Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 39 (7.10.1927)
- Date
- 1927-10-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite. 244 JÜDISCHE PRESSE Nr. 39 Wir müssen das Lager räumen Oer Keren Hathora der Agudas Jisroei. 1. ״Gewähre mir Jawne und seine Weisen, die Familie des «Nossi Rabbon Gamliei, einen Arzt für •Rabbi Zoduk“ spricht Rabbi Jauchonon zu Vuspasiau. (Gitin 56 b.) ‘Er fordert nicht tnelir, daß die gute Stimmung des Feldherrn, ärgerlich über zu großes Verlangen, nicht ins Gegenteil Umschläge. Er fordert nicht weniger, weil die Ge- Währung dieser Bitten ihm als die unerläßliche Voraussetzung dafür schien, daß das Judenvolk, ■ins .Goius geschickt, seines Heiligtums beraubt, seines Staates verlustig erhalten bleiben!könne: Jawne und seine Weisen sichern — die exemplarische Stätte der Thora und ihrer Lehrer die Familie des Nossi erhalten — die adeligen Geistesfürsten, die ■in der Vergangenheit das Volk führten und es auch in Zukunft führen sollen einen Arzt für Rabbi Zoduk gewähren — dem Volk den /Mann erhalten, der durch sein Fasten den höchsten!Heroismus lehrte. Sicherung der Tauro, Erhaltung der Nossifamilie, Festhalten an jenem opferbereiten .HcroiHnus, wie Rabbi Zoduk ihn verkörperte, — und das jüdische Volk geht mit dem ersten Schritt ins Goius hinein und aus seinem Lande heraus —, der Geulo, seiner Bestimmung entgegen. 2. Und Rabbi Jauchonons wunderbare Voraussicht bewährte sich. Lehrhäuser, ähnlich ■dem Jawnes, blühten im Goius auf, Männer, auf denen der Geist der!Nossifamilie ■ruhte, führten das Volk, ein willig für die Gemeinschaft leidender und opfernder ׳Sinn bewährte sich tausendfach und zeigte, daß man Rabbi Zoduks würdig geworden war. Die Tauro hielt das Volk zusammen, seine Führer waren die Rabonirn. aiie hatten den Segen der Geschenke erkannt, die Vespasian dem weise fordernden Rabbi gewährt hatte. Erst die große Umwälzung zu Ende des 18. Jahrhunderts, die der außerjüdischen Kulturwelt die Einheit brachte, zerschnintt im jüdischen Kreise das geistige Band, das jahrhundertelang das Volk im Goius zusammengehalten hatte — und brachte so den Niedergang. ״Tausendfältig war so das Leid, aas über das Judentum hereinbrach, aber durchaus einheitlich und eindeutig die Ursache. Nur weil von löO Jahren dem Klail Jisroei, dem Organismus der Judenheit, seine Seele, die-Tauro, entfloh, weil diese Seele bald da, bald dort von einzelnen Teilen des Organismus zwar mühsam oft wieder erhascht, aber niemals wieder den Mittelpunkt des’ ganzen Organismus bildete, darum liegt der Körper der Judenheit zerfetzt und angefressen, jeder Macht der Elementarwelt zur Beute, ״auf der Fläche des Tales“ — und nur hier, wo der Krankheitsprozeß seine Wurzel hat, kann auch die Heilung wieder beginnen. Das ist's, was Agudas J.isroel bedeutet: Den vor hundert Jahren seiner Seele beraubten Organismus der jüdischen Gesamtheit zum ■Leben erwecken,!ihm die Seele wiedergeben und alle seine Glieder zu funktionsfähigen Organen ■der Seele machen!“ 3. Das also ist der Sinn von Agudas Jisroei: daß wieder das Lehrhaus von Jawne seine Seele leihe dem jüdischen Volke ■und durch sie seine einzelnen Glieder verbinde,-daß vom ■Geist des ׳Nossihauses erfüllte Thorafürsten das Volk der Lehre leiten und lehren, daß diese durch die Thora reorganisierte Volksgemeinschaft in ihrem Wirken. Leisten und Leiden wieder erkennen lasse, daß Rabbi •Zoduk einer der ihren war und geblieben!ist. :׳ . _ 'Und weil Tauro die organisierte Seele .ist, und weil die Großen der Tauro, die •im Rabbinischen Rat der ׳A. J. .zusammengeschlossenen Rabbiner, die Führer sind, ■und weil dieser• charakteristische!Heroismus eines Rabbi Zoduk, den Agudas Jisroei für die ihren ersehnt, den Jüngern ■der Tauro am tiefsten zu eigen — ■darum, aus Selbsterhaltung lind aus Dankbarkeit schuf Agudas Jisroei den Keren Hathora. Und so ist sein Aufgabenkreis umschrieben: die Sorge für die Jeschiwaus, die im Sinn und Geist des Weinbergs zu Jawne wirken, die Sorge für Rabbonim, die als Fürsten der Tauro Rabbon Gamliels Erbe angetreten haben, die Sorge für die Bachurim, deren willig getragene Wegen Umbau verkaufen daher zu nedi nie dagewesenen fiefrednzierten Preisen Seidenstoffe: Seidenfoulards, herrliche Dessins . , . S 7.80f 5.80 Seidenkleider, Alpaca genaust...... S 4.80, ST.SO Crßpe de Chine, alle Farben ..... S 8.90, 5.80 Seiden-Georgette, viele Farben .... S 11.—, 7.80 Ia Shantung, 90 cm breit.. 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Wir haben keine!Sorge als die ■um die Tauro und ihren Bestand, ״denn uns :ist nichts geblieben ■als diese Tauro.“ 4: Positives über die Leistungen des Keren Hathora möchte man gern hören?!Man frage Litauens Thorafürsten, Rabbon Gamliels Erben, was aus ■ihren Lehrstätten geworden wäre, wenn der Keren Hathora sie!nicht!in einer Zeit brennendster Not entschuldet hätte.!Man frage Polens Väter und!Mütter, was aus ihren Töchtern geworden wäre, wenn der Keren Hathora nicht das Beis-Jaakauw-Schulwesen errichtet •und so Tausende und Abertausende von jüdischen Töchtern, jüdischen Müttern ■dereinst, im ■Geist des Judentums erzogen hätte.!Man ■besuche •die vom Keren Hathora in Deutschland errichteten oder subventionierten Talmud Thoras ■und man wird sich ■des neuen, ■alten Löbens freuen, ■das oft aus Ruinen blühte. Und dennoch sei es wiederholt: Es kommt viel weniger auf ■das Geleistete, wie auf das Gewollte an: das, was Keren Hathora will, ist seine ■Ehre, denn es ist ■die Ehre der Tauro.; 5. "; So fließt der Keren Hathora aus dem tiefsten Wesen der Agudas Jisroei, so wie diese selber aus dem Wesen des jüdischen Volkes erwachsen ist. Und so wie Agudas Jisroel nicht eine Organisation von jüdischen!Menschen ist, die die Interessen dieser Menschen wahrnimmt, sondern das jüdische Interesse des ganzen Volkes, so dient Keren ■Bathorn dem ganzen Volke, allen seinen Thorastätten, ,allen, in denen!Luft ■von Jawnes Luft weht Geist von Rabbon ,Gamliels Geist gespürt, Hingabe von der Hingabe Rabbi Zoduks bewiesen wird. So bedeutet Arbeit am Keren Hathora Arbeit am jüdischen Volk! In dieser Arbeit darf es!kein!Erschlaffen geben, so wenig wie im. Taurolernen selber. Besondere Leistung •für ■den Keren Hathora darf ■uns so wenig stolz :machen wie vieles Lernen selber. Und derselbe!Rabbi Jauchonon, der uns gelehrt hat: Wenn du ■viel Tauro gelernt hast, halte dir nichts darauf zugute, denn nur. ■deshalb bist du geschaffen worden, steht ■zu ,unserer Rechten ׳bei unserer Keren-Hathora-Arbeit, spornt unsere Kraft, mahnt uns vor Uebcrheblich'keit und ruft uns zu: ״denn nur deshalb bist du geschaffen!“ W. S. J. Der XV. ZionisienkongreSL Der Misrachi aui dem XV. Zionistenkongreß. Wir entnehmen diese Kritik der Politik des Misrachi einem im Frankfurter ״Jüdischen Wochenblatt“ erschienenen Aufsätze des bekannten Achduth-Führers M. A. L 0 c b, Berlin, Die Red. «Mit 48 (Mandaten zog der Misrachi als stärkste Fraktion In Basel ein. Die Erwartungen, die an den bei den Wahlen erzielten Erfolg geknüpft werden konnten, sind leider nicht in Erfüllung gegangen. Gewiß, die Redner des ■Misrachi haben in ausführlicher, zum Teil in sehr wirksamer Weise die Klagen über die Verletzung des Religionsgesetzes auf fast allen!Gebieten i׳m heiligen Lande, die Beschwerden über die ■mannigfache Zurücksetzung des Misrachi, vorgetragen.!Man hat sie bis auf einige Ausnahmen ruhig angohört. «Aber mau wurde den Eindruck nicht los, daß die große Mehrheit des Kongresses diese Klagen gewissermaßen als zum eisernen Bestand der Kongreß- Verhandlungen gehörig ■betrachte, die man als •unvertneidlieh über sich ergehen lassen kann, als man schon weiß, daß die Beschwerdeführer irgend eine Konsequenz aus der schlechten Behandlung, über ■die sie klagen, nicht ziehen werden. ■Die ■Erwiderungen der Kulturkämpfer waren sparlieh, dafür •aber stellenweise um so — deutlicher. Herr Alosoroff zum eBispiel, der ■direkt nach Meyer (Berlin) zum Wort kam, konnte es sich nicht versagen, unter deutlichem Hinweis auf seinen Vorredner, zu bemerken, daß ■das Rabbinergewand nicht immer ■die Wahrheit decke. Der offizielle!Bericht!hat diesen Anwurf schamhaft verschwiegen. •Auch von misracbistischer Seite ist keine Erwiderung ■darauf erfolgt, ebenso wenig auf die unglaublich törichte Bemerkung ■des gleichen Redners, der darauf hinwies, daß ■das, was •in!Palästina geschehe, dem Geiste ■der •jüdischen Religion näherstche als ein politischer Klerikalisrnus! Für die ■Leser des ״J.• W.“ ist es nicht ganz ohne Interesse, daß ■hier gegen den Misrachi der Vorwurf des Kleirikalismus erhoben wird, ein Vorwurf, den seine Führer mit Vorliebe ■der gesetzestreuen ׳Richtung .zu Teil werden lassen. Man sieht, •das französische Wort: ״O.n est toujours le reactionnairre de quelqu’un“ gilt mit einer Meinen Ab- Wandlung auch hier. * Auch ■Herr ■Stephen Wise konnte es sich nicht versagen, gegen die ■gesetzestreue Richtung Front zu machen. Eine ״feierliche Warnung“ nannte er die folgenden Ausführungen: ״ln Palästina ist kein Platz ■für Intoleranz gegenüber ■jenen, die nicht •den Idealen des traditionellen Judentums anhängen.“ Wenn er noch hinzufügte, ■daß er persönlich ■durch traditiönstreue Juden schweres Unrecht erlitten habe, so mag ■das ihingehen. Ihm fehlt •eben das Verständnis dafür, ■daß die!Betätigung seiner christologisehen Neigungen ׳bei den Gesetzestreuen nicht auf Gegen- ■liebe rechnen kann. Weniger •verzeihlich ist es, wenn er noch!hinzufügte: ״Daß wir ■durch die Intoleranz der Orthodoxie im Gallith Unrecht erlitten haben,!ist kein ■Grund •dafür, •daß wir es auch in Palästina erleiden sollen.“ Es ist recht ,bedauerlich, daß auch diese Ausfälle eine ■gebührende Zurückweisung auf dem Kongresse nicht erfahren haben. Soll man noch davon sprechen, daß der!Misrachi sich ■ruhig ■die Entfernung seines ■Vertreters aus der Palästina- Exekutive gefallen ließ? Es .ist das ein Ereignis, das aus sachlichen und persönlichen Gründen doppelt :bedauerlich ist; handelt es sich doch hier um Professor Pick, ■den bis- •herigen Leiter •des Einwanderungsdepartements. der unter Hintanstelluug seiner wissenschaftlichen Neigungen sein schweres Amt sieben Jahre ■mit ,größter Hingabe führte. Hier rächt sich ■bitter die bisherige Politik ■des!Misrachi, der es geschehen lassen mußte, daß ■man ihm den nicht Bollinger״ Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien, XV., Staglgasse Nr. 10. Te'ephon 38-4-19 Filiale: V1I., Burggasse Nr. 17. Telephon 32-380־ gewöhnt. Nein, mein Lieber. Aber für drei Rubel könnt Ihr 'den Lohn dieser.■Mlzwah haben.“ Hillel ■ging auf das Geschäft ein und zählte ■ihm sofort drei Silberrubel in die Hand. Am zweiten!Morgen wußte es die ganze Stadt. Aber Reb Schabse rechtfertigte ‘sich ohne Erregung: ״Meine Rechnungen mit dem Heiligen, gelobt sei Er, gehen wohl keinen anderen an. Für die drei Rubel, die ich von Hillel ' bekam, kaufe ich Burke ein neues Wasserfaß. Das alte ist abgebraucht und das Geld für das ■Pferdchen habe ich bereits ohnedies beisammen. Zieht' mir der liebe G־tt den Lohn dieser . Mizwah ab, so ■hat doch Burke sein Faß und seinen Gaul und ■kann Frau und Kinder ernähren . . .“ Je am Freitag Abend nach dem G-ttesdienst pflegte Reb Schabse die armen Durchwanderer an ■die Mitglieder zu verteilen. Mit scharfem Auge und kluger Erfahrung gab er jedem das Seine. Der eine mußte einen Gelehrten haben, der andere einen von ansehnlicher Gestalt, der /dritte sah auf gute saubere Kleidung, der vierte wollte einen Viel- ■gereisten haben, ■der viel erzählen konnte . . . Und Reb Schabse hatte von allen Arten und Sorten zu vergeben. Die letzten Grades, die ganz Armen und Abgerissenen, die Lahmen und Blinden und sonstigen Krüppel, die־ nur Hunger hatten, pflegte er mit sich nach Hause zu nehmen'. Wer würde sonst solche Gäste bei Tisch haben wollen? Seiner Frau Frurnme pflegte er zu sagen: ״Lauter große Herren, unsere Gemeindemitglieder. Wollen nur Große, Schöne, Gelehrte. Unser Vater ■im Himmel ist weniger empfindlich und läßt täglich an seiner Tafel gar allerlei Menschen, gute und böse, schöne ׳und mißgestaltete speisen . . . Wir für;pnsere Person machen es ihm nach . . .“ Und Frurnme lachte aus vollem Herzen und gab ihrem Manne vollkommen recht. Lange Jahre ging es so zum besten aller. Man wußte, daß die Sache in guten Händen lag, daß die Armen und Reichen versorgt «waren. Man ■wußte, daß Tausende, viele Tausende im Jahrle verteilt jwurden, ׳daß sie alle durch die Hände des Reb Schabse gingen rind! man war ,zufrieden. Kommt aber ebne aiieue:'Generation auf! ■und lehpt sich gegen eine ״solche Wirtschaft“ auf. ״Reb Schabse sammelt Geld. Er schickt den Arzt und die Arznei zu :d.cm Kranken, Alles ■gut und recht. Aber wo bleibt die Abrechnung, wo ist die Ordnung? Warum stellt man kein Budget auf, damit man Einnahmen und Ausgaben kennt? Wo sind Reb Schabses Bücher?“ Wie es Reb Schabse hört, zuckt er verständnislos die Achseln. ״Was heißt Buch?“ fragt er. ״Habe ich je meine Eigenen Geschäfte eingeschrieben, habe ■ich je notiert, wieviel Talg ■ich ■beim ■Metzger gekauft und wieviel ich für ■die Lichter eingenommen habe?. Was ׳sollen einem ■die ■Bücher, wenn der ■liebe G-tt den Gewinn nicht schickt? ■Das gibt nur .Arbeit, Zeitverlust und Kopfzerbrechen.“ Junges Volk ׳ist aber mit ■diesem Bescheid nicht zufrieden und es setzt eine Wahlagitation ein, die ■immer wildere Formen annimmt. Kurz vor den Wahlen bricht eine Art Revolution aus. Reb Schabse sein Amt nehmen, ist schlechthin undenkbar. ■Denn mit oder ohne Amt, mit oder ohne Sammelbüchse wird er . doch ,!ungestört seine Tätigkeit fortsetzen ■und ■die Armen und Kranken würden nach wie vor den Weg zu,■ihm finden. Was aber verlangt wird, ist, daß noch ein zweitcr,.״Gabbe“ygewählt wird, der an der Seite Reb Schabses ״Buch führt“,. Die Jugend setzt auch ihren Wunsch durch und es ,wurde‘ wirklich ein zweiter Verwalter gewählt. Aber geändert hat sich nichts. Wieder strömten ■die Notleidenden ,täglich zu Reb Schabse und ■es blieb alles wie es war. Die Revolution 'wiederholte sich alljährlich um die gleiche Zeit vor den Wahlen. Dann blieb alles wieder beim Alten. Nach der sechsten Revolution riß doch ■der Jugend der Geduldsfaden. Sie wählten einen aus ihrer ׳Mitte zum zweiten Vorsitzenden. Dieser trat schon am zweiten Tage nach seiner Wahl an Reb Schabse heran. ,^Nichts für ■ungut, Reb Schabse, •ich bitte um Geld für ein Buch zur ■Eintragung ■der Einnahmen und Ausgaben.“ ״Geld für ein Buch?“ wunderte sich Reb Schabse. ״Woher soll ich •Geld nehmen? ■Da muß ich Milch kaufen für einen armen Melamed, der ganz bedenklich hustet . . . Dort muß ich ■dem Apotheker die Medikamente bezahlen, die ich vorige Woche geholt habe. Leiser, dem ■Bäcker, ist die Krücke gebrochen väd es ■muß eine neue gekauft werden, damit er zur Arbeit gehen kann. Ich zerbreche mir den Kopf, wo man ■das alles hernimmt ■und Ihr kommt mir da mit einem Buch .; Da wird der junge Kollege ernstlich böse, erstattet seiner jungen Gemeinde Bericht ■und nun bricht eine riehtig Revolte aus. ״Wiir werfen nichts mehr in die Büchse!“ ״Wir lassen überhaupt nicht ■mehr sammeln!“ ״Rechnung ■ablegen, Rechnung“, schreit alles im Chor. Reb Schabse sagte aber weinerlich: ״Ich will Euch was sagen, Kinder, Ihr wollt Rechnungen, meinetwegen, führet Rechnungen. Aber wie ■kann ich ■das Geld, •dazu herg.eben? ,Ich brauche es doch für meine Kranken. 'Da ist Jent^e, ■die Wäscherin, eine Kindbetterin, und hat nichts im Haus. ■Soll ■ich nun ein Bündel ■Holz kaufen, •um •ihr ein warmes Zimmer zii!bereiten, oder Euch ein^Buch, um Ausgaben einzutragen? . . . Das wirkte. Und die jungen Leute rückten mit ihren Ersparnissen heraus. Das Geld für das Buch war beisammen. ■Da weinte Reb!Schabse wieder und flehte: ״Ein ■langes Leben sei Euch beschert, liebe. Kinder, ■für ׳Eure Güte, aber seid vernünftig und, gebt mir das ,Geld her. Selig, der «Krämer, ■ist schwer erkrankt, er muß einen Ad,erlaß haben und ich muß den «Doktor bezahlen.“ ,י Und ׳Reb Schabse fleht und drängt solange, bis ihm das Geld wirklich hergegeben wird. Und was 'soll mit dem Buche werden? ‘ schreit alles. ״Ein Buch?“ sagte Reb Schabse. ״Es ist wirklich schade daß ich keines habe. Hätte ich ein!Buch, ich wü es sofort verkaufen, um ■dem Jungen •da die Stiefel sohlen zu lassen.!Seht ■Ihr nicht, daß er halb barfuß ins Cheder geht? Und Jossel, ■der Schuster, muß eine neue ■Brille haben, wenn er nicht sein Augenlicht ■ganz verlieren soll. Ist das *licht ־yiei'wic.h^r als Eper dummes Buch? . . .“ Da gibt die Ju^pd ihr S,pjöl jverlorep:. ■Die Revolution Ist gescheitert.י <