Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 40 (4.11.1927)
- Date
- 1927-11-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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SJWSCHE PRESS! Äc Regierung und die Ärmee!in der Ukraina die Anführer bei allen Geschehnissen waren. Sie beriefen sich hiebei hauptsächlich auf die Informationen der ״Ukranska Propor“ und andere galizische Ausgaben, indem sie darauf hinwiesen, daß dies doch das eigene Urteil von Ukrainern sei. Die Aktion dieser Gruppe wurde dergestalt von mehlen und Jabotinskys Erklärungen und Jnformationen niedergeschlagen. Vom 31. August bis 3. September dauerten die Bemühungen, einen Ausgleich zu finden zwischen meiner und Jabotinskys Meinung über die jüdische Gendarmerie und zwischen den zionistischen Gruppen. Wir kamen zu dem Beschluß: Die Angelegenheit der jüdischen Gendarmerie mit dem Amt der ukrainischen Volksrepublik übernimmt eine besondere Organisation, die außerhalb der zionistisehen Organisation steht, da die zionistische Organisation eine allweltliche ist, in welcher sich auch Gruppen befinden, die dem Kommunismus nahestehen. Die Organisation trägt die Vorbercitungskosten, mit dem Momente aber, als die jüdische Gendarmerie das Territorium der Ukraina betritt, wird, die ukrainische Volksrepublik die Kosten decken. nach Möglichkeit einzutreten. Es ist noch in allgemeiner Erinnerung, daß der Lubawitscher Rebbe im Frühsommer von einer russischen Polizeibehörde in Moskau wegen Propaganda und Geldsammlung für Jeschiwoth verhaftet und nach Kostroma verbannt wurde. Diese Verhaftung war der letzte Anstoß für die Freunde des Lubawitscher Rebben, ihn aus Sowjetrußland fortzubringen. Der agudistische Sejmabgeordnete Dubin hat Verhandlungen mit der Sow.jetregierung angeknüpft, um die Entlassung des Lubawitscher Rebben aus Rußland zu ermöglichen. Die Sowjetregierung scheint recht froh gewesen zu sein, dieses gefährlichen Mannes endlich loswerden zu können. Trotz dieses Umstandes mußte Abgeordneter Dubin zweimal nach Moskau fahren, um alle Formalitäten zur Abreise des Lubawitscher zu erledigen. Gleich nach den Feiertagen machte sich der Lubawitscher Rebbe in Begleitung seiner engsten Umgebung auf die Reise. Am 23. Oktober kam er in Riga an, wo er von der jüdischen Bevölkerung enthusiastisch empfangen wurde. Die Wiener Zentrale der Agudas Jisroel hat sowohl den Lubawitscher Rebbe wie den Abgeordneten Dubin aus diesem Anlässe herzlich beglückwünscht. Diesem Willkommgruß schließt sich die gesamte thoratreue Judnheit herzlich an. Unsere Abmachung kristallisierte sich in einem prinzipicllen Projekte, das von mir und Jabotinsky unterschrieben wurde. An der letzten Konferenz, wo das Projekt perfekt wurde, hat zwischen anderen auch der englische Colonel P a t e r s o n teilgenommen, der sich warm zur Sache gestellt hat und seine ganze Hilfe znsagte — er ist eine einflußreiche Person im englischen Kriegs- und Außenamte. Was im Projekt nicht ausgeführt ist, ist noch außerdem die Meinung, welche von den zionistischen Führern ausgedrückt wurde: Wir müssen die ukrainisehen Juden und die Ukrainer fest verbinden, es sei zum Glück oder Unglück. Wenn also auch vom Projekte keine große Sache entstehen sollte, so kann man nicht achtlos an den moralisch en Folgen von dem Zusammenleben beider Völker Vorbeigehen. Die weiteren Sitzungen in dieser Frage werden geführt werden von den Führern der erwähnten Organisation und von den verantwortlichen Vorstehern der ukrainischen Volksrepublik. M. Slavitiski. Die Pariser Geschworenen haben Schwarzbart freigesprochen, Sie haben nicht über die T a t. sondern über den Täter geurteilt. Wir Juden billigen die Tat Schwarzbarts durchaus nicht, und daß wir uns mit dem freispreeilenden Verdikt des Pariser Gerichtshofes aufrichtig freuen, findet seine Begründung darin, weil dieses Verdikt nur formell den Freispruch Schwarzbarts bedeutet, tatsächlich aber ein vernichtendes Urteil über die Pogrome sprach, die unter Petljuras Herrschaft während der Amtsführung so mancher ehrgeiziger jüdischer Nationalisten, die nocli heute in der Oeffcntlichkeit agieren, in der Ukraine wüteten. J. P. Der Lubawitscher Rabbi Schneurs^n in Riga eingetroffen. , "Die Nachricht von der Uebersiedlung des Lubawitscher Rebben aus Sowjetrußland nach Lettland wird nicht verfehlen, in der gesamten Orthodoxie den tiefsten Eindruck hervorzubringen, einen Eindruck, der gleichzeitig ■ freudige wie traurige Gefühle auslösen wird. Freudige, weil dieser große Führer der Orthodoxie, ein Enkel des berühmten Raw aus Lady, nun die nötige Ruhe haben wird, um unbehelligt von Schikanen seinem Berufe leben zu können; traurige, ■daß nun die russische thoratreue Judenheit des großen Führers entbehren muß, der trotz ,persönlicher Bedrohung seitens bolschewikis'cher Ucbereifcrer es sich, nicht .nehmen ließ,׳, die Thora öffentlieh zu verbreiten Aufhebung des Numerus clausus in Ungarn. (J. T. A.) Vor einem Auditorium, das sich aus Regierungsmitgliedcrn, führenden Politikern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zusammensetzte, hielt Ministerpräsident Graf Bcthlen eine großangelegte Rede über die ungarische innere und äußere Politik und kündigte im Verlauf derselben an, daß der Kultusminister Graf Klebeisberg der Nationalversammlung einen Entwurf vorlegen wird, der eine Abänderung des Numerus c 1 a ׳u s u s - G e s e t z e s in dem Sinnee bedeutet, daß bei Aufnahme von Studierenden in die Universitäten und Hochschulen keine Beschränkungen für .jüdische Studierende mehr bestehen werden. Wir wollen, sagte der Ministerpräsident, die Intentionen und die sozialpolitische Bedeutung dieses Gesetzes nicht aufheben, wir müssen jedoch daraus diejenigen Bestimmungen eliminieren, die bei einem Teile der ungar isehen Staatsbürger schon seit Jahren sehr großes Mißfallen und starke Antipathien ausgclöst, haben, als ein Problem, das auch vor dem Völkerbünde zur Sprache gekommen ist. Auch das wird eine legislative Schöpfung werden, die notwendig und unausweichlich ist und die ich persönlich auch versprochen habe. Gleichzeitig veröffentlicht Unterrichtsminister Graf Klebclsberg in der Presse eine Mitteilung, daß der ganze Paragraph 3 des Gesetzes vom Numerus clausus, der. die Einschränkung der Aufnahme jüdischer Hörer Vorsicht, außer Kraft gesetzt werden wird. Es verbleiben die allgemeinen Bestimmungen gegen das Ueberfluten der intelligenten Berufe, aber auch diese Bestimmungen werden liberal gehandliabt werden. Dabei erklärt Graf Klebclsberg, er sei immer ein Gegner des Numerus clausus gewesen, den er. als unerwünschte Erbschaft von seinem Vorgänger übernehmen mußte. Die liberale Presse, darunter ״Pester Lloyd“ begrüßt in einem ״Auslandpolitik •und Numerus. . clausus“ über-, schriebenen Leitartikel sehr warm die Ankündigung des Ministerpräsidenten Grafen Bcthlen über bevorstehende Abschaffung der. Numerus clausus in Ungarn ■und schreibt: ״Erweist sich diese Auslegung der Ankündigung des Grafen Bcthlen als zutreffend, so wird damit dem Numerus clausus die reaktionäre Spitze des ^konfessionellen Uuduldsamkeit abgebrochen sein und die ganze Institution den gehässigen Charakter verlieren, der einem Teile des ungarischen Volkes unverdiente Erniedrigung,׳ dem guten Rufe Ungarns im Auslande aber schwere Nachteile eingetragen hat. Die ungarische Regierung hat ja auch vor dem Völkerbunde die Verpflichtung .übernommen, den Numerus clausus, sobald es die sozialen VerhältnisTe in Ungarn gestatten, gänzlich aus der Welt zu schaffen . . . :Der Tag, au dem die vom Grafen Bethlen heute angekündigte Reform ins Leben tritt,, wird in den Augen der Welt als Beweis der glücklichen Vollendung, unseres inneren Konzu verbreiten und für die Interessen der Orthodoxie כשר Verbürgt reines Fett aas Koko» nüssen. Die Kokosnüsse werden ־ bei der Ktmerolwerke A. G.,Wien* Atzgersdorf, gepreßt und die Ep• zeugung steht bis zur Verpackung des fertigen Fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrab» biners S. Ehrenfeld׳ zu Mattersburg. Kunerol kann daher von jedem Streng«• gläubigen ohne Bedenken zur Zuberei* tung der Speisen verwendet werden. solidierutigswerkes gelten, ein: Umschwung, dessen wohltätige Folgewirkungen auf die künftige moralische Steh lung unserer Nation in der großen Familiengemeinschaft der Kulturvölker der ungarischen Sache in allen Belangen zugute kommen werden.“ 1®1 Nachrichten. ־־־־₪ Gastvortrag. Am Schabbos C'hol-Hameed Sukkoth hielt Rabbiner Simon Schreiber aus Trnava (Slowakei) im großen Vortragssaale •der Agudas-Jisroel-Jugendgruppe in Wien einen Vortrag, dessen Höhepunkt jener Teil billdete, in welchem der talentvoll Redner sich mit Limtt<9 und Erziehung befaßte und über das Leben in der Jeschiwoh sprach. Reicher Beifall lohnte die treffliche Draschah. Die Beizer Klaus. Samstag שבת בראשית versammelte sich der gesamte Vorstand und zahlreiche Mitglieder der Beizer Klaus, um in der neu adaptierten und renovierten Klaus ein חנוכת הבית zu feiern. Vor hielt Obmann S. Sparer eine Begrüßungsansprache. Es sprachen ferner die Vorstandsmitglieder Wolf Pappen« hein, Samuel Hager, Benzion Wagner und Markus Kamm. Bei der עליות wurden beträchtliche Summen für die Klaus und für verschiedene Institutionen gespendet. Feierliche Einweihung des neuen Hauses der Talmud- Thora-Schule ln Subotica. Sonntag, den 27. Tischri wurde das neue Gebäude der Tälmud-Thora-Schule in Subotica, das hauptsächlich durch Stiftungen der Famile Glied errichtet wurde, feierlich eingeweiht. Im neuen Hause fand sodann ein Sijumfest über den Traktat Sen Kedrin statt. An diesen Festlichkeiten hat nicht nur die aufstrebende orthodoxe Gemeinde _ Suboticas teilgenommen, sondern auch zahlreiche Gäste aus der Fremde. Unter anderen •sind die Rabbiner aus Illok, Petrovoselo, Mol und Senta gekommen, um mit ihrem Erscheinen der großen Freude Ausdruck zu geben, die jeden wahren Jehudi erfüllen muß anläßlich dieser erfreulichen Erstarkung des Thoralernens und des Thorageistes in Subotica. Die Festrede hielt Oberrabbiner Moses Deutsch, dessen segensvollem Wirken diese, erfreuliche Entwicklung in Subotica zu verdanken ist. Die Festlichkeiten fanden in einer großzügig arrangierten -Seudath Mizwoh ihren Abschluß. Schullehrer unbekannten Namens in der talmudischen Zeit. Wir entnehmen nachfolgendes Kapitel dem interessanten und lehrreichen Werk ״Die Jugendlehrer der talmudischen Zeit“ von L. Wiesner, Wien (Verlag R. Löwit). Die Red. Wir finden im Talmud und Midrasch bei verschiedenen Gelegenheiten eine Anzahl von Schullehrern erwähnt, deren Namen nicht angegeben werden. Wir führen zunächst den blinden Hauslehrer des Hoschaja, genannt Rabbah der Große, in Palästina in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts an. Das schwere Gebrechen der Blindheit hinderte diesen Lehrer nicht; dem Sohne des Hochaja Unterricht zu erteilen. R. Hoschaja •behandelte seinen Hauslehrer mit seltenem Zartgefühle. So pflegte er seine Mahlzeit stets •in Gesellschaft dieses Lehrers eipzunchmen. Als einmal Gäste im Hause waren und R. Hoschaja von seiner Gepflogenheit, den Lehrer zu Tische zu rufen, abgehen zu sollen glaubte, unterließ er es nicht, der Empfindlichkeit des armen Mannes Rechnung tragend, diesem gegenüber sein Vorgehen zu rechtfertigen. Noch am selben Abend begab er sich in die Kammer des Lehrers und sprach zu ihm: ״Sei mir, mein Herr, nicht böse, daß ich dich heute nicht zu Tische rief, es geschah deshalb, weil ich Gäste hatte und fürchtete, daß dein Ansehen leiden würde.“ Von diesem Zartgefühl gerührt, antwortete der blinde Lehrer: ״Du hast einen, besänftigt, der gesehen wird, aber nicht sieht, möge der, der sieht, aber nicht gesehen wird, deine Besänftigung nehmen und dir diese lohnen.“ V^n einem frommen Lehrer in Palästina in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts wird erzählt, daß er oft fastete. R. Jochanan traf einmal in diesem Orte ein und fand den Schullehrer kränklich aussehend. Als er bei den Bewohnern des Ortes die Ursache des schlechten Aus- Sehens ihres Lehrers erfahren hatte, verbot er diesem das Fasten, indem er zu ihm sprach: ״Wenn es nach dem Gesetze schon dem. gewöhnlichen Lohnarbeiter nicht gestattet ist, sich du!;ch Entziehung der leiblichen Bedürfnisse zu schwächen und dadurch den Wert seiner Arbeit zu vermindern und seinen Lohnherrn zu verkürzen, um wieviel weniger ist es dir gestattet, der du im Dienste des Höchsten Herrn stehst. In Kefar Chittaja, einem Dorfe unweit Tiberias, lernen wir gegen Ende des dritten Jahrhunderts einen Safra! von außergewöhnlicher Seelengüte kennen. Er ist oft die | Zielscheibe roher Scherze seitens leichtsinniger Personen, was ihn aber nicht abhält, eben diesen Personen, die ihn übrigens im Grunde ihres Herzens achten, Gutes zu erweisen. Dpr im Schulhause, das zugleich Synagoge •ist, wohnende Safra ist auch Vater der sich im selben. Haus:!.• befindenden Fremdenherberge, wo die armen Fremden, die sich am Freitag abends daselbst einfinden, auf Gemeindekosten verpflegt wurden. Einmal traf in der Herberge eine Gesellschaft ausgelassener Personen ein. Nachdem sie sich bei Speise und Trank gütlich getan, verwendeten sic die Knochenreste als Geschoße, wobei ihnen der gutmütige Safra als Zielscheibe diente. Die Unterhaltung wurde aber durch einen ernsten Zwischenfall gestört. Ein Mitglied dieser Gesellschaft erkrankte, plötzlich und sein Zustand verschlimmerte sich bedenklich. Als die Freunde sein Ende hcrannahen sahen, fragten sie ihn, wem von ihnen er seinen Sohn anvertraue. ״Dem Safra“, lautete die Antwort des Sterbenden. Der Erzähler dieser Begebenheit fügt hinzu: Wie viele Freunde der Mann auch hatte, er vertraute sein Kind doch mir dem Safra an, weil er ihre und des Safra Taten kannte und wo״! wußte, welche besser sind. Die Gemeinde Bozra crsuciite R. Simon b. Lakisch, ihr einen Mann für alle religiösen Funktionen, ein ■geistliches Faktotum, zu empfehlen. Er soll Schriftausleger, Richter, Schullehrer und Synagogenbeamter in einer Person sein. R. Simon b. Lakisch empfahl ihnen einen Babylonier. Dieser trug jedoch mit Rücksicht darauf, daß Bozra außerhalb Palästinas lag, religiöse Bedenken, das heilige Land zu verlassen und richtete an R. Jochanan die Anfrage, ob er die Stelle annehmen soll. R. Jochanan antwortete kurz: ״Aus Babylon nach Babylon.“ Ein Schullehrer für Mischnah in Palästina gegen Ende des dritten Jahrhunderts war ausgezogen, lim sich einen Posten zu suchen. Als er einen solchen fand, weigerte er sich, ihn solange anzutreteii, bis seine Frau in seinem neuen Wohnorte eingetroffen sein werde. Um das Ende des dritten und den Anfang des vierten Jahrhunderts wirkte in Cäsarea (Palästina) ein Schullehrer, der wegen seiner Strenge überaus gefürchtet war, Er bediente sich des Strafmittels, die Kinder über die festgesetzte. Unterrichtszeit hinaus in der Schule zurückzubehalten und machte davon den ausgiebigsten Gebrauch. R. Abbabu, dem reichen, gebildeten und auch beim rörnisehen Hofe angesehenen Gesetzeslehrer, taten die armen Kinder lpid und. nach seiner bekannten milden Art nahm er nach Schluß des Unterrichtes absichtlich seinen Weg durch den Vorraum des Schulhauses, damit der Lehrer sich veranlaßt sehe, die Kinder zu entlassen. Für einen Lehrer in Palästina, der in Lydda oder dessen Umgebung zu Anfang des vierten Jahrhunderts wirkte, hatte die Ueberschroitung des Züchtigu!ngsrechtes ernste Folgen. Eine Magd des Hauses Bar-Pata, die gerade an der Schple vorbeikam und Zeugin!der Mißhandlung eines Kindes war, sprach über den Lehrer den Bann aus. Als sich dieser hierauf an R. Acha mit der Frage wendete, cb der Bann zu Recht bestehe, erhielt er den Bescheid, daß er sich allerdings als im Banne befindlich zu betrachten habe, da seine Handlungsweise ungebührlich ,war. Einem zu Anfang des 5. Jahrhunderts!in Babylon, wahrscheinlich in Matha Mechaßja, wirkenden Schullehrer wurde, weil er das •ihm zustehende Ziichtigungsrccht weit über das zulässige Maß hinaus überschritt, im Sinne der allgemeinen gegen ihn herrschenden Stimmung von R. Acha (b. Raba) das Gelübde abgenommen, sich überhaupt mit dem Unterrichte von Kindern nicht mehr zu befassen. Da aber kein anderer Schullehrer zu finden war, der sich ihm in Gründlichkeit des Unterrichtes hätte vergleichen können, so wurde er von Rabbina mit dem Unterrichte wieder betraut. Ein Schullehrer in Palästina in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts stand im Verdachte, daß er die Vorschriften über das Brachjahr verletze und wurde deshalb dem Patriarchen R. Jehuda hanassi vorgeführt. ״Was soll der Arme machen“, sprach Rabbi, ״er hat es ja nur wegen Erhaltung seines Lebens getan.“ (Das Los des Schullehrers war bei aller Hochschätzung seines Berufes kein beneidenswertes.) Aus derselben Zeit erfahren wir von einem Schullehrer in Palästina, der in einem samaritanischen Orte, in der Umgebung der ehemaligen Stadt Samaria, wirkte. Die Berge Samarias waren wegen ihres Wcinreichtumes schon in ältester Zeit berühmt. Der fromme Safra enthielt sich jedoch des Weingenusses daselbst, weil die Samaritaner zu dieser Zeit dem Heidentum zuneigten. Als R. Simon b, Eleazar einmal in diesen Ort kam und die Synagoge betrat, ersuchte er den dort weilenden Schullehrer, ihm einen verschlossenen Krug Wein zu holen. Der Schullehrer sagte: ״Hier ist die Quelle (Wasser), trinke.“ Auf die wiederholte und dringende Bitte des R. Simon b. Eleazar sprach der fromme Schullehrer: ״Wenn du Herr deiner Begierde bist, so trinke Wisser, ist aber die Begierde Herr über dich, so denke an den Spruch: Du setzest ein Messer an deine Kehle, wenn du ein gieriger Mensch bist." Eine Anekdote aus der Knabenzeit des später so berühmten Leiters der Akademie von Nahardea, Mar Samuel, macht uns mit einem daselbst in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts wirkenden Schullehrer bekannt.