Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 18 (6.5.1927)
- Date
- 1927-05-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 130 JÜDISCHE PRESSE Nr. 18 in Jeder Fasson A. SACHSEL, Wien, il. Zentrale Taborstrasse 39 B Versand nach allen Staaten teien gehören und daß nur sie die technischen und morali sehen Kräfte besitzen, die Wählen siegreich durchzuführen. Bei anderen Gelegenheiten wird sich ein zionistischer Führer nicht erlauben, über die tatsächliche Größe und Stärke unserer Organisation so offen im positiven Sinne zu sprechen. VVir notieren diese Tatsache, um diese Aeußerung nicht im Wahlgctöse verhallen zu lassen, damit wir oie zionistischen Führer bei Gelegenheit daran erinnern dürfen. T. H. mmmm Drei Jahre Waiiderheiin der Agudas Jisroel. Das Jüdische Hilfswerk der Agudas Jisroel hat noch zu einer Zeit, da Geld auch für wohltätige Zwecke flüssig war, Sorge getragen, daß den durchwandernden "Juden Gelegenheit geboten werde, die wenigen Tage,;welche sie an Wien binden, in einem hygienisch cinwandfreien, jüdischen Heime zu verbringen. In erster Linie dachte die Leitung an ein Institut für die Palästinafahrer und cs erschien jedermann als ein wahres Glück, daß gerade zu dieser Zeit, als der Wandersturm der religiösen Elemente nach dem heiligen Lande in höchster Blüte war, mitten im jüdischen Zentrum und doch ein wenig abseits gelegen, ein Haus vom Hilfswerk angekauft und als Wanderheim eingerichtet wurde. Wenn die Wiener jüdische Bevölkerung trotz dreijährigen Bestandes dieser wertvollen, einzig dastehenden Institution auch wenig Kentnis von ihr genommen hat, so kennen doch alle wenig — oder nicht bemittelten — Fremden das Haus in der Nordwestbahnstraße, in welchem sie von ׳dessen Leiter samt Gattin — einem an deutsche Disziplin gewohnten Ehepaare — liebevoll aufgenommen wurden. Hier finden sie ein tadellos reines, solides und angenehmes ׳Quartier in streng jüdischem Milieu. Es sind große Schlafsäle, Einzelzimmer, Tagesräume samt Lese- und Friihstiickhallc, recht luftig und nett, von einem schön gepflegten, schattigen Garten umgeben. Das Haus ist stets voll besetzt und hat in Notfällen bereits achtzig Menschen auf einmal beherbergt. Wer sich nicht persönlich informiert hat, der kann sich wohl keinerlei Vorstellungen machen, wie wertvoll dieses Heim insbesondere für fromme Juden ist. Sie finden hier nicht bloß; Menschen beisammen, die sich Hotelzimmer nicht leisten' können. Der wahre Segen, liegt vielmehr in dem Um- Stande, daß die Aguda ,Wert darauf legte, ihren Schütz- Hingen ein Haus zu :geben, in welchem sie ob ihrer jüdischert Lebensweise nicht verkürzt öder verhöhnt werden. Die Beherbergung umfaßt nicht nur die materielle Seite. Die Insassen werden auch, falls es notwendig ist, mit Rat und Rechtschutz unterstützt. So ist es zu ver-• stehen, daß das Wanderheim der Aguda Jisroel oft seitens ehemaliger Schützlinge von fernen Landen anderer Konlinente warme Kundgebungen der Sympathie erhält, die zuweilen in rührender Weise mit einigen ersparten Groschen begleitet werden, zwecks Förderung des edlen Menschenwerkes. A. Eine stürmische Sitzung des Lemberger Gemeinde- Vorstandes. (Spczialbcricht unseres Korrespondenten.) Am 27. April fand eine denkwürdige Sitzung des Lemberger Gemeindevorstandes der israelitischen •Kultusgemein.de statt. iHauptgegen,stand dieser Sitzung war die Stellungnahme der Parteien zu der •Verordnug des Bildungsministers Do.br.ucki, nach welcher die Wahlen auf Grund des P i 1 s u d s k i ־ D e k r e t s durchzuführen sind. Die Zionisten, die gegenwärtig gemeinsam mit den von ihnen so überaus gehaßten Assimilanten die rcgicrende Majorität bilden, wenden alles an, um das Kurial- Wahlsystem, das ihnen die Herrschaft in der Gemeinde sichert, beizubehalten. Die agudistischen Vertreter hingegen wendeten sich an die Minister mit der Bitte, das P 1i .1 s u d s k i - D c k r e t, das den breiten Massen durch das demokratische Wahlrecht einen Einfluß auf die Gemeindeverwaltung gewährt, ׳auch auf Galizien ' auszudehnen. Dr. R e i c 11, der Führer der Zionisten, hat erst auf dem Wege von Unterhandlungen mit den Agudistcn sie von!ihrem Vorhaben abbringen wollen; da ihm das nicht gelang, kam er mit Drohungen. ״Wir werden sehen“, rief er .nach einer ergebnislosen Beratung aus, ״zu wessen Gunsten der!Minister ■entscheiden wird. Ob er ■uns mit dem ■alten Kurialsystem oder euch mit eurer Demokratie begünstigen wird.“ All diese Vorgänge wurden nun in der jüngsten Vorstandssitzung!zur ■Rede gebracht. Der Zionist Dr. .Hausmann versuchte ■den ungünstigen Eindruck, den die!Stellungnahme der ■Zionisten in den weiten Schichten der •jüdischen Bevölkerung in Lemberg hervorgerufen hat, mit allerhand Redensarten abzusohwächen. Es gelang ihm dies nicht, vielmehr wurde er — ein Ereignis, das in Lernberg noch nicht vorkam —, von ■den erregten Besuchern ■der Galerie ■mit den Rufen ״Demagogen“, ״Verräter“ niedergeschrien. Nachdem der Sturm sich gelegt hat, ergriff der agudistische Kultusvorsteher PI ׳i r •sc h spr u n g ■das Wort und deckte das Doppelspiel der Zionisten, die bei der Masse als Hüter der Demokratie, bei der Regierung •als Verfechter des antidemokratischen Kurialsystem,s auftreten, in fulminanter Rede auf. .Seine Worte haben eitlen -ungeheueren Sturm entfacht. Die zionistischen Vorsteher stürzten sich mit geballten Fäusten auf ihn ׳los und!nur mit Mühe gelang es den Gemäßigten, einen tätlichen Zusammenstoß zu vermeiden. Der Präsident mußte die stürmische Sitzung vorzeitig schließen. Nach I Schluß der. Sitzung blieben •noch ■die angesammelten Sorgfältigste Lieferung ln plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg^angofangen franko Heus, ebenso in Fuhren und Wäggons ׳.5$״ JULIUS HABER Kohlen- und Koksgroßhandlung Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Wien, II., Taborstraße 9 Fernsprecher Nr. 41-0-22 Massen •auf der Straße stehen und bereiteten Herrn Hirschspr.ung stürmische Ovationen. Es ist ,als Zeichen der Zeit zu vermerken, daß die •durch die erfolgreiche Arbeit der Agudas Jisroel aufgeklärten religiösen!Massen nicht mehr gewillt sind, das durch ein gekünsteltes Wahlsystem geschaffenc Joch des zionistisch-assimilatorischen Blocks noch weiter zu tragen. Die Gemeinde wähl in Lemberg verschoben. Lernberg. (AJPB.) Der Kampf um die Erneuerung der jüdisehen Gemeindevertretung in Lemberg ist jetzt in eine neue Phase getreten. Ursprünglich sollten die Wahlen noch nach altem Kuriensystem im Monat Mai stattfiuden. Inzwischen verfügte aber die polnische ■Regierung, daß die Wahl erst im Herbst auf Grund des sogenannten Pilsudski- Dekret vorzunehmen ist. Mit dieser Verfügung waren alle Parteien, mit Ausnahme der Zionisten einverstanden. Die ablehnende Stellungnahme der Zionisten rief überall große Verwunderung hervor, da sie ,ansonsten für die Demokratie einzutreten pflegen und in Gemeinden, wo ihnen das Kurienwahlsystem nachteilig ist, wie z. B. in Krakau, im Namen der. Demokratie heftig gegen das veraltete undemokratische Wahlsystem protestieren, in Lernborg aber, wo ihnen das veraltete!Kurien,system die Alleinherrschaft sichert, dieses System verteidigen. Die Bezüge der zionistischen Beamten. Jerusalem. (L. J. B.) Oberst Kisch, das Oberhaupt der zionistischen Palästinakommission hat eine Antwort auf die Kritik der führenden hebräischen Zeitung in Palästina ״Doar Hajom“ wegen der kostspieligen Verwaltungsausgaben in Jerusalem veröffentlicht. Oberst Kisch gibt Details über die Gehälter, welche den kleinen Beamten im Gesamtbeträge von annähernd 25.000 Pfund jährlich ausbezahlt werden. Der ״Doar Hajom“ hat nun wieder die zionistische Organisation mit folgenden Bemerkungen herausgefordert: Wir wissen, daß die jüngeren Beamten nicht mehr als 50 Pfund monatlich erhalten, aber braucht Oberst Kisch anzudeuten, daß dies auch seine Bezüge sind? Es ist gut bekannt, daß Oberst Kisch einen Monatsgehalt von 150 Pfund erhält. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien Mr. Ormsby-Gore, unter dessen Leitung 60 Länder — unsere jüdische Heimstätte mitinbegriffen — minnimii! Il₪₪llll₪₪₪l pnnnn ז1יי*יי*^*וי»י1,1יןזזייייוו 1^■•■ ויזי^«!■ui• ןחמחחחחחחחז IHllllllliliiiUiJiiWl!!}!!!!!!!!'?!!!!!!! ₪₪₪ll₪!1| שחחחחו וזזחחחח תזזחחזו!חזחחוו Il₪₪l₪lll₪₪ ן!!!ו!ווווו!ו1]| llllllllllllllll תחחחחחו תחזחזחז ו!ו₪וו!!וו חזחחדתחז יי •״0*1 jj:.. Der Vorstand der i&ael. Kultusgemeinde hat be- ‘ schlossen, fortab periodisch in der ״Wiener Morgen- zeitung“ und in den Wiener Wochenschriften ״Die Wahrheit“ und ״Jüdische Presse“ solche Angelegenheiten der israel. Kultusgemeinde Wien, welche für die Gemeindemitglieder von Interesse sind, offiziell zu verlautbaren. Der Kultusvorstand erwartet von dieser Neuerung eine Steigerung der Anteilnahme der Gemeindemitglieder an jenen großen und wichtigen Aufgaben, welche der Kultusgemeinde obliegen, und faßt eine Ausgestaltung dieser offiziellen Mitteilungen in der Weise ins Auge, daß dieselben auch in Angelegenheiten des Kultus, des Unterrichtswesens und der Fürsorgeaktionen der Gemeinde als zweckdienlicher Auskunftsbehelf ge- י wertet werden können. Zunächst werden die Verlautbarungen zu Beginn eines jeden Monats vorgeiiominen werden. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Wien. * - W i e ׳n, 3. Mai 1927. Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 27. April 1927. Im Anschluß an die öffentliche Plenar- Sitzung, in welcher die Genehmigung des P e nsionsnormales für 'die Angestellten, die Erledir!guiig ׳des Rec h n m n g ,s;ä h s c h 1 11׳ s s e s fiir das yerwaltungsjahr 1926, die Beschlußfassung über die Zuwendung von S 50.000 für ■Palästina-Aufbauzwecke und die Genehmigung der aus Anlaß •des Passahfestes!mit einem Aufwand von S 60.000 ■durchgeführten Hilfs- Aktionen erfolgte, fand eine v e r t r a 11 liehe Sitzung Jdes Kultusvorstandes statt, in welcher konform den Anträgen der Fachkommissionen, bezw. des Vertreter- Kollegiums ׳u. ׳a. folgende!Beschlüsse gefaßt wurden: Die Vergebung eines Betsaalanbaues an den Ottakringer Gemeindetempel an die Baufirma Oskar >D o h a n wurde genehmigt •und eine Reihe von In-• standsetzungsarbeiten in der Israel. Versorgungslanstalt, im Spital der ׳Kultusgemeinde!und in verschiedenen Gemeindeobjekten i׳rn Rahmen ■der im Voranschlage vorgesehenen Ausgaben bewilligt. Zum Assistenten an der Chirurgischen Abteilung des Spitales wurde Herr Dr. Hans Schnitzler be-!?teilt. Herr Gemeinderabbiner Dr. I. T a g 1 i c h t wurde als Mitglied in die ״Historische Kommission der irsael. Kultusgemeinde“ kooptiert. Die Instandsetzung von Grabsteinen. . am alten Währinger Friedhof mit einem Kostenaufwand von S .3255 wurde bewilligt. An 12 ■Bethausvereine wurden Subventionen im Gesamtbetrag von S 28.500, an 38 Lehranstalten!und Vereine für U.nterrichtszwecke S 124.087 -und an 35 ׳Fürsorgevereine nn׳d Anstalten S 86.470 für das Jahr 1927 zu erkannt. In •die Bezirkskommission für den III. und XI. Bezirk wurde Herr Dr. Eduard D11 b!s k y berufen, ferater wurden zu Mitgliedern der Bezirkskommission für den IV., V. und X. Bezirk die •Herren Viktor K nie, Max Strauß, Artur Holzer und Mayer Schreier ernannt. Es gelangten ׳schließlich Steilerrekurse ■und Pers0na׳lange 1 ege1111 eiten zur Erledigung. * Erneuerung des Mietverhältnisses der Tempelsitze in den Gemeindebethäusern Stadt und Leopoldstadt. Die Erneuerung des Mietverhältnisses der Tempelsitze hat bis längstens 3 1. Mai eines jeden Jahres zu erfolgen. Die Parteien werden dringendst ersucht, diesen Termin genau einzuhalten, da jene Tcmpclsitze, die bis dahin nicht bezahlt sind, ohne weitere vorherige Verständigung anderweitig vergeben werden. Bei Nichteinhaltung dieses Termines ist eine weitere Reklamation unzulässig. Dem Inhaber eines Tempelsitzes steht im Falle der Auflassung desselben ..keine Ingerenz bezüglich der Weiter- Vergebung zu. Der Eintritt in den Tempel an den hohen Festtagen ist nur gegen Vorweisung der Eintrittskarte’■•gestatt et; Betsitzkarten sind an der Hauptkassa, Wien, I., Seitenstettepgasse 4, 1. Stock, während der Amtsstunden von 9 bis 1 Uhr erhältlich. * Die Jugendgottesdienste für Volks-, Bürger-, Mittelschüler und Schülerinnen im Monat Mai. Die Jugendgottesdienste finden am 7., 14., 21. und 28. Mai in folgenden Synagogen statt: I., Seitenstetten־ gasse '4, II., Tempelgasse 3, V., Siebenbrunnengasse la, VI., Schmalzhofgasse 27, VIII., Neudeggergasse 12, IX., Müllnergasse 21, X., Humboldfcgasse 27, XV., Turnen gasse 22, XVI., Hubergasse 8, XVIII., Schopenhauer- Straße 39, XIX., Dollinergasse 3, XX., Kluckygasse 11 und XXI., Holzmeistergasse 12. Beginn 3 Uhr nachmittags. ־!־ Bibliothek der israel. Kultusgemeinde, Wien, II., Ferdinandstraße 23. Die Leseräume der Gemeindebibliothek sind an den Tagen: Montag bis einschließlich Donnerstag von 2 bis 8 Uhr nachmittags, Freitag von 8 Uhr früh bis 2 Uhr nachmittags, Sonntag von 8 Uhr früh bis 1 Uhr mittags geöffnet. Die Entlehnung von Büchern aus der Gemeindebibliothek kann an den Tagen Montag bis Donnerstag nur in der Zeit zwischen 4 und 6 Uhr nachmittags, am Freitag und Sonntag nur zwischen 10 •und 12 Uhr vormittags erfolgen. . , * Rituelles Bad (Mikwah) der israel. Kultusgemeinde, Wien, II., Floßgasse 14. Bis auf weiteres sind die Benützungsstundeu für das rituelle Bad wie folgt festgesetzt: Frauenbad: Sonntag bis Donnerstag nachmittags von 2 bis 8V2 Uhr. Freitag von 2 Uhr nachmittags bis zur eintretenden Dunkelheit. Männerbad: Täglich von 6 bis 10 Uhr vormittags. Im Sinne der Bestimmungen, Anhang III des Statutes der israel. Kultusgemeinde Wien (Tarif für Abgaben, Taxen und Gebühren) werden die Gebühren für die Beniitzung der rituellen Badeanstalt (Mikwah) ab 1. April 1927 bis auf weiteres wie folgt' festgesetzt: A. Frauenbad: I. Klasse S 3, II. Klasse S 2.50, III. Klasse S 2. B. Männerbad: I. Klasse Douche, Tauchbad, Wäsche S —.80, II. Klasse Douche, Tauchbad ohne Wäsche S —.50, kaltes Tauchbad ohne Wäsche S —.20. Unbemittelten wird die unentgeltliche Benützung der rituellen Badeanstalt über Einschreiten bewilligt.