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Jüdische Presse · 1927-09-23 · 38 (23.9.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
38 (23.9.1927)
Date
1927-09-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 38 JÜDISCHE PRESSE Seite 233 וווווווווווווווווווווווווווגווווווווווווווווווווווווווווווווווו₪וווווווווווווווווווווווווווווו<וווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו!וווווווווווווווווווווווווו!וווווווווווווווווו1!)er Kauf einer Perücke ist eine Vertraaenssache! ן Gnädige Frau! ן E§ ßevof Sie eine PePüeke kaufen, tuollen Sie 3 | Othmar Schiffs neu erschienene Modeausgabe j =§ übel? Pei?äeken verlangen. ES =E£ Das Pe1?üekenhaas Othmar Schiff liefert seit Jahrzehnten in Material die besten, in ]Vlode ES H die geschmackvollsten and im Preise der Qualität und Ausführung entsprechend billigsten j= Perücken. ES =B Die vornehmsten und elegantesten orthodoxen jüdischen Damen aller Weltteile gehören zu den anhänglichsten Runden Othmar Schiffs. 3 ||| Im Palle Sie, gnädige prau, die ermähnte JVTodeaasgabe über Perüeken der pirma Othmar Schiff noch nicht besitzen, verlangen Sie deren k0St@nl0S6 Zusendung von der 3 | Min-KiMa Othmar Schiff. Wen. I. Kärnliig Hl 6 | (Gegenüber dem Hotel Bristol) =j P. S. Um irrtümern vorzubeugen, bitte gefälligst den Vornamen ״Othffläi*“ and die Adresse 3 genau zu beachten! 3 ׳ ₪11111111111111111111111111111111111111111111111111i11111111111111111n1111111111111111111111111111111111111111111111i1111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111₪ bei der Erziehung der Jugend, in imposanteser Weise zum Ausdruck gebracht. Im abgelaufenen Jahre hat der Keren!Hathora die großen litauischen Jeschiwohs, sowie die Talmudschulen Polens mit namhaften Subventionen bedacht. An zirka 5000 Talmudscihüler wurden zu Pessac'h Mazzoth und Kleidungsstücke verteilt. Der!Keren (Hathora!war aber ׳bemüht, das Erziehungswerk vom wissenschaftlichen Standpunkt zu fördern und durch Schaffung von ,Lehr- und Schulbüchern für die (Massen des!Ostens auch diesem fühlbaren Mangel abzuhelfen. Das vom Keren Hathora unter dem ,Namen ״B a j s Jako b“ ins Leben gerufene Mädchenschulwerk hat im letzten Jahre einen großen Aufschwung!genommen. Es gelang, die weitesten Kreise der Judenheit für die!Bestrebungen von Bajs Jakob zu interessieren und die Oeffentlichkeit mit dem Bewußtsein zu d'urchdringen, daß das Gedeihen von Bajs Jakob — die Erziehung der jüdischen Mädchen, der künftigen jüdischen Mütter •im Sinne der Ver- Schmelzung von jüdischer Tradition und allgemeiner Menschenkultur — eine Schicksalsfrage für das gesamte Judentum ist. Im vergangenen Jahre umfaßte Bajs Jakob folgende Anstalten: 1 Lehrerinnenseminar in Krakau, 1 Lehrerinaenkurs in Warschau, 10 Vollschulen in Polen, 77 Religionsschulen, 23 Abendkurse, 30 Vollschulen in Litauen mit zusammen 10.200 Schülerinnen, 120 amtierenden Lehrerinnen, 45 Lehramtskandidatinnen. Angesichts eines solchen Netzes von Schulen mußte die Leitung daran denken, das Zentralinstitut ■in Krakau, das nicht nur die Lehrerinnenbildungsanstalt, sondern auch das Inspektorat ,für sämtliche im Lande befindlichen Schulen umfaßt und Lehrenden und Lernenden ständige •pädagogisehe Förderung angedeihen läßt, großzügig auszubauen. Durch •die!Mithilfe prominenter Freunde •in aller Welt konnte am 16. Ellul in Krakau der Grundstein für ein eigenes, allen hygienischen und pädagogischen Anforderungen entsprechenden Bajs-Jakob-Seminar gelegt werden. Die Feier der Grundsteinlegung fand in großem Rahmen unter Teilnähme des polnischen Unterrichtsministeriums, zahlreicher Behörden, Parlamentarier,!Mitglieder des Sejm und des Senats, sowie vieler in- und ausländischer Delegierter statt. Aus Anlaß der Grundsteinlegung wurden namhafte!Beträge für Zimmerstiftungen gezeichnet, so daß der Bau des Heimes gesichert erscheint. Man •kann also zusammenfassend sagen, daß trotz Wirtschaftskrise und schwerer innerer Sorge •das thoratreue Judentum im abgelaufenen Jahre auf so manchen großen Erfolg zurückblicken kann. In vielen Ländern •hat sich die Orthodoxie politisch sehr erfolgreich betätigt. Dieses Hervortreten kann als Erlangung!der so lange vermißten politischen Reife gewertet werden. Es sind in diesem Zusammenhang besonders die Stad •t ratswah len in Jerusalem hervorzuheben. Auf dem heißen Boden der erbitterten innerpolitisehen Kämpfe in Jerusalem konnte ■infolge weitgehenden Entgegenkommens, speziell des rechten Flügels der Orthodoxie, eine Einheitsfront erzielt werden. Ebenso war ׳es bei den Gemeinderatswahlen in Warschau, wo die Orthodoxie ebenfalls gemeinsam mit den anderen Parteien sing. Ueberall bei den Gemeinderatswahlen׳ in Polen, wo die Orthodoxie selbständig in den Wahlkampf trat, konnte sie durchwegs schöne Erfolge erzielen. Es ist erfreulich, daß in dem Jahre, in welchem die 15. Wiederkehr des Tages von KattoW'itz, der Geburtstag der Aguda gefeiert wurde, die Orthodoxie als organische Einheit auch politisch erfolgreich hervorgetreten ist. So war auch dieses Jahr ein!Beweis für die unbeugsame Lebenskraft des jüdischen Volkes. P. Rabbi Jecheskel Landau. (1713 bis 1793.) IX. Die überragende Größe Rabbi Jecheskel Landaus schlug nicht nur alle in den!Bann, die in den Zauberkreis seiner Persönlichkeit getreten, sie verlieh ihm allmählich eine man kann sagen im ganzen Judentum seiner Zeit unbestrittene Autorität. Unter den Gelehrten, die in schwierigen Fragen seine Entscheidung anriefen, findet man die Namen der größten Rabbiner, die zum Teil sich mit Stolz als seine Schüler bezeichneten. Das Alter schien, auch als!Rabbi Jecheskel längst das 70. Jahr überschritten hatte, seinen störenden Einfluß auf den Geist des Mannes eingebüßt zu haben, der, auch körperlich ungebeugt, mit jugendlicher •Frische unausgesetzt dem Studium der Gottesgelehrtheit oblag und auch in seiner literarischen Produktion — wie die in seinem Nachlasse gefundenen Werke bewiesen — keine Stockung eintreten ließ. ■Die meisterhafte Arbeit über das jüdische Eher echt, die Rabbi Jecheskel im hohen Alter über Auftrag •der Regierung vollendete, erschien auch in deutscher •Uebersetzung. Aber als ׳Rabbi Jecheskel schon dem 80. Lebensjahre nahe war, traf ihn ein niederschmetternder Verlust, von dem der Greis sich nicht mehr ganz erholen ■konnte. Seine edle Gattin, die!Begleiterin seines Lebens durch volle 58 Jahre, wurde ihm durch den Tod entrissen. Die Mitglieder des •Rabbinatskollegiums hatten bei der Bestattung der durch alle Tugenden einer echten jüdischen Frau ausgezeichneten Gattin des Oberrabbiners ergreifende Trauerreden gehalten. Rabbi Jecheskel, der erst nach!Wochen soweit die Fassung gewann, um der ■Verblichenen einen Nachruf zu widmen, begann seine!Rede, anknüpfend an die Trauerreden seiner Kollegen, mit den Worten, jene hätten eigentlich nur ihn, den in seinem Schmerze niedergebrochenen Gatten, ״maspid“ gewesen. Nun wolle er die Gattin ״maspid“ sein, die so viel Glück in sein Leben gebracht, die ihn durch ihre Güte, Sorgfalt und Klugheit in den schwersten Lagen seines Lebens gestützt, die immer bemüht war, nach Möglichkeit jede Aufregung jeden Kummer von ihm ferne zu halten, damit er ungestört sich dem Studium der Gotteslehre widmen könne. Und nun schilderte er das Leben und Wirken der Heimgegangenen in einer solch erschütternden Weise, daß — wie aus Berichten von Ohrenzengen ersichtlich — die Hörer nicht weniger ergriffen waren als der Redner. Rabbi Jecheskel Landau erreichte das Alter von 80 Jahren. Er blieb bis zu den letzten Tagen seines Lebens im Besitze seiner vollen Geisteskraft. Sein Gedächtnis war nicht geschwächt worden und zu jeder Zeit verfügte er mit untrüglicher Sicherheit über die reichen Schätze seiner Gelehrsamkeit, ohne auf ein mühsames Nachschlagen in den Folianten angewiesen zu •sein. Als ein sanfter Tod die Lippen, die bis zum letzten Augenblicke die Sterbegebete flüsterten, •für immer geschlossen, erfüllte das laute Schluchzen der in schmerzvoller Sorge vor dem Hause wartenden Menge die Straße. Die ganze Gemeinde, alt und jung, beweinte den Tod ihres großen Rabbis, wie man den Tod eines Vaters beweint, und zu seinem Begräbnis strömten aus nah und ferne tausende herbei, um an der Ehre teilhaftig zu sein, dem Sarge dieses großen Lehrers in ׳Israel das Geleite zu geben. Die Redner, die dem Heimgegangenen Nachrufe widmeten, konnten wohl ihren grenzenlosen Schmerz über den Verlust, den das Judentum erlitten, Ausdruck verleihen und auch . seine Bedeutung würdigen. Aber nach einer schriftlichen Anordnung von der Hand des Rabbi Jecheskel, die man bei seinem Tode vorfand, durften die Trauerredner ihn nicht als ״Zadik“ und ״Chasid“ preisen. Auch gegen die Errichtung einer prunkvollen Grabstätte hatte der ׳Heimgegangene Verwahrung eingelegt. Es war sein mit aller Entschiedenheit ausgesprochener letzter Wille, daß nur ein schlichter Grabstein die Stelle bezeichnen möge, in der seine irdische Hülle ruht, und die Inschrift darauf dürfe nur ohne jede weitere Lobpreisung und Verherrlichung besagen: dies sei das Grab des Prager Raw, des Verfassers der Werke ״Noda Bijehudah“ und ״Zlach“. Nur ■die demutsvolle •Bescheidenheit, die Rabbi Jecheskel im Leben wie im Tode zierte, war es, die in diesen letztwilligen Bestimmungen ihren Ausdruck fand. Aber man darf getrost behaupten, daß die verschwenderischeste Dankbarkeit der Prager Gemeinde ihrem großen Rabbi ■kein kostbareres Denkmal errichten konnte, wie er es sich selbst durch seine herrlichen, Stein und Erz überdauernden Werke geschaffen hat. In diesen Werken lebt der unsterbliche Geist des Mannes fort, von dem einer seiner Verehrer — zur Charakteristik seiner persönlichen Erscheinung — einst geschrieben: ״Wenn er in der Nacht von Rosch-Haschonoh im weißen Seidenkaftan von seiner Wohnung zur Synagoge •schritt, erschien er den ehrfuchtsvoll ihm Nachblickenden wie ein Bote Gottes.“ J e h u d i.

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