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Jüdische Presse · 1927-12-23 · 47-48 (23.12.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
47-48 (23.12.1927)
Date
1927-12-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 290 Nr. 47/48 1! H: m ttx n tä i ■i 'i I I i! i ü 5 i!׳ i \ JÜDISCHE PRESSE ו Lebensversicliernnps-Gesellscliaft ״Piiönix“ Zentraldirektion; Wien, 1. Riemergasse 2 ■H Gegründet 1882 Gegründet 1832 | 55 Volleingezahlles Aktienkapital 4,000.000 Schilling rss Versidierungsbeshnd per Ende Juni 1927 über 1300 Millionen Schilling 55 Prämien- und Zinseneinnahme =s im Jahre 1926 rund 54 Millionen Schilling 55 Vertragsanstalt zahlreicher gewerblicher Orga- =5 nisationen und Berufsgtuppen im In* und Auszss lande, empfiehlt sich zum Abschlüsse von 3 Lebens-, Renten-, Aussteuer-, Unfall-, 3 Haftpficht-, Autoversicherungen 3 Filialen in allen Bezirken Wiens, in allen 3 Landeshauptstädten und größeren Ortschaften =5 Oesterreichs 55 Tätigkeitsgebiet außerhalb Oesterreichs: SSS Deutschland, Ptaukreich, Belgien, Holland. Spanien, SS in der cechoslow. Republik,' Polen, Ungarn, Jugo- —~ slawien, Bulga!ien, Griechenland, Hirkei, Ae ypten -—« und Palästina und Sokolow sammeln ic.tzt .'11 Europa das moralische und materielle Kapital, das ihnen in Amerika neuerlich eine erfolgreichc Aktion möglich machen wird. ■In den nächsten Tagen werden große agudistischc Tagungen in Deutschland stutlfiiidcn. Die letzten Tage ׳des Chanukafcstes werden!in Frankfurt mit großen Veranstaltungen ׳der Jugendorganisationen •der Agttda in Deutschland ausgcfülit. Viele hunderte jun-־ gc Agudisten aus allen europäischen Staaten werden an ׳diesen ׳Beratungen teihichmen. Sich erlich wird hier die ideale Begeisterung mul opferfreudige Hingabe der agudisüschen Jugend zum imposanten Ausdruck gelangen. Die Chanukalichter werden hier ihren Schein nicht auf Geldmünzen und auf materielle Fragen werfen. Der reine Wille, mit jugendlichen Kräften für die Thora, für ■die Stärkung dev G-ttcsfurcht und für die organisatorische Erfassung ■der Thoratrcuen zu arbeiten, wird hoffentlich nicht an der Klippe materieller Hindernisse zu schänden werden. Unmitteibar darauf beginnen in der Mitte der nächsten Woche in Berlin die Tagungen des Zentralratcs der Palästinazen- •trale und des Keren Hathora der Agudas Jisrocl. Gerne hoffen wir, daß die ■Lehre der Chanukalichter und die Begeisterung der agudistischen Jugend so stark auf die Beratung der Führer der Agudas Jisrocl ciuwirken werden, daß der letzte ■Schluß der Tagung nicht die kurze, aber alle guten Hoffnungen im Keime erstickende Formel sein wird: ״W i r 11 a •b e 11 kc i 11 Gel d.“ P. Rabb. Dr. Emamiel Carlebach ׳צ״ל. Wiederum ist das deutsche Judentum von einem!furchtbaren •Schlage getroffen worden.!Unsere füllrerarme, i;m Wirtsdiaftskampf blutig ringende Gegenwart, die ■des Geistes •mehr bedarf als ׳je. deren Seele nach ׳Erhebung ׳und Befreiung ׳durch ■die Thorn emporschreit, hat von neuem einen der Th oral eh rer zu ׳beweinen, der gerade :ihr ■so viel, so ■unendlich viel ׳bedeutete, weil ■er ihr das Gold des G-ttwortes zur ׳Klciinniiiizc •des ׳Kiiiderüntcrrichles, der Volksbclehmng umgeprägt hatte.!Der Rabbiner ■und Sctuinardirektor Dr. Emamiel Carlebach ist im verhältnismäßig •fnülien- Alter von 53 Jahren plötzlich abberufen worden.!Mitten aus dem vollsten Schaffen, am Wendepunkt der neuen Bestrebungen für die iLchrcrbilduiig,;ihm selbst •und uns allen unerwartet, ist dieser unermüdlich Tätige. Hochbegabte jäh ■in die Ewigkeit Imiiibergeschlu.mmcrt. Wir stehen •noch fassungslos ■gegenüber diesem tragischen Tode, der uns unzählige Probleme ■und!Nöte ׳aufgibt, ׳die mir der Tote selbst zu lösen berufen •schien, von denen wir uns gewöhnt hatten, sic in seiner ׳Hand gesichert und ׳geborgen zu wissen. Dieser Verlust schreckt 11n!s von neuem zu der!bitteren Erkenntnis ׳auf. wie arm und verlassen wir sind, wenn uns die Männer fehlen, die allein ׳die aktuellen, tagliehen Aufgaben jüdischer Coistespflegc für die ׳Gesamtheit durchführen ׳können. Wer Emanucl Carlebach .׳kannte, den wird es noch besonders schmerzlich durchzucken, ״über!soviel Schönheit, ׳daß sie im!Staube vergehen!muß“, über diesen weichen, edlen,' liebenswürdigen, geistvollen Menschen, der schon mit ״einem seiner Augen‘‘ die Herzen ׳gewann. Alles an Ihm hatte •einen süßen Charme, einen holden Zauber, war von ׳jüdischer Anmut umflossen: sein vornehmes Acußcre, seine ■schöne klang volle Stimme, die ebenso zu singen wie z׳u sagen1 wußte, sein gewinnendes Auftreten im Verkehr mit Groß und Klein. Das war der geborene Erzieher und Lehrer, dem jedes Kind entgegenjubelte, dem jeder Jung- 11 i 11g sich so ganz anvertraute, mn sich durch;ihn! für das■ Leben :bestimmen und beeinflussen zu •lassen. Das war der gegebene Fürsprecher für unsere •jüdischen Erzichungsaufgaben vor Behörden und ׳Mächtigen, daß der Wille •der Thora ׳bei ׳ihnen ׳Gehör ׳finde, die Sonderstellung ׳des Judentums von ihnen anerkannt und gefördert werde. Das war der beredte Kiinder seines ■pädagogischen Ideals in Ost. und West, in ׳der Oeffentlichkeit der Volksversammlung wie• :;in der Intimität des Beralungsziinrners.. ׳u;m. auch die. Widerstrebenden und Zögernden zu überzeugen ׳und mit '׳Kraft und Mut zu erfüllen. Das war der rechte Vertreter des vielverkannten ׳״Austritts“, der selbst dem!Gegner ׳ das Be- Kenntnis abzuringen verstand: ׳hier gibt, es nur und lediglich;ein sachliches Prinzip, ohne Gehässigkeit!und. persönlichen ׳ Dünkel, hier spricht ׳jemand für eine glühende Glaubens- Überzeugung, ׳der aber alle Juden in seinem!Herzen als Brüder ■und Schwestern liebt und für alle zu dienen ,und zu leisten bereit Ist. Emanuel Carlebach war innerlich und äußerlich דמות איקוניו ■של אביי •das ,getreue Abbild seines Vaters s. A., •des Lübecker Raws, des Mannes voll Frömmigkeit, iiind Menschenliebe, . dessen gütiges Auge, auch aus •seinem zweiten Sohne leuchtete, als!Künder eines gütigen Herzens. Die Thoraliebe des Vaters war auch Erbe des Sohnes,; •sie führte ihn zur W:a!hl des gleichen..:Berufes,?führte .ihn. aus : Rabbinerseminar nach Berlin und •dann ׳an ׳die Jeschiwa nach Frankfurt, wo er begeisterter Schüler Breuers Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons 5? JULIUS HABER Kohlen• und Koksgro&handlung Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372376־ Wien, II., Taborstraße 9 Fernsprecher Nr. 41-0-22 wurde ■und das Feuer und den Scharfsinn des •ungarischen Lehrers mit Inbrunst und Entzücken auf sich wirken ließ. Er wurde ׳der erste deutsche ׳Rabbiner, den die Frankfurter Jeschiwa ausgcbildet hatte, und obwohl erst dreinndzwanzigjährig, hat er die schwere Kraftprobe seines Könnens mit dem Eintritt in seinen Beruf bestanden. Denn Memel seine erste Wirkungsstätte, die Grenzstadt ׳gegen Litauen, war ein echtes מקום תורה wo!alljährlich ganz ׳Schaß durchgelernt wurde. Hier, vor einem Parterre litauischer Talmidc Ghachomim wußte er sich als Lamdan die höchste Achtung zu erringen, die ihm die Merncler!Gemeinde Zeit seines Lebens bewahrte. Alljährlich kehrte er zum Sijum Haggodaul wieder ׳als Gast in seine erste Kchilla zurück.!Aber ci!1 höheres Amt hatte die Vorsehung für ihn bestimmt. ■Dr.!Hirsch ׳Plato, der Schwiegersohn S. R. Hirschs, der berühmte!Leiter des!Kölner ׳Lehrerseminars, halte die 'Augen ׳geschlossen.!Da richtete sich der!Blick auf den dreißigjährigen ■Rabbiner an der Nordosfgrenzc Deutschlands, daß er die jüdische Wacht am!Rhein übernehme. Keine glücklichere Wahl :konnte •mau treffen. ׳Sein Thorawissen verbürgte, •daß er den religiös-geistigen Standard des Seminars, den Hirscbischen Geist seiner modern-alten Erzichimgsweisc. werde erhalten und mehren können, und sein natürliches angeborenes Lchrgeschick versprach eine reiche .pädagogische •Ernte, neue Antriebe zur Weiterentwicklung. Gleichzeitig war die!Kölner ״Adaß Jeschur1t11“-Gemcindc gewiß, einen echten Thoragelehrten, eine starke Persönlichkeit als ■Rabbiner für sich zu gcwfunen. Emanuel Carlebach hat die in ihn gesetzten •Hoffnungen nicht enttäuscht. Mit einer beispiellosen Energie ■ergriff er das Doppel- •amt, das auf seine jungen Schultern gelegt ward. Während er alle nötigen Examina im Eilschritt ablcgte, welche die Behörden vom ilrm verlangten, setzte er es sich zunächst zum Ziel, für ■die Anstalt ■die staatliche Vollanerkennu ng •und ■das ׳Recht der Abnahme der ׳Lehrerprüfungen zu erwirken. Die frische Art der ׳Arbeit am ׳Seminar fand ihren ׳Lohn. Es war ein großer Freudentag in der Geschichte des ■ehrwürdigen Instituts, als sich Lehrer •und Zöglinge mit Vertreteru aller orthodoxen Institutionen ziisammeufauden, um aus dem Munde •des!Regierungsvertreters den!Glückwunsch zur staatlichen Anerkennung entgcgenzunchmen. Es war das der äußere Ausdruck für die tüchtige, gesunde Leistung im Innern. Ein hohes Streben beherrschte alle, das Verautwortungsbewußtsein des frommen jüdischen ׳Lehrers für unsere Zukunft1• gab den:;Hörern einen •Schwung, sich gleicherweise im Jüdischen wie im Profanen zu vervoMikoiinmuen. Das war .•das Echo der •k-raftvoHcn ׳Leitung. •Liebe lind Vcrrtaucn verband alle!Glieder der Anstalt. •Iri solcher Harmonie der Erzieher und!Erzogenen konnte die zarte;Pflanze des jüdischen Einflusses der Begeisterung für Thora •und Awoaa wohl gedeihen. Dieser Aufschwung des Seminars war urn so bewundemswertcr, als neben der intensiven Arbeit für die!Pädagogik eine ׳großzügige rafobin Ische Tätigkeit einherging. Die Kölner Judenschaft wuchs von Tag zu Tag; besonders die Zahl der ׳ostjüdischen Brüder mehrte ■sich ׳schnell. Diese erblickten in dem orthodoxen Rabbiner den einzig zuständigen Raw. Ein reges Leben ׳entfaltete sich!im Rahbinatsziimner der Apcrnsfcraße; ein ständiges Beth Din, unzählige Schaaloth, neben den regelmäßigen ׳Gernorohschiurim hielten •den Rabbiner in Atem. •Emamiel Carle- ■buch war zugleich im ׳besten Sinne ein Seelsorger, ein An- ׳nehmer und!Frcimd aller' seiner Gemeindenütglicder, ׳mit allen in Freud und Leid brüderlich verbunden und;durch die Meisterschaft seiner Rede immer der rechte Tröster und Gliicksspender. Eine entscheidende ׳Rolle, spielte dabei sein Haus, sein beneidenswert inniges Familienleben!mit seiner’ Gastfreundschaft ׳und hohen Geistigkeit. Schon früh hatte er eine bedeutende Lebensgefährtin •in •der Tochter Dr.!David .Joels ■s. A. gefunden, •und mit ihr vereint, schuf er die wanne, wohltuende Atmosphäre seines :Rabbinerihauses. Das war ■geradezu einzigartig und vorbildlich. Wie bei •׳Stammvater Abraham imme-r offen, ein zweites Elternhaus für die vielen Zöglinge des Seminars, ein Haus des Friedens ׳und der ständigen Weihe für :alle!Kölner Juden. Immer •auf der höchsten ׳Höhe der Lebensauffassung und Bildung, immer voll!Güte gegen Hoch und ׳Niedrig, wußten •die Wirte dieses Hauses allen ■die ׳jüdische •Häuslichkeit, •das jüdische Geselligkeitsideal ■lieb ׳zu machen und nahe zu ׳bringen, weil es •nicht eitlen ■jüdischen Salon, sondern ein jüdisches Heim, voll Thora und Freiheit, voll Lebensmut und Schlichtheit darstellte. Dieses Rabbinerhaus ist für alle ׳unvergeßlieh, die in seinem Bannkreis geweilt: es war der stille Miterzieher aller ׳Glieder der!großen Gemeinde •der dem religiösen ׳Einfluß Emanuel Carlebachs Anvertrauten. Die!Kölner Adaß Jeschurun war ursprünglich keine selbständige Gemeinde. Es war eine Anzahl Frommer, die sich um die Person Platos ■geschart hatten und selbstlos die religiösen Interessen für weite Kreise der Kölner Gemeinde wuhniahmen. ׳Sic unterhielten ein eigenes Gotteshaus, eigene!Soheahita ׳und alle anderen Ge.meindeinstitutlonen, die auch von ■sehr vielen ,außerhalb ׳dieses Kreises Stehen-;>den';benutzt;wurden, und •,blieben!doch in •engster Verbiu-!düng mit.der Kölner Großgemeinde. Dieses friedliche Verhältnis wurde ׳jäh ׳dadurch' gestört, •daß eine liberale Mehr- ׳heit!der ׳Gemeinde ׳den Beschluß •faßte, eine Orgel in eine ׳der großen Synagogen einzuführen. Das zwang die Adaß Jeschurun. von dem :Recht •des Austritts Gebrauch zu machen.. Es w.a* das ,ein Entschluß von nicht geringer Trag- Weite. Man war sich bewußt! materiell vor schwere, fast unlösbare Probleme gestellt zu werden. ׳Es ist eine Ruhmes- : tat im Wirken ׳des Dahiugegangenen, wie er diese ׳Ge-!meindeי zur Selbständigkeit •geführt und über alle Klippen und Schwierigkeiten des ersten Anfangs hiiiweggohoben!hat, •Heute" steht die Gemeiude׳'gesiohert und ׳fest da. anerkannt von Freund und Feind, ein Zentrum stark pul- •sierenden religiösen Lebens. Sie ist ׳das Werk ihres Führers, der sie mit dem!Geist der Thora und ׳dem starken Willen, ins Weite zu wirken, durchpulst hat. Ihre energische Arbeit ׳hat ׳auch der ■Großgemeinde reichsten Segen gebracht, in FRANZÖSISCHE LINIEN VON HAMBURG, HAVRE, BORDEAUX, GENUA, MARSEILLE NACH SÜD-AMERIKA .IlllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllK BRASILIEN, URUGUAY, ARGENTINIEN VORZÜGLICHE EINRICHTUNGEN DER 3. KLASSE RITUELLE KÜCHE WIEN, IV., WIEDNER GÜRTEL 24 (GEGENÜBER SÜDBAHNHOF) der sich ׳die in ihr verbliebenen .frommen Elemente mit ganz anderer Kraft als ■vorher zusammenfanden und eine ׳Hebung aller religiösen Institutionen durchsetzten. Heute bestellt ein Verhältnis gegenseitiger Achtung zwischen beiden ,,!Lagern“, die durch die versöhnliche und friedfertige Natur des orthodoxen Führers vor allen häßlichen Reibungen und Bruderkämpfen bewahrt blieben . . .. Jedesmal, wenn wir in unserer Gegenwart das Lebensbild ׳eines Menschen überblicken, so!ist immer ׳der Weltkrieg •die große Cäsar des Lebens, meist •der harte Vernichter und Durchbrecher aller im Frieden begonnenen Arbeit. Audi!für den 1Dahingegangenen bedeutete ׳der Sturm jener Zeit ein Heraustreten aus den gewohnten Bahnen des ׳Lebens, einen Abschied von der alten Wirkungsstätte; auch er tat die Uniform an. aber sein!Handwerk im Krieg war doch ein •anderes, war ein jüdisches. Die Eroberung Polens durch!die deutschen Armeen und die, (Errichtung einer deutschen!Militärverwaltung erzwang für die polnischen Juden ein!Aufgeben ihrer WeUabgesoblossenheit, vor allem eine Neuordnung •aller Erzichungsverhältuissc. Gegenüber dieser ׳Umgestaltung der Dinge sahen sich die Führer des •polnischen Judentums ׳machtlos und zitterten vor •allem für die Erhaltung der Thora bei der Jugend. Sic wandten ■sich hilfesuchend •an die Agudas Jisrocl, ■daß sic ihnen einen Organisator ihres Schulwesens schicken möge. Wer konnte .wohl eher für dieses bedeutende .Amt in Frage kommen, als ׳der Leiter ׳des Kölner Lehrerseminars? So ging der Dahingegangene nach dem Osten als Feldrabbiner ׳und •pädagügischcr Berater •der militärischen 'Behörde wie auch der Rabbiner und jüdischen Gemeinden. Diese neue Berufung war ihm •nicht minder heiliger Ernst als :alle frühere Tätigkeit, er griff sie an ׳mit Selbst- •Vergessenheit und .Tatkraft,!mit tiefer Achtung vor ׳dem Eigenwillen und der Eigenart •seiner Auftraggeber, die bei ihm Ausfluß seines Wesens war, ohne die für ihn jede iBeeinflussung sinnlos war.!Hier in Polen war seine Thora- •kenntnis die Brücke der Herzen, ׳durch die er sich mit der religiösen Bevölkerung sofort verstand. Er!kannte, ihre wahre hohe Kultur und gerade deshalb galt es ihm als oberstes!Prinzip, ihnen nichts aufzitzwingen, ihre gemiitvolle, ■im Chassidismus wurzelnde Besonderheit schonend zu erhalten •und ■doch ihnen den ■Zugang zur •allgemeinen weltlichen Bildung zu erschließen.,Leider .brachte ihm seine Arbeit auch einen harten, unseligen Kampf. Der radikale Zionismus, wie er!itn Osten so häufig zu treffen!ist, war gegen jene religiöse Führung ׳und Festigung ׳der 'jüdischen Masse, die er für eine rein nationale Autonomie zu gewinneu hoffte. •Obwohl die politische •Seite nicht das Arbeitsgebiet Carlebachs, sondern seines Freundes Dr. Pincihas iKohn, des nachmaligen Präsidenten ■der A. J. war,־ ,so riehteten sich ■die!leidenschaftlichen Angriffe ■der!Gegner •doch gegen :beide ohne Unterlaß in der gesamten ■jüdischen Welt- ■presse, draußen wie in der Heimat. So kam zu der großen positiven Aufbauarbeit für ■beide noch der verbitternde, aufreibende Kampf um ■ihre Ehre, die ln ■den Staub gezerrt, um ihren!jüdischen Namen, der!als ■der von ״Verrätern“ verunglimpft wurde. Die Führer der •polnischen Orthodoxie aber!scharten sich desto fester und entschlossener um die •beiden ganz!in ihrem Geiste arbeitenden Sendiingc der Aigudoh. Es ist unmöglich, •in kurzen Zügen die umfassende Leistung Emanucl Carlebachs in Polen zu schildern. Nur angedeutet!mag es sein: wie er überall die Mädchenerziehuug in! Angriff genommen, ihr in der Chawazeleth- Schule in Warschau ein erstklassiges Lehrinstitut voran- •gestellt hat, wie er die Lehrer, die Melamdim, denen eine theoretische Grundlage fehlte, in Kursen eine Bekanntschaft mit den Voraussetzungen methodiseher Erziehung verl •mitteltc, wie er die ׳Lehrerschaft organisierte, für die ' Ghadorim Pläne und!Arbeitsprogramm entwarf, ׳mit den Rebbes und iRabbinen verhandelte, ■u׳m für das ■Gebot ׳der Stunde und •die notwendigen Neugestaltungen ihre Zustimrnung zu finden. Vieles hat das!Ende der!deutschen Ver- : Wallung wieder vernichtet; aber die ׳Saat, die in die Herzen und Geister •ausgestreut war, überdauerte den Wechsel und trägt noch :immer Frucht und Bliit.c. Die poinisohe Juden- .!heit, soweit sie in der Agudoh den Ausdruck ihres. Organisatiouswillens erblickt, wird ihm ewig für sein Wirken im Dienste ׳der Thora Dankbarkeit bewahren.!Diese Arbeit ׳der Kriegsjahre mit ihren tiefen see.li- •sehen Erschütterungen und;Bitterkeiten aber!hat ihn früh!gebleicht. Ais er nach Köln zurückkehrte,, verleugneten seine ׳stauen Haare seine wahren Jahre.. Mit neuem Mute ׳kehrte er ׳aber in ■den alten,!lieben Kreis der ׳Seinen und seiner treuen Kehilla zurück.!Eine neue Schöpfung seines Idealismus ׳und seines Geistes kündete •allen, ׳daß er innerlieh ungebroohen war: ׳die höhere Schule ״Jawne“. Der!schweren Zeit zum Trotz wuchs diese junge Schule, mächtig sieh entfaltend, empor, die Lebens- ■und Werbekraft der!jüdischen ׳Idee kündend. Dabei war ihr ׳manches •besondere Mißgeschick beschert. ,Der erste Direktor, Dr, Meier Cahn, der .Sohn ׳des FU'lduer.Raw, in dem Carlebach immer den wärmsten Freund und Berater in allen Lebenslagen gefunden hatte, wurde!in ׳blühender Jugend plötzlich hinweggerafft. Seitdem fehte der Schule ein eigener Direktor, und die 999999999999999^^

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