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Jüdische Presse · 1927-07-29 · 30 (29.7.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
30 (29.7.1927)
Date
1927-07-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 30 JÜDISCHE PRESSE Seite 193 Deutsche. Tschechen, Polen, Jugoslawen, Ungarn, Rumänen Die Erdbebenkatastrophe in Palästina. Die Schlußbilanz des Erdbebens. (ITA.) Nach dem Bericht des britischen Oberkommissars für Palästina sind 200 Personen getötet, etwa 750 Personen mehr oder weniger schwer verletzt und 1000 Häuser schwer bcschädigt worden. Der an den Eisenbahnen angerichtete Schaden beträgt bis zu 2000 ägypt. Pfund. In Trans- Jordanien wurden durch das Erdbeben 68 Personen getötet und etwa 100 verletzt. Das Hilfswerk. (ITA.) Unter Führung der Regierung wurde in Palästina ein Zentralhilfskomitee gebildet, welches das Unterstützungswerk für die Opfer der Erdbebenkatastrophe leiten wird. Colonel Symes, der stellvertretende Oberkommissär, hat die Präsidentschaft dieses Zentralkomitees übernommen. Der Papst hat an den lateinischen Patriarchen in Palästina, Monsignore -Barlassina, 50.000 Lire zur Hilfe für die Opfer des Erdbebens gesandt und gebeten, ihm einen ßerieht über die an den Heiligen Stätten vorgekommenen Schäden zu senden. Der G r 0 ß-M 11 f t i hat einen Appell an alle mohammedanischen Länder gesandt, in welchem um Spenden für die Opfer des Erdbebens gebeten wird. In dem Appell wird mitgeteilt, daß durch die Katastrophe ein Schaden •in •der Höhe von vier Millionen Pfund eiltstanden ist. Allein in Nablus beträgt der Schaden 1 Million. Die Regierung hat das Angebot des Stadtrates von Tel- Aviw, freiwillige Arbeiter nach Nablus zur Wiegschaffung der Trümmer zu entsenden, dahin beantwortet, daß die von der Regierung gestellten Arbeiter für diesen Zweck ausreichen. Frankfurt am Main.!Die von der Palästinazentrale der Agudas Jisrocl veranstaltete Hilfsaktion für die durch das Erdbeben in Palästina Geschädigten hat überall ein starkes Echo gefunden, besonders ist die rege Tätigkeit der schweizerischen und der französischen Landes- Organisation sowie ein warm gehaltener Aufruf der Breslauer Ortsgruppe zu erwähnen. Zu den Gebäuden, welche durch das Erdbeben stark gelitten haben und erst nach kostspieliger Renovierung wieder beziehbar sind, gehört auch das Gebäude der dritten Abteilung der agudistischen Mädchenschule in der Jerusalemer Altstadt und eine Abzweigung der agudistischen Bne Zion-Schule!im bucharischen Stadtviertel. Die Hilfsaktion in Wien. In!Wi e n;bildete sich ein Hilfskomitee der Vereinigten orthodoxen 13 e t h ä u s e r. Die erste Konferenz fand Montag, den 25. Tammus in der Kanzlei der!Adas Jisroel unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Dr. J. Pi ringer statt. Es wurde!beschlossen, in allen Bethäusern, wie in den österreichischen Kurorten für die Opfer der Erdbebenkata- Strophe in Erez Jisroel zu sammeln. Die Zentralstelle der Sammelaktion befindet sich in der Kanzlei der Adas Jisroel. Die Hilfsaktion in der Slowakei. 2. Ausweis der Spenden zugunsten der durch das Erdbeben in Erez Jisroel geschädigten Glaubensgenossen. Auf Grund der Aktion des Kolel Schomre Hachomoth gingen beim Bratislavaer!Kuratorium folgende Beträge (tschech.!Kronen) ein: Bratislava: Aut. Orth. Isr. Kultusgemeinde 2000, Tempel Preysgasse durch David Koth 3200, ßethaus Turnergasse durch M. W. Friedmann 1678, Bethaus Stefaniestraße durch Markus Weiß 365, Bethaus Lwuw durch Schimmerling und Farkas 100, Bethaus Tmime Dcrech durch Sämek und Adler 120, Bethaus Volksküche durch Heinrich Ullmann 135, Brezno durch Armin Lustig 1105, Brezovica durch Oberrabbiner Braun 270, Sp. Bela durch!Kleinberger 430, Cuz durch Oberrabbiner Fürst 2510, Dobsina durch Moritz Greschler 1077, Dun. Streda durch Orth. ׳Isr. Kultusgemeinde 4203.60, Filakovo durch Oberrabbiner Jungreis 1171.35, Francovce durch Armin Kohn 500, Galanta durch Oberrabbiner Buchsbaum 2635, Hanusovcc n. Topl. durch David Kohn 2044, Jacovce durch Nathan Weiß 200, Joka durch Oberrabbiner Lebovits 282, Kezmarok durch Oberrabbiner Grünburg 3000, Lucenec durch Oberrabbiner Unsdorfer 1881.90, Matovce durch Jacob Friedmann 153.50, Velky Meder durch Majer konnte mit vollster Beruhigung voraussetzen, daß jeder Altmann auch für das viele dazu nötige Zeitumlhwniö Altmann auch für das Amt eines Vorstehers die nötige Eignung und Erfahrung, aber auch die ׳viele dazu nötige Zeit zur ׳Verfügung haben werde. Jetzt haben sich diese Verhältnisse gewaltig verändert.!Die Wahlmänner bekommen ein langes Verzeichnis von etwa 600 Altmännern zur Auswahl. Aber ist eine solche Auswahl auch wirklich vorhanden? Sind nicht die meisten im Verzeichnisse enthaltenen Altmänner eigentlich nur bloß Sekenim mijad (Altmänner mit Verzicht), das heißt durch den so sehr veränderten Beruf verhindert, oder wegen Mangel an Erfahrung nicht ׳imstande, ein solches Amt anzunehmen und auch wirklich pflichtgemäß zu erfüllen? Hier wäre vielleicht ein Schutz vor Mißgriffen dadurch möglich, daß in der der Wahl vorhergehenden Generalversammlung von Leuten oder für Leute, welche ein verantwortungsvolles Amt zur gewissenhaften Ausführung auch übernehmen möchten und könnten, Kandidaturen vorgebracht werden, damit die Wiahlmänner aus diesen Kandidaten dann ihre Auswahl treffen können. In der letzten Zeit sind Bestrebungen zutage getreten, welche unter dem Vorwände der Modernisierung eine Aenderung dieses Wahlmodus fordern. Aber das jetzt Moderne bewährt sich so schlecht, daß es auch sehr bald unmodern wird und bei der Chewra Kadischa wäre dieses Moderne am wenigsten am Platze. Politik oder Parteien- Zwietracht in den altbewährten Ritus, in den stetigen Frieden im Vorstande der Brüderschaft zu bringen, wäre Sünde, denn hier sollen ja nur Sekenim, der Tradition treue Männer walten, Juden, nur Juden ohne Parteistellung, ohne Politik. Ueberall bemüht man sich, Altertümer zu finden, auszugraben, zu erhalten. Hier ist ein Altertum vorhanden, das sich trotz seines hohen Alters sehr jugendfrisch bewährt, so daß es vielleicht bald einmal wieder auch modern werden könnte. Muß das nicht erst recht erhalten werden? Im wahren Interesse des Judentums soll und muß in der bisherigen, so sehr bewährten Weise erhalten und vor Parteienhader bewahrt bleiben die Chewra als wirklich Kadischa. Wilhelm Wertheimer. InratHein alle, die Seidenstoffe gut und billig kaufen wollen, besorgen ihren Einkauf in den 2 Sfiiiran I., Tuchlauben 8 und I., Bauernmarkt 2a Wir verkaufen zu fabelhaft billigen Preisen: Kielder-Foulaid, prachtvolle Dessins.S 9.—, 6.50 Crepe de Chine imprimö. . . . . 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Sammlung) durch Oberrabbiner Grünfeld 1000, Sahy (Nachtrag) durch Oberrabbiner Anton Weiß 50, Tornala durch Simon Teitelbaum 1340, Trnava (1. Sammlung) durch David Halle 2000, Vranov (1. Sammlung) durch Abraham Spira 1100; zusammen 49.489.23. Bisher ausgewiesen 16.636, zusammen 66.125.23. 0:0.0 Vom Tags r.-W-T.Ti.*-־׳;. LViViV: Fortdauer der Kontroverse zwischen Louis Marshali und Stephen Wise über die jüdische Rechtsschutzkonferenz. (J. T. A.) •Herr Louis M a r s h a 11, Präsident des American Jewish Committee, setzt in einer Erklärung an die Presse seine Polemik gegen die Veranstalter des Kongresses zum Schutze der jüdischen Rechte, der im August in Zürich stattfinden soll, fort. Er erkennt die Verdienste des Komitees der jüdischen Delegation in Paris um die Verwurzelung der Minderheitsrechte in den Friedensverträgen an und fixiert auch die Rplle des American Jewish Committee, welches, da auch Amerika an dem Kriege teilnahm, nicht zögerte, an dem Kongreß zur'Sicherung der Minderheitsrechte in den Verträgen teilzunehmen, damit der Einfluß der amerikanischen Judenheit ins Gewicht falle. Die Behauptung von Stephen Wise, daß ich •gegen die Sicherung der Minderheitsrechte war, ist darum absurd. Louis Marshall schildert dann die Vorgänge auf dem ersten American- Jewish-Kongfeß, der im Dezember 1918 tagte, und berichtet, daß die Ausschüsse vollkommen untätig waren, und daß erst durch sein, Marshalls, Eingreifen, eine intensive Arbeit!zur Skizzierung der Bedürfnisse der Juden in Polen, Rumänien, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Rußland und in anderen Ländern begann. Marshall wurde zum Präsidenten aller Komitees gewählt und überreichte dem Kongreß einen vom American Jewish Committee ausgearbeiteten Plan, der einmütig angenommen wurde. Das Projekt bezog sich auf Bürgerrechte, politische und religiöse Rechte. Die Majorität wünschte eine Garantie der ״nationalen“ Rechte. Dagegen hatte Marshall Einwendungen erhoben. Es wurde sodann eine Delegation •gewählt, die den Kongreß in Paris vertrat. Mit Absicht sollte ich nicht hineingewählt werden. Im letzten Augenblick aber erinnerte man sich, daß das American Jewish Committee noch lebt, und so wurde ich ״auch“ einer der Delegierten. Als Präsident Wilson anfangs März 1919 •nach Washington zurückkehrte, wurden ihm zwei Eingaben, eine über Palästina, eine über Minderheitsrechte, überreicht, die beide von Richter Mack, Dr. Wise und mir unterzeichnet waren. Von allen diesen Vorgängen hat Dr. Wiise, der damals in Paris weilte, keine ■Kenntnis. Er war also am wenigsten berechtigt, mir einen Antagonismus gegen jüdische Minderheitsrechte nachzusagen. Wenn allmählich ein Prozeß der Wandlung in mir vorging, so bezog sich diese Wandlung nicht auf meine Ueberzeugung bezüglich der Notwendigkeit von Minderheitsrechten, für welche ich mit ungeminderter Leidenschaft kämpfe. Dieser Erziehungsprozeß hat in mir nur die Ueberzeugung gestärkt, das es Dinge ׳gibt, über die nicht in öffentlichen Versammlungen und durch Plebiszit entschieden werden kann. * Der Zentralverein und die jüdische Rechtsschutzkonferenz. ׳(JTA.) Das Organ •des Zentralvereins •deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nimmt in seiner soeben erschienenen ׳Nummer 29 grundsätzlich ׳zur ״Konferenz zum Schutze der ׳jüdischen Rechte“, die .im August in Zürich stattfinden soll, Stellung.!Nach einer Darstellung der ׳historischen Entwicklung heißt es zum Schlüsse: Wir deutschen Jai'den müssen ,laut unsere ׳Stimmen erheben: 1W!i r h aib e n rn i t diesem Kongreß nichts z u t u n. Er ist keine Vertretung der Judenheit der Welt und :insbesondere nicht der deutsc h e n Jude n.“ Abermals künstliche Verteuerung der Esrogim. Die Esrogimernte in Griechenland verspricht in diesem Jahre qualitativ und quantitativ außergewöhnlich gut zu sein. Die Esrogim dürften demnach weit unter dem normalen Friedenspreis zu erlangen sein. Um einen solchen Niedergang der Preise künstlich zu verhindern, fand vor einigen Tagen in Köln a. Rh. eine geheime Beratung einiger jüdischer und nichtjüdischer Engrossisten und Pflanzer statt. An der Zusammenkunft waren interessierte Kreise der Esrogimspekulanten aus Deutschland, Slowakei, Polen 11. a. vertreten. Auch aus Amerika lag die schriftliche Zustimmung eines Großhändlers vor. Man kam überein, in diesem Jahre wieder ein Konsortium der Großhändler mit ausreichendem Kapital zu gründen und faßte ins Auge, die gesamte Fechsung an Esrogim und Palmen abzukaufen, aber nur einen geringen Teil davon auf den Markt zu bringen. Mit den griechischen Pflanzern wurden sogleich Verhandlungen nach dieser Richtung ungebahnt. — Wie wir vernehmen, werden anderseits zum Schutze der Esrogimkonsumenten rechtzeitig geeignete Maßnahmen getroffen werden. Antisemitica. Numerus-Clausus-Debatte im ungarischen Oberhaus. In dom ungarischen Oberhausc hielt Herr v. Ber!zeviczy, im Verlauf der Generaldebatte über den Staats- Voranschlag eine mit großer Aufmerksamkeit angehörte Rede. Ein zahlreiches Auditorium, in welchem u. a. auch die Erzherzoge Josef und Josef Franz, Ministerpräsident Graf Bethlen und Unterrichtsrninister Graf ,Klebels'berg bemerkt wurden, lauschte gespannt seinen Worten. Er befaßte sich mit gewissen rückschrittlichen Gesetzen der Restaurationszeit und sagte: ״Zu erwähnen wäre noch die Wiedereinführung der Prügelstrafe, die aber zur praktischen Anwendung gar nicht gekommen ist und alsbald wieder außer Kraft trat. Und zu erwähnen ist ferner als ein» Schöpfund dieser Restaurationszeit der Numerusii clausus, eine nach meiner Auffassung nicht glückliche Maßregel, die mehr Schaden als Nutzen angerichtet hat. Es wirkt beruhigend, daß die heutige Regierung bereits keine prinzipielle Gemeinschaft mit dieser Schöpfung übernimmt, sie als eine Uebergangsmaßregel betrachtet und ihre Ab- Schaffung als wünschenswert bezeichnet, sich nur über den Zeitpunkt dieser Abschaffung einer Aeußerung enthält.“ Jüdische Hilfe für die Opfer des Numerus clausus. (JTA.) In der ״C. V.-Zeitung“ Nr. 25 macht Dr. Hugo Spiegler in seinem Aufsatz ״Der Numerus clausus als jüdisches Problem“ folgenden beachtenswerten Vorschlag.־ ״. . . Die Drahtzieher der Numerus-clausus-Bewegung haben ihre Stellungen so zu festigen verstanden, daß die dringendste Gegen maßregel die ist, den Schaden, den sie anrichten, wieder gutzumachen. Und kann man, ja muß man die Abwehr den jüdischen Organisationen der einzelnen Länder überlassen, so erheischt die zweite Aufgabe die Teilnahme der von der Gefahr selbst allerdings nicht unmittelbar bedrohten Juden Deutschlands. Besitzen diese doch im Hilfsverein der deutschen Juden ein wirksames Instrument zur Organisierung und Finanzierung einer jüdischen Wanderbe wegung. Die jüdischen Studenten, denen die Hochschulen ihres Landes verschlossen sind, müssen in die Lage versetzt werden, ihren — gut jüdischen! — Wissensdrang an den Lehrstätten des Auslandes zu befriedigen. Man wird be[ den jüdischen Studenten Zusammenballung an gewissen bevorzugten Hochschulen vermeiden, weil sonst die Erschöpfung der Aufnahmefähigkeit dieser Schulen leicht ähnliche Erscheinungen hervorrufen könnte wie die, durch die die jüdischen Studenten aus der Heimat vertrieben wurden. Es wäre sogar ratsam, wenn jeder einzelne Student die Hochschule öfter wechseln könnte. Das wäre auch für sein Studium nur vorteilhaft und würde sein geistiges Gesichtsfeld bedeutend erweitern. Auf diese Weise würde der Numerus clausus einiger Länder den jüdischen Studenten statt der beabsichtigten Schädigung geradezu Segen bringen, da ein Diplom der Universität von Oxford, Paris odei Heidelberg zumindest die gleiche Empfehlung in der Welt bedeutet als eines aus Jassy oder Wilna. Die Verfechtei des Numerus clausus würden wohl in ihrer Begeisterung sehr rasch erlahmen, wenn sie erkennen müßten, daß ihre Methoden des ״Rassenschutzes“ gerade das bewirkt haben, was vermieden werden sollte: daß die jüdischen Studenten ihren christlichen Kommilitonen gegenüber zumindest gleichwertige Bildung besitzen. Wie rasch ihnen diese heilsame Erkenntnis vermittelt wird, hängt von der Bereit- Willigkeit des Judentums ab, die von mir hier vorgeschlagenen Wege zur Rettung der in ihrem Lerneifer bedrohten jüdischen Intelligenz einzuschlage n.“ 131 Nachrichten. Die jüdischen Toten des Wiener Schreckenstages. (JTA.) Wie aus •dem Friedhofsamt der israelitischen Kultusgemeinde mitgeteilt wird, sind •dort!bisher nur drei jüdische Opfer des Aufruhrs gemeldet worden, ׳und zwar Emil Koppsteiu, 26 Jahre alt, Schlosser, Artur Kreisky,!Kaufmann, und Jakob Jellinek. Von diesen wurde Koppsteiu!gemeinsam ׳mit den anderen ׳Getöteten am Mittwoch nachmittags auf ■dem Zentralfriedhof ■begraben. Bezüglich Jellineks sind bisher keine Dispositionen getroffen worden. Artur Kreisky •wurde gestern vormittags auf dein jüdischen Friedhof!zu Grabe getragen. Das!Leichenbegängnis wurde von der iKultusgemeiride In würdigster Weise veranstaltet. Wertvolle jüdische Archivsätze vernichtet. (JTA.) Bei dem Brande im Wiener Justizpalast wurden Hunderttausende Akten und Dokumente jüdischen Inhalts von außerordentlich :historischem Wert vernichtet. Erst in den letzten Jahren begannen jüdische Historiker mit der Sichtung dieses Materials, das ungefähr sechs Millionen Aktenstücke umfaßte; der größte Teil blieb undiircliforscht und ging nun der jüdischen׳ Geschichtswerfcuug verloren. 111 den!Archiven des niedergebrannten Justizpalästes befanden sicli unter anderem• folgende jüdische Materialien: alle Dokumente betreffend die jüdische Bevölkerung Galiziens und der Bukowina ln den Jahren 1772 bis ISO□; das gesamte A'ktenmaterial betreffend die Juden Mährens, Böhmens, Schlesiens, Transsylvaniens sowie aller österreichischen Urprovinzen einschließlich Wiens der letzten vier Jahrhunderte. Historisch sehr!bedeutsam waren die Akten des einstigen ״Judenamtes“ aus der Taleranzzeit. Ferner wurden vernichtet die Doikumente der jüdischen Geschichte in Venetien und den übrigen׳ ,einst von Oesterreich beherrschten italienischen Provinzen sowie sehr viele jiidisehe Dokumente aus den Archiven der alten!kaiserlichen Hauiptkauzleien, der Vorläufer der späteren Ministerien. Vernichtet wurden die geheimen Palizeiarchive Josef ״11׳ die!zahlreichen Geheimberichte über ׳historisch-jüdische Persönlichkeiten, Sekten und politisch-religiöse sowie kulturelle Bewegungen im österreichischen Judentum sowie alle Ministcrratsprotokolle über wichtige ׳jüdische Augelegenlieiten seit 1846; alle Referate der •Provinzstatthaiter über die Lage der Juden und ihre berufliche Schichtung. Pressprozess Stern—Griinwald. Hetr Otto Stern und Herr Malkiel Grünwald erklären gegenseitig, daß sie ilirer peisönllclien Elire durch die bisher erschienenen Zeitungsartikel nicht nahetreten wollten, daß sie auch keine Veranlassu g haben dies zu tau und nehmen mit Bedauern die in den Artikeln gebrauchten Ausdrücke zurück. 7498

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