Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 39 (7.10.1927)
- Date
- 1927-10-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2629891-2630197-2630235--2752-2634660- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 39 JÜDISCHE PRESSE Seite 243 Aus der Id een-Welt der A Die politische Arbeit Unsere Zeit ist theoretischen Auseinandersetzunsen abhold; sie will gewiß nichts davon hören, daß Politik eine Kunst, wenn nicht gar eine Wissenschaft ist. In den verschiedenen Wörterbüchern der Staatswissenschaften findet tnan verschiedene Definitionen für dieses. Gebiet. Es war die Aufgabe der Aguda, den Beweis zu erbringen, daß es eine Politik geben kann, die den höchsten ethischen Anforderungen genügt. Zwei Vorbedingungen waren und sind zu erfüllen: Es müssen von diesem hohen sittlichen Inhalt getragen sein die Ziele, die die Aguda verfolgt, es müssen mit diesen Grundforderungen die Wege harmonieren, die man zur Erreichung der Ziele einschlägt. Was aber ist das Ziel der Agudas Jisroel? Innenpolitisch reklamiert sie die Führung aller jüdischen Dinge durch die Thora, die Unterordnung aller Zweckverbände innerhalb der jüdischen Gemeinschaft ■unter den Geist der Thora. Die Aguda hat dieses* Ziel niemals verschleiert, sic hat cs mit programmatischer Klarheit in Kattowitz festgestellt, sic hat es auf der Kencssio Gcdaulo feierlichst bestätigt. Sie hat niemals einen Zweifel darüber gelassen, daß sie von Juden getragene Einrichtungen und Organisationen, welche die Suprematie der Thora nicht anerkenneu, nicht als jüdisch im höchsten Sinne des Wortes betrachten kann. So war denn innenpolitisch der Weg klar vorgezeichnct, cs war ihre Pflicht, diejenigen Organisationen, welche nicht als ״jüdisch“!im obigen Sinne des Wortes gelten, als solche zu kennzeichnen, und deshalb mußte die Aufklärungsarbeit der Agudas Jisroel sehr oft die Form eines Kampfes der Ideen annehmen. Wohlgemerkt eines Kampfes der ,Ideen, denn es dürfte schwer sein, den Nachweis zu erbringen, daß die Aguda die Form eines persönlichen Kampfes angewandt hat. Sie hat dem ehrlichen Gegner die Achtung niemals versagt und hat gegenüber dem unehrlichen Gegner lediglich die Unwahrheit;■ der Kampfesmethode nachgewiesen. Die Aguda hat ferner! immer klar gesagt, was sie verlangt und was sie ■bietet,. Ihre Anhänger kopnten keinen Augenblick darüber in Zweifel sein, daß die Arbeit eine harte, die Fülle der Opfer eine große sei. Zu den schwersten Fragen der Innenpolitik gehört die Erwägung, wieweit es möglich sei, mit solchen jüdischen Zweckverbänden und Organisationen zusammenzuwirken, welche gegen die Thora oder fern von derselben arbeiten. Man weiß ja, daß dies eigentlich die Frage des Tages ist und daß abgesehen von den Krähwinkeleien kleinerer Geister und enger Seelen dies/,die Frage ist, welche die Judenheit unserer Tage am meisten bewegt. Da ist es nun der Grundsatz der Aguda, keinen Schritt zu gehen, der eine Aufgabe ihrer selbst bedeuten würde, d. h. einen Verzicht auf den ,Herrschaftsanspruch ■der Thora inncrhalb der jüdischen Gemeinschaft. Dieser Verzicht wurde entweder ■in der Ideologie oder ■in der Praxis häufig verlangt. Er ist niemals zugestanden worden, weil es die Aguda .für unsittlich hält, als Trägerin des Programms von Kattowitz dieses zu verleugnen; die Aguda kann es eben aus religiösen, d. h. sittlichen Gründen niemals anerkennen, nicht in Wort und nicht ■in Tat, daß innerhalb des Judentums die Berechtigung einer thorafernen Anschauung möglich ist. Selbstverständlich muß sich die außenpolitische Tätigkeit in derselben Linie bewegen. Wir verstehen unter Außenpolitik die Verhandlung mit solchen Instanzen, welche nach Lage der ■Dinge. auf die Gestaltung ■der jüdischen Verhältnisse Einfluß haben. Das Ziel war hierbei, diesen Stellen die Notwendigkeiten; für die Erhaltung der jüdischen Gemeinschaft darzulegen, und zwar sowohl die materiellen wie ■die ideellen, denn es gehört zu ■dein eisernen Bestand des Agudaprograinms. daß ■jedes jüdische Individuum Objekt ihrer Fürsorge zu sein hat, selbst dann, wenn dieses jüdische Individuum der Aguda hiezu einen Auftrag nicht gegeben ■hat, alo nicht' in der Aguda organisiert ist. Hierbei ergab sich die sehr ernste sittliche Pflicht, bei der Vertretung der eigenen Idee nicht ■den Träger der entgegengesetzten Idee zu bekämpfen. Diese Pflicht ist im vollen Umfange erfüllt worden. Da die Politik im allgemeinen ein Spiel der Kräfte ist und an und für sich Leistung und Gegenleistung sorgfältig abwägt, so ׳ist es Aufgabe der außenpolitischen Tätigkeit der Agudas Jisroel, maßgebenden Faktoren klarzumachen, was das Judentum als solches, wohlgemerktdas Judentum und nicht die einzelnen jüdischen Bürger, dem Staate geben können. Damit mußte das Gebiet der Imponderabilien betreten werden und es mußte positiv auf der einen Seite das historische Verständnis, auf der anderen Seite die Erkenntnis für die Wertung ideell und ideal gerichteter konservativer Bestrebungen geweckt werden. Das ist in großen Umrissen der Rahmen, innerhalb dessen sich die politische Tätigkeit der Aguda bewegt und cs würde zu weit führen, Einzelheiten zur Illustrierung der obigen Grundsätze anzuführen. Die Aguda baut ihr ,Haus an der Straße. __ P. K. Die Erez-Jisroel-Arbeit der Aguda. Von Jakob Rosenheini. Nachfolgende Darstellung der Grundziige der Erez-Isroel-Arbeit der Aguda entnehmen wir einer größeren Schrift Jakob Rosenheinis, in welcher der verantwortliche Leiter der Ercz-Isroel-Politik der Aguda sich mit ■Dr. Nathan Birnbaum auseinandersetzt, der in seinem jüngsten Werk ״Im Dienste der Verheißung“ auch die Palästina-Politik der Aguda scharf kritisiert. ״Agudas Isroel“ ist, so kann man Birnbaums Vorwürfe kurz zusarnenfassen, zum ״orthodoxen Zionismus“ geworden. Da ■Birnbaum keineswegs etwa ein Gegner der״ ■Erez-Isroel-Arbeit selber ist, so trägt seine Anklage einen sehr ernsten Charakter. Sie fließt allerdings zunächst aus einer mehr stimrnungsmäßigen Abneigung unseres Denkers gegen alles!Lärmende und Demagogische. Der ganze Propagandaapparat mit seinen Acußerlich'keiten ist ihm ein Greuel, ein!Hohn auf die stille Würde des in seinem •Gottesbewußtscin ruhig und sicher!verwurzelten, lautlos duldenden und wirkenden alten jüdischen Volkes; und nun gar ■die mit aller Propaganda unvermeidlich verknüpfte Uebertreibung und Uebersteigerung jedes kleinen ׳Erfolges, das Vertuschen und Verschleiern der kaum zu überwindenden politischen, wirtschaftlichen, technischen Schwierigkeiten — all das, was der Wettbewerb um den Geldbeutel bedingt, in den die Aguda mit der zionistischen Organisation getreten ist, wie kann aus diesem sittlich fragwürdigen System Segen erblühen? Zumal es nicht original, sondern ein verdünnter Abguß zionistischer Methoden sein soll. Das aber wäre das wenigste, denn hier handelt es sich im Grunde doch um eine Geschmacksache und über Geschmack ist bekanntlich nicht zu streiten. Geradezu entscheidend für die Existenzberechtigung ■der agudistischen Erez-Isroel-Arbeit ist jedoch der andere Vorwurf, den!Birnbaum erhebt, und mit dem er in gewissen agudistischen Kreisen nicht ganz allein steht: die Erez-;Isroel-Propaganda habe es in der Aguda dahin gebracht oder drohe es dahin zu bringen, daß das Land und nicht mehr Gott und seine Thora im Mittelpunkte, im beherrschenden Willenszentrum des agüdistisch erzogenen Volkes stehe, daß der gleiche Assimilationsprozeß an das Wesen des Nationalbewußtseins.der landstolzen Völker der Erde, •wie ihn der Zionismus ׳vernichtend über das jüdische Volk bringt, auch die Orthodoxie zu ergreifen drohe. ־;/ ■;■• Ich kann nach sorgfältiger Gewissensprüfung und objektiver Prüfung des Tatbestandes nicht zugeben, daß Birnbaums Sorge begründet sei. Weder theoretisch noch praktisch ist in der Aguda versucht worden, jenen ■Umsturz der zentralen und peripheren Werte zu!vollziehen, den Birnbaum behauptet. Was die Theorie betrifft, so wäre vielleicht — wenn man übertrieben ängstlich sein will — Isaac Breuers ursprünglicher ■Satzungsentwurf mit seiner stark palästinozentrischen ׳Ideologie trotz stärkster prinzipieller Verwahrung geeignet gewesen, der Jugend mehr als gut in ihrem . der Balfour-Erklärung innerlich stark verbundenen ■politischen ׳״Messianismus“ entgegenzukommen. Aber; dieser Entwurf wurde ja durch die ganz ■im Sinne :Birnbaums wirkenden starken Gegenströmungen derart ■verdünnt und verwässert, daß schon die damals offen zutage getretene. Resignation des Verfassers eigentlieh den besten Gegenbeweis gegen Birnbaums Behauptungen in diesem Punkte darstellt.!Meine eigenen ״Grundzüge ■der Palästina-Politik ■der Agudas Jisroel“ (siehe die vorjährigen ׳Luach-Blätter der Wiener Jugendgruppe), deren Tendenz ich in zahlreichen Vorträgen zur Geltung zu bringen versuchte, entziehen aber meines Erachtens den Befürchtungen Birnbaums jeden Boden. Als ein aus unbekannten Gründen uns von der höchsten ׳!Weisheit auferlegtes Gottesgebot erscheint uns die ״Mizwas Ischuw כשר Verbürgt reines Fett aus Kokos« nüssen. Die Kokosnüsse werden bei der Kunerolwerke A. G.,W1enn Atzgersdorf, gepreßt und die Er• zeugung steht bis zur Verpackung! des fertigen Fettes unter strengst» Aufsicht des Herrn Bezirksrab• biners Sw Ehrenfeld zu Mattersburg. Kunerol kann daher von jedem Streng״ gläubigen ohne Bedenken zur Zubern«״ tung der Speisen verwendet werden.^ iuwwi m ■jnwmwwa—m*!׳■ ■ ■<ורו.וו—>nwu■« Erez Isroel“, weitreichend — wie cs schließlich jede ■Mizwa sein kann — in ihren individuellen und nationalen Kon- Sequenzen, die Tiefe ■des Gefühles ergreifend und den Willen zur höchsten Kraftanspannung treibend, aber immerhin Bestandteil, dem Gesamtkomplex der תרי״ג מצות eingcordnet&r Bestandteil jenes großen ■Ganzen, in dessen Mittelpunkt Gott steht, der Gestalter des jüdischen Menschen und der jüdischen Nation. Die Tatsache der מצות ישוב אחל ישראל kann ■durch zionistischen Mißbrauch und zionistisches Mißverstehen ebensowenig aus de?’ Wöi.t geschafft werden, wie es uns etwa eirifallen dürfte, die Mizwa des ואהבת לרעד כמוך abzuschaffen oder zu bagatellisieren, weil andere Menschheits- oder Volksgruppen diese Mizwa zur alleinigen erhoben und den übrigen Inhalt des Gottesgesetzes beiseitegeschoben haben! Wir dürfen uns durchaus frei wissen ■von, dem Verdacht einer _ Nachäffung des Zionismus. Wenn die geschichtliche Entwicklung, deren mehr oder ,minder unbewußtes Werkzeug auch der Zionismus ist, 'die Möglichkeit geschaffen hat, die מצות ישוב אה״ה in ganz anderem Maße zu erfüllen als früher, ja wenn durch diese geschichtlichen. Tatsachen unser eigenes Erkennen geschärft und auf ein tieferes Verständnis der halachischen!Quellen hingelenkt worden ist, so ■darf ■das keinen Augenblick den durchaus originalen, gegen den zionistischen Wahn scharf abgegrenzten Charakter ■der agudistischen Erez-Iisroel-Arbeit trüben. Die Angst vor der Assimilation an den Zionismus darf nid]t!soweit gehen, daß wir unser ureigenstes Erbgut preisgeben und ■die ■Wege der Thora verlassen, die uns klar vorgezeichnet sind. Ich sehe auch praktisch keine zionistisch gefärbte agudistische Erez-Isroel-Arbeit. Die ,von der zionistischen Ideologie innerlich erfaßte Jugend gesetztestreuer Kreise geht allemal früher oder später zum ״Misrachi“; die zu unserer Fahne stehenden jugendlichen oder gar ״baailebatischen“ Elemente leiden keineswegs an einer über.־ triebenen leidenschaftlichen oder einseitigen ■Hingabe an die Erez-Isroel-Arbeit, sonst müßten unsere finanziellen Er,- folge, ■die ja nun einmal die Voraussetzung aller Thora-! pflege und ■Wirtschaftsarbeit על אדמת הקודש sind, ganz andere sein. Ich pflege im Gegenteil den Mangel an fana^j׳ tischer Hingabe an die ■Erez-Isroel-Arbeit bei uns!im Ver- .gleich mit dem Eifer so vieler »Zionisten damit zu entschuldigen, daß wir 613 •Mizwos, die ■Zionisten aber nur eine einzige zu erfüllen haben. Im tiefen Grunde liegt der psychologische Unterschied darin, daß dort ■vielfach der Mut der agnostischen Verzweiflung herrscht, der Verzweiflung an der Zukunft des in alle Winde ■verstreuten, staat- und bodenlosen Volkes, bei uns aber das unbedingte Vertrauen in die unerforschliche Führung des רועה ישראל nicht immer, wie •es sein sollte, ergänzt wird ■durch eine alle Hindernisse im Sturme nehmende Begeisterung für die Verwirklichung des ewigen Gotteswortes: וירשתה וישבת בח Die Revolution im ßrisker ßikkur Chaulim. Nachstehendes Feuilleton von S c h. entnehmen wir den diesjährigen Luachblättern der Agudas ,1 s r 0 e 1 - J u g e n dgruppe, W'ien, ■II., Obere Donaustraße 69, ■die, ausgezeichnet redigiert, bereits Zeugnis •von Geist, Wollen und Streben der Wiener Aguda-Jugend ablegen. D. R. Lebte da in!Brisk in Litauen kurz vor Untergang dieser Gemeinde ein Mann mit!Namen Reb Schabse, ״Reb Schabse der Lichtzieher“, wie er allgemein genannt wurde. Ohne!Kind und Rind •ernährte er sich mit seiner Frau schlecht und recht von den Talgkerzen, die er je am ■Donnerstag für die Synagoge und die ganze Gemeinde zum Lichtzünden am Sabbat anfertigte. ■Diese Arbeit verrichtete er aber nur so nebenbei. Im Hauptberufe ,war er ״Gabbe“ des Bikkur Chaulim. In diesem Vereine, dem er seit undenkliehen Zeiten Vorstand, entfaltete er seine!ganze Tätigkeit, seine-iganze!Kunst, seine' ganze Arbeitsfreude. Hier fand er seine ■ganze Welt, die er anderswo gar nicht suchte. Keiner wußte, wann und ob er überhaupt je zum Gabbe gewählt worden •war. Aber ■keiner verweigerte ihm den Obolus. Jährlich pflegten wohl formell Wahlen stattzufinden. Aber Reb Schabse nahm!keine Notiz davon. ■Die ,Bikkur Chaulim- Büchse blieb doch bei ihm, und wenn jemand in Not geriet oder krank wurde, so wußte man nichts anderes, als daß man es Reb Schabse meldete. Da konnte man sicher damit rechnen, daß gleich darauf ein Arzt im ■Krankenhause erscheinen wird, daß Rezepte und auch eine warme Suppe beschafft werden. Bei Nacht saß schon jemand am Krankenbett und wartete des 'Kranken. Auch für'■die Familie war schon irgendwie gesorgt. ׳Und das alles ging so still, so geräuschlos vor sich, ais würde eine geheime Hand ihren Segen ausschütten. Man wußte wohl, daß das alles von Reb Schabse ausging, daß Reb Schabse seinen letzten Groschen für ■diese Zwecke ausgab. Wo bekam Reb Schabse sein Geld her für die unzähligen Armen und Kranken dieser großen Judengemeinde? Man hätte richtiger fragen können, wo bekam er kein Geld? Da stehen zwei Männer auf dem Markt und sprechen eifrig von einem Geschäfte und wie aus dem Boden gewachsen, steht Schabse vor ihnen. ״Juden, ich muß Geld haben!“ Kommen die Beter ahnungslos ins G'ttesh'aus. Da empfängt sie Schabse mit der Büchse. ״Gebt eine Kopeke!“ Und diese Kopeke mußte ihm jeder geben. Das war die natürliche Abgabe, ohne welche sich kein Jude in der Synagoge, auf dem ■Markte oder sonst wo .zeigen ■durfte. Mehr wollte Reb Schabse gar nicht haben, nur eine Kopeke. Aber ohne die Kopeke kam keiner von ihm los. Zur damaligen ZeiQpflegte noch ■kein Jude!in!Brisk den täglichen G.'fresdienst׳׳ zu versäumen und so stand ■das Geschäft Reb Schabses Jp höchster ■Blüte. Es war fast wie ein Wunder, ■daß er in allen Synagogen der Stadt fast zur gleichen Zeit mit seiner ■Sammelbüchse auftrat,. ■Gab. es eine :Hochzeit, ein Beschneidungsfest, eijie Verlobung ein ״Pidion haben“. Reb Schabse fehlte mit seiner Büchse nicht. Reb Schabse war nicht eigentlich zucirifiglfch und nie grob. Aber ein Versagen gab es ihm gegenüber nicht, so bestimmt, so entschieden forderte er sdinen Tribut. War Jahrmarkt in der Stadt, so fand man Reb Schabse ■in jeder Herberge, auf dem Makrt, in den Läden, überall. Und jetzt mahnte er sogar ganz kategorisch. ״Es ist mein Einkommen, ■der schuldige Zoll. Tausend Arme warten darauf. Oder glaubt ihr etwa, es ginge so in der Welt? Man kommt und man handelt, man ,kauft und man verkauft und der ■liebe G‘tt ■gibt einem Gewinn und dies alles umsonst? 0 nein, Bruder, bezahl‘, bezahl‘ es, ich brauche für meine Kranken.“ Und keiner wagte zu Widerreden oder den Zoll zu verweigern; alle zahlten sie, wenn Reb Schabse mit seinem Klingelbeutel auf dem Bilde erschien. Man erzählt sogar von!Reb Schabse, daß er eines Tages einen Anteil am Paradies verkauft hätte. Und das trug sich folgendermaßen zu: Im Städtchen wohnte Burke, der Wasserträger, der als roher Mensch־ und Trunkenbold allgemein ,bekannt und verachtet war. Als eines T^ges sein Pferdchen auf der Straße hinfiel und nicht mehr aufstand, fiel er über Reb Schabse her und drohte, für den Fall, daß ihm kein neues Pferd gekauft werde, das Schlimmste zu begehen. Reb Schabse wußte, daß diesem Manne keiner zu Hilfe kommen werde. So nahm er sein rotgeblümtes Tuch in die eine, die Büchse in die andere!Hand und trat seinen gewohnten Gang von Haus zu ׳Haus, von Laden zu Laden an, und keiner wagte, den ■Beitrag zu verweigern. Nur• Hillcl, der Geldverleiher, schrie, als er Reb!Schabse erblickte: ״Für Burke, den Wasserträger, für diesen Rohling gebe!ich nicht eine Kopeke her“. ״Dem Burke gebt ihr nichts,“ besänftigte Reb Schälke, ״aber dem Heiligen, gelobt sei Er, könnt Ihr die Gabe' nicht verweigern“. ״Es ist keine Wohltat, eine Sünde ist ■es.“ ״Ihr seht“, sagte Reb Schabse, ״wie ich von Haus zu Haus gehe, laßt mich nicht umsonst an Eure Tür geklopft haben.“ ,,Umsonst?“ lachte Hillcl. ״Und der Lohn der Mizwah, Euer Anteil am!Paradies?“ ״Ich tue es nicht •deswegen“, erwiderte Reb Schabse״ ״Der G-tteslohn wird wohl nicht ausbleiben. Aber, wahrlich nicht darauf sehe ich. Ein Mensch hungert, leidet und will sich ein •Leid antun, da muß man ihm helfen. Alles andere,. Lohn, Paradies schenke ich Euch gern . . .“ ״Ich nehme Euch beim Wort“, begeisterte sich Hillel. ״Ihr sollt •mir den ■Lohn ■(!er Mizwah abtreten. Ich zahle einen halbeji Rubel.“,! ,.!!■; ״Einen halben Rubel? Ihr .seid' wohl billige Einkäufe