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Jüdische Presse · 1927-09-16 · 37 (16.9.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
37 (16.9.1927)
Date
1927-09-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 37 JÜDISCHE PRESSE Seite 227 sitzen, um berühmte Gelehrte heranzuziehen, haben wir es für richtig gehalten, unbekannte Lehrer zu gewinnen und weniger große Gelehrte, die durch uns groß gemacht werden.“ Weiter: ״Wir beginnen mit Forschung, die allmählich zum Unterricht führt. Keinesfalls wollen wir das Institut zu einer Fabrik von Diplomierten machen, vielmehr werden wir etwas Neues schaffen, das noch nicht da war, wodurch die Wissenschaft an die Lehre geknüpft wird.“ Kurz gesagt, eine Universität wäre nötig, aber es besteht keine Möglichkeit, sie zu schaffen. Es ist das die Situation wie beim Fuchs mit den Trauben, deshalb übersehen wir die Hauptsachen. Da man eine Universität habe י will, und gewisse Leute ein Bedürfnis empfinden nach Titeln, wie Kanzler, Professor, Doktor, so verkündet man die Existenz einer Universität mit Abteilungen, Lehrern und Studenten. Und nicht nur das, sondern der yor uns liegende Rechenschaftsbericht ist voll von Lobpreisungen über die gewaltigen Erfolge, die das Instiut in diesem Jahre erzielt hat. Wie unterscheidet sich doch der Ton dieses Heftchens, das für die Außenwelt bestimmt ist, so stark von dem, was der Kanzler nach innen verkündet. Wenn man nach dem urteilen will, was darin steht, existiert auf dem Skopusberg bereits eine große vollkommene Universität, die in wissenschaftliche Fakultäten zerfällt und eine Atmo- Sphäre der Wissenschaft und Intellektualismus verbreitet, die •die hebräische Sprache belebt, deren Unterrichtstätigkeit ln höchster Höhe steht und die von der größten Bedeutung ist, wenn sie auch noch keine abgeschlossenen und öffentliche Formen angenommen hat. Man hat also ein Füllhorn von Glück über uns ausgegossen und wir haben nichts davon gewußt. Allerdings gibt der Berichterstatter in seinem hebräischen Jargon zu, daß die Tendenz, nach der die Universität aufgebaut wird, etwas ungewöhnlich ist. Aber auch die Bedingungen seien ungewöhnlich und es ist alles aus dem Nichts geschaffen worden. Unter diesen Bedingungen bleibt ihm noch übrig, seine Worte in einen Ton höchster Befriedigung zu kleiden und pathetisch auszurufen: ״Wer kann den geistigen Einfluß der Universität bezweifeln?“ Diese gehaltlose Phraseologie ist offensichtlich für das große Publikum draußen bestimmt und wir sind sie gewöhnt, wie alle Aufrufe und Berichte der verschiedenen Vereine und Institute, die in fernen Ländern Geld zusammensuchen. Aber wir, die wir im Lande wohnen, unsere Augen sehen ja nicht nur das, was täglich sich vollzieht, •sondern wir sehen das gleiche auch aus dem Berichte selbst, und uns kann man doch keine Fanfaren vorblasen und Phantasiegebilde vorführen. Man rühmt die allgemein-wissenschaftliche Abteilung und die praktischen Institute der Universität, aber wer sie besucht, wird sich davon überzeugen, daß dergleichen bei jeder größeren Apotheke oder bei jeder chemischen!Fabrik in den Kulturländern zu finden ist. Jetzt hat sich ein Wunder ereignet. Das Erdbeben ist gekommen und hat alles derart durcheinandergeworfen, daß man überall mit Trompetenstößen •die Zerstörung der wissenschaftlichen Schätze verkünden kann. Aber wird dadurch der Wissenschaft geholfen, oder durch all die Beamten, die meistens Leute ohne Namen und wissenschaftliche Tradition sind, werden sie ein wissenschaftliches Zentrum schaffen? Wir haben schon einen Artikel gelesen über haltlose.Forschungen, ,die durch einen jungen. Mann in der Nähe des Salzmeeres yorgenommen worden sind. Jetzt sind andere Studenten hingegangen, um das Manna in der Wüste Sinai, zu suchen. Dinge, die jedem bekannt waren, die aber geeignet sind, die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu lenken und dadurch neues Geld zu erwerben.!Die Krönung der Universität soll bekanntlich •das jüdisch-wissenschaftliche Instiut sein. Auif dieses Institut haben alle jene ׳Naiven ihre Hoffnung gesetzt, die in unserem Lande ein geistiges Zentrum schaffen wollten, jene Geistesarmen, die glauben, daß eine Handvoll dem wahren Judentum völlig fremd gegenüberstehender Menschen das ״himmlische Jerusalem“ auf wunderbare Weise mit Hilfe amerikanischer Philanthropen und christlicher Freunde zur Erde bringen können. , Ja, die Liebe macht manchmal das Gerade krumm. Aber auch das wärmste Gefühl und das größte Interesse kann die Tatsache, nicht ihres einfachen Charakters entkleiden. Wer den Rechenschaftsbericht liest, der sich auf Rabbi Jecheskel Landau. (1713 bis 1793.) VIII. Der mit wahrer Donnerstimme ausgestoßene Ruf Rabbi Jecheskels: ״Der (Kutscher soll hereinkommen!“ hätte die beiden Wartenden auch!aus dem Schlaf geweckt, wenn sie •dieser in der lautlosen Stille übermannt hätte. Aber sie waren nur :in tiefes Sinnen versunken und der •Aufruf hatte •bloß die Wirkung, daß beide rasch von ihren Plätzen aufsprangen, der eine aber ruhig stehen blieb, während der andere sich mit raschen Schritten und unter tiefen Verbeugungen Rabbi Jecheskel näherte, der ihn in sein Zimmer eintreten ließ. Es war der ältere Prozeßgegner, der die strittige Angelegenheit dem!Rabbil •als erster dargelegt hatte, und zwar mit so einer ,Ruhe und Kaltblütigkeit, die gewöhn- •lieh nur das gute Gewissen verleihen, aber in diesem Falle nur als Ergebnis außerordentlicher Frechheit gelten konnte. Aber die Geistesgegenwart des ,Betrügers stand nicht auf der Höhe seiner Frechheit. Ueberrumpelt durch die!kluge List Rabbi Jecheskels, war er der ihm!gelegten q Falle nicht ausgewichen. Er hatte sich selbst verraten. ״Also Ihr seid Chajim der Kutscher •und schön, daß Ihr es selbst sofort bekannt habt, indem Ihr gleich meinem Rufe gefolgt seid." •Der durchbohrende Blick Rabbi Jecheskels, der diese Worte •begleitete, übte auf den Entlarvten eine solch rjiederschmetternde Wirkung, daß er auch nicht einmal •den Versuch zu leugnen unternahm. Zerknirscht warf er sich vor. dem Rabbi nieder und bekannte seine Missetat. Die Strafrede, die Rabbi Jecheskel an ihn richtete, enthielt zugleich solche rührende, das Gewissen •des Sünders aufwühlende Worte, daß dieser unter heißen Tränen seine (Büßfertigkeit inf ״einer :!Weise bekundete, daß!Rabbii Jecheskel nicht!umhin konnte, die Zweifel :an der Auf riehtigkeit dieses Bekenntnisses zu unterdrücken ... das jüdische Institut bezieht, kann sich davon überzeugen, daß man aus diesem Nichts nichts schaffen kann. Es liegt kein Plan und kein System in den Vorlesungen und Vorträgen. Alles wird aufs Geratewohl unternommen, in erster Reihe in der Absicht, die Geldgeber im Ausland zu blenden. Zufällig wurde Dr. Epstein geschickt, deshalb lehrt man talmudische Philologie, oder!Dr. Perles, und er gibt einige Monate lang eine Vorlesung über Tenach. Zufällig wurde Dr. Klausner nicht als Sachverständiger für jüdische Wissenschaft anerkannt, deshalb lehrt er die Geschichte der neueren Literatur. Kein Zufall aber ist es, daß Dr. Klein, der einzige wirkliche Gelehrte, das Land verließ, ohne wieder zu kommen. Nicht zufällig jedoch, sondern in böser, vorbedachter Absicht sind große jüdische Gelehrte im Ausland nicht berufen worden, sich an dem Institut zu betätigen, z. B. Dr. Samuel Krauß, Dr. Chaje'k und Dr. S. Jehuda. Besonders hat sich der Zorn der Amrazim in dem ausländischen Komitee über die besten und gelehrtesten unserer Gelehrten, die im Lande wohnen, ergossen. Bekannt ist, daß Dr. Klausner selbst, trotzdem er hier ein ״geistiger Mittel- Punkt“ und Schüler Achad Haams ist, nur gegen den Willen des Komitees in den Lehrkörper eingetreten ist, und um alles Leben zu ertöten, nimmt man Lehrer und Vortragende, die gar keine Beziehung zur Universität, wohl aber um so mehr zur Politik haben. Auf Grund welcher Wissenschaftlicher Befähigungsnachweise darf man Professoren, die niemals eine Universität besucht haben und keinerlei wissenschaftliches Werk von Bedeutung, das von einer europäischen Universität anerkannt würde, geschrieben haben, anstellen? Wodurch hat Dr. Ruppin oder ein Dr. Scholem höhere Ansprüche als andere, es sei denn darum, weil andere hebräisch verstehen, diese aber nicht, und schließlieh durch welche Mittel haben junge Leute, die noch kaum aus dem Ei gekrochen sind, Beamtenstellen an der Universität erlangt, es sei denn, daß der Einfluß eines Christliehen Gelehrten, dem auch ein Katheder sicher ist, ihnen faeisteht? •Wie mit den Lehrern, so geht es mit den Forschern. Man weiß, daß das erste Buch aus dem Gebiet der Wissenschaft •des Judentums, das vom Kollegium in Jerusalem vorbereitet wurde, von den ausländischen Gelehrten für untauglich erklärt wurde, so daß sie. beschlossen, die Herausgabe dem Lehrkörper in Jerusalem nicht zu übertragen. Deswegen begnügten. sich die Herausgeber dc£ zweiten Bandes mit dem bloßen Text, und in der Tat lehrten sie Dinge, wie man sie in jedem Sammelband findet. Auf Grund dieser Systemlosigkeit und aus Mangel an hebräischem Geiste ist es selbstverständlich, daß auch keine entsprechenden Studenten da sind. Es ist bereits festgestellt, daß von den 120 Hörern, die im Anfang des Jahres eingeschrieben waren, nur sechs übriggeb'Iieben sind. Was haben die Leiter des Instituts getan? Sie gingen hin und sammelten Stipendien für etwa 44 junge Leute und arme Lehrer, und jetzt hören wir aus dem Berichte, daß ein großes ״/Bedürfnis nach Stipendien“ vorhanden sei, und dies, trotzdem man fast mit Gewalt Schüler aus den beiden Lehrerseminaren heranzieht, die von zweien der Vortragenden abhängig sind, und trotzdem eine Anzahl Schüler aus Amerika gekommen sind, um hebräisch zu lernen. Wehe über das Hebräisch, das sie in den Wänden unserer Universität erlernen werden! Aber wer wird auch sein Augenmerk auf wirkliche Wissenschaft und auf Forschung, die diesen Namen verdient, richten, da doch alles auf Reklame und Geldsammlung angelegt ist. Jede Zeile in dem Bericht schreit: ״Gebt Geld“ — und diese Geldsammlungen vol* ziehen sich zumeist auf Kosten der viel dringlicheren Bedürfnisse Erez Jisroels. Es ist offenbar, daß, wenn die Universität nicht wäre, verschiedene Spender ihre Gaben anderen Institutionen, die den Jischuw fördern, zuwenden würden, wenigstens aber den Mittelschulen, über die •der ״Kanzler“ so geringschätzig spricht. In Wirklichkeit ist nach meiner Ansicht kein Mangel an Geld. Wenn wir berücksichtigen, daß eine große und berühmte Universität wie Heidelberg im ganzen Jahr nur etwa eine halbe Million Mark ausgibt, was etwa Pfund Sterl. 25.000 entspricht, so können wir nur höchst erstaunt sein, daß die Jerusalemer Universität mit ihrer ärmlichen Wirksamkeit in einem Jahr Pfd. Sterl. 38.000 ausgegeben hat, außer Pfd. Sterl. 70.000 für Bauzwecke usw. Trotzdem haben wir im Augenblick weder eine Auch der echte Josef N., froh zu der Anerkennung seines Rechtes und. wieder in den ׳Besitz seines Geldes gelangt zu sein, verzieh •dem Reuigen, der heilige Eide schwur, in Zukunft nie mehr vergessen zu wollen, daß er — Chajim der Kutscher sei. Versöhnt verließen Herr und Kutscher die Wohnung des Oberrabbiners und bald darauf auch die Stadt Prag. Trotzdem sie beide ein diskretes Schweigen über!den Ausgang •ihres Streites zu beobachten versucht, war die Kunde über das salomonische Urteil Rabbi Jecheskels rasch in der Gemeinde!bekannt geworden!und hatte allgemein eine mit Heiterkeit gemengte Bewunderung hervorgerufen. Auch in •jenen!Schichten •der Gemeinde, •die nicht befähigt waren, dank eigener!Gelehrsamkeit!die :hohe Gelehrsamlkeit des Oberrabbiners zu!beurteilen, wußte ,man nun •deSsen große Klugheit anzustaunen. Inzwischen waren auch die hervorragendsten* •Männer in den gelehrten Kreisen!Prags, die großen Tal-!!midisten, die selbst /Anspruch ׳auf die bedeutendsten Rabbinatsitze hätten erheben dürfen, einig in der schrankenlosen Verehrung für ihr geistiges Oberhaupt geworden. Auch Rabbi Serach Eidlifcz, •der, wie bereits erwähnt, als Schüler und Freund des Rabbi Jonathan, diesen einst als den größten Rabbi seines Zeitalters gefeiert und bei dessen Heimgang au&erufen hatte, ״er sei es gewesen, dessen Anwesenheit in Prag linst die Gemeinde vor allem Unglück bewahrt hatte, während nach seinem Abgang ־nach Metz das Ungemach scharenweise hereingebrochen sei“, auch Rabbi Serach Eidlitz wetteiferte mit seinen Kollegen im Rabbinatskolleginm, die außerordentliche, alle überragende Größe Rabbi Jecheskel!Landaus anzuerkennen!und ,zu ■preisen. u Die Meinung und das Wlort dieses Mannes, der bei seiner großen Gelehrsamkeit sich durch einen Sprichwortlieh gewordenen puritanischen Charakter allgemeine Ehrenbietong errungen hatte, galten damals •sehr hoch ln Prag. כשר mm Verbürgt reines Fett aus Kokos« nüssen. Die Kokosnüsse werden bei der Kunerolwerke A. G.,W1en« Atzgersdorf, gepreßt und die En* zeugung steht bis zur Verpackung des fertigen Fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrab* biners S. Ehrenfeld zu Mattersbttrg. Kunerol kann daher von jedem Streng* gläubigen ohne Bedenken zur Zuberei* tung der Speisen verwendet werden. Universität noch eine Hochschule für Wissenschaft des Judentums, sondern ein sonderbares!Gebilde, das •noch lange nicht einmal einer wohl ausgebauten Volkshochschule gleichkommt. Nachrichten. Die feierliche Grundsteinlegung in Krakau. Dienstag, den 16. Eluil fand die Grundsteiniegun g zur ersten Beth J a!ko׳b-Leihr e.rin:n en- :bil düng San st ■alt in Krakau!unter imposanter Feier- •lichkeit •statt. Die Staats- und Stadtbehörden wurden vom!Präsidenten des Kuratoriums Sejmdeputat lOiberraibhiner Aron Lewin;begrüßt. Oiberrabbiner!N. K01 rn 11zer und KiuJfcuspräses Dr. Landau brachten den Glückwünsch des Rabbinates und Gemeindevorstandes von Krakau zum Ausdruck, Oberrabbiiner Lewin, Bendin, Dr. P. iK oihn, Wien, Jakob ,•Rosenheim, Frankfurt am Main, u. a. m.;hielten eiindrucksvolle!Ansprachen. Die Grundsteinlegung selbst vollzog sich ׳unter!den!jubelnden Gesängen!der vielen tausenden Gäste, die gekommen waren, um die Schöpfer und Träger der iBeth Jakob- Schulen in einem ■solch großen Moment!zu!begrüßen. ׳Audh die nichtjüdische Presse würdigt in Festartikeln den großen Wert der religiösen Erziehung der weiblichen Jugend und •ihre Bedeutung für Staat und Gesellschaft. 60. Geburtstag von Dr. Josef Wohlgemuth. (J. T. A.) In diesen Tagen wurde Dr. Josef Wohlgemuth, -der älteste Dozent am!Rabbiner-Seminar für das orthodoxe Judentum in Berlin, 60 Jahre alt. Aus dem Kreise der gesetzestreuen Judenheit wurden ihm aus diesem Anlässe viele Ehrungen zuteil.!Dr. Wohlgemuth übt seit 32 Jahren seine Dozententätigkeit am Rabbiner-Seminar aus; sehr viele deutsche und ausländische!Rabbiner sind durch seine Schule gegangen. Er verwaltet das geistige Erbe von S. R. Hirsch und Esriel Hildesheimer; seit 14 Jahren gibt er die Zeitschrift ״Jeschurun“ heraus, die der Synthese ״Judentum und Kultur“ dient. Er •hat die jüdische religionsgesetzliche Literatur durch eine Fülle grundlegender größerer Arbeiten bereichert. Rabbi Serach war selbst in einer Zeit, in der das Judentum so viele, vom reinsten Idealismus beseelte, ruhmvolle Gestalten aufzuweiisen hatte, eine ungewöhnliche Erscheinung. Lange Jahre •hatte!er sich sehr günstiger Vermögens- Verhältnisse •erfreuen •dürfen. Aber dem Alter •nähe, wurde er, neben den vielen harten Schicksalsschlägen, die ihii in seinem Familienleben trafen, in •die drückendste Armut geschleudert. Aber so w!ie er •in seinen glücklichen Tagen nur im ganz selbstlosen Lernen und im Lehren seine Befriedigung gesucht, so wollte er auch in seiner gedrückten Lage ebensowenig die Gotteslehre zum Erwerbe ausnützen. In größter Dürftigkeit, aber jede Hilfe von Menschenhand verschmähend, lebte er kümmerlich und darbend von dem Erträgnisse seiner in jüdisch-deutscher 5brache abgefaßten Rechenbuches, das, wegen seine faßlichen Darstellung sich als sehr nützlich erwies. Ein merkwürdiger Zug im Leben dieses geradezu antiken Charakters wurde erst nach seinem Heimgange bekannt. Der damalige Primator •der Prager Gemeindender durch Wissen wie Reichtum!gleich beglückte Rabbi Israel Frankel, war ein Schulfreund Rabbi Serachs, mit dem ihn auch später die!Bande innigster Freundschaft verknüpften. Der Primator!kannte •die!mißliche Lage Rabbi Serachs und hatte, nachdem er früher vergebliche Versuche unternommen, ihn zur Annahme einer Geldunter- Stützung!zu bewegen, ihn ,schließlich durch eine!moralische Pression gezwungen, einen größeren!Betrag als Darlehen zu empfangen. Er hatte nämlich seinem Freunde Rabbi Serach •feierlich erklärt, er würde es!als eine tödliche Beleidigung, als ein Zeichen der Mißachtung betrachten, wenn er •nicht wenigstens ein, in günstigeren Zeiten zurückzahlbares Darlehen akzeptierte. Rabbi Serach wollte sein Gewissen nicht mit einer solchen Sünde belasten, er nahm das Anerbieten an. »Nach seinem Tode aber •fand ,man!das Geld in einem versiegelten Kuvert, das die Aufschrift trug; ,!Depot des Primators Rabbi!Israel Frankel“. (Schluß folgt.)

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