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Jüdische Presse · 1927-11-18 · 42 (18.11.1927) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
42 (18.11.1927)
Date
1927-11-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 262 JÜDISCHE PRESSE Nr. 42 I GRATIS! REST BIS ZU 3 METER GRATIS GRATIS11 Wissenschaft. Die Berichte, die aus den einzelnen Orten vorliegen, enthalten eine stattliche Zahl interessanter Vorträge, die zu anregenden!Diskussionen führten. Die!folgende Auswahl mag zeigen, welche Probleme das!Interesse des jungen Akademikers im vergangenen Sommer vor allem fesselten: Religionsphilosophische Themen: Lieber Breuers ״Die Welt als Schöpfung und Natur“ Marburg und Erlau-;gen): Von der Philosophie Hermann Cohens (Berlin); Die Philosophie Jeliuda Halevys (Marburg): die 19!Briefe von S. R.!Hirsch (Wien). Religionsvergleichende Themen: Christentum und Judentum; ■Islam und Judentum; ßuddhismus und Judentum (׳Erlangen, Berlin und Frankfurt). Historische Themen: Das Judentum ,im Schatten des letzten Jahrhunderts (Erlangen): Ueber Rascbi (Frankfurt); Die Wahrheit über den Kampf Emdcn-Eibenschütz (Frankfurt): Ueber!Moses Mendelssohn (Hamburg). Allgemeine Themen: Die Führerkrise (Frankfurt); ■Derecli!Erez (Köln): Das Wesen der ׳jüdischen Aesthetik (Berlin); Musikalisches und religiöses Erleben von Venedig im Spiegel der Kulturgeschickte (Berlin und ■Erlangen).!Das Verhältnis der mündliehen zur schriftlichen!Lehre (Wien!). Zu den Vorträgen trat als zweites und nicht minder wichtiges Arbeitsgebiet der Fuohsemmterricht, der die jungen Akademiker ■mit den Grundfragen der!jüdischen Welt- und Lebensanschauung vertraut machen soll. In einzelnen Vereinigungen wurden auch spezielle Arbeitskurse abgehaUen; so wurde in Berlin die Geschichte der religiösen Reform im neunzehnten Jahrhundert eingehend behandelt, in Hamburg die!Geschichte der jüdischen Pädagogik!und!Erziehung. In den Schiurim wurden zudem die Bundesbrüder an die ׳Quellen des ׳jüdisehen Geisteslebens unmittelbar herangeführt. Hiebei stand das Talmudstudium im Vordergrund. ׳Seiner Förderung dienen auch die vor• wenigen Wochen in der ׳Sonderschriftenreihe des Bundes erschienenen ״Beiträge zur Talmud!- erhält jeder zehnte Käufer bei unserem am 14. d. beginnenden bekannt billigen Weihnachtsverkauf von SEIDENSTOFFEN Seidenhäuser S. WILLHEIM ו!!!!ן!!!ווווווווחווווווווווווווו!ווווווווווווווווווווווווווווווווו I. Tuchlauben Nr. 8 I. Bauernmarkt Nr. 2A samtheit wertvolle Dienste, uidem sie in Fühlungnahme mit der ■Nahrungsmittclkommission der ״Vereinigung traditionell-gesctzestreucr ■Rabbiner Deutschlands“ liälachischcn Stellen die ,naturwissenschaftlichen Unterlagen bereitstellten, die für gewisse Entscheidungen erforderlich waren.!Doch neben der wissenschaftlichen Arbeit wurde die Pflege der Bundesbriiderlichkeit nicht vergessen: denn nur durch die ■Schaffung eines gcsetzestreucn!Milieus vermag der Bund seine hohe erzieherische Aufgabe zu erfüllen. Aus der großen Reihe geselliger Veranstaltungen sei nur das zwanzigjährige Stiftungsfest der Marburger Vereinigimg erwähnt, das im Juni d. J. in größerem Rahmen gefeiert wurde.!Daneben gewinnen die wirtschaftlichen Fragen immer mehr an Bedeutung. Um der ■Not der Studentenschaft wirksamer als zuvor zu begegnen, wurde auf dem Leipziger Bundestag das Zentralwirtschaftsamt mit dem Sitz ,in Frankfurt a.!M. ■begründet, das auch einen akademischen Stellenmarkt!unterhält.!Der Bund hatte im Sommer eine beträchtliche Zahl von Ncuamneldungen zu verzeichnen. Er darf erwarten, daß der Zuwachs auch im Winter nicht aus- Enorme Auswahl aller Arten SEIDENSTOFFE zu fabelhaft billigen Preisen! w₪₪₪₪₪₪₪₪m₪B₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪m₪₪₪m sehen Methodologie“ von Dr. Simon Schlesinger (Köln); denn ■die Kenntnis ■der Methoden talmudischen Denkens und Lchreus vermag dem!Lernen eine sichere wissenschaftliche Basis zu ■geben.!Mediziner und Chemiker des Bundes leisteten zudem in Sonderkommissionen der jüdischen Gebleibet! wird. Am 17. und 18. Dezember Volksabstimmung über das Staatsbürgerschaftsgesetz in Lettland. (JTA.) Der lettländische Sejm hat vor kurzem eine Neuordnung des Staatsbürgerschaftsgesctzcs beschlossen, nach dem u. a. mehreren tausend Juden, die während des Krieges von der russischen Heeresleitung in das innere Rußlands deportiert worden ׳waren und erst in den Nachkriegsjahren nach Lettland zuriiekgekehrt sind, das Staatsibiirgerrecht gewährt wird. Die reaktionären Parteien setzten es ׳durch, daß eine Volksabstimmung über das Gesetz entscheiden soll. Das Referendum wird am 17. und IS. Dezember durchgefiihrt werden. Die jüdische!Bevölkerung Lettlands sieht dem Ausgang mit großer Spannung entgegen. »0®M ran dmedmoslo ׳wv » k « i Antisemitismus.!Die tschechoslowakische Republik gilt mit Recht als eines der wenigen Länder, in denen der prinzipielle Judenhaß ■als Volksbewegung, als •Massencrscheinung oder als!politische Parteiparole nicht aufkommen konnte. Das will nicht sagen, daß die gesamte Bevölkerung ■uns gleichermaßen wohlgesinnt •und von dieser ״Schande der ׳Kulturweit“ völlig frei ist. Auch hier, wie in der ganzen Welt,!ist ■der ׳Antisemitismus latent vorhanden;!Millionen Men- ׳sehen tragen ihn ״unter der Schwelle ■des Bewußtseins“ in ,Geist und ■Gemüt mit sich als!Erbgut aus früheren Jahrhunderten, und er lauert ■auf eine Gelegenheit oder auch ׳nur auf einen Vorwand, um hervorzubrechen.!Eine politische Bewegung aber mit dem Programm, ■die Juden ■in ihren Rechten zu verkürzen oder!das Judentum der ׳Mißachtung preiszugeben, gibt es hier im Gegensätze zu den ■Nachbarstaaten nicht. Und auch der ■sogenannte ״gesellschaftliche Antisemitismus“, der dem einzelnen Juden im gesellschaftlichen Leben wehtun ׳und ihn in seiner Menschenwürde verletzen will, hat bisher nicht solche Formen angenommen, daß von jüdischer Seite Gegenmaß־ nahmen getroffen werden müßten. Dank der g-ttlichen Für- ׳sorge gewährleisten Verfassung und Gesetz den Bürgern jüdischen Glaubens!uneingeschränkte Gleichberechtigung, und auch ■die!Institutionen der ׳jüdischen ׳Glaubensgemein־ schäften sind im wesentlichen denen der anderen Kon- Sessionen gleichgestellt. Auch das politische Parteileben bewegt sich ■in Grenzen, die ׳davon Zeugnis ablegen, daß die Führer der ausschlaggebenden Parteien ■ihr politisches ׳Heil und ihre ■politischen Erfolge nicht vom Schüren des!Glaubenshasses und des!konfessionellen Haders erwarten. Das Judentum in unserer Republik genießt derzeit ein hohes Maß ■der Ruhe, der es zu seiner wirtschaftlichen ׳und kulturellen ,Erholung aus den schweren Miseren ■des!Krieges ■und der unmittelbaren Nachkriegszeit dringend!bedarf. Man gönnt ■uns den Genuß dieses Rechtes auf!innere Erstarkung nicht etwa durchwegs ■aus ■Liebe zu uns, sondern einesteils aus Anerkennung unseres Wertes als aitfbauendes ׳und erhaltendes Element in Staat und Gesellschaft ׳und auderntcils aus kluger!Einsicht in die Lebensbedingungen eines jungen Staates, dessen entwicklungs- ■bedürftiger Organismus den zersetzenden Wirkungen einer politischen oder gesellschaftlichen antisemitischen ״Bewegung“ keineswegs ausgesetzt werden darf. Es wäre sicherlich verkehrt, uns ■der Selbsttäuschung hinzugeben, als ob dieselben Volkskreise, die sich vor wenigen Jahrzehnten — zur Zeit des ׳Hilsner-Prozesses — oder, später an den Umsturztagen -dein wildesten Judenhaß so Zuganglieh erwiesen, heute schon gegen diese Volkskrankheit vollständig immun wären. Wenn der Hauptschuldige an ■der größten antisemitischen •Hetze, die in der Neuzeit auf dem Gebiete der heutigen Tschechoslowakei stattfand — Doktor Baxa —, in einem Staate, an dessen Spitze die lichtvolle Gestalt •des ■Präsidenten ,Masaryk steht, erster Bürgermeister, Primator ■der Hauptstadt ■Prag sein kann, so bedeutet es für ■das Judentum im besten Falle nur ■einen ״halben Trost“ •und eine sehr schwache Beruhigung, •daß er sich — was ■gern eingeräumt werden . soll — seit einer Reihe von Jahren nicht mehr nach der ehemaligen Praxis antisemitisch betätigt und es vorzieht, das Judentum in ein neuerfundenes politisches ,»Nationaljudentum“ hineinzuloben. Aber ein ■halber Trost hat auch seinen Wert und ■die relative Sicherheit, •der sich das Judentum in ■der Tschecho- Slowakei erfreuen darf, sollte von uns Juden am allerwenigsten unterschätzt werden. Wir Juden müssen aller- ■dings schon!aus Selbstachtung stets auf dem Wachtposten stehen und darauf bedacht sein, daß ■keines unserer!Mensehen- und!Bürgerrechte uns vorenthalten wird. Andererseits aber muß es als Leichtfertigkeit und unverantwortliehe Sensationssucht bezeichnet, werden, wenn zuweilen auch von jüdischen Stellen versucht wird, irgend ein geringfügiges Vorkommnis, irgend eine lieblose Aeußerung eines Journalisten oder eines Volksredners gegen Juden sofort als regelrechte antisemitische Ausschreitung von weltbewegender Bedeutung aufzubauschen lind ■die Sache Bücher ®®®~ Beiträge zur talmudischen Methodologie. Von Dr. Simon S c 111׳ e s ׳i ,n g e r. ׳(Schriftenreihe des Bundes Jüdischer Akademiker.) Die taimudische Literatur ist •nicht eben reich an systematischen! methodologischen Werken, die geeignet wären, das wissenschaftliche Talmudstudium auf!gesicherte Grundlage ,zu stellen. Wir ׳besitzen •zwar einige;ganz ausgezeichete Werke aus älterer Zeit, die über ׳ בללי הש״סhaudein — hier sei nur au das bekannte ■S e f e r H a b e r i ■ferner an den grundlegenden Othoth J a d ׳M a 1 a c h i erinnert —, aber alle diese Werke bieten in der Regel doch nicht viel mehr als eine umfassende Materiäliensammlung und lassen erst recht den Wunsch entstehen •nach einer wissenschaftlichen Darstellung ■der ■talrnudisdien Methodik. Einen verheißungsvollen Anfang, diese ׳Lücke auszufiillen, bilden die vorliegenden zwei Abhandlungen, die aus einm Referat hervorgitigen, welches am letzten Bundestag der jüdischen Akademiker gehalten wurde ׳und nun im Sonderabdruck erschienen sind. Es ist keineswegs eine sogenannte populärwissenschaftliche Einleitung in das Talmudstudium, die das Heft bietet, sondern eine gründliche ■Auseinander- Setzung mit einigen der so ׳überaus schwierigen methodologischen Probleme, die ■auch dem, der ,bereits ein tüchtiger Schwimmer im ״Meer des Talmuds“ ist, vieles Wertvolles bringt. Der Verfasser behandelt die im Talmud so oft ■vorkommenden Termini איירי und כדי נסבה er definiert diese Begriffe nach ihrem ganzen Umfang und geht ihren feinsten Verästelungen mit logischer Eindringlichkeit nach. In den!Noten werden mit erstaunlichem!Bekius alle einschlägigen, über den ganzen Talmud verstreuten׳ Stellen herangezogen und da fällt auch manches ׳scharfsinnige דבר הדוש ab, wobei so manche dun'kle Stelle, auf welche die גחליי אחרונים schon hinwiesen, ihre Aufhellung findet. Alles in allem: eine ■Vereinigung unserer altgewohnten ta'lhnidischen Lernweise mit moderner wissenschaftlicher Methode, <iie des Verfassers weitere Arbeiten äüf diesem Gebiete — eine!Fortsetzung wird in der!Anleitung angeWindigt — mit berechtigtem Interesse erwarten läßt. Hoffentlich wird das Werk nach seiner Vollendung בלשון הי״׳רש erscheinen, damit es in ׳unserer talmudischen Literatur seinen gebührenden Platz einnehtne. m. s. Die Juden in Prag.!Bilder aus ■ihrer tausendjährigen Ge- ■schichte. Festgabe •der ׳Loge Praga des Ordens ß nai ß’rith zum!Gedenktage ihres 25jährigen Bestandes. Prag 1927.!Itn ■Selbstverlag. Wie um alles wahrhaft ,Große, ■das mit seiner Erscheinung weit in die Vergangenheit zuriickreicht, sich ein großer!Kreis von allerlei legendären Ueberlieferungen rankt,!so sind!auch!über die Anfänge der Geschichte der Juden in Prag mannigfache Nachrichten verbreitet, ׳denen man ihr sagenhaftes :Gepräge sogleich anmerkt. ■Und auch jene Angaben, die ׳historischen׳ Wert!beanspruchen, sind, abgesehen davon, daß •sie dem!Nichtforscher ׳nur schwer zugänglich werden, weil :sie auf gewagten (Kombinationen fußen, von geringer Beweiskraft. Darum darf ■die Prager B’nai Brith-Logc cs sich als ein großes Verdienst ■buchen, ■daß sie •bekannte und anerkannte!Forscher izu Sonderstudien über einige bedeutsame Perioden aus der!Geschichte der Prager Juden ■angeregt und so den Weg ׳für eine künftige zusammenifassende aufschlußreiche iGesamtdar.Stellung vorbereitet hat. — In dem ersten Aufsätze: 1״Die Einwänderung der Juden; in!Böhmen״ weist Professor Dr. Samuel Steinherz, dem die Leitung des ganzen Werkes übertragen war, mit außergewöhnlicher Sachkenntnis ■und wahrhaft wissenschaftlicher Akribie nach, daß die ׳Einwanderung der Juden in Böhmen ■in ■die zweite Hälfte des 9. Jahrhunderts fällt und daß ■bereits im 10. Jahrhundert Juden! aus dem Westen (aus Deutschland) und Juden aus ■dem ■Osten'■(aus Ungarn und dem byzantinischen Reiche) sich in Prag zu einer Ge- ׳meinde vereinigten. Deren Mitglieder waren wohl an dem damals schwunghaft ׳betriebenen Sklavenhandel!beteiligt, ßie lebten aber auch, wie die Juden in Deutschland und Frankreich, vom (Handel ■mit!Edelmetallen und vom Geld- Wechsel uiid befanden sich bis zum Ausgang des 11. Jahrhunde'rts in glücklichen wirtschaftlichen׳ Verhältnissen. Dokumente zur Feststellung ihrer Rechtsverhältnisse währerid dieser Zeit fehlen wohl vollständig, aber ihre Verfölgung im Jähre 1096 sowie ihre Ausplünderung zWei Jahre später, als sie ihre Heimat zu verlassen beabsichtigten, be- י so darzustellen, als ob damit auch die tschechoslowakische Republik in ■die Reihe der antisemitischen Staaten eitigetreten wäre. ■Dadurch wird manches Wohlwollen verwirkt und jedenfalls die Arbeit der Männer erschwert, die sowohl ■im Interesse des Staates als auch in dem ■der Juden um die Unterdrückung antisemitischer Regungen sich bemühen. Wir haben das Bestreben unserer Zionisten zur Kreierung einer politischen ׳jüdischen ״Minderheitsnationalität“ in der tschechoslowakischen Republik vom ersten Augenblicke des Auftauchens dieser ■unheilvollen und politisch unmöglichen ׳Idee auf das schärfste bekämpft. Wir taten dies in der!Hauptsache aus Gründen ■der Wahrheit und •der Wahrhaftigkeit, zu denen die jüdische Religion alle Söhne des jüdischen Volkes verpflichtet. Wir haben aber niemals verschwiegen, daß wir die ganze nationalistischzionistische ״Politik“ und ■ihre Methoden auch deswegen entschieden ablehnen, weil u 11 s, d c 11 Anhänger n •g 11׳ ter (j ii •di s c h e r T r a d i t i 0 n e n, a u c h in der Pflege der Beziehungen zum Staate und zu den n i c h t j i'1 d i s c h e n M i t b ii r g e r ti, der G edanke unerträglich erscheint, politische oder gesetzgeberische Wünsche und Anliegen der Juden — selbst wenn sie nicht, wie in diesem Falle, auch ■aus rein!jüdischem Interesse verworfen werden müßten — ohne äußersten Zwang im Wiege i n t e r na fi 0 n a l׳c r Zusammenschlüsse u ■n t ׳e r Einwirkung von Faktoren d u r c h z ■usetzen, deren Machtsphären außerhalb der ■Grenzen dieses Staates liegen. ׳In dem Gefühl, das durch solche Aktionen notgedrungen erzeugt wird, findet •der politische und wirtschaftliche Antisemitismus ■den besten Nährboden. Denn auch der bessere Mensch lehnt sich dagegen auf, daß Juden ■den .Völkerbund und andere internationale •Instanzen zur Erringung von Rechten anrufen, die vom größten Teil der im wirklichen, historischen Judentum unlösbar wurzelnden Juden entschieden abgelehnt und ■als Unheil betrachtet werden. Würden nicht die •Entscheidungen der rabbinischen Autoritäten des orthoweisen deutlich, daß ■sie ׳im großen! und ganzen rechtlos von ■der Gnade der Fürsten! und der Stimmung ihrer Um- ■gebung ■abhängig waren. — ״!Die!jüdische ■Gemeinde zu Ausgang des Mittelalters“;behandelt iDr. •Anton ■Blaschka mit gleicher Genauigkeit auf Grund des ■ihm zugänglichen Qnel'leninatcn'als. Die Altstädter Judengemeinde umfaßt in dieser ׳Zeit fast alle Prager Juden, van denen nur wenige außerhalb des ■Ghettos (am Angezd und unterm Wyschehrao) wohnen. In ׳ihren ■Händen liegt der Geldhandel, sie unterstehen der ׳Herrschergewalt des Königs, der allein das Recht hat, Juden zu halten, und ■nicht selten jüdische Schuldforderungen annulliert. Wen!n auch ׳ihr Leben geschützt war, so erschien ihrer christlichen Um- ■gebung eine, feindliche Stimmung ■gegen die ■Juden als selbstverständlich und ■in ihrer religiösen ׳Auffassung voll begründet, ln den hin- und herwogend,en. ■Kämpfen, wie sie damals Böhmen durehwiiblten, schwankte auch die politische Lage der Juden, sie war ״einem Körnlein ■zwischen zwei Mühlsteinen vergleichbar“. Erst unter den Habsburgern ■begann für die Entwicklung der ■Lage der Juden in ■Böhmen und Prag eine ■aufsteigende Linie. ■Eine inter- •essante Studie bietet der ״hebräische Buchdruck!in Prag im 17. Jahrhundert“ von Professor S. H. Lieben. Wir erfahren hier, wie hoch •die!Juden als Volk des :Buches die Gutenbergsche Erfindung einsdhätzten und welch regen Anteil die Prager Juden an der Verwertung der neuen Kunst zur Verbreitung der jüdischen ׳Literatur hatten. Die ersten!Drucke!besorgte ■Gerson ben Salomo hakohen im ׳Verein mit;mehreren anderen, während vom Jahre 1526!ab bis zum Schluß des 16. Jahrhunderts die Familie der Gersoniden mehrere ■Geschlechter hindurch die alleinigen ,;Druckherren׳“ waren. Besonders ׳großen Wert legten die Gersoniden auf ■den!Buchschmuck, wofür die am •Ende des ganzen Buches reproduzierten Abbildungen Zeugnis ablegen,!Die beigegebenjen Anmerkungen enthalten auch wichtige literarische Nachweise. — Einen wichtigen Abschnitt Ln der ■Geschichte der Prager Juden, ׳behandelt Dr.!Käthe Spiegel in tfhrer eingehenden ,umfangreichen Arbeit; ״Die Prager Juden ׳zur Zeit des 30jährigen Krie- ■ges“. WSe sich das Wohnrecht der Juden in der böhmischen Hauptstadt ■immer mehr erweiterte, wie ihre Lebensweise war ■und sich ihre sozialen Verhältnisse gestalteten und auch ihre soziale Lage; alles das wird in ausführlicher ■und

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