Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 5 (3.2.1928)
- Date
- 1928-02-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 34 JÜDISCHE PRESSE Nr. S!FASCHING! PURIM! manschen und Kaufleute, so entbehren diese — an sich nicht schlimmer als jene, doch leichter von Gott und Natur abgdenkt — und entbehrt mit ihnen das ganze Volk das vop jenen ausgehende, sie mltbestimmendc Gemütsfluidum. Und wenn das jüdische Volk trotzdem heute noch immer in seiner Tugend wenigstens nicht ■hinter anderen Völkern zu rückbleibt, ja vielleicht in mancher Hinsicht ihnen noch immer voraus ist, so verdankt es dies nur dem ungeheuren religiös-sittlichen Anstoß, den es vor Jahrtausenden erhielt, und der noch immer einigermaßen fortwirkt; es hat keine ׳Bürgschaft dafür, daß es bei gleich-!)leibenden Verhältnissen nicht immer tiefer sinken werde. Und ebenso sagte und sage ich mir: Wenn das Volk Gottes seit vlelon, vielen Jahrhunderten im Grunde ohne festes Gefüge dahinlebt, ohne Einrichtungen, die auf a!ll« seitig anerkannten Autoritäten und Kompetenzen beruhen, selbst in seinen Lebenszeiten, den Gemeinden, eine starke hührersc'haft durch die zur Wahrung des Thoragci&tcs und des thoragerniißen Lebens Bestellten nicht verträgt und natürlich noch weniger dafür gesorgt hat, daß Allisrael, der כלל ישראל wiodor zur Aligemeinde, zur כני ישרי werde, eine einheitliche, seine Gesamtheit umfassende und betreuende Verwaltung erhalte, — so fehlt ein Hauptfaktor für eine rationelle Erziehung dieses Volkes, für dessen planvolle Behütung vor den Vor- *Hebungen der außcrjüdisolien Welt und für dessen ErfUUüng mit heißem Willi en zur Betätigung ■des Judentums, und er fehlt um so mehr, je nötiger er durch die ungleiche Wesensgestaltung der über die Erde verteilten iildlschen Gruppen wird. Mit diesen .Feststellungen war und ist aber auch schon die zweite unserer Fragen beantwortet. Die rnate« rtellen Voraussetzungen, die ermöglichen könnten, daß die jüdische Gesamtheit auf eine höhere Stufe der Artung gehoben werde, sind denjenigen entgegengesetzt, die es so lange nicht aufsteigen ließen. Das will bedeuten: Wenn Ispaeil dahin gebracht werden soll, den Völkern als Belspiel dienen zu können, wenn cs vorerst die ersten Schritte seines eigenen Aufstieges soll machen können, so muß einerseits eine Venlündiichung elntreten, d. h. es muß ein ansehnlicher Teil des jüdischen Volkes aus den Groß- Städten entfernt und ■der Landwirtschaft zugeführt und muß andererseits eine autoritative und repräsentative Ordnung und Führung der jüdischen Gemeinschaftsverhältnissc, eine wahre כגסת ישראל hergesteift werden. Ueber die Schwierigkeiten, die der Schaffung dieser beiden Voraussetzungen eratgegenstehen und über die Hnwände, die gegen sie erhoben werden, habe ich ausfuhrJioh in!deiner Schrift: ״Im Dienste der Verheißung“ geschrieben. Die Einwände glaube ich dort entkräftet zu haben. Die Schwierigkeiten , größtenteils durch jüdisches Versagen so groß, leugne ich nicht, halte sie aber trotz allem für durch Ausdauer und Hingabe überwindbar. Namentlich möchte «oh in bezug auf die Forderung der Verl and!!chung darauf hin weisen, daß Schwierigkeiten von heute nicht solche von morgen sein müssen, und daß, wenn ׳in einem Lande ein nur sehr schwaches Echo des Rufes zur Landarbeit zu erwarten ist, die Aussichten!in anderen Ländern nicht ebenso schlimm zu sein ■brauchen. Schließlich möchte ich noch erwähnen, daß mit der Verländ'liciiung etwas grundsätzlich anderes gemeint ist, als was der _ Zionismus meint. Nicht darum handelt cs sich, daß um jeden Preis — auch um den des Venlassens der reinen Linie der Venländlichung — ein bestimmtes Territorium gewonnen werde, sondern um eben diese reine Linie selbst, um die Veriändliohung einer möglichst großen Anzahl von Juden, wo immer es auch sei. ■Daß dabei ארע ישראל in hervorragendem Maße zu berücksichtigeu sein w!ird, liegt ebenso auf der Hand, wie daß jüdische Bauern ln anderen Ländern dem jüdischen Palästina nur zum Vorteil gereichen können. Ich ■habe diesbezüglich das Wort gebraucht, daß ארץ ישראל ein Bauerngolus mehr zustatten komme als ein Krämer- .wJus. *) Doch genug davon. Es gilt nun die dritte und trotz allem entscheidende Frage m!beantworten: W!ie kann die Tafte.alle Farben S 11.80, 8.90 Georgette . .. 7.80 ,9.80 ,13.80 ״ ״ ״ Crepe Satin . . » —.13 ,—.16 ,—.19 ״ ״ ״ de Chine . 5.80 ,9.80 ,13.80 ״ ״ ״ Lamd •••••*..., 3.80 ,5.80 ״ Goldu.Silhersfoffe, Spitzem in größter Auswahl. I. Tuchlauben Nr. 8 Idee der Heiligkeit, der Tugend, Im jüdischen Volke wieder anstoßwillig und anstoßkräftig werden? Und da erschien und erscheint es mir als nicht anzuzweifeln, daß sie dies nur dann werden ■kann, wenn sie in ihrer ganzen Breite und Tiefe, ohne Rückhalte und Rücksichten, in voller Strenge und mit nicht erlahmender Eindrücklichkeit verkündet, aber noch mehr als das, wenn sie auch, ungünstigen Voraussetzungen zum Trotz, von entschlossenen, opferwilligen Menschen vorgelegt wird, d. h. wenn sich im Kleinen, innerhalb des jüdischen Kreises, eine Avantgarde der S c I b s ■t h e i J i g u n g und Bois p i e 1׳ g e b ■u n g b ii ■I d e t, so wie sie im Großen, Im Völkerkreise zu sein, Israels Aufgabe ist. Damit war und ist mir jedoch auch schon die Frage nach den Trägern der Idee beantwortet. Ich sagte und sage mir: Es müssen in der gesetzestreuen Judcnbeit alle jene gesammelt werden, die mit besonders feinem Empfinden für die Unhal't- ■barkeit!der heutigen seelisch-geistigen Situation Israels den entschlossenen Wüllen verbinden, sich mit Leih und Seele dem, Unheil entgegenzustemmen, sich zum Heile emporzuarbeiten. Sie müssen sich Zusammenschlüßen, um nach reifen und immer reiferen Plänen, in gemeinsamer Uebung, das liebende Sichvcnsenkcn in Gott, das ergebene Meniscbenbrüderituni und. eine keusche Schönheit dos Gebarens zu lernen״ Als ich die Notwendigkeit dieses Zusammenschlusses ergebener und entschlossener Menschen, der unter dem Namen der Aulim (Aufsteigende) erfolgen sollte, zum ersten Male erkannte, dachte ich mir sie, vereint mit allen denjenigen, die sie allmählich heranziehen sollten, als die Ver wirklich er jener beiden materiellen Voraussetzungen eines Aufstiegs des Gcsaintvolkcs, von denen ich ihnen sprach. Später sah ich ein, daß diese Kuppelung nicht gut möglich ist, weil der Natur der Sache nach diejenigen, die sich zum unmittelbaren Dienste an der Idee melden, verhältnismäßig nur wenige sein können und die Arbeit an der Venländfichung und an dem Auf- und Ausbau der Aligemeinde das Werk der Vielen, der Menge unter der Leitung Ihrer Führer sein muß. Den Wenigen, den Aulim, konnte also In bezug auf ■die Schaffung materieller Voraussetznngen nur die Aufgabe verbleiben, die Notwendigkeit solcher Schaffung!immer und immer wieder auszusprechen und vor allem weite gesetzestreue Kreise zum Werke selbst, zur Tat zu animieren. Ihr eigenes und *) Vielleicht ist es für manche etwas paläsfcimozentrisch veranlagte Agudisten zu wissen dienlich, daß angesehene Persönfichkltcn und Blätter zionistischer und misraohistisoher Richtung, und sogar in Palästina, nicht nur keinen Grund fanden, über meine Verländlichungsforderung. .und meine Stellung zu ארץ ישראל vom Palästinastandpunkte aus verstimmt zu sein, sondern s׳ie sogar anerkennend beurteilten. Der Referent eigentliches Tätigkeitsfeld mußte der unmittelbare Dienst an der Idee sein, ein verantwortungs- und planvolles Streben aus demütig erkannter Gesunkenheit und Einsternis nach Aufstieg und Licht, ein tief bescheidenes, hingebungsvolles Ringen ums Beispie,Igebcnkönuen und Beispielgeben. Selbstverständlich ließ mir von dem Augenblicke an, da für mich die Notwendigkeit eines gesetzo&treueu Aktivisrous, wie ich ihn hier beschrieb, feststaud, das Problem, ihn m verwirklichen, die Aulim wirklich ins Leben zu rufen, keine Ruhe. Ich sah aber lange keinen Weg. Nun aber, nachdem der Agudas Jisroel gelungen ist, der Orthodoxie ihre Scheu, Ihre Angst vor dev Oeffentliichkeit, ihre Zaghaftigkeit vor dem Gegner zu benehmen und sich so eine Position zu schaffen, wird sie vielleicht bald soweit sein, sich außer Ihren Organisator!- sehen und politischen auch .den großen Aufgaben widmen zu können, die 'ich ■hier mit den Worten Veriändliohung und Auf- und Ausbau Uer Aligemeinde bczetehnete, - der letzteren Aufgabe um so mehr, als ja sie selbst und ihr raibbinisoher Rat schon Gründungen sind, die auf die unwillkürlich erfaßte Idee einer fest zu fügenden כנסת ישראל zurückgehen. Andererseits findet man jetzt überall in ihren Kreisen ein Streben, das Judentum in seiner ganzen Tiefe zu begreifen, und Menschen, die den Drang und den Mut ■haben, es auch in seiner ganzen Tiefe und nach allen seinen Auswirkungen zu erfüllen. Die Vorbedingungen für Gründung der Aulim-,Gemeinschaft־) sind also innerhalb der Agudas Jisroel gegeben. Wenn ich mich nun der Frage zuwendc, welche spezielle Tätigkeit die Aulim zu entwickeln haben, um ihren Ueberzeugungeii und Absichten gerecht zu werden, so muß ich zuvor bemerken, daß es nach dieser Richtung noch kedn Material gibt, das als authentisch, erschöpfend und abgeschlossen' bezeichnet werden könnte. Ich kann Ihnen nur sagen, wie ich mir das Anbeitsprogramm der Aulim vorstelle, wobei ich mich allerdings in den meisten Punkten in Ueibereinstimmung mit einer größeren Zahl von Gründern weiß, Selbstverständlich ist, daß ich mir die verschiedenen Arten von Tätigkeit nicht alle als sofort und gleichzeitig und mit gleicher Intensität in Angriff genommen denke. Soiort Mögliches wird dem noch nicht Möglichen, Bedeutsames dom weniger Bedeutsamen vorauszugehen haben. In Hinsicht auf die beiden Arbeitsgebiete der Verlä'iKll'ichiung und des Auf- und Ausbaues der Aligemeinde. die ja im der Hauptsache ■der gesamten Agudas Jisroel zur Behandlung überlassen bleiben, sollen die Aulim nur verpflichtet sein, sich über die einschlägigen Fragen, also ebenso über die Berufsschichtung und Umschichtung im jüdischen Volk!and dessen Siedlungs- und Wanderungsmögiiahkeiten, wie über die Verfassungsgeschichtc ■der כנסת ישראל von der ältesten Zeit an 1bis auf den heutigen Tag eingehend zu informieren und in der Agudas Jisroel immer und immer wieder ■für die Behandlung dieser Arbeitsgebjctc zu wirken. Wenn sich die Auihn außerdem auch die Gründung einer landwirtschaftlichen Stamm- und Schuisiedlung in Verbindung mit einer Jesohiwo vorbehalten haben, so liegt auf ■der Hand,!daß sie diese Gründüng nicht ohne Hilfe der gesaunten Agudas Jisroel werden vornehmen können und!ihre eigene Teilnahme daran ,hauptsächlich wohl in der Bei Stellung von Siedlern bestehen wird. Außerhalb dieses Wirkungskreises, aber auch außerhalb der eigentlichen Aulim-Täfcigkeit des Unmittelbaren Dienstes an der Idee der Tugend möchte ich innerhalb ב) Im Referat selbst sprach ich von einem Aulim- Orden. Das vorbereitende Komitee hatte gegen diese Bc: Zeichnung, die ihre Vorteile bat, ebensowenig Bedenken, wie etwa gegen die Bezeichnung Orthodoxie, die eine ähnliche Vorgeschichte besitzt. Da aber die Bezeichnung Orthodoxie, die eine ähnliche Vorgeschichte besitz. Da aber die Bezeichnung Orden auf ablehnende Haltung weiter Kreise stieß, hätte es keinen Sinn, sich auf sie festzulegen. Die Aulim. werden trachten, auch als ״Gemeinschaft“ Ihre Gründung zu rechtfertigen. Der Referent. Tiftjel andeutet und in der Vorrede ausspricht.'aber saftige Stücke, die dem Geist amregen und zugleich das Gemüt erfreuen. Es sind zwölf Sugjoth. die der Münchener Raw m einer Reihe von Jahren zum Gegenstände von דרשות gewählt hatte. Auf Bitten und Drängen der Hörer mußte sich der Rabbi entschließen, diese Kabinettstücke talmudischer Denkarbeit niederzuschreiben und sie zu seinem 70, Geburtstage herauszngeben. Eine eintretende Krankheit verzögerte die Arbeit. Einige Tage nach Fertig- Stellung des druckfähigen Manuskriptes verstarb Dr. Ehrentreu ז צ ״ל . Die nunmehrige Herausgabe des Werkes ist somit zugleich auch eine Tat der Pietät, bedeutet aber weit darüber hinaus eine äußerst wertvolle Bereicherung der rabbinischen Literatur. Die Abhandlungen betreffen bekannte halaehischc Fragen, die alle Talmudisten be- ’schäftlgcn, sind umfassend, unter Berücksichtigung aller einschlägigen Literatur, aber in echter Ehrentreuscher Art klar und übersichtlich, nach fester, straffer Disposition und nicht unnötig kompliziert, Hoffentlich weiden diese Neuerscheinungen die thoratreue Jugend in Deutschland, die heute ■im wachsenden Maße von Sehnsucht nach Thora erfüllt ist. mächtig anregen, ihr Streben darein zu setzen, die Krone der Thora im alten Glanze erstrahlen zu lassen. Halaclia-Tabelle. Eine gute Tat vollbrachte: der Merkas Haclrinuch des Keren Hathora, indem er einen Berufenen, Bernhard S. Jacobson, Hamburg, mit der Aus» apbeitung einer Halacha-Tabelle betraute. Jacobson löste die Aufgabe in einer Weise, die die Tabelle zum eisernen Bestände einer jeden jüdischen Schule machen wird. Von Esra und den Männern der großen Synode bis zu den Großem an der Schwelle unseres Jahrhunderts (S. R, Hirsch, Rabbi Jizohok ■Eichanun im Kowno) sind die Lehrer, die Tannaim. Amoraim, Saboräer, Gaoniten. die Dichter und Denker der kastilischen Zeit, die Dezisoren und Kommentatoren, die Tosafisten, die Großen Deutschlands von Rabbenu Gcrschom usw, bis zn den letzten ■nach Generationen, nach Zeit und Ort und ihren Hauptwerken angeführt und so übersichtlich zusammengestellt. daß ein Blick genügt, um sich über den Mann und seine Zeit zu orientieren. Die Tabelle muß Wandschmuck einer jeden indischen Gelehrtenstub« werden. Anerkannt sei, daß die Herausgeber durch dem niedrigen Preis — 25 Pfennig — jedermann die An- Schaffung der Tabelle ermöglichen. Sie ist erhältlich beim Hormon-Verlag, Frankfurt a. M. ״Ich bin Zeuge“ nennt sich ein neuer, kürzlich iin Verlage von Ernst Rowohlt in Berlin erschienener Sanimelband des bekannten Schriftstellers Alfred Polgar. Man vermag das Buch schwer aus der Hand;:11 legen. Es enthält viel köstliche, launige Essays voll leiser Ironie, Lebenskennttiis und Weisheit. George Duhamel: Prinz Dschafiar. Deutsch von Erwin Rieger. — Die zauberprächtige, farbenreiche Märchenwelt ■des Orients tut sich in diesen Geschichten aus Tunis vor uns auf. Wirklichkeit, Phantasie und Traum greifen ineinander und sind in der zarten, poetischen Sprache des großen Erzählers Duhamel geschildert. Auch die Juden gehören in diese Welt, und besonders reizvoll ist das Kapitel, das von Khemais Madar handelt, erzählt. Wir wünschen dem Buch viele Freunde. Die Kinder Israels (Mose-Rornan). Von Wlerner Jansen, Braunschweig 1927. Georg Westermann. Leinenband M. 6,50. — Dieses Buch muß abgelehnt werden. Es ist ein Hetzroman ärgster Sorte, der alles, was Judenfeindschaft ■gegen das jüdische Volk ersonnen hat, in diese biblische Mose'-Gescliiehte hineinstellt, die damit zu politischen antisemitischen Zwecken mißbraucht wird. K. P. Bibelübersetzung. Buber-Rosenzweig. Von der neuen Bibelübersetzung von Martin Ruber und Franz Rosenzweig (Lambert & Sehneider, Berlin) liegt bereits der sechste Band ״Das ■Buch lchosohua" vor. Es braucht nach der Bcspreghung der bereits früher erschienenen Bände an dieser Steife wohl nicht besonders darauf hingewiesen zu werden, daß auch dieser Band sich den anderen in jeder Hinsicht würdig anschließt. Preis des Buches Pp. M. 3.50, Lw. M. 5, Pgrn. M. 8,50. Wolfgang von Weis:!: Zwischen dem Teufel und dem Roten Meer. Fahrten ■und Abenteuer in Wesiarabien. (Verlag Brockhaus. Leipzig), Wolfgang v. W e i s 1 ist einer der besten Kenner nicht mir Palästinas, sondern auch des ganzen ״Nahen Ostens“, Er hat Arabien kreuz und quer durchreist, ganz allein, unbewaffnet and oft in hoher persönlielier Gefahr, ist in entlegene Winkel des sonst streng verschlossenen Wüstenlandes gedrungen, hat mit orientalisollen Fürsten und mit schlichten Menschen aus dem arabisehen Volk, das uns ans der Entfernung so einheitlich erscheint und doch $0 vielgestaltig ist, geplaudert. Die Berichte darüber sind in dem vorliegenden Buche zusammengefaßt. Wir ■hören vieles einzelne über arabische Zustände und Zusammenhängendes über die politischen Vcränderungen und das heutige Spiel arabischer und europäischer Kräfte. Arabien ist seit den Umwälzungen des Weltkrieges nicht nur für den Zionismus ein politisch interessantes Land geworden, und Weisl ist' wohl der erste deutsche Publizist nach dem großen Kriege, der eine Lücke in der einschlägigen Literatur ausfüllt, Auch derjenige, welchen die politische Seite des Werkes ka.lt läßt, wird das Buch nicht ohne Gewinn lesen. Es ist reich an farbigen, stets kurzwelligen Reisesehilderungen, enthält dutzendweise vortreffliche Abbildungen und ist überhaupt in seiner Aus-, stattnng des guten Verlegernamen,s wert. Dr. A. Tänzer, Geschichte der Juden ln *Jebenhausen und Göppingen. Stuttgart, Verlag von W. Kohlhammer. Oktav, XXIV und 573 Seiten, — Jebenhausen, ein kleiner Ort, der vor 150 Jahren die ersten* Juden aufnahm und stets nur eine kleine Jhidengemcindc beherbergte. 100־ war die Höchstzahl der Seelen der Gemeinde zur Zeit der Blüte. Die Gemeinde ging von der Mitte des 19. Jahrhunderts durch Abwanderung nach dem nahen, sich zur Industrlesta-dt entwickelnden Göppingen ganz zurück; viel hat auch die starke Auswanderung nach Amerika dazu beigetragen; seit 1899 bildet sie nur mehr eine Filiale der Göppinger Gemeinde. Diese kleine, kurzlebige Gemeinde hat nun ihren Historiographen gefunden, der ihre Geschichte in so eingehender Weise geschrieben hat, daß man versucht ist. zu sagen, sie wäre einer größeren Gemeinde würdig. Dr. Tänzer, schon durch andere historische Arbeiten bekannt, faßt im vorliegenden Buche alles Erwähueuswerte über die Auf- und Abwärtsbewegung der jüdischen Gemeinden Jebenhausen ■und Göppingen zusammen, biete 1 viel Interessantes über die Förderung der Industrie durch Juden, sehr viel Wertvolles zur Familiengeschichte und entrollt nebenbei auch unbeabsichtigt das Bild, wie aus einer kleinen jüdischen Kehltla eine richtiggehende moderne israelitische Kirchengenieiude wird. P.