Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 38 (23.9.1927)
- Date
- 1927-09-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 232 JÜDISCHE PRESSE Nr. 38 Georg Mayer Josef Stern und Familie Wien, II. II.. Herminengasse 6. Franz Neumann u, Frau Wien, II., Untere Augartenstr. 1 Otto Stern Verantw. Redakteur der ״Jüdischen Presse" Wien, 11׳., Haasgasse 8 Moritz Nagel und Frau Zahnarzt Dr. U. Schächter und Frau Iil., Große Mohreng. 38 Wien, XX., Petraschgasse 46־ Jakob Ortner u. Familie Moritz Steinhof u. Frau . XIV., Sechshauserstr. 108 Wien, 11. Kalman Pappenheim und Familie Julius Steinfeld und Familie Wien, II., Obere Donaustraße 91 Wien, II., Obere Donaustraße 59 Familie Jakob Rabbinowitsch Frau Rosa Schlesinger Wien,!11., Hollandstr. 3 Wien, II., Hollandstr. 1 Farn. Leopold Richter Dawid Schlesinger und Familie Wien. 11., Er. Hochedlingergasse 2 Wien, 11., ■Heinestr. 20 Stadler und Fischer Fleischhauerei Familie Wolf Schreiber Wien, .11״ Im Werd 1 Wien, II., Haidgasse 5 ל Frau Helene Stern Samuel Schreiber u. Familie Wien, II., Haasgasse 8 Nyiregyhaza Ernst Stern und Familie Jakob Schaffer u. Frau Wien, II., Unt. Ambgartenstraße 36 Wien. XX., Klosterneuburgerstr. 18 Emil Stroh und Frau Wien. II. Fr. Hochedlingergasse 24 שמעון הירשלער רב בק״ק מאדערן Philipp Tachauer 11. Frau Wien, II., Haasgasse 4 שמואל דוד הלוי אונגאר אב״ד דק״ק טירנוי Israel Vortrefflich und Frau Orth. Mazzosfabrik und Cafe II., Leopoldsgasse 22, Obere Augartenstr. 52 שלמה סערל שו״ב וש״צ בקי פרעסבורג וזוגתו. Josefine Weiß Inh. ■d. Mariahilfer Rest. Wien, XV., Talgasse 11 חיים יהירה נפתלי יצחק סג״ל גרינוואלר וזוגתו פרעסבורג 'osef Weiss und Familie Wien, •II., Gr. Sperlgasse 40 1 I את כל ידידי באח1 ובגולה, הנני מברך בברכת שנה טובה משה גליקמאן־פרףש מזכיר מרכז אגורת ישראל בארץ ישראל ירושלם־פרעסבורג Karl Kopl Weiß und Familie IL, Floßgasse 9 בברכת כוח״ט מברך שמואל טירקל ורעיחו ווינה׳ •11 קרומבוימגאססע 1 Landesorganisation der Agudas Jisroel in der Slowakei Bratislava Redaktion und Administration der ״Jüdischen Presse“ Bratislava Landesverband der (Agudas Jisxpel-dfugend־ gruppen in der Slowakei Bratislava קלמן וועבער אבר״ק״ה פישטיאן ראש לשכת היראים בסלובקיה Agudas Jisroel-Frauen- und Mädchen-Ortsgruppe Bratislava דוד צבי עהרענפעלד משנה לשכת היראים' בסלובקיה Oberrabbiner Aron Katz Nitra Oberrabb. Samuel Reich Vrbove (C. S.) Wilhelm Kohn und Farn. Mickievicova 1 Bratislava Rabbiner S. Kalisch Bratislava Frau Auguste Levy Berlin Schönhauser Alle 30 Jacob Joel Braun und Familie ■Bratislava Konventgasse 7 Dr. Ludwig Lieben und Frau Bad Luhacovicc Bratislava Markus Broda Bratislava Hermann Löwy und Familie Nove Zämky Berthold Donnebaum 11. Familie Bratislava Mano Leuchter u. Frau ׳Bratislava, Edelgasse 6 Heinrich Feigenbaum u. Frau W/eingroßhandlung Bratislava Schöndorfergasse 11 Ing.-Chem, Ignaz Reich Batorkesy-Boskovitz Franz Fischhof u. Frau j Prag | Dr. Karl Rosenbaum Rechtsanwalt Bratislava, Spitalgasse 41 1 Mark. Gottesmann und Frau Bratislava, Schiffgasse 2 Moritz Schönfeld u. Frau Bratislava Stefanikstraße 23 Klarissagasse 9 Dawid Haberfeld und 1 Frau ן Bratislava 9 Tolstoigasse 6 I Heinrich Schwarz u. Frau Bratislava Familie S. L. Kohlmann Bratislava Moses Stern und Frau Bratislava Vom Jahre. Das Jahr 5687 wird von einer späteren Geschichts- Schreibung als Uebergangsjahr bezeichnet werden. Nach den wirtschaftlichen und politischen Wirren der Nachkriegszeit!scheint das abgelaufene Jahr der Uebergang zu konsolidierten ׳Verhältnissen zu sein. Konsolidation!bedeutet nach den schrecklichen Jahren der Wirtschaftskrise Verengung der Entwiicklungslinien, ein Zurückstauen der weitgespannten Hoffnungen, Aufgeben vieler, sehr vieler Erwartungen. Gar manchen erscheint bei solchen Einschränkungen das Leben nicht sehr ׳lebenswert. Dem thoratreuen Juden schwebt aber!über der Dürftigkeit des Alltags,!über der Hoffnungslosigkeit ׳menschlicher Berechnung der Glaube, der Glaube, daß die Arbeit im Geiste des Judentums, im Dienste der Thora zu Erfolg und Aufstieg führen muß. In diesem Zeichen stand die Arbeit des thoratreuen Judentums im verflossenen Jahre. Drei jüdische Zentren haben die Aufmerksamkeit der jüdischen Welt ׳auch im verflossenen Jahre in besonderem Maße beansprucht: Arner i k a, P a 1 ä s t i ■n a und R u ß 1 a n d. In Amerika haben die orthodoxen ׳Elemente heroische Anstrengungen gemacht, um den Aufschwung des ׳jüdischen Lebens in Amerika in thoratreuem Sinne zu beeinflussen. Es ist mit ׳Befriedigung zu verzeichnen, daß der Name ״orthodox“ als Bezeichnung für die Bestrebungen der Selbständigkeit der Orthodoxie, nicht ׳zuletzt als moralisehe Auswirkung der vielgestaltigen Anbeit der verschiedenen europäischen Agudadelegationen, allmählich Heimatsberechtigung auch in Amerika gewinnt. Die beiden letzten Nissantage dieses Jahres standen im Zeichen von Konferenzen und Kundgebungen, die, wenn nicht alle Anzeichen trügen, den Beginn der Selbständigkeit der amerikanischen Orthodoxie und ihrer Xiilturinstitutionen bedeuten. Am 29. Nissan versammelten'sich in New York die bedeutendsten rabbinischen Kapazitäten und geistigen Führer des thora־ treuen Judentums, um die geistige Grundsteinlegung zum Bau der nach dem berühmten Gaon!Rabbi Jizchoh Elchanan Spektor genannten Jeschiwah •z׳u׳ vollziehen. Oie Feier, der bereits am letzten Pessachtage ein allgemeiner Jeschi־ wohtag mit reichen Spenden!vorangegangen war, versetzte die New Yorker Orthodoxie geradezu in eine Hochstimmung. Bei diesem Anlässe konnte die Hälfte der fütif Millionen Dollar, die für diese Jeschiwah präliminiert sind, als aufgebracht bezeichnet werden. ׳Die Konferenz der orthodoxen Kongregationen, Bethäuser und Vereine war ungefähr von tausend Delegierten aus allen nordamerikanischen Staaten besucht. Die ׳Konferenz setzte sich ׳zum Ziel, eine selbständige orthodoxe Organisation zu schaffen. Zu diesem Behufe soll ein Kongreß für die nächsten Chanukatage einberufen werden. Die amerikanische Judenheit hat seit Kriegsbeginn sowohl an eharitativer wie an konstruktiver Hilfe, au Unterstützung von Thoralehranstalten und ׳Kulturstätten in Europa geradezu Wunderbares vollbracht. Ihre Leistungen auf diesen Gebieten nötigen ׳uns Achtung und Bewunderung ab. Wfird aber die ׳amerikanische Judenheit, speziell die thoratreue, ■Institutionen und Organe schaffen, welche der Thoratreue und dem Thorastudium in Amerkia ׳selbst eine gesicherte Heimstätte bieten, so wird!sie ׳dadurch Größeres vollbracht ׳haben, als durch alle Unterstützungen an europäische Thoralehranstalten. Wiie Selbsterkenntnis schiwieriger als Erkenntnis ׳ist, so!scheint auch Sebsthilfe schwieriger als Hilfeleistung an anderen zu sein. Wir •trauen der amerikanischen Judenheit die Kraft der Selbsthilfe zu, ohne daß darüber die Hilfstätigkeit für uns eingeschränkt werden müßte. In Palästina brachte dieses Jahr eine Reihe ernster Enttäuschungen. Die Wirtschaftskrise schien schon am Anfang des Jahr.es eine katastrophale Wendung ■zu nehmen. Die Auswanderung nahm förmlich einen fluchtartigen Charakter an, so daß während des ganzen Jahres die Ziffer ׳der Auswandernden jene der Einwandernden erklecklich übertraf. Die Arbeitslosigkeit hat ungeheure moralische und wirtschaftliche Verheerungen angerichtet. Durchschnittlich waren ׳zehntausend jüdische Arbeiter bei einer Bevölkerungsziffer von 150.000 arbeitslos. Auch die Wirtscliaftspositiouen •dos thoratreuen Judentums wurden in ihren Grundfesten erschüttert. Eine Erdbebenkatastrophe, die im Frühsommer dieses Jahres Palästina ׳heimsuchte, schien die •Katastrophe zu vollenden. Glücklicherweise war der Schrecken größer als der Schaden. Als freundlicher Gegensatz zu diesem düsteren Bild der wirtschaftlichen ׳Not kann die Verlautbarung des neuen Gemeindegesetzes für P׳a׳lästina bezeichnet werden. Dieses Gesetz bildet den vorläufigen Schlußpunkt nach einem Kampf, der fast alle Teile der jüdischen Welt, besonders aber die Zionisten und Agudisten in heftigster Erregung hielt. In Presse und öffentlichen Versammlungen, in ׳Konferenzsälen und in verschwiegenen Kanzleien der englischen Instanzen sowie des Völkerbundes wurde seitens der ׳Aguda der Kampf um ■den Grundcharakter dieses Gesetzes geführt, das fortab die Verfassung der jüdischen Gemeinde und die Magna Charta der jüdischen Gemeinschaft in Palästina sein wird. Die Führer der Agudas Jisroel haben diesen Kampf immer ׳in dem Bewußtsein geführt, daß die Grundform der jüdischen Gemeinde in Palästina nicht nur für Palästina selbst, ׳sondern für die gesamte Diaspora von entscheidender Bedeutung ist. Ueberall in der jüdischen Welt wird derzeit um den Charakter der jüdischen Kehilla heiß ge־ kämpft. Agudas Jisroel und alle jene, die auf dem Boden der historischen Ueberlieferung stehen, wollen die religiöse Gemeinde, die Kehilla Kedoscha, welche die!Notwendigkeiten des jüdischen!Menschen vom Gesichtswinkel der Thora aus befriedigt, auch für die Zukunft erhalten. Bisher ist es gelungen, wenn auch nach opferreichen Kämpfen, den Charakter der religiösen Gemeinde überall zu sichern. Auch in Erez Israel wird die jüdische Gemeinde eine reiigiöse sein. Auch haben die religiösen Minderheiten innerhalb einer Gemeinde die Möglichkeit, eigene Kongregationen zu bilden. Nach Verlautbarung dieses Gesetzes sind nun in Erez Israel innerhalb der Orthodoxie starke 'Strömungen entstanden, dahinzielend, daß durch Schaffung unverbriiehlieh auf religiöser Basis stehender Kongregationen der heilige Charakter des Landes ׳unserer Väter ׳vor den Augen aller neuerlich dokumentiert werde. Der dritte Mittelpunkt ׳jüdischer Kraftansammlung ist R 11 ß l!a 11 d. Die Kolonisationsarbeiten sind rüstig vorwärtsgeschritten. In den letzten drei Jahren wurden für Zwecke der jüdischen Landsiedlung Boden in folgendem Ausmaße zur Verfügung gestellt: 192496.000 1925־ Desjatin, 19251926־ 108,242 Desjatin, 192691.330 1927־ Desjatin. ׳Die Regierung steuerte für Zwecke der jüdischen Kolonisation Subventionen und Kredite in ■Höhe von 2,403.000 Rubel, AGRO- JOINT gab 7,349.000 Rubel, JECO 700.000 Rubel, ORT 311.000 Rubel; aus Bankkrediten und anderen Quellen flössen dem ׳jüdischen Kolonisationswerk 2,993.000 Rubel zu. Der Präsident des Joint, Felix Wariburg, hat ׳im abgelaufenen Jahre dieser neuen jüdischen Siedlung in Rußland einen ׳Besuch abgestattet und sich sehr befriedigt über die Entwicklung der Kolonisation geäußert. Im krassen Gegensatz zu diesem wirtschaftlichen Aufschwung steht die Desolation auf dem Gebiete des religiösen Lebens. Die Versuche der Rabbiner und Gemeindevorsteher, in einer Konferenz die inneren Angelegenheiten der Konfession zu besprechen, wurde mit einer gehässigen Kampagne der Jewsektia beantwortet. Alle Versuche der jüdischen Presse, das russische Problem in den Mittelpunkt der Erörterung zu rücken, blieben erfolglos. Man mißt den internationalen Schwierigkeiten, die durch eine Intervention auswärtiger jüdischer Verbände entstehen könnten, viel zu große Bedeutung bei, um den Mut zu finden, der religiösen Not hunderttausender jiidischer!Familien Rußlands zu steuern. Die Keren-Hathora- Konferenz, die im Schewath des verflossenen Jahres in Amsterdam tagte, hat sich wohl in einer ergreifenden Rer solution an den holländischen Oberrabbinerverband gewendet, um!Maßnahmen •zu erwirken, die den gefährdeten ■Bestand des jüdisch-religiösen Lebens in Sowjetrußland sichern helfen sollen. Es scheint aber, daß auch diese Aktion im Sand verlaufen ist. Außerordentlich erfolgreich war Keren H a t h 0 r a dagegen auf anderen Gebieten. Die Amsterdamer Konferenz im Schwath, die Adar-Konferenzen in Litauen und Lettland, •die 1Ijar־K0nferenz ■in Deutschesterreich, haben den Willen des thoratreuen Judentums, die Aufbauarbeit dort anzusetzen, wo sie am meisten not tut,