Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 15-16 (15.4.1927)
- Date
- 1927-04-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15/16 JÜDISCHE PRESSE Seite 115 unbedingt in ihrer Empfindung und Geltung, erstehen.!Wer eines von ihnen dreimal täglich spricht, so lehren die Weisen, hat Anspruch auf das Leben der künftigen Welt. Nach dem Alphabeth sind viele von ihnen gestaltet. Als ob der Dichter uns zurufen wollte: ״Seht, jeder Buchstabe, wie wahllos ich ihn auch greife, gestaltet sich zum Loblied für den A11mächtigen.“ (Ps. Mo, 110, 111.) Nach siebenzigjährigem Leben, das, im Sinne 'des größten jüdischen Lehrers, ein Leben der Tage ES m 51 5 <%!י\י!י.ז NS "ש2מ1ריי<שיבתוו Einkäufen der e n Kaufleute! war, nach einem Leben, das ברוך יום ה׳ יום alltäglich mit einem Preis an G־tt gekrönt חצות לילה אקות להורות לף und auch in der Nacht mit Lob und Dank er- .füllet war, sollte auch dieses Leben sich vollenden. Nach sieben Jahrzehnten emsigen Schaffens für G-tt und Volk uncl Menschheit kam die Stunde der Ruhe, am Tage der Ruhe, im Jahrzehnt der Ruhe — Sabbat, war es zur Minchazeit, als der Todesengel an ihn herantrat. — (Auch Mosche Rabenu stieg am Sabbat nachmittags den Berg zum letzten Aufstieg empor). Der Abschluß entsprach so ganz dem Ideal, das der Dichter sfls des Lebens höchstes an den Begfim seines Werkes gestellt ״Glücklich der Mensch, der an der G־tteslehre seine Lust hat und über sie sinnet, Tag und Nacht.“ (Ps.!)בליומאדשבחא הוהיתיב וגרים בולו יומא den ganzen Sabbattag hindurch saß der König und forschte, den ganzen Tag. Ein Windstoß durchrieselt die Bäume des Gartens, David schaut hinauf. — Einen Augenblick der Unterbrechung — dejr, Todesengel berührt das königliche Haupt, die Seele entschwebt zu den Höhen der Unsterblichkeit. Sein ■Volk aber ruft bis auf den heutigen Tag: דוד מלך ישראל הי וקים David, der König Israels lebt ewig Die Rückkehr m Lueger. Mau kamt jetzt täglich in den Zeitungen der bei jeder ernsteren Wahlkampagne benützten, daher auch schon ziemlich abgegriffenen Phrase begegnen, daß die Parteien vom Wahlfieber ergriffen seien. Ein Fieber, mit und ohne Delirien, ist niemals ein gesunder Zustand, aber merk- ־würdigerweise können die Juden diesmal gerade in den Kundgebungen, die in der letzten Zeit aus den großen Parteilagcrn strömen, wenigstens ein erfreuliches Moment erblicken, das naive Optimisten vielleicht voreilig als ein Symptom der beginnenden Gesundung deuten könnten. Mau kann nämlich tatsächlich feststellen, daß selbst in den Enunziationen der ausgesprochensten antisemitischen Parteigrößen eine gewisse Rücksichtnahme ■auf die jüdischen Wähler sich verrät, denen man jetzt nicht die invektiven an• den Kopf wirft, mit denen sie sonst so reichlich regaliert werden. Wenn es bei Goethe einmal heißt, ״der Deutsche könne keinen Franzmann leiden, aber seine Weine trinkt er gern“, so scheinen sich jetzt selbst die Antisemiten verschiedener Schattierungen in dem Gedanken zu begegnen, daß, wenn mau die Juden auch nicht leiden די? הזי *3*1 ,kV *3! ה? יה* יי2זי יי.* ־יל**. ן»: 1*31 J&t *> »Sä. •iS* 3IBSSI!מ!!!15מ1»1מ1מ1היןמ1מ *>I*31US*] *31 US* w* V|;)&131) 1׳'[ kVI *3< |*>| *> 1*3« 1*3*1*'* Das ungeläste Sabbatprobletn. Seit Jahren hat die ״Jüdische Presse“ in ihrer Pessachnummer eine. Liste der sabbathaltenden Kauflente und Gewerbetreibenden in Wien veröffentlicht; selbstverständlich keine vollständige Liste, sondern bloß ein ungefähres Verzeichnis von jenen wenigen, die sich die Mühe genommen haben, zumindest eine Postkarte an unsere Redaktion zu richten, ln diesem Jahre veröffentlichen wir bloß als Muster und gleichzeitig als Erinnerung eine ganz kleine Liste, mir damit sie als Aufforderung an die übrigen sabbathaltenden Unternehmungen erscheine, ihren Namen und ihre Adresse der Administration unseres Blattes mitzuteilen. Wir werden in unseren Festtagsnummern die Liste dieser Unternehmungen vollkommen kostenlos veröffentlichen und diese Publikation so lange forts.etzen, bis wir ein möglichst lückenloses Register aller Wiener Unternehmungen, in denen der Sabbat gehalten wird, herausgeben können. Die Fierausgabe eines solchen Registers ist nämlich die erste Voraussetzung einer systematisehen Arbeit für den Sabbat. Wir haben nach der herzhaften Mahnung des Herrn Rabbiners Josef B a u rn g a r t e 11, die er anläßlich der Chanukafeier des Theres Bachurim an die Wiener Orthodoxie gerichtet, in welcher er zu einer Lösung des Sabbatproblems aufrief, gehofft, daß wir schon zu diesem Pessach mit einem vollkommenen Sachregister■ werden dienen können, leider ist w ä h r e 11 d des ganzen Winters trotz der f 1 am men den Worte des ehrwürdigen Redners nichts Wesentliches auf diesem Gebiete unternommen worden. Schade und Schande genug. Der ״Jüdhschen Presse“ steht nicht der Apparat zur Verfügung, um diese unentbehrliche Arbeit zu leisten; wir können bloß das öffentliche Gewissen anrufen und zur Angriffnahme dieser Arbeit anspornen. Wir hoffen, daß Herr Rabbiner Josef Baumgarten, der in der angeführten Rede auf die Wichtigkeit des Sabbatproblems hingewiesen hat, sich nicht damit zufrieden geben wird, dieses Problem aufgerollt zu haben, sondern energisch darauf dringen wird, daß es auch der Lösung nähergebracht werde. Das ungelösto Sabbat• Problem in Wien ist eine schwere Ver•׳ sündigu 11 g an allen sabbat 11 altenden Angestellten und ist eine schwere Anklage gegen die verantwortlichen Führer der Wiener Orthodoxie. P* , Aurumier-Salon und Aurumverkaufsstelle Philipp Langer II., Fr. Hochedlingcrg. 25 Bäckerei Karl Koppel Weiss II., Fr. Hochedlingerg. 24 Buchhandlung Hirschler L. D & Co. I., Rabensteig 6 Galanterieware en detail Helene Preisser 11., Praterstraße 9 Lebensmittel- Handlungen Abzug Jakob II., Fr. Hoche^lingergasse 20 Abraham Isr. Grüner 11., Zirkusgasse 14 S. Hatmann II., Zirkusgasse 16 Rosner 1r., Leopoldsgasse 31 Dweire Golde Kronik II., Leopoldsgassc 15 Milchverschlsiß Dawid Werner II., Große Pfarrgasse 6 Geflügelhandlung Kaufmann Lazar II., Große Schiffgasse 18 Filiale: Baden bei Wien, Beethovengasse 2 (unter Aufsicht der Adas Jisroel) כשר Gefiiigeähandlung orth. K. Fürst II., Große Sperlyasse 25 Telephon 44-378־ Hausu. Küchengeräte en detail H. Bergwerk II., Krummbaumgaase 2 Holz, Kohle, Korks; Riva Halberstamm II., Leopoldsgasse 20 Möbel Adler & Stern I., Schottenring 12 Selchwarenerzeugung auch Flaschenwein Lazar Max II., Untere Augartenstr. 19 Moritz Lazar II., Haidgassc 7 Dawid Schiffmann II., Hollandstraße 16 Uhren, Juwelen, Gold und Silber Abraham Schapira II., Rote Sterngasse 13 Telephon 70-7-75 111—HiiiimnuMl «11 mim 1111111 iirm 11 ווזתחוווו könne, man doch ihre Stimmen gerne hätte. Die Delirien des rasenden Judenhasses sind jetzt ziemlich verstummt. Selbst Dr. Riehl, dessen Kandidatur im zweiten Bezirk auch schon seinen wütendsten Parteifreunden nunmehr als Mißgriff gilt, hätte schon am liebsten die Meinung erweckt,• daß er nicht alle, sondern nur die aus dem Osten gekommenen Juden aus dem Lande. vertreiben wolle. Die Befürchtung liegt leider zu nahe, daß die naiven Optimisten die Motive, die die Rücksichtnahme auf die Juden erklären, verkennen. Nicht was die Politiker vor der Wahl sprechen und — verschweigen, ist entscheidend, sondern das, was sie nach den Wahlen werden erreichen wollen. Der Antisemitismus hat, auch wenn man von seiner Versündigung gegen die primitivsten Lehren der Ethik und der Humanität absieht, dem österreichischen Staate in. Jeder Beziehung nichts als Unheil gebracht. Er hat nicht nur die Seelen vergiftet und den kulturellen Aufstieg gehemmt, sondern auch dem Staate wirtschaftlich die schwersten Schäden .zugefügt. Es wäre in der Tat ein Zeichen d<?r politischen Gesundung und des erstarkten sittlichen Empfindens, wenn man endlich in Oesterreich wieder dazu man während der Vorlesung einem solchen Schreibfehler begegnet, eine andere Thorarolle auszuheben, was als unabweisbare Notwendigkeit festzusteilen, nicht immer so leicht ist, da in dieser Beziehung unter den פוסקים Dezisoren eine weit auseinaiidergehende Meinungsverschiedenheit obwaltet und während der g-ttesäienstlichen Vorlesung zu vielem Nachdenken und zum Nachschlagen in den Quellenschriften naturgemäß keine Zeit und Gelegenheit vorhanden ist. ' Wir' sehen nun, daß unser Rabbi Samuel nicht bloß ein Schrift k ti nd i g c r, sondern auch ein Schrift kundiger war, da er auch die Schrift der Thorarollen meisterhaft zu handhaben verstand. Wenn uns auch dafür keine bestimmte Daten zur Verfügung stehen, so können wir doch mit ziemlicher. Sicherheit annehmen, daß Rabbi Samuel, der doch öfters Geschäftsreisen unternahm lind in so manchen Ortschaften, wo er längere Zeit verweilen mußte, die Schechitah aus religiösem Bedenken nicht in Anspruch nahm, sie für Geflügel mehr als einmal selbst besorgte. Aber auch der dritten der drei empfohlenen Anforderungen entsprach er; denn er war ein vielbeschäftigter Mohel, der mehrere tausend jüdische Knaben eingMülirt hatte בבריתו של א״א in den Bund unseres Stammvaters Abraham. Diese Würde eines Mohel gab ihm willkommene Gelegenheit dazu, daß er in ärmeren Häusern gleichzeitig die Gevatterstelle übernahm oder dieselbe geradezu erkaufte vor armen Eltern, die ein neugeborenes Sölmcheu in der Wiege schaukelten. Aus eigenem deckte er die*mit einer Gevatterschaft verbundenen Auslagen und fand noch Mittel und Wege genug, um darüber hinaus in freigebigster, schonendster, zartfühlendster Weise die hehre Pflicht jüdischer Zedakah, jüdischer Menschenliebe auszuüben. Die umfassende Menschenliebe, die ihn erfüllte, war so warm, so innig, daß das Leid und Weh seiner Mitmenschen stets seinem edlen Herzen naheging. 11־ orte er, daß jemand an das Krankenbett gefesselt sei, so eilte er ohne Zögern dahin, um dem Leidenden Trost zu spenden, Floffniuig auf baldige Genesung einzuflößen, den Balsam des aufrichtigen Mitempfindens in das kranke Herz zu träufeln. Waren die Kranken arm, so besorgte er persönlich die nötigen Arzneimittel und versetzte sie durch die liebevoll uncl sinnig gereichte Unterstützung in die Lage, daß sic die vom Arzt vorgeschriebene Diät pünktlich einhalten konnten; während er selbst die inbrünstigsten Gebete zum himmlischen Vater emporsandte für das Wohl seiner Mitmenschen. Und wie betete er! Sein Gebet war die in Worte gekleidete Sehnsucht nach cletn Schöpfer des Weltalls; der Ausdruck menschlicher Huldigung für den Spender alles Seins; die lautbare Aeußerimg des Herzenswunsches nach dern Segen, nach der Hilfe G-ttes zu dem schweren Kampfe des Lebens, zu dem schweren Kampfe mit den vielseitigen Versuchungen cles Lebens; eine Bereicherung mit jüdischen Fleileswahrheiten; die Offenbarung der tiefsten Demul vor dem Allmächtigen; das erneuerte Geloben des hingebungsvollsten g-ttdienenden Gehorsams; der natürliche Erguß einer nach G-tt schmachtenden Seele, die sich auf den Fittichen des Gebetes emporschwingt zu ihrer g-ttlichen Urquelle. Im vollen Bewußtsein seiner Ohnmacht, seiner Hinfälligkeit, seiner Geringfügigkeit, seiner, äußersten Winzigkeit der Allmacht G־ttes gegenüber stand er, tief gerührt und heftig bis ins Mark erschüttert, versunken in sein Gebet. Seine Kleider waren durchnetzt, sein Betstuhl feucht geworden von dem Strom der Tränen, die er während seiner Andacht vergossen. Die unverkennbaren Spuren dieser Tränen tragen auch die vergilbten Blätter eines Gebetbuches, das als heilige Reliquie von unschätzbarem Werte in den Besitz unseres teuren Vaters überging. Einige Silberfäden, dem Barte des Rabbi Samuel entfallen, sind noch darin geblieben. Wenn unser heiliger Vater ein besonderes Anliegen au■ den 1. G-tt hatte, verrichtete er ״mit Vorliebe aus diesem Gebetbuche seine תפלות ובקשוה und meinte, daß dies an sich schon eine warme Fürsprache sei vor dem Throne des Allerhöchsten, wenn man aus dem Sidur betet, das einst ein Rabbi Samuel, dieser "עברו treue Diener G-ttes, benützt hatte. Nun dürfte es wohl von hohem Interesse sein, zu erfahren, wie Rabbi Samuel selber von sich dachte und sprach, wenn er dazu von anderen angeregt wurde; denn ohne äußere Veranlassung schwieg er gewiß am liebsten von sich. Daß er sich nicht für fähig und würdig genug fand, ein Rabbinat zu verwalten, haben wir bereits von ihm selber erfahren. Glaubte er aber, daß er wenigstens als einfaclter Jehudi seine Pflichten erfüllt, seine heilige Aufgabe restlos gelöst hätte? Um seine Meinung hierüber richtig zu verstehen, müssen wir vorerst von seinen trefflichen Kindern seine drei wackeren Söhne ein wenig vorstellen. Sein ältester Solm war der schon erwähnte Rabbi Wolf, der um das Jahr 5500 in Boskowitz geboren und am 14. Siwan 5578 in Bonyhäd starb, wo er auch zu Grabe getragen wurde. Seinem Namen — Rabbi Wolf Boskowitz — verschaffte er einen Weltruf durch seine segensreiche Wirksamkeit und seine!unterlassenen kostbaren Werke. Die subtilsten Probleme werden von ihm mit äußerst scharfer Dialektik eingehend erörtert, was dem Fachgelöhr־ ten einen selten hohen geistigen Genuß bietet. Von seinem weltberühmten סיר המשגה ziun Rambarn ־