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Jüdische Presse · 1927-05-13 · 19 (13.5.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
19 (13.5.1927)
Date
1927-05-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 136 JÜDISCHE PRESSE Nr.. 19 in Jeder Fasson A. SACHSEI., Wien, II. Zentrale Taborstrasse 39 H Versand nach allen Staaten und das Herz wollen, aber die Hände zu schwach sind, die materiellen Mittel fehlen, dann mußt du hingehcn und helfen.“ Redner schilderte die Miihsalen, denen er bisher bei der!Keren Hathora-Arbeit in Oesterreich begegnet sei. Ihm ging es wie dem großen Rebbe, der sich mit zwei großen Säcken für seine Wanderung, wo er für die anderen sammelte, ausgestattet hatte. Der Sack für Schfichas Dotnirn wurde voll, der für Geld blieb leer.!Möge es bei der neuen«.Verwaltung, umgekehrt sein! Rabbiner ׳Neuw i׳r:t h, referierte über den. Stand der Talmud Thö.räs• in Deutschösferreich. Zirka 2360 Kinder erhalten in 22 Anstalten Unterricht, im ganzen könnten 10.000 •Kinder erfaßt werden. Es würde ,Aufgabe der neuen Keren Hathora- Landesverwaltung sein, unter Benutzung der Schullisten und durch Werbung von Haus zu Haus, die noch fernstehenden )Kreise zu erfassen und die Mittel dadurch aufzubringen, daß tnan die begüterten Eltern zur Zahlung eines je nach Vermägensverhältnissen gestaffelten Schulgeldes ,veranlaßt. Ueber die Bachurim-Aktion des T i f e r e s 6 a c h u r i m erstattete!Herr David Breuer Bericht Es werden •monatlich über S 2000 für diese Aktion ausgegeben und ausschließlich in Wien aufgebracht. Das Prinzip, nur Wiener junge Leute aus dieser Aktion zu unterstützen, ist durchbrochen worden, indem auch samtliehe hiefiir geeignete Bachurim aus dem Badener Waisenhaus der A. J. durch den Tiferes Bachurim, während ihres Jeschiwah-Aufenthaltes, versorgt werden. Alsdann referierte W. S. Jacobson-Hamburg über die ״Maßna'hmen zur Förderung des Keren ,Hathora in den einzelnen Ländern“. Das Referat, welches sich auf den in Deutschland und anderen westlichen Ländern gewonnenen Erfahrungen aufbaut wurde der neuen Landesversammlung als Material überwiesen. Vor!Eröffnung der Generaldiskussion . richtete der ■Mattersburger Oberrabbiner 'Ehrenfeld aus einem um die Zukunft der Jeschiwaus in Oesterreich tief besorgten Herzen Worte der Mahnung und!Ermunterung an die Versammelten, ln der nunmehr eirisetzenden Generaldiskussion wurden außerordentlich wertvolle Anregungen für die zukünftige Arbeit, iusbesondere durch die Herren A. Kamm, Oscher Stroh, Alfred Stroh, Leopold Lederer gegeben, mannigfache Anfragen an die Leitung über den Verteilungsschlüssel usw. gestellt. Zu den Fragen nahm Herr Dr. Deutschländer nochmals in einem ausführlichen Referat erschöpfend Stellung, während die Anträge, u. a. Anlegung der Maaserlisten, Einreichung des ■Daf Jaumi-Groschens,' zweimal wöchentlich Büchsensammlungen im Schul usw., der Zentrale und , der neugewählten Landesverwaltung als Material überwiesen wurde. Diese setzt sich nunmehr aus den aktivsten!Persönlichkeiten und fünf Vertretern der Jugend zusammen. Das läßt erhoffen, daß die Resolution in Bälde verwirklicht werden wird, welche die Versammlung am!Schluß der Tagung einstimmig faßte: ״D i e ׳i 11 Wien •am 6. I j a r 5687 versammelte Konferenz des österreichischen Keren H a t h 0 r a ersucht die ■Keren H a t h o r a- Zentrale, unverzüglich alle Schritte zu ■unternehmen,, um eine lebensfähige Keren H a t h 0 r a-L andesorgani s׳a t i 0 n zu gründe 11, •unter Verwertung der ■auf dieser Ko nf e r e 11 z gestellten Anträge und gegeben e n Anregungen. Sie bittet die ehrwürdigen $ a b b 0. nim, die Vors t eh er der Sy n a go g e n, die Baa 1 e Battim ■und die Jugend, sich mit -aller Kraft in den!D i e n s t ׳ d i e s e r!R e o r g a n isierurig zu stellen. Oberrabbiner Fürst beschloß die Tagung mit einem herzlichen Thorawort. Unter Hinweis auf Gedanken, die in der von der deutschen Aguda-Jugend jüngst heräusgegebenen Festschrift zum!Ausdruck gebrächt worden sind, endigte er:.״Das, was wir heute gehört und gesehen haben, möge uns zum nachdenklichen Erinnern bringen und aus diesem Nachdenken und Gedenken möge eine starke jüdische Tat erblühen. Und so rufe ich Ihnen zu: Chachomim hisoharu bediwrechem. Ihr Weisen seid glänzend in euren Worten und noch glänzender •durch eure Taten . . .“ Im Anschluß an ■die Tagung fand abends 9 Uhr in der T oynbe e-H a 11 e, in deren Räumen erst vor wenigen Tagen die erste Wiener Bet 11 Jako b-S c h u 1 e eröffnet wurde, ein Massenmeeting statt, bei dem W. S. Jacobson vor dem Publikum des XX. Bezirkes über das Thema sprach: ״Was fordert der Keren Hathora vom jüdischen Mann, von der jüdischen Frau und was gewährt er ihnen.“ Dornenlese. Das österreichische Zentralbureau des ״Jüdischen Nationalfonds“ bittet uns, folgende ■Berichtigung zum Abdruck zu bringen: Sie haben ■in Ihrer Nummer 10 vom 11. März 1927 einen Aufsatz ״Blumenlese“ von ■Rabbiner Josef!Adler, Schäßburg, veröffentlicht, der unter Anderem (auf Seite 75) folgenden Passus enthält: . ״Der Nationalfonds begnügte sich gar nicht damit, sein Eigentum zur Erbauung der Universität hinzugeben, er machte es sogar zur Bedingung, in der Schenkungsurkunde, zur Conditio sine qua non, daß auf der Universität Bibelkritik, Atheismus gepredigt werden müssen.“ Wir haben pflichtgemäß unserem Hauptbureau in Jerusalem Mitteilung von Ihrem Artikel •gemacht und auch ein Exemplar übersandt. Wir erhielten darauf eine Mitteilung, die wörtlich lautet: . ״Diese Nachricht ist vollständig unwahr. Der Keren Kajemeth hat gar keine!Bedingung daran ge- . knüpft ■und auch keine anderen bezüglich des Unterrichts an der Universität.“ Zu dieser Berichtigung wie zu den Angriffen der zionistischen Presse nimmt unser gesch. Mitarbeiter, Herr Oberrabbiner Josef Adler, im folgenden Stellung. D. R. Mein ״Blumenlese“ iiberschriebener Aufsatz, der in der 10. Nummer dieses Blattes erschien, hat wohl in allen Kreisen, in denen angestammte Liebe und Treue zum Thorajudentume heimisch sind, einen guten Eindruck hinterlassen. Von verschiedener Seite wurde ich zur griindliehen , und sachlichen Kritik beglückwünscht und zur Fortsetzung der Arbeiten dieses Genres ■aufgemuntert. Daß ich mit meinen Behauptungen den Nagel auf den Kopf getroffen habe, wird nicht so sehr durch den Beifall bc- ,wiesen, den der bezeichnete Artikel auf gesinnungstüchtiger Seite einheimste, sondern durch das Zetergeschrei im zionistischen Lager, das als wildes Echo meiner Ausfiihrungen im Blätterwalde der zionistischen Presse in mannigfaltigen Abtönungen zu vernehmen ist. Selbst der in Jerusalem'erscheinende ״Hahed“, der sich sonst so rechte Mühe gibt, seine Neutralität zu wahren und tatsächlich allen Strömungen und Bestrebungen innerhalb des Weltjudentums kaltblütiges Verständnis entgegenbringt und seine fletschenden Zähne nur dann in Millimeterumrissen zeigt, wenn er den Waden der Agudas Jisroel in bedenkliehe Nähe rückt: selbst dieses Organ schüttelte, ganz aus der Rolle fallend, seinen lange verbissenen Grimm auf die Agudapresse aus, indem es mit ■zentnerschweren, nicht besonders sauberen Efdinassen um sich wirft und den Pfützenschlamm geschwollener Jounalistenphrasen hoch aufspritzen läßt. Vollends die Bezeichnung . ״Boden- Urilpii&fe,. von 1 Sack 50 kf .ängefänjjiön ffätiko Hafis, ebenso in fuhren und Wätfpns JULIUS »<A&ER §1 . Kohlenlittet Köksgi^ößhändluhäf Nordbahnrutschen Wien, II., Taborstraße 9 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Fernsprecher Nr. 41-0-22 fetischismus“ bringt die Redaktionsherren des ״Hahed“ so außer Fassung, daß sie in tingczähmter Wut sogar den , Versuch machen, mit dieser Feststellung zu polemisieren, was sie bezüglich aller anderen in meinem Aufsatze festgelegten Tatsachen wohlweislich unterließen. Denn: ״Dicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen.“ Und auch dieses einzigemäl, wo ״Hahed“ polemisieren möchte, gelang es ihm schlecht. Er ‘ meint nämlich, wer die Bodenerlösung des K. K. ״Bodenfetischismus“ nennt, der leugne die Thora, breche mit den jüdischen Traditionen und sei kapabel, gelegentlich selbst den Sabbat und alle Heiligtümer Israels zu verraten. Allerdings ein Weg, den die Verherrlicher des K. K. nicht mehr zurückzulegen brauchen, denn ihnen selbst unbewußt haben sie diesen Gang schon gemacht, sie nehmen die auf dem vom Nationalfonds ״erlösten“ Boden getriebene massenhafte Sabbatschändung und Heiligtumsentweihung ruhig mit in den Kauf und messen ganz phlegmatisch den ״erlösten“ Boden und jauchzen beim Gedanken, wie sich Dunam an Dunam reiht und hören in ihrer Selbstbetäubung nicht den Jammerruf des Propheten: ״Wehe, daß sie Haus an Haus schließen und Feld an Feld reihen!“ Jawohl, so laut wie nur immer möglich wiederhole ich meinen Ausspruch, daß die ״Erlösung“ des Bodens bei gleichzeitiger Knebelung der Thora Bodenfetischismus ist. Wer in dieser ״Erlösung“ die Pflicht von ״Gcula titnu loorcz“ betätigt findet, der hat fürwahr in seiner Verblendung megalle ponim bethora schelo kehalacha gewesen, auf den passen die Bezeichnungen des ״Hahed“, ' daß er die Thora^ verhöhne und mit den Aussprüchen unserer alten Weisen Spott treibt. Allein, ich muß meine Behauptung, daß ״Hahed“ nur gegen einen Passus meines Aufsatzes zu polemisieren wagt und sich sonst im Schimpfen gütlich tut, gleich richtigstellen. Diese meine Bemerkung bezog sich nämlich auf die Auslassungen des ״Hahed“ an leitender Stelle. Im ersten Wutausbruch entging ihm eine scheinbar verwundbare Stelle in der ״Blumenlese“. ' Als er sich sein Mütchen ein wenig gekühlt und den aus der ״Blumenlese“ ausgehenden Duft noch einmal einatmetc, da fiel ihm tatsächlich der Passus ins Auge, der etwas unklar gehalten ist und zu einem Mißverständnis Anlaß . geben könnte. Auch das Zentralbureau des K. K. für Oesterreich stieß sich daran und ersucht in höflicher Weise um Richtigstellung. Es heißt nämlich in der ״Blumenlese“: ״Der Nationalfonds begnügte sich gar nicht damit, sein Eigentum zur Erbauung der Universität hinzugeben, er machte es sogar zur Bedingung in der Schenkungsurkunde, zur conditio sine qua non, daß auf der Universität Bibelkritik, Atheismus gepredigt werden müssen.“ Das Wiener Zentralbureau wandte sich um Aufklärung bezüglich dieses Punktes an das K. K. Hauptbureau in Jerusalem, das in seiner Antwort folgende Rektifikation einsandte, mit dem Wunsche, daß sie in ursprünglicher Fassung in der ״Jüdischen Presse“ abgedruckt werde, was hiemit auch geschieht. ״Diese Nachricht ist vollständig unwahr. Der K. K. hat gar keine Bedingung daran geknüpft und auch keine anderen bezüglich des Unterrichts an der Universität.“ Ich will mich nicht in die Aufhellung der orakelhaften Dunkelheit dieses Satzes einlassen. Mir hätte eigentlich die Erklärung, daß der K. K. gar keine Bedingung daran geknüpft,, vollauf genügt und ist mir ganz unerfindlich, welchen Sinn der Nachsatz: ״und auch keine anderen“ ,haben soll. Der Vordersatz: ״gar keine Bedingungen“ ist Mutter und Töchter. (Einige Betrachtungen nachdem Muttertag.) Es ist in diesen Tagen viel über die Liebe der — Kinder zur Mutter geschrieben worden. Anlaß hiezu gab die Veranstaltung des Muttertages, einer im Jahre 1910 entstandenen Institution, die ihre Heimat in dem nicht gerade durch seine Sentimentalität berühmten Amerika hat und nun auch in den europäischen Ländern immer populärer wird. Die Mission dieser Feier soll darin bestehen, daß an diesem Tag die Kinder sich mit besonderer, auch durch Geschenke maskierter und unterstützter Zartlichkeit den Müttern nähern und bei dieser Gelegenheit sich an die Pflichten ,der Dankbarkeit und Liebe erinnern, die sie der Mutter schulden. Wer mit unbefangenem Blicke der Entwicklung folgt, die sich in den Beziehungen zwischen Eltern und Kindern seit etwa zwei Dezennien vollzieht, wird kaum den Mut zu der Behauptung finden, daß die Festsetzung eines solchen Tages ein wenig lächerlieh und daher recht überflüssig sei. Man wird vielmehr mit Bekümmernis zijgeben müssen, daß in unserer immer moderner werdenden Welt die aus der Neuen Welt stammende Feier nicht ganz ohne Sinn und Berechtigung ist.' Für die echt jüdische Familie, für das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern, die gemeinsam auf dem Boden der Thora stehen, hätten wir allerdings eines solchen speziellen neuen Erinnerungstages nicht bedurft. Wenn wir der alten Normen gedenken, die sich hiefür in unserer Bibel, in dem von G-tt für alle Ewigkeit gegebenen Buche finden, können wir uns getrost den Muttertag ersparen. In der Bibel ist die Lehre verzeichnet, auf die nicht einmal im Jahre besonders hingewiesen werden muß, denn sie gilt für alle Tage. Das Gebot: ״Ehre Vater und Mutter“ ist bereits in dem Dekalog enthalten,, der Israel auf dem Sinai offenbart wurde. Braucht die Heiligkeit, die Unverbrüchlichkeit dieses g-ttlichen Gesetzes, das auch die Töchterreligionen unseres Glaubens übernahmen, durch menschliche Worte noch besonders betont zu werden? An dem Tage, an dem diesmal auch in Wien mit großer Feierlichkeit die Bedeutung des Muttertages erörtert wurde, spielte sich hier eine furchtbare Familientragödie ab, die mit geradezu erschütternder Macht zeigte, wie sich unter dem Eindrücke moderner, von allen religiosen Anschauungen losgelöster Schlagworte die Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern gestalten können. Ein aeihtzehnjähriges Mädchen hatte den Vorabend des Muttertages zu dem Versuche erkoren, sich mit Leuchtgas das Leben zu nehmen. Aus dem an ihre Schwester gerichteten Äbschiedsbriefe erfuhr man die Beweggründe, die ein junges, von den Eltern zärtlich geliebtes Mädchen dazu trieb, das Leben wie ein abgenütztes Kleid von sich zu warfen. Die Eltern hatten sich dem Wunsche der Tochter, sich dem Theater zu widmen, gefügt, aber die Mutter war doch noch so rückständig, gegen das bis spät in die Nacht sich hinziehende Ausbleiben zu protestieren, sie fand auch einiges an der Gesellschaft der Tochter auszusetzen und erlaubte sich am Ende gar, ihrer sittlichen Empörung lauten Ausdruck zu geben, als das Mädchen sich im Badeköstüm photographieren ließ. Einen solchen Eingriff in ihre' Menschenrechte, eine solche!Unterdrückung des Verlangens, sich ungehemmt auszuleben, glaubte die moderne , Tochter nicht dulden zu dürfen. Aus dem Dunkel eines solchen Lebens flüchtete sie sich zum Leuchtgas« Vorher schrieb sie aber in dem erwähnten Abschiedsbrief die ent- . setzlichen Worte ,nieder: ״Ich sterbe nicht gern. Wie schön ist doch die Welt, auch für mich wäre sie schön ohne Mutter; ihre Strenge hätte nicht geschadet, hur ihre hysterischen Einfälle, die es mir unmöglich inaehen, zu leben,“ Diese moderne Tochter konnte es nur als hysterisehen Einfall ansehen, daß eine Mutter so viel Schamhaftigj keif' besitz!, in der schamlosen Photographie der Tochter eine Verletzung weiblicher Keuschheit zu erblicken! Eine solche Mutter soll man ehren? Sie so lieben, daß man entsetzt den Gedanken zurückweist, ihrem Mutterherz einen tödlichen Schlag zu versetzen? Urisinn! Die Welt wäre auch für dieses junge, achtzehnjährige Mädchen schön, aber ohne — Mutter, die im Namen der Sittlichkeit von vorgestern einem Mädchen von heute einen Wunsch versagt. Die Mutter war aber doch ■selig, daß sie noch rechtzeitig in die gaserfüllte Küche kam und das bereits ohnmächtige Kind ins Leben zurückrufen konnte. Wird diese Tochter, die der Mutter nun zweimal das Leben verdankt, ihr beim nächsten Muttertag von anderen Gefühlen beseelt entgegentreten? Oder wird sie, vielleicht mehr als ihre Mutter von hysterischen Anfällen belästigt, weiter der Meinung sein, daß man aus lauter Lebensgier weder sich noch die Eltern schonen dürfe? Um , gerecht zu sein, darf man aber doch nicht verschweigen, daß diese Achtzehnjährige, mag man sie noch so hart beurteilen, doch auch manchen Milderungsgrund für sich geltend machen könnte. Die radikale Art, mit der sie die Rechnung mit ihrer Mutter und dem Leben abschließen wollte, macht sie allerdings zu einer Ausnahme, aber die Hemmungslosigkeit und die Zügellosigkeit, mit der sie sich die Linien für ihre Lebensführung, unbekümmert um Bitten und Ermahnungen der Eltern, ziehen wollte, macht sie nur zu einer von vielen, von zahllosen. Darf man sie Lügen strafen, wenn sie darauf hinweist, daß unzählige junge Mädchen aus den nicht nur i sogenannten, sondern auch anerkannt guten und besten || Tamilien auch in ihrer Straßentoilette, mehr enthüllt als bekleidet, alles eher als eitlen keuschen Anblick gewähren? j Und wer weiß nicht, daß dieselben Mädchen auch im Schwimmkostüm sich sogar — leibhaftig vor, während, und! nach dem Bade den begehrlichsten Männeraugen preis- ‘ geben? Wahrhaftig, diese Achtzehnjährige dürfte sogar hinzu fügen, daß viele Mütter nicht allein nicht zürnend Zeugen der Schamlosigkeit ihrer Töchter bleiben, sondern sie redlicli auf der Straße wie im Bade, im Trockenen wie im Nassen teilen. Der Polizeibericht, der die Mitteilung über den

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