Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 34 (26.8.1927)
- Date
- 1927-08-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 JÜDISCHE PRESSE Seite 211 Wir müssen das Lager räumen Die zionistisch - misrachistischen Quertreibereien um den Gerer Rebbe. Es ist noch in allgemeiner Erinnerung, welch schadenfrohes Juibelgeschrei sich in der zionistisch-misrachistischen- Presse erhob, als bekannt wurde, daß ein!!!!verantwortlieber Fanatiker in Jerusalem den Gerer Rebbe beleidigt hatte, weil der Rabbi. Oberrabiner Kuck einen Besuch abgestattet hatte. Besonders dieJVl i s r a c h i s t e 11,!bei denen die religiöse Autorität des CTercr Rebbe natürlicherweise eine größere Bedeutung hat als!bei den allgemeinen Zionisten, versuchten immer wieder diese bedauerlichen Affären für ihre Parteizwecke auszunützen. In den Ländern, wo sic keine Presse besitzen, wie in Oesterreich und Polen u. a., haben sich die misrachistischen Führer bemüht, die welterschütternde Tatsache ״des Zwiespaltes in der Aguda“, ״des Abfalles des Gerer von der Aguda“, ״seiner Annäherung zum Misrachi“ mit Flugblättern in Schreibmaschinenschrift den freudig aufhorchenden ״Gesinnungsgenossen“ mitzuteilen. Doch diese Freude dauerte nicht lange. Die authentischen, schriftlichen Aenßerungen des Gerer Rebbe ließen keinen Zweifel darüber, daß der Rabbi und seine Anhänger keine Gemeinschaft mit dem zionistischen Waad Leumi in Erez Isroel haben wollen. Nun schüttelt der Gerer Rabbi in einer Kundgebung sehr energisch die misrachistischen Anbicderungsversuche ab. Wir bringen die hebräisch abgefaßte Aeußerung des Gerer Rabbe mit einer deutschen Ueber- Setzung: ־ כעזה״י ר״ח מנחם אב הרפ״ז. באשר נורעתי שמםיצים שמיעוח שנח קייב דעתי אל המזרחים. הנני להודיע בזה גלוי לבל כי לא נשתנית דעתי גם זוו כל שהו מדעתי הקודמת כי חברה הניל הוא סכנה להיהורות ובפרט כמדינתנו מדינת פולין. נאו׳ אברהם מרדכי אלטר. Wie man mir. mitteilt, verbreitet man das Gerücht, daß ich mich in meiner Auffassung dem Misrachi genähert hätte. Somit mache ich kund, daß ich meine Auffassung mit keiner Regung irgendwie geändert habe und daß ich genannte Organisation als eine Gefahr für das Judentum betrachte und insbesondere in unserem Lande Polen. gez,: Abraham Mordechai Alter. Tagung der deutschen Agudas Jisroel in Berlin.;Am Sonntag den 24. August 1927 fand der diesjährige Delegiertentag des deutschen ■G r u p p c 11 v e rbandes der ״Agudas J i s r 0 el“ in Berlin statt. Die Tagung war trotz der Sommerferienzeit gut besucht. 60 Delegierte von Ortsgruppen waren vertreten. Von führenden Köpfen der Agudah konnte man Rabbiner Dr. Pinchas Kohn (Wien), Jacob Rosen heim (Frankfurt), Dr. Salomon Eli rm an 11 (Frankfurt) u. v. a. bemerken. Der bekante Pädagoge Dozent Dr. Moses Auerb a c h war Obmann der Berliner Delegation. .Als Vertreter der hiesigen Palästinazentrale war Dr. Jacob S eg a 11 erschienen. Den ״Keren Hatorah“ vertrat Wolf S. J acobson (Hamburg). Unter den ׳Delegierten war die Jugend besonders gut vertreten. Den Vormittag nahmen Sonderbesprechungen der Delegierten und eine Palästina-Konferenz ein. Die eigentliche Tagung wurde am Nachmittag von Gottfried Goldschmidt (iHalberstadt) eröffnet. Zum Präsidenten der Tagung wurde Jacob Rosenheim, zum Sekretär Dr. Jacob Levy (Berlin) bestimmt. Erster Gegenstand der Beratung war Neuwahl des Vororts für die deutsche Agudah. Nach kurzer Debatte wurde einstimmig Hamburg gewählt. Der neue Vorstand setzt sich aus fünf .Hamburger Herren (Oberrabbiner Dr. Spitzer, Studienrat Dr. Lipmann Schicsingcr.iEsch wege, Dr. S. L a n d a u und J a c 0 b s 0 n), Wegen Umbau verkaufen daher za nad! nie dagewesenen liefiednzierten Preisen Seidenstoffe: Seidenfoulards, herrliche Dessin9 S 7«80y 5.80 Seidenkleider. Alpaca gemust. S 4.80« 3.80 Crepe de Chine, alle Farben ... S 8.90! 5.80 Seiden-Georgette, viele Fa»ben . . . S11,—y 7.80 Ia Shantung, 90 cm breit. S 4.S0 Seiden*Wasch-Marokain. glatt und dessiniert, 90 cm breit . ...... S 4.50! 3.90 Japan Pongis, alle Farben ...... S 2.90 Scbotlen-Seidensloffe . . S 2*80 Waschwarenlager wird zur Gänze wegen Auflassung total ausverkauft Tief unter dem eigenen Kostenpreis! Keine Künde versäume die günstige Gelegenheit SEIDENHXUSER S, Willhaim Wir müssen das Lager räumen sowie aus einer größeren Zahl in allen Teilen Deutschlands wohnender Persönlichkeiten zusammen. Es folgte nunmehr ein Referat von Rabbiner Doktor Pinchas Kohn, das eine Uebersicht über den augenblickliehen Stand der Wclt-Agudah sowie der einzelnen Landes- Organisationen bot. Nur einige Einzelheiten seien hervorgehoben: Von der politischen Lage der polnischen Judenheit ausgehend, konnte Referent zeigen, wie trotz der inneren Differenziertheit, die zwischen den verschiedenen Landesteilen Polens herrscht, doch durch gemeinsame Arbeit die politischen Erfolge der Agudah in den Gemeindewählen erzielt werden konnten. Von besonderer Bedeutung ist das gute Verhältnis der jetzigen polnischen Regierung zur Agudas Jisroel. Auch die Wahlerfolge der Orthodoxie in der Tschechoslowakei fanden Würdigung. Amerika leistet wesentliche Arbeit bei der Finanzierung des ״Keren Hatorah“. In Erez Jisrael ist durch die Bemühungen der Agudah erreicht worden, daß die neue Verfassung der religiösen Freiheit und den Rechten des alten überliefer־ ten Judentums Rechnung trägt. Es sei erfreulich, daß die bei der Anwesenheit des Gerer Rebben in Palästina bestandenen Differenzen nunmehr völliger Klärung und Einmütigkeit gewichen sind. Zusammenfassend bemerkt Redner, daß die einzelnen Landesorganisationen ihren eigenartigen politischen Verhältnissen entsprechend weitgehende Selbständigkeit haben müssen. Er freue sich, die enge vertrauensvolle Zusammenarbeit der Länder mit der Wiener Zentrale trotzdem feststellen zu können. In .seinem ergänzenden Referat stellte Jacob R 0 s e 11 h e i m die Ausbreitung und Anerkennung der Agudah-Idee in der Welt dar, wo die selbständige unabhängige Orthodoxie ein Faktor geworden sei, mit dem alle politischen Größen rechnen. Im Gegensatz dazu ständen die . nicht genügenden Geldmittel der Organisation. Aufgabe des deutschen Landesverbandes sei es, an der Besserung der Finanzen mitzuarbeiten. Den Bericht über Palästinaarbeit erstattete Doktor Salomon E h r m a 1111. .Der Cliimtch (Das Erziehungswerk) re in übernimmt ein bis zwei Schulkinder oder Studenten in Pension bei vorzüglicher Verpflegung, auch Mittagabonnement. Chiffre ״Gut behütet 5152“ an M. Dukes Nachfolger A.-G., Wien, 1., Wollzeile 16. habe durch die Geldknappheit gelitten; jetzt sei es aber wieder möglich geworden, den Lehrern die vollen Gehälter zu zahlen. Die Zahl der Schulen sei in der Zunahme begriffen. Als die wirtschaftliche Lage den Verkauf der ״Machane Jisrae!“-Ländereien forderte, hätten einige der Leitung nahestehende Persönlichkeiten den Boden gekauft, ihn auf diese Weise der Agudah erhalten. Die Iandwirtschaftiiche Bestellung des Landes konnte erfolgen. Die Debatte behandelte hauptsächlich die Verhältnisse der deutschen Agudah. der neuen Leitung wurden Wünsche und Anregungen gegeben, die siclz auf folgendes beziehen: Arbeit in den Ortsgruppen, Werbetätigkeit, Erfassang aller orthodoxen Kreise, Stellung zur Jugend- Organisation und Jugendbewegung. Soziale Betätigung und Fürsorge, Stellenvermittlung und Sabbatbeobachtung. Ostjuden und Westjuden in Deutschland, Agudah-Presse. Das orthodoxe Erziehungsproblcm. Die Fülle der Vorschläge soll der neue Vorstand bearbeiten und, soweit sie nicht bereits in die Tat umzusetzen seien, einem im Jahre 5688 einztiberufenden Dclegiertentag unterbreiten. Diesem Delegiertentage sollen auch die übrigen auf der Tagung angeschnittenen Fragen allgemeiner Bedeutung zur Beschlußfassung vorgelegt werden. (J. T.-A.) TAGE Die Züricher Rechtsschutzkonferenz. Vor allem war es der Name der im Laufe der Jahre diskreditiert wurde; also wird die bisher unter dem Namen ״Comitöe des Delegations Juives“ arbeitende Ge- Seilschaft fortab unter folgendem englischen Namen ״The Council on the Rights of Jcvvisli Minoritics“ das jüdische Volk beglücken. Man hat aber nicht nur eine Namensäuderung vorgenommen, sondern auch den Sitz der Ge- Seilschaft verlegt, von Paris nach Genf. Also zu Schinuj Haschen! auch Schinuj Hamökaun. Sicher ist sicher. Auch eine neue Organisation gab sich dieses Komitee. Es wird fortab aus folgenden Organen bestehen; die Konfer c 11 z, das Council und die Exekutive. Mitglieder der Konferenz können sein: Mitglieder der demokratisch gewählten jüdischen repräsentativen Körperschaften, z. B. Parlamentsmitglieder, die auf Grund eines jüdischen Programms gewählt wurden, Vertreter der jüdischen Völkerbundsligen sowie Delegierte jüdischer Organisationen, in deren Programm der Schutz der jüdischen Minderheitsrechte enthalten ist. Die Konferenz ist liöchstbeschlußfassende und kontrollierende Instanz. Es ist auf diese Organisation wohl zu achten. Man hat in den letzten Jahren in verschiedenen Ländern jüdische Völkerbundligen gegründet, die sollten die jüdischen Freunde des Völkerbundes zusammenfassen.!Plötzlich nehmen sich diese Ligen das Recht und schicken Delegierte an die Züricher Minderheitskonferenz und beschließen, daß sie ständige Mitglieder der Minderheitsschutzikotiferenz werden. Eine hübsche Entwicklung. Wir haben sie in Wien gut beobachten können. Zuerst die Gründung einer jiidisehen Völkerbundsliga an der Spitze mit dem Oberrabbiner der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Derselbe ־Oberrabbiner vertritt an der Züricher Rechtsschutzkonferenz zunächst die jüdische Völkcrbundliga in Wien. Es ist aber wahrscheinlich, daß eines schönen Morgens der' Herr Präsident der österreichischen Völkerbundliga, der gleichzeitig Oberrabbiner 'der Wiener israelitischen Kultusgemeinde ist, im Namen de gesamten österreichisehen Judenheit fiir die Minoritätsrechte sich ausspreclien wird. Nicht anders ist die Situation in der Tschecho- Slowakei, wo die jüdische Völkerbundliga von den sattsam bekannten Dr. Margulies, Leitmeritz, repräsentiert wird. Bei der sprichwörtlichen Bescheidenheit auch dieses Herrn sind wir ganz sicher, daß er des öfteren vergessen wird zu betonen, daß er bloß die von ihm begründete und präsidierte jüdische Völkerbundliga vertritt, und wird krampfhaft bemüht sein, in der großen Oeffentlichkeit den Schein zu erwecken, als ob er, Dr. ׳Margulies aus Leitmeritz, im Namen der jüdischen Minderheit in der Tsche- Hundert Jahre neualter Jischuw in Jerusalem. Der ״Israelit“ (Nr. 30) erinnert daran, daß in diesen Tagen 100 Jahre verflossen sind, seitdem der ״neualte“ Jischuw in Palästina begründet worden war. Der ״Israelit“ schreibt: ״Der neuere aschkenasische Jischuw knüpft an die Namen der großen Schüler des großen Gaon zu Wilna an, Rabbi ׳Menachem Mendel und Rabbi Israel aus Sklovv. Sie waren es, die den heißen Wunsch, der unerfüllt in der Seele des ׳Gaon bis zu seinem Tode brannte, in lebendige Tat auf heiligem Boden umsetzen sollten . . . Sie ließen sich zunächst in Safed in Galiläa nieder; Die in der engeren Heimat geschaffene finanzielle Basis reichte für das Allernotwendigste nicht aus. Rabbi Israel Sklower muß noch einmal zurück nach •Litauen und Rußland, um durch Gründüng eines Kolels den ״Jischuw der Peruschim“ in Safed zu sanieren und zu sichern. Es gelingt! , Aber nun stellen sich die inneren, natürlichen Leiden ein. Jm Jahre 5572 grassiert eine Epidemie in der Gegend von Safed, die den kleinen jüdischen Jischuw dezimiert. Viele entlaufen der Gefahr, fliehen in die Wüste oder nach Jerusalem, das zwar auch nicht verschont, aber nicht in dem. Maße betroffen war. Damals wurde■ der Grundstein zum neuen Jischuw in Jerusalem gelegt. Jerusalem wurde erbaut *״auf den Trümmern von Safed.'...'Ais Rabbi Menachem Mendel und Rabbi Israel von Safed hach Jerusa- 'lern übersiedelten, fanden sie dort jm ganzen 20 aschkenasische Juden, die in größter Armut und Bedrückung ein kümmerliches Dasein fristeten. Sie gingen aber sofort an die Errichtung der Grundmauern, gründeten die Jeschiwah ״Or. Hachajim“ und errichteten eine Synagoge, in der freilich aus Angst vor den Mohammedanern nur leise und hinter geschlossenen Türen gebetet und gelernt werden konnte. Im Sommer 5587, also vor genau 100 Jahren, fuhren Sendboten aus Safed und Jerusalemin die Golusländer hinaus, und von da ab datiert der neue alte Jischuw ln Jerusalem. Eine religiöse und philanthropische .Institution «ach der anderen entstand, heute noch herrliche Denkmäler aufopfernder Liebe und Ausharrungskraft und auch von den Männern des neuen Jischuw, wie von Nichtjuden und Behörden in ihrer überragenden ׳Bedeutung voll anerkannt. Damals, vor hundert Jahren, wurde die heute noch als Stützpunkt des alten Jischuw allbekannte Synagoge der Churba, genannt ״Churbas Rabbi Jehuda Hachassid“ ausgebaut. Der großen Synagoge folgten Jeschiwoth und Lehrhäuser. Viel trug zur besseren Gestaltung der Dinge die Tatsache bei, daß die aschkenasischen Juden nach einem neuen Gesetz Schutz bei den Konsulaten ihrer Länder finden konnten, wodurch sie der Willkür der mohanimedanischen Bevölkerung und türkischer Behörden enthoben waren. # Ein Jahrhundert anhaltender und ungestörter friedlicher Entwicklung' war es leider nicht. Wenige Jahre später (5593) hatte Jerusalem, noch mehr aber Safed, unter dem wilden ׳Drusenaufstande zu leiden. Dann kam im Jahre 5597 (1837) das heilte wiederum vielfach genannte Erdbebenungliick über Nordpalästina, das den Jischuw in Galiläa fast vollkommen vernichtete, die Arbeit, von Jahrhunderten in wenigen Minuten zerstörte. 111 Safed und Tiberias. allein waren 3000 Juden ums!Leben gekommen. . . . Von den Folgen erholte sich Erez Jisroel mit Hilfe der gesamten jüdischen Welt langsam. Eine neue Wendung kam mit Moses Montefiore, der sich ein Jahr nach dem Erdbeben nach Palästina begab . . . Die von Montefiore in Jerusalem versammelten Vorsteher der sephardisehen und aschkenasischen Gemeinden gaben auf die an sie gerichtete Frage, wie ihnen rationelle, produktive Hilfe zu reichen sei, die einmütige Antwort: ,״Es gibt nur einen Weg und eine Rettung, nämlich die Möglichkeit für die JudelT, sich auf dem Felde landwirtschaftlich zu betätigen.“ In einem ihm überreichten Memorandum waren bestimmte Pläne und Anträge nach dieser Richtung hin enthalten. . . . ׳Neue Hoffnungen wurden geweckt, große Pläne harrten der Verwirklichung. ... Man freute sich schon, im Jahre 5601 die erste Schmito zu halten. Aber es kamen die unvermeidlichen natürlichen Hemmungen und Störungen, die Verwirklichung des Traumes wurde hinausgeschoben. Nicht zuletzt infolge der Vorgänge in Damaskus, die Moses Montefiore und seine Mitarbeiter ganz in Atem hielten und für eine Zeitlang vom Palästina werk ablenkten. ׳Aber der heiligen Sache waren neue Impulse gegeben, und sie wuchs wohl langsamer als es jüdische Sehnsucht zu ertragen vermochte, aber doch sicher. Eine große Anzahl blühender Kolonien zeugen im heutigen Palästina von dem engen Verbundensein von Volk und Land. Ihre Wurzeln hat dieses Werk, wie und von wem es auch heute geleitet werden mag, im alten Jischuw, der den Faden aus früheren Zeiten aufgcnomnien lind ihn an spätere weiter gegeben hat. Kennt Erez Jisrael, kennt die Diaspora ihre Schuld an die Pioniere, die Chalnzim vor hundert Jahren, die treuen Wächter auf heiligem Posten?“ ״Israelit“ schließt: 0״, daß hinter den neuen, festen Mauern der Geist der alten lebe, der uuersehütterliche Opfergeist sowohl, wie der Geist der jüdischen Zeiten, der im jüdischen Boden die Heimat der Schechina, den Boden der G-ttesnähe für die Söhne des G-ttesvolkes erblickt.“ ׳ Eine interessante Fremdendebatte im englischen Oberhaus. Bei Beratung der Fremdenunterstützungsbill im House of Lords stellte der frühere Vizekönig von Indien, Marquis of Reading (Sir Rufus Isaacs), einen Abänderungsantrag, der darauf hinausgeht, daß England den religiös Verfolgten stets ein Asyl bieten soll. Er schlug die fo!- gende Forniulierug vor: Wenn ein Einwanderer nachweist, daß er nach England kommen will, um Verfolgung oder Bestrafung aus religiösen Motiven zu entgehen, oder daß ihm wegen seiner religiösen Ueberzeugung Gefahr an Leben und Eigentum droht, so darf ihm die Erlaubnis zum Aufenthalt im Lande unter keinen Umständen verweigert werden. Zur Begründung seines Antrags führte Lord Reading aus: Mein Verbesserungsantrag hat nichts mit politischen Dingen zu tun; er vermeidet absichtlich jeden Hinweis auf Personen, die wegen ihrer politischen Agitation verfolgt werden. Ich bin mir vollkommen klar darüber, daß es nicht wünschenswert sei, die Maschen des Gesetzes so weit zu lockern, daß politischen Agitatoren ohne sorgfaltige Prüfung ihres Falles Zuflucht in diesem Lande gewährt werde. Mein Antrag beschränkt sich auf die Zulassung eines Immigranten, der allein — ich lege Nachdruck auf das Wort ״allein“ — Zuflucht sucht, um Ver-