieden auch der Ton ist, den sie anstimrnen, um auf Gemüt und Verstand zu wirken und unseren Sinn für die jüdische m ucn 1\.tm1prcu ihiöcici vuici gcaiami iraue unu uiu juuisehen Ideale, um die es damals ging, mit herübergenommen hat in unsere sinkende Gegenwart. In dem anderen tastet sich ein junger Rabbiner an unser jüdisches Gewissen heran, den der tägliche Anblick vollendeter Zer- Störung unwiederbringlicher jüdischer Güter zur Rettungstat anspornt und nach einem Schimmer van Hoffnung in eine tröstlichere Zukunft auszulugen zwingt. Der greise Oberrabbiner von Beregsas, Rabbi Salomon Schreiber, der einzige unter uns weilende Sohn des Ksaw Sofer, sieht die Not der Zeit im Judentum, er sieht den Verfall, den Niedergang, die Sünde, die schicksaldrohende, schicksalbestimmende Sünde, er sieht die Feuerzeichen der Strafe und der g-ttlichen Ahndung, er hört die Wehrufe der geschändeten Thorarollen, der gemarterten jüdischen Seele, die Aufschreie ächzender, blutender jüdischer Leiber von der rumänischen Staatliche Genehmigung eines Oberlvzeums der Adaß Jisroel in Berlin. Berlin. (J. U.) Der israelitischen Synagogengemeinde Adaß Jisroel in Berlin ist seitens des Ministers für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung die Genehmigung für ein Oberlyzeum erteilt worden. Im Wahrheit freizumachen und unseren Willen zur .jüdischen T^t anzuregen. In dem eine 11 Aufruf spricht ein 11 o c 11 b e t a g t e r Rabbiner (ד' יאריך ימיו) zu uns, der — einer mächtigen, Grenze her zu uns herüberdringen, und kann nicht und will nicht alles das unabänderlich gelten lassen. Er mahnt zur Selbstbesinnung, zur Einkehr, zur Buße und zur — Tat, zur Tat, die aus einer aufrichtigen Wandlung )RUCKEREI- U VORMALS IGNAZ STEINMANN VERLAGS~A.~G WIEN IX., UNIVERSITÄTS STRASSE 6«S Übernimmt Druckaufträge aller Art, auch in fremden Sprachen: Geschäftsdrucksorten, wie Zirkulare / Prospekte / Karten / Briefe Reklameartikel f Fakturen / Memoranden / Durchschreibebücher TAGESZEITUNGEN / WOCHENSCHRIFTEN Fachbiätter für alle Branchen f Rechenschaftsberichte / Kataloge / FERNRUF 15-Z-S1 ROTATIONS-, FLACH- UND MEHRFARBENDRUCKE Eigene Stereotypie und Buchbinderei / Herstellung von Massenauf״ lagen in kürzesten Terminen / Prompte Bedienung; Kostenvoran- Schläge auch schriftlich / Auf Verlangen unverbindlicher Vertreterbesuch «