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Jüdische Presse · 1927-09-16 · 37 (16.9.1927) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
37 (16.9.1927)
Date
1927-09-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 228 JÜDISCHE PRESSE Nr. 37 4 Für die pekrtage! jtetmet zum Kochen Backen Braten nur Ceres-$peisefett mit dem Kojchcrsiegei GEORG SCHICHT A. G. AUSSIG SorgfSItigste Lieferung in plombierten Säcken von I .Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons 55 JULIUS HABER Kohlen- und Koksgroßhandlung Nordbahnrutschon 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Wien, II., TaborstraBe 9 ß| Fernsprecher Nr. 41-0-22 1 _ Äß9% O t ״/\ 3 ״a«!U>4>11 jTI ttrvCK"»״{ 40־ hit‘ t rr I ך] V ^«taas• / ¥*J1 ׳ffcn (fhribth wv4 W**" ips! Hifi rasches Konignt Seit vielen Jahren das anerkannt be-to נשמודליבט ■ר Man achte auf .die ges. gesch. Marke ,,Hygien. Königslicht11 u. Name Schulz. Fabrik und Bureau: XIV., Braunhirschengasse 3 ^IIIISIIiniaOiniinilBUBBRHIIlBlllllIHBIIIIIHIIIHIIIIIIBUIIluiiiiiiis | Tschechoslowakei ( «BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB1BBBBBBBBBBBBBBBBBBBHBaHBHBHBBBaBaBI,BaB,1Bnag Der Delegiertentag der Agudas Jisroel- Jugendgruppen in der Slowakei. Die Delegiertenvcrsammlung der Agudas Jisroel- Jugeudgruppcn in der Slowakei, die am 14. £1111 in Nitra bei außergewöhnlich reger Beteiligung aus fast allen Gruppen tagte, hat einen neuen eindrucksvollen!Beweis für die Lebenskraft der Aguda-Idec erbracht. Besser als alle theoretischen Auseinandersetzungen über die Daseinsbestimmung des jüdischen Volkes und über die Pflicht der thoratreuen Juden, den Lebenszielen des Judentums die organisatorischen Grundlagen zu schaffen, wirkungsvoller als alle Hinweise auf die Notwendigkeit zur Einheit und zur Zusammenfassung der Kräfte bewies diese Tagung, bewies der Geist, der in unserer a g 11 ■d i s t isehen J ug en d herrscht und sie zu f r 11 c 111baren Taten f ii r Thor a und J u ׳d e u t u m a neifert, die weittragende Bedeutung des Aguda-Gedankens gerade für die slowakische Orthodoxie und die benachbarten Länder. Hier, wo גמלי ישראל וקד׳ עליון זי״ע vor Jahrzehnten ׳bereits die ersten Verheißungsvollen Anfänge zur Organisierung des Judentums, seiner Gemeinden und seiner Institutionen auf programinatisch gesetzestreuer Basis gemacht haben, gewöhnen wir uns allmählich daran, selbstzufrieden und gedankenlos auf den Lorbeeren auszuruhen, die andere — jene mutigen prinzipienfesten Vorkämpfer der vorigen Generation — für uns errungen haben. In Nitra aber waren junge jüdische Menschen versammelt, delegiert von jungen Juden ׳aus orthodoxen Gemeinden, die jeder tatenlosen, willensschwachen, bequemen Selbstzufriedenheit die Berechtigung absprechen. Sie drückt die Not der ׳Zeit und peitscht sie zu Taten auf. Aus ihren Worten und!Reden tönt ein Schr ei mächtig b'inaus, überall hin, wo bei uns der Sinn für lebendiges orthodoxes Judentum noch nicht erstorben ist: Helfet uns, unser junges Leben, unsere jungen Kräfte, unsere große Liebe und unsere lodernde Begeisterung im Lichte der Thora unter dem Banner der Agudas Jisroel in den Dienst unseres ewigen, unvergänglichen, g-ttgefäliigen, thoragemäßen Judentums zu stellen! Da saßen sie voller!Ernst und Würde und berieten mit verantwortungsbewußter Sachlichkeit über den Anteil an Arbeit und Opfermut, der der orthodoxen Jugend in der Slowakei bei der Lösung der großen Aufgaben des nach der Thora orientierten jüdischen Volkes in der Gegenwart ׳zufällt. Wieviele solche Aktivposten an Treue und Willenseifer hat die Bilanz des Judentums in der Slowakei noch aufzuweisen? Darf die Bereitschaft der Jugend zur Tat, zur uneingeschränkt jüdischen Tat, unbeachtet bleiben? Auf der Tagesordnung standen ganz allgemeine kleine Fragen des organisatorischen Lebens, das mit den Hindernissen und den Komplikationen der realen Wirklichkeit nur zögernd sich abzufinden vermag. Aber nicht das war wichtig an dieser Tagung. Wer hinhorchte, hat hinter de.n behandelten Fragen die Klänge vernehmen können, die aus der Seele dieser jungen Menschen zu uns sprachen, aus jener Seele, deren Saiten ein Windhauch vom Geiste der Aguda bestrich und zum Erzittern brachte. . . Der Jugend wird es bange, um den vielen guten Willen, den sie zur ,geistigen und religiösen Bereicherung der jüdischen Gegenwart einsetzt, wenn sie die Schlaffheit der Führer und die Mutlosigkeit und Verdrossenheit all der Sachwalter der orthodoxen Gemeinden in unserem Lande beobachtet, denen unentwegter selbstloser Kampf für den Fortbestand und die Reinerhaltung der alten Prinzipien des orthodoxen Judentums zumindest in gleichem Maße Herzensbedürfnis und Ehrensache sein müßte wie •ihr selber. Die Jugend sieht bekümmerten Gemütes, daß die erzieherische Einwirkung auf ihren Nachwuchs in den Schulen und Talmud Thora -Anstalten vielfach jene Zielsicherheit und jene gerade Linie vermissen läßt, die in den Wandlungen und Wellenbewegungen des Zeitgeistes allein den Weg hinan zum vollwertigen jiidisehen Leben und Denken zu zeigen vermögen. Die Jugend ruft verzweifelt את אחי אנכי מבקש nach den Hunderten Brüdern und Altersgenossen, dife unter unsägliehen Entbehrungen aller Art den Blütenduft ihrer Jugendjahre auf den Jeschiwos im Dienste ׳G־ttes und seiner heiligen Thora verbrauchen und dann, wenn sie — allzufrüh und allzulang der Entbehrungen müde geworden — die Jeschi was verlassen, das so schwer erworbene geistige Rüstzeug, ■zum Kampfe für ,תורד und יראח bestimmt, in ihrem vom Tatendrang der Aguda unbeeinflußten Gesinnungsmangel unbenutzt verrosten lassen. . . Dürfen diese Fragen, Klagen, Wünsche und ungestümen Forderungen unserer — es soll hier ausdrücklich gesagt werden: bis zur letzten Seelenregung unserer — Jugend ungehört, unverstanden im Winde verhallen? Ihre eigene!Antwort hat die Aguda-Jugend auf der Tagung in den ■Beschlüssen und Entschlüssen kundgetan, die eine zielbewußte, begeisterungsvolle Tätigkeit in der Zukunft verbürgen. Unsere Jugend erwartet aber auch eine Antwort von uns, die wir ihr den Weg 2u Agudas Jisroel gezeigt haben. Möge sie recht bald eine Antwort erhalten, eingegeben von den Regungen, die diese Tischuwoh-Täge wecken. . . I. I. B. * ' Im Saale der Talmud Thora in Nitra versammelten sich etwa 40 Delegierte der Agudas Jisroel-Jugendgruppen, die ■von den Leitern der Nitraer •Aguda-Jugendgruppe am Bahnhofe in der herzlichsten Weise ׳empfangen worden• waren. Der Vormittag wurde zu Vorberatungen benutzt. Die anwesenden Delegierten konstituierten sich :zu freien Kommissionen und bereiteten die Resolutionen vor, die in der Plenarsitzung am Nachmittag ׳vorgelegt werden sollten. Bei feierlicher Stille begrüßte am Nachmittag Herr Heinrich W e i s z als Präses der Nitraer Jugendgruppe und als alter bewährter Vorkämpfer der Aguda die erschienenen Delegierten und Gäste. Herr Philipp Weisz -Bratislava richtet sodann namens des provisorischen Landesverbandsvorstandes eine gedankenreiche lind schwungvolle Begrüßungsansprache an die Versammlung. Er wies im besonderen darauf hin, ■daß die Tagung in dem ׳Geiste wirken solle, der von den ■ersten Anregern zur Aguda-Tätigkeit in ■der Slowakei, •von Oberrabbiner Rabbi Masche Katz .זצ״ל und seinem Der ״Maharil“. (Rabbi Jakob ben Rabbi Moses Mulla Halevi.) Von Rabbiner Dr. Bondli in Mainz. Am zweiten Tag ■der Selichoth haben wir in diesem Jahre das 500. Jahresgedächtnis des in der Ueberschrift genannten Großen׳ zu feiern, der nach Ausgang des Sabbat כי תבוא am 22. Elul 5187 (13./14. September 1427) in Worms von dieser Erde gerufen wurde. Die Bedeutung dieses hervorragenden Gesetzeslehrers ist jedem bekannt, der nur irgendwie sich mit den Dezisoren, □פוסקי beschäftigt hat. Besonders häufig begegnet uns sein Name im דרכי משה und den »Hagahoth zum Schulchan Aruch des R. Moses ■Isserles, ebenso im □מגן אברה, den allbekannten ,Glossen des R. Abraham Gumbinner zum Oracb Ghajim. Wenig wüßten wir von den Lebensumständen dieses Heroen, ׳wenn nicht ein treuer, kenntnisreicher Schüler uns sein Lebensbild in dem viielgelesenen ספר מהרי״ל oder auch מנהגי מהרייל gezeichnet hätte. R. Salman St. Goar, so •ist der Name dieses Schülers, der Jahrzehnte hindurch in der nächsten Umgebung des!gefeierten Meisters weilen durfte, hätte in seiner Bescheidenheit seine Aufzeichnungen unveröffentlicht gelassen. Doch viele seiner. Genossen, die erfahren hatten, daß er Lehren, Entscheidungen, Reden und Lebensgewohnheiten. des •Maharil in einem Buche ■aufbewahrt hatte, liehen sich dasselbe von i'hm, nahmen Ab- ■Schriften davon und ersuchten ihii immer dringender, seine Schrift der Oeffentlichkeit zu übergeben. Diesem Drängen mußte er zuletzt nachgeben. Doch viele Jahre waren schon seit dem Hinscheiden des Meisters vorübergegangen, bis er endlich sein Werk herausgab. '• Das . Buch ist in leichtfaßlicher Sprache in knappen Stil abgefaßt, überall schimmert die Sorge hindurch, doch ja alles genau und treu wiederzugeiben. Sehr bald nach seinem Erscheinen war es in vielen Händen; es scheint geradezu ein Volksbuch geworden!zu sein. Obgleich es ungefähr 1hundert Jahre nach seiner Veröffentlichung schnell hintereinander wiederholt in Italien gedruckt wurde (zuerst 1556 in Sahionetta), besitzen wir noch eine große Zahl Handschriften von demselben. Viele meinen, daß man darin hauptsächlich Belehrungen über den Ritus, Jdinhagim, finde. Das ist irrig. Das Buch bietet ׳uns in kurzer Fassung wichtige Entscheidungen und Lehren, die fast alle!Gebiete unseres heiligen Gesetzes umfassen. ■Wir ,können uns vorstellen, daß bei aller Aufmerksamkeit, welche die Gelehrtenwclt ihm schenkte, es in der Hand einfacher Hausväter ähnlich wie heute der Kizzur Schulchan Aruch war. Heute noch ׳können wir in weiten Volkskreisen, be- ׳sonders Siiddeutschlands, religiöse Gewohnheiten finden, die man dem Maharil abgesehen hat.!Das!Blich St. Goars ist von hohem Werte, weil es wie wenige andere Schriften הלכה למעשה bietet, weil darin erzählt wird, wie in vorkommenden Fällen für die Praxis entschieden wurde und wie Maharil persönlich in seinem Tun ׳und Lassen seine Auffassung der Gesetzesvorschniften zeigte. Aus dem ■ständigen Verkehr ■und der aufmerksamen Beachtung der!Lebensgewohnheiten des Meisters hat nach dem Talmudwort — גדול שמושן יותר מלמודם — .,,bei der Bedienung, durch den regen Verkehr mit ׳Gelehrten lernt man mehr als durch ihren' Unterricht“ — ihat Rabbi Salman §t. Goar nicht nur für die eigene ,Person viel!gewonnen. Durch ■die lebendige Schilderung alles dessen, was der Schüler von früher Jugend an bis zum reifen Mannesalter von seinem ׳Lehrer gesehen hat, wird es dem!Leser, als wenn er das alles, dem Verfasser gleich, erlebt und erfahren hätte. ■Dia, Gestalt des Maharil steht durch die Aufzeichnungen ■seines Schülers, man könnte sie in 'höherem Sinne Memoiren nennen,!mit seinem Wissen, seiner Frömmigkeit und Gewisserihaftigkeit, seiner Milde und Bescheidenheit lebendig vor uns. Eine hälachische ׳Entscheidung reiht sich aii die andere, Schilderung der Amtsführung oder Betätigung im Privatleben an Schilderung. Erzählen wir nun aus dem Leben des Maharil einen Teil von dem, was wir in dem Buche des Schülers gelegentlich erwähnt finden. Maharil war ungefähr vierzig Jahre Rabbiner in Mainz. Sein Vater, R. Moses oder Mulin ben R. Jekutiel Halevi, der sein Vorgänger i׳m Amte war, starb nach dem alten Mainzer Memoirenbuch am 8. Ijar 5147. Kurz darauf muß sein Sohn sein. Amtsnachfolger geworden sein.!Salman St. Goar erzählt, daß Maharil einmal im Lehrhaus bewußtlos geworden sei und dann drei Tage fast־ ohne!Lebens- Zeichen im Starrkrampf gelegen J$!be und nach ׳seiner Gesundung dann noch dreißig Jahf'e gelebt. Die Trauer und Verzweiflung der Gemeinde bei dieser schweren und beängstigenden Erkrankung war so gewaltig, daß dieselbe sich nur vorstellen läßt, wenn damals Maharil schon längere Zeit sein hohes Amt in Mainz versah. Man rief damals auch Fasttage aus für Montag und Donnerstag von Ab und Elul an — der Berichterstatter Weiß nicht mehr genau, in welchem dieser beiden Monate die Krankheit ■begonnen — bis zu den Feiertagen. Als Pismon bei den Selichoth dieser Fasttage wählte man תעה ישראל האזינה wegen des Schlusses. Der Erzähler, der das alles als ganz ׳junger Mann erlebte, bemerkte, daß er in späteren Jahren, sobald dieser Pismon rezitiert wurde, an die!damalige Erregung •denken mußte. Zur Zeit von Maharils Vater war die Mainzer ׳Gemeinde!sehr groß, was wir uns dadurch erklären, daß ׳damals ein!Kurfürst regierte, der erste Adolf von Nassau, der die Juden wohlwollend behandelte. Wir erfahren dies bei Gelegenheit, da erwähnt wird, daß Maharil ermahnte, die Lederschuhe am Vorabend ׳des Versöhnungstages nicht in der Synagoge auszuzfehen, sondern ohne dieselben schon ׳von Hause aus ׳zu ׳kommen. Sein Vater ׳habe sehr streng darauf gesehen und es vom Ger meindediener ausrufen lassen, ׳weil damals Mainz eine große jüdische Population hatte (בהיות ע□ רב במגנצא). Aus ■den Wanderjahren des Maharil Wird erzählt, (daß er einmal!in ׳Regensiburg m'it dem Vorbeten am Versöhnüngstage beehrt worden ist. Er habe dabei eine Selicha eines Regensbürger ׳Päitan vorgetragen; doch sagten ihm nachher die Vorsteher, daß das!dort nicht!Gebrauch wäre. Maharil bedauerte unendlich, daß er gegen den Miinhag verstoßen habe und brachte einen Trauerfall, ,der ihn das darauffolgende Jahr am Versöhnungstage traf, damit in Beziehung. Als er damals in Regensiburg vorbetete, brachte man, um ihn zu ehren, prächtig ausgestattete Machsorim herbei, er Wies dieselben zurück und wollte nur aus einem für die Gemeinde geschriebenen!Gebetbuch vorbeten. Maharil war zweimal verheiratet, eine der Frauen hatte er als Witwe geheiratet und ehrte sie deshalb ganz besonders in der Form der ׳Anrede. Bevor Maharil als Ra'bbiner nach ׳seiner Heimatstadt zurückkehrte, hatte er sich in vielen Gemeinden aufgehalten ׳und hatte dadurch in fremden Gegenden einen großen Bekanntenkreis. Das brachte es mit sich, daß er viel um Ehevermittlungen angegangen wurde. Von!dem, was man ihm für diese.Vermittlungen aübot, lebte er. Für die Verwaltung des Rabbinats und die 'Leitung der Hochschule nahm er kein Ge-!halt. Von der Gemeinde ließ er nur für den Unterhalt seiner Bahurim bezahlen. ׳Auch vom Vermögen seiner Frau wollte er!persönlich keinen Genuß haben. Für sich und seine Bacburim führte er besonderen Haushalt, seine Frau mit den /Kindern lebten für sich. Wir hören auch, wieviel

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