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Jüdische Presse · 1927-11-18 · 42 (18.11.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
42 (18.11.1927)
Date
1927-11-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 42 JÜDISCHE PRESSE Seite 261 Zuschrift an die Redaktion. Aus ׳unserem Leserkreise erhalten wir folsende Zuschrift, der wir schon mit Rücksicht auf den darin befindlichen Hinweis auf die schreckliche Notlase der Schüler in Erez Israel Raum sebcn. D. R. Die ״Jüdische Presse“ hat in ihrer Nummer dl des zehnjährigen Geburtstages der ׳״Balfoiir-Deklaration“ gedacht, ohne allerdings auf die durch dieses geschichtliche Ereignis für die Orthodoxie geschaffene Lage und deren Einstellung zu ihr des ,näheren eiu.zugehen. ־Das /Palästina1־Munda.t ist von der Orthodoxie niemals angestrebt oder gefordert worden, niemals war es unser Begehren, das heilige Land, das Land, das G-tt unseren Vätern Abraham, Isak und Jakob zugeschworen hat und aus dem wir unserer Sünden wegen wieder vertrieben wurden, aus Menschenhand wieder in Empfang zu nehmen. War aber einmal dieses geheiligte Land von seinen derzeitigen Machthabern dem jüdischen Volke zur ׳Bearbeitung und .Besiedlung überlassen worden, so war es auch die Aufgäbe der Orthodoxie, sich auf den iBoden der Tatsache zu stellen und sich in weitaus intensiverer Weise, als dies ja ohnedies durch die seit Jahrtausenden in den בתי מדרשית und בתי כנסיית eingepflanztcwwn חבת der Fall war, sich die Erhaltung und Hcilighaltung von ארץ הקדשה angelegen sein zu lassen. Die Leitung der Agudas Jisroel hat vom ersten Augenblick an ihre Pflicht erkannt. Die mit dem Sitze in Frankfurt a. iM. gegründete allweltliche Palästina-Zentrale hat es verstanden, unseren Gesinnungsfreunden in א׳י ideell und materiell au die Hand zu gehen und manch schöne, fruchtbringende Arbeit zu leisten. Der Keren ,Erez Jisroel und Keren Hajischuw sollten und sollen es ־jedem einzelnen ermöglichen, sich in א׳י in echt jüdischem Sinne zu betätigen, da es nur wenigen in der heutigen Zeit möglich ist, sich selbst dort ansässig zu machen. Leider müssen wir nach zehn Jahren Balfour-Dcklaration die traurige Feststellung machen, daß die Aguda- Anhänger in der richtigen Erkenntnis des Moments sich ihren Führern nur sehr schwach angeschlossen haben und daß die Mittel beiweitem nicht so geflossen sind, wie es der Orthodoxie, wie es dem heiligen Zwecke der Erhaltung und Vertiefung des echtjiidischen Lebens iin jüdischen Lande würdig gewesen wäre. Die Gegner unserer Anschauung, die in der Mandatserteiiung das Endziel ihres einzigen Wunsches, ״der Schaffang einer rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina“, erreicht zu haben glaubten, hatten die Situation erfaßt und ausgemitzt. Sie haben ihre Massen und mit ihnen ihre Ideen nach Palästina verpflanzt. Durch reichen Zufluß an Geldmitteln aus allen Ländern war es!ihnen möglich, Schulen, Seminare, ja eine Universität zu gründen und von diesen Stätten aus der Jugend ihre unsere vom סני herstammende Tradition verleugnende Lehren mitzuteilen, sie vom Wiege unserer תורה abzulenken und so ein neues, nationales und religionsloses Judentum auf אדמת קלש zu schaffen. Diesen leider nicht unbedeutenden Erfolgen unserer Gegner wirksam zu begegnen, indem wir nicht nur das seit vielen Jahren bestehende und erprobte Schulwesen aufrechterhalten, sondern entsprechend der immer stärker werdenden Jugend auszubauen, war der Orthodoxie durch die;Lethargie unserer Gesinnungsgenossen nur in solch schwachem Maße möglich, daß heute durch Schreiben und persönliche Abordnungen aus איי uns die trährige Situa- ׳tion in ירושלים und •in den anderen Städten 8'א׳י, erhöht angesichts der großzügigen antireligiösen Aktionen des sogenannten neuen Jischuw, geschildert werden •und jeder einzelne auf sein Verautwortliohkeitsbewußtsein hingewiesen werden!muß. Furchtbar sind die Nachrichten, die uns aus den!׳ Lande unserer Väter erreichen, traurig, doppeit traurig, weil jeder einzelne von uns die Schwere seiner Unterlassungssünde empfinden muß, wenn er hört, daß nicht einmal die 1600 Schüler unserer Schulen seit Monaten von der Schulleitung Nahrung mehr bekommen könneu; daß die Lehrer seit langem keine •Gehälter mehr erhielten — aber in ihrer Liebe zu ihrer Aufgabe und in der Erkenntnis der furchtbaren Gefahr •für unsere palästinenisische Jugend den ׳Mut nicht verloren •haben und unentwegt unsere!Kinder zu den heiligen Lehren von תורתנו הקד׳ heranbilden. Gerichtswesen im alten Israel. Die Unbestechlichkeit der Richter im Judentum. Schon die Bibel lehrt, die Unbestechlichkeit zu wahren, die Bestechlichkeit zu verpönen, und es heißt in der Bibel ausdrücklich: ״Die Bestechung macht blind den Scharfblickenden und verdreht die Worte der Gerechten.“ Die Annahme eines Geschenkes, welches Vorteile dem Geber bietet, der zu einer Bevorzugung unberechtigt ist, kann zu einer Parteilichkeit lind Verletzung der Amts- Pflicht verleiten. Moses, der Führer ׳Israels, sprach zum Volke: ״Nicht den ׳Esel eines unter •ihnen habe ich weggenommen und nicht einem unter ihnen ein Leid getan.“ ״Von keinem einzigen habe ich wie ein Herrscher eine Abgabe gefordert.“ (Numeri, K. 16, V. 5.) Der Richter Samuel, Prophet in Israel, sprach: ״Hier bin ich, zeuget wider mich vor dem Ewigen und seinen Gesalbten! Wessen Ochsen habe ich genommen? •Wen habe ich bedrückt? Aus wessen Hand habe ich Lösegeld genommen?“ (Samuel, K. 12, V. 3.) Der Talmud lehrt (Ketubot): ״Der Richter sei von Gottesfurcht durchdrungen, als liege drohend ein Schwert neben ihm und weit offen die Hölle.“ ״Der Richter darf bei Gericht die eine Partei nicht mehr als die andere anhören. Wenn zwei Parteien vor dem Richter in ungleicher Bekleidung erscheinen, so muß der Richter darauf Rücksicht nehmen, daß nicht die eine Partei mit schönerem und wertvollerem Gewände der anderen Partei gegeniiberstehc; er muß es möglich machen, daß der Aermere eine gleiche ׳Bekleidung erhalte.“ (Sinhedrin, 6.) ״Der Richter darf nur auf das Vollständige Rücksicht nehmen und muß sich vorher genau und gründlich Ueberzeugung verschaffen.“ (Nido.) ״Der Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit sollst du nachtrachten, damit du lebest.“ (Deuteron, K. 17, V. 20.) ״Kennet kein ■Ansehen im Gericht; den Kleinen wie den Großen höret; fürchtet euch vor niemand, denn das Gericht ist G-ttes. (Deuteron, K. 1, V. 17.) ״Wo ist ein großes Volk, das so gerechte Gesetze Bis jetzt ist es trotz der geringen Mittel gelungen, wenigstens einen kleinen Teil unserer׳ Jugend uns zu er- •halten, wie lange es noch möglich ist, hängt von uns allen ab, die die Pflicht und die Möglichkeit haben, helfend, aufbauend einzugreifen. Wenn jeder von uns monatlich sein kleines Scherflein für die Erhaltung der Jugend des heiligen Landes unserem G־tte und seiner Lehre beitragen wird, dann werden wir die Gewißheit haben, daß אי״ה die spätereu Generationen in א׳י sich würdig 'an ihre Vorfahren reihen werden und so mitwirken worden, die wirkliche »גאילת האר herbeizuführen. T. K. T e 111 p e I b a 11 i in 3. B e z i r k. Wir werden um Veröffentlichung nachfolgender Zuschrift gebeten: Wie wir von unterrichteter Seite hören, ist der Gedanke eines Tcmpelbaucs im 3. Bezirk, dessen Verwirklichung bereits in sichtbare Nähe gerückt war und nur durch den Ausbruch des Krieges im Jahre 1914 verhindert wurde, wieder aufgegriffen worden. Der starke Wille einer großen Zahl tatkräftiger, ernster und angesehener Glaubensgenossen des 3. Bezirkes, den in jeder Beziehung mißlichen, ja geradezu unwürdigen, von allen unterschiedslos als unhaltbar empfundenen Zuständen der Bctliausverhültnissc dieses Bezirkes ein Ende zu bereiten, hat bei der gesamten Judenschaft der Land- Straße die lebhafteste und freudigste Zustimmung gefunden. Der sichtbare Ausdruck dieses Getneiuschaftsgefiihles ist die mit Genugtuung zu verzeichnende Tatsaclic, daß sicli alle Tempelvcrcinigungen und auch alle sonstigen jüdischen Körperschaften des ׳Bezirkes zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengcschlosscn haben, die entschlossen ist, nunmehr unentwegt und mit unermüdlichem ■Eifer die Tempclhausfragc •durch Verwirklichung des Baugedankens der Lösung zuzufüliren. Wir wünschen den Bemühungen der Landstraßer Judenschaft den besten Erfolg und behalten uns vor, unsere Leser über den weiteren, hoffentlich günstigen Verlauf dieser Tempelbauangelcgcnheit zu unterrichten. Warum? (111 dieser Rubrik veröffentlichen• wir Anfragen und Beschwerden aus unserem Leserkreise.) Warum ist auf der Rax kein בשר Restaurant? War« m gibt es in Wien keine offizielle orthodoxe Cliewra Kadiscliah? כשר S :-.1• »tffT- Verbürgt reines Fett aus Kokos■ nüssen. Die Kokosnüsse werden bei der Kunerolwerke A. G., Wien• Atzgersdorf, gepreßt und die Er■ zeugung steht bis zur Verpackung des fertigen Fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrab* biners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Kunerol kann daher von jedem Streng* gläubigen ohne Bedenken zur Zuberei״ tung der Speisen verwendet werden. liches Vorgehen der bedeutendsten orthodoxen Gruppen wird erzielt werden können. Mehr aber noch als die vernünftigsten Worte bringen Ereignisse, wie sie sich vorige Woche in Jerusalem abgespielt haben, alle Jereim zu der Erkenntnis, daß ein Zusammenschluß unumgänglich notwendig ist. Es hat sich vorige Woche eine Vereinigung konservativer Akademiker unter dem Namen ״Jeschurun‘‘ gebildet; dieser neue Verein hat dem Sportklub Makkabl den Ersatz aller etwaigen Verluste angeboten, die aus der strengen Einhaltung der Sabbatruhe für den Klub erwachsen könnten. Dieser Vorschlag wurde in Makkabi lebhaft diskutiert, aber am Schlüsse mit 49 gegen 44 Stiimmen abgelehnt, also es bleibt bei dem öffentlichen Chilul * SchCabbos des Fußballspieles. Nur in einer selbständigen orthodoxen Gemeinschaft kann die Jugend für die Ideale der Thora erzogen werden. Warn 111 bildet sich in Wien kein Verband der שבת haltenden Kaufleute zur Wahrung ihrer Interessen? War« in gibt es noch keine jüdische Leihbibliothek? Warum ergeht an die Kauhanim nicht die Aufforderung, beim Duchenar entsprechende Beschuhung zu tragen? Warum gibt es in Oesterreich noch keine rituelle Konservenfabrik für Gemüse,^ Obst lind Teigware? Warum gibt es keinen österreichischen Speiseverein, der dem Reisenden Rat gibt, wo er beruhigt essen darf? Der Präsident des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Jisroel in Erez Jisroel. Jerusalem. (AJPB.) Die Zeit des Herrn Rabbiners Dr. Pinchas Kohn ist fast von der Stunde seiner An.1 II. III.־ kunft an mit ununterbrochenen Konferenzen ausgefi'illt. Er wohnt und speist privat bei Herrn Dr. Wallach, damit er die kärglichen Stunden seiner Ruhe ungestört verbringen ■kann. Der größte Teil der Konferenzen findet in Jerusalem im Zentralbureau der Aguda statt. Im Laufe der Woche besuchte Herr Rabbiner Dr. Kohn in Begleitung von Rabbiner M. Blau Tel-Awiw, Tibcrias und Saffeth. In den letzteren zwei Städten, wo ebenfalls ein starkes Zentrum der Orthodoxie vorhanden ist — zumindest 85 Prozent der jüdischen Bevölkerung will von dem zioni'■־ stischen Waad Leumi nichts wissen — hielt Dr. Kohn eine mit großem Beifall aufgenommene, in der heiligen Sprache gehaltene Rede. Dank der aufopfernden Arbeit von Rabbiner Dr. Kohn ist zu hoffen, daß ein einheitc׳ Die Rabbiner Polens für Ausschluß aller Gegner der Religion aus den Verwaltungskörpern der jüdisehen Gemeinden. (ITA.) Der polnische Rabbinerverband,. dem alle Rabbiner Polens angehören, hielt in diesen Tagen in Warschau eine geheime Sitzung ab, der etwa 30 prominente Rabbiner aus verschiedenen Städten Polens bei!- wohnten. Den Vorsitz führten Rabbi Lewin aus Rzeszow und Rabbi Lipschitz aus Kalisch. Obwohl die <Verhandlungen streng geheim waren, weiß die Warschauer jüdische Presse aus angeblich autoritativer Quelle zu berichten, daß ein Beschluß angenommen worden sei, an die Regierung mit der Forderung heranzutreten, anges i c h t s des religiösen Charakters der j ii d iisehen Gemeinde a*l 1 e jene Mitglieder der Vorstände und der Verwaltungskörper der Gemeinden nicht x anzuerkennen, b e z w. deren W ah 1 nicht zu b e s^t ä t i g e n, die d i׳ e jüdisehe Religion bekämpfen. Die Resolution wendet sich insbesondere gegen die der Arbeiterpartei ״Bund“ und anderen linksradikalen Organisationen angehörenden Mitglietler von Gemeindeverwaltungskörpern. — Der Rabbinerverband forciert ferner, daß in den laut Regierungsdekret zu schaffenden Obersten Rat aller jüdischen Gemeinden Polens, in welchem neun Rabbiner Sitz und Stimme haben sollen, nur solche Rabbiner berufen wer,- den, die Mitglieder des Rabbinerverbandes sind. Aus der Tätigkeit des Bundes jüdischer Akademiker (B. J. A.) Die Aktivität ׳des Bundes hat in der letzten Zeit eine merkliche!Belebung erfahren. Die Arbeitsfreude, die der Leipziger Bundestag von neuem geweckt ׳hat, hat die meisten Bundesvereinigungen zu ׳intensiver Tätigkeit ■angespornt und erfreuliche Erfolge gezeitigt. Dabei ruht das Schwergewicht nach wie vor auf der!Pflege ■der jüdischen •und Richter hätte wie diese ganze Weisung? Diese Gesetzesbeobachtung verschafft euch den Ruhm von Weisheit.“ (Deuteron, K. 4, V. 8.) ״Nur das Urteil!jenes Richters, welcher zu gleicher Zeit das 'Richteramt versieht •und als Richter angestellt ist, dürfte gewürdigt werden.“ (Sinhedrin.) ״Der Beschuldigte darf mir in •seiner Anwesenheit verurteilt werden.“ (Bava Mezia.) ״Nicht auf fest gemauerten Stufen steigt der Richter zum Richterstuhl hinan, sehr oft sind die Sprossen der Leiter gebrechlich, welche zum Urteil führen, demzufolge muß viel Vorsicht walten.“ (Joma.) ״Damit du gerecht seiest, wenn du sprichst.“ (Psalm, K. 51, •V. 6.) ״Das Recht muß selbst Berge durchdringen.“ (Sinhedrin.) Rabbi Akiwa lehrte: ״Beim Rechtsspruch darr kein Mitleid walten. Ueber Geschäftsfreunde, Verwandte und Beschuldigte, •die man haßt, darf •der Richter nicht rechtsprechen.“ (Ketubot.) Nur der Reine kann antworten, der Makellose •den Schuldigen sühnen, doch niemals der Befleckte. Die Makellosigkeit des Richters erklärt der Talmud folgender weise: ״Wenn ein Richter in Unabhängigkeit dem Könige gleicht, dann kann er den Staat aufrecht erhalten; gleicht er jedoch dem Priester, welcher Gaben sammelt, dann ist derselbe ein Zerstörer des Staates.“ Die Praxis der jüdischen Richter. I. Rabbi Samuel war ein Richter in einer palästinensischen Stadt, die durch eine große Wasserkatastrophe sehr gelitten hatte, und wollte über eine beschädigte Brücke gehen, welche noch dazu sehr schmal war. Er zögerte, über diese Brücke zu schreiten, da kam ihm ein unbekannter Manu entgegen und wollte ihm die Hand reichen ׳und ihn über die schadhafte Brücke führen. Glücklich am anderen Ufer , angelangt, fragte Rabbi Samuel den Führer, wohin er gehe. ״Zu Gericht, Rabbi. Ich habe eine Streitsache mit einem Geschäftsfreunde, und du wirst, wie ich höre, in dieser Sache den Vorsitz haben.“ Hierauf entgegnete Rabbi Samuel: ״In diesem Falle ist es mir unmöglich, den Vorsitz einzunehmen, da du mir gefällig, warst, mich über diese gefahrvolle Brücke zu führen.“ II.;Rabbi Ismael, Sohn Josö, Besitzer großer ׳Ländereien, betrieb Ackerbau und Viehzucht. Die^r große Besitz machte ihn zum reichsten Grundbesitzer seiner Gegend. Unter seinen vielen Grundpächtern war auch einer, der sich erbot, nebst dem Pachtschilling zur Obstzeit allwöchentlich am Vortage des Sabbats, somit am sechsten Tage der Woche, dem Rabbi einen Korb, gefüllt mit schönem Obst, aus seinem Garten zu bringen. Einmal!brachte dieser Pächter schon am fünften Tage der Woctie den Korb mit Tafelobst. Hierüber erstaunt, fragte!ihn Rabbi Ismael, welcher auch Richter war, weshalb er diesmal, abweichend von der Gepflogenheit, das Obst schon am fünften Tage überreichen wolle. ״Rabbi,“ antwortete der Pächter, ״morgen stehe ■ich vor Gericht; es ist der Vorabend unseres Sabbats, und du, Rabbi, wirst in meiner Rechtssache den Vorsitz haben.“ ״Pächter! Ich kann den Vorsitz nicht mehr übernehmen und •der Gerichtsverhandlung überhaupt ■nicht bei-, wohnen. Du bist mein Pächter und bringst mir außer ■der Pachtgebühr noch ein Geschenk. •Das würde einer Bestechung gleich sein.“ ״ * III. Rabbi Ismael, Sohn Elischas, war ein Priester und erhielt von einem sehr reichen Schafherdenbesitzer die Erstlingswolle. Rabbi Ismael fragte den Ueberbringer: ״Wo befinden sich deine Schafherden? Ist denn iii der Nähe deiner Be- Sitzung nicht gleichfalls ein ׳Priester, dem du die Erstlings-, wolle abliefern könntest?“ ״Wohl, Rabbi, doch morgen habe ich!in einer Streitsache mit einem Grenznachbar vor Gericht zu erscheinen׳, wo du den Vorsitz führen wirst, und da der Gerichtshof mir näher ist, so wollte ich die Erstlingswolle zugleich dir, Rabbi, bringen.“ ״Da müßte ich einer Bestechung geziehen werden.. Ich übernehme den Vorsitz nicht.“ Und schob die Wolle! dem Grundbesitzer zurück. Albert Löw,

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