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Jüdische Presse · 1927-08-05 · 31 (5.8.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
31 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 198 JÜDISCHE PRESSE Nr. 31 Wir müssen das Lager räumen von dem Aufblühen thoratreuer Gemeinden in Jerusalem und in anderen Zentren Palästinas abhänge. Hierauf hielt der Oberrabbiner von Palästina, Jakob Meir, einen mit geistreichen Thoraworten gewürzten Vortrag, der großen Eindruck machte. Der ehrwürdige Greis, der in sephardischem Ornat erschienen war, sprach in klassischem Hebräisch. Obwohl er der Einladung seines Freundes Rabbi Jonathan Horovitz gerne Folge geleistet habe, sagte der Redner, befinde er sich doch in großer Verlegenheit, da •er eigentlioh befürchten!müßte, daß man ihn wegen seines scphardischen Idioms nicht verstehen werde. Dem sei aber nicht so. Er werde bloß den Namen eines Mannes nennen, der als Zierde •Israels allgemein bekannt •ist. Er sei überzeugt, daß man ihn verstehen werde und die bloße Erwähnung dieses Namens werde dieser hochgeehrten Versammlung• Würde und Glanz verleihen. Dieser Mann ist der im!Heiligen Lande sowohl als auch in der Diaspora allgemein verehrte Gaon, Zadik und •Kadosch Rabbi Josef Chaim Sonnenfeld. Stürmischer;Beifall unterbrach den Redner, der, anlehnend an das Wort des Wochenabschnittes, האחיכס יבואו למלחמה ואתם תשבו פה, in beredten Worten ausführte, daß es Thorapflicht sei, die Gemeinde von Rabbi Chaim Sonnenfeld und deren Institutionen zu unterstützen und wärmstens zu fördern. Redner dankte auch dem Vorsitzenden Herrn Albert Mainz dafür, daß er dieser schönen Aufgabe seine besondere Fürsorge angedeihen lasse. •Rabbiner Horovitz hob in seiner Rede hervor, daß der Vorstand der Frankfurter israelitisehen Religionsgesellschaft zu allererst mit einem namhaften •Betrag sich dieser Aktion angeschlossen habe; seither sind auch andere führende Gemeinden, wie z. 1B. Wien, Budapest, Preßburg u. m. a., beigetreten. Von rabbinischen Autoritäten waren Oberrabbiner Onderwyzer, Amsterdam, der Halberstädter Raw Dr. Auerbach, der Czortkower Rebbe, der Pinsker Raw, Rabbi Meir Don Plotzki die ersten, die ihren Beitritt als Mitglieder vollzogen haben. Der Präsident der Budapster orthodoxen Gemeinde Abraha׳m v. Freudiger habe erst kürzlich eine erfolgverheißende Aktion in dieser •Sache eingeleitet •und in einer Zuschrift an das Frankfurter!Komitee mitgeteilt, daß er und!seine Kollegen alles tun werden, um ihren Teil an der Be- Schaffung •der dringend benötigten Unterstützung für die Jerusalemer Gemeinde beizutragen. In zündender Rede beleuchtete nachher der Halber- Städter Raw Dr. Auerbach die große Tragweite der in Rede stehenden Gründung. Anschließend an die Worte des Oberrabbiners Jakob 'Meir, in welchen Redner eine schätzenswerte!Kundgebung der höchsten Verehrung für die Persönlichkeit, ,für den hohen Gesinnungsadel und für die erhabene Charaktergröße des rühmlichst bekannten Thorafürsten Rabbi Chaim Sonnenfeld erblickt, führte er aus, daß die tatkräftige Förderung dieser Gemeinde eine unerläßliche Notwendigkeit der Gemeinden in der Diaspora sei und daß auch jeder einzelne an der jüdischen Zukunft des Heiligen Landes mitarbeite, wenn er durch Mitgliedschaft unmittelbar in die jüdische Gemeinschaft von Erez Israel eintrete. Rauschender Beifall der ganzen Versammlung folgte diesen mit geistreichen Thoraworten gewürzten Ausführungen. Herr-!Leopold von, Freudiger,; Budapest, betonte in seiner Rede, daß er. in Jerusalem, selbst von der hohen Wichtigkeit dieser Aktion sich überzeugte. Es freue ihn, Mitglied dieser Gemeinde zu werden, und er wolle gern einen angemessenen Jahresbeitrag leisten. Es folgten!noch eine Anzahl Beitritte, worauf ■sich, die Versammlung in gehobener Stimmung auflöste. In einer gestern unter Vorsitz des Oberrabbiners von Waitzen stattgefundenen Rabbinerversammlung wurde grundsätzlich beschlossen, daß für •die hiesigen Restaurationen ein Dajan. bezw. מורה היראה bestellt werde Zur Ausführung dieses Beschlusses wurde ein fünfgliedriges Komitee unter , dem Vorsitz von Rabbi Meir Don Plotzki eingesetzt. Heber die Kaschrusverhältnisse in den Badern gab es in dieser Versammlung lebhafte Auseinander- Setzungen, wobei auch über den Hamburger Speiseverein verschiedentlich debattiert wurde. Der Vorsitzende des Vereines, der auch zugegen war, hat sich an der Debatte beteiligt. Doch darüber bei anderer Gelegenheit. I. H. . . Wegen Umbau verkaufen daher zunodinie dagewesenen fiefreluzierten Preisen Seidenstoffe: Seidenfoulards, herrliche Dessins . . . S 7.80, 5.80 Seidenkleider, Alpaca gemußt.. S 4.80! 3.80 Crepe de Chine, alle Farben . . . . S 8.90! 5.80 Seiden-Georgette, viele Farben .... S 11.—, 7.80 Ia Shantung, 90 cm breit. S 4.90 Seiden-Wasch-Marokain, glatt und dessiniert, 90 cm breit.. S 4.50, 3.90 Japan Pongis, alte Farben.S 2.90 Schotten-Seidenstoffe ... .S 2.80 Waschwarenlager wird zur Gänze wegen Auflassung total ausverkaufi Tief unter dem Eigenen Kostenpreis l Keine Kunde versäume die günstige Gelegenheit SEIDENHXUSER S Willhsim fc,l״I11[l1Me״811״ö Wir müssen das Lager räumen ,1, Die Erdbebenkatastrophe in Palästina Die Wirkungen des Erdbebens ln Palästina. (J. T. A.) Die Synagoge ״Schnei Luchot“ in der Altstadt von Jerusalem ,ist durch das!Erdbeben so schwer baufällig gewor- •den, daß sje aus Gründen der öffentlichen Sicherheit abgetragen werden mußte. Viele von Juden!bewohnte Privathäuser der Altstadt mußten wegen ßaufälligkeit abgetragen werden. Das Wohnviertel der Samaritaner in Nablus wurde vollständig zerstört. Die Samaritaner, die in Zelten wohnen, sehen dem kommenden Winter mit schwerster Sorge entgegen. Der Aufbau •der 50 Häuser für die insgesamt 50 Familien würde 10.000 Pfund kosten; weitere 10.000 Pfund werden für den Erwerb von Boden u. a. m. •benötigt. 3. Ausweis der Spenden zugunsten; der durch das Erdbeben in Erez Jisroel geschädigten Glaubensgenossen. Auf Grund der Aktion des. K 0 •I e 1 Scihomre 1H a c h 0- ■m o.tih gingen;beim Bratislavaer!Kuratorium folgende Beträge ein; B׳ratislava (2. Sendung.) Bethaus Schiur- Stube •durch Kohn .und iNeuhaus tsc׳h. K 1281; Bethaus Judengasse!59 durch J. Rottenberg tsoh. •K 55; Bethaus ■Prof. Oesterreicher •durch Prof. Oester reicher ■tsch. K 100; Bethaus Nachlas Esriel durch flVIax ׳M. Rosenbaum!tsch. K 345; Oameinde-Beshamidrasch durch Weidmann und Salzer tsch. K 214; Bethaus Mewaksohe Tauro durch!Rabbiner Unsdorfer und Wilhelm tsch. K 212 ׳(•bisher zusammen.״aus..Bratislava,■tsch. 1K.9805). .Ternye: durch. ■Moritz Adler, Presov tsch' K 97. Gälänta 1)׳. Sendung):' durch Oberrabbiner Seidl .tsch. 1K 1060. Guta; durch Giberrabbiner Baum tsch. ׳K 822. M o r-Ostrava: Rabbi.ner Dr. E. Baß tsoh. K 100. Piestany: ׳durch Eugen Abeies tsch. 1K 1300:50. Presov: durch Herrn. Willaer und Samuel Reiner ׳tsoh. ,K 4000. Veiika Revuca: durch Oiberrabbiiner Adolf Atlas tsch. 1K!554. •Sered: durch Markus iKalisch tsch. K 2500. T a l 0 s - V e!z eik y n: durch Heinrich Stern tsoh. K 435. Trnava (2. Sendung): •durch ׳David •Halle tsch. K 300 (bisher .zusammen aus Trnava tsch. K 2300). Zlate Moravce: durch Oberrabbiner Schlesinger'tsch. K 1975. Topolcany (1. Sendung); durch B.!Schlesinger .und M. Zarkover tsch. 1K 1827. Zusammen tsch. 1K 17.177.50. Bisher ausgewiesen tsch. K 66.489.23. Zusammen ׳tsoh. •K 83.302.73. :Berichtigung; •Der ׳im 2. Ausweis •aus iDun. Streda verzeichnete Betrag ist durch Oberrabbiner ׳' Hilel Weinberger .gesammelt worden. VON TAGE Der ״Wunderrabbi“ von Ger. Die breite Masse bezeichnet die Chassiditnführer als ״Wunderrabbis“. Diese Massen verstehen von dem großen meerestiefen Chassidismus und von seinen großen Führern nur die Wunder, die diese Führer sinnfällig beweisen. Diese Massen bewundern nicht so sehr die Frömmigkeit, die Gelehrsamkeit, die mitfühlende Herzensgüte dieser großen Führer, sondern bloß die sinnfälligen Wunder, die dann von Mund zu Mund, ausgeschmückt mit der ganzen Phantasie des naiven Menschen, ihre nie ermüdende Wanderung antreten. Solche Wunder wollte nun die zionistische ׳Presse ihren Lesern vom Gerer Rebben erzählen. Der weltberühmte Chassidimrabbi, der große Führer der Agudas Jisroel, soll anläßlich seiner jüngsten Anwesenheit in Erez Jisroel eine radikale Wandlung mitgemacht ,haben. ,Er k a m noch als der Agudist •ins Land, der vor einigen Jahren in schriftlichen und mündlichen Aeußerungen den zum Zionismus führenden Weg von Oberrabbiner Kuk verurteilt und den Standpunkt von Rabbi Chaim Sonnenfeld für den gerechten erklärt, •plötzlich wird er aber der Anhänger von ׳Oberrabbiner iKuk, den er ostentativ auszeichnet und, weil man schon in die chassidische Atmosphäre einmal hineingetreten •ist, seine Schirajim •unter den Chassidim verteilt. Als!Erklärung dieser plötzlichen Wandlung kann die zionistische Presse kein anderes Motiv finden, als daß ein unverantwortlioher Zelot, der für diese seine unflätige Grobheit vom!Beth- Dirn des Oberrabbiners Sonnenfeld scharf gemaßregelt wird, den Gerer Rebben beleidigt hat. Diese zionistisch-misrachistischen Zeitungen scheuen sich ln ihrem blindwütigen Haß gegen Agudas Jisroel nicht, den Gerer Rebben einerseits als Freund von ׳Oberrabbiner Kuk, somit als Freund des Zionismus, das heißt als Gegner der Aguda aufs Schild zu heben und ihn plöztlich als den weisesten, größten und frömmsten Führer des Judentums zu preisen, anderseits ihn als einen Mann hinzustellen, der wegen der Beleidigung eines unwürdigen, übrigens ganz unbedeutenden und unverantwortlichen Mannes plötzlich seine Weltanschauung ändert und seine früheren Prinzipien verwirft. Noch nie hat sich aber so rasch ■gezeigt, daß Lügen kurze Beine haben. Der Gerer Rebbe besucht vor seiner Abreise Rabbi C.haim Sonnenfeld und Rabbi Eiiah u Klatzkin und fordert außerdem seine Anhänger auf, sich vom zionistischen Waad Leumi loszusagen und an der Bildung einer selbständigen orthodoxen .׳Gemeinde zu beteiligen. Nicht einmal das!harmlose Schirajlm-Teilen von •den Speiseresten Oberrabbiner Kuks kann auf Grund von Zeugenaussagen der Anwesenden aufrechterhalten bleiben. Es blieb bloß — und das ist der versöhnende Ausklang dieser wilden Kampagne, daß nun selbst die Zionisten anerkannt oder zumindest in ihren Zeitungen geschrieben haben, ■daß• der Gerer!Rebbe ׳die stärkste Stütze ■der Aguda, .•der. weiseste, gerechteste, ״ und,. .. fröqimste Führer . .der,.,, chassidischen Massen׳'in Polen *ist. Dies ist'währ. So ist es, obwohl es in zionistischen Zeitungen geschrieben steht. Ein ״gerechtes“ und ״klares“ Urteil. Die jüdische Oeffentlichkeit, besonders aber die Juden in Polen, haben ungefähr seit einem Jahr auf da.s Urteil des zionistischen Parteigerichtes in Sachen der Unterschlagung von über 100.000 Dollar• •im Warschauer zionistischen Palästinaamt gewartet. Endlich wurde vorige Woche das Urteil vom Vorsitzenden Abraham •Podli- ׳schewski, Präsident, •der Zionistischen Organisation!in Polen, verkündet. Nach diesem Urteilsspruch wurde nach einer längeren Beratung auf Antrag des Klageanwaltes Dr.!Barth-Berlin •das Verfahren gegen die bekannten Zionistenführer Dr.!Philipp!Korngrün und ׳Finkelstein, die als Hauptangeklagte des Prozesses figurierten, a u s g eschieden. Gegen eine andere Gruppe der Angeklagten wurde das Verfahren eingestellt, gegen eine dritte. Rabbi Jecheskel Landau. (1713—1793.) III. Aber diese Zeit •der Trübung!im Verhältnis zu ein- •zelnen großen Talmudisten war rasch überwunden. Es dauerte!nicht lange und •die überragenden Geistes- und Herzenseigenschaflen Rabbi Jecheskel Landaus •zogen auch die ׳anfangs Widerstrebenden ,in den Bann des weisen Rabbi, der bald sich einer grenzenlosen, allgemein geteilten Verehrung erfreute. Nicht so .befriedigend gestalteten sich die äußeren Verhältnisse unter denen damals ■die Stadt Prag und insbesondere •die!jüdische Gemeinde •lebten. Ein verheerender Brand, der über •die Stadt und namentlich über die ärmere •jüdische ßevölkereung Elend brachte, hatte eine traurige, gedrückte ■Stimmung erweckt. Rabbi Jecheskel Landau, von Mitgefühl für das Los der in die ärgste Not geschleuderten Armen, •hat in einer •am 19. September 1755 gehaltenen Predigt mit ergreifenden Worten •dem Schmerz Ausdiuck verliehen, •den ihm der Anblick des furchtbaren Elends bereitete. •In •der!Rede, in der er ,mit zündenden Worten an den Wohltätigkeitssinn der Besitzenden appellierte, sagte er unter Tränen: ״Die schwere Ztichtigung, die unsere armen, so schwer heimgesuchten Brüder, •getroffen, hat auch mich hart mitgenommen, da •mich die Vorsehung hiehergebracht, um •das Elend und die Not •der Unglücklichen ׳anzusehen, ein!Anblick, an den ich in Polen nicht gewöhn; war,“ Aber noch trübere Schatten senkten sich auf die böhmische Hauptstadt, ■die durch den Ausbruch des •Krieges zwischen Oesterreich und Preußen, der die österreichische Monarchie mit geringen Unterbrechungen volle sieben Jahre seine Schrecken ׳fühlen •ließ, •gleich zu Beginn besonders ,in Mitleidenschaft gezogen worden war. Die territoriale ‘!Lage der Stadt hatte ihr eine außerordentliche Bedeutung für den Ausgang des Krieges gegeben. Für Böhmens. Hauptstadt, die sich!kaum von den schweren Schlägen zu erholen begonnen, weiche sie dm österreeichisehen Erbfolgekrieg; erduldet, war wieder eine schwere Zeit angebrochen. Wenn es Friedrich II. gelang, Prag früher in seine Gewalt zu bekommen, stand es für die Sache Maria Theresias verzweifelt. Die ׳höchsten Anstrengungen mußten gemacht werden, dieses Schicksal zu verhindern. ■Der hingebungsvolle Eifer, die Ausdauer der ,Besatzung bei den Vorbereitungen für die Abwehr der . preußischen Truppen •fand in der opferbereiten Mithilfe der!zivilen Bevölkerung, die . unermüdlich an •den Befestigungsarbeiten sich beteiligten, ihre wertvollste Unterstützung. In dem Schreiben Maria Theresias •an den Prinzen Karl, den dieser in einem Tagesbefehl zur öffentlichen!Kenntnis •brachte,!hieß es unter anderem: ״Von der Erhaltung der Stadt Prag hängt die Erhaltung des Königreiches, der übrigen Erblande, ja das ׳Heil der römischen Monarchie ab. Die gesamte Armee würde sich ewige Schande zuziehen und sich vor der Nachwelt nie rechtfertigen!können, wenn sie das unterließe oder nicht tun zu können glaubte, was erst vor wenig Jahren in eben dieser Lage die Franzosen mit einer viel geringeren Macht getan.“ Dieser Appell hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Die •ganze Bürgerschaft Prags •hatte Tag •und •Nacht bei der Anlage von Laufgräben, Minengräben 11swu mitgeholfen und die jüdische Bevölkerung war in dem Wetteifer nicht zurüc'kgeblieben. Rabbi Jecheskel Landau war es, der •nicht nur mit Worten ermutigend, sondern auch persönlich werktätig mit seinen kräftigen Armen überall Zugriff •und durch sein Beispiel wie auch durch seine imposante, ehrfnrehtgebietende Erscheinung die staunende Bewunderung der Soldaten erregte. Der Prager Raw hatte sich und seine Bachurim vom Studium ■losgerissen, um im Sinne des Religionsgesetzes, in der patriotischen Pflichterfüllung vor niemandem zurückzustehen. Der weise Rabbi hatte schon den tiefen •Einblick in die Verhältnisse gewonnen, um zu wissen, daß seine Glaubensgenossen, die zu seiner Zeit in den österreichischen Staaten infolge der ,böswilligen Wühlarbeit der Judenhasser immer gefaßt sein mußten, Opfer der Verleumdung und des Fanatismus zu werden, immer bedacht sein •müßten, durch .verdoppelte Treue und erhöhteste Pflichterfüllung sich den Schutz der •Machthaber zu sichern. Maria Theresia war keine Judenfeindin, sie war aber noch ferne von der Vorurteilslosigkeit, zu der sieh der!hohe Geist ihres edlen Sohnes Josef II. erhob. Rabbi Jecheskel Landau war •der. leuchtende Wegweiser für seine Gemeinde, wie überhaupt für die Juden in Böhmen, die sich!in •den!Zeiten •der kriegerischen Bedrängnis des Staates, •für •die;ihnen vorenthaltene Gleichberechtigung durch verdoppelte Pflichterfüllung ■auszeichneten. Am 22. Dezember 1755 wurde nach!behördlicher Genehmigung im /Beisein der Gemeinde vor den geladenen!hohen Staats- Würdenträgern unter feierlichen •Zeremonien vor der!geöffneten' Bundeslade vom Oberrabbiner der große Bann gegen alle ׳jene ausgesprochen, •die sich ■auoh •nur •der gelängsten Untreue gegen!Kaiser •und Reich ziischulden!kommen ließen oder auch nur i׳m entferntesten eine solche begünstigen würden. Rabbi Jecheskel Landau und die Vor- Steher der Prager Gemeinde!hatten in kluger Voraussicht das ihrige getan, •um ■den privilegierten Verleumdern der Judenfeinde die Arbeit zu erschweren. Interessant ■und von geschichtlicher Bedeutung für die glau'benstreuen Juden ist die!Haltung, die Rabbi Jecheskel Landau einnahm, als nach dem Edikte Jesefs HI. auch die Juden, obgleich nicht gleichberechtigt, gleich den •anderen Staatsbürgern!zum persönlichen Militärdienst verpflichtet wurden. Die Ansprache, die Rabbi Jecheskel!Landau •an die!jüdisohen Soldaten hielt, ■enthält •unter anderem auch folgende Stellen: ״Meine Brüder, die ihr immer meine Brüder wäret, noch jetzt es seid und sein werdet, so lange ihr fromm und rechtschaffen handelt. G-tt und unser allergnädigster Kaiser wollen, daß ihr zum Militär, genommen werdet. Schicket euch daher in euer Schicksal, folget ohne!Murren, seid treu aus Pflicht und geduldig aus Gehorsam. Vergesset aber nicht eure Religion. Schämet euch nicht, Juden zu sein unter so vielen Christen. Betet zu G-tt täglich bei eurem Aufstehen. G-ttesdienst geht vor allem. Der Kaiser

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