Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 19 (13.5.1927)
- Date
- 1927-05-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitungen vom Verleger versendet. Journal expSdie par l’editeur. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Reduktion u. Administration: Wien, 11.,Leopoldsgisse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-494־. Tschechoslowakei 1 Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: fflr ,Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreisei Ganzjährig: Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer ösi Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen für Oesterreich: PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn; Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko, N. 40.217; für die Schweiz: Postscheckkonto Zürich VIII. 4117; für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr, 122.619 Hp. 19 1 Wie! a-Bratislaw«• 13. Mai 1987 ,Will י׳א אייר musr*™ ב*ד 13. iahrg. Die Keren Hathora-Konferenz in Oesterreich. Das jüdische Wien stand vorige Woche im Zeichen des Keren Hathora. Die Wiener thoratrouen Lehranstalten, Talmud-Thora-Schulen und Chadarim, die sonst im Vorborgenen blühen, standen eine kurze Spanne Zeit im Lichte des öffentlichen Interesses. Die zwei bedeutendsten Jcschivvoth in der österreichischen Provinz, in Deutsch- Kreuz und Mattersburg haben durch ihre berühmten Leiter Oberrabbiner Kohn und E h r e n f e 1 d an das Gewissen der thoratreuen Judenheit appelliert. Diese Thoralehranstalten sind samt und sonder s in de r d r ü c k e n d s t e m N 0111a g e. Es ist schon ein Glück, wenn die nackte Existenz ihrer Lehrer und Schüler gesichert erscheint. Warum ist es so? Wieso kommt es, daß diese kostbarsten Schätze des jüdischen Volkes nicht wie ein Kleinod beschützt und beschirmt werden? Wieso kommt es, daß selbst thoratreue Juden so wenig Verständnis für Lehranstalten haben, welche ihren Kindern das teuere Erbgut der Väter, die Lehre und Anschauungen des Judentums übermitteln? Wieso kommt es, daß die wenigen treuen Männer, die gleichzeitig sowohl für die geistigen Ansprüche wie für den materiellen Bestiandjlieser *SV Thoralehranstalten sorgen müssen, immer und immer wieder bitten und betteln müssen, um irgendwie ihre Anstalten vor dem Zusammenbruch zu schützen? Die neue Leitung der Keren-Hathora-Verwaltung in Oesterreich soll auf diese Fragen die richtige Antwort geben und in klarer Erkenntnis der Verhältnisse dem Uebel der Vernachlässiigung der Thoralehranstalten abhelfen. Stolz und Scham zugleich fühlte man bei den Verhandlungen der Keren- Hathora-Konferenz in Wien. Stolz über die vorzügliche Leistung der Wenigen, die ihre besten Kräfte für die Erhaltung der Thoralehranstalten und für die Verbreitung der Thora einsetzen, Scham und Zorn angesichts der erstarrenden Interesselosigkeit der großen ■Massen. Keren Hathora hat in Oesterreich eine große Aufgabe. Möge es ihm vergönnt sein, diese Aufgabe glücklich zu lösen. P. Die österreichische Keren Hathora־ Konferenz in Wien. Die österreichische Keren Hathora-Konferenz wurde Sonntag um 11 Uhr vormittags durch Herrn Wolf Pappenheim eröffnet, der die Freude hatte, den zahlreich erschienenen prominenten, geistigen Vertretern des österreichischen Judentums, den Delegierten der Wiener Synagogen und Talmud Thoras, den Abgesandten der Landgemeinden den Willkommensgruß zu entbieten. Oberrabbiner Fürst eröffnete alsdann die Konferenz mit herrlichen Thoraworten. Er rief den Vertretern der Thora zu: בואכם לשלום״• daß ihr Kommen allein schon Frieden, Schaffung einer harmonischen Sphäre bedeute. Die Grüße der Keren Hathora-Zentrale überbrachte Großrabbiner!Friedman n-Sadagora, der diese Konferenz zur Veranlassung nahm, der jüdischen Oeffentlichkeit den Plan zur Schaffung eines halachischen Zentralblattes, kontrolliert durch die anerkannten geistigen Führer der Judenheit, zu unterbreiten. Der Keren Hathora, dem die Herausgabe dieser monatlich erscheinenden Zeitschrift obläge, würde auf diese Weise dem halachischen Schrifttum der Gegenwart neue Möglichkeiten zur Entfaltung geben und die Sicherheiten schaffen, daß nur Berufene sich äußern und nur die Maßgebendsten zu diesen Aeußerungen Stellung nehmen. Oberrabbiner Kohn-Zelem schilderte in herzlichen Worten die Situation in seiner Jeschiwah, wo äußere Not den inneren Reichtum nicht bannen konnte, wo der Bochur nur dem Lernen lebt und so als ein fertiger Lamden später in der Lage ist, zu den Dingen der Kultur in gesicherter Weise Stellung zu nehmen. Ein besonderes Lob wußte er den aus Deutschland kommenden ßachurim zu geben. Rabbiner Tobias. H o r o w i t z überbrachte die Grüße des polnischen Keren Hathora, W. S. Jacobson-Hamburg, die der deutschen Landesverwaltung und ihres Präsidenten, Oberrabbiner Dr. Spitzer-Hamburg. Für den italienischen Keren Hathora überbrachte Herr E n g e 1 s r a t h-Fiutne die Bitte, daß der Keren Hathora den orthodoxen Kreisen -Italiens durch Entsendung einer Delegation Unterstützung und moralische Förderung bringen möge. Dr. Reiniger, Vizepräsident der Schiffschui, gab der Freude dieser Gemeinde Ausdruck, daß sie den Rahmen für diese Konferenz bilde und sprach die Hoffnung aus, daß alle ״Schiffschui“- Kreise sich im vollen Unfange in den Dienst des Keren Hathora stellen werden. Salamon Schreibe r-Wien begrüßte namens des Beth Hamidrosch und namens des ״Tiferes Bachurim“, des Vereines, der sich die Aufgabe gestellt hat, 40 bis 50 Bachurim aus Wien und aus dem Badener Waisenhaus der Agudas Jisroel, während ihres Jeschiwa-Lernens zu unterhalten. Moritz Felsenburg, Vizepräsident des Zentralrates der Agudas Jisroel und Präsident der Stiimperschül, überbrachte die Grüße der von ihm vertretenen Organisationen; S. Stern und Barbasch sprachen namens der Agudas Jisroel- Jugendgruppen und gelobten treue!Mitarbeit am neu zu schaffenden Werk. Namens der Jessode Hathora sprach Leopold Lederer, welcher als bisheriger Kassier'des österreichischen Keren Hathora ׳ von jeher große Aktivität für den österreichischen Keren Hathora entfaltet hatte. Nachdem der Vorsitzende den Vertreter des leider am persönlichen Erscheinen im letzten Augenblick verhinderten - Czortkower Rebben, Herrn Rabbiner T we r s k y,• begrüßt und die eingelaufenen Begrüßungsschreiben (u. a. Jakob Rosenheim-Frankfurt, Oberrabbiner Dr. Spitzer-Hamburg) verlesen hatte, referierte!Dr. Leo Deut schiänder, der Direktor der Keren Hathora- Zentrale, über ״Die allgemeine Lage der Thora und ihrer Lehranstalten in der Welt“. Nachdem Referent einen Ueberblick über die materiellen Leistungen des Keren Hathora seit der!Berliner Zentralratstagung gegeben hatte, gliederte er die Arbeit für die Zukunft in drei Hauptteile: 1. Förderung des höheren Limud, ' 2. materielle und ideelle Unterstützung des niederen lür die Dame Modenpalais Julius Krupnik Wien, VII,, Kaiserstrafje 111-113-115 Telephone 32-4-62, 34-4-29 Anerkannt größtes Spezialhaus killlttlll Limud (Beth Jakob-Polen, Javne-Litauen, Thora we derech Erez-Organisation-Lcttland), כשי (תחת השגחת הרב ר׳ ישעי פורסט שיפשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwiirden Herrn, Oberrabbina Jesaia Fürst (Adas Jisroel/ Ueberall erhältlich! 3.!Schaffung einer im gesetzestreuen Geiste geschricbenen Lehrmittel- und Jugendliteratur. ״Wir können auf diesen zuletzt skizzierten Gebieten Ungeheures leisten, auch mit beschränkten Mitteln. Die Unterstützung der Jeschiwaus, hocwichtig und bedeutsam zwar, leidet an unserer finanziellen Beengtheit, die Institutionen, die wir nicht unterstützen, sind nicht zufrieden und die, welche wir unterstützen, sind auch nicht zufrieden, weil sie nicht genügend erhielten. Der höhere Limud baut sich auf dem anderen auf und darum dürfen wir uns der ׳Sorge um diesen nicht entziehen.“ Das russische Problem wurde in einem großzügigen Referat durch Herrn ■Rabbiner Dr. P. Ko.h n, den Vorsitzenden des Wiener G. A., der einleitend Gruß und Segen der Weltaguda überbrachte; erörtert. Redner beleuchtet zunächst das russische ■mit dem palästinensischen Problem. In bezug auf Erez Jisroel führt Dr. Kohn aus: ״Nicht darauf kommt es an, wie das 11,11s organisierende Prinzip, die Thora, von außen geschützt wird, sondern darauf, wie es in uns selber organisiert ist. Ist es in uns stark organisiert, dann wird mit den Rechten, die uns die neue Verfassung des ■neuen Kehillausgesetzes in Erez Jisroel geben wird, für unsere jüdischen Brüder dort ein neues Leben, ein heiliges Leben beginnen. Unsere Thora, unser Prinzip bedarf des Chissuk von außen nicht, wenn wir der Größe gerecht .werden, die wir in uns tragen.! Dort, wo die Thora in ihrer Souveränität nicht angetastet wird, blühen unsere Gemeinden und Institutionen, auch wenn uns die den anderen zur Verfügung stehenden Mittel und Möglichkeiten (Steuerrecht) fehlen.“ Gegenüber dem Zukunftsbild, das der Referent vom jüdischen Leben im Heiligen Lande entrollte, kontrastierte die Schilderung der gegenwärtigen jüdischen Situation in Rußland um so erschütternder. Redner vermied alle Einzelheiten und schilderte nur das Problem in seinen tiefsten Ursachen 1 ״Dieser Kampf, ■der dort zu führen ist. dieser Kampf uni das Leben und das Lehren in der Thora ist ein allgemein menschlicher. Denn jede Weltanschauung bekämpft man dort, wo sie dem Leben des einzelnen Schranken se'tzt. Im ewigen Kampf zwischen Hehel und Kain, im Kampf zwischen Jakob und Esau haben wir für He weis Rechte und Jakobs Pflichten zu ringen. Wenn die Judenheit gewillt ist, große Mittel bereitzustellen, dann könnte sie helfen. Es gibt Wege zu helfen, doch sie sind kostspielig. Und so kommt es darauf an, ob sie zu den großen Opfern bereit ist, die eine Hilfe in Rußland von •ihr fordern würde. Wer für den!Nächsten betet und er braucht selbst das, was er für den anderen erbittet, der wird zuerst erhört. Denken wir an diese Worte, wenn wir nunmehr über die Nöte Oesterreichs beraten, vergessen wir über ihnen die Not Rußlands nicht, dann wird uns zuerst geholfen.“ Unter dem tiefen Eindruck des Referates schloß der Vorsitzende die Vormittagssitzung. ■Die Nachmittagssitzung wurde um 4 Uhr von Herrn Dr. Deutschländer eröffnet. Rabbiner Mosche Blech referierte über die bisherige Keren Hathora-Arbeit in Oesterreich. Redner benutzte sein Referat, um mit eindrucksvollen Worten nochmals auf die Bedeutung des Chissuk Hathora hinzu weisen. ״Siehst du ein Geschlecht, dessen Hände schwach sind in der Thora, gehe hin und fördere es. Wenn der Kopf schwach geworden ist, wenn der Mensch ,nicht lernen will, •dann kannst du dich vielleicht entziehen; wenn aber der Kopf In der ganzen Welt ־ ־ r Perttckenschöp «l«r״ Uunstwerkstatte I-׳' I ■ UM OTHMJLR SCHIFF ו Kä*ntne**2ng 6, Tel. 51-3-62;gegenüber dem.Hotel Bristol/ wo man Perücken «״»a Transformationen trotz der gediegensten Qualität und sorgfältigsten Ausführung zu billigsten Preisen