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Jüdische Presse · 1928-01-13 · 2 (13.1.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
2 (13.1.1928)
Date
1928-01-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seüe 12 JÜDISCHE DRESSE Nr. 2 FASCHING! PURIM! FASCHING! mehreren Sprachen über -die allgemeinen und die spezifisehen agudistischeit Palästlfinangelegetiheitei!, 97 Vorträge ׳in 1kleinerem!and größerem Kreise, Herausgabe von Brosc'11 iir e 11, Verkauf von P a I ä s t i n a- Produkten dienten diesem Zwecke. Wenn durch diese Konferenz, so schloß Redner, das Bewußtsein der Verantwortlichkeit, welches auf der selbständigen Orthodoxie für Erez Jisroel lastet, gesteigert ,and in die einzelnen Länder hinausgetragen wird, hat sie ihren Zweck erreicht. Nicht Geld fehlt uns, sondern die Men soll eil, welche dieses Geld ver* lange tu und die Erkenntnis, daß w>ir nicht das Recht halben, die Sorge' für Erez Jisroel auf andere Orgnnisationen abzuwälzen. Redner forderte zur offenherzigen Kritik auf, bat aber, nicht zu vergessen, daß das Recht zur Kritik sowohl der eigenen wie auch außenstehender Organisationen nur erworben werden könne durch eigene aktive Tätigkeit. Im Anschluß an diesen Tätigkeitsbericht Übermächte Herr GMokunan-Porusch-Jerusalem die Grüße der palästincnsJschcn Land es Organisation und unterstrich vor allem die Notwendigkeit des ־palästinensischen Schul Werkes, schilderte die verheerenden Folgen der Missionsschulen und wies darauf ■hin, wie heute der Kulturkampf in Erez Jisroel in allerletzter Linie sich darin!betätige, daß um die Seele jedes einzelnen Kindes von den Vertretern der verschiedenen Weltanschauungen gerungen werde. In diesem Kampfe nicht untätig beiseite zu stehen, bittet er die Konferenz namens der palästinensischen Führer. Er überbrachte die Grüße der ehrwürdigen Rabbiner Sonnenfeld, Klatzikin, KlJers, Rubin und diejenigen der palästinensischen Landes- Organisation der Agudas jteroel. Herr Stadtrat Trockenheit«- Warschau verliest ein Begrüßungsschreiben namens des Gerer Rabl, welcher seine warmen Segenswünsche der Konferenz ausspricht, seinem Bedauern Ausdruck verleiht, nicht selbst ati •der Sitzung teiilnebmen zu können, und initteJlt, daß er mit seiner Stellvertretung bei der Konferenz Herrn J. M. Lewin־ Warschau betraut ■habe. Sodann berichtete Herr Trockenheim über die Erez Jisroel-Tätigkeit der polnischen L a n d e s 0 r g a n 1 s a t i 0 n. Er betonte zunächst, daß Polen der allgemeinen Palästina-Zentrale dafür Dank schulde, daß sie es durch eine aufopferungsvolle Tätigkeit und Hingabe verstanden׳ habe, bei aller Schwere der Situation den polnischen Bodenkäufern gerecht zu werden und jene Skandale zu vermeiden, die bei anderen Organ!־ satlone« zur Schädigung des jüdischen Namens leider vielfach sich ereignet hätten. Wenn auch augenblicklich ein Stillstand in der wirtschaftlichen Betätigung eingetreten sei, so glaube er doch, Im Namen der polnischen Landes- Organisation die Bitte aussprechen zu dürfen, daß die Palästina-Zentrale in ihrer Tätigkeit nicht erlahme, sondern ruhig auf eine •günstigere Entwicklung der Zeiten warte, am den wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau mit verstärkten Kräften fortzusetzen. Habe auch in den beiden letzten Jahren die polnische Landcsorganisation nur zirka Dollar 100.000 ihrerseits beigetragen, so könne doch die Palästina-Zentrale auch ln Zukunft auf die aktive Mitarbeit der polnischen Landesorganisation rechnen. Herr Henry D. Weil!-New York überbrachte die , Grüße der amerikanischen Landesorga 111־ \ sation und gab der Uebcrzetiigung Ausdruck, daß durch j die neueste Entwicklung der G1am- und Madhar-Frage es j auch gelingen wird, große interessierte Gruppen aus den orthodoxen Kreisen der amerikanischen Judenheit für die j kolonisatorischen Bestrebungen der Agudas Jisroel zu Tafte.alle Men S 11.80, Georgette . . . 9.80 ,13.80 ״ ״ ״, Crepe Satin . . * * ,—.16 ,-.19 ״ ״ de Chine . 9.80 ,13.80 ״ * ״, LamS.. 5.80, Goldü. Silberstof fe! Spitzen in größter Auswahl. I. Tuchlauben Nr. 8 Sie sich aal diese Annonce, bekommBn Sie 5 Prozent. gewinnen. Heuu A. W. Rose 11z wclg-Zürich berichtet über die eifrige Tätigkeit der schweizerischen Palästina-Zentrale, welche Im Verhältnis zu der geringen Zahl der Juden in der Sohwei<z mit Recht eine vorbildliche ■genannt werden könne. Hat doch die Schweiz •sich nicht nur an den Bodenkaufen beteiligt, sondern auch •In all ihren Gruppen die Durchführung der Rösch Chaudesch-Spenden-Aktlon erfolgreich unternommen. Er wünscht namens der schweizerischen . Palästinazentrale der Konferenz den besten Erfolg. Hiermit Schluß der Voradttagssitzung gegen 2 Uhr. (Fortsetzung folgt.) Bericht an die Mitglieder der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel über die Tätigkeit der palästinensischen Landesorgan!- sation der Agudas Jisroel — 5688 — 1926-27. I. Erziehungswesen. Unter außergewöhnlichen Anstrengungen hat die Aguda ihre Lehranstalten für Knaben und Mädchen ■in den Städten und Kolonien Jerusalem, Tei-Awiw, Petacih Tikwah, 'Liberias, Safed, Bne ■Brat und Giwas Schoul mit 1250 Schülern und 52 Lehrern fortgesetzt. Während de׳s Jahres wurde trotz der ungünstigen Vorbedingungen eine Klasse der Mädchenschule in Tiberias lilnzugefügt und eine neue Flliaischuie in dem Stadtteil Schaare Ghessed als Töchterschule in Jerusalem eröffnet Eine einmalige Subvention wandte die Aguda der Talmud Thora in Haifa und der Jerusalemer Talmud Thora in Siclirou Mosche zu. Die Talmud Thora ln Petach Tikwah wurde ln mehrfacher Hinsicht wesentlich verbessert. Eine neue Halle wurde gebaut und sonstige bauliche Veränderungen ausgeführt. Die Kosten wurden von der Landes aguda durch die Bemühungen eines Mitgliedes aufgebracht. II. Kolonisation. Der Landbesitz der ־Aguda wurde durch den Hinzuerwerb der Waisengrundstücke in Machaneh Jisroel vergrößert. In Machaneh Jisroel wurden im letzten Jahre mehr als tausend Dun am bopflügt und 1800 Dumam durch die Habajith bearbeitet. In Verbindung ׳mit der Landarbeit der Aguda muß des tragischen Todes des Wächters Zinder gedacht werden. Der Mörder ist trotz der Bemühungen der Aguda bei den Behörden bis heute nicht entdeckt worden. In Jerusalem ist das Haus des Herrn Adolf Lewin als Schenkung in den Besitz ■der Aguda übergegangen. In dem Hause wird eine Filiale der Mädchenschule betrieben. III. Unterstützungen. Die Erdbebenkatastrophe. Infolge der Erdbebeukata- Strophe cröffnctc ■die Aguda eine Aktion zur Unterstützung der durch das Erdbeben Geschädigten. Mit Hilfe der versohiedeneti Aguda-Zentralen in europäischen Ländern wurden durch •den Hilisausschuß sowohl einzelnen als auc-h Institutionen beträchtliche Unterstützungen ausbezahlt, ■und zwar ■insgesamt Pfd. Sterl. 350, Die meisten hiemit Bedachten wohnten in Jerusalem, indessen wurde ein kleiner Teil auch ■nach Tiberias und anderen Orten gegeben. Trotz der ungünstigen Finanzlage wurden Unter- Stützungen verschiedener Art im Gesamtbeträge von Pfund Ster!. 200 au Arbeiter und sonstige Bedürftige ausbczahlt. IV. Organisation, Außer der Zentrale in Jerusalem bestehen organisiertc Gruppen in Tiberias und Safed. In Hiaifa und Tel- Awiw bestehen ■keine organisierten Gruppen, wohl aber Bureaus, die ln Verbindung mit der Zentrale stehen. Die Jugendorganisation der palästinensischen Agudas J.isroei hat organisierte Gruppen in Jerusalem, Tiberias und Petach Tikwah. Wiederholt fanden allgemeine Versammlungen der Agudas Jisroel ■und der Jugendorganisation statt Ein Volksfest wurde am Chan! Hamaued Sakkoth gefeiert. Ebenso wurde der 15jährige Gedenktag der Gründung der Agudas Jisroel festlich begangen. V. Propaganda. fm letzten Jahre wurde eine großangelegte Propaganda!unter den sephardischen Gemeinden veranstaltet. Es schlossen sich infolgedessen der Aguda an: die Gemeinden der Bucharim, die Gemeinde von Aleppo und die von Marokko. Aus der letzteren zeichneten sich mehr als 100 Mitglfeder in die Mitgliederliste der Jerusalemer Aguda ein. Die Bucharim-Gemeinde vollzog ihren Anschluß an die Aguda ln vollster Offenheit, während sie von allen Seiten wegen dieses Schrittes stark angegriffen wurde. Sie veröffentllchte eine Kundgebung in den jüdischen Zeitungen, die von mehr als achtzig ihrer Führer und Rabbiner unterzeichnet war. Zweimal im Jahre veranstaltete die Aguda eine besondere Sammelaktion für den Keren Hathora. Alle Kreise des Judentums in Erez Jisroel interessierten sich dafür und die Aktion umfäßt das ganze jüdische Erez Jisroel. Die Einzelspenden sind nicht groß, aber sie sind beachtenswert wegen eines großen Kreises, der daran teilnimmt. Die Aktion wird in Jerusalem, Tiberias, Petach Tikwah und Safed veranstaltet und mehr.als fünfzehnhundert Einzel- Spender haben sich daran beteiligt. Im Laufe des Jahres veranstaltete die Jerusalemer Aguda eine Propagandareise durch die Städte von Erez Jisroel zur Verbreitung des Aguda-Gedankens. Außerdem bereisten im Interesse des Schulwerkes das Ausland die Herren Rabbiner Mosche Blau, Porasch und Fränkel. VI. Die Aguda als Außenvertretung. Die Aguda ist während des abgelaufenen Jahres!11 allen behördlichen Kreisen als Vertretungskörper anerkannt worden. Die Zeugnisse der Aguda-Zentrale hinsichtlich Vermögenslage, Leumund und Vertrauenswürdigkeit war-־־’ den von allen Abteilungen der Regierung angenommen. Insbesondere ist dies von Bedeutung bei der Eitiwanderungs- und Passageabteilung. Im Laufe des Jahres erlangte eine Anzahl Familien die Einreisebewilligung auf Grund von Zeugnissen der Aguda. Auch bei den Vertretern der fremden Regierungen ist die Aguda anerkannt worden. Sie hat eine Anzahl von Legitimationen zur Erlangung von Reisevisen nach fremden Ländern ausgestellt. Von besonderer Bedeutung ist dies beim amerikanische« Konsul. Bis zum vorigen Jahre mußten sich die orthödoxen Anstalten an die Zionistische Organisation wenden, um für Ihre Abgesandten Visen nach Amerika zu erlangen. Dies ist jetzt nicht mehr nötig, sondern es haben auf Grund fder Legitimationen der Aguda bereits fünf Anstaltsvertreter das Visum erlangt. Ebenso wurden von der Stadtverwaitun'g die Zeugnisse der Aguda hinsichtlich der Befreiung von der Wohnungssteuer usw. anerkannt. Es ist nicht zu leugnen, daß die Aguda im ganze« inneren Leben der Juden Erez Jisroels a!s wichtiger Faktor anerkannt wird. Dies ist auch im Verkehr mit den Banken, den Schiffahrtsgesellschaften und den Eisenbahnbehörden bei der Erlangung von besonderen Vergünstigungen oder Preisermäßigungen zutage getreten. Bei den Wahlen zur Stadtverwaltung ist es der Aguda gelungen, einerseits die Beziehungen zu den Arabern, und zwar zu beiden arabischen Parteien stark zu verbessern und auf der anderen Seite ein Zusammenwirken mit den anderen jüdischen Parteien du1*chzuführen. Der gemeinsame Ausschuß der Jeschiwa-Leiter und -Lehrer in Jerusalem, dem die Vertreter aller Jeschiwaus in Jerusalem angehören, besteht samt und sonders aus Mitgliedern der Aguda, die mit dem Ausschuß ln engsten Beziehungen stehen. Alle allgemeinen Fragen, die mit der Thora und dem religiösen Leben in Erez Jisroel Zusammenhängen, sind von der Aguda bearbeitet worden. Zahlreiche Sitzungen haben gemeinsam mit den Leitern der Jeschiwaus stattgefunden, Anfang der römischen Kaiserzeit niemals als inferiore Mitglieder der Mensohengesellschaft betrachtet wurden, ja in sehr vielen Fällen wurden sie sogar mit allen sichtlichen Zeichen der Hochachtung und Bewunderung bedacht. Schon unser erster Stammvater Avrohoin wurde mit dem Epitheton ״g-ttlichcr Fürst“ ausgezeichnet, Könige ehrten ihn lind schlossen mit ilirn Schutz- und Trutzbündnisse. Das nämliche Ereignis wiederholte sich im Leben Jicchoks. Jakob wurden in Mizrajim bei Lebzeiten und ■im Tode königliche Ehren zuteil. Das erste Golus, das unsere Ahnen in Mizrajim durchmachten, galt nicht den Juden, sondern den Fremden, denen gegenüber man die Autochtonen schützen wollte, denen man aber nach dem g-ttlichen übernatürlichen Eingreifen wieder Ehrfurcht und Achtung entgegenbrachte. Daß sich diese Gefühle der Hochschätzung durch das Wlirken eines Masche rabbenu, Joschiia, David und Schlomo noch steigerten, läßt sich nicht nur lebhaft denken, sondern ans unseren! heiligen Schrifttum, das doch dem größeren Teile der Kiilturmenschheit auch heilig ist, nachweisen. Wir können aber mit Fug und Recht die ganze Zeit der Selbständigkeit des jüdischen Volkes in eigenem Lande bei diesen Betrachtungen übergehe 11, denn nur im Golus, wenn das jüdische Volk!inmitten vieler anderer Völker lebte, konnte der Judenhaß entstanden sein. Daß dieser Fall aber nicht im ersten Exil eingetreten war, davon zeugen ebenfalls die Blätter der Geschichte. Am babylonisciien Hof gehörten die Juden zu den ersten Würdenträgern des Landes, der jüdische G־tt wurde angestaunt und verehrt als G-tt aller Götter, jüdische Weisheit und jüdischer Geist feierten dort die größten Triumphe. Abgesehen von fern Zwischenfall Hamaus, der auch mit dem Siege und der Erhebung der Juden endete, gab es keine Ausnahmsgesetze iiir die Juden im nachteiligen Sinne, sondern nur in vorteilhafter Bedeutung. Die Juden genossen als Beamte im Staatsdienste uno als Soldaten in den königlichen Heeren gewisse Privilegien, durch die ihnen die genaue Befolgung ihrer Religionsgesetze ermöglicht wurde. Diese Vorrechte wurden vou Alexander dem Großen bereits vorgefunden und bestätigt. Und obwohl die Juden von dieser Zeit ab sehr viel mit den verschiedensten nichtjüdischen Völkern in regem Verkehr standen, so hatten sie, von elnigen kleineren Plänkeleien abgesehen, die nur ephemere Bedeutung hatten, sowohl im Privatleben als auch im öffentlichen Leben, weder als Individuen noch als Gesamtheit, gar keine wie immer geartete Zurücksetzung erfahren. Daß dieses Verhältnis •in der Glanzzeit der Cliasmanäerregicrung unverändert blieb, ist ja selbstredend, aber auch noch zur Zeit des unglückseligen Bruderkrieges und auch noch, als infolgedessen das jüdische Reich in die Krallen des römischen Adlers gelangt war, blieb die ׳Ehre ■und das Ansehen der Juden unangetastet. Was ja eigentlich nicht mehr als natürlich ■ist, denn schließlich hatte das jüdische Volk doch die älteste Kultur, überragten doch jüdische Morai lind Sitten diejenigen der anderen Völker turmhoch, waren doch jüdischer Glaube, jüdische Liebe und Güte unerreichte Lebenshöhen, die unwillkürlich Achtung und Hoclischüt'Zimg abgewiunen mußten. Nun sind wir aber bei dem Zeitpunkt angelangt, ln dem ganz unvorbereitet, ohne jeden Uebergang, der Umschwung einsetzte. In der Kegicrungsperiode Herodesr kam der Wandei. Da lesen wir plötzlich, daß alle Völker, und ganz besonders die Griechen, wie auf ein gegebenes Zeichen, die Juden zu drangsalieren, zu hassen und zu verachten begannen, Josephns beschreibt des langen und breiton die Unterdrückung und Ausbeutung, sogar die Aniastung und Plünderung der Heiligtümer der Juden. So in Kleinasien. Kyrenc, Lybien und iu den jonischen Städten zu gleicher Zeit. Es ist klar, daß hier ein Zentralanlaß vorlag; von einem Mittelpunkt aus wurde dieser plötzliche Gefiihlswechsel herbeigeführt und die Judenpogrome inszeniert. Und die treibende Kraft war Herodes selbst, den man wohl jüdischen König nennt, der es aber selbst nienmls sein wollte, der hn jüdischen Laude eine ganze Reihe großer Festungsstädte baute und sie mit Heiden, mit besonderer Vorliebe mit Griechen bevölkerte, um die Juden einzuschüchtern und 'gleichsam im Belagerungszustand zu halten. Er umgab sich ausschließlich mit Nichtjuden, er verlegte den Mittelpunkt des Landes vom jüdischen Jerusalen! in die von ihm mit unerhört riesigem Kostenaufwand erbaute, an Prachtgebäuden und der Lust und Unterhaltung dienenden Institutionen mit Rom selbst wetteifernde, ausgesprochen heidnischen Charakter tragende Stadt Cäsarea. Die Grausamkeit und Blutrünstigkeit, mit der er unter den Juden gehaust hat, überschreitet doch alle blutigsten Vor- Stellungen der erhitztesten Phantasie. Aber all das nur den Juden gegenüber; gegen die anderen Völker war er mild, versöhnlich und gnädig, denn er machte kein l-lehl daraus, daß sein Herz in viel größerem Maße zu den Griechen neige als zu den Juden, ■und darum verpraßte er ein enormes Vermöge« an die Befriedigung der Wünsche der verschiedenen Völker, während er für jüdische Zwecke und Städte niemals einen Heller verwendete. Da die Deckung der enormen Ausgaben, die er im Interesse der anderen Völker machte, die Einnahmen des Landes bei weitem überstieg, mußte er die Juden mit der größten Grausamkeit bis zum Weißbluten aussaugen. So berichtet Josephns, ein Verehrer des Herodes, in den Alt. XVI, 5, 4. Das nämliche betonen die Abgesandten der Juden in ihrer denkwürdigen Klageschrift,'die sie nach dem Tode des Herodes an den Kaiser Augustus eingabein. ln dieser’ Denkschrift betonen sie auch unter anderem: ״Alle Städte unserer Nachbarn, die Städte der fremden Völker schmückte und zierte er mit den prachtvollsten Bauten und die jüdischen Städte ließ er verwahrlosen. Das ungeheure Geld hingegen ■zu jenen Bauten preßte er aus dem Mark der Juden heraus. Sie.liegen unter ihren unerschwinglichen Opfern im Staube und Herodes erreichte sein Ziel — die bei sciuem Regierungsantritt sehr reichen Juden sind zu Bottlern geworden. Die Spitzen des Volkes ließ er hinrichten, damii er ihr Vermögen konfiszieren lassen könne. Außer den 1111erträglichen Steuern, die er mit unbeschreiblicher Grausamkeit eintreiben ließ, waren die Juden noch besonders gezwungen, durch kostbare Geschenke und enorme B־-׳- stechungen an ihn und an seine griechischen und syrische!! Freunde ihr bloßes Leben zu erkaufep. Mit einem Worte, wenn ein wild tobendes und reißendes Tier unter uns gehaust hätte, wäre das Unglück noch lange nicht so groß gewesen, wie.dasjenige, das die Herrschaft Herodes’ verursacht hat. Das jüdische Volk hatte in der Vergangenheit auch schon zu leiden, aber das Unheil, das Herodes äuge-

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