Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 47-48 (23.12.1927)
- Date
- 1927-12-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 47/48 JÜDISCHE PRESSE Seite 291 ganze!Last *der Verantwortung fiel auf die Schulter des Gründers. Gleichzeitig forderte das Seminar seine ganze Kraft; die Lehrerausbildung wurde mit der Revolution auf neue Grundlagen und Methoden gestellt, was immer neue Verhandlungen, theoretische Studien, Einfühlung ,und Elastizität notwendig machte. Endlich aber war die materielle Versorgung beider Anstalten ein Riesenproblem, groß genug, um die volle Kraft eines Menschen zu absorbieren. Es ist geradezu ein Rätsel, wie er dies alles, alles aMein bewäitigtc, und immer noch die Spannkraft besaß, i'm Unterrieht sich selbst ganz hinzugeben, in der Droschoh immer wieder neu forschend und schöpfend seiner Gemeinde gegenüberzutreten ,und alle Kleinarbeit des Rabbinerberufes gewissenhaft und treu zu erledigen. Schon einmal hatte vor vier Jahren eine tückische Krankheit ihn aufs Lager geworfen und warnend ihn an die Grenzen menschlichen Könnens gemahnt. Die göttliche Gnade •hat ihn seiner Gemeinde und der Gesamtheit wieder- ,geschenkt; er aber wollte seinen Dank an den ׳Helfer droben durch erneute, unermüdliche Arbeit für die *hohen Aufgaben seines Berufes abtragen. Er arbeitete unaufhörlich, Tag und Nacht. Er rang seiner Gesundheit Stunde um Stunde ab, peinlich hingebungsvoll •im Kleinen wie im Großen, überall sein ganzes Ich, sein vollstes Könneni einsetzend. Diese Schaffenskraft und Schaffensfreude täuschte wohl ihn selbst und seinen Kreis darüber hinweg, daß hier die •Flamme des Lebens!sich selbst verzehrte. Niemand •ahnte, •daß jedes Wort seiner Lippen, •jeder Schriftzug seiner Feder,!jede Stunde seiner Arbeit ein Sieg des eisernen Willens über die gebieterische Forderung nach Ruhe und Ausspannung war. So nahte ihm der Tod unsichtbar,!ungeahnt. In wenigen Augenblicken. Als der Sabbat zu Ende war, alle ׳noch laufenden Arbeiten erledigt waren, legte er •sich nieder, um nach ׳kurzen Minuten des Schmerzes Abschied vom süßen Lichte zun ehmen, über das er gerade die Brochch gesprochen, und zum Schöpfer ,allen Lichtes die Seele emporzuschwingen, der das kostbare Licht des Anbeginnes für seine Frommen im Jenseits :aufgespart!hat. Frag׳ mich was! Unter dieser Rubrik verölfentlichen wir 10 Serien von Je 1 0 Fragen aus dein Gebiete jüdischen Lebens und jüdischer Wissenschaft. Für jeden Leser, der uns die richtige Beantwortung aller 100 Fragen einsendet, haben wir einen wertvollen Bücherpreis ausge- . setzt. Nach Abschluß der ganzen Serie werden wir die richtigen Antworten und die Namen der Preisträger veröffentlichen. Die Antworten sind unter der Chiffre ״Frag׳ mich was!“ an die Wiener oder Preßburger Redaktion zu senden. Serie IV. 1. Wieviele Könige regierten in Israel ans der Familie der Hasmonäer? * 2. Welche Eigenschaften werden nach dem Talmud dem Salamander zugeschrieben? * 3. Wann und wo lebte Isaak b. Jehuda Abarbanel? ־!: 4. Wer vvar der Verfasser des allgemein verbreiteten Werkes ״Maawer Jabbok“? 5. Wird während des Jahres öfters Halb- oder Ganz- Halel gesagt? * 6. Mit weichem der in dein ersten Abschnitt der Thora genannten vier Ströme ist der Nil identisch? :1: 7. Wer war und wo lebte der Schagas Arie? ❖ 8. Wer hat die 13 Glaubenssätze des Maimonides auf drei reduziert? * 9. Was ist unter ״Prosbol“ zu verstehen? 5J5 10. Wie heißt der Begründer der Sekte der Karäer? כשר wiSt,! Verbürgt reines Fett aus Kokos« nüssen. Die Kokosnüsse werden bei der Kunerolwerke A. G., Wien« Atzgersdorf, gepreßt und die Er« zeugung steht bis zur Verpackung des fertigen Fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrab« biners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Kunerol kann daher von jedem Streng«• gläubigen ohne Bedenken zur Zuberei« tung der Speisen verwendet werden. Erstattet für die Tagung des Zentralrates der Agudas Jisroel, Berlin, Dezember 1927 Von Dir. Dr. Leo Deutschländer Nach seinem Statut .ist der Keren 1Hathora verpflichtet, der Plenarsitzung des 'Zentralrates über seine Tätigkeit Bericht zu erstatten. Die Leitung unterzieht sich dieser Pflicht arm so freudiger, als sie von dem Bewußtsein getragen ist, in schwerer, kritischer Zeit •dem Gedanken des Keren Hathora mit Energie •gedient z« haben und in der •Ueberzeugung, daß sein Streben, wenn ,auch nicht in allen Zweigen, so •doch ׳auf manchem Gebiet, von Erfolg gekrönt war. Gemäß seinem Programm erstreckte sich die Arbeit des Keren Hathora!in der Berichtsperiode, die etwa eineinhalb Jahre währte (von der Zentralratstagung Berlin, Juni 1926 *bis zur gegenwärtigen) auf •drei Gebiete: 1. Aushau der Organisation des Keren!Hathora, 2. Subventionierung der Jeschiwaus und anderer Lehranstalten, 3. Pädagogische Arbeit für das־ Schulwesen. 1. A u s b a u der!Organisation: Die Organisierung des Keren Hathora!in den Ländern des Westens ist nicht allein Mittel zum Zweck. Gewiß •ist. es ein erstrebenswertes Ziel,!durch organisatorische Maßnahmen ׳den Weg des Keren Hathora zu ebnen, neue Zellen für den Gedanken zu schaffen, die alten ׳auszubauen. Wir sind aber auch von der Ueberzeugung durchdrungen, daß mit dieser Arbeit nicht •nur der Keren Hathora, sondern die Thora selbst gekräftigt wird, und daß in ׳den Herzen all *derer, die wir zu Ghachsokas Hathora anfeuern, auch die Uebe ׳zum *Lärnud selbst starke Förderung erfährt. .. 11m einzelnen über •alle ׳die organisatorischen Maßnahmen zu!berichten, würde •ermüden. Das quälende Gefühl der Abneigung, das ׳jeder Chronist gegen die Auf- Zählung von erledigten Dingen empfindet und das ״der einzig sichere!Beweis des .Aufstieges“ ist, hält auch uns zurück, ausführlich über all die geleistete Arbeit zu beriohten ,und so *beschränken wir uns denn *hier darauf, den verehrten Vorsitzenden der einzelnen Länder den Dank für ihre opferfreudige Mitarbeit von ׳dieser Stelle ,aus zuzurufen, und *zwar geht dieser *Ruf nach Deutschland ,Herrn Oberrabbiner Dr. Spitzer ׳und seinem unermüdliehen Helfer W. S. Jacobson, nach Holland, an Oberrabibiner Vredenburg und Dr. Stein, nach der Schweiz an Herrn Rabbiner Brom und die Herren Rosenzweig und Weinstein, nach Elsaß an Grandrabbin Weil» nach Rumänien an Oberrabbiner Zirelsohn, nach Dänemank an Rabbiner Winkler, nach ׳Norwegen an Rabbiner Lewitan, nach New York an Rabbi Dr. Jung, nach Germiston an Rev. Wyscheik und an die vielen anderen .Mithelfer am gemeinsamen Werk. Neuland für unsere Zwecke urbar, zu machen, ist auch versucht worden. Anläßlich der internationalen!Mädchenschutzkonferenz, an welcher der Berichterstatter schon im *Hinblick •auf Bajs Jakob teilzunehmen sich ver- .pflichtet fühlte, wurde *Gelegenheit genommen, organisadorische Keime in London und Paris auszustreuen. Kon- •krete Erfolge sind nicht ausgeblieben. Eine größere Tagung hat in der Berichtsperiode fn Amsterdam, ■im Dezember vorigen Jahres stattgefunden, unter Vorsitz von Oberrabbiner Vredenburg, unter Teilnähme prominenter ׳Persönlichkeiten, •Rabbiner Fürst, jWien, Dr. Hildesheimer, Berlin, sämtlicher holländischer Oberrabbiner, Vertreter aller größerer Gemeinden und Lemvereine, Delegierten aus der Schweiz, London, Ham-;hnrg usw. Die Tagung hat nach dem Urteil aller Teilnehmer einen glänzenden Verlauf genommen. Sie hat ihren Zweck erreicht und dem Keren *Hathora in Holland ein festes Fundament geschaffen, sie hat *Interesse für unsere Arbeit auch :in •den Kreisen Fernstehender erzeugt, die Bemtihungen *unserer holländischen Brüder, Limud Hathora im eigenen Lande *zu verbreiten, gekräftigt. Wir versuchten durch die Konferenz .auch die öffentliehe Erörterung •des tiefschmerzlichen russischen Problems ins Rollen zu bringen, können aber heute noch nichts Abschließendes berichten. *Unsere Tagung darf an dieser Frage nicht vorübergehen. 2. Subventionierung •der Jeschiwaus u *n ׳d ׳andere L e *h r *a n s t a 11 e n. Aus dem Kassa- ׳bericht, den wir •dem Zentr.alrat unterbreiten, geht hervor, daß durch den Keren Hathora in •der. Berichtsperiode 48.907 Dollar vereinnahmt und zum größten Teil für Lehr- und Lernzwecke verausgabt wurden. Wiie des öfteren hervorgehoben wurde, sind *im wesentlichen drei Gebiete der besonderen ׳Fürsorge seitens der Zentrale bedürftig: Litauen (das •sind die Gebiete um •die Metropolen Kowno und Wilna), Polen und das ehemalige g r o ß u n g a r isehe!Gebiet (Slowakei, Rumänien und!Ungarn.) Es war •natürlich nicht möglich, alle drei Gebiete befriedigend zu subventionieren. Wir heben dies 1in aller Offenheit ׳hervor, um!die!Gebefreudigkeit der ganzen Judenhcit anzufeuern. Es muß aber auch •darauf hingewiesen werden, daß fortgesetzte Klagen der Mdschulochim über ungerechtfertigte Zurücksetzung :ihrer Anstalten *unbegründet und übertrie- •ben sind. Der Keren Hathora hat niemals *die Uebernahme des gesamten Budgets aller Jeschiwaus ins Auge gefaßt und wir ׳haben die Arbeiten der Sendboten aus diesem Grunde bereitwilligst unterstützt. Wir •hatten dafür erwartet, daß sie bei der Kritik unserer Leistungen doch mehr Zurückhaltung üben. Während bei der letzten Berichterstattung, anläßlich der Zentralratstagung 1926 erhebliche Beiträge, etwa 30.000 Dollar, für litauische Jeschiwaus .ausgewiesen wurden, hat die Zentrale diesmal mehr für Polen •gearbeitet, wohin mehr als 10.000 •Dollar flössen. Oesterreich, Tschechoslowakei, Rumänien, Palästina wurden nach Möglichkeit *bedacht. Während die materiellen Leistungen für das Schulwerk *als solches Befriedigung bei den betreffenden Anstalten auslösten, fiel das 1Unterstützungswerk für die Jeschiwaus doch unzulänglich aus. Der Grund *liegt nicht etwa .am schlechten Willen der Mitglieder der Keren Hathora-Zentrale, die nach wie vor •unablässig von der Sorge um das Wohl der Jeschiwaus erfüllt sind. *Um das Interesse für die Jeschiwaus anzuregen, sind auch mit prominenten Führern der westlichen Judenheit, die außerhalb der Aguda stehen, Beratungen abgehalten worden, die auf ׳Einberufung einer speziellen Jeschiwah-Unter- Stützungskonferenz .hinauslaufen, über deren Wert die Tagung Beschluß zu fassen hätte.!Um für die Zukunft günstigere Perspektiven zu eröffnen, haben wir uns mit Erfolg *bemüht, das Büchsenwesen in den vetsCbiedenen Ländern einzubürgern; die Zentrale bewilligte einen außerordentlichen Kredit, um 10.000 Büchsen zu placieren. Es sei von dieser Stelle aus ,die dringende Mahnung an alle Landesverwaltungen gerichtet, dem ׳einstimmigen Be- Schluß •der Zentrale zu folgen und der Büchsenverteilung eindringlichste Aufmerksamkeit zu widmen, denn nur von dieser Quelle sind regelmäßige Einnahmen zu erwarten, da größere Einzelspenden nur .einmalig gegeben werden und infolge der schlechten Wirtschaftslage immer mehr und .mehr ausbleiben. 3. ׳P ä •d a g 0 g i s c h e Arbe i t. (In erster Linie beschäftigt uns, wie ׳bekannt, das •Bajs Jakob-Problem und wir sind :heute in der Lage, einen zusammenfassenden Berieht *durch •die vorliegende Broschüre ״Bajs Jakob, sein Wesen und Werden“ vorzulegen. •Unsere Tätigkeit richtet sich •nach •den von der Warschauer Konferenz 1925 aufgestellten Richtlinien: a) Ausbau der Krakauer Anstalt zu einem den Anforderungen entsprechenden Lehrerinnenseminar durch gründliche fachliche Ausbildung (ein •bis zwei Jahre statt der früheren ׳drei Monate) und Werbung ausländischer Dozenten für diese Spezialaufgabe. b) Alljährliche Veranstaltung von zweimonatigen Fortbildungskursen für die bereits amtierenden Lehrerinnen. c) Schaffung von Lehr- und'Lernbiichern für die . Bajs Jakob-Schulen. d) Gründung eines Semmarheimes in Krakau als Zentralstelle für ׳die Leitung der gesamten pädagogischen und verwaltungstechnischen Bajs Jakob-Arbeit. Dementsprechend haben wir :in der Berichtsperiode zwei Fortbildungskurse abgehalten, und zwar *beide in Jordanow an welcher im Jahre 1926 98 Lehrerinnen, im Jahre 1927 76 Lehrerinnen : teiln ahmen. Das Seminar leitete neben Frau Schenierer. Frl. Judith Rosenbaum, seit •Frühjahr 1927 Frl. Eva Landsberg, Breslau. Insgesamt wurden an der Berichtsperiode 68 Lehrerinnen ausgebildet. Es sei auch an *dieser Stelle allen unseren Mitarbeitern für;ihre opferfreudige Arbeit, die unter äußerst schwierigen Verhältnissen vollzogen wurden, gedankt. Gegenwärtiger Stand des ganzen Bajs Jakob-Werkes: 88 Schulen mit mehr •als 11.000 Kindern. Ueber *die Grundsteinlegung haben die jüdischen Zeitungen aller Länder berichtet. •Sie fand unter großen Feierlichkeiten, in Anwesenheit zahlreicher staatlicher, städtischer und jüdischer Behörden im September d. J. statt. Wir ׳haben Gelegenheit genommen, •auf schriftlichem Wege, aber!auch in vielen Fällen durch persönliche Bin- Wirkung Bajs Jakob-Komitees zu gründen und hoffen, daß diese durch den Vertrieb der durch den Künstler Uriel Birnbaum, verfertigten Bausteine an der Vollendung unseres Werkes mitwirken werden. Daneben haben wir eine Reihe von Zimmerst'iftungen zu Ehren des Gedachtnisses bekannter verstorbener Persönlichkeiten errichtet (Bettstiftungen ä Dollar 50, Zimmerstiftimgen ä Dollar 100, 250, 500, 1000), über die wir in der Broschüre (Seite 53) berichtet haben. Gegenwärtig ist Rabbiner T. Horowitz für unser Werk in London tätig und man bringt ihm in allen ■Kreisen der englischen Judenheit verständnisvolle Förderung entgegen. Wir •hoffen Im Laufe des Jahres den Bau zu •einem glücklichen Ende zu führen. Die pädagogische Fürsorgearbeit wurde dm Februar dieses Jahres zum erstenmal auch auf Litauen und Lettland ausgedehnt, und zwar veranstaltete die Organisation. ״Javne“ eine große Erziehungskonferenz, an welcher etwa 100 Delegierte aus dem ganzen Land teilgenommen haben. Der Keren Hathora war durch die Herren Oberrabbiner Carlebach, Altona, Dr. ׳Hildesheimer, Berlin, Bgtschko, Montreux und dem Referenten vertreten. Javne unterhält eine ,Stoße ,Anzahl von Volksschulen, drei. Mittelschulen und ein Lehrerseminar ־unde rztebt viele tausend Kinder. Die Konferenz bat einen imposanten Verlauf genommen und In