Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 39 (7.10.1927)
- Date
- 1927-10-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2629891-2630197-2630235--2751-2634659- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
/ / Seite 242 JÜDISCHE PRESSE Nr. 39 : \ Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons K JULIUS HABER Kohlen- und Koksgroßhandlung SS Nordbahnrutschen Wien, II., Taborstra&e 9 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Fernsprecher Nr. 41-0-22 Das jüdische Kind in die jüd. Schule! Spendet reichlich anlässlich der Feiertage für die Talmud-Thora-Volksnnd Bürgerschule Wien, ll., Malzgasse 10 Modenpalais Julius Krupnik Wien, VII., Kaisersirafje 111-113-115 Telephone 32-4-62, 34-4-29 Anerkannt größtes JpeziallKnis Leliensversiciierunns-Gesellsciiaft Zentraldirektion; Wien, 1. Riemergasse 2 Gegründet 1882 Gegründet 1882 Voileingezahltes Aktienkapital 4,000.000 Schilling Veisidierungsbestdnd per Ende Juni 1927 über 1300 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahme im Jahre 1926 rund 54 Millionen Schilling Vertragsanstalt zahlreicher gewerblicher Organisationen und Berufsgruppen, im In- und Auslande, empfiehlt sich zum Abschlüsse von Lebens-, Renten-, Aussteuer-, Unfall-,. Haftpficht-, Autoversicherungen Filialen in allen Bezirken Wiens, in allen Landeshauptstädten und größeren Ortschaften . Oesterreichs Tätigkeitsgebiet außerhalb Oesterreichs: Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland. Spanien, in der cechoslow. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgaiien, Griechenland, Türkei, Ae ypten und Palästina Bitte ausschneiden I TELiGRAN Die Neuordnung der Gemeinden a,uf Grund des für Palästina gegebenen neuen Gemeindegesetzes hat in Jeru:- salem eine besonders heikle Situation geschaffen. Für die heutige Fassung des Gemeindegesetzes mußte bekanntlich ein hartnäckiger, langwieriger 'Kampf geführt werden. Dieser Kampf für die!Berücksichtigung der religiösen!Bedürfnisse wie für die Respektierung der Gewissensfreiheit wurde von dem W:aad Hair Haaschkenasi, von der Gemeinde Rabbi Chaim Sonnenfels in Jerusalem, gemeinsam mit der Welt- Organisation der Agudas Jisroel geführt. Dieser Kampf hat, wenn auoli nicht zum vollen Erfolg, so doch zur Sicherung einer gedeihlichen religiösen Daseinsmöglichkeit geführt. Nach dem neuen Gemeindegesetz stellt cs einer ansehnlichen Gruppe frei, eine eigene Kongregation zu bilden. Es ist selbstverständlich, daß der Kreis um den Waad Hair Haaschkenasi eine selbständige Kongregation bilden wird. Nicht so selbstverständlich war die Schaffung einer!besonderen Kongregation bei jenen!Gruppen, die;unter dem Einfluß von Oberrabbiner Kuk und vom Misrachi, die Politik des Waad Leinrni unterstützend, dem Waad Hair Haaschkenasi in seinem Kampf für eine akzeptable Fassung des Gemeindegesetzes Prügel vor die Füße gelegt haben. Nun, auch in diesen Kreisen ׳setzte unter dem Eindruck des gioßen Sieges der Orthodoxie eine Bewegung ein, um selbständige Kongregationen zu bilden. Wir bringen weiter Aeußerungen über die Stellungnahme oder, besser gesagt, iNichtstellungnahme von Oberrabbiner Kuk und über das Verhalten des Misrachi in ■der neuen Situation. Diese Aeu- Gerungen charakterisieren wohl die Führer, aber nicht mehr die ihnen bisher Gefolgschaft ׳leistenden Gruppen. Diese Gruppen haben sich, im Gegensatz zu der bisherigen Politik ihrer Führer, zur Bildung von selbständigen Kongregationen entschlossen. Es handelt sich im gegenwärtigen Moment nur darum, ob■ in Jerusalem eine oder mehrere religiöse Kongregationen bestehen werden, ob es gelingen wird, alle nach einem gleichen religiösen Ziel strebenden und nach gleichen religiösen Grundsätzen lebenden Gruppen in einer einheitlichen großen Kongregation zusammenzufasseii oder nicht. Die Führer des Waad Hair Haaschkenasi wandten sich an die Führer der anderen zur Schaffung von selbständigcn Kongregationen neigenden Gruppen in einem feierliehen Appell, eine einheitliche religiöse Kongregation zu schaffen. Wir hoffen, daß dieser Appell nicht!u׳n gehört verhallen wird. V Wie wird sich der Misrachi bei der Durchführung des neuen palästinensischen Gemeindegesetzes verhalten? ״!Der iMisrachifiihrer Raw Ostrowski .(Jerusalem) äußerte sich dem!Baseler Korrespondenten des Frankfurter ״Jüdischen! ׳!Wöt ohenb'lattes“ gegenüber folgend über die.-Stellungnahme des ,Misrachi zum neuen■ (Gemeindegesetz: ■Dem Misrachi stellt auf diesem Gebiet eine außerordentlich wichtige Aufgabe bevor. Er wird sich ׳mit seiner ganzen Kraft dafür einsetzen müssen, daß die einheitliche Gemeinde :in Palästina durchgesetzt ■und insbesondere ■die einheitliche Kehilla in Jerusalem nicht zerschmettert wird. Bekanntlich ist es der Aguda gelungen, dewseparatistischen Keil in -das Gemeindegesetz hineinzutragbn, indem zwar eine Kehi'Ma gebildet wird, innerhalb der iKehillä sich' aber jeweilen eine •besondere ״Eda“ bilden'kann, falls ■dies׳'von gewissen Gruppen gewünscht wird. Es ist ■nun zu fürchten, daß in Jerusalem!um ■die weitere Erhaltung der Kehilla ein schwerer Kampf entbrennen wird. Der Misrachi wird, durchdrungen von der ׳Idee ■der Achduth der;jüdischen Gemeinschaft, diesen Kampf mit heiligem Eifer aufnehmen ■müssen, damit nicht auch in Jerusalem die Separation Einzug hält, welche den Ruin der ׳dortigen' thoratreuen Ge- -meinschaft herbeiführen würde. Der (Misrachi weiß sich in diesem Kampf .nicht allein, sondern zählt unter den vielen?Bitte aufbewahren! Außer den bekannt billigen 3 Preisen alles um 20 Groschen SIO are 27, Tel. 49-4-58 *NIEDERLASSUNGEN: XV., Märzstrasse 50 II., Sterneckplatz 22 XV. , Mariahilferstrasse 165 XVI. , Ottakringerstrasse 18 in sämtlichen Parfümerie-und Galanteriewaren ״Serienweise" wie folgt: Orig. Eau de Cologne-Russe-Chypre-Flieder bV®׳ Pitralhaarwusser, gr. franz. Cheramypuder, Puppen, Spitfire-Gasanziinder. Klida-Parfümzerstäuber, Kopf- und Kleiderbürsten, Gummibälle, Badehauben, Touristenbesteck, Goldreifen, Rasierspiegel, :Maria Farina- Kölnischwasser, englische Feilen usw. |gH! Houbigant Golddosenpuder, gr. Flakon ■«?ß? Parfüms, Puppenwagen, Kopf-, Kleider- £ und Bodenbürsten, Rahmenspiegel, Mode-Taschenbiigel,.:# französische Perlenschnüre, Thermosflasche, komplett. » Zerstäuber mit Hängeball, Feldflaschen, © /I _ Aluminium- . und Porzellanpuppenservice, ■Ö^TÖmristenkocher, Reiseflasche Eau de >> “®,*י Griffspiegel, Kamm- und Manicurekassette, Cologne mit Nickelverschlüß; Rähmenspiegel, Nickelzern lang, massiv, Perlenschnüre, ׳große Zelluloiddosen, geschl. sltäuberV Hät1gebiirste,ngarm!tur,, Brpnneisenwäriher, Leibft Spiegel, Giletteapparat in Luxuskassette usw. wärmer. tarnen! ׳: Sehen! I Staunen! Kaufen! ««««■ Vergr. Rasierspiegel, Taschenmanicur, Kinderkofferl, Ia Zerestäuber, große Flakon Parfüm, Schlangenarmreifen, I׳a־־Lederbörsel, Kleider- und Kopfbürsten. Ia Solinger Perhnuttermcsser, große Scheren, Taschenlampen, komplett, 555 Eau de Cologne 50 Gramm, Manicurekassetten, geschliff. Zrstäuber, Straßarnibänder, Zelluloid- und Dreh- Spiegel, Proviantdosen, dreiteilige Rasierkassette, 5zöll. Gummibälle, farbig. Tausenden der politisch sich nicht betätigenden Juden Jerusalems eine gewaltige Zahl von Bundesgenossen. Die führenden Rabbinen und Gelehrten des!Landes, an ihrer Spitze Rabbiner Kook in Jerusalem, werden wohl nun aus ihrer Reserve gewiß heraustreten, wenn sie die drohende Gefahr erkennen und sich geschlossen für die Erhaltung der aJtjüdischen Kehilla in Jerusalem einsetzen, welche allein ■den• thoratreuen Charakter der jüdischen Gemein- Schaft in der heiligen Stadt für die Zukunft gewährleistet. Ich!hoffe auch bestimmt, daß eine solche!Einigung mit der überwiegenden Zahl der in Jerusalem wohnenden religiösen Juden sich wird ermöglichen lassen. Eine Einigung ■mit der um Rabbi S 0"n n e n f c 1 d sich scharenden Gruppe halte ich freilich für fast ausgeschlossen. Vor ■fünf oder zehn Jahren wäre eine solche Einigung viel leichter ■möglich gewesen als ■heute, ,da diese Gruppe ideell und finanziell von auswärtigen Agudaorganen abhängig ist.!Leider haben die Interventionen der!Aguda beim Völkerbund •hinsichtlich des Gemeindegesetzes schon manches Unheit gestiftet, so insbesondere auf dem Gebiet der Scheohita, auf dem man, um eine Separation zu erzwingen, eine unerhörte Gefährdung des Kaschrus herbeigeführt hat, indem nur von der erzwungenen Möglichkeit der freien Schechitabildung jedermann Gebrauch machen kann. Während gerade bisher die Scheohita in besten Händen zentra- Iisiert war, zeigen nun die Vorgänge in Jaffa, für welche die Aguda freilich neuerdings offiziell ihre Verantwortung ahlchnt, für die sie aber in Wahrheit verantwortlich gemacht werden muß, leider allzu deutlich, wohin diese Separationsbestrebungen führen. ■Ich hoffe ׳daher, daß auch■ in Jerusalem ,in der Gruppe, welche sich um Rabbi Sonuenfeld schart, auf •dem Gebiet der Scheohita eine Einigung wird erzielt werden können, sobald •nur diese Herren eingesehen haben, wie sehr sie gerade, wenn auch natürlich gegen ihre Absicht, die strenge Zuverlässigkeit der •sich •bisher die gesamte Schechita erfreuen durfte, gefährdet haben. Wie denkt Herr Oberrabbiner Kuk? Im ״Doar Hajom“ vom 6. September veröffentlicht Abraham Almalja, der politische Schriftleiter des Blattes, einen Offenen Brief an Oberrabbiner Kuk, der, wie Schreiber sagt, im Sinne und aus dem Herzen Tausender in •der heiligen Stadt und im heiligen Lande geschrieben ist. ״Wie denkt der Herr Oberrabbiner über diese und jene Frage des öffentlichen jüdischen Lebens in (Palästina? Um dieses große Fragezeichen drehen sich ■die beachtcnswerten ■und tiefbezeichnenden Ausführungen. Solange Jerusalem die Ehre hat, Rabbi Kuk als Oberhaupt au der Spitze ■des Oberrabbinatcs zu sehen, war es nicht ein einziges Mal!möglich, seine richtige ,Meinung in irgendeiner der auf ■der Tagesordnung stehenden Fragen zu erfahren. Denn jedesmal versteht er es weislich, durch Abfassung und Schreibart um den Kernpunkt ׳der Frage herumzugehen und eine Antwort zu geben, die man so und auch anders verstehen, die sich jeder nach seinem Geschmdcke ebenso mit Ja wie mit Nein interpretieren kann. So erlebte man . es in, Sachen der ״Asephat . Haniwcharim“, so war es in der Frage ׳des Frauenwahlrechtes und so in allen vitalen Fragen ■der Nation und des Landes, an ■denen es in letzterer Zeit gerade nicht fehlte. Bis zur ■ Stunde weiß die palästinensische Judenheit nicht, wie der Herr Oberrabbiner im Grunde seines Herzens über ■die Flau als Mitarbeiterin in Gemeinde und Gemeinschaft •denkt. Nun stehen wir vor. einer Frage, von der die ׳Zukunftsgeschicke!Erez Jisroels abhängen, der Frage des Gemeindegesetzes. Soll man es annehmen oder ablehnen, sich der nach diesem Gesetze gebildeten Gemeinde anschließen oder ihr fern bleiben? Leider hüllt sich auch hier der Herr Oberrabbiner in Schweigen oder vermeidet es peinlich, eine •klare, ■unzweideutige1 Meinung auszusprechen. Inzwischen hat sich, abgesehen vom Waad hoir aschkenasi, der seine Trennung vom Waad Hakleumi schon gleich zu Anfang mit aller Entschiedenheit erklärt hat, in den letzten Tagen noch eine gesetzestreue jüdische Gemeinde gebildet, darin viele der Besten und Angesehensten der heiligen Stadt eintraten, Rabbiner, Gesetzeslehrer, Vorsteher von Kolalim und auch Misrachisten, Männer zum Teile aus der engeren!Umgebung des Oberrabbinatcs, die ■allezeit für die. Einheit predigten und gegen das ״Gespenst der Zerreißung“ ankämpften. Und die Fama erzählt, daß ■diese Männer ■erst in Haifa Fühlung •mit ■dem ■dort weilenden Herrn .Oberrabbiner genommen ,und sich dann mit seiner Einwilligung zum Eintritt in die gesetzestreue Gemeinde entschlossen hätten. Andere wiederum behaupten, es sei auch 'diesmal kein klares Ja oder Nein zu erlangen gewesen ■und lediglich das fehlende Nein habe ■die Leute auf den ■Weg zu der separaten Gemeinde ■der Gesetzcstreueu gewiesen. Vom offiziellen Misrachi wird aber verkündet, daß ■der Rabbi sich jeder Trennung ׳mit ganzer Kraft entgegensteile und seine ganze Autorität für die Einheit und die Gemeinde des Waad Leumi in die Wagschale lege. Wer hat recht? Wie ist in Wahrheit und Wirklichkeit die Meinung und das Verhalten ׳des ■Herrn ■Oberrabbiner Kuk? Verwirrend wirkt ׳dieses rätselhafte Schweigen von!höchster rabbinischer!Stelle auch auf ■die orientalischen Juden, die,!mit wenigen Ausnahmen, treu! zum Gesetze halten!und auf ein Wort der Weisung warten, ob sie sich nach rechts oder ■links wenden sollen. Diese Taktik ׳des Schweigens, die Politik des Hin und Her, ,der offenen Türe nach allen Seiten, ist für die Dauer unerträglich. In diesem entscheidenden Punkte darf es kein Hinhalten geben. Jerusalem, ■das sich ein Oberrabb.inat für ■die geistige Führung geschaffen hat, muß von diesem erfahren, wo der richtige Weg ist. Klare Antwort auf folgende zwei Fragen .verlangt •das Blatt im Namen von Tausenden: ׳ ״Trifft es zu, daß die Bildung der gesetzestreuen Gemeinde mit mündlichem oder schriftlichem Einverständnis von Oberrabbiner Kuk vor sich ging?“ ״Ist dieses nicht der Fall, entspricht es dann der Wahrheit, daß der Herr Oberrabbiner Gegner der Trennung ist mnd in vollem Einvernehmen mit Misrachi An- Schluß an den Waad Haleumi und Durchführung des Gemeindegesetzes in ׳der Gemeinde verlangt?“ , Keiner wird es wagen, vom Herrn Oberrabbiner eine Verleugnung seiner inneren Ueberzeugung zu verlangen, aber jedermann kann und muß verlangen, daß er seine ■Meinung mnd Ueberzeugung sage. Und diesmal darf es kein Ausweichen, keine Unklarheit und Zweideutigkeit geben, kein •Schwanken zwischen Ja und Nein, keine verschwommenen Wprte, die',Deiftiingen ".?Uila$sen. Klare und entschiedene Worte verlangen wir. T 596511